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Interpretation zu dem Gedicht: »Frische Fahrt« von Joseph Eichendorff

Vollständige Gedichtinterpretation

von Guido Wahrenberg

Exzerpt 2013 5 Seiten

Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Interpretation zu dem Gedicht: Frische Fahrt« von Joseph Eichendorff

»Frische Fahrt« von Joseph Eichendorff aus dem Jahre 1841, ist nicht nur aufgrund seines Entstehungsjahres ein typisch romantisches Gedicht, sondern auch wegen der im Gedicht bemerkbaren Sehnsucht nach der Ferne, dem Streben nach dem Unendlichen oder auch der Aufbruchsstimmung. Er selbst war einer der wichtigsten Dichter der Hoch- und Spätromantik und schrieb besonders gerne über die Natur, seine Gedichte zählen heute noch zu den sehr bekannten und ausdrucksvollen Werken. Das Gedicht beschreibt zum einen die Wirkung des anbrechenden Frühlings, welcher alles in Bewegung bringt, wobei sich ein großer Strom bildet, der alles mit sich nimmt und ins Irreale wechseln lässt. Zum anderen geht es um die Wirkung der Jahreszeit auf den Sprecher, er ist bereit, ein Risiko einzugehen, Brücken hinter sich abzubrechen und sich mitreißen zu lassen, ohne dabei die Sicherheit eines Ziels zu haben. Dazu komme ich später auch nochmal zu sprechen. Formal besteht das Gedicht aus zwei Strophen mit jeweils acht Versen, die im Wesentlichen identisch aufgebaut sind. Dabei besteht jeder Vers aus einem vier-hebigen Trochäus und jeweils vier Verse sind kreuzweise gereimt. Ich werde das Gedicht versweise interpretieren, da bei dem Gedicht klare Sinnabschnitte deutlich werden und es schließlich einen Wendepunkt gibt, welcher sich schon in der ersten Strophe leicht bemerkbar macht und daher eine strophenweise Interpretation nicht zu empfehlen wäre. Meine These für das Gedicht ist, dass es auf sehr nachdrückliche Weise Eindrücke, die mit dem Frühling verbunden sind beschreibt, hierbei geht es um den allgemeinen Aufbruch, zunächst in der Natur, dann auch in den Menschen.

Das Gedicht beginnt mit der Alliteration „Laue Luft“ (Z. 1), welche „blau geflossen“ (Z. 1) kommt, das sind natürlich nicht typische Eigenschaften für Luft. Die Alliteration lässt es interessanter und spannender wirken, darüber hinaus verhilft sie den Leser zu fesseln, indem sie ihn zum Nachdenken anregt (Laue Luft / blau geflossen (Z. 1)). Er beschreibt hier sehr bildlich die Natur, indem er beispielweise die Luft mithilfe eines Adjektivs näher beschreibt, zudem wird durch das „geflossen“, was für die Luft nicht zutreffend ist, auf das Wasser angedeutet, welches später in dem Gedicht noch eine wichtige Rolle spielt. Der Ausruf „Frühling, Frühling soll es sein!” (Z. 2) deutet Frühlingsbeginn an, denn das Iyrische Ich will unbedingt, dass dieser endlich beginnt. Der Frühling selbst steht symbolisch für einen Neuanfang und Veränderung. etwas Neues, Schönes beginnt und ruft förmlich euphorische Gefühle im lyrischen Ich hervor. Es wird also in den ersten zwei Versen die Wirkung und Erkenntnis des Frühlings beschrieben, wobei es zum einen um die Temperaturerfahrung geht und zum anderen um eine bestimmte Farbe („blau“, Z. 1), die dieser Jahreszeit eigen ist. Ein weiterer Aspekt des Frühlings ist die Jagd „Waldwärts Hörnerklang geschossen“ (Z. 3). Natürlich gehört dazu ein gewisser Mut, welcher mit „mutger Augen“ (Z. 4) ausgedrückt wird. Die Ellipse, die mit „lichter Schein“ (Z. 4) fortgesetzt wird, beschreibt gleichzeitig den Sonnenschein, der sich in den Augen der Jäger wiederspiegelt. Durch die seltsam verkürzte Wirkung der dritten und vierten Verszeile, ergibt sich kein richtiger Satz. Dadurch ergibt sich der Eindruck einer gewissen Beschleunigung, Aufbruch, dies deutet offensichtlich auf den Aufbruch zur Jagd hin, wobei Eichendorff sicherlich nicht das reale Jagen von Tieren meint, sondern eher das Abenteuer dieser Aufbruchsstimmung, welche Mut fordert, das wird vor allem in Zeile 4 deutlich „Mutger Augen lichter Schein“. Dann verändert sich jedoch etwas, das lyrisch Ich begibt sich von der realen in eine irrealen Welt „und das Wirren bunt und bunter" (Z. 5). Das Wirren beschreibt etwas undeutliches, man erkennt nur noch Umrisse und Farben. Bunte Farben, wie sie im Frühling durch Laub, Wasser und vielen weiteren Komponenten der Natur deutlich wird. Zeile 5 und 6 machen deutlich, dass der allgemeine Aufbruch, der mit dem Frühling verbunden ist, zu einem ziemlichen Chaos wird, welches aber bald zu einem „Fluß“ (Z. 6) wird, also in eine gemeinsame Richtung drängt. Zu Beginn kam die blaue Luft „geflossen" (Z. 1), nun taucht der wilde „Fluß” (Z.6) auf, welcher sich durch das gesamte restliche Gedicht zieht. Dieses Phänomen hat dabei etwas Geheimnisvolles, was mit dem Adverb „magisch“ (Z. 6) hervorgehoben wird. Das lyrische Ich befindet sich also auf einer Reise, auf einem wilden Fluss. Das Wasser steht nie still und fließt immer weiter in diesem „Fluß“ (Z. 6) in eine Richtung und so könnte man das auch auf das Leben übertragen. Die Zeit steht nicht still und wir befinden uns auf einer ständigen Reise. Die nächsten beiden Verse werden auch (wie Vers 5 und 6) durch ein Enjambement zusammengefügt „In die schöne Welt hinunter“ (Z. 7) und „Lockt dich dieses Stromes Gruß." (Z. 8). Hier wird der Leser erstmals persönlich angesprochen „dich“ (Z. 8). Hier wird das Ziel des strömenden Flusses angesprochen „schöne Welt“ (Z. 7), wobei das „hinunter“ (Z. 7) sicher nichts Negatives andeutet, da das lyrische Ich viel zu euphorisch und glücklich ist.

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Details

Seiten
5
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656615606
ISBN (Buch)
9783656615583
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270685
Note
Schlagworte
interpretation gedicht fahrt« joseph eichendorff vollständige gedichtinterpretation

Autor

  • Guido Wahrenberg

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Titel: Interpretation zu dem Gedicht: »Frische Fahrt« von Joseph Eichendorff