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Der Kranken- und Novizenbereich im Klosterplan von St. Gallen. Hospitalbau im Mittelalter

von Nele Frey (Autor)

Seminararbeit 2012 19 Seiten

Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hospitalbau im Mittelalter
2.1 Der Hospitalbegriff im Mittelalter
2.2 Die historische Entwicklung des mittelalterlichen Hospitalbaus
2.3 Versorgung der Kranken in der mittelalterlichen Klostermedizin

3. Der Hospitalbereich des St. Galler Klosterplans
3.1 Aufbau des Hospitalbereichs
3.2.1 Haus des Arztes und der Schwerkranken
3.2.2 Aderlasshaus
3.2.3 Wasch-/Badehaus und Küche
3.2.4 Kräutergarten
3.3 Die Größe der eingezeichneten Räume

4. Der Novizenbereich des St. Galler Klosterplans
4.1 Aufbau des Novizenbereichs

5. Die Doppelkirche von Noviziat und Infirmerie

6. Zusammenfassung:

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

„Die Sorge für die Kranken steht vor und über allen anderen Pflichten. […] Für die kranken Brüder werde ein eigener Raum bestimmt, und ein gottesfürchtiger, gewissenhafter und besorgter Pfleger soll ihnen dienen. Man biete den Kranken die Gelegenheit ein Bad zu nehmen, sooft es ihnen zuträglich ist…“.[1]

Dieser kurze Auszug aus dem Kapitel 36 der Regula Benedicti verdeutlicht einige der wichtigsten Themenbereiche, die die Krankenpflege im Kloster betreffen. Dazu gehört, dass den kranken Mönchen ein eigener Ort geschaffen werden soll. Die Möglichkeit ein Bad zu nehmen stehe ihnen auch immer frei. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit diesem Ort und dessen planerische Umsetzung am Beispiel des St. Galler Klosterplans.

Im Speziellen soll nicht nur der Hospital-, sondern auch der Novizenbereich des St. Galler Klosterplans zum einen näher beleuchtet und zum anderen in den Kontext des mittelalterlichen Hospitalbaus gebracht werden.

Auf dem Plan sind erstmalig drei verschiedene Hospitalarten eingezeichnet: Östlich der Kirche befindet sich der Hospitalbereich der Mönche, im Westen das hospitale pauperum, welches für Arme und Pilger vorgesehen ist, und im Norden das Haus für Gäste, die „zu Pferde kamen“.[2] In der vorliegenden Hausarbeit soll es um das eigentliche Infirmarium, also den Hospitalbereich für die Mönche gehen, welcher sich aus mehreren baulichen Einheiten zusammensetzt. Hierzu gehört auch der Bereich für die Novizen.

Das Infirmarium bildete einen wesentlichen Bestandteil im mittelalterlichen Klosterbau. Bezogen auf den St. Galler Klosterplan, handelt es sich um eine Art Musterplan des Hospitalbereichs, wie man diesen sich in der damaligen Zeit idealerweise vorstellte.[3]

Kapitel 3 beschäftigt sich einführend mit diversen Gesichtspunkten des mittelalterlichen Hospitalbaus und dessen historischer Entwicklung im Allgemeinen. Das vierte Kapitel hingegen setzt sich mit dem Aufbau des Infirmariums des St. Galler Klosterplans im Speziellen auseinander. Weiterhin wird in den folgenden Unterpunkten auf den Aufbau des Novizenbereichs sowie auf die Doppelkirche, welche sowohl für die Kranken als auch für die Novizen vorgesehen war, eingegangen. Im Zuge der Arbeit soll auch die wichtige Frage, ob die Anordnung der Räume der beiden Bereiche auf dem Plan eine Sinnvolle ist – und inwieweit diese in ähnlicher Weise in anderen Klöstern umgesetzt wurde – geklärt werden.

Abschließend werden die verschiedenen Aspekte des St. Galler Klosterplans kurz zusammengefasst.

Bei der Bearbeitung der Hausarbeit half die Publikation Grundzüge der Hospitalgeschichte von Dieter Jetter, in welcher auf die mittelalterliche Entwicklung des Hospitalbaus eingegangen wird. Ebenfalls verwendet wurde Der Alltag der Mönche von Andrea zur Nieden. In dieser Abhandlung wird ausführlich der hier zu betrachtende Krankenbereich der Mönche behandelt.

Die Publikation von Roger Seiler ‚ Den kranken Brüdern werde ein eigener Raum bestimmt…’ Klosterinfirmarien des Mittelalters, der in seiner Abhandlung äußerst umfangreich auf den Kranken- und Novizenbereich des St. Galler Klosterplans eingeht, trat besonders hervor und dient ebenfalls als Bezugspunkt.

2. Hospitalbau im Mittelalter

2.1 Der Hospitalbegriff im Mittelalter

Das mittelalterliche Hospital war für alle Hilfsbedürftigen innerhalb des kirchlichen Umfeldes, welches Pilger und Reisende einschloss, ausgelegt. Das Infirmarium kann als eigenes kleines Kloster in der großen Anlage gesehen werden, da es auf ein autonomes Funktionieren baut. Hierfür verfügt es über die notwendigen Bestandteile, wie eine selbstständige Wasserversorgung, Bad, Küche und auch separate Kirche. Die Regel des Pachomius, welche um die Jahre 287 – 327 verfasst wurde macht deutlich, dass großer Wert auf die Trennung der Kranken von den Gesunden gelegt wurde:

„Niemand, der nicht krank ist darf den Bezirk der Kranken betreten oder was er dort erhalten hat, in seine Zelle tragen, nicht einmal einen Apfel“ Eine mehrtägige Karenzzeit sorgte dafür, dass nur jene Personen aufgenommen wurden, für die es unabdingbar war.“[4]

2.2 Die historische Entwicklung des mittelalterlichen Hospitalbaus

Man konnte bereits für die merowingische und karolingische Zeit im heutigen Frankreich Hospitäler nachweisen, welche an ein Kloster angebunden waren. Um 820 entstand der hier behandelte Klosterplan eines Idealklosters, welcher in Verbindung mit der großen Kloster- und Gesellschaftsordnung des Benedikt von Aniane gesehen wird. Zum ersten Mal zeigte dieser, auf Pergament festgehaltene Plan, drei monastische Hospitaltypen, welche sich noch weiterhin durch das gesamte Mittelalter verfolgen ließen. Dabei handelte es sich um den Hospitalbereich der Mönche, er befand sich im Osten der Kirche. Im Westen findet man das hospitale pauperum. Es ist für Arme und Pilger vorgesehen. Das dritte ist das Haus für Gäste, die „zu Pferde kamen“ und befindet sich im Norden (Abb. 1).

Vom burgundischen Cluny ging um 1000 eine zweite große Reform des benediktinischen Mönchtums aus. Im Zuge dieser Reform wurden die caritativen Einrichtungen am Kloster erneut umfassend verbessert und auch ergänzt. Am Infirmarium des Klosters von Cluny wird dies besonders deutlich. Im Plan von St. Gallen sind die Krankenräume und auch die Kapelle um einen, von allen Seiten geschlossenen Kreuzgang angeordnet.[5]

Bei den Kreuzgängen von Hospital und Noviziat ist in der Mitte je ein Quadrat eingezeichnet. Über dessen Bedeutung kann nur gemutmaßt werden. So vermutet Keller, dass damit entweder ein Brunnen oder ein Baum gemeint ist. Oft ist in Kreuzgängen auch eine Zisternenöffnung vorhanden. Allerdings enthält der Plan an keiner Stelle einen Hinweis auf die wichtige Wasserversorgung. Auch der konkrete Hinweis auf einen Baum fehlt. Sörrensen vermutet hier einen runden puteus[6], der auf eine quadratische Platte aufgesetzt ist.[7]

In seiner Abhandlung zu den Grundzügen der Hospitalgeschichte schreibt Jetter (1973) über die Entwicklung des Hospitalbaus im europäischen Mittelalter: Das Infirmarium von Cluny in Frankreich zeigte im Gegensatz zum St. Galler Hospitalbereich vier Zimmer, die längs hintereinander angeordnet waren. Die Kapelle befand sich vor der nordöstlichen Schmalseite und wurde scheinbar trotz der späteren Neubauten nie abgetragen. Ein weiteres Beispiel für ein mittelalterliches Infirmarium ist jenes unter Abt Hugo im selben Kloster. Es entstand um 1028 kurz vor dem Baubeginn der Kirche Cluny III, bei der es sich um eine der größten mittelalterlichen Kirchen der Christenheit handelt. Dieses Infirmarium besteht aus einem großen, rechteckigen Saal mit hohen Fenstern und Platz für ungefähr 24 Patienten. Allerdings lebten zu dieser Zeit ca. 300 Mönche in dem Kloster, weshalb der vorgesehene Platz nicht ausreichend war. Aus diesem Grund wurde um 1132 die „Great Infirmary“ errichtet. Dabei handelte es sich um eines der bedeutendsten monastischen Hospitäler des Mittelalters.

Die hohe Halle der Great Infirmary war dreigeteilt und hatte an den Längswänden zwei offene Kamine. Die Mittelzone ragte bis ins Dach hinauf. In die Seitenschiffe waren emporenähnliche Obergeschosse eingezogen. Man geht davon aus, dass hier insgesamt ca. 80-100 Betten aufgestellt waren.

Bis zum Ende des Mittelalters wurden im Zuge einer weiteren Reform der Zisterzienser, die das benediktinische Mönchtum des Abendlandes erneuerte, sowohl in Großbritannien als auch auf dem europäischen Festland rund 800 Klöster errichtet. Fast alle besaßen ein Infirmarium bzw. hospitale pauperum. Die Groß-Infirmarien aus Citeaux und Clairvaux sind bisher nur aus Plänen des 18. Jahrhunderts bekannt. Die Halle für die kranken Mönche in Ourscamp an der Oise (um 1210) ist hingegen hervorragend erhalten. Auch in England wurden in den Abteien Fountains, Rievaulx und Waverley große Krankenbereiche errichtet. Eberbach im Rheingau gilt für Deutschland als bedeutendes Beispiel. In diesem Kloster ist die dreischiffige Kirche im Osten noch gut erhalten. Auch daneben gibt es noch einige andere bedeutende Infirmarien der Zisterzienser, hierzu gehören beispielsweise Loccum und Ridagshausen in Walkenried sowie Schönau bei Heidelberg. In diesem Zusammenhang nennt Jetter außerdem die Hospitäler in Villiers in Belgien, Ter Duinen in Holland sowie Fossanova und Casamari in Italien. Auch nach dem Mittelalter, bildete der Hospitalbereich eine feste Instanz im Klosterbau. Bis ins 18. Jahrhundert sind Neubauten und Projekte dieser Art, die zum Teil von bekannten Persönlichkeiten wie dem Baumeister Balthasar Neumann entworfen wurden, entstanden. Jedoch traten Klosterhospitäler seit der Zisterzienserreform verstärkt in den Hintergrund. Karitative Einrichtungen wurden fortan vermehrt von Ritterorden, bürgerlich Orden und Städten betrieben.[8]

2.3 Versorgung der Kranken in der mittelalterlichen Klostermedizin

Eine wesentliche Grundlage für das mittelalterliche Leben stellte die regula des heiligen Benedict dar. In dessen Prolog wird der Wandel des Menschen sowohl als „Chance für die Ewigkeit“ als auch als „Auftrag einer intensiven Weltgestaltung“ angesehen. Ein wichtiger Bestandteil der Benediktinerregel ist es den Kranken zu helfen.[9] Dieser wesentliche Aspekt wird im folgenden Auszug aus Kapitel 36 der Regula deutlich:

„Für die Kranken muß man vor allem und über alles besorgt sein. Man soll ihnen dienen wie Christus selbst, dem man ja wirklich in ihnen dient. Denn er hat gesagt: Ich war krank und ihr habt mich besucht, und: Was ihr einem von diesen Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.“[10]

[...]


[1] Seiler, Roger: „Für die kranken Brüder werde ein eigener Raum bestimmt…„ Klosterinfirmarien des hohen

Mittelalters. Juris Druck u. Verlag Dietikon 2001, S. 4.

[2] Vgl. Jetter, Dieter: Grundzüge der Hospitalgeschichte. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1973. S. 9.

[3] Vgl. Seiler 2001, S. 90-91.

[4] Seiler 2001, S. 82.

[5] Vgl. Jetter 1973, S. 9-13.

[6] Brunnen.

[7] Duft, Johannes (hrsg.): Studien zum st. Galler Klosterplan. Fehr’sche Buchhandlung, St. Gallen 1962.

S. 195.

[8] Vgl. Jetter 1973, S. 9-13.

[9] Vgl. Schipperges, Heinrich: Die Kranken im Mittelalter. Verlag C.H. Beck, München 1993.

S. 34.

[10] Vgl. Ebd. S. 34.

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656623151
ISBN (Buch)
9783656623120
Dateigröße
695 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270719
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Kunstgeschichte und Archäologin Europas
Note
1,3
Schlagworte
St. Gallen Klosterplan Kunstgeschichte Novizenbereich

Autor

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    Nele Frey (Autor)

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