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Kampf gegen Seeraub. Die Hanse und die sogenannten „Vitalienbrüder“

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 14 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Die politischen Spannungen durch Konig Waldemar

3. Der Machtausbau Margaretes

4. Beginn des Kaperkrieges und das Aufkommen der „Vitalienbruder“
4.1 Wer und vor allem was waren die sogenannten „Vitalienbruder“ ?

5. Der weitere Verlauf des Krieges
5.1 Gotland als Feste der Vitalienbruder

6. Die Vitalienbruder in der Nordsee

7. Die Sage um Klaus Stortebeker

8. Kurze Schlussbetrachtung

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der freie Handel ist bis heute eines der wichtigsten Guter der Menschheit. In verschiedenen Organisationen garantiert man heute den fairen und sicheren Handel von Gutern zwischen ganzen Kontinenten. Anders als damals braucht man im Grofiteil der Welt keine Angst mehr vor Piraten und Seeraubern zu haben. Vergleichbar mit den heutigen Handelsorganisationen war die Hanse. Sie war ein Zusammenschluss von Kaufleuten, die uber Jahrhunderte existierte und die Welt von damals mit einander vernetzte. Doch zu jener Zeit der Hanse konnte man keines Wegs von all Zeit sicheren Seewegen und Handel sprechen, denn in den Gewassern der Nord- und Ostsee trieben sich Piraten und Seerauber herum, mit dem Ziel, so viel Profit und Guter zu ergaunern, wie nur moglich war. Eine der zahlreichen Gruppierungen von Seeraubern, die in die Geschichte als wohl Bedeutendste eingingen, waren die sogenannten „Vitalienbruder“ und ihr wohl beruhmtester Hauptmann, Klaus Stortebeker. Sie pragten eine Zeit in der Spannungen zwischen den Furstenhausern um Macht und Territorien prasent waren. Fraglich ist, wie eine Gruppe von Seeraubern zu so grofiem Einfluss auf den Handel im Ostseeraum gelangen konnte. In dieser Hausarbeit wird ergrundet, wie es zum Aufbluhen des Seeraubs gekommen ist und warum die sogenannten „Vitalienbruder“ ihre Macht erlangten.

Die Hausarbeit beginnt mit den politischen Spannung durch Konig Waldemar Atterdag von Danemark, geht dann uber den Machtausbau seiner Tochter Konigin Margarete weiter zum Aufruf zum Kaperkrieg gegen Danemark und dem Aufkommen der Vitalienbruder. Sie beleuchtet die Vitalienbruder genauer und gibt einen tieferen Einblick in die Strukturen ebenjener Gemeinschaft. Danach geht sie auf den weiteren Verlauf des Krieges ein, beleuchtet die wichtige Stellung Gotlands injenem Krieg und die folgende Niederlage der Vitalienbruder, ihrer Flucht in die Nordsee und den Untergang der Seerauberei in der Nord- und Ostsee. Gegen Ende wird die Person des Klaus Stortebeker untersucht und analysiert. Am Ende folgt eine kurze Schlussbetrachtung in der die Kernfragen der Arbeit erneut aufgegriffen werden. Hier zu verwende ich die Werke von Matthias Puhle „Die Vitalienbruder - Klaus Stortebeker und die Seerauber der Hansezeit“ (Frankfurt/Main 1992), Philippe Dollinger „ Die Hanse - 5. erweiterte Auflage“ (Stuttgart, 1998), Uwe Ziegler „ Die Hanse - Aufstieg, Blutezeit und Niedergang der ersten europaischen Wirtschaftsgemeinschaft - Eine Kulturgeschichte von Handel und Wandel zwischen 13. und 17. Jahrhundert“ (Bern/Munchen/Wien, 1994) und Heinz Stoob „ Die Hanse“ (Graz/Wien/Koln, 1995).

2. Die politischen Spannungen durch Konig Waldemar

Obgleich Konigin Margarete als eine der Hauptpersonen im Kampf um die skandinavischen Konigreiche gilt, ist es von grofier Bedeutung fur dieses Thema, die Vorgeschichte des Konflikts deutlich zu machen. Hierbei zu nennen ist der Vater Konigin Margaretes, Konig Waldemar IV. Atterdag. Seine Regierungszeit (1340-1375) war erfullt von politischen und militarischen Konflikten, aber dennoch stabilisierte er das danische Konigreich in den letzten Jahren seiner Regenschaft.[1] Im Zuge eines um 1359/1360 gefuhrten Feldzuges gegen das Konigreich Schweden, eroberte er verschiedene Gebiete, darunter auch die Gebiete Schonen und Gotland.[2] Durch die Eroberung Gotlands gelangjedoch nicht nur, dass die Insel wieder Teil des danischen Konigreichs wurde, sondern auch, dass man die Kontrolle uber die wichtige Hansestadt Visby gewinnen konnte.[3] Er unterstrich durch diesen Angriff, die danische Hegemonialpolitik in den nordeuropaischen Gewassern wieder aufzunehmen.[4] Der Krieg zwischen der Hanse und dem danischen Konig schien daher unumganglich. Im Zuge dessen wurden die Handelsverbindungen der wendischen Stadten mit Danemark unterbrochen und zur Finanzierung des bevorstehenden Krieges, ein Zoll auf die Schiffe und ausgefuhrten Waren der Hansestadte erhoben.[5] 1362 lief eine Flotte von 52 Schiffen gen Danemark aus, mit dem Ziel eine Blockade zu errichten. Diese wurde jedoch durch die Danen zerschlagen, woraufhin die wendischen Stadte eine herbe Niederlage erfuhren. Im Jahre 1364 wurde in Schweden Konig Magnus Eriksson abgesetzt, worauf hin ein Sohn des mecklenburgischen Herzogs Albrecht den Thron bestieg. Drei Jahre spater, auf dem Hansetag in Koln des Jahres 1367, beschloss man gegen Danemark erneut eine Blockade zu errichten. Die sogenannte ,,Kolner Konfoderation“ entstand. Ein geschichtstrachtiges Ereignis, denn noch nie fand ein Hansetag in Koln statt, denn die Randlage wurde offenbar als unbequem eingestuft, bot jedoch in diesem speziellen Falle einen Vorteil, da Koln leicht von den Niederlandern zu erreichen und deren Teilnahme fur den Erfolg notig war.[6] Um die ,,Kolner Konfoderation“ zu verstarken, ging man ein Bundnis mit Schweden, Mecklenburg und dem gegen Waldemar aufstandischen danischen Adel ein. Nur Norwegen stellte sich auf die Seite Danemarks, denn der norwegische Konig Haakon VI. hatte die Tochter Waldemars zu Frau. Anders als in der militarischen Auseinandersetzung von 1362 konnte die Allianz zwischen Danemark und Norwegen dem Angriff der ,,Kolner Konfoderation“ kaum etwas entgegen setzten und wurde zu Verhandlungen gezwungen, die Waffen niederzulegen.

Das Konigreich Norwegen hatte besonders unter der Blockade gelitten, sodass Haakon VI. bereits am 5. September 1369 der Hanse einen Waffenstillstand anbot.[7] Die Verhandlungen mit Danemark zogen sich allerdings bis in das Fruhjahr des Jahres 1370 hin. Schliefilich wurde der Konflikt mit dem Frieden von Stralsund am 24. Mai 1370 beendet. In den letzten funf Jahren seiner Regentschaft stabilisierte Waldemar das danische Konigreich, welches nach dem Konflikt mit den Hansen kriegsmude und demoralisiert war. Waldemar IV. Atterdag starb 1375 und seiner Tochter Margarete reklamierte den danischen Thron fur ihren Sohn Olaf VI.[8] Mit der Machtubernahme Margaretes kann man sagen, dass die Zeit des Seeraub und der Seerauber eine Hochzeit erlebte. Es ist allerdings nicht ganz sicher, ob die sogenannten Vitalienbruder in dieser Zeit ihren Ursprung hatten. Sicher ist, dass grade einmal zwanzig Jahre vergingen, bevor man erneut in eine politische und militarische Auseinandersetzung verwickelt wurde. Beteiligt an dieser Krise in und um den Ostseeraum war der mecklenburgische Herzog Albrecht III. und die danische Konig Margarete. Waldemar Atterdag hatte selbst keinen mannlichen Nachkommen, lediglich zwei Tochter. Eine Entscheidung bezuglich des Thronfolgers konnte dem entsprechend nur zwischen den Sohnen der beiden Tochter Margarete und Ingeborg getroffen werden.[9] Margarete war mit dem norwegischen Konig Haakon VI. verheiratet, Ingeborg mit dem Bruder des schwedischen Konigs Heinrich von Mecklenburg. Die Hanse hatte nun die Wahl zwischen einer norwegisch-danischen oder der mecklenburgischen-schwedischen-danischen Konstellation.[10] Die Hanse bevorzugte im Gegensatz zu den deutschen Fursten die Erste.[11] Der mecklenburgische Herzog war uber diese Entscheidung der Hanse erbost, hatte er doch das Recht auf seiner Seite. Der danische Konig Waldemar Atterdag und der mecklenburgische Herzog Albrecht II. hatten sich als die jeweiligen Grofivater der noch unmundigen Enkel schon 1371 darauf verstandigt, dass Albrecht IV., der Sohn Ingeborgs und der altere der beiden Thronanwarter, danischer Konig werden sollte.[12] Doch rechnete man nicht mit dem danischen Adel, welcher auf sein Vorrecht bestand, seinen Konig selbst zu wahlen.[13] Anders als in den deutschen Herzog-und Kurfurstentumern besafi Danemark eine Wahlmonarchie und war kein Gebiet des deutschen Rechts.[14] Diese Entscheidung fuhre dazu, dass die Mecklenburger zum Kaperkrieg gegen Danemark und damit Konigin Margarete aufriefen. Unter zwei Gefahren hatte die Hanse ohne Zweifel, die geringere gewahlt: die danische Macht war weniger zu furchten, als der Ehrgeiz der deutschen Fursten.[15]

3. Der Machtausbau Margaretes

Im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts wurde die Seerauberfrage auf der Ostsee wieder aktuell.[16] Gewiss ist es auch als Hochzeit Konigin Margaretes zu bezeichnen. Mit dem Tod ihres Mannes, Konig Haakon VI. von Norwegen im Jahr 1380, wurde sie zur Konigin von Norwegen gekront.[17] Von dort an, hegte sie die Intention, die drei skandinavischen Konigreich zu vereinigen, eine Union unter der Vorherrschaft Danemarks, zu bilden. Dort lag jedoch die Schwierigkeit in ihren Planen. Der schwedischen Thron war besetzt von Albrecht dem III. der gleichzeitig auch Herzog von Mecklenburg war.[18] In den folgenden Jahren verschlechterte sich das Ansehen und der Machteinfluss der Mecklenburger immer mehr. Man musste sich damit abfinden, dass der Thron Danemarks keine Option mehr fur das Adelsgeschlecht der Mecklenburger war, man stutze sich auf die Vorherrschaft in Schweden. Der mit Albrecht III. schwer verfeindete schwedische Adel fuhrte mit Margarete, in zwischen Konigin von Danemark und Norwegen, Verhandlungen uber das weitere Geschehen in Schweden. Die Politik des mecklenburgischen Konigs erzurnte den Adel, sodass es schliefilich zu einer Revolte, beziehungsweise einem Aufstand gegen den schwedischen Konig kam.[19] Es kam dazu, da der schwedische Adel 1388 nicht ihren Konig Albrecht III. sondern Konigin Margarete huldigte.[20] Folglich, um seine Machtanspruche in Schweden geltend zu machen, suchte er sich Verbundete. Lediglich zwei Bundnispartner willigten ein, Mecklenburg im Kampf um die schwedische Krone, militarisch zu unterstutzen. Im Dezember 1388 zog Albrecht mit seinem Heer gegen Margarete zu Felde, musste jedoch eine herbe Niederlage verzeichnen.[21] Albrecht musste weichen und Margarete bestieg 1389, den dritten skandinavischen Thron. Im Grunde war sie an ihrem Ziel angelangt. Sie war nun Konigin der drei skandinavischen Konigreich und konnte sie, unter der danischen Vorherrschaft, einen. Ein Problem war jedoch, dass nicht ganz Schweden ihre neue Konigin huldigte. Die Festung Stockholm, mit ihrer zahlreichen deutschen Bevolkerung hielt zu Albrecht und konnte von Margarete auch militarisch nicht erobert werden. [22] Sie beschloss, die Festung Stockholm zu belagern und sie so ihrem Machtbereich einzuverleiben. Die Mecklenburger sahen es nun als ihre Pflicht an, dem belagerten Stockholm zur Hilfe zu kommen und beschlossen, dem Kaperkrieg einen neuen Anstofi zu geben.

4. Beginn des Kaperkrieges und das Aufkommen der ..Vitalienbruder“

Seeraub, Piraterie, Kaperei und Strandraub waren immer ein Teil der Geschichte der Hanse.[23] Mit dem Aufruf der Mecklenburger machte der Seeraub die sichere Schifffahrt auf der Ostsee fast unmoglich, da die Kaperschiffe nicht nur die danischen Schiffe angriffen.[24]

„...allen denjenigen, die auf ihre eigene Gefahr ausfahren wollen, das Reich zu Danemark zu schadigen“, zitiert nach Dollinger. Matthias Puhle zitiert in seinem Buch Reimar Kock „Es ist nicht zu beschreiben, was an losen und bosem Volke zusammenlief aus allen Landern von Bauern und Burgern, von Amtsknechten und anderem losen Volk, die alle nicht arbeiten wollten, sie liefien sich dingen, sie wollten alle von den armen danischen und norwegischen Bauern reich werden.“ Der Aufruf hatte grofien Erfolg, denn Ritter, Burger, Bauern und allerlei diebisches Volk eilten herbei, um sich unter die Fuhrung des mecklenburgischen Adels zu stellen.[25] Man offnete die Hafen von Wismar und Rostock, hier wurden die Schiffe der Kaperer ausgerustet und bewaffnet, die Handelsstreiche vorbereitet und die Beute in Sicherheit gebracht und geteilt.[26] Die ersten militarischen Vorgehensweisen gegen Margarete sollen wohl 1390 angefangen haben, bestatigt ist esjedoch nicht. Sicher ist, das ab dem Jahr 1391 der Kaperkrieg wirklich stattgefunden hat.

Des weiteren ist nicht bestatigt, ob die sogenannten Vitalienbruder in dieser Zeit, also 1391, ihren Ursprung hatten. Sie werden in eine Zeitspanne von ungefahr drei Jahren datiert in diesem Falle 1389 bis 1391. Wasjedoch absolut sicher ist, ist dass die Vitalienbruder existiert haben. Sie sind in verschiedenen Schriftquellen bestatigt und tauchen auch in Chroniken, beispielsweise in der des Reimar Kock, auf.

4.1 Wer und vor allem was waren die sogenannten „Vitalienbruder“ ?

Das Wort „Vitalienbruder“ (lat. fratres Vitalienses) hat seinen vermutlichen Ursprung im Hundertjahrigen Krieg. Das mit der Versorgung des Heeres beauftragte Kriegsvolk nannte man „vitailleurs“. In der Auseinandersetzung mit Margarete spielten sie eine wichtige Rolle, da sie die Bevolkerung des von Danemark belagerten Stockholm mit Lebensmittel versorgten. In diesem Falle wurde die Beschreibung „vitailleurs“ auf sie zu treffen. Vitalienbruder ist aufierdem abgeleitet von „Viktualien“, das heifit Lebensmitteln. Ein schwerwiegendes Argument dagegen ist jedoch, das bereits im Jahre 1390 mehrere Hamburger Kammereirechnungen vorhanden sind, in denen eindeutig der Name „Vitalienses“ steht, zu einem Zeitpunkt, als die Vitalienbruder noch keine Kaperbriefe des mecklenburgischen Herzogs besaBen und bei der Versorgung Stockholms noch nicht mithalfen.[27] Um 1398 taucht ein weitere Bezeichnung der Vitalienbruder auf, die Bezeichnung der „Likedeeler“ (Gleichteiler)[28] . Diese Bezeichnung lasst wohl auf die Aufteilung der Beute schlieBen, die in den Hafen von Rostock und Wismar stattfand. Im Laufe der Zeit, nahm man das Wort Vitalienbruder als Synonym fur die jegliche Art der Seerauberei. Jeder Seerauber, der in der Zeit ab 1390 auf der Ost- und Nordsee sein Unwesen trieb wurde als Vitalienbruder bezeichnet, obgleich er dieser Bande anhing oder nicht. Die Vitalienbruder waren ein Verbund aus verschiedensten Mannern, die sogar in verschiedene Generationen eingeteilt werden und von mehr als einem Hauptmann gefuhrt wurden. Nun, jeder kennt die sagen umwobenen Geschichten des groBen deutschen Seeraubers Klaus Stortebeker. Tatsache ist jedoch das es keinerlei, beziehungsweise kaum Schriftquellen uber ihn gibt. Die Meinungen, ob er uberhaupt gelebt hat oder nur eine Erfindung sei, gehen weit auseinander. Die Vitalienbruder waren keine unorganisierte Bande von Seeraubern, bei denen jeder das machen konnte, wie es ihm gefiele. Wie in jedem funktionierendem System herrschte eine Hierarchie. Es gab mehrere Hauptmanner die verschiedenen Generationen zugeordnet werden konnen. Die bekanntesten, historisch belegten Hauptmanner der ersten Generation waren Arnd Stuke und Nikolaus Milies. An diesen beiden Hauptmannern der Vitalienbruder lasst sich auch belegen, dass auch Adlige zu den Mitgliedern der Seerauber zahlten, denn Stuke entstammt, wie viele Hauptmanner der ,,ersten Generation44 einem alten mecklenburgischen Adelsgeschlecht. Bei Milies ist es nicht eindeutig, ob er tatsachlich aus einem Adelgeschlecht stammt. Laut einer Urkunde des Jahres 1392 wird er einem Ratzeburger Stift zugeordnet. Sie durchstreiften die Ostsee nahe der Livlandischen Kuste und machten in diesem Raum den sicheren Handel fast unmoglich. Die allerdings bedeutsamsten Hauptmanner waren Godeke Michels, Hennig Wichmann, Klaus Scheld, Magister Wigbold und eben der sagenumwobene Klaus Stortebeker. Im Gegensatz zu Stortebeker sind seine Mitstreiter historisch belegt und werden auch in alten Rechnungen und Chroniken erwahnt. Michels wird daher wohl als wahrer Anfuhrer der Vitalienbruder gehalten.

5. Der weitere Verlauf des Krieges

Wie beschrieben stattete der mecklenburgische Herzogjeden willigen Seefahrer, der dem danischen Konigreich schaden wolle, mit einem Kaperbrief aus und machte sie somit zu „legalen“ Seeraubern die im Auftrag des Hauses den Kaperkrieg gegen Danemark fuhrten. Im Zuge dessen florierte der Ostseeraub in einem nie vorher dagewesenen AusmaB. Inzwischen liefien sich unzweifelhafte Erfolge des mecklenburgischen Kaperkrieges erkennen: Stockholm wurde immer wieder von See her verproviantiert und behauptete sich ungebrochen gegen die jahrelange danische Belagerung.[29] Die danischen und norwegischen Kusten hatten mehrfach unter den verheerenden Streifzugen zu leiden und die danische Schifffahrt wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen.[30] 1 391 eroberten die Mecklenburger Bornholm und Visby (Gotland), dass fur ihre Unternehmungen ein brauchbarer Stutzpunkt wurde.[31] Zwei Jahre spater plunderte man Bergen und die Einwohner leisteten Albrecht von Schweden, der immer noch in der Gefangenschaft des schwedischen Adels[32] war, den Treueid. Im drauf folgenden Jahr viel auch Malmo den Plunderungen zum Opfer. Die Hanse sah nun ihre Handelsterritorien als bedroht an. Anders als verschiedene Machthaber, die Krieg fuhrten um mehr territoriale Macht, oder politische Herrschaft zu gewinnen, zog die Hanse hingegen eine militarische Auseinandersetzung nur in Betracht, wenn sie ihre Wirtschaftsraume erhalten oder vergroBern wollte.[33] Sie versuchte daher, auch keinerlei Partei zu ergreifen, weder fur die Mecklenburger, noch Danemark. Es sollte vermieden werden, dass sich im Ostseeraum eine starke politische Macht auf ein Herrscher oder Land konzentriert.[34] Die Hanse versuchte, Rostock und Wismar unter Druck zu setzten, um der Seerauberei Einhalt zu gebieten.[35] Durch den eingeschrankten Handel, stieg der Preis fur Lebensmittel, beispielsweise fur Hering, um das drei-, vier- beziehungsweise funffache an. Doch nicht nur in Mecklenburg und Norddeutschland litt man unter den FangeinbuBen und hoheren Preise, auch in Danemark wurden die Lebensmittel spurbar teurer.[36] Auf Drangen der Hanse sah sich Konigin Margarete gezwungen, Friedensverhandlungen mit den Mecklenburgern zu ersuchen. Wahrend dessen verhangte die Hanse ein dreijahriges Handelsverbot mit Schonen. Man mag glauben, dass die Waffen nun niedergelegt wurden, doch es kam zu einem Zwischenfall im Jahr 1394. Ein Gesandter des Hochmeisters des deutschen Ordens wurde von einem mit Margarete in Verbindung stehenden Fursten, Wartislaw von Stolpe, gefangengenommen. Die Mecklenburger vermuteten sofort die Konigin hinter diesem Anschlag und sorgten fur eine Verlegung der Friedensverhandlungen in den April des Jahres 1395 in Falsterbro.[37]

In dieser Zeit vor den Verhandlungen in Falsterbro, gelang es den Vitalienbrudem die Insel Gotland einzunehmen und unter ihre Kontrolle zu bringen. Den Vitalienbrudem war durchaus bewusst, dass Gotland von extrem hoher strategischer Bedeutung war. Durch die zentrale Lage in der Ostsee, waren sie schnell und flexibel wahrend der Raubzuge gegen die Handelsschiffe. Da sich auch die strategische Lage der Mecklenburger durch die Eroberung Gotlands verbesserte, erkannte auch Margarete, dass ein Frieden wohl die beste Option fur ihr Reich ware. Mit dem Frieden von Skanor und Falsterbro im Jahr 1395 wurden die Waffen zwischen Danemark und Mecklenburg niedergelegt. Die Kaperfahrer hatten damit schlagartig ihre Privilegien und auch ihre Berechtigung verloren. An sich hatte nun die Kaperei in der Ostsee enden mussen, doch unlangst hatten sich die „Likedeeler“ an das „muhelose“ Einkommen unter staatlicher Garantie gewohnt.[38] Man sah keinen Grund, warum man nun auf dieses geregelte Einkommen verzichten sollte und entschloss, mit der Kaperei fort zu fahren. Aus staatlich legitimierten Kaperern, wurden Seerauber.[39] Den Delegationen die den Frieden beschlossen, waren nun die Gefahrlichkeit der Vitalienbruder bewusst.

5.1 Gotland als Feste der Vitalienbruder

Nach dem Albrecht von Pecatel die Insel zur Halfte eingenommen und die Stadt Visby unter seine Kontrolle gebracht wurde, avancierte es zu einem Basislager fur die Vitalienbruder. Es standen sich jedoch immer noch zwei rivalisierende Parteien auf Gotland gegenuber, zum einen die Mecklenburger um Albrecht von Pecatel und zum Anderen die danische Seite in Person von Sven Sture. Die Mecklenburger wollten ihre Macht weiter ausbauen und nutzen die Auseinandersetzungen der wendischen und preufiischen Stadte mit den Vitalienbrudem. 1396 landete Herzog Erich, Sohn des mecklenburgischen Konigs Albrecht auf Gotland, besiegte mit seinem Heer die danischen Truppen und brachte Gotland somit komplett unter die Kontrolle des Herzogs.[40] Unter dessen viel Stockholm an Konigin Margarete, da Albrecht das hohe Losegeld durch den Frieden von Skanor nie gezahlt hatte.[41] Die Hanse sah durch die Eroberung der Insel Gotland ihr allerwichtigstes Gut gefahrdet und zwar den freien und sicheren Handel. Die Vitalienbruder, begunstigt durch die zentrale Lage Gotlands, fuhren von Raubzug zu Raubzug und bescherten der Hanse einen grofien wirtschaftlichen Schaden. Sie kappten nahezu alle Handelsverbindungen des Handelsverbundes. Dies schurte die Abneigung gegen die Vitalienbruder und man musste gegen die Seerauber in die Schlacht ziehen.

[...]


[1] Puhle, 1992, S.13

[2] Stoob, 1995, S. 173

[3] Dollinger, 1998, S. 96

[4] Dollinger, 1998, S. 96

[5] Dollinger, 1998, S. 97

[6] Dollinger, 1998, S.98

[7] Stoob, 1995, S. 183

[8] Puhle, 1992, S.18

[9] Puhle, 1992, S.17

[10] Dollinger, 1998, S.102

[11] Dollinger, 1998, S. 102

[12] Ziegler, 1994,S. 108

[13] Ziegler, 1994,S. 108

[14] Puhle, 1992, S.18

[15] Dollinger, 1998, S. 102

[16] Puhle, 1992, S. 34

[17] Dollinger, 1998, S.111

[18] Puhle, 1992, S. 34

[19] Dollinger, 1998, S.111

[20] Puhle, 1992, S. 34

[21] Puhle, 1992, S.34

[22] Puhle, 1992, S. 34

[23] Ziegler, 1994, S.110

[24] Dollinger, 1998, S. 112

[25] Dollinger, 1998, S. 112

[26] Dollinger, 1998, S. 112

[27] Puhle, 1992, S. 41

[28] Puhle, 1992, S. 40

[29] Stoob, 1995, S.208

[30] Dollinger, 1998, S. 112

[31] Dollinger, 1998.S112

[32] Dollinger, 1998, S.112/113

[33] Puhle, 1992, S. 46

[34] Puhle, 1992, S. 46

[35] Dollinger, 1998, S.113

[36] Puhle, 1992, S. 66/67

[37] Puhle, 1992, S. 81

[38] Ziegler, 1994,S. 112

[39] Ziegler, 1994,S. 112

[40] Puhle, 1992, S. 93

[41] Stoob, 1995, S. 208

Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (Buch)
9783656880684
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270474
Institution / Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg) – Institut für Gesellschaftswissenschaften und Theologie - Geschichte und Geschichtsdidaktik
Note
2,7
Schlagworte
kampf seeraub hanse vitalienbrüder

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Titel: Kampf gegen Seeraub. Die Hanse und die sogenannten „Vitalienbrüder“