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Identitätsspielraum Soziale Netzwerke

Inwiefern können soziale Netzwerke zur Identitätsbildung von Jugendlichen beitragen?

Hausarbeit 2013 17 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Identitätsbildung im Jugendalter
2.1 Identitätsbildung nach Erikson
2.2 Aufwachsen und Sozialisation durch und mit Medien
2.3  Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen

3. Soziale Netzwerke
3.1 Das Web 2.0
3.2 Soziale Netzwerke
3.3 Das Soziale Netzwerk „Facebook“
3.4 Nutzungsverhalten Jugendlicher von Facebook

4. Virtuelle Identifikationskonstruktionen
4.1 Motivation und identitätsrelevante Prozesse zur Teilnahme an sozialen Netzwerken
4.2  Risiken für Jugendliche durch soziale Netzwerke

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Laut der Jim-Studie 2012 bildet die Nutzung Sozialer Netzwerke einen zentralen Aspekt der Internetnutzung Jugendlicher[1]. 81% nutzen mittlerweile das Soziale Netzwerk „Facebook“. Das Einstiegsalter liegt bei 12,7 Jahren (vgl.,Jim-Studie,2012,S.33).

Das Medium Internet,speziell das Web 2.0, und  damit Soziale Netzwerke wie „Facebook“ oder „Schüler-VZ“ nehmen mittlerweile einen hohen Stellenwert in der Welt der Jugendlichen ein. Auch die breite Öffentlichkeit ist darauf aufmerksam geworden. So kann man im „Focus-Online“ folgendes Statement lesen: „Wer nicht drin ist, gehört nicht dazu. Soziale Netzwerke sind aus dem Leben der meisten Kinder und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken.“ (www.focus.de )

Somit stellt sich die Frage, wenn Medien und insbesondere das Internet und seine Sozialen Netzwerke eine so wichtige Rolle in der Welt von Jugendlichen spielen, inwieweit diese nicht auch zur Identitätsbildung von Jugendlichen beitragen. Dieser Frage möchte diese Arbeit nachgehen. Zunächst wird deshalb näher auf die Identitätsbildung junger Menschen im Jugendalter eingegangen. Inwieweit Kinder und Jugendliche heutzutage durch und mit Medien sozialisiert werden, wird ebenfalls dargelegt. Die Vorstellung des sozialen Netzwerkes „Facebook“  folgt im Anschluß. Im dritten Teil dieser Arbeit wird näher auf die Konstruktion von Identität durch Soziale Netzwerke eingegangen, genauso die Gefahren, die damit verbunden sein können. Danach sollte es möglich sein, die Frage dieser Arbeit im Fazit beantworten zu können.

2. Identitätsbildung im Jugendalter

Dieses Kapitel befasst sich mit grundlegenden Definitionen von Identität im Allgemeinen und Identität im Jugendalter im Speziellen. Desweiteren soll dargelegt werden, wie Sozialisation durch Medien stattfindet.

Der Begriff Identität beschreibt zunächst unverwechselbare Fakten eines Individuums, wie z.B. Name, Alter, Geschlecht. Damit ist es möglich, sich von anderen abzugrenzen (vgl.,Oerter,Montada,2002,S.290). Im psychologischen Sinne ist mit Identität demnach eine unverwechselbare Persönlichkeitsstruktur verbunden, die man nur mit diesem einen Individuum oder Menschen in Verbindung bringt (vgl.,ebd.).

„Für das Verständnis von Entwicklung im Jugendalter ist aber noch eine dritte Komponente der Identität wichtig, nämlich das eigene Verständnis für die Identität, die Selbsterkenntnis und der Sinn für das, was man ist bzw. sein will“ (Oerter,Montada,2002,S.291)  Damit wird ersichtlich, dass das Jugendalter gekennzeichnet ist durch die Suche und die Ausbildung der eigenen Identität. Mit zunehmenden Alter wird das Realbild, wie man ist, vom Idealbild, wie man sein möchte, getrennt. Die Jugendlichen lernen allmählich, sich aus der Sicht anderer zu betrachten (vgl.,ebd.,S.294).  Vielfach ist die Identitätsbildung- und suche mit unterschiedlichsten Problemen für Jugendliche behaftet. Die Jugendlichen lösen sich zusehends vom eigenen Elternhaus. Die Einstellungen und Lebensführung der eigenen Eltern wird kritisch beleuchtet. Beziehungen außerhalb der Familie zu Gleichaltrigen werden zusehends wichtiger. Das Zugehörigkeitsgefühl zu Peergroups, in denen der Jugendliche sich erproben und selbst neu erfahren kann, spielt eine immer wichtigere Rolle. Damit ist diese Phase mit vielen Konflikten und Auseinandersetzungen verbunden, die für den Jugendlichen wichtig sind, um die Suche nach der eigenen Identität voran zu bringen (vgl.,Schäfers,Scherr,2005,S.91). Gleichzeitig ist die Identitätsbildung im Jugendalter aber auch durch gesellschaftliche Vorgaben und Normen geprägt. Mikos et.al. (2009) beziehen hierzu ausführlich Position: „Identitätsbildung findet aber nicht im gesellschaftsfreien Raum statt. Vielmehr ist sie in den Prozess der gesellschaftlichen Selbstverständigung eingebunden. Es geht also nicht nur um die individuellen Identitäten von Kindern und Jugendlichen, sondern auch um deren Verortung in der gesellschaftlichen Formation.“ (Mikos,et.al.,2009,S.12)

2.1 Identitätsbildung nach Erikson

Ein Wissenschaftler, der im Bereich der Identitätsforschung bis heute genannt wird, ist der Psychoanalytiker und Künstler Erik Erikson (1902-1994). Als Schüler von Sigmund Freud, hat er die Lehre der Identitätsbildung aufgegriffen und erweitert. Erikson teilt die Entwicklung der Identität in 8 Stufen ein. Auch nach seiner Auffassung  haben ebenso die Kultur und die Gesellschaft Einfluss auf die Entwicklung der Identität eines Menschen. Die Entwicklung läuft nach einem epigenetischem Prinzip ab, und zwar in festgelegter Reihenfolge  in den besagten 8 Stufen. Man kann die nächste höhere Stufe nur erreichen, wenn man die Entwicklungsaufgaben der aktuellen und der davor liegenden Stufen erfolgreich abgeschlossen hat. Das Fortschreiten in das nächste Stadium ist zum Teil durch Erfolg oder durch Misserfolg in allen vorangegangenen Stadien bestimmt. Jede Stufe umfasst bestimmte Entwicklungsaufgaben psychosozialer Natur. Ebenso wie Freud, verwendete er den Begriff der Krise, die in den einzelnen Stufen bewältigt werden muss. Erikson bezeichnete diese Aufgaben mit Gegensätzlichkeiten, die in Balance gehalten werden müssen. Eine Stufe gilt als abgeschlossen, wenn eine gewisse Tugend oder psychologische Stärke erreicht worden ist, die den Menschen durch nachfolgende Stadien begleitet (vgl.,Boerre,2006,S.6).

Das Jugendalter umfasst nach Erikson die fünfte Stufe. Die Entwicklungsaufgabe ist die Erreichung einer Ich-identität und der Vermeidung einer Rollenverwirrung. Mit Ich-identität ist das Wissen um das eigene Selbst gemeint, und wie man in die Gesellschaft hinein passt. Es geht um die Zusammenfügung von bisher Gelerntem, um ein Selbstbild zu konstruieren, das die Gesellschaft anerkennt (vgl.,ebd.). Dazu sind klare Riten des Übergangs, von Seiten der Gesellschaft  notwendig, die die Abgrenzung vom Kind zum Erwachsenen unterscheiden helfen. Ohne diese Übergänge und Riten können Rollen durcheinandergebracht werden, die unter Umständen dazu führen, dass der Jugendliche Unsicherheit über seinen Platz in der Gesellschaft verspürt. Diese Unsicherheit kann nach Erikson in eine Identitätskrise münden (vgl.,ebd.,S.43).  Erikson macht weiterhin auf ein zu viel oder zu wenig an Ich-identität aufmerksam. Ein zu viel kann in Fanatismus enden. Ein zu wenig in die mögliche komplette Aufgaben der eigenen Identität, um sie der von anderen anzugleichen. Ist diese Phase erfolgreich überstanden, erreicht man die Tugend „Glaubwürdigkeit“. Damit ist die Fähigkeit gemeint, sich in der Gesellschaft anpassen zu können, und um seinen Platz in der Gesellschaft glaubwürdig vertreten zu können (vgl.,ebd.).

Wenn man die Theorien um Eriksons 8-Stufen-Modell näher betrachtet, fällt auf, dass in der Jugendphase die notwendigen Riten und Übergänge in unserer modernen Gesellschaft immer mehr fehlen. Ein Tatbestand, den auch viele Wissenschaftler  zu Bedenken geben.Vielfach wird von einer Enttraditionalisierung unserer Gesellschaft gesprochen. Unser Leben in der modernen Gesellschaft wandelt sich immer schneller. Die üblichen Lebensverläufe besitzen keine Gültigkeit mehr. Jedem Individuum ist es möglich seine Biographie abwechslungsreich zu gestalten. Nicht zuletzt die rasante Entwicklung der Medien hat einen großen Einfluss auf die Gesellschaft. In der  heutiger Zeit ist es nicht mehr ungewöhnlich, mit anderen Menschen in fernen Ländern via Internet zu kommunizieren, und das in Echtzeit. Damit wird ersichtlich, warum die Identitätsbildung nicht mehr so einfach strukturiert von statten geht, wie es noch vor 20-30 Jahren der Fall war (vgl., Moser,2010,S.89). Man spricht von einer Individualisierungsdebatte die wiederrum eine Identitätsdebatte losgetreten hat. Durch die zunehmende Individualisierung unserer Gesellschaft wird eine stärkere Eigenleistung in der Persönlichkeitsentwicklung gefordert. Jeder kann sich seine eigene Identität, wie es ihm beliebt, zurecht basteln. Keupp et.al.sprechen hier von „Patchworkidentität“. Festlegung ist nicht erwünscht oder erforderlich. Globalisierung, Mediatisierung sowie kulturelle Differenzierung werden hierfür als Ursache gesehen. Somit werden Übergänge, wie z.B. von der Jugend zum Erwachsenen immer mehr fließend und lassen keinerlei Grenzen erkennen (vgl,Müller, et.al.,2009,S.135).

[...]


[1] Im Folgenden wird aus Gründen der einfacheren Schreibweise überwiegend die männliche Schreibweise verwandt, wobei hier Mädchen oder Frauen nicht ausgegrenzt werden sollen (Anmerkung der Verfasserin).

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656622543
ISBN (Buch)
9783656622536
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270768
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Fachbereich Erziehungswissenschaften
Note
1
Schlagworte
Soziale Netzwerke Identitätsbildung Jugendliche

Autor

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