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Ritter und Samurai. Kriegerische Identitäten im Mittelalter

Magisterarbeit 2011 106 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Japanologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung
1. Thematische Einführung
2. Quellenkritische Anmerkungen
a)Heike monogatari
b)Chanson de Roland & Rolandslied

II Historischer Abriss
1. Entstehungsgeschichtliche Betrachtung der japanischen Samurai
2. Entstehungsgeschichtliche Betrachtung der abendländischen Ritter

III Grundelemente
1. Genealogische Identität des Kriegertums
2. Symbole des Kriegers
3. Kriegerische Ehre
a) Tat und Leistung
b) Kriegerische Wertkonzepte

IV Spannungsfelder
1. Hof und Kriegertum
a) Der Hof als gedachter Raum
b) Kontrasträume
c) Erkenntnishorizont
2. Herrschaft und Dienst
a) Begrifflichkeiten
a) Kontrasträume
b) Erkenntnishorizont
3. Krieg und Frieden
a) Aspekte des Krieges
b) Kontrasträume
c) Erkenntnishorizont
4. Religion und Gewalt
a) Mittelalterliche Religiosität
b) Kontrasträume
c) Erkenntnishorizont

V Resümee

VI Anhang
1. Abkürzungen
2. Literaturverzeichnis
a) Quellen
b) Sekundärliteratur

I Einleitung

1. Thematische Einführung

„Samurai“ und „Ritter“ sind Begriffe von großer medialer Popularität, die vielfältige Bedeutungen in sich bündeln. Aus westlicher Sicht ist es zudem bezeichnend, dass „der Samurai“ als Begriff aus dem japanischen Kontext auch hier reichhaltige Assoziationen weckt. Die populäre Literatur beschäftigt sich mindestens ebenso häufig mit diesen Themen wie die wissenschaftliche Forschung. Außerdem werden die Begriffe immer wieder in moderne Zusammenhänge gesetzt. „Warum gelten Yakuza als Erben des Bushidô 武士道 (‚Weg des Kriegers‘)?“, heißt es in der Beschreibung zu einer japanischsprachigen Monographie, welche das Männlichkeitsbild von Yakuza (organisierte Kriminalität in Japan) und Samurai einander gegenüberstellt.[1] „Die Rückkehr der Samurai – Japans Wirtschaft nach der Krise“[2] lautet der Titel einer deutschen Publikation, welche den Begriff in einen ganz anderen Kontext stellt. Eine Monographie zum Nationalsozialismus trägt den Titel „Ritter, Landsknecht, Legionär: militärmythische Leitbilder in der Ideologie der SS“.[3] Ein populärpsychologisches Werk heißt „Die Tyrannei der edlen Ritter: Männer, die Frauen retten wollen“.[4] Schnell wird deutlich, dass beide Begriffe dem Bedarf entsprechend und z.T. sogar semantisch unscharf gebraucht werden; eine Auseinandersetzung mit ihnen muss außerdem vorab klarstellen, aus welcher Perspektive gearbeitet wird.

In der vorliegenden Arbeit wird ein vergleichender Ansatz verfolgt, der zwei historisch gewachsene Phänomene untersucht, nämlich „Ritter“ und „Samurai“ als mentalitätsgeschichtliche Konzepte. Dieser Ansatz ordnet militärhistorische, politische oder feudalrechtliche Blickwinkel der Annäherung an ein (Selbst-) Bild von Ritterstand und Samuraistand unter. Dabei besteht die These, dass beide jeweils als gesellschaftliche Formationen Identitätskonzepte herausbildeten, die sich beispielsweise durch feste Gebräuche, Standeseigentümlichkeiten und eine gemeinsame Moral fassen lassen.[5] Seki Yukihiko sieht bereits in der Vorform des Samurai (bzw. bushi 武士), dem tsuwamono 兵 des japanischen Frühmittelalters, bestimmte Attribute vereint, die dem Krieger über das Realienkundliche hinaus Bedeutung verliehen.[6]

Der Begriff Identität wird hier verstanden als kulturelles Konstrukt, welches sich in eine personale und eine kollektive Ebene aufteilen lässt. Die personale Identität bildet sich aus den Rollen einer Person innerhalb des sie umgebenden Sozialgefüges, während die kollektive Identität sich aus dem Bild zusammensetzt, das eine Gruppe von sich konstruiert; das Bekenntnis zu dieser Gruppe bedingt unmittelbar Denken und Handeln. Die kollektive Identität stellt eine nicht sichtbare, symbolische Ausformung dar, die als soziale Imagination durchaus selbst der Wirklichkeit angehört.[7] Die Auffassung einer kulturellen Konstruktion bedeutet dabei, dass Identitäten nicht natürlich erwachsen; sie sind durch wechselseitige Beziehungen mit äußeren Einflussfaktoren entstanden. Ein wichtiges Moment für Identitätskonzepte stellt die Erinnerung dar, welche Kohärenz und Kontinuität ermöglicht und so zur Selbstdefinition beiträgt. Erinnerung an (konstruierte) Vergangenheit ist für die hier untersuchten historischen Phänomene ein konstitutiver Grundbaustein; die Bedeutung des zeitlichen Rückbezugs für beide Kulturen wird in dieser Arbeit immer wieder aufgegriffen werden. Das kulturelle Gedächtnis kann nicht nur durch Sprache reproduziert werden, sondern auch vermittels Riten, Zeremonien, Kleidung, Bildern, Kunstformen und anderen Medien, die der kollektiven Identität in Form einer Symbolstruktur dienen. Dabei sind die hier behandelten kriegerischen Identitätskonzepte nur jeweils eine von mehreren Identitäten, denen ein bestimmter Personenkreis angehören kann; weitere Formationen (z.B. Familie, Geburtsregion, ökonomische Gemeinschaft) vermischen und überlappen einander in vielen Fällen. Identitäten sind im fernen Rückblick nur als Spuren zu erfassen, dennoch kann die Beschäftigung mit ihnen gewinnbringende Erkenntnisse zutage fördern, gerade, wenn über einen Vergleich verschiedener Kulturen bestimmte Grundmuster fassbar werden.

Innerhalb des historischen Prozesses wurden die Begriffe „Ritter“ und „Samurai“, die ursprünglich in beiden Kulturen vor allem berittene, schwer bewaffnete Krieger bezeichneten, um eine weitaus vielschichtigere Semantik bereichert. Im Verlauf der Zeit vielfach gebrochen, konservierten sich doch bestimmte Elemente dieser kulturellen Phänomene bis in die heutige Zeit in Form von Begriffen wie Ritterlichkeit, von Verhaltensnormen wie der gentleman attitude, von Tugenden des Bushidô, die als „Samuraigeist“ noch in der modernen japanischen Gesellschaft immer wieder thematisiert werden. Dabei soll deutlich werden, dass es nicht möglich ist, das Rittertum bzw. das Samuraikonzept in absoluter Form zu erfassen. Es handelt sich nicht um homogene Strukturen, weshalb stets mehrfache Deutungen erfolgen müssen – weder hat es je ein einheitliches ethisches Konzept der abendländischen Ritterschaft gegeben, noch gab es einen klar definierten Kriegerkodex der Samurai (wie er sehr viel später zu fixieren versucht wurde[8]). Dennoch ist es möglich, mentalitäts- und kulturgeschichtliche Strukturen herauszufiltern, um zu einer kohärenten Darstellung der Konzepte von „Ritter“ und „Samurai“ zu kommen. Kasaya Kazuhiko argumentiert in einem Aufsatz, das Bushidô-Konzept (bushidô gainen) sei nicht erst durch neuzeitliche Autoren wie Nitobe geschaffen worden, sondern habe durchaus eine historische Entwicklung erfahren.[9]

Die Wahl der Bezeichnungen „Ritter“ und „Samurai“ begründet sich dadurch, dass diese weit verbreiteten Überbegriffe in großem Maße symbolbehaftet sind; in konnotativer Hinsicht sind sie zu Labeln geworden, welche durch die vielfache Verwendung in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen und mit verschiedenen Intentionen eine Fülle von Inhalten haben. Aufgrund der Ausrichtung dieser Arbeit wird bei der Begriffsverwendung eben nicht in erster Linie nach der rechtlichen oder sozialen Bedeutung gefragt. Zuvor interessiert, inwiefern dahinter Identitätskonzepte standen. Es soll im Bewusstsein bleiben, dass es stets diverse Bezeichnungen gegeben hat, die entweder parallel oder je nach sozialer, rechtlicher, usw. Funktion verwendet wurden. Zur Begriffsherkunft und den Verwendungsmodalitäten wird aus pragmatischen Gründen Genaueres in Kapitel IV.2 ausgeführt werden. Tatsache ist, dass sowohl „Ritter“ als auch „Samurai“ als Begriffe für einen Krieger in der behandelten Zeit benutzt wurden. Wenn in dieser Arbeit allgemein von „Krieger“, „Kriegertum“ usw. gesprochen wird, dann bezieht sich dies auf Japan und das Abendland. Weitere Begrifflichkeiten für spezifische Erscheinungen werden möglichst abstrakt gehalten – die Feudalismus-Frage wird ebenfalls in Kapitel IV.2 noch behandelt. Der Begriff „Kaiser“ für den japanischen Tennô wird in dieser Arbeit, den allgemeinen japanologischen Konventionen folgend, zugelassen (v.a. in Zusammensetzungen wie „Kaiserhof“), auch wenn die dahinter stehende Etymologie nicht ganz unproblematisch ist.

Der Vergleich soll einerseits dazu dienen, ein jeweils möglichst trennscharfes Profil zu zeichnen, indem gegeneinander abgegrenzt und einander angenähert wird; zum anderen bietet er aber gerade auch die Möglichkeit, zwei zum entsprechenden Zeitpunkt voneinander unbeeinflusste Kulturräume unter einem spezifischen Gesichtspunkt auszuleuchten und dabei jenseits von Nationalgeschichte menschliche Vorstellungswelten zu erfassen. Zwei dieser Auffassung nach allzu extremen Ansätzen soll hier entgegengewirkt werden: Einerseits der zu starken Gleichsetzung, die zu leichtfertig Begrifflichkeiten des einen Kulturkreises auf den anderen überträgt (hier z.B. Feudalismus, Vasallität ...), andererseits aber auch der Entfremdung und „Exotisierung“, die in den meisten Fällen einem aufgeklärten Geschichtsverständnis entgegen steht. Geschichtswissenschaft ist immer zu großen Teilen komparatistisch angelegt, kommt ohne ein solches Vorgehen gar nicht aus, wenn sie nicht in eine Sammlung von Einzelgeschichten münden will.

Die Analyse soll zeigen, inwiefern zwei Gesellschaftsstände, die in unterschiedlichen Kulturkreisen entstanden sind und weithin sehr verschiedenen Rahmenbedingungen unterlagen, vergleichbare Konzepte entwickelten, und an welchen Stellen die jeweiligen Vorstellungswelten Ähnlichkeiten oder Unterschiede hervorbrachten. In der Vorgehensweise versteht sich diese Arbeit als interaktiver Vergleich, d.h. die Vergleichsobjekte werden in jedem Abschnitt jeweils direkt miteinander verknüpft und nicht einzeln nacheinander behandelt. Dabei kann es vorkommen, dass in gewissen Punkten eine Seite etwas stärker gewichtet wird als ihr Gegenpart, dennoch scheint dies Vorgehen sehr viel organischer, als eine starre Einzelabwicklung von „Ritter“ und „Samurai“ mit anschließender Gegenüberstellung. Insgesamt soll so eine möglichst flüssige Darstellung ermöglicht werden.

Vergleiche zwischen dem westeuropäischen Mittelalter und dem Mittelalter Japans haben eine lange geschichtswissenschaftliche Tradition, die allerdings in sich keinesfalls unumstritten ist.[10] Ein Vergleich der beiden hier behandelten Gesellschaftsstände, vor allem unter mentalitätsgeschichtlichem Blickwinkel, ist dagegen kaum zu finden. Relativ unreflektiert verallgemeinernde Einordnungen gerade im populärwissenschaftlichen Bereich, wie etwa die Samurai als „Ritter des Fernen Ostens“ zu bezeichnen, heben außerdem die Methodenproblematik hervor. A. Lewis hat 1976 eine Vergleichsstudie über abendländische Ritter und japanische Samurai verfasst,[11] die allerdings manche Probleme aufwirft. Lewis kam in seiner Studie ohne eine einzige japanischsprachige (Primär- oder Sekundär-) Quelle aus. Zudem ging er dabei gänzlich ereignishistorisch vor und gliederte die Kapitel gemäß gängiger japanischer Epochenabschnitte. Im Gegensatz dazu wird in dieser Arbeit davon ausgegangen, dass Phänomene wie „Ritter“ und „Samurai“ vorrangig in ihren Strukturen, ihren besonderen Merkmalen, untersucht werden sollten, nicht jedoch in der Annahme, es hätte beiderseits eine gleichartige, kontinuierliche Entwicklung mit einem gemeinsamen Anfang und Ende gegeben. Letztlich ruht Lewis‘ Schwerpunkt zudem, wie schon am Titel zu erkennen ist, auf dem Konstrukt des Feudalismus und klammert die hier untersuchten Identitätskonzepte völlig aus. Außerdem hat gerade die westliche historische Japanologie seit 1976 grundlegende Wandlungen vollzogen, wie nicht zuletzt die umfassende Revision bezeugt, der J. P. Mass sein zentrales Werk von 1974 im Jahre 1999 unterzog.[12] Weitere Ausführungen dazu folgen im Historischen Abriss. Ein jüngst erschienenes japanischsprachiges Sammelwerk vergleicht europäische Ritter und japanische bushi in Mittelalter und Neuzeit unter Mitwirkung von japanischen und französischen Historikern.[13] Zum einen liegt dort ein großer Schwerpunkt auf den Realien – Burgenkonstruktion, Rüstungen und Waffen werden einem direkten Vergleich unterzogen. Außerdem behandeln gerade die Aufsätze, welche mentalitätsgeschichtliche Aspekte untersuchen, die Epoche der Neuzeit. Noch anzumerken ist, dass die Struktur des Sammelwerks, welches das Ergebnis von Forschungssymposien ist, nicht auf eine kohärente Darstellung abzielt, sondern einzelne, den Forschungsschwerpunkten der jeweiligen Autoren entsprechende Schlaglichter behandelt. Somit hat auch diese Studie eine andere Ausrichtung als die vorliegende Untersuchung.

Wie u.a. G. Duby anführt, haben geistige Phänomene ebenso determinierende Wirkungen wie ökonomische oder demographische; indem die Menschen ihr Verhalten nämlich nicht allein nach ihrer tatsächlichen Stellung richten, sondern auch nach dem Bild, das sie sich davon machen, schaffen sie Wertsysteme, die mit den materiellen Strukturen korrelieren.[14] Für die mentalitätsgeschichtliche Untersuchung von Ritter- und Samuraibild dienen als eine Grundlage zeitgenössische literarische Quellen: Chanson de Roland und Rolandslied für das Abendland, Heike monogatari („Die Erzählung von den Heike“) für Japan. Diese Quellen dienen als Folie der Untersuchung; sie werden als ständige Bezugspunkte immer wieder aufgegriffen. Bis auf wenige Ausnahmen bleibt es bei dieser Quellenauswahl, da der Versuch unternommen werden soll, aus jeweils einer kohärenten Darstellung möglichst umfassende Erkenntnisse zu ziehen. Die Kontinuität des Quellenbezugs soll helfen, den roten Faden der Arbeit zu erhalten. Dabei werden die Quellen in den einzelnen Arbeitsabschnitten je nach Bedarf mit unterschiedlicher Intensität genutzt; Ziel ist schließlich nicht, eine literarische Vergleichsarbeit zu schaffen. Vielmehr wird im Sinne des Romanisten E. Köhler gearbeitet, wenn er sagt, die Literatur sei auch als Kunstwerk „geistiger Spiegel und Interpretation des Zustands der menschlichen Gesellschaft“, und stehe dadurch im ständigen Spannungsverhältnis von Ideal und Wirklichkeit.[15] Dieses Spannungsverhältnis, welches im Folgenden immer wieder aufgegriffen werden muss, stellt J. Fleckenstein bezüglich des Ritterbilds unweigerlich korrelativ dar: indem die Dichtung schließlich Tugenden und Werte akzentuiere, beschwöre sie nicht nur ein ethisches Rittertum, sondern mache damit gleichsam eine Zielvorgabe; „Insofern ist sie [die Dichtung] durchaus ein Teil der über sich hinausstrebenden Wirklichkeit“.[16] Aus dieser Perspektive ist auch das „ritterliche Abenteuer“ der Literatur kein reiner Mythos gewesen, sondern war untermauert mit einem klaren Realitätsbezug.[17]

Methodisch teilt sich die Arbeit nach dem Historischen Abriss in zwei Hauptabschnitte, die Grundelemente und die Spannungsfelder. Im ersten Hauptabschnitt geht es darum, eine Basis für die Annäherung an die kriegerischen Identitätskonzepte zu schaffen; dort wird sich mit der Rolle der Abstammung (Genealogische Identität), der Bedeutung der äußeren Erscheinung des Kriegers (Kriegerische Symbole) sowie dem dort auf kriegerische Ehre beschränkten Ehrkomplex auseinandergesetzt. Im zweiten Hauptabschnitt werden die erarbeiteten Grundelemente mehrfach in Bezugsrahmen, sog. Spannungsfelder, gesetzt und damit auch im Hinblick auf wechselseitige Einflüsse nach innen und von außen betrachtet. Dabei besteht die Annahme, dass beide Kriegerstände innerhalb der Entwicklung eigener Identitätskonzepte diverse einander kontrastierende Elemente aufwiesen, von denen dort vier essentiell wichtige Paare untersucht werden sollen: Hof und Kriegertum, Herrschaft und Dienst, Krieg und Frieden, Religion und Gewalt. Es wird untersucht, inwiefern der Versuch, die beiden Gegenpole eines Spannungsfelds im Rahmen des jeweiligen Ideals miteinander zu vereinbaren, kennzeichnend für die beiden kriegerischen Stände ist. Durch die Erfassung von Spannungsfeldern soll außerdem der Vielschichtigkeit mentalitätsgeschichtlicher Konzepte Rechnung getragen werden.

Bei der betrachteten Zeitspanne spielen zwei Phasen eine Rolle. Erstens gibt es eine Phase, die als historischer Umbruch die Entstehung des spezifischen Kriegerstands einleitete; zweitens ist die Phase einer ersten „Blütezeit“ der kriegerischen Identitätskonzepte festzumachen. Die erste Phase wirkt vor allem als Rückbezug kriegerischer Ideologie; die untersuchten literarischen Quellen verorten sich dort inhaltlich. Die zweite Phase ist dadurch gekennzeichnet, dass sich bereits viele identitätsstiftende Elemente im zeitgenössischen Bewusstsein gefestigt haben. Dafür sind verschiedene Einflussfaktoren mitverantwortlich, die im Arbeitsverlauf einbezogen werden. In dieser zweiten Phase wurden die genannten literarischen Quellen verbreitet und rezipiert. Die quellenkritischen Anmerkungen sowie der historische Abriss werden dem Zeitbezug noch Weiteres hinzufügen. Der Entstehungszeitraum für den kriegerischen Stand im Abendland wird in dieser Arbeit im 9. und 10. Jahrhundert angenommen. Im japanischen Fall betrifft er das 11. und vor allem das 12. Jahrhundert. Die Phase einer ersten Festigung kriegerischer Identitätskonzepte wird im Abendland auf das 12. Jahrhundert gelegt, in Japan auf das 14. Jahrhundert. Die genaueren Gründe für diese Entscheidungen gehen aus dem historischen Abriss hervor; an dieser Stelle ist lediglich anzumerken, dass solche Daten als Orientierungsrahmen zwar wichtig sind, die Untersuchungen jedoch nicht durch ihre vollkommen starre Benutzung einschränken dürfen.

Die Frage nach dem Raum muss vor allem für das Abendland geklärt werden. Hier fiel die Entscheidung auf Westfranken-Frankreich und Ostfranken-Deutschland. Zum einen muss ein Vergleich dieser Art ohnehin räumlich begrenzt werden, zum anderen ist die Entstehung eines Rittertums, wie es hier untersucht werden soll, in den genannten Gebieten besonders deutlich nachzuzeichnen. Dabei ging die Entwicklung von Westfranken aus und übte dann einen starken Einfluss auf den ostfränkischen Raum aus. Über Unterschiede zwischen den beiden Frankenreichen, vor allem in bestimmten politischen Fragen, ist sich diese Arbeit wohl bewusst; allerdings erlaubt die Tatsache, dass hier ein Konzept im Vordergrund steht, welches sich zu einer Regionen übergreifenden Idee entwickeln sollte, den Einbezug beider Gebiete.

Der japanische Raum, welcher hier wichtig ist, erstreckt sich noch keinesfalls über die ganze Inselgruppe; hauptsächlich spielen die Gegend um die heutige Stadt Kyôto (früher Heian-kyô) sowie die für den Samuraistand bedeutende Kantô-Region eine Rolle.

2. Quellenkritische Anmerkungen

Für die Auswahl der Quellen (Chanson de Roland / Rolandslied und Heike monogatari) als eine Vergleichsgrundlage für die beiden kriegerischen Identitätskonzepte sprechen mehrere Aspekte, die zunächst dargestellt werden sollen, bevor jeweils ein kurzer Überblick über Form, Inhalt und Bedeutung der einzelnen Texte gegeben wird.

Erstens handelt es sich bei der Chanson de Roland ebenso wie beim Heike monogatari um Werke ohne eindeutig geklärte Autorenschaft.[18] Beide Werke standen in einer langen Tradition der Überlieferung und Abschrift, wodurch eine große Zahl an Textvarianten aufkam. Dies und die daraus ersichtliche Verbreitung der Werke deuten verstärkt auf eine Repräsentation von Ideen aus dem Zeitgeist heraus hin (im Gegensatz zur Situation, wenn es jeweils einen eindeutig benennbaren Autoren mit einer individuellen Intention gegeben hätte).

Zweitens liegt der Zeitraum der erzählten Ereignisse sehr weit vom Verfassungszeitpunkt der hier benutzten Versionen entfernt (ca. 200 Jahre beim Heike monogatari, knapp 300 Jahre bei der Chanson de Roland). Dieses hat eine spezifische Bedeutung für die zeitgenössische Wahrnehmung kriegerischer Identitätskonzepte; beiderseits findet eine Verortung des Ideals in ferner Vergangenheit statt.

Drittens haben beide Werke einen performativen Hintergrund und sind zudem in Volkssprache (im Gegensatz zu klassischen Werken in Lateinisch bzw. kanbun [19]) verfasst. Es bedeutet einerseits, dass es sich um populäre, leichter zu verbreitende Inhalte handelte, zum anderen, dass über den Weg der eigenen Sprache eine stärkere Annäherung an eigene Vorstellungen stattfinden konnte (im Gegensatz zu „klassischen“ Versatzstücken und Vorbildern, die dennoch auch weiterhin eine wichtige Bedeutung hatten).

Viertens handelt es sich formal jeweils um epische Werke, die thematisch den Kriegerstand und dessen Taten in den Mittelpunkt stellen.

Bevor näher ins Detail gegangen wird, sei noch darauf hingewiesen, dass der Vergleichsansatz dieser Arbeit nicht auf eine Gegenüberstellung der beiden literarischen Formen abzielt; die hier benutzten Quellen sind ausschließlich aus der Perspektive heraus gewählt worden, dass sie als Spiegel ihrer Zeit mentalitätsgeschichtliche Anhaltspunkte liefern können. Dabei wurde versucht, zwei Textgrundlagen zu verwenden, die in das Raster der oben genannten Punkte passen, nicht jedoch zwangsweise auf literaturwissenschaftlicher Ebene korrelieren.

a) Heike monogatari

Das Heike monogatari ist ein Werk mit ca. 80 Manuskript-Varianten.[20] Aufgrund der vielfachen Reproduktion des Werks bis in die Edo-Zeit (1603-1868) hinein sind bis heute sehr viele verschiedene Handschriften erhalten geblieben. Zuerst als pseudo-historische Chronik angelegt, wandelte sich der Text immer mehr in eine literarische Prosaform (monogatari); dabei wurde die ursprünglich verwendete chinesische kanbun -Schreibweise schließlich vom Japanischen abgelöst.[21] Zwei Richtungen bildeten sich innerhalb der textuellen Entwicklung des Heike: Texte, die gelesen wurden (yomibon 読み本) und Texte, die vorgetragen wurden (kataribon 語り本), üblicherweise von Mönchen mit einer Laute (biwa hôshi 琵琶法師). Über diesen Weg durchdrangen die Inhalte des Werks gesellschaftliche Schichten auf breiter Ebene.[22] Die bis heute am meisten beachtete Version ist der Kakuichi-Text von 1371, benannt nach Akashi no Kakuichi (†1371), welcher ihn wahrscheinlich zusammenstellte. Die ursprüngliche Autorenschaft ist nachhaltig ungeklärt; diverse Theorien widmen sich bis heute diesem Problem. Der im Tsurezuregusa (um 1330) als Autor des Heike erwähnte Yukinaga, welcher die Geschichte kurz vor seinem Tod einem blinden Lautenspieler zur Rezitation diktiert haben soll, ist nicht als ausreichender Beleg anzusehen. Es ist jedenfalls davon auszugehen, dass das Werk unter einer Vielzahl von Einflüssen – verschiedene Textquellen, mündliche Überlieferungen – entstand, für die die jeweiligen Verfasser vorrangig als Vermittler fungieren konnten.[23] Man nimmt außerdem an, dass die tatsächliche Originalversion nicht mehr existiert; die frühesten erhaltenen Versionen sind lediglich Abwandlungen des Originals.[24] Dabei bleibt es ein Forschungsproblem, ob der Ursprung des Werks im mündlichen Vortrag oder in der Schriftfassung liegt.[25] Der auch in dieser Arbeit verwendete Kakuichi-Text umfasst insgesamt 12 Bücher (maki) und einen Anhang mit dem Titel „Kanjô“.

Den historischen Kontext des Heike monogatari bildet der Genpei-Krieg (1180-1185); der Konflikt zwischen den beiden großen Clans der Taira (oder Heike) und Minamoto (oder Genji) steht in direktem Zusammenhang mit der erstarkenden Kriegeraristokratie und der ersten Militärregierung unter Minamoto no Yoritomo. Bei den dargestellten Protagonisten handelt es sich überwiegend um reale Personen. Neben dem am Ende siegreichen Yoritomo gibt es eine zweite große Gestalt im Werk: Taira no Kiyomori (1118-1181). Seine tragische Figur steht für den Untergang der Taira, die als ursprünglich einer der mächtigsten Clans dem unabwendbaren Schicksal zum Opfer fallen: Auch die Mächtigen unterliegen in ihrer Dekadenz diesem Schicksal, welches nichts ewig währen lässt. In diesem Geschehen wird das buddhistische Prinzip der Unbeständigkeit aller Dinge (mujô 無常) zum Ausdruck gebracht. Kiyomori als erster Krieger, der einen höfischen Rang (kugyô 公卿) erhielt,[26] führte die Taira zu großem politischen Einfluss; durch Einheirat in den Hofadel wurde schließlich sein Enkel Antoku auf den Kaiserthron gesetzt. Der übergangene Prinz Mochihito richtete als Reaktion einen Aufruf an den Clan der Minamoto; Kiyomori und seine Anhänger sollten vernichtet werden und ihm den Weg zum Thron ebnen. Kiyomori wird im Heike monogatari als stolzer, hochmütiger Anführer dargestellt, der mehrfach das ungeschriebene Kaiserliche Gesetz (ôbô 王法) verletzt und dem Kaiser und dessen Familie Schaden zufügt. Unter den Heerführern Yoshinaka, Yoshitsune und letztlich Yoritomo erringen die Minamoto den Sieg über die Taira und lassen die verbliebenen Mitglieder des Clans hinrichten. Nach Kiyomoris Tod allerdings wird der Clan der Taira als trauriger Stellvertreter der alten Hofkultur dargestellt, welcher von der neuen Kriegermacht, repräsentiert durch die Minamoto, verdrängt wurde. In einigen Szenen werden daher die Demütigungen und Agonien der Taira-Anführer hervorgehoben, was sich auch im literarischen Stil niederschlägt. So verbindet sich im Heike monogatari der dominante Stil eines Schlachtenepos (gunki monogatari 軍記物語) an manchen Stellen mit den subtileren Tönen von Erzählungen der Heian-Zeit (794-1192), sog. tsukuri monogatari.[27]

Die zahlreichen beschriebenen Schlachten mit ihrer Darstellung eines kriegerischen Ethos waren in ihrer Ausführlichkeit nicht vor 1300 im Heike monogatari zu finden;[28] insofern zeigt sich, dass die hier untersuchten Identitätskonzepte deutlich nach den beschriebenen Ereignissen entstanden. Außerdem kann man schließen, dass die Herausbildung identitätsstiftender Merkmale für den kriegerischen Stand etwas Neues darstellte.

In seinen umfassenden Beschreibungen der Krieger, ihres Handelns und Erscheinungsbilds, stellt das Heike monogatari eine sinnvolle Grundlage zur Annäherung an Identitätskonzepte des Samuraistandes dar.

Die hier verwendete Ausgabe ist das zweibändige Heike monogatari aus der Reihe Nihon Koten Bungaku Zenshû (45 & 46) unter Herausgabe von Ichiko Teiji.

b) Chanson de Roland & Rolandslied

Die beiden abendländischen Texte wurden gewählt, weil sich der Raum für das behandelte Thema auf Westfranken-Frankreich und Ostfranken-Deutschland erstreckt.

Die altfranzösische Chanson de Roland ist der älteste und berühmteste Vertreter der Gattung der Chansons de geste, welche ihre Blütezeit zwischen 1150 und 1250 hatte.[29] Typisch für dieses Genre ist die Verortung der episch dargestellten Heldentaten in der Vergangenheit. Insgesamt sind sieben Vershandschriften der Chanson de Roland überliefert, von denen das sog. „Oxforder Manuskript“ in der Rolandforschung die meiste Beachtung erhält; auch in dieser Arbeit wird die Oxforder Version genutzt. Der Urtext ist nicht mehr erhalten; inwiefern die Oxforder Handschrift eine Abschrift des Archetyps sein könnte, ist in der Forschung umstritten.[30] Der Text umfasst 4002 Verse in 291 Laissen[31]. Es wird mittlerweile mehrheitlich angenommen, dass das Manuskript aus dem zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts stammt. Die Entstehung des Archetyps kann nur grob auf die Zeit unmittelbar vor 1100 angesetzt werden. Die Autorenschaft ist ungewiss; der in der letzten Zeile des Werks erwähnte „Turold“, welcher die Geschichte geschrieben haben soll, kann weder mit einer historischen Person in Verbindung gebracht werden, noch ist seine mögliche Rolle in der Chanson de Roland – Verfasser, Kopist, Vortragender – je geklärt worden. Das Werk steht, wie eingangs erwähnt, ebenfalls in einer performativen Tradition; es steht allerdings auch nicht fest, ob zuerst mündliche Versionen existierten, oder ob die Texte zunächst schriftlich fixiert und dann vorgetragen wurden.[32]

Das mittelhochdeutsche Rolandslied ist vollständig nur in einer Handschrift und bruchstückhaft in fünf weiteren überliefert. Die vollständige, hier benutzte Version stammt aus der „Heidelberger Handschrift“ vom Ende des 12. Jahrhunderts. Das Rolandslied ist eine Übertragung der Chanson de Roland ins Mittelhochdeutsche; dabei wird ihm eine große Nähe zum Archetyp des altfranzösischen Werks zugesprochen. Der Verfasser des Rolandslieds nennt sich selbst am Ende; es handelt sich um den „Pfaffen Konrad“. Seine Selbstauskunft gilt als eine der wertvollsten Verfasserinformationen mittelalterlicher Dichtung. Das Rolandslied in der hier genutzten Version umfasst 9094 Verse und ist damit beträchtlich länger als die Oxforder Version, dagegen aber immer noch um ein Vielfaches kürzer als das Heike monogatari. Die Tendenz des Werks ist stärker eschatologisch ausgerichtet als die Chanson de Roland. Inhaltlich entsprechen die Werke einander größtenteils:

Karl der Große (747/748-814), welcher Spanien weitgehend erobert hat, steht nur noch dem heidnischen König Marsilie in Saragossa gegenüber. Marsilie will sich auf den Rat seiner Vasallen hin Karl ergeben und schickt dem Kaiser eine Botschaft. Unter anderem auf Anraten Rolands, sein Neffe und Vertrauter, beschließt der Kaiser, das Angebot anzunehmen und den Fürsten Ganelon die Antwort überbringen zu lassen. Da dieser um sein Leben fürchtet, schwört er Roland für seinen Vorschlag Rache. Er begeht Verrat, indem er König Marsilie anrät, die in Spanien zurückgebliebene Nachhut unter Rolands Kommando zu vernichten. Die zahlenmäßig unterlegenen Christen werden von Marsilies Truppen überrannt; Roland weigert sich allerdings, das Horn zu blasen, um Karls Heer zur Hilfe zu rufen. Erst kurz vor seinem Tod bläst er sein Horn, welches der Kaiser erhört. Marsilie wird schließlich besiegt und Ganelon für seinen Verrat bestraft.

Über die reale Existenz der Protagonisten ist nicht so viel bekannt, wie im Falle des Heike monogatari; es wird allerdings davon ausgegangen, dass es einen Heerführer namens Roland gegeben hat, welcher im Spanienfeldzug Karls des Großen fiel. Erwähnt wird sein Name in mehreren Quellen, darunter einer Urkunde aus dem Jahr 772; außerdem wird seine Existenz durch Münzen vom Ende des 8. Jahrhunderts belegt.[33]

Die Chanson de Roland als erste literarische Quelle, die sich tatsächlich mit einem spezifischen „Rittertum“ auseinandersetzt[34] und ritterliche Tugenden (vor allem das Spannungsverhältnis von Weisheit und Tapferkeit) heraushebt,[35] bietet zusammen mit dem Rolandslied eine sinnvolle Grundlage für die Beschäftigung mit kriegerischen Identitäten im mittelalterlichen Abendland.

Die hier verwendete Ausgabe der Chanson de Roland ist die zweisprachige Reclam-Ausgabe (Bd. 2746) unter Herausgabe von Wolf Steinsieck. Das Rolandslied ist die zweisprachige Reclam-Ausgabe (Bd. 2745), herausgegeben von Dieter Kartschoke.

II Historischer Abriss

Diese kurze Betrachtung der Entstehungsgeschichte des jeweiligen Kriegerstands bezieht sich vor allem auf Aspekte, die Bedeutung für die Entwicklung kriegerischer Identitätskonzepte haben.Es gab zu jeder Zeit kämpfende Verbände unter einer jeweiligen Herrschaftsordnung zur Durchsetzung politischer Interessen. Allerdings gibt es einen Entwicklungszeitraum, in dem sich bestimmte identitätsstiftende Merkmale zu Identitätskonzepten zusammensetzen konnten, die sich auch im historischen Verlauf erhielten und fassbar sind. Dieser Entwicklungszeitraum steht im Zentrum dieses Abschnitts. Darin soll der Frage nachgespürt werden, inwiefern sich Entwicklungen herausstellen lassen, die vor allem Einschnitte auf mentalitätsgeschichtlicher Ebene darstellten. Bedeutende politische Umbrüche – die es in jedem Falle zu jener Zeit gab – bilden den Rahmen für die Untersuchungen. Bei der Gewichtung einzelner Ereignisse und Einflüsse zeigt sich die Uneinigkeit des Forschungsstandes; eine vollkommene Neubewertung kann jedoch nicht erfolgen und steht auch nicht im Interesse der Leitfrage dieser Arbeit. So sollen Forschungsmeinungen zur Entstehungsgeschichte der Samurai bzw. Ritter relativ breit nebeneinander gestellt werden, um das mögliche Spektrum der verschiedenen Einflüsse zu verdeutlichen. Dabei werden die beiden folgenden abrisshaften Darstellungen auf das Notwendigste beschränkt, um zwar noch ausreichende Kohärenz zu besitzen, jedoch ohne dabei zu viel vorwegzunehmen. Es erscheint angemessen, wichtige Details erst dort in die Ausarbeitung einzubringen, wo sie sich inhaltlich einpassen und dem Argumentationsfluss dienlich sind.

1. Entstehungsgeschichtliche Betrachtung der japanischen Samurai

Grundsätzlich lassen sich drei Phasen beschreiben, die im altertümlichen (kodai) und mittelalterlichen (chûsei) Japan die politische Landschaft prägten.

In der ersten Phase wurden die dichter besiedelten Gebiete Zentraljapans bis etwa zur Mitte des 7. Jahrhunderts von mehreren mächtigen Adelshäusern regiert, unter denen die Yamato primus inter pares waren.[36] Daraus ergibt sich die Epochenbezeichnung der „Yamato-Zeit“.

Die Taika-Reformen unter dem Tennô Tenji ab 645 bedeuteten eine Umstrukturierung nach chinesischem Vorbild. Diese zweite Phase war durch zentralstaatliche Prinzipien geprägt; alles Land unterstand dem Staat, der Kaiser war überpersönlicher Herrscher und konnte selbst keinen Grundbesitz haben. Seit Mitte des 10. Jahrhunderts wurden schließlich bestimmte Familien des Hofs mit der Waffenfähigkeit in Verbindung gebracht, und nicht mehr nur einzelne Individuen. Adelsfamilien wurden nun auch mit bestimmten Posten und Ämtern in einen erblichen Kontext gestellt. Im Zuge der Privatisierung der Landeinheiten (shôen 荘園) akkumulierten Hofadlige und große Tempel umfassenden Grundbesitz.

Die dritte Phase schließlich wurde durch die Einrichtung der Militärherrschaft in Kamakura eingeläutet, wodurch militärische Gewalt und Landbesitz nicht mehr allein durch den Hof legitimiert werden konnten. Bis zum Ende des 12. Jahrhunderts war privater Landbesitz ohne Involvierung von Hofadligen noch undenkbar gewesen.[37] Der Aufruf Kaiser Mochihitos, ihm gegen rebellische Einheiten der Taira beizustehen, wurde von Minamoto no Yoritomo ausgeweitet; dieser machte potenziellen Anhängern extravagante Versprechungen, um eine regionale Streitmacht aufrecht erhalten zu können: er garantierte im Gegenzug zu einem Treueschwur Ländereien und Ämter. Damit arbeitete er an den Mechanismen des Hofs vorbei und verlagerte grundherrschaftliche Rechte in die Ebene lokaler Eliten.[38] Die militärischen Kräfte auf lokaler Ebene fanden allerdings zu keinem Konsens, weil sie sich in beständiger Rivalität befanden; somit hatten Machtkämpfe hier eine vertikale Ebene. Yoritomo plante indessen die Errichtung einer regionalen Militärherrschaft unter seiner Führung – das erste Bakufu 幕府 (Militärregierung) war entstanden. Die Epoche des ersten Bakufus wird, dem Herrschaftssitz in Kamakura entsprechend, Kamakura-Zeit (1185-1333) genannt. Das Edikt des Kaiserhofs, das Yoritomo mit der militärischen Oberherrschaft betraute, nutzte er als Legitimierungsgrundlage einer Politik, deren Grenzen er selbst definieren konnte. In der Folgezeit etablierte sich das kompetitive Herrschaftsverhältnis zwischen Kaiserhof und Bakufu, welches J. P. Mass als dual polity bezeichnete.[39] 1180 wurde das samurai dokoro 侍所 geschaffen, eine Zentralbehörde für die Angelegenheiten der Samurai von Kamakura aus.[40] Diese politische Einrichtung deutet einerseits auf die spezifische Wahrnehmung der Kriegerklasse zu jener Zeit hin und wirkte außerdem auf deren begriffliche Fixierung hin.

Die Entwicklung zum berittenen Krieger ist nachhaltig nicht geklärt; sicherlich nahmen jedenfalls kontinentale Einflüsse im Zuge der asiatischen Völkerwanderung Ende des 4. Jahrhunderts zu.[41] Die regionalen Kriegerverbände der Yamato-Zeit und dem Übergangszeitraum bis zum ausgehenden 6. Jahrhundert bildeten sich immer stärker als Gesellschaftsschicht mit eigenem Status heraus, indem sie Polizeiaufgaben, berittene Botendienste sowie die Stellung der höfischen Gardetruppe übernahmen. Dieser „Berufsverband“ der Krieger wurde jedoch im 7. Jahrhundert aufgelöst – unter anderem um lokale Machtbasen zu schwächen.[42] Militärdienst wurde zur öffentlichen Aufgabe für alle.

Es verschoben sich auch die organisatorischen Strukturen: nun wurden Erhebungen von der Zentrale aus durchgeführt, und nicht mehr auf Provinzebene von einzelnen Magnaten. Es handelte sich überwiegend um bäuerliche Einheiten, die allerdings noch immer von Provinzadligen angeführt wurden. Dies Ausbleiben der Entmachtung lokaler Kräfte nebst sukzessivem Ausbau des berittenen Kriegswesens wertet W. W. Farris daher auch als Grundlage der späteren Samurai.[43] Ein Kriegsdienst wurde eingerichtet, der jeden gesunden nichtadligen Mann zu jährlich mindestens 35 Tagen Dienst als Soldat (heishi 兵士) verpflichtete; kritische Grenzeinsätze hatten unter Umständen längere Pflichtzeiten. Das System betraf in etwa ein Drittel der Männer einer Provinz zur selben Zeit. Das System sah kein stehendes Heer vor, um eine zu große Belastung der ökonomischen und agrarischen Basis zu verhindern; in Notzeiten wiederum konnten größere Truppenaufgebote gestellt werden. Die Kontrolle des Militärs oblag allein dem Tennô und seinem Hof. Innerhalb des 9. und 10. Jahrhunderts formten zwei militärische Hauptaufgaben den Rahmen für die staatliche Militärpolitik: Der Konflikt mit den Emishi in Japans Norden, sowie das Problem mit koreanischen Piraten (shiragi kaizoku 新羅海賊).[44] Im Verlauf der Zeit sah sich das Militärsystem diversen Schwierigkeiten gegenüber. Da die Truppen- und Steuererhebungen die gleichen Daten nutzten, wurden Bauern, die den staatlichen Steuern entgehen wollten, auch nicht zum Kriegsdienst eingezogen. Außerdem zeigte sich vor allem in den Konflikten mit den Emishi, dass berittene Bogenschützen sehr viel effektiver als die relativ untrainierten Bodentruppen waren – der Großteil der Armee bestand jedoch aus Bodentruppen. Kriegspferde waren teuer und erforderten intensives Training. Hieraus entwickelte sich die Gewohnheit, Einheiten zu nutzen, die schon Pferde besaßen und den berittenen Bogenkampf beherrschten – niedere Provinzadlige. Die Tendenz zur sozialen Exklusivität verstärkte sich auch durch den Verbund von Pferd- und Waffenbesitz, Einkommen aus Grund und Boden sowie die Begleitung eines Fußsoldaten (kachi 従/ rôtô 郎等). Ein großes Heer war dagegen immer weniger vonnöten; vor allem nach Beendigung des Emishi-Kriegs wurden eher flexible Eingreiftruppen benötigt. Die Wehrpflichtigen-Kontingente kleiner Provinzen wurden aufgrund eines schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnisses schließlich sukzessive bis etwa 792 abgeschafft.[45] R. Zöllner erkennt in diesem Entwicklungsverlauf die schrittweise Trennung von Kriegern und Bauern – indem zwischen Heerfolgepflichtigen und „Nur-Bauern“ unterschieden wurde.[46] Der Bedarf an militärischen Einheiten wurde vor allem durch regionale Aufstände bedingt, welche seit Ende des 9. Jahrhunderts zunahmen. Männer aus den mittleren Adelsrängen, die regional als Provinzbeamte eingesetzt wurden, setzten sich individuell mit den Konflikten auseinander, um sich ihre Einkünfte zu sichern. Auf diesem Wege bildete sich bereits eine Tendenz zur Privatisierung militärischer Macht heraus.[47] Zum anderen bestellte der Hof zur Stärkung der militärischen Kräfte seit 792 sogenannte „junge Getreue“ (kondei 健児), die sich aus Söhnen und jüngeren Brüdern des mittleren Adels zusammensetzten. Das Kamakura-Bakufu bestätigte den eigenen treuen Hausleuten (goke‘nin 御家人) ihre Eigentumsrechte (z.T. auch schriftlich) und grenzten dadurch deren lokalen Herrschaftsbereich von den staatlichen Gütern und den Privatgütern des Hofadels ab.[48]

Neben dem Emishi-Konflikt gab es noch ein weiteres Großereignis, in das die Samurai involviert waren: die Mongolenangriffe von 1274 und 1281. Obgleich militärisch überwunden, hinterließen die Angriffe einen nachhaltigen Einfluss auf die Beziehungen zwischen Kamakura und einzelnen Samurai-Verbänden. Fehlende Belohnungen der umfassend aufgebotenen Samurai-Kräfte führten zu großer Unzufriedenheit und Aufständen. Es zeigt sich hier, dass die Mechanismen der Belohnung für geleisteten Kriegsdienst bereits zu einer festen Größe gewachsen waren; ihre Missachtung musste innenpolitische Instabilität hervorrufen.

Aus den erfassten politischen Umwälzungen und Transformationsprozessen lassen sich mehrere Ansätze formulieren, die unterschiedlich gewichten oder einander sogar teilweise widersprechen. W. Schwendtker zeigt in seinem Überblick den militärhistorischen und den agrarhistorischen Ansatz auf.[49] Der erste Ansatz wertet die Aufstellung von Spezialeinheiten am Hof, vor allem seit dem späten 11. Jahrhundert, als Zeichen fortschreitender Professionalisierung im militärischen Bereich. Der zweite betont die Rolle der Führer mächtiger regionaler Sippen, die als Rodungsherren (kaihatsu ryôshu 開発領主) Land unter ihre Kontrolle brachten, sowie die der reichen, lokalen Großbauern (zaichi ryôshu 在地領主) als entscheidende Basis. Zöllner belegt die Bedeutung der Rodungsherrschaft beispielhaft im Falle der Takeda in Kai no kuni;[50] W. W. Farris dagegen bestreitet diesen Einflussfaktor für die wachsende Bedeutung der Samurai entschieden und spricht von cycles of land clearance and abandonment.[51] Die Verbindung zwischen Aufrüstung der lokalen Grundherren (meishu 名主) und Entstehung einer Kriegerklasse lehnt Seki Yukihiko allerdings als überholt ab.[52] Außerdem werden kriegerische Traditionen unter Jägern (und sogar Fischern) als Entwicklungsmoment der späteren Samurai einbezogen. E. Ikegami schränkt im Zuge dessen den Fokus der Entstehungsgeschichte übermäßig stark auf die nicht-landwirtschaftlichen und nicht-adligen Wurzeln der frühen Samurai ein und bezeichnet diese als „ violent outsiders “ der Grenzgebiete.[53] Im Kontrast dazu sieht Seki Yukihiko die tatsächlichen Ursprünge des aufgestiegenen Kriegerstandes in den Nachkommen der mächtigen Familienzweige der Taira, Fujiwara und Minamoto, welche durch Einheirat in Familien der Provinzmagnaten zu großem regionalen Machtzuwachs gekommen waren.[54] W. Farris wiederum betont die Kontinuitäten der militärischen Struktur in Japan von 500 bis 1300 vermittels seines evolutionary models, innerhalb dessen weder der Zentralstaat des ritsuryô -Systems 律令制[55], noch die späteren Bakufu einschneidende Veränderungen hervorrufen konnten.

Generell herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass der Aufstieg des Samuraistandes keine Reaktion auf das durch den Niedergang des Hofs entstandene Machtvakuum war, sondern sowohl durch regional als auch zentral gesteuerte Einflüsse bedingt wurde.[56] Damit wird Asakawa Kan’ichis Grundlagenarbeit[57] mittlerweile nur noch signifikant modifiziert akzeptiert. J. P. Mass hat deutlich herausgestellt, dass Yoritomos Politik vorrangig auf eine Regulierung regionaler Militärmacht abzielte, und zu diesem Ziel sogar zu alten hierarchischen Ordnungen zurückkehrte – die funktionalen Verbindungen zwischen Hauptstadt und Provinzregierungen ließ er intakt bzw. restaurierte sie stückweise.[58]

Die Vielfalt der (möglichen) Einflussfaktoren macht das Phänomen „Samurai“ in seiner Mehrdimensionalität deutlich; so stellt W. Schwendtker richtig fest, dass es sich beim Samuraistand zu keiner Zeit um eine homogene soziale Schicht mit spezifischen militärischen und administrativen Pflichten handelte.[59] Dieser Befund erstreckt sich auch auf die Ebene der Entstehungstheorien innerhalb der Forschung, wie ersichtlich geworden sein sollte: eine einhellig festgelegte Zusammensetzung des Samuraistandes lässt sich dort nicht erkennen; zumindest im hier vorrangig betrachteten Zeitraum führen unterschiedliche Gewichtungen zu anderen Ergebnissen. Erst im Zuge relativer Abschließung und Abgrenzung nach außen werden die Konturen schärfer. Schließlich kommt es bei der Untersuchung des Phänomens vor allem auf die Perspektive an; insofern ist der Ansatz vom evolutionary model, welches W. W. Farris postuliert, ein primär militärhistorisch ausgerichtetes Arbeitsmodell, wohingegen K. Friday sich mit der politischen (und nachrangig militärischen) Geschichte auseinandersetzt und E. Ikegami die Entstehung der Ehrkultur zum Hauptthema macht. Die vorliegende Arbeit muss kein abschließendes Urteil über das rechte Verhältnis der Einflussfaktoren fällen; es sollte deutlich geworden sein, dass die äußeren Umstände dazu beigetragen haben, dem zeitgenössischen Kriegerstand zu einer politischen und gesellschaftlichen Position zu verhelfen, die nach immer spezifischeren Identitätskonzepten verlangte.

2. Entstehungsgeschichtliche Betrachtung der abendländischen Ritter

Zwei im Grunde begriffliche Wendungen zeichnen die Entstehung des Rittertums nach: Die Trennung von Bauer (rusticus) und Krieger (miles), und der Übergang vom Krieger zum Ritter. Im Verlauf der Völkerwanderungen des 5. Und 6. Jahrhunderts wurden die Wandernden vorübergehend zu reinen Kriegern, bevor sie durch ihre neue Sesshaftigkeit wieder in erster Linie zu Bauern wurden. Allerdings bestand der neue größere Zusammenhang, innerhalb dessen sie nun existierten, in den Reichsgründungen am Ende der Völkerwanderung.[60]

Die politische Situation, aus der das in dieser Arbeit bearbeitete Phänomen „Rittertum“ hervorgehen sollte, betrifft – gewissermaßen als Vorstufe – das Großreich unter Karl dem Großen im 8. Jahrhundert. Zu dieser Zeit fand ein wichtiger Umbruch statt, welcher Grundlagen für die Entwicklung des zukünftigen gesellschaftlichen Ritterstandes schuf. Noch unter den Merowingern wurden überwiegend Fußtruppen unterschiedlicher Herkunft eingesetzt, welche Gregor von Tours (6. Jh.) als „ multitudo rustica “ bezeichnete.[61] Unter karolingischer Herrschaft begann sich die Vasallität als Rechtsform durchzusetzen,[62] was einen entscheidenden Einfluss auf das Treuekonzept und die Aufwertung der Dienstpflicht mit sich bringen sollte. Im Verlauf der Ausdehnung des karolingischen Großreichs stiegen die militärischen Anforderungen in quantitativer und qualitativer Hinsicht. Die großen militärischen Fernzüge machten Kriegspferde nahezu unabdingbar. Diese zunehmende Beanspruchung gefährdete schließlich die Existenzsicherung vor allem der Freien, die auf die Erträge ihrer Felder angewiesen waren. Hier setzte die Heeresreform Karls des Großen (807/808) an. Wer weniger als den festgelegten Mindestbesitz hatte, zählte zu den Armen (pauperes) und musste im Gestellungsverbund mit anderen jeweils nur einen Mann stellen, wer dagegen Besitz ab einer bestimmten Größe hatte, musste einen Brustpanzer (Brünne) tragen und die Schar der Panzerreiter bestücken.[63] Damit die Zahl dieser immer wichtiger werdenden Kämpfer groß genug war, wurden Lehen (beneficia) vergeben, welche den Lehnsnehmer zum direkten Kriegsdienst für den Lehnsherrn verpflichteten. Zumeist zogen Herrschende und Dienstmannen gemeinsam in den Kampf, wobei allerdings Herrschaft und Dienst noch getrennt blieben; die frühmittelalterlichen milites waren noch keine Ritter, sondern allgemein „Kämpfer zu Pferd“.[64] Äußere Bedrohungslagen verstärkten die Stellung der Reiterkrieger als Kernstück des Militärs; während der Ungarneinfälle bauten Heinrich I. und Otto I. in Ostfranken die berittene Kriegerschaft stark aus, so dass seit dem 10. Jahrhundert unter dem Begriff miles ein Reiterkrieger verstanden wurde.[65] In diesem Zeitraum wurde auch die alte Trennung zwischen liberi und servi durch die genauere Unterteilung in milites und rustici ersetzt.[66] Beide waren wechselseitig aufeinander angewiesen; die Bauern erwirtschafteten die kostenintensive Ausstattung, während die Krieger zu ihren „Bedrückern und Beschützern“ gleichermaßen wurden.[67] Im späten 10. und frühen 11. Jahrhundert verstärkte sich die Fragmentierung politischer Macht weiter zu Ungunsten der Zentralautoritäten und manifestierte sich auf niedrigerer sozialer Ebene.[68] Dieser Dezentralisierungsprozess war in Westfranken aber weitaus stärker, als in Ostfranken.

Die Dreiteilung der Gesellschaft in Betende (oratores), Kämpfende (bellatores) und Arbeitende (laboratores), wie sie z.B. Anfang des 11. Jahrhunderts Adalbero von Laon zum Ausdruck brachte,[69] wurde schließlich zur Grundfeste der christlichen Welt.[70] Es lässt sich daraus zwar nicht folgern, dass so die Vollendung des ritterlichen Standes geschah, aber es konnte sich zumindest auf diesem Weg eine berufsmäßige Kriegerschaft, die den Kriegsdienst als einzigen Lebenszweck für sich beanspruchte, im zeitgenössischen Weltbild der Eliten fest verankern. Die Ausbildung eines neuen ständischen Selbstbewusstseins lässt sich letztlich auch anhand der seit dem späten 11. Jahrhundert gebrauchten volkssprachlichen Bezeichnungen festmachen; der Name wurde u.a. zu chevalier, riddere, rîter, knight.[71]

Über den weit verbreiteten Burgenbau veränderte sich die Territorialstruktur. Ursprünglich als Fluchtburgen gebaut, wurden sie schließlich zu Herrenburgen (also auch zu militärischen Stützpunkten), die ständig bemannt wurden. So war es Rittern auf immer niedrigerer hierarchischer Ebene möglich, Territorialkontrolle zu behaupten. Burgherren konzentrierten sich zudem vermehrt auf einen einzigen Stammsitz, dem sie den Namen der eigenen Familie übertrugen und damit allgemein zur Verfestigung von Adelsgeschlechtern beitrugen.[72] Die Möglichkeit ritterlicher Herren, Steuern in kontrollierten Ländereien zu erheben, und zwar gegenüber Unfreien ebenso wie Freien, vergrößerte den sozialen Graben zwischen ihrem Stand und der ländlichen Gesellschaft, der sie ursprünglich zum Teil selbst entstammten.[73] Während die milites in Westfranken zunehmend mit den Adligen (nobiles) verschmolzen, blieben sie im 12. Jahrhundert in Ostfranken allerdings noch relativ deutlich getrennt.[74] J. Fleckensteins Untersuchung zum „engeren“ und „weiteren Ritterbegriff“ schafft hier allerdings noch mehr Klarheit; im engeren Begriff ist lediglich die „aktive Kriegerschaft“ inbegriffen, deren Kern vom niederen und mittleren Adel (nobiles) gebildet wird, während der weitere Ritterbegriff auch noch die principes – also die höchsten fürstlichen Würdenträger – und damit den gesamten Adel umfasst.[75]

In Westfranken begann sich seit dem 12. Jahrhundert der ritterliche Stand immer mehr abzuschließen; dies wird einerseits deutlich an den sich immer differenzierter ausgestalteten Aufnahmeriten (v.a. der dubbatio),[76] zum anderen an der hohen Geburt bzw. direkten Abstammung von einem Ritter als Voraussetzung für die Zugehörigkeit zur Gruppe.[77] Dadurch wurde der Ritterstand nach außen hin zu einer klar definierten Ordnung (ordo) innerhalb der feudalen Gesellschaft.[78]

Über die Entstehung des Rittertums herrscht überwiegend Einigkeit hinsichtlich der Vasallität und des Lehnsrechts. Speziellere Faktoren, wie etwa die Bedeutung des Steigbügels als Initialzündung,[79] werden z.T. heftig umstritten. Fleckenstein spricht dem von asiatischen Steppenvölkern übernommenen Steigbügel zwar eine gewisse Bedeutung für das Rittertum zu,[80] ein „automatisch“ entstandenes Rittertum aufgrund des Steigbügels wird jedoch gemeinhin nicht mehr angenommen.[81] Entschieden bestritten wird dieser Bezug z.B. von J. Flori, der anführt, die Nutzung eines Steigbügels sei schon lange vor Entstehung des Rittertums üblich gewesen.[82] Bei ihm ist der wichtigste Einfluss in der militärischen Spezialisierung zu suchen, welche eine bestimmte, kostspielige Ausrüstung und intensives Training erforderte; vor allem dadurch habe sich die Trennung von (konventionellen) Kriegern und (spezialisierten) Rittern vollzogen.[83]

In seiner Zusammensetzung war der ritterliche Stand, ganz ähnlich dem Samuraistand, durchweg sehr heterogen. Im Verlauf der Zeit fanden sich schließlich auch im Ritterstand Ostfrankens Adlige (nobiles), Freie (liberi) und (ursprünglich) Unfreie (ministeriales), die sich als militia vereinten, im Hinblick auf die Vasallität allerdings eine homogene Einheit bildeten.[84]

Die Besonderheit des Rittertums gegenüber dem Kriegertum, aus dem es entstand, lässt sich wiederum in seiner, zuerst von Frankreich ausgestrahlten, schließlich überregionalen Idee erkennen, die es zu einem europäischen Phänomen machte.[85]

III Grundelemente

Die Grundelemente stellen die erste Annäherung an das Thema kriegerischer Identität dar. Ziel dieses Abschnitts ist es, einen Überblick über jene identitätsstiftenden Merkmale zu schaffen, welche sich aus grundlegenden, „inneren“ Elementen zusammensetzen. Dies sind die Bereiche Genealogie, Symbolik und Mechanismen der kriegerischen Ehre. Die Elemente in den späteren Teilen der Untersuchung haben ein weiter gefasstes Bezugsraster, denn sie setzen sich immer wieder mit den wechselseitigen Einflüssen zwischen dem sich entwickelnden kriegerischen Stand und seiner Umgebung auseinander. Zwar standen die in diesem Abschnitt behandelten Elemente ebenfalls unter den Einflüssen der sie umgebenden Welt, aber der analytische Fokus ist hier vorrangig auf einzelne Wertvorstellungen gerichtet, wogegen er in den anschließend auf dem jeweiligen Bezugsrahmen liegt.

1. Genealogische Identität des Kriegertums

Die Abgrenzung des kriegerischen Standes vollzog sich nicht allein mit der Bildung einer ethischen Identität, sondern eben auch mit seiner identitätsstiftenden Genealogie. Wenn dieser Tatbestand für sich genommen aus heutiger Sicht vielleicht selbstverständlicher scheint, so ist eine nähere Auseinandersetzung mit mentalitätsgeschichtlichen Konzepten innerhalb des kriegerischen Adels gerade für den Vergleich der zwei gewachsenen Phänomene „Ritter“ und „Samurai“ von Bedeutung. Das Augenmerk liegt auf der Frage, welche Rolle die Abstammung des Kriegers für die Schaffung seines (bzw. verschiedener Varianten seines) Identitätskonzepts spielte.

In der Zeit des Entstehungsprozesses des abendländischen Rittertums, welcher am Anfang der Arbeit umrissen worden ist, war die Herausbildung einer rein auf Geburt basierenden Adelsschicht noch nicht abgeschlossen. Sicherlich reicht die Abgrenzung einer hochgestellten Führungselite – der Edlen – viel weiter zurück und lässt sich schon bei den Stämmen der späteren Frankenreiche festmachen.[86] Allerdings unterschied noch Karl der Große grundsätzlich nur zwischen Freien und Unfreien.[87] Die feinere Ausdifferenzierung in Freie, hohen und niederen Adel entwickelte sich nur schrittweise und stand in engem Zusammenhang mit dem Hervortreten des Rittertums. Der Adel bildete zu dieser Zeit überwiegend keinen eigenen Rechtsstand.[88] Für die Mentalitätsgeschichte bedeutet dies, dass sich das umfassende, gefestigte Bewusstsein eines adligen Standes noch bilden musste; zunächst war die Geburt allein noch kein Hauptkriterium der Zugehörigkeit. Vor allem die Tatsache, dass viele Unfreie über den Weg des Ritters nicht nur frei, sondern auch adlig werden konnten, zeigt die Bedeutung der eigenen Leistung – nur so konnten z.B. in Ostfranken Ministeriale vermittels ehrenvollen Waffendienstes in den (unteren) Adelskreis gelangen.[89] Erst in der Folgezeit schloss sich auch das Rittertum genealogisch ab, verlangte schließlich ritterliche Vorfahren für einen ordentlichen Ritterschlag.[90]

Im Gegensatz zum europäischen Fall hatte sich der japanische Adel spätestens mit der Schaffung eines ständigen Herrschaftssitzes, weitgehend nach chinesischem Vorbild, relativ konturiert entwickelt. Der Hochadel gruppierte sich in der Hauptstadt um die kaiserliche Familie und war mittels eines Rangsystems hierarchisch durchstrukturiert. Mit dem Aufkommen des kriegerischen Standes als herrschaftlicher, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Akteur kam allerdings etwas Neues hinzu. Die Krieger stammten einerseits aus einflussreichen Provinz-Familien und stellten so einen bis dahin kaum relevanten Niederadel, der in Konkurrenz zum Hof trat. Auf der anderen Seite traten nachgeborene Söhne aus Familien des Hofadels ebenfalls in den Samuraistand ein.

Aus diesen Entwicklungen heraus lässt sich das später noch zu bearbeitende Spannungsfeld zwischen Hof und Kriegertum erklären; bemerkenswert dabei ist gerade die schrittweise Aufwertung des Waffendienstes unter dem „neuen“ Kriegeradel, der über diesen Weg den gesellschaftlichen Aufstieg schaffte. Vor allem Samurai, die als wichtigste Akteure Aufstände im Dienst der Zentralregierung erfolgreich unterdrücken konnten, nutzten die Gelegenheit, selbst ins Zentrum der Macht vorzurücken, und so den Grundstein für eine Abstammungslinie „zentralen Militäradels“ (chûô gunji kizoku 中央軍事貴族) zu legen.[91]

Die Etablierung des „Hauses“ (jap. ie 家) als kleinster Aktionsradius eines Kriegers schuf die Basis der sozialen Organisationsform[92] und ist auch als eine Grundlage für die kriegerische (Familien-) Identität anzusehen. Die Überlieferung des Kriegshandwerks über Generationen beinhaltete eine starke ideologische Komponente. In Japan war die Nutzung provinzieller Magnaten-Familien als Hauptstreitkräfte traditionell bis in die Yamato-Zeit begründet,[93] doch veränderte sich im Verlauf des Frühmittelalters die Semantik. So unterschied sich dort der Krieger (tsuwamono) vom Soldaten des ritsuryô -Staates (heishi) noch nicht so sehr rechtlich oder von seinem Status her, aber auf gesellschaftlicher Ebene durch die Zugehörigkeit zu einem Kriegerhaus (tsuwamono no ie), wodurch ihm ein bestimmtes Ansehen entgegengebracht wurde.[94] Allerdings konnte erst mit dem Vordringen des Samuraistandes ins Zentrum des Hofes[95] und den sich so verdichtenden Beziehungen zum Hochadel ein tieferes Bewusstsein für die eigene soziale Stellung aufkommen. Dies spiegelt sich auch im Heike monogatari wider. So wird etwa Nobotsunas Qualität als großer Krieger mithilfe der Erwähnung seines genealogischen Hintergrunds hervorgehoben:

Er wurde von seinem Großvater mütterlicherseits aufgezogen, um zu einem Krieger (yumiya tori) aufzusteigen. Wenn man seine Abstammung (zokushô) hinterfragt, [kommt man auf] die Blutlinie (son) der fünften Generation Prinz Sukehitos, dem dritten Sohn Kaiser Go-Sanjôs. So ist seine Abstammung ebenso wie seine Handhabung von Pfeil und Bogen hervorragend (yo).[96]

[...]


[1] Ujiie Masahito (2007): Samurai to yakuza: “otoko” no kita michi.

[2] A. Rothacher (2007): Die Rückkehr der Samurai – Japans Wirtschaft nach der Krise.

[3] K. Stang (2009): Ritter, Landsknecht, Legionär: militärmythische Leitbilder in der Ideologie der SS.

[4] H. A. Hornstein (1994): Die Tyrannei der edlen Ritter: Männer, die Frauen retten wollen.

[5] G. Duby (1989): Die Ursprünge des Rittertums, S. 349.

[6] Seki Yukihiko (1992): Chûsei shoki no “bui” to “buryoku”, S. 18-35.

[7] Vgl. J. Assmann (20076): Das kulturelle Gedächtnis, S. 131-133.

[8] So etwa Nitobe Inazô (1898): Bushidô – The Soul of Japan, sowie das Hagakure von Tsunetomo Yamamoto (1710-16).

[9] Kasaya Kazuhiko (2007): Bushidô gainen, S. 231-274.

[10] Zu einem kurzen Überblick über den Ursprung des „japanischen Mittelalters nach europäischem Vorbild“ siehe T. Keirstead (1998): Inventing Medieval Japan, S. 47-71. Werke, die sich nach dem zweiten Weltkrieg mit dem Vergleichsthema befassten: R. Coulburn (Hg.) (1956): Feudalism in History; P. Duus (1976): Feudalism in Japan; R. Zöllner (1995): Die Ludowinger und die Takeda; S. Eisenstadt (1996): Japanese Civilization. A Comparative View; Ishii Shiro (1997): Zur Anwendung des Feudalismus-Begriffs auf die japanische Geschichte, S. 75-85; D. Taranczewski (2006): Japan, der Feudalismus, Westeuropa, Ostasien, S. 31-64; Taranczewski (H.g. u.a.) (2009): Chûsei nihon to seiô – takyoku to bunken no jidai.

[11] A. Lewis (1976): Knights and Samurai. Feudalism in Northern France and Japan.

[12] J. P. Mass (1974): Warrior Government in early medieval Japan; 1999: Yoritomo and the Founding of the First Bakufu.

[13] Kojima Michihiro (Hg.) (2010): Bushi to kishi – nichiô hikaku chûkinsei-shi no kenkyû.

[14] G. Duby (1990): Wirklichkeit und höfischer Traum, S. 31/32.

[15] E. Köhler (1972): Esprit und Arkadische Freiheit, S. 85.

[16] J. Fleckenstein (1990): Curialitas, S. 464.

[17] F. Cardini (1996): Der Krieger und der Ritter, S. 112f.

[18] Über möglicherweise vermutete Autoren und den speziellen Fall des mittelhochdeutschen Rolandslieds wird in den jeweiligen Unterkapiteln gesprochen.

[19] Bei kanbun handelt es sich um Texte, die nur mit chinesischen Zeichen geschrieben wurden und überwiegend der (klassischen) chinesischen Wort- und Satzstellung folgten; bei ihrer Rezitation “übersetzte” man zumeist in die japanische Lesereihenfolge.

[20] Kawai Yasushi (2009): Heike monogatari to sono jidai, S. 1. Kenneth D. Butler spricht noch von mehr als 100 verschiedenen Versionen: (1966): The Textual Evolution of the Heike monogatari, S. 6.

[21] Vgl. P. Varley (1994): Warriors of Japan, S. 85; Kenneth D. Butler (1969): The Textual Evolution of the Heike monogatari, S. 6.

[22] Vgl. Sugimoto Keizaburô (1983): „ Heike monogatari” no naka no chûsei, S. 100.

[23] Vgl. Sugimoto Keizaburô (1983): Henkakuki no joji bungaku, S. 88; Shidachi Masatomo (2009): Heike monogatari no kôsô, S. 117.

[24] Kenneth D. Butler (1966): The Textual Evolution of the Heike monogatari, S. 9/10.

[25] Vgl. Sugimoto Keizaburô (1983): „ Heike monogatari” no naka no chûsei, S. 100.

[26] Vgl. P. Varley (1994): Warriors of Japan, S. 78.

[27] Vgl. P. Varley (1996): Cultural Life, S. 452.

[28] K. D. Butler (1969): The Heike monogatari, S. 103.

[29] ChdR (Nachwort): 392/393.

[30] ChdR (Nachwort): 400.

[31] Eine Laisse ist ein beliebig langer Abschnitt in den Chansons de geste, meistens durch Assonanz verbunden.

[32] Vgl. ChdR (Nachwort): 407.

[33] ChdR (Nachwort): 405.

[34] Vgl. C. G. Mor (1989): Das Rittertum, S. 247.

[35] Vgl. F. Cardini (1996): Der Krieger und der Ritter, S. 95.

[36] Vgl. K. F. Friday (1992): Hired Swords, S. 11.

[37] J. P. Mass (1999): Yoritomo, S. 30.

[38] J. P. Mass (1999): Yoritomo, S. 72.

[39] J. P. Mass (1999): Yoritomo, S. 255.

[40] W. Schwendtker (2008): Die Samurai, S. 17.

[41] Vgl. W. Schwendtker (2008): Die Samurai, S. 20.

[42] W. Schwendtker (2008): Die Samurai, S. 30.

[43] W. W. Farris (1992): Heavenly Warriors, S. 80.

[44] Seki Yukihiko (1991): Kokuga gunsei to bushi, S. 18.

[45] Vgl. K. F. Friday (1992): Hired Swords, S. 47.

[46] R. Zöllner (1995): Die Ludowinger und die Takeda, S. 154.

[47] Vgl. K. F. Friday (1992): Hired Swords, S. 83.

[48] Vgl. W. Schwendtker (2008): Die Samurai, S. 40.

[49] W. Schwendtker (2008): Die Samurai, S. 32.

[50] R. Zöllner (1995): Die Ludowinger und die Takeda, u.a. S. 121.

[51] W. W. Farris (1992): Heavenly Warriors, S. 249.

[52] Seki Yukihiko (1991): Kokuga gunsei to bushi, S. 15/16.

[53] Ikegami Eiko (1995): The Taming of the Samurai, S. 58.

[54] Seki Yukihiko (1991): Kokuga gunsei to bushi, S. 19/20.

[55] Damit ist hier die zentralstaatliche Ziviladministration Japans vom 6.-9. Jh. nach chinesischem Vorbild gemeint.

[56] Vgl. u.a. W. Schwendtker (2008): Die Samurai, S. 35; Seki Yukihiko (1991): Kokuga gunsei to bushi, S. 16.

[57] V.a. Asakawa Kan’ichi (1914): The Origin of the Feudal Land Tenure in Japan, S. 1-23.

[58] J. P. Mass (1999): Yoritomo, S. 172 u. S. 255.

[59] W. Schwendtker (2008): Die Samurai, S. 18.

[60] J. Fleckenstein (2002): Rittertum und ritterliche Welt, S. 28.

[61] J. Fleckenstein (2002): Rittertum und ritterliche Welt, S. 33.

[62] M. Bloch (1982): Die Feudalgesellschaft, S. 195.

[63] J. Fleckenstein (2002): Rittertum und ritterliche Welt, S. 36.

[64] A. Borst (1989): Das Rittertum, S. 217.

[65] J. Fleckenstein (2002): Rittertum und ritterliche Welt, S. 80.

[66] F. Cardini (1996): Der Krieger und der Ritter, S. 87.

[67] A. Borst (1989): Das Rittertum, S. 219.

[68] J. Flori (2008): Knightly society, S. 151.

[69] J. Flori (2008): Knightly society, S. 148.

[70] F. Cardini (1996): Der Krieger und der Ritter, S. 88.

[71] A. Borst (1989): Das Rittertum, S. 221.

[72] Vgl. R. Zöllner (1995): Die Ludowinger und die Takeda, S. 278; J. Fleckenstein (2002): Rittertum und ritterliche Welt, S. 84-88.

[73] Vgl. J. Flori (2008): Knightly society, S. 158/159.

[74] G. Duby (1989): Die Ursprünge des Rittertums, S. 350.

[75] J. Fleckenstein (1988): Über den engeren und den weiteren Begriff von Ritter und Rittertum, S. 387.

[76] Vgl.. L. Ganshof (1989): Was ist das Rittertum, S. 133.

[77] Vgl. M. Bloch (1982): Die Feudalgesellschaft, S. 385/386.

[78] G. Fasoli (1989): Grundzüge einer Geschichte des Rittertums, S. 204.

[79] Dahinter steht die These, dass erst durch Einsatz des Steigbügels ein berittener Kampf möglich wurde, weil so dem Krieger ausreichend Halt für die Nutzung seiner Waffe (v.a. Lanze) gegeben war.

[80] J. Fleckenstein (2002): Rittertum und ritterliche Welt, S. 33.

[81] F. Cardini (1996): Der Krieger und der Ritter, S. 89.

[82] J. Flori (2008): Knightly society, S. 171.

[83] Ebd., S. 172.

[84] J. Fleckenstein (2002): Rittertum und ritterliche Welt, S. 92/93.

[85] Vgl. dazu A. Borst (1989): Das Rittertum, S. 221; F. Cardini (1996): Der Krieger und der Ritter, S. 129; J. Flori (2008): Knightly society, S. 157/158; J. Fleckenstein (2002): Rittertum und ritterliche Welt, S. 82.

[86] Vgl. H.-W. Goetz (2003): Europa im frühen Mittelalter, S. 168f.

[87] J. Fleckenstein (2002): Rittertum und ritterliche Welt, S. 32.

[88] Vgl. H.-W. Goetz (2003): Europa im frühen Mittelalter, S. 316f.

[89] H.-W. Goetz (2003): Europa im frühen Mittelalter, S. 146.

[90] Vgl. A. Borst (1989): Das Rittertum im Hochmittelalter, S. 221, dort steht das Rittertum zwischen „Adelsmacht und Reiterdienst“. Bloch verortet diese erbliche Abschließung in der Mitte des 12. Jh.: M. Bloch (1982): Die Feudalgesellschaft, S. 378.

[91] Seki Yukihiko (1991): Kokuga gunsei to bushi, S. 22.

[92] Vgl. D. Taranczewski (2006): Japan, der Feudalismus, Westeuropa, Ostasien, S. 43/44.

[93] Vgl. W. Farris (1992): Heavenly Warriors.

[94] Seki Yukihiko (1992): Chûseishoki no „bui“ to „buryoku“, S. 23.

[95] Vgl. D. Taranczewski (2006): Japan, der Feudalismus, Westeuropa, Ostasien, S. 42.

[96] HM II: 199.

Details

Seiten
106
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656611967
ISBN (Buch)
9783656611950
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270348
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Asien-Afrika-Institut
Note
1,4
Schlagworte
Mittelalter Krieger Bushi Mentalitätsgeschichte Shogun Heike Monogatari Rolandslied Komparatistik chanson de geste Ehre Hofkultur

Autor

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Titel: Ritter und Samurai. Kriegerische Identitäten im Mittelalter