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Körperwelten - endlich unsterblich oder würdelose Leichenshow?

Hausarbeit 2001 33 Seiten

Ethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Körperwelten im Spiegelbild von medizinisch, säkularer-naturalistischer, christlich-religiöser und rechtlicher Betrachtungsweisen
2.1. Die medizinische Sichtweise
2.1.1. Ein Exkurs in die Geschichte der Anatomie
2.1.2. Die moderne Anatomie-tabuisiert für die Allgemeinheit
2.1.3 Die Plastination
2.1.4 Die Bedeutung der Plastination
2.1.5. Das Theater Anatomicum-vom Inhalt der Ausstellung
2.2 Die naturalistisch-säkulare Sichtweise
2.3. Körperwelten aus religiöser Sicht
2.4. Körperwelten aus juristischer Sicht

3. Die Zukunft von Körperwelten-mögliche Handlungsalternativen
3.1. Verbot der Ausstellung „Körperwelten“
3.2. Verbot der Ausstellung von Ganzkörperplastinaten
3.3. Genehmigung der Ausstellung mit der Entfernung einiger Ganzkörperplastinate
3.4. Die tabulose Anerkennung und ständige Präsentation der Ausstellung

4. Das Wertekorsett unserer Gesellschaft-Körperwelten im Blickpunkt gesetzlicher, religiöser und philosophischer Normen
4.1. gesetzliche Bestimmungen
4.1.1. Die Körperspende
4.1.2. Die Bestattungspflicht und Totenfürsorge
4.2. Menschenwürde aus rechtlicher und philosophischer
Sicht
4.3. Menschenwürde und Leiblichkeit aus theologischer Sicht

5. Ein persönlicher Rückblick auf Körperwelten
5.1. Aufklärung und Plastinat
5.2. Körperwelten und Tod
5.3. Körperwelten, Körperspender und Gesellschaft
5.3.1. Körperwelten und Gesellschaft
5.4. Körperwelten und Menschenwürde
5.5. Kritik an Körperwelten

6. Ein Ausblick in die Zukunft

Körperwelten-endlich unsterblich oder würdelose

„Leichenshow?“

1.Einleitung

Kaum eine Ausstellung in den letzten Jahrzehnten hat die Öffentlichkeit so polarisiert, wie es den „Körperwelten“ gelungen ist. Das Interesse an der Ausstellung, wobei mehr als 200 echte menschliche Plastinate gezeigt werden, ist nach wie vor ungebrochen.

Das durch den Anatomieprofessor von Hagens entdeckte Verfahren der Plastination und die damit verbundene Möglichkeit der dauerhaften Konservierung von Organen, Gewebsresten und Toten, wurde 1994 zum ersten Mal, beim Tag der offenen Tür des anatomischen Instituts in Heidelberg, einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Das positive Echo vieler Besucher fand letztendlich seinen Ausdruck in der populärwissenschaftlichen Ausstellung „Körperwelten“, die nun seit vielen Jahren ununterbrochen in deutschen und internationalen Städten gastiert.

Seitdem wird über die Legitimität der Ausstellung vehement diskutiert. Namhafte Theologen, Philosophen, Mediziner und Rechtswissenschaftler sind daran beteiligt, wobei die Meinungen unterschiedlich dimensioniert sind. Kritiker werfen ihm den Verstoß gegen die Menschwürde nach Artikel 1 des Grundgesetzes vor. Von Hagens wird der Leichenfledderei bezichtigt, er degradiere die Menschen zur Biomasse, wobei er mit „Leichen spiele, wie ein Kind mit Puppen“.[1] Er wird als Vertreter der Generation bezeichnet, die für den Verfall von Sitten und Werten einer Spaß-und erlebnisorientierten Konsumgesellschaft verantwortlich zu machen ist. Der Tabubruch der mit der Ausstellung echter Toter vollzogen wurde, ist ein Verstoß gegen das Gebot der Totenruhe, welches nicht nur geltende Gesetze, sondern auch gegen das kirchliche „Memento mori“ verstößt.

Andere wiederum scheuen keinen Vergleich zum Nationalsozialsozialismus und setzen Körperwelten mit den Verbrechen des Naziregimes auf eine Stufe.

Andererseits befürworten viele Geistes- und Naturwissenschaftler, abgesehen von der Zustimmung eines überwiegenden Teils der Bevölkerung, die Ausstellung.

Sie begrüßen die Demokratisierung der Anatomie und die Möglichkeit der Betrachtung des großartigen Wunderwerkes der Schöpfung. Das didaktische Konzept gebe auch Laien, die Möglichkeit eines Erkenntnisgewinns über die Gestalt, Form und Innerlichkeit ihres eigenen Körpers. Diese Möglichkeit der Selbsterkenntnis könnte darüber hinaus zur Achtung und Ehrfurcht vor dem Leben führen, wie dies auch schon Albert Schweitzer proklamiert hat.[2]

Nun hatte ich frühzeitig die Entscheidung getroffen, mich im Rahmen einer Hausarbeit intensiv mit dieser Thematik auseinander zusetzen. Meine ursprüngliche negative Haltung die unter anderem durch Medienberichten stark mit moralischen Vorurteilen gewichtet war, sollte jedoch nach dem Besuch der Ausstellung eine Umkehr erfahren. Wie sagte schon jemand „Man geht anders rein, als man herauskommt“.[3] In der hier vorliegenden Arbeit soll nun zum Ausdruck kommen, warum eine Relativierung meines Urteils erfolgte.

Ich konnte jedoch nicht jeden positiven, wie negativen Aspekt berücksichtigen und habe somit eine Begrenzung, auf die mir am wichtigsten erscheinenden Themen vorgenommen.

Verstößt die Ausstellung gegen das Prinzip der Menschenwürde, geht dieser Tabubruch mit einer Störung der Totenruhe einher, wird der Mensch verobjektiviert und damit zum Produkt einer voyeuristischen, zunehmend entfremdeten Gesellschaft?

Die zum Teil sehr stark ambivalenten Meinungen und die indifferente, populistische Benutzung von Schlagwörtern wie Pietät, Würde, Totenruhe oder gute Sitten erschwerten eine aktuelle Positionsanalyse aus theologischer, rechtlicher und naturalistisch-philosophischer Sicht. Im Anschluß an die vielen unterschiedlichen Sichtweisen sind einige Handlungsoptionen dargelegt, bevor ich Körperwelten einer rechtlichen, theologischen und philosophischen Normenprüfung unterzogen habe. Daraus abgeleitet habe ich im 5. Kapitel die Bildung meines eigenen Werturteils vorgenommen, woran sich noch ein Ausblick in die Zukunft anschließen wird.

2. Körperwelten im Spiegelbild von medizinisch,

säkularer-naturalistischer, christlich-religiöser und

rechtlicher Betrachtungsweisen

2.1 Die medizinische Sichtweise

2.1.1. Ein Exkurs in die Geschichte der Anatomie

Geschichtlich lässt sich die Geburtsstunde der Anatomie in die Renaissance verlegen.

Die jahrhundertelange vorherrschende, mystische Betrachtung von Krankheit und Tod, der Glaube an die Wiederauferstehung am jüngsten Tag und das damit einhergehende Verbot der Sektion von Verstorbenen, erfuhr eine Wandlung durch den beginnenden Imperialismus der Naturbeherrschung[4] -Sektionen stehen im Dienst der Wissenschaft. Nach Andreas Vesalius ist der einzige zuverlässige Weg zur Erkenntnis des menschlichen Körperbaus, die Durchforschung der menschlichen Leiche.

Der damalige Aufstieg der Anatomie als Wissenschaftsgebiet hatte eine enge Verbindung zur bildenden Kunst.[5] Schon von Hagens bemerkt treffend, dass die Anatomen der damaligen Zeit den Abstand zwischen „sezierter Leiche“ und den Lebenden, durch posierende Ganzkörperpräparate verringerten. Stellvertretend sei hier Leonardo da Vinci erwähnt, der genaue Zeichnungen des menschlichen Körpers anfertigte und dabei seine Präparate posieren ließ. Nach von HAGENS kommt dabei den Präparaten eine Illusion des Lebens zu, die etwaige Gedanken an den Tod zurückdrängt.[6]

Anfang des 16.Jahrhunderts hatte die Öffentlichkeit in Amsterdam noch Zugang zu anatomischen Vorlesungen und Sektionen des Dr.Tulp. Diese wurden im sogenannten Anatomischen Theater vorgenommen und waren bei den Bürgern recht beliebt, war es doch möglich Neugier und Nervenkitzel miteinander zu verbinden.[7]

2.1.2 Die moderne Anatomie-tabuisiert für die Allgemeinheit!

Die wissenschaftliche Zweckdienlichkeit und der Lehrauftrag der Anatomie ist bis heute unbestritten, jedoch tut sie seit 200 Jahren Ihren Dienst in der Abgeschiedenheit der Labore und Kellersäle der Institute oder Krankenhäuser-hier dient der Tod dem Leben. Tabuisiert, fern der Öffentlichkeit ist es nur Experten erlaubt, die Grenzen zu überschreiten.

Schon deshalb ist es nicht verwunderlich, warum allein der Begriff Anatomie einen Gänsehautcharakter besitzt und ihr damit auch ein Hauch des Unheimlichen und Grusligen zukommt. HYRTL schreibt dazu „Der volle Leichensaal ist kein Eden (... die mit der Zeit sich einstellende Abstumpfung hebt die Schädlichkeit nicht auf und zeigt, was der Mensch alles überwinden lernt, wenn ihn der Geist des Forschens selbst an solche Quellen der Wahrheit führt.“[8]

Dabei trägt die Anatomieleiche, aufgedunsen, entfärbt, von beißendem Formalingeruch gekennzeichnet, zum emotionalen Ekel und zur Abscheu bei.

Ein unbekannt gebliebener Anatom bemerkt dazu: „Die organisierte Schamlosigkeit wird im Präparierkurs... eingeübt. ( Wir machen uns einen Körper völlig verfügbar, nehmen ihm die Intimsphäre und benutzen ihn. Wir gehen ihm unter die Haut, verletzen ihn, kehren das Innerste nach außen. Wir trennen in Brennbares und Unkonstruiertes, Erhaltenswertes und Abfall. Wir trennen den Körperteil vom ganzen Körper. Wir benennen das „Namenlose.“[9] Die anatomierte Leiche-das Massakerpräparat der studentischen Verwüstung.[10]

2.1.3 Die Plastination

Die übliche Methode der Konservierung von Toten oder Teilen des Körpers, um sie vor der Verwesung zu bewahren, wird mittels Formalin herbeigeführt. Von Hagens entdeckte 1977 das Verfahren der Plastination, dabei wird dem Körper im Vakuumverfahren, dass Körperwasser entzogen und durch Spezialkunstoffe (Silikonkautschuk und Expoxidharz) ersetzt. Die Körperzellen und das natürliche Oberflächenrelief bleiben in ihrer ursprünglichen Form, bis in den mikroskopischen Bereich naturgetreu und dauerhaft erhalten. Dies ermöglicht eine Anschaulichkeit von Poren, feinsten Härchen und Gewebestrukturen.

Die Präparate sind trocken und geruchsfrei im Unterschied zur Formalinkonservierung.[11]

2.1.4 Die Bedeutung der Plastination

Vor der Entdeckung der Plastination wurden für die studentische Ausbildung vorrangig formalinkonservierte Leichen und Organe benutzt. Den Möglichkeiten der Haltbarmachung auf unbegrenzte Zeit hin gesehen, sind aber auch hier oftmals Grenzen gesetzt. Des weiteren unterliegen „Anatomieleichen“ emotionalen Besonderheiten, deren psychologische Auswirkungen auf Studenten kritisch bewertet werden.[12] (siehe Abschnitt 2.1.2.)

Die Plastination ist ursprünglich als Verfahren entwickelt worden, um die studentische und ärztliche Ausbildung zu verbessern.

Durch die Erhaltung des fein strukturierten Oberflächenreliefs von Organen und Gewebsresten, kann das Präparat in vordem nie erreichter Anschaulichkeit zum Lernen und Prüfen benutzt werden.[13]

Dabei wird immer wieder die Authenzität, Objektivität und die Unverfälschlichkeit der Präparate hervorgehoben.[14] So werden zum Beispiel vom Institut für Plastination, anatomische Präparate für HNO-Ärzte zum Zweck von Operationsübungen am Schläfenbein hergestellt.[15]

Die Scheibenplastinate, transparente, kontrastreiche Präparate von wenigen Millimetern Dicke-vergleichbar etwa mit der eingeschlossenen Mücke im Bernstein, dienen vorrangig Forschungszwecken.[16] Letztendlich zeigen Scheibenplastinate viel mehr Details als ursprüngliche Diagnoseverfahren (Computertomografie, Kernspintomografie, Ultraschall), da das Problem der Überlagerungen entfällt.[17]

So können anatomische Strukturen analysiert und erforscht werden, ohne dass wie bei der herkömmlichen Präparationstechnik in subjektiver Weise eine Manipulation erfolgt. Die Plastination ermöglicht außerdem eine Verfestigung der „Weichteile“, wodurch nicht nur Knochen, sondern auch Muskeln eine Haltefunktion übernehmen können. Der ganze Körper kann dabei in aufrechter Form, in verschiedenen posenhaften präparatorischen Stellungen gehalten werden.

Durch das Auseinanderweichen der anatomischen Strukturen, auch als fragmentierte Gestaltung bezeichnet, besteht die Möglichkeit den ganzen Körper bis in die entlegensten tiefsten Schauräume dreidimensional darzustellen.[18]

Zahlreiche Anatomieinstitute und Medizinische Hochschulen arbeiten heute nach dem Plastinationskonzept, im Brockhaus hat das Verfahren einen Eintrag erhalten und überall wird von Hagens bescheinigt, wie unvergleichlich qualitativ schön und wichtig seine Präparate für die Ausbildung von Medizinern seien.

Ihm wird die Schaffung einer neuen Qualität der Anatomie zugeschrieben. Nicht mehr übelriechende, nasse und graue dehumanisierte Präparate die in mit formalingefüllten Gläsern und Wannen ein Objekt studentischer Lehre und Experimente sind, sondern frische reine und naturgetreue Präparate die auch der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden können.

2.1.4. Das Theater Anatomicum-vom Inhalt der Ausstellung

In Körperwelten sind rund 200 echte menschliche Präparate in unterschiedlichsten Formen und Gestaltungen dargestellt. Dazu zählen:

- Scheibenplastinate: 3 Millimeter dünne Längs-und Querschnitte des menschlichen
Körpers
- Blutgefäßplastiken: die arterielle und venöse Blutbahn verdeutlichen sollen
- Ganzkörperplastinate: Darstellung der Körper in verschiedenen Bewegungsposen
- fragmentierte Plastinate: expandierte menschliche Körper
- Embryos und Föten unterschiedlichster Entwicklungsstadien oder mit diversen

Missbildungen die zum Tode führten.[19]

Im Hauptteil sind dabei die Plastinate nach funktionellen Sichtweisen geordnet.

Über den Bewegungsapparat zum Blutkreislauf und weiter zum Nervensystem, bis zur fötalen Entwicklung des Menschen. Dabei werden jedem Funktionskreis mehrere unterschiedlich krankhaft veränderte Organe zugeordnet. So sind zum Beispiel Präparate dargestellt, die karzinoid veränderte Lungen oder infarktbetroffene Herzen zeigen.[20]

2.2 Die naturalistisch-säkulare Sichtweise

Nach der „naturalistischen“ Entzauberung der Welt, durch moderne Aufklärung über Ursprung und Wesen des Menschen-nicht mehr Gottes Geschöpf, sondern Zufallsprodukt des Urknalls, jetzt die Dekonstruktion der Sterblichkeit. Ein neuartiges Verfahren, welches sterbliche Hüllen, postmortal unsterblich macht.[21] „...mich fasziniert es, auch nach meinem Tod zu existieren.“[22] Verwesungsfrei soll in eine neue Art der Unsterblichkeit eingegangen werden. Die Ausstellung wird als Auferstehung des hautnackten Leibes gekennzeichnet. Makellos, schön, ästhetisch und athletisch sind die bevorzugten Attribute, um den eigenen Körper zu charakterisieren. Die Plastinate werten den Körper auf, in einer Gesellschaft zu deren wesentlichen Merkmalen heute, der Körperkult zu gehören scheint.

Mit Fitness, Wellness und einer exorbitant ausufernden Schönheitschirurgie werden das Altern und der Tod des Körpers verdrängt. „Ich bin froh auch nach meinem Tod ein zweckdienliches, auch optisch ansehnliches Objekt innerhalb der Gesellschaft zu bleiben.“[23]

Mit der Ausstellung soll den Besuchern eine Identifikation mit der Hinfälligkeit, aber auch mit dem Glanz der eigenen Leiblichkeit ermöglicht werden: „Wir sehen uns selber an“.[24] „Ich begreife mich jetzt besser und bin voller Hochachtung vor meinem Körper“.[25]

Der Laie muss in einer aufgeklärten Gesellschaft fragen dürfen, wie der menschliche Körper von innen beschaffen ist. Das Wissen um die Komplexität, Struktur und Differenziertheit erhöht dabei die Wertschätzung für den eigenen Körper, „... der Mensch ist ein Kunstwerk...“[26] und fördert damit zugleich eine gesunde Lebensweise.[27]

Bei repräsentativen Umfragen gaben 53 % der Besucher an, „in Zukunft mehr auf ihre Gesundheit zu achten“ und 18 % sind nach der Ausstellung eher zur Organspende bereit.[28]

Jedoch kritisieren Kollegen die Ausstellung als Gruselkabinett. Schließlich und letztendlich werden institutsinterne, anatomische Sammlungen auch nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Exponate aus Kunststoff und Atlanten hätten den menschlichen Körper genauso sichtbar zeigen und erläutern können.[29]

Nach Auskunft der Organisatoren soll die Ausstellung zum Nachdenken über den Tod anregen und nicht wie so oft behauptet, die Sensationsgier einer oberflächlichen Spaß-und Erlebnisgeneration befriedigen.

2.3. Körperwelten aus religiöser Sicht

Die schärfste Kritik die von namhaften Kirchenvertretern vorgebracht wird, bezieht sich auf die Missachtung der Menschenwürde und die fundamentale Störung der Totenruhe, durch die Schaffung anonymisierter Exponate in einer zirkusähnlichen Ausstellungsatmosphäre.

Der schamlose pietätlose Umgang mit dem Tod, suggeriere der voyeuristischen Gaffer und Guckerkultur einerseits einen Unsterblichkeitsgedanken und verstärke andererseits die Unfähigkeit zur Trauerarbeit.[30]

Mit der Verfremdung des menschlichen Leichnams zum Plastinat werde die letzte Hürde des Respekts vor dem Anderen überwunden und das Memento mori der Kirche konterkariert.

Im Gegensatz zur säkularen Sichtweise gründet sich die Würde des Menschen im christlich religiösen Glauben allein im Geschaffensein durch Gott.[31] „Gott erschuf den Menschen als Gottes Ebenbild, als gegenüber für Gott“.[32] Würde ist eine angeborene Qualität, mit dem Ziel sich dieser im Laufe seines Lebens als würdig zu erweisen, mit anderen und mit Gott respektvoll umzugehen. Mit der Plastination wird der Mensch zum Objekt degradiert, zu einem bloßen Mittel zum Zweck und damit entwürdigt.

Durch die Verkündung von der Botschaft der Menschwerdung Gottes, die Inkarnation, die Fleischwerdung wurde der menschliche Leib aufgewertet. Gott will sich in der Leiblichkeit des Menschen ausdrücken.[33]

Durch die Transformation des menschlichen Leibes zu einem plastinierten Endprodukt, werde also auch die Beziehung des Menschen zu seinem Schöpfer missachtet. Die Würde des Menschen wird nur geachtet, wenn sein Leib unverfügbar bleibt. „Aus Staub ist er-zu Staub wird er“.[34]

Danach verstößt die Plastination gegen das Gebot der Totenruhe, da sie das kirchliche Leichenbegräbnis verweigert, welches schon Augustinus für unabdingbar hielt.[35]

[...]


[1] vgl. Berliner Morgenpost vom 15.02.01

[2] vgl. F.J.Wetz/B.Tag, Schöne neue Körperwelten, Stuttgart 2001, S.12

[3] vgl. www.svz.de

[4] vgl. A.Gehlen, Quelle unbekannt

[5] vgl. A.W.Bauer, (wie Anm. 2), S.171ff

„Die Sektion des Dr.Nicolas Tulp“(Rembrandt), als auch Holzschnitte aus dem 16.Jahrhunder über die

Anatomie sezierter Körper,

[6] vgl. G.von Hagens, (wie Anm. 2), S.44

[7] vgl. A.W.Bauer, (wie Anm.2), S.173

[8] vgl. G.von Hagens, (wie Anm. 2), S.40

[9] vgl. Mabuse 112, (März/April 1999), S.60

[10] vgl. G.von Hagens, (wie Anm. 2), S.41

[11] vgl. Mabuse 112, (März/April 1999), S.56

[12] vgl. G.von Hagens, (wie Anm. 2), S.40

[13] vgl. G.von Hagens, Führer durch die Ausstellung, S.5

[14] vgl. G.von Hagens, (wie Anm. 2), S.41

[15] vgl. www. Körperwelten.de.

[16] vgl.W.Kriz, (wie Anm.2), S.34

[17] vgl.K.Tiedemann, (wie Anm. 2), S.30

[18] vgl.G.von Hagens (wie Anm. 2) S.45ff

[19] vgl. www.H.Schulz -Rückblick Körperwelten

[20] vgl. www. Körperwelten.de.

[21] vgl. www.Merkur.de. Archiv

[22] vgl. Charlton/Burbon/Staiblin/Zander, (wie Anm. 2), S.352

[23] vgl. ebenda, S.355

[24] vgl. Süddeutsche Zeitung vom 24.01.00

[25] vgl. G.von Hagens, (wie Anm. 2), S.61

[26] vgl. Charlton/Burbon/Staiblin/Zander, (wie Anm. 2), S.343

[27] vgl. B.Heimbach, Deutsche Hebammenzeitschrift 07/2000, S.398

[28] vgl.E.-D. Lantermann, (wie Anm. 2), S.295

[29] vgl. www.waz.de. Archiv /Lokalausgabe Oberhausen 16.11.2000

[30] vgl. U.H.J.Körtner, (wie Anm. 2), S.251

[31] vgl. Arbeitsgemeinschaft Katholischer Pflegeorganisationen: Die ethische Verantwortung der Pflegeberufe,

Quelle unbekannt

[32] vgl. C.Schlecht, Ethik im Gesundheitswesen, Berlin Heidelberg, 1999 S.132

[33] vgl. O.Betz, Der Leib als sichtbare Seele, Kreuz-Verlag, Stuttgart, 1991 S.238

[34] vgl. H.-J.Hähn, (wie Anm. 2), S.221ff

[35] vgl. K.Bergdolt, (wie Anm. 2), S.209

Details

Seiten
33
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638292214
ISBN (Buch)
9783638649339
Dateigröße
610 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v27087
Institution / Hochschule
Evangelische Fachhochschule Berlin – Pflegemanagement
Note
1,0
Schlagworte
Körperwelten Leichenshow

Autor

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