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Ketzerbewegungen des späten Mittelalters: Die Lollarden und die Hussiten

von Andrea Becker (Autor) Uwe Deutschmann (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 36 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ketzerbewegungen des späten Mittelalters
2.1 John Wyclif
2.2 Die Lollarden
2.3 Jan Hus und seine Lehren
2.4 Die Hussiten

3. Der Ketzerprozeß um Jeanne D’Arc

4. Schlußbemerkung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Zeittafel

Verantwortlich für Punkt 2.1 und 2.2 zeichnet sich Uwe Deutschmann, Punkt 2.3 und 2.4 wurden von Andrea Becker verfaßt. Abschnitt 3., Einleitung und Schlußbemerkung wurden gemeinsam ausgearbeitet.

1. Einleitung

„Als Hüterin der allgemeingültigen Ideologie fühlte sich [die Kirche] verpflichtet, alle Andersdenkenden, von ihrem Dogma Abweichenden, die Häretiker, sowie die nicht nach ihrer Norm, nach ihren Canones Handelnden, gefänglich einzuziehen, vor Gericht zu stellen und sie als Ketzer oder Hexer zu verurteilen, aus ihrer Gemeinschaft auszuschließen und vom ‚weltlichen Arm’ deren Hinrichtung zu verlangen.“[1]

Auch der Oxforder Theologieprofessor John Wyclif[2] (etwa 1320 – 1384) und der Prager Philosophieprofessor Jan Hus (etwa 1370 – 1415) zählten zu den im Zitat dargestellten Andersdenkenden, zu den vom Dogma der Kirche Abweichenden. Beide wurden aufgrund ihrer vom christlichen Glauben abweichenden Lehren als Ketzer verfolgt, Jan Hus am 06. Juli 1415 in Konstanz zudem öffentlich verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.[3]

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit den aus Wyclifs und Hus’ Lehren hervorgegangenen Ketzerbewegungen des späten Mittelalters, den englischen Lollarden und den böhmischen Hussiten. Schwerpunktmäßig soll dabei dargestellt werden, wie diese theologischen Lehren miteinander verbunden sind und sich in den jeweiligen Ketzerbewegungen fortsetzten.

Das ausgehende Mittelalter weist neben den unübersehbaren Anzeichen des institutionellen Verfalls auch eine Reihe von Indizien für das Anbrechen einer neuen Zeit auf. Die Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst um die Macht hatte das Königtum weitgehend für sich entschieden, so daß die Grundlagen für die Herausbildung eines starken nationalen Königtums gelegt waren. So kam es im späten Mittelalter in zunehmenden Maße zur Verbindung der Kirche mit der jeweiligen politischen Macht. Zudem setzte sich das landeskirchliche Prinzip immer mehr durch. Dieses aufkommende nationale Denken gab den Anlaß für eine Reihe von häretischen Bewegungen, deren Neuartigkeit und Popularität nicht zuletzt auf der Grundforderung beruhte, die Kirche von fremder Einflußnahme zu befreien.[4]

Im England des 14. Jahrhunderts formierte sich der Widerstand gegen die frankreichfreundliche Politik der päpstlichen Kurie in Avignon. Von initiierender Bedeutung wurde dabei John Wyclif, der die heilige Schrift zur alleinigen Autorität in Glaubensfragen und somit das „Gesetz Gottes“ zur maßgeblichen Richtschnur für alle Gläubigen erklärte. Durch arme Wanderprediger – die Lollarden – und böhmische Studenten verbreitet, wurden Wyclifs Lehren in Prag von Jan Hus aufgegriffen. Dieser entwickelte zwar unter Distanzierung von einzelnen Punkten, aber ohne grundsätzliche Abweichungen vom wyclifschen Kirchenverständnis, seine eigene Kirchenkritik von einer hierarchiefreien, materiell armen Kirche, deren Haupt Christus ist. Nach seiner Verbrennung als Ketzer wurden Hus’ Lehren von der Hussitenbewegung fortgeführt und in Kriegen gegen das deutsche Kaisertum und die römische Papstkirche verteidigt.[5]

Bei der Untersuchung dieser Ketzerbewegungen müssen die von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik geprägten Rahmenbedingungen hinterfragt, sowie die vorherrschenden religiösen Vorstellungen jener Zeit berücksichtigt werden. So stellen sich die Fragen: Welche gesellschaftlichen Umstände führten bei Wyclif und Hus zu der Formulierung ihrer von den bindenden Glaubenswahrheiten abweichenden Lehren? Was machte das Häretische dieser Bewegungen aus? Zusätzlich zur Beantwortung solcher Unterfragen soll in dieser Hausarbeit eine Verbindung zu Jeanne D’Arc – hauptsächlich zu dem Verurteilungsprozeß von 1431 – hergestellt werden, die ungefähr zur gleichen Zeit in Frankreich lebte, ebenfalls als Ketzerin verfolgt und am 30. Mai 1431 auf dem Marktplatz in Rouen öffentlich verurteilt und verbrannt wurde.

Unter den Briefen, die man Jeanne D’Arc zuschreibt bzw. mit ihr in Zusammenhang bringt, findet sich einer, der an die böhmischen Hussiten gerichtet ist. In diesem sogenannten „Hussitenbrief“, der 1430 verfaßt wurde, wird die Bewegung beschuldigt, den wahren Glauben und den Gottesdienst abgeschafft, die Sakramente der Kirche geschändigt, Heiligenbilder verbrannt und Christen ermordet zu haben. Letztendlich münden die Vorwürfe in der Drohung:

„Sollte ich erfahren, daß ihr euch nicht gebessert habt, so lasse ich vielleicht von den Engländern ab und wende mich gegen euch, um euren abscheulichen und lügnerischen Aberglauben ... mit dem Schwert auszurotten und euch entweder die Ketzerei zu nehmen oder das Leben ... und euch Gleiches mit Gleichem zu vergelten.“[6]

Nach dem heutigen Forschungsstand gilt es als gesichert, daß dieser Brief nicht von Jeanne stammt, sondern wahrscheinlich von ihrem Beichtvater Jean Pasquerel geschrieben wurde, der im Auftrag anderer handelte.[7] Was dieser Brief genau erreichen sollte, darauf möchten wir an dieser Stelle nicht näher eingehen. Es soll nur etwas deutlich werden: nämlich, daß hier versucht wurde, die Jungfrau Jeanne zu instrumentalisieren, und zwar als Werkzeug gegen die Hussiten, die anscheinend mächtig genug waren, um die Kirche oder vielleicht einen weltlichen Herrn zu so einem Schritt zu veranlassen.

Das Angebot der deutschen Forschungsliteratur zu den Lollarden ist sehr begrenzt. Die meisten Monographien und Aufsätze beschäftigen sich hauptsächlich mit den theologischen Lehren von John Wyclif. Beispielsweise sei hier der Aufsatz „Die Wertung der weltlich-staatlichen Ordnung durch John Wyclif“[8] von Bernhard Töpfer genannt. Als einführende Literatur zu Wyclif und den Lollarden ist auch das von Manfred Vasold geschriebene Werk „Frühling im Mittelalter – John Wyclif und sein Jahrhundert“ empfehlenswert.[9] Zu Jan Hus und den Hussiten gibt es ein breit gefächertes Angebot an Literatur zu vielen Themenaspekten. Peter Hilsch liefert in seinem Buch „Johannes Hus“[10] eine gelungene Biographie. Das von Ferdinand Seibt herausgegebene Buch „Jan Hus – Zwischen Zeiten, Völkern, Konfessionen“[11] bietet einen guten Gesamtüberblick zu vielen Aspekten der Hussitenbewegung. Einen fundierten Einstieg in das Thema Lollarden und Hussiten verschafft die Publikation von Malcolm Lambert („Häresie im Mittelalter“[12] ). Zur Thematik der Verbindung zwischen den Ketzerbewegungen des späten Mittelalters und der Ketzerin Jeanne D’Arc ist keine dezidierte Forschungsliteratur vorhanden. Wir haben uns deshalb hauptsächlich mit den von Ruth Schirmer-Imhoff herausgegebenen Prozeßakten[13] auseinandergesetzt.

Im folgenden werden wir kurz die Gliederung unserer Arbeit darstellen: der Hauptteil beschäftigt sich mit den spätmittelalterlichen Ketzerbewegungen. Dabei sollen sowohl die Lehren von John Wyclif als auch die Ausweitung seiner Kirchenkritik durch Jan Hus dargestellt werden, um so die theologische Grundlage und die politisch-gesellschaftlichen Bedingungen für die Entstehung und Entwicklung der Lollarden und der Hussiten herauszuarbeiten. Der nachstehende Abschnitt befaßt sich mit dem 1431 stattgefundenen Ketzerprozeß um Jeanne D’Arc und verdeutlicht die zentralen Anklagepunkte zum Vorwurf der Ketzerei. Eine abschließende Erörterung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den verketzerten Lehren von Wyclif und Hus, die in den Ketzerbewegungen fortgeführt wurden, und der Ketzerin Jeanne D’Arc in der Schlußbemerkung beendet unsere Hausarbeit.

2. Ketzerbewegungen des späten Mittelalters

2.1 John Wyclif

In den Jahren 1414 bis 1418 versammelten sich zahlreiche Fürsten und Prälaten aus der ganzen Christenheit zum Konzil von Konstanz. Dieser größte Kongreß des Mittelalters sollte zur Überwindung der Kirchenspaltung beitragen, eine Verbesserung der kirchlichen Zustände herbeiführen sowie für die Niederschlagung der Ketzerei sorgen. Mit der Absetzung der Päpste Johannes XXIII. und Benedikt XIII, der Abdankung Gregors XII. sowie der Wahl Odo Colonnas als Martin V. zum Papst konnte das Schisma schließlich beendet werden. Für eine tiefgreifende Kirchenreform aber fand sich kein Konsens. Mehr Erfolg hatte das Konzil bei der Ketzerverfolgung: mit dem Prozeß gegen Jan Hus und dessen Verbrennung 1415 brachte die Papstkirche die Stimme eines der lautesten und deutlichsten Kirchenkritikers dieser Zeit zum Schweigen. Doch es blieb nicht bei Hus. Neben Hieronymus von Prag, der 1416 verbrannt wurde, ordnete das Konzil 1418 die Exhumierung und Verbrennung der Gebeine John Wyclifs an, dessen Tod zu diesem Zeitpunkt schon mehr als dreißig Jahre zurück lag.[14] Dem Konzil zu Konstanz ging es somit nicht nur um die Vernichtung des Ketzers Hus und der Unterdrückung seiner Gefolgschaft. Es galt ebenfalls, die Quelle der hussitischen Häresie trockenzulegen, und als diese wurde die wyclifsche Lehre angesehen. So kam es, daß der Prozeß gegen Jan Hus mit der Verurteilung der Thesen Wyclifs und dessen postumer Erklärung zum Ketzer begann.

John Wyclif, um 1330 als Sohn eines Mannes aus niederem Adel in der Grafschaft Yorkshire geboren, begann sein Studium an der Universität Oxford um das Jahr 1345. Den Titel „Magister in artibus“ erhielt er aber erst 1361. Wahrscheinlich mußte Wyclif sein Studium mehrere Jahre unterbrechen, denn Ende der vierziger Jahre wütete die Pest in England und verschonte auch die Oxforder Universität nicht, so daß sie ihren Lehrbetrieb für mehrere Jahre aussetzen mußte. Neben dem „Schwarzen Tod“, der im England des 14. Jahrhunderts in mehreren Wellen über das Land kam und bis zum Ende des Jahrhunderts ungefähr die Hälfte der Bevölkerung dahinraffte[15], litt die englische Gesellschaft vor allem unter den Auswirkungen des „Hundertjährigen Krieges“ (1339 – 1453). Zwar war das Volk von Kampfhandlungen nicht direkt betroffen – in Frankreich kämpften auf englischer Seite Söldnerheere, der Kriegsdienst wurde gut bezahlt, und so war in den ersten Kriegsjahrzehnten der Rückhalt in der Bevölkerung für König Edward III. und den Festlandkrieg noch groß.[16] Aber die indirekten Folgen begannen, die englische Wirtschaft und Gesellschaft mehr und mehr zu belasten. Die Finanzierung der Söldnerheere erforderte enorme Summen, und mit zunehmender Kriegsdauer (und zunehmender Erfolglosigkeit) wuchs die Weigerung von Klerus, Adel und Bürgertum, dem König diese Gelder bereitzustellen. Die Kriegskosten wurden somit per Steuererhöhung auf die unteren Schichten abgewälzt, was ab dem Jahre 1379 mit mehreren Kopfsteuern seinen Höhepunkt fand. Durch den seuchenbedingten starken Rückgang der Bevölkerungszahl einerseits und festgesetzten Zahlungen pro Grafschaft andererseits wurden in vielen Regionen die bäuerlichen Schichten unverhältnismäßig belastet, was schließlich mit zum großen englischen Bauernaufstand des Jahres 1381 führte, der auch für Wyclif Folgen haben sollte.[17]

Wyclif verbrachte fast sein gesamtes Leben in Oxford. Als Student, Magister und Professor der Theologie wurde er vom akademischen Leben Oxfords geprägt. Grundlegend für sein Denken wurde dabei seine Hinwendung zum Ultrarealismus, eine Folge des Universalienstreites, in den sich auch Wyclif einbrachte. Im Zuge der Auseinandersetzung zwischen Nominalisten und Realisten verfestigte sich Wyclifs Glaube an die Wahrhaftigkeit und Unzerstörbarkeit der Universalien. Auf der Grundlage dieser philosophischen Erkenntnis verfaßte er seine theologischen Schriften, und sie bildete auch die Grundlage seiner Kirchenkritik. Am deutlichsten zeigt sich dies an der Bedeutung, die er der Bibel zukommen ließ. Wyclif sah die Bibel als

„göttliches Buch [an], das von Gottes Geist vor aller Schöpfung, und vor der materiellen Niederschrift der Heiligen Schrift ersonnen worden war. Da sie einen göttlichen Gedanken verkörpere, sei jedes Wort darin wahr, und ein jeder Teil von ihr verfüge über die gleiche Autorität.“[18]

Im Laufe seines Lebens und seiner Tätigkeit an der Oxforder Universität formulierte Wyclif diesen Gedanken weiter aus, was dazu führte, daß er mit seinen Ansichten über die Struktur der römischen Kirche bald „in prinzipiellen Widerspruch zu der von feudalen Herrschafts- und Eigentumsstrukturen geprägten kirchlichen Ordnung des Mittelalters“[19] stand. Den Kern seiner Überlegungen bildete somit das Verhältnis der Römischen Kirche zu Fragen der Herrschaft und des Besitztums, ein Bereich, den Wyclif als Wurzel der Übel ausmachte, welche man an der Priesterschaft, den Orden und Klöstern, an den Prälaten und nicht zuletzt am Heiligen Stuhl selbst beobachten konnte: „weltliche Lebensweise, pfäffische Geilheit, Mißachtung ihrer Ordensregeln, unerhörten Wohlstand verbunden mit Müßiggang, Eitelkeit und Prunksucht.“[20] Neben diesen allgemeinen Verfehlungen, die sich der Klerus leistete, waren es vor allem der machtpolitische Anspruch der Papstkirche, das Anwachsen ihrer finanziellen Macht, und – in direkter Verbindung dazu - die sich ausbreitende Simonie sowie die Anhäufung weltlicher Ämter in der Hand einzelner geistlichen Würdenträger, welches Wyclif in seinen Schriften immer wieder kritisierte. In mehreren Traktaten – u. a. „De Civili Dominio“ (1377), „Trialogus“ (1382 – 1384) – widmet sich Wyclif der Thematik der weltlichen und geistlichen Herrschaft. Er kommt zu dem Schluß, daß der Niedergang der Kirche mit der Konstantinischen Schenkung eingesetzt hat und somit eine Folge der Übertragung von weltlicher Macht auf den Korpus der Kirche war. Demzufolge müßte die Schenkung rückgängig gemacht werden, um die Kirche wieder in ihren Urzustand, die apostolische Armut, zurückzuführen.[21] Wyclif untermauerte dies durch seine Ansichten über die Rechtmäßigkeit von Herrschaft und Besitz. Seiner Meinung nach war es durch den Sündenfall notwendig geworden, Herrschafts- und Besitzrechte durch geltendes menschliches Recht (dominium civile) zu fixieren. Wyclif geht weiter davon aus,

„daß jedes dominium letztlich auf Gott zurückgeht, und daher nur ein in der Gnade Gottes Stehender ein wahrhaft legitimes dominium an Sachen und Personen innehaben kann. Ein offenkundig nicht in der Gnade Gottes stehender Todsünder könne daher kein berechtigtes dominium ausüben.[22]

Die mögliche Brisanz für weltliche Herrschafts- und Besitzverhältnisse, die sich hinter dieser Ansicht verbirgt, wurde allerdings dahingehend entschärft, daß Wyclif für weltliche Herrscher andere Schlußfolgerungen zog als für geistliche. So hat ein sich der Todsünde schuldig gemachter König zwar vor Gott sein Recht auf die ihm von Gott übertragene Herrschaft verloren. Allerdings müssen die Menschen diesem Herrscher weiter gehorchen, da er weiterhin als von Gott eingesetzt gilt. Auflehnung gegen diesen Herrscher ist nicht gestattet, allenfalls die Verweigerung eines Befehls, der nicht den göttlichen Geboten entspricht.[23]

Anders dagegen seine Schlußfolgerungen für die Geistlichkeit: da menschliche Herrschaft überhaupt erst durch den Sündenfall ermöglicht wurde, ist jegliche Herrschaftsform auch mit Sünde verbunden und belastet. Da die Geistlichen den Laien ein Vorbild sein sollten, müßten sie deshalb auf jede Form des dominium civile verzichten.[24] Falls sie nun nicht zum freiwilligen Verzicht bereit sind, wäre es Sache und auch Pflicht der weltlichen Herrscher, den Kirchenbesitz zum Wohle der Institution zu beschlagnahmen.[25] Auch das Verhältnis zwischen Geistlichen und ihnen unterstellten Laien rückt Wyclif zurecht: ein in Sünde lebender Geistlicher darf demnach von seinen Laien ermahnt werden. Mehr noch: falls dies nicht ausreicht, dürfen sich die Laien ihm durch Verweigerung des Zehnten oder anderer Abgaben widersetzen.[26]

[...]


[1] J.R. Grigulevič: Ketzer – Hexen – Inquisitoren. Geschichte der Inquisition (13.-20. Jahrhundert), Bd. 1, Berlin 1976, S. VII.

[2] In der Forschungsliteratur sind verschiedene Schreibweisen wie z.B. Wiklif oder Wycliff(e) vertreten. Aus Vereinheitlichungsgründen werden wir in unserer Hausarbeit stets die oben verwendete Schreibweise benutzen.

[3] Der Begriff Ketzer war ursprünglich eine ehrende Selbstbezeichnung und leitet sich vom griechischen Wort Katharer = die Reinen ab. Wie auch der Begriff Häresie bedeutete Ketzer im Mittelalter Abfall vom rechten Glauben, also (vermeintliche) Irrlehren. Das Wort Häresie geht auf Paulus zurück (1 Kor. 11, 19; Gal 5, 19/20; Tit 3, 10). Robert Auty (Hg.): Lexikon des Mittelalters, Bd. 4, München 1989, S. 1934f. sowie Eduard Winter: Ketzerschicksale. Christliche Denker aus neun Jahrhunderten, 2. Aufl., Köln 1983, S. 7/8. Zu einer weitreichenderen Bestimmung des Begriffs des Häretischen vgl. auch Johannes Wirsching: Kirche und Pseudokirche. Konturen der Häresie, Göttingen 1990, S. 104-140.

[4] Theodor Schieder (Hg.): Handbuch der Europäischen Geschichte, Bd. 2 (Europa im Hoch- und Spätmittelalter, hrsg. von Ferdinand Seibt), Stuttgart 1987, S. 34ff. sowie 41ff.

[5] Erich Meuthen: Das 15. Jahrhundert, 3., überarb. und erw. Aufl., München 1996 (Oldenbourg Grundriß der Geschichte, Bd.9), S. 78/79.

[6] Passage aus dem Hussitenbrief zit. n. Sabine Tanz: Jeanne D’Arc. Spätmittelalterliche Mentalität im Spiegel eines Weltbildes, Weimar 1991 (Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte, Bd. 33), S.179.

[7] Zu den Motiven der Fälschung des Briefes ebd., S. 178/179.

[8] Bernhard Töpfer: Die Wertung der weltlich-staatlichen Ordnung durch John Wyclif, in: Frantisek Šmahel (Hg.): Häresie und vorzeitige Reformation im Spätmittelalter, München 1998 (Schriften des Historischen Kollegs Kolloquien 39).

[9] Manfred Vasold: Frühling im Mittelalter – John Wyclif und sein Jahrhundert, München 1984.

[10] Peter Hilsch: Johannes Hus (um 1370-1415). Prediger Gottes und Ketzer, Regensburg 1999.

[11] Ferdinand Seibt (Hg.): Jan Hus – Zwischen Zeiten, Völkern, Konfessionen, München 1997 (Veröffentlichungen des Collegium Carolinum, Bd. 85).

[12] Malcolm Lambert: Häresie im Mittelalter. Von den Katharern bis zu den Hussiten, Darmstadt 2001.

[13] Ruth Schirmer-Imhoff: Der Prozeß der Jeanne D’Arc. Akten und Protokolle 1431, 1456, 5. Aufl., München 2001.

[14] Allerdings sollte es noch weitere fünfzehn Jahre dauern, bis diese Weisung in Großbritannien schließlich befolgt werden sollte. Richard Friedenthal: Jan Hus – Der Ketzer und das Jahrhundert der Revolutionskriege, 4. Aufl., München 1987, S. 61f.

[15] Vasold: Frühling, S. 51.

[16] Ebd., S. 87.

[17] Ebd., S. 235f.

[18] Lambert: Häresie im Mittelalter, zit. n.: J. A. Robson: Wyclif and the Oxford Schools, Cambridge 1961, S. 239.

[19] Bernhard Töpfer: Lex Christi, dominium und kirchliche Hierarchie bei Jan Hus im Vergleich mit John Wyklif, in: Seibt (Hg.): Zeiten, S. 159.

[20] Vashold: Frühling, S. 92.

[21] Ebd., S. 155.

[22] Töpfer: Lex Christi, in: Seibt (Hg.): Zeiten, S. 158.

[23] Ebd., S. 158f.

[24] Ebd.

[25] Friedenthal: Jan Hus, S. 74, Töpfer: Wertung, in: Šmahel (Hg.): Häresie, S. 63.

[26] Töpfer: Wertung, in: Šmahel (Hg.): Häresie, S. 61.

Details

Seiten
36
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638292078
Dateigröße
717 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v27067
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Institut für Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
Ketzerbewegungen Mittelalters Lollarden Hussiten Jeanne Zeit Geschichte Darstellung

Autoren

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