Lade Inhalt...

God, are you there? Die Bedeutung von Religion in der TV-Serie "Joan of Arcadia"

von Fadwa Mohsen (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 24 Seiten

Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Religion im TV
2.1 Funktionen des Fernsehen
2.2 Religion in (TV-)Formen

3. Joan of Arcadia
3.1 Joan vs Johanna
3.2 Are you there, God?

4. Fazit

5.Quellen

1. Einleitung

Im September des Jahres 2003 ging die erste Folge von „Joan of Arcadia“ auf CBS auf Sendung und erzielte zu Beginn große Erfolge. Es wurde mit dem People´s Choice Award, sowie dem Humanitas-Filmpreis ausgezeichnet. In der Kategorie „Best Dramatic Series“ wurde die US-Serie für den Emmy-Award nominiert.

Hauptprotagonistin Joan Girad ist eine gewöhnliche Teenagerin, die sich mit den normalen Alltagsproblemen herumschlägt: Familie, Schule, Freunde. Gemeinsam mit ihrer Familie ist sie in die kleine Stadt Arcadia in Maryland gezogen. Jedoch gibt es eine Besonderheit, die Joan von anderen Jugendlichen unterscheidet: sie sieht Gott. In der U-Bahn, an der Schule oder bei der Arbeit erscheint er unangekündigt und spricht mit ihr. Dabei verkörpert Gott jedes Mal eine andere Gestalt und erteilt Joan Aufgaben, aus denen sie schließlich am Ende jeder Folge eine neue Erkenntnis gewinnt.

In einem Artikel von Austin Bunn wird die Religiösität der Serie Joan of Arcadia stark bemängelt. So schreibt der Autor: „The show doesn't care much for organized religion, overt lessons, or ethical behavior. The Cute Guy God (so named in the script) advises her, "It's not about religion. It's about fulfilling your true nature."1 Es stellt sich die Frage, inwieweit Religion und Gott in der Serie tatsächlich eine Rolle spielen. In meiner Arbeit möchte ich somit die Religiosität von Joan of Arcadia analysieren und herausfinden, ob Bunns Kritik gerechtfertigt ist. Im ersten Teil der Arbeit gehe ich allgemein auf Religion in Bezug zum Fernsehen ein. Hierbei erläutere ich die Funktionen des Fernsehens. Anschließend gehe ich auf verschiedene Sendungen mit Bezug zum Thema Religion ein, und erläutere die Unterscheidung von religiösen Inhalten und Inhalten mit Religion.

Im dritten Teil, der Schwerpunktbereich der Arbeit, analysiere ich Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Joan of Arcadia und der Nationalheldin Johanna von Orleannes, welche, ebenfalls wie Joan, Anweisungen von Gott bekam. Hierbei berücksichtige ich neben dem Religionsaspekt auch das Aussehen und die Verhaltensstruktur.

Schließlich analysiere ich die Serie allgemein unter religiösen Gesichtspunkten. Sei es Religion in Dialogen, Gottes Auftreten und Eigenschaften oder der Bezug zu nichtchristlichen Religionen - mögliche Ansätze zu Religion werden in bestimmten Bereichen zugeordnet und mit Bibelbezügen verglichen. Auch Metapher und Musik spielen hier eine wichtige Rolle. Im Fazit gehe ich schließlich noch einmal auf den kritischen Artikel ein und ziehe aus meiner Analyse Ergebnisse zur Fragestellung, der Religiosität der Serie.

2. Religion im TV

2.1. Funktionen des Fernsehen

In den Arbeiten von Günter Thomas´ Medien Ritual Religion wird deutlich, dass das Medium Fernsehen nicht nur die Funktion hat, Menschen zu unterhalten oder sie zu informieren, sondern eine weitaus größere Position einnimmt (Vgl. Thomas, 1998, S.328f). Das Fernsehen zeigt uns andere Welten, wie wir sie aus der Realität nicht kennen. Sendungen versuchen die Welt ausschnittsweise darzustellen. All` unsere bildlichen und sprachlichen Vorstellungen, sowie das Wissen über die Welt bekommen wir von den Massenmedien, so der Sozialwissenschaftler Luhmann (Vgl.Weyel, Gräb, 2006, S.62f). Lange Zeit standen die Kirche und Medien in einem Konflikt. Dabei kritisierten Anhänger des christlichen Glaubens die Funktion des Fernsehens: Im monotheistischen Glaube stünde das Wort Gottes und nicht sein Bild im Vordergrund, mit dem sich das Medium mit seinen Funktionen der „Weltvermittlung, der Orientierungshilfe und auch der Sinnstiftung bediene.“(Weyel, Gräb, 2006,S.63) Das Fernsehen zeigt uns beispielsweise welche Verhaltensstrukturen situativ angemessen sind und erfüllt somit auch eine gewisse Erziehungsfunktion. Es lässt sich sagen, dass das Medium eine große Macht gegenüber Gesellschaft und ihren Werten ausübt. „Mit der Durchsetzung des rationalen Denkens, mit der neuen, auf Beobachtung und naturwissenschaftlichen Verifizierung von Theorien ausgerichteten Welterklärung , ? setzte ein Bedeutungsverlust des Religiösen in den europäischen Kulturen ein.“ (Ebd. S.67) Diese Gefahren lässt die Kirche zwar nicht außer Acht, weiß jedoch auch, dass das Massenmedium durchaus auch eine Funktion darstellen kann, die der Kirche zu Gute kommt. So bietet die Sendung „Das Wort am Sonntag“ Menschen die Möglichkeit, von Zuhause aus Gottesdienste mitzuerleben. Mit zunehmenden Partizipationsversuchen erhielt schließlich die Kirche Mitsprache-und Mitbestimmungsrecht, verankert in den deutschen Rundfunkgesetzten, über die Aufsichtsgremien.

Religion im Fernsehen findet jedoch nicht nur da statt, wo diese explizit eingebracht wird. Die religiösen Funktionen des Fernsehens umfassen ein weitaus größeres Spektrum. Sendeformate wie Daily Soaps, Talkshows und Serien thematisieren (Alltags-)Probleme, die implizit als auch explizit in Verbindung mit Religion stehen. Auch TV-Ereignisse wie „Die Traumhochzeit“ gehen auf religiöse Rituale der kirchlichen Religionskultur zurück.

Religiosität, speziell in TV-Serien, wird immer stärker thematisiert (Vgl. Gräb, 2008, S.48f, in: tv diskurs).

2.2. Religion in (TV-)Formen

Das Fernsehen umfasst eine große Auswahl an verschiedenen Angebotsformen. Beschäftigt man sich mit Sendungen des fiktionalen wie auch des nonfiktionalen Bereichs, so spielt Religion implizit oder explizit eine größere Rolle, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Deshalb ist es sinnvoll, zunächst auf verschiedene Definitionskriterien einzugehen. Zum einen stellt sich die Frage, wann Inhalte im Fernsehen als religiös gelten? Um auf eine Begriffsbestimmung von Muhrer einzugehen, so gehöre in diesen Bereich „alles, was ersichtlich mit dem Glauben an Überirdisches, an jenseitige Mächte und Wirklichkeiten als Gegenstand der Verehrung und Intervention oder als Begründung und Ursache für Sinngebungen und Verhaltensweisen zu tun hat.“ (Muhrer, 1980, S.10) Im sprachlichen Gebrauch werden oftmals keine Unterscheidungen zwischen religiöse Sendungen und Sendungen über Religion gemacht. Jedoch findet man hier zwei unterschiedliche Kontexte. So gelten religiöse Sendungen als solche, die „eine religiöse Aussage zum erkennbaren Gegenstand ihrer Mitteilung“ (Ebd. S.11) machen. Gegenwartsbezogen wäre ein Beispiel hierfür die Sendung „Beten mit Bibel TV“2, die zum gemeinsamen Beten für gute Zwecke, wie beispielsweise Opfer von Naturkatastrophen, aufruft. Eine inhaltliche Abgrenzung hierzu sind Sendungen über Religion, die religiöse Inhalte thematisieren. Zum Fernsehangebot über Religion wäre hier „E wie evangelisch“ zu nennen, welches Wissen über verschiedene religiöse Angelegenheiten (Frieden) erläutert.3

„Wie gut, dass es Maria gibt…“ oder „Oh Gott, Herr Pfarrer“ sind Beispiele fiktionaler Sendereihen und Mehrteiler, die in Bezug der Beispiele vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt werden. Pfarrer-, Priester- und Nonnenserien, wie sie genannt werden, erzielen im deutschen Fernsehen großen Erfolg. Grund hierfür scheint unter anderem die attraktive und unterhaltsame Gestaltung religiöser Inhalte, „ [….]den christlichen Glauben in eine lebensnahe Sprache zu übersetzen[….]“(Da Re, 2003, S.36) Andeutungen auf Religion findet man auch in Spiel- und Kinofilmen wieder. Auch wenn hier die Funktion der Unterhaltung dominiert, ist zu erwähnen, dass (in den 90er Jahren) bei circa 10 Prozent aller Kinofilme Religion auf einer Art und Weise von Bedeutung sei (Vgl. Jacobi, 1994, S.35). In der Film- Trilogie „Der Herr der Ringe“ beispielsweise stößt man unter anderem auf Erlösermythen des Christentums mit dem Hauptprotagonisten in der Rolle des Erlösers, Höllenvisionen und Lichtoffenbarungen (Vgl. Jacobi, S.49ff). Zu Karfreitag zeigt das deutsche Programm oftmals Filme mit der Symbolik des Kreuzes, um so Jesu Christi und seine Geschichte zu gedenken. Ein Beispiel hierfür ist „The Passion of the Christ“ vom Filmemacher und Schauspieler Mel Gibson, der dem katholischen Glauben angehört.

Ein Blick auf Nachrichten, dem Bereich des Nonfiktionalen, zeigt eine Bandbreite religionsbezogener Aspekte. Die Funktion der Nachrichten besteht zum einen darin, den Menschen als Orientierungshilfe zu dienen, indem Weltgeschehen regelmäßig in Wort und Bild wiedergegeben wird. Der Bürgerkrieg im Libanon, Ehrenmorde oder die Diskussion zum Wiederaufbau der Buddha-Statuen in Afghanistan: alle Themen stehen mehr oder minder in Verbindung mit religiösen Zusammenhängen. Auch Fernsehshows können durchaus Bestandteile oder Riten enthalten, die in der Religion vertreten sind. Teilnehmer stellen für Zuschauer „Leitfiguren“ dar, „die Mut zu menschlichen Verhalten machen“ (Jacobi, S.49). Ein Lichtblick für eine bessere Welt und Menschlichkeit sind auch Elemente der Religion. 1989 ging der Videoclip zum Song „Like a prayer“ von der erfolgreichen US-Amerikanischen Sängerin Madonna als Skandal durch die Medien. Mit provokativen religiösen Symbolen trat Madonna mehrmals selbstbewusst vor die Kamera.4 „Lieder waren schon immer Träger von Religion gewesen“, so Jacobi (S.52). Gehen wir zurück in den fiktionalen Bereich, so gibt es eine Form, auf die sich der Schwerpunkt der Arbeit konzentriert: Die Fernsehserie, die weltweit an Popularität gewann und verschiedene Bereiche des reellen Alltags und ihren Problemen in den Mittelpunkt stellt. Das Leben, Liebe, Tod, Krankheit, Freude und Trauer sind Komponenten vieler Serien. Menschen können mit Hilfe solcher Sendungen Verbindungen zwischen Geschichten und ihr eigenes Leben herstellen, wodurch Serien eine Art „Anker für Sinn- und Lebenszusammenhänge“ (Jacobi, S.40) werden. Jedoch werden nach Jacobi religiöse Aspekte in diesen Programmen explizit nur selten, dafür Sinnfragen zu Ethik und Moral mehrfach aufgegriffen.

3. Joan of Arcadia

3.1. Joan vs. Johanna

In diesem Teil handelt es sich um zwei unterschiedliche Personen und zwei Geschichten: zum einen ist hier von der französischen Nationalheldin des 15. Jahrhunderts Jean D´Arc, auch Johanna von Orleans, die Rede. Heldin oder Lügnerin, Heilige und Hure, Angeklagte und Verurteilte, Mann und Frau, Wirklichkeit und Legende - betrachte man die zahlreichen Geschichten, so findet sich eine Bandbreite an Eigenschaften und Gestalten, die, so Überlieferungen, zur Identifikation einer einzigen Person angeführt werden - Jean D´Arc. Der Name einer rätselhaften Gestalt aus der Vergangenheit wird auf die Protagonistin der gleichnamigen Serie übertragen: Joan of Arcadia. Um Aufschlüsse über Gemeinsamkeiten und Unterschiede festzuhalten, analysiere ich Johanna von Orleanes und Jean of Arcadia. anhand von vier Anhaltspunkten: der Herkunft und Familie, die äußere Gestalt, die jeweiligen Schicksale und Verhaltensstrukturen, sowie den Religionsbezug. Glaubt man den Überlieferungen, so ist Johanna Anfang 1412 in einem französischen Dorf namens Domrény geboren (Vgl.Steinbach, 1973, S.12). Wo genau Joan herkommt, wird in der Serie nicht angegeben, jedoch verbringt sie, wie auch Johanna, ihre Jugend außerhalb der Stadt, in ihrem Fall dem Dorf von Arcadia. Betrachtet man den religiösen Hintergrund der Familie, so gibt es hier deutliche Unterschiede: Joan´s Mutter Helen hatte schon seit ihrer Kindheit eine Verbindung zum Katholizismus („Ich bin in der Kirche groß geworden. Katholische Schule, acht Jahre Faltenröcke, ich bin nur nicht gefirmt worden.“ Staffel 2, Ep. 1, 10’15). Dennoch steht sie in Ungewissheit darüber, ob sie an Gott glauben soll oder nicht. Erst durch den Unfall von Kevin beginnen Helens Träume, die im religiösen Zusammenhang dem Schicksalschlag ihres Sohnes stehen. Den wahren Bezug zu Gott findet sie erst in Staffel 2, als sie beginnt, sich mit einer Exnonne und einem Priester über Gott zu unterhalten. Zu Beginn der Serie spielt Gott für die Eltern und Geschwister Joans keine große Rolle. Luke glaubt an die Macht der Wissenschaft. Er setzt sich mit der Physik auseinander und versucht auf diese Weise die Welt zu erklären, woraus sich schließen lässt, dass der Glaube an Gott bei ihm nicht vorhanden ist. Auch Kevin scheint nicht überzeugt zu sein. Er ist der Meinung, gäbe es einen Gott, säße er nun nicht im Rollstuhl und wird von seinem damaligen besten Freund, der hinter dem Steuer saß, verklagt (2/2, 3’15). Will Giradi zeigt zu Beginn wenig Interesse an dem Thema Religion (1/3, 34’10).

[...]


1 Bunn, 2003, Are u there god? http://www.slate.com/id/2089556/,

2 Vgl. Beten mit Bibel TV zur besten Sendezeit: http://www.eann.de/beten-mit-bibel-tv-zur-besten- sendezeit/3092/(abgerufen am 16.03.11)

3 Vgl. Bibel-TV: http://www.bibeltv.de/programm (abgerufen am 16.03.11)

4 Vgl. Madonna.de: http://www.madonna.de/biografie (abgerufen am 16.03.11)

Details

Seiten
24
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668324633
ISBN (Buch)
9783668324640
Dateigröße
816 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270627
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,7
Schlagworte
Joan of Arcadia Religion Gott Fernsehen TV Serie

Autor

  • Fadwa Mohsen (Autor)

Teilen

Zurück

Titel: God, are you there? Die Bedeutung von Religion in der TV-Serie "Joan of Arcadia"