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Das Gilgamesch Epos. Inhaltszusammenfassung und Interpretation von Enkidos Tod

Analyse anhand der Sterbephasen nach Kübler-Ross

Ausarbeitung 2013 13 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zusammenfassung des Inhalts:
2.1 Tafel I - XII der ninivitischen Version
2.2 Kurze Interpretation, Bedeutung des Epos

3. Freier Teil: Enkido am Sterbebett
3.1 Fragestellung
3.2 die 5 Phasen des Sterbens in der Theorie
3.3 Anwendung auf Enkidos Sterben
3.4 Fazit

Einleitung

Das Gilgamesch- Epos ist eine der ältesten überlieferten Dichtungen der Menschheit. Es besteht aus vielen Einzelgeschichten, die erst unter dem König Assurbaniap (669- 627 v. Chr.) in Nini- ve zu einer größeren Erzählung zusammengefasst wurden. Die Einzelerzählungen sind dabei bis in das dritte Jahrtausend v. Chr., in die Zeit der Sumerer, zurückverfolgbar. Diese Zusammen- fassung der überlieferten Einzelerzählungen verfasste babylonischen Quellen zufolge der Ge- lehrte Sin- lequeunnini. Der Haupttext der Übersetzung, die ninivitische Version, besteht aus zwölf Tafeln, wobei der Inhalt der zwölften Tafel nicht an jenen der vorherigen direkt anknüpft. (Röllig, W, 2009: 9- 13) Im Folgenden werden die einzelnen Tafeln beschrieben und kurz inter- pretiert:

Tafel I

In der ersten Tafel werden Protagonist Gilgamesch und Antagonist Enkidu vorgestellt. Während Gilgamesch als König über die Stadt Uruk herrscht, lebt Enkidu unter Tieren als Wilder in der Steppe.

Gilgamesch, Sohn der Wildkuh Rimat- Ninsun, ist zu zwei Dritteln Gott und seinen Mitmenschen in Größe und Stärke klar überlegen (vgl. Tafel 1 Z.51- 58). Neben seiner „übermenschlichen“ Physis scheint er auch übermäßig schlau und weise zu sein (vgl. Tafel 1 Z. 2-7). Er ist Erbauer der Stadtmauern der Stadt Uruk, einer vergleichsweise gigantischen Stadt im Süden Mesopotamiens. Angesichts der Tatsache, dass er dort jun- ge Krieger und Frauen aus ihren Familienverbänden löst, ist davon auszugehen, dass Gilgamesch in Uruk eine Gewaltherrschaft ausübt und seine Untertanen mit Hilfe seiner körperliche Überlegenheit unterdrückt (Vgl. Tafel 1 Z.82- 83). So kommt es, dass die Frauen der Stadt die Götter um Hilfe bitten, woraufhin die Göttin Aruru dem König Enkidu als körperlich ebenbürtigen Rivalen in der Steppe erschafft.

Enkidu stellt den Widerpart zum willkürlich brutalen König da. Zwar lebt er unter mörderischen Tieren und verhält sich auch dementsprechend, doch ist seine wilde, „mörderische“ Attitude ist auf seinen naturgegebenen, tierischen Instinkt zurückzuführen. Durch einen Jäger, dessen Handwerk durch Enkidus Präsenz gestört ist, erfährt Gilgamesch von Enkidu und schickt die Dirne Schamchat, um ihn abzulenken und in die Stadt Uruk zu bringen. Dieser Prozess der Entfremdung kann als eine Art Zivilisierung oder Zähmung des wilden Menschen gedeutet werden.

Tafel II

Die zweite Tafel berichtet von Enkidus Ankunft in Uruk.

Während der Reise nach Uruk wacht Enkidu Tag und Nacht über Schamchat, welcher er zuvor verfallen ist. In Uruk angekommen, kommt es zum ersten Kontakt und gleich- zeitig zum Kampf zwischen Gilgamesch und Enkidu, welcher den König von der Inan- spruchnahme des Ius Primae Noctis aufhalten möchte. Gilgamesch kann ihn im Kampf nicht besiegen, und stößt das erste Mal auf seine körperliche Grenzen, woraufhin die beiden bei einem erleuchtenden Gespräch mit Rimat- Ninsun Freundschaft schließen. An dieser Stelle kann bereits die Funktion Enkidus festgestellt werden, welcher in der Rolle des Gefährten und Beraters Gilgameschs „bessere“ Hälfte darstellt. Verstärkt wird diese These im folgenden Verlauf der Tafel, als Gilgamesch beschließt, den Wächter des Zedernwaldes, Chumbaba, zu besiegen, um seinem Namen Untersterblichkeit zu verleihen. Der maßlosen Überheblichkeit und Torheit des Königs will Enkidu entge- genwirken, indem er vergebens versucht, die Ältesten der Stadt zu überreden, Gilgamesch aufzuhalten.

Tafel III

In der dritten Tafel bereiten sich Gilgamesch und Enkidu auf den Zug zum Zedernwald vor. Dazu erbittet Gilgamesch den Segen seiner Mutter, der Wildkuh Rimat- Ninsun, welche den Gott Schamasch um Hilfe anfleht. Dieser scheint für die Unterstützung des Abenteuers besonders geeignet, da er nicht nur über die Sonne am Tage, sondern auch mittels der „Wächter der Nacht“(Tafel III Z.57), also der Sterne, über Gilgamesch wa- chen und ihn im Kampf mit starken Winden protegieren kann. An dieser Stelle erfährt der Leser bereits das zukünftige Schicksal Gilgamesch, welches sich in Rimat- Ninsuns Anliegen widerspiegelt: „Soll er nicht mit dem Unterweltsgott Ningischzida im Land ohne Wiederkehr wohnen?“(Tafel III Z. 106-107). Daraufhin erfolgt die Institutionali- sierung des Bundes zwischen Enkidu und Gilgamesch, indem die Wildkuh Rimat- Nin- sun Enkidu als Sohn zeremoniell adoptiert. Obgleich Gilgamesch als König alleinig an der Spitze der Hierarchie steht, ist Enkidu ihm als Bruder nun nicht mehr nur noch kör- perlich ebenbürtig.

Tafel IV

Die vierte Tafel beschreibt die 45-tägige Reise zum Zedernwald, welche in einem Zeitraffer von 3 Tagen dargestellt wird.

Befindet sich der Zedernwald im heutigen Libanon, führt der Weg dorthin durch eine Berglandschaft, auf deren Anhöhen die beiden Protagonisten fünf Mal Rast einlegen. Während des Rastens vollziehen sie eine Traumzeremonie, bei der Gilgamesch die Funktion des Traumempfängers einnimmt, während Enkidu die Zeremonie betreut und Gilgamesch bewacht. Die Träume, welche Enkidu deutet, beschwören stets ein Kata- strophenszenario, sodass die beiden frühzeitig mental auf die Ausmaße ihres Kampfes mit Chumbaba eingestimmt werden. Enkidu spricht Gilgamesch dabei immer wieder Mut zu, nachdem sich dieser zunehmend eingeschüchtert zeigt. Als urplötzlich Schama- sch erscheint und die beiden zum raschen Handeln auffordert, überkommt Enkidu die Angst.

An dieser Stelle scheint Enkidu das erste Mal Schwäche zu zeigen, woraufhin ihn Gilgamesch anspornen kann. Dieser wächst also an der Herausforderung und durch die Wechselbeziehung zu Enkidu über sich hinaus. Das Ideal des treuen Gefährten, welches zuvor Enkidu verkörpert hat, überträgt sich hier auf Gilgamesch, welcher seine egozentrische Perspektive zu überwinden scheint.

Tafel V

In der fünften Tafel kämpfen Gilgamesch und Enkido gegen den Dämon Chumbaba.

Nachdem die beiden den Zedernwald erreicht und dessen Wächter Chumbaba gestellt haben, beginnt dieser vergleichsweise vulgär über Enkidu zu fluchen. Diese Attitude lässt anmuten, dass Chumbaba sehr unkultiviert ist, ein „wildes Biest“, ebenso wie es Enkido vor seiner „Zähmung“. Daraufhin überkommt Gilgamesch erneut die Angst, woraufhin ihn Enkido wieder beflügelt und ihn an seine Mission erinnert. Der darauf- folgende heftige Kampf, welcher durch die Unterstützung des Gottes Schmasch ent- schieden werden kann, ist kurz und detaillos beschrieben. Diese verkürzte Darstellung versteht sich als eine Emphasis, ein Stilmittel im mesopotamischen Zeitalter. Mit sei- nem letzten Atemzug verflucht Chumbaba die beiden Helden, wobei der Fluch tatsäch- lich Enkidus zukünftiges Schicksal, den Tod als Unbekannter, beschwören soll (Vgl. Tafel V Z.255- 256). Als Beweis und Beute ihres Siegeszuges schlagen die beiden noch eine mächtige Zeder, ein Baumaterial, welches im Süden Mesopotamiens nicht vorzu- finden und folglich von großem Wert ist.

Tafel VI

Die sechste Tafel berichtet von Gilgamesch Kontakt zur Göttin Ischtar und dem Kampf mit dem Himmelsstier.

In Uruk angekommen, vollzieht Gilgameschs eine Reinigungszeremonie, bei der er nicht unbeobachtet bleibt. Die Göttin Ischtar ist seiner Schönheit verfallen und fordert Gilgamesch auf, sie zur Frau zu nehmen. Dieser wiederum stellt ihren schlechten, ader- lassenden Charakter mittels einer Aufzählung rhetorischer Fragen zur Schau (Tafel 6 Z. 24ff.). Wutentbrannt erpresst diese ihren Vater Anu, den Himmelsstier auf die Erde zu schicken, um Gilgamesch zu töten (vgl. Tafel VI Z. 96-97). Als der Himmelsstier be- ginnt auf der Erde zu wüten, bekämpfen ihn die beiden Helden. Obgleich Enkidu die Initiative ergreift und den Kampf zunächst alleine beschreitet, ist es Gilgamesch, der auf Enkidus Zuspruch dem Himmelsstier den Todesstoß verpasst. Hier ist wieder zu erken- nen, dass Enkido nur die Rolle des “Heldenhelfers“ übernimmt, obwohl er selbst zuerst den Mut aufbringt und zur Tat schreitet.

Tafel VII

Die siebte Tafel thematisiert Enkidos Ringen mit dem Tod.

Infolge der siebten Tafel durchläuft Enkido verschiedene Stadien des Sterbens, auf die im zweiten Teil der Hausarbeit genauer eingegangen wird. Am Ende dieser Tafel stirbt Enkido.

Tafel VIII

Die achte Tafel beschreibt die Totenklage und Bestattung Enkidus.

Gilgamesch wendet sich in seiner Totenklage an all jene Dinge, mit denen Enkidu in Berührung geraten ist. Dies impliziert Mensch, Tier aber auch die Natur. Er legt ein Grab im zuvor aufgestauten Fluss an, um dieses vor Plünderern zu schützen. Das Grab selbst stattet er mit stattlichen Gaben aus insbesondere für die bedeutenden (Göt- ter)gestalten der Unterwelt.

Infolge Gilgameschs Bemühungen um Enkidos Nachleben und einer gesellschaftlichen Totenklage lässt sich eine Metamorphose des Königs vom narzisstischen Tyrannen zum einfühlsamen Gefährten erkennen.

Tafel IX

In der neunten Tafel reist Gilgamesch ans Ende der Welt.

Aus Angst vor dem Tod entschließt sich Gilgamesch das ewige Leben zu suchen und macht sich auf zu den Pässen des Maschu- Gebirges, welche von einem Skorpionmen- schenpaar bewacht werden. Diese beschreiben dem König den Weg durch das Gebirge, einem zwölf Meilen langen Pfad völliger Finsternis, bis zum Ort der Sonne, einem Edelsteingarten.

Der Gebirgspfad ist eine Art Prüfung zur Überwindung der irdischen Ängste, an dessen Ende der Edelsteingarten, als magischer, unberührter Ort steht.

Tafel X

Die zehnte Tafel berichtet von der Reise über die Wasser des Todes und dem ersten Kontakt zu Uta- Napischti.

Stellt der Edelsteingarten bereits das Ende der Welt da, befindet sich dahinter eine my- thische Welt, welche von einem Meer und den Gewässern des Todes umschlossen ist, die nur von einem Fährmann namens Ur- Schanabi überwunden werden können. Am Rande der Gewässer befindet sich ein Ort, der nur von der Sonne berührt wird. Dieser Fakt lässt erahnen, dass der Ort von Erleuchtung und Übermenschlichkeit geprägt ist. Auf Ratschlag einer Schenkin nahe des Edelsteingartens, sucht Gilgamesch Ur- Scha- nabi im Wald auf. Dieser, gleich dem Chumbaba voller „Schreckensglanz“ (Tafel X Z.98), stürmt wild auf Gilgamesch zu, welchem es gelingt, den Dämon kurzfristig außer Gefecht zu setzen. Kurz darauf setzen die beiden über das Gewässer zum unsterblichen Uta-Napischti, welcher Gilgameschs Präsenz frühzeitig wahrnimmt. Als dieser Gilgameschs wehmütiges Klagen über seine Rastlosigkeit, seine körperliche Erschöp- fung und seine Sterblichkeit registriert, erinnert er Gilgamesch an seine Pflichten als König und die Vergänglichkeit irdischen Lebens. Auch Gilgamesch muss sich seinem Schicksal, welches die Götter für ihn, wie für jeden anderen bestimmt haben, fügen. Die Abschnitte des Lebens und der Tod seien determiniert, nicht aber deren Zeitpunkt.

Tafel XI

Die elfte Tafel thematisiert die Erzählung von der Sintflut sowie Gilgameschs Heimkehr nach Uruk.

Ist Gilgamesch dennoch im Unklaren darüber, wie Uta- Napischti die Untersterblichkeit erlangen konnte, erzählt dieser ihm von einer Sintflut der Götter, in der alle Menschen vernichtet werden sollten. Der Weisheitsgott Ea ließ Uta- napischti dies allerdings wis- sen, sodass dieser sich mit einem Schiff ans Ende der Welt retten konnte. Im Folgenden stellt Uta- napischti Gilgamesch die Prüfung, sieben Tage und Nächte wach zu bleiben, um den Schlaf, als kleinen Bruder des Todes, zu besiegen. Als Gilgamesch dies allerdings nicht gelingt, verrät ihm Uta- Napischti noch den Standort eines Verjüngungskrauts, was Gilgamesch zwar findet, es sich dann allerdings von einer Schlange klauen lässt. Betrübt kehrt Gilgamesch nach Uruk zurück, um den Bau der Mauer von Uruk zu vollenden.

Anhand der Prüfungen kann die Prophezeiung Uta- Napischtis wiedererkannt werden, zumal sich Gilgamesch vom überirdischen Gedanken trennen und dem Ausbau sowie der Herrschaft von Uruk widmen kann.

Tafel XII

Obgleich die Erzählung nach der elften Tafel eigentlich endet, wurde zur Vollendung des Epos eine zwölfte Tafel hinzugefügt, in der sich Gilgamesch mit den Regeln der Unterwelt vertraut macht, nachdem sein Holzspielzeug in die Erde gefallen ist.

Fazit

Das Gilgamesch Epos, als älteste Erzählung der Menschheit, umfasst die noch heute gültigen Urthemen der Dichtung: Natur, Liebe, Tod, Macht und Selbst. Der Protagonist der Erzählung, Gilgamesch, durchläuft dabei diese Grundprobleme des Daseins, die sich oftmals überschneiden.

So beschreibt das Epos das menschliche Ringen mit den Naturgewalten wie beispiels- weise in Uta- Napischtis Sintfluterzählung. Die Natur und die naturgegebenen Instinkte stehen dabei im Kontrast zum kultivierten Stadtmenschen. So entsteht Enkido als Wi- derpart inmitten der Steppe, der nur über die menschliche Liebe, beziehungsweise die Lust, zivilisiert werden kann. Ein weiteres eher marginales aufgegriffenes Thema sind die gesellschaftlichen Machtkämpfe, die sich in der Auflehnung des Volkes gegen Gilgameschs Tyrannei widerspiegeln. Auch der Machtkampf mit dem Überirdischen, den Göttern, spielt insofern eine Rolle, als Gilgamesch versucht den von den Göttern zum Tode bestimmten Enkido zu retten (vgl. Tafel VII Z.83- 84). Doch im Zentrum des Epos steht der Tod sowie Gilgameschs Selbst. Das Motiv der Vergänglichkeit sowie jenes des Sterbens zieht sich dabei durch die gesamte Erzählung (vgl. Tafel X Z. 301- 310). Dabei scheint der Tod Enkidos der Wendepunkt in Gilgameschs Perzeption des Lebens zu sein, welcher daraufhin nach der Unsterblichkeit sucht. Die Reise zum Ende der Welt kann dabei als eine Reise zum Selbst beschrieben werden, an dessen Ende Gilgamesch die ernüchternde Antwort findet, dass auch ihm das menschliche Schicksal vorbestimmt ist. So versucht Gilgamesch, kann er die Unsterblichkeit nicht erreichen, seinen Namen durch seine Taten, wie beispielsweise den Bau der Mauer von Uruk, auf der Erde weiterleben zu lassen und somit „untersterblich“ zu machen.

Freier Teil

Beginn des Endes Ein Punkt nur ist es, kaum ein Schmerz, Nur ein Gefühl, empfunden eben; Und dennoch spricht es stets darein, Und dennoch stört es dich zu leben.

Wenn du es andern klagen willst, So kannst du's nicht in Worte fassen. Du sagst dir selber: "Es ist nichts!" Und dennoch will es dich nicht lassen.

So seltsam fremd wird dir die Welt, Und leis verlässt dich alles Hoffen, Bist du es endlich, endlich weißt, Dass dich des Todes Pfeil getroffen

Storm Theodor

Da die Menschen im alten Orient eine andere Perzeption vom Tode und dem Nachleben haben als der moderne Mensch der westlichen christlichen Hemisphäre, erweist es sich als interessant, zu untersuchen, welche emotionalen Stadien der altertümliche Mensch im Sterbebett durchläuft. Daher möchte ich Enkidus Sterben im Gilgamesch Epos, in welchem der Tod und die Vergänglichkeit zentrale Motive sind, mit der modernen Theorie des Sterbens nach Elisabeth Kübler- Ross vergleichen.

Nach der Theorie unterteilt sich die seelische Entwicklung eines Sterbenden in fünf Phasen (Kübler-Ross, 1979):

1. Nichtwahrhabenwollen
2. Zorn
3. Verhandeln
4. Depression
5. Zustimmung

Die Reihenfolge der Phasen ist dabei nicht determiniert, im Gegenteil, sie können sogar nebeneinander auftreten.

Nichtwahrhabenwollen:

In der ersten Phase, überkommt die Sterbenden die schockierende Nachricht des Todes. Sie möchten ihr Schicksal nicht wahrhaben und „signalisieren mit jeder Faser ihres Seins“ (Christoph Student, 2006: 2) ihre Distanz zur Diagnose. Das Nichtwahrhaben- wollen ist ein erster Schutzmechanismus der Seele, welcher die Betroffenen vor emotionaler Überbelastung schützt. Das Verdrängen kann dabei eine hilfreiche Maßnahme sein, um in einem späteren, selektierten Moment ein bewusstes Reflektieren möglich zu machen. Die erste Phase kann im Verlauf des Sterbens immer wieder auftreten, insbesondere wenn die Betroffenen neue negative Nachrichten erreichen.

Zorn

In der nächsten Phase nutzen die Sterbenden ihren Zorn als Ventil, um sich selbst zu beruhigen und zu entlasten. Die Sterbenden stellen dabei die weltliche Gerechtigkeit in Frage, schweben in Verständnislosigkeit, warum gerade sie sterben müssen. Oftmals sind sie dabei auf der Suche nach einem Schuldigen für ihren Tod, welcher aus ihrem Neid gegenüber den Überlebenden erwächst. Außerdem haben sie Angst vergessen zu werden und streben daher nach Aufmerksamkeit.

Verhandeln

Die Verhandlungsphase, die eher flüchtig auftritt, beschreibt einen Zustand des Sterbenden, in dem er kindlichen Verhaltensweisen verfällt und beginnt, mit Gott oder einer vergleichbaren überirdischen Instanz zu verhandeln. Ziele der insgeheimen Kooperation können verschiedene Ausmaße annehmen: von einem längeren Leben bis hin zu einer moralischen Legitimation eigenen Handelns.

Depression

In dieser Phase verfällt der Sterbende in einen traurigen, klagsamen Zustand der Isolat i- on. Kübler- Ross unterteilt an dieser Stelle in zwei verschiedene Blickwinkel. Einerseits einen depressiven Zustand als Reaktion auf nicht wahrgenommene Chancen, den Verlust körperlicher Integrität und die Unfähigkeit, schöne Momente zu wiederholen. Der zweite Blickwinkel umschreibt eine vorbereitende Depression, die sich mit dem zukünftigen Verlust der irdischen Existenz beschäftigt.

Zustimmung

Diese finale Phase tritt bei den meisten Sterbenden ein, muss es aber nicht. Der Be- troffene hat sich mit seinem Schicksal abgefunden und geht in einen lethargischen Zu- stand über.

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Details

Seiten
13
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656618379
ISBN (Buch)
9783656618362
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270563
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
Gilgamesch Epos Archäologie Kübler Ross Sterbephasen Enkidu Geschichte Alter Orient

Autor

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