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Aufklärung als Massenbetrug. Von der Kritischen Theorie zur Kritischen Medientheorie

Hausarbeit 2012 15 Seiten

Soziologie - Allgemeines und Grundlagen

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Die Kritische Theorie von Max Horkheimer und Theodor Adorno
2.1 Horkheimers Grundlagenwerk „Traditionelle und Kritische Theorie“: Zeitliche Einordnung, Grobstruktur und definitorische Abgrenzung
2.2 Verflechtung von Wissenschaft und Herrschaft - Horkheimers Kritik der Traditionellen Theorie
2.3 Die Charakteristika der Kritischen Theorie im Kontext von Wissenschaft, Gesellschaft und Ökonomie

3. Von der Kritischen Theorie zur Kritischen Medientheorie
3.1 Massenkultur versus Kulturindustrie - eine Unterscheidung
3.2 Wenn Kultur zur Ware wird: Die Kunst im Zeitalter des Spätkapitalismus
3.3 Massenmedien als Instanzen des Massenbetrug und ihr Einfluss auf die Konsumenten

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

,, Die Frage was Theorie sei, scheint nach dem heutigen Stand der Wissenschaft keine großen Schwierigkeiten zu bieten. Theorie gilt in der gebräuchlichen Forschung als ein Inbegriff von Sätzen über ein Sachgebiet, die so miteinander verbunden sind, dass aus einigen von ihnen die übrigen abgeleitet werden können.‘‘1, konstatiert Max Horkheimer in seiner Schrift Traditionelle und Kritische Theorie und schreibt weiter: ,,Theorie ist das aufgestapelte Wissen in einer Form, die es zur möglichst eingehenden Kennzeichnung von Tatsachen brauchbar macht. ‘‘2Als Gegenstand historiographischer

Rekonstruktionen und problemgeschichtlicher Erörterungen hat seine Kritische Theorie einen festen Platz in der akademischen Landschaft. Doch was versteht man genau unter der Kritischen Theorie? Durch welche Charakteristika grenzt sie sich von anderen Gesellschaftstheorien ab? Und was genau hat es mit den beiden Begriffen der Kulturindustrie und Massenkultur auf sich? Diese und andere Fragen sollen im Verlauf dieser Hausarbeit theoretisch untersucht werden. Dabei soll zunächst eine definitorische Eingrenzung des Begriffes der Kritischen Theorie erfolgen, sowie ein kurzer Abriss über die Entstehung des Terminus gegeben werden. Anschließend wird zur besseren Einordnung kurz die Entstehungsgeschichte skizziert, ehe eine Abgrenzung zur Traditionellen Theorie vorgenommen werden kann. In diesem Kontext werden anschließend die kritischen Überlegungen Horkheimers zur Traditionellen Theorie dargelegt, ehe man zu den Hauptcharakteristika der Kritischen Theorie übergehen kann. Nachdem auf Makroebene die Kritische Theorie im Sinne von Horkheimers und Adornos Schrift ,,Dialektik der ufklärung‘‘ ausführlich behandelt worden ist, erfolgt nun eine inhaltliche Spezifizierung auf das vierte Kapitel ,,Kulturindustrie -Aufklärung als Massenbetrug‘‘. Ein besonderes Interesse liegt hierbei auf der Abgrenzung der beiden Begriffe Massenkultur und Kulturindustrie, die als Schlüsseltermini gelten dürfen. Da die Transformation der Kultur zur Ware als eines der wesentlichen Merkmale der Kulturindustrie gelten darf, wird die Konsumsphäre und Warenform der Kultur explizit erläutert, ehe die grundlegende Ideologiekritik der Kulturindustrie diese Arbeit abrundet.

2. Die Kritische Theorie von Max Horkheimer und Theodor Adorno

Der Terminus Kritische Theorie, der sich ex definitione von dem der Traditionellen Theorie unterscheidet, ist stark von Max Horkheimer geprägt worden. Erstmalige Erwähnung fand er 1937 in der Zeitschrift für Sozialforschung in einem von Max Horkheimer veröffentlichten programmatischen Aufsatz mit dem Titel „Traditionelle und Kritische Theorie“. Darin legt er über die besondere Art des Theorie- und Forschungsprogramms am Frankfurter Institut für Sozialforschung Rechenschaft ab.3Seitdem hat sich der Begriff Kritische Theorie zur Kennzeichnung dieses Programms durchgesetzt. Spricht man von der Kritischen Theorie als Einheitsbegriff, muss angemerkt werden, dass die Rede von der Kritischen Theorie in einem einheitlich strukturierten Schulzusammenhang nicht unproblematisch ist, da sie eine Vielzahl von heterogenen Denkströmungen integriert, die unter dieser Bezeichnung stehen.4In diesem Sinne existiert kein einheitliches Paradigma, dem sich alles zuordnen ließ, was man gemeinhin unter dem Begriff der Kritischen Theorie versteht.5Inspiriert von Philosophen wie Karl Marx und Sigmund Freud schrieb Max Horkheimer in seinem Schriftband Traditionelle und Kritische Theorie: ,,Kritische Theorie ist interdisziplinärer Materialismus als groß angelegter Versuch der Überwindung der Apriorien der bürgerlichen und der marxistischen Wissenschaft.‘‘6Angelegt als praktische Philosophie, die sich mit dem Ideal und dem Betrieb der nachkopernikanischen Wissenschaft beschäftigt, unterscheidet sich die Kritische Theorie allein schon durch ihre Zielsetzung von der bürgerlichen Wissenschaft. Anders als die positivistisch operierenden Fachwissenschaften oder auch die idealistisch theoretische Philosophie intendiert die Kritische Theorie eine gesellschaftliche Veränderung mit dem Ziel einer vernünftigen Gesellschaft mündiger Menschen mit zunehmender Selbstbestimmung.7Auch wenn der Terminus Kritische Theorie etymologisch bei Horkheimer zu verorten ist, so gilt dennoch die von Horkheimer und Theodor W. Adorno von 1944 bis 1947 gemeinsam verfasste Essay-Sammlung Dialektik der Aufklärung als Hauptwerk der Kritischen Theorie. In ihrer sozialwissenschaftlichen Tradition stehen Max Horkheimer und Theodor W. Adorno als Hauptvertreter für die sogenannte ,,Ältere Kritische Theorie‘‘. Sie stehen stellvertretend für eine Generation an Gesellschaftskritikern, die bereits zu Zeiten der Weimarer Republik in Erscheinung getreten war und die, von politischer Verfolgung bedroht, ihre Beiträge allesamt im Exil publizierten.8Doch erst nach dem zweiten Weltkrieg und bedingt durch die Erfahrungen des Nationalsozialismus fand die Kritische Theorie umfassende

Beachtung, da die Studentenschaft eine rationale Erklärung für die Geschehnisse während der Zeit der NS-Diktatur verlangte.9

2.1 Horkheimers Grundlagenwerk „Traditionelle und Kritische Theorie“: Zeitliche Einordnung, Grobstruktur und definitorische Abgrenzung

Max Horkheimer stellt in seiner Schrift die Traditionelle der Kritischen Theorie gegenüber, wobei sein Fokus auf der Abgrenzung zwischen beiden Strömungen liegt. Er erörtert dabei im Besonderen die Unterschiede und inwiefern die Kritische Theorie über die Traditionelle hinausgeht. Damit hat sein Aufsatz stark programmatischen Charakter. Schon vorher hatte sich Horkheimer mit dem Verhältnis von Soziologie und Psychologie, dem Rationalismusstreit in der Philosophie sowie Fragen der Moral beschäftigt.10 Auswirkungen dieser Frühwerke sind in der Struktur von Horkheimers Aufsatz wiederzufinden, die eine klare Zweiteilung erkennen lässt. Eine Darlegung der traditionellen Auffassung des Theoriebegriffs in der Wissenschaft eröffnet die kritische Reflexion dieses Verständnisses, mit der der erste Teil schließt. Anschließend wird im zweiten Teil dargelegt, was den klassischen Theoriebegriff von jenem der Gesellschaftskritiker unterscheidet, und welche Grundstrukturen der Gesellschaft zu diesem Verständnis führen.11Horkheimer betont dabei den hypothetischen Charakter apriorischer, sprich erfahrungswissenschaftlicher Theorien und spricht dabei von einem Ordnungsgefüge von Hypothesen. Nach seiner traditionellen Auffassung von Theorie stehen sich dabei das gedanklich formulierte Wissen und der Sachverhalt, unter dem es befasst werden soll, gegenüber. Das traditionelle wissenschaftliche Wissen wächst dabei durch die Bereitschaft, die aus Theorien abgeleiteten Erfahrungssätze mit der Wirklichkeit zu konfrontieren, das heißt eine Beziehung zwischen der Konstatierung des Sachverhalts und der begrifflichen Struktur dieses Wissens herzustellen.12Horkheimer weist darauf hin, dass die dem Kapitalismus innewohnende Notwendigkeit der fortwährenden Umwälzung der materiellen Produktionsbedingungen, Neuentdeckungen und Umstrukturierungen nötig macht. Nur so kann sich die falsifikatorische Forschungslogik und das entsprechende Theorieverständnis von Theorie als Ordnungssystem von Hypothesen durchsetzen, denn von der logischen Situation her besteht keine Notwendigkeit, auf Neuentdeckungen mit der Umstrukturierung vorhandener Kenntnisse zu reagieren.13Was wissenschaftlich zweckmäßig ist, hängt seines Erachtens stets auch von der Richtung und den Zielen der Forschung ab. Wie der Einfluss des Materials auf die Theorie, so ist auch die Anwendung der Theorie auf das Material nicht nur ein wissenschaftsinterner, sondern zugleich auch ein gesellschaftlicher Vorgang.14

2.2 Verflechtung von Wissenschaft und Herrschaft - Horkheimers Kritik der Traditionellen Theorie

In der von Karl Marx bis zu Georg Lukács geübten Kritik an der falschen Denkform galt es als Selbstverständlichkeit, dass die Theorie die Gesellschaft nur in dem Maße einer Kritik unterziehen durfte, in dem sie in ihr rückbezügliche Gesichtspunktes wiederzuentdecken vermochte.15Im Gegensatz zur Traditionellen Theorie hat die Kritische Theorie der Gesellschaft die Menschen als die Produzenten ihrer gesamten historischen Lebensform zum Gegenstand16. Horkheimer schreibt dazu:

,, Die Verhältnisse der Wirklichkeit, von denen die Wissenschaft ausgeht, erscheinen ihr nicht als Gegebenheiten, die bloß festzustellen und nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit vorauszuberechnen wären.

[...]


1Horkheimer, Max (1992): Traditionelle und kritische Theorie. Fünf Aufsätze. Frankfurt: Fischer Verlag. 1992, S. 1

2 Ebd., S.1

3Vgl. Gess, Heinz (2004): Kritische Theorie- Was ist das? In http://www.kritiknetz.de/images/stories/texte/kritische_theorie.pdf. Letzter Zugriff am 14.06.2012, S.1f.

4Vgl. Tsai, Jiann-Horng (2009): Zur Theorie der Moderne bei Habermas. In http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/volltexte/2011/12814/pdf/Dissertation.pdf. http://www.kritiknetz.de/images/stories/texte/kritische_theorie.pdf. Letzter Zugriff am 14.06.2012, S.9.

5Vgl. Wiggershaus, Rolf (1987): Die Frankfurter Schule. Geschichte-Theoretische Entwicklung-Politische Bedeutung. München: Hansa Verlag, S.728f.

6Horkheimer, Max (1988): Traditionelle und kritische Theorie. Gesammelte Schriften Band 4. Frankfurt: Fischer Verlag, S. 41.

7 Vgl. Gess 2005, S.1f.

8Vgl. Dubiel, Helmut (1992): Kritische Theorie der Gesellschaft: Eine einführende Rekonstruktion von den Anfängen im Horkheimer-Kreis bis Habermas. Grundlagentexte Soziologie. Weinheim/München: Beltz Juventa, S.11ff.

9Vgl. Ebd., S.93.

10Vgl. Gess 2005, S.1ff.

11 Vgl. Gess 2005, S.1f.

12Vgl. Ebd., S.2.f.

13Vgl. Kromney, Helmut (2009): Empirische Sozialforschung: Modelle und Methoden der standardisierten Datenerhebung und Datenausweitung. Stuttgart: UTB, S.61ff.

14Vgl. Honneth, Axel (1982): Von Adorno zu Habermas. Zum Gestaltwandel kritische Gesellschaftstheorie. In: Bonß, W./Honneth, A.(Hrsg.): Sozialforschung als Kritik. Zum sozialwissenschaftlichen Potential der Kritischen Theorie. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S.87-126.,S. 80ff.

15Vgl. Tsai 2009, S.9.

16 Vgl. Streichert, Till (2009): Von der Freiheit und ihrer Verkehrung. Berlin: Walter de Gruyter, S.193.

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656626756
ISBN (Buch)
9783656626664
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270902
Institution / Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart
Note
1,7
Schlagworte
kultur kommunikation horkheimer adorno massentheorie kritische theorie

Autor

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