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Prognostik in der Geographie, Möglichkeiten und Grenzen des Verfahrens am Beispiel der Bevölkerungsprognose für Berlin bis zum Jahr 2010

Seminararbeit 1998 10 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Gliederung

0. Einleitung

1. Begriff

2. Aufgaben

3. Methoden
3.1 Primär quantifizierende Methoden
3.2 Primär qualitative Methoden

4. Bevölkerungsprognose für Berlin bis zum Jahr 2010
4.1 Methodik
4.2 Ergebnisse für die Gesamtstadt
4.2.1 Überblick
4.2.2 Wanderungsbewegung
4.2.3 Altersstruktur

5. Probleme und Kritik gegenüber von Prognosen

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

0. Einleitung

Der versierte Zeitungsleser wird immer häufiger mit Schlagwörtern wie Überalterung, Bevölkerungsexplosion oder Rentenloch konfrontiert. Ausführliche und fundierte Texte stellen die genannten Themen mit Zahlen sowie Fakten dar und bauen auf diesen Grundlagen eine differenzierte Erörterung auf, die dem Leser die Aktualität, Problematik und Brisanz der entsprechenden Themen nahebringen soll.

Hier drängt sich dem Leser unwillkürlich die Frage auf: Wie entstehen diese zukünftigen Zahlen und Fakten?

Nun ist die Zeit der Wahrsager und ihrer berühmten Glaskugeln schon lange vorüber und somit beziehen sich hierauf die wenigsten seriösen Autoren. In der Gegenwart stützen sich Untersuchungen, die zukünftige Entwicklungen thematisieren, auf Prognosen, die mittels unterschiedlichster Verfahren entwickelt bzw. berechnet werden und die der folgende Text näher darstellen und an dem Beispiel der Bevölkerungsprognose für Berlin bis zum Jahr 2010 der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie erläutern soll.

1. Begriff

Prognosen beziehen sich auf Beobachtungen und Feststellungen der vergangenen und gegenwärtigen Entwicklung. Auf der Basis dieser Beobachtungen bzw. Feststellungen werden unter Verwendung von wissenschaftlichen Methoden quantitative oder qualitative Aussagenüber zukünftige Entwicklungen und Zustände dargestellt. Dies ist jedoch nur sinnvoll, wenn sich in den bisherigen Entwicklungen eine gewisse Regelmäßigkeit erkennen läßt.

K.-D. OPP (1970) legt das Verfahren der Prognostik wie folgend dar (s. Abb 1): Bei einer Prognose ist, im Gegensatz zum sonstigen wissenschaftlichen Prozeß, die Erklärung für den gegenwärtigen und vergangenen Zustand eines untersuchten Sachverhaltes bereits gegeben und es wird der künftige Zustand gesucht. Im sonstigen wissenschaftlichen Untersuchungsverfahren ist der gegenwärtige und künftige Status gegeben und die Erklärung hierfür gesucht (vgl. STIENS 1996, S23).

Prognosen im engeren Sinne

Im Unterschied zum sonstigen wissenschaftlichen Prozeß sind bei der Prognose das Gesetze bzw. Theorien und Randbedingungen gegeben und der Tatbestand bzw. das Ergebnis gesucht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Prognoseprozeß gegenüber sonstigem wissenschaftlichen Prozeß (nach OPP 1970)

Quelle: STIENS 1996, S.23

Unter der Bevölkerungsprognose versteht man die Vorausberechnung bzw. Schätzung der Bevölkerung oder einer -gruppe für eine bestimmte Zeitdauer, wobei die natürliche und räumliche Bevölkerungsentwicklung berücksichtigt wird (vgl. LESER 1997, S.82). Da nicht alle künftigen Einflußfaktoren und Entwicklungen feststehen, geht der Prognostiker von fest umrissenen Annahmen aus. Sofern eine Regelmäßigkeit in der Vergangenheit erkennbar ist, können die Beobachtungen aus der Vergangenheit in die Zukunftübertragen werden (vgl. KULS und KEMPER 1993, S.223). Jedoch muß die Prognose immer wieder an die aktuellen Entwicklunen angepaßt werden, als Beispiel seien hier nur Wanderungsbewegungen, die sich z.B. durch neu entstandene Arbeitsplätze, die zum Berechnungszeitraum noch nicht bekannt waren, ändern können.

2. Aufgaben

Prognosen dienen der Darstellung zukünftiger Zustände und stellen dabei Denkmodelle dar, die Politikern und Planern eine Vorstellung von Entwicklungen bzw. Auswirkungen bestimmter Maßnahmen, seien sie nun wünschenswert oder nicht, geben sollen (vgl. BÄHR 1992, S. 267f). Sie sind Grundlagen für weitere Planungen und Überlegungen. Besonders die Raumplanung bezieht sich immer wieder auf Bevölkerungsprognosen, da mit der Veränderung der Bevölkerungsverhaltens ein geänderter Bedarf , z.B. in Bezug auf die Infrastruktur einhergeht. Erhöht sich nach den Berechnungen einer Prognose z.B. die Fertilität einer Bevölkerung oder einer -gruppe, müssen die Raumplaner einem höheren Bedarf an Kindergartenplätzen gerecht werden. Es können nur mittels einer Prognose diese Bedarfsänderungen frühzeitig erkannt und Engpässe vermieden werden.

3. Methoden

STIENS (1996, S.14) unterscheidet zunächst zwischen dem auf Quantifizierung ausgerichteten Verfahren und dem eher qualitativ, argumentierenden Verfahren..

Die modernen Prognosen bestehen oft aus einer quantitativen Berechnung, die dann durch ein qualitatives Verfahren ergänzt und präzisiert wird, um so genauere und differenziertere Ergebnisse zu erhalten.

3.1 Primär quantifizierende Methoden

Die primär quantifizierende Prognostik basiert auf empirisch wissenschaftlicher Vorbereitung bzw. auf theoretischen Grundlagen und ist weitgehend mathematisiert, d.h. ihre Grundlagen sind unterschiedliche mathematische Berechnungen (s. Tab 1). Komplexe Entwicklungen bzw. Veränderungen und mathematisch nicht erfaßbare Einflüsse können in diese Art der Prognosen nicht miteinbezogen werden, was in der Vergangenheit zu unexakten Ergebnissen führte.

Tabelle 1: Beispiele für primär quantitative Prognosemethoden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Primär qualitative Methoden

Die primär qualitative Zukunftsforschung geht nur im geringen Maß mathematisch vor und ist als Gegenentwicklung zu den primär quantitativen Methoden, deren Ergebnisse trotz genauer Berechnung häufig fehlerhaft waren, zu verstehen.

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783638116336
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2706
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Geographie
Note
gut
Schlagworte
Prognostik Geographie Möglichkeiten Grenzen Verfahrens Beispiel Bevölkerungsprognose Berlin Jahr Seminar Einführung Kultur- Sozialgeographie

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Titel: Prognostik in der Geographie, Möglichkeiten und Grenzen des Verfahrens am Beispiel der Bevölkerungsprognose für Berlin bis zum Jahr 2010