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Didaktik der Kinder- und Jugendliteratur

Hausarbeit 2013 14 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Definition von Kinder- und Jugendliteratur

3.) Didaktik von Kinder- und Jugendliteratur

4.) Methodenbeispiel für den Unterricht : Jugendliche lesen und verarbeiten die Bücher ihrer Kindheit

5.) Zusammenfassung

6.) Literatur- und Quellenangaben Seite

1.) Einleitung

Die Lehrpläne für den Deutschunterricht stellen viele Kinder- und Jugendbücher auf, um die „Differenz zwischen schulischer und außerschulischer Lektürepraxis“ zu verringern und eine Lesesozialisation voran zu bringen (Abraham 2009, S. 76). Allerdings ist es wünschenswert, diese speziell auf Heranwachsende ausgerichtete Literatur auch in der Oberstufe behandeln zu können. Es werden Klassiker gelesen, die „häufig gar nicht zum Lebenshorizont der Jugendlichen passen.“ (ebd.) Dies kann die geförderte Lesefreude aus der Sekundarstufe 1 mindern und weitere Buchrezeptionen bremsen. In dieser Arbeit wird eine Methode vorgestellt, die auch in den oberen Klassenstufen Einzug erhalten kann. Generell ist die Kinder- und Jugendbuchdidaktik noch nicht alt, da erst in den 60er/70er Jahren eine Aufwertung dieser Literaturgattung erfolgte und die heutige, selbstverständliche Zugehörigkeit zum Literaturunterricht anstieß (ebd.).

2.) Definition von Kinder- und Jugendliteratur

Im Lexikon wird Kinder- und Jugendliteratur als „Gesamtheit des Schrifttums, das als geeignete Lektüre für Kinder und Jugendliche gilt, wie auch das tatsächliche Gelesene“ definiert (Schweikle 1990, S. 236). Aber eine kurzfassende Beschreibung, die dieser Literaturrichtung gerecht wird, gibt es nicht, sondern es sind mehrere Definitionsreihen, die auf die verschiedenen Eigenschaften und Merkmale eingehen (Vgl. ebd.).

Die Begrifflichkeit dieser speziellen Literaturgattung ist nicht eindeutig festgelegt. Adoleszenzroman ist auch eine mögliche Bezeichnung, "der erst seit Ende der 80er Jahre in den Forschungen zur Kinder- und Jugendliteratur Verwendung findet und der sich erst Anfang der 90er Jahre durchgesetzt hat." (Lange 2004, S. 2) Die Kinder- und Jugendliteratur hat ähnliche Merkmale und Überschneidungen mit Bildungs-, Entwicklungs- und Erziehungsromanen, weil das Leben und Erwachsenwerden von jungen Menschen thematisiert werden, Emanzipation und Pubertätsprobleme in den Blick genommen werden (Vgl. ebd.). Aber eine Gleichsetzung dieser jugendliterarischen Gattungen kann nicht erfolgen, weil jede Literaturrichtung ihre eigene Idee verfolgt, auf einen bestimmten Punkt genauer und bedachter einzugehen vermag. Bspw. nimmt der Bildungsroman das sich weiterbildende Individuum in den Fokus, welches auf der Suche nach der eigenen Identität ist. Die Geschichte dieses Menschen wird didaktisch vom Erzähler aufbereitet und meist wird ein humanistisches Menschenbild verfolgt (Vgl. ebd., S. 3). Kinder- und Jugendliteratur hat diesen Anspruch nicht durchgehend. Der Unterhaltungsfaktor und die Fantasieförderung der Heranwachsenden ist ebenso oft Intention dieser Gattung wie das Erziehen und Aufzeigen von wertvollen Handlungsstrategien. Gerade die moralische Bildung in der Kinder- und Jugendliteratur fokussiert die Rebellion im Widerstreit mit dem "Einfügen in die Normen der gesellschaftlichen Welt" und verfolgt den Anspruch, Konventionen und Werte der Gesellschaft zu hinterfragen und nachzuvollziehen (Spinner 2000, S. 17). Dem folgt ein Fremdverstehen, nicht nur der gesellschaftlich bedingten Regeln, sondern auch ein Verstehen anderer Meinungen, ein Einfühlen in andere Menschen und ihre Situationen kann erfolgen. Ein Perspektivwechsel, die "Fähigkeit, fremde Sichtweisen nachzuvollziehen", ist zwar Aufgabe einer jeden Literaturbeschäftigung, aber Heranwachsenden gelingt dies besser, wenn Figuren und Szenerie ihrem eigenen Leben samt Umwelt ähneln (ebd., S. 18).

Auffallend bei der Begrifflichkeit Kinder- und Jugendliteratur ist die genaue Benennung der Adressatenschaft und die damit verbundene, riskante Wertung dieser speziellen Literatur. Dieses große Merkmal der Adressatenbegrenzung kann andere Spezifika dieser Gattung überschreiben und ausblenden, sodass eine Weiterentwicklung oder eine genauere Unterscheidung innerhalb dieser Literaturrichtung erst bei einer intensiven Beschäftigung mit der Thematik in Erscheinung tritt. Der Literaturforscher Hans-Heino Ewers plädiert für eine "besondere Ingebrauchnahme, eine spezifische Verwendung von [dieser] Literatur" um das Überstrahlen des Hauptmerkmals der Adressatenschaft einzudämmen und näher auszudifferenzieren (Ewers 2001, S. 330, Einf.: U.Z.). Interessant ist auch, dass die Betitelung Kinder- und Jugendliteratur durch Verlage, die diesen Namen tragen, erfolgt oder gar durch die Einordnung der Buchhandlung in die Kinder- und Jugendabteilung. Ewers nennt die Wahrnehmung der Literatur als Zuordnungsprinzip bei kinder- und jugendliterarischen Gattungen und bemängelt: "Die allgemeine Literaturkritik bspw. fühlt sich damit automatisch nicht zuständig." (ebd., S. 331). Aber die Kennzeichnung dieser Literaturrichtung hat auch den Vorteil, dass ein besonderes Merkmal in Augenschein tritt. Dadurch, dass gleichaltrige Figuren in den literarischen Werken auftreten, haben die Kinder und Jugendlichen das Angebot einer Identifikation mit den Protagonisteninnen. "Sie finden ihre eigenen Probleme und Wünsche wieder und können sich so lesend mit sich selbst beschäftigen" (ebd., S. 16). Die individuelle Identitätsentwicklung wird voran gebracht und gefördert. Dies ist eine sehr wertvolle Aufgabe der Kinder- und Jugendliteratur und verhilft den Heranwachsenden zu einer Reifung und stößt einen wichtigen Lernprozess an.

Die Literaturwissenschaft hält die Handlungsebene besonders in der Jugendliteratur zwar für relevant, aber nicht für unablässig. Merkmale von Texten dieser Gattung sind die Thematisierung von Jugend an sich sowie die intensive Beschäftigung mit schwierigen Lebenslagen in der Pubertät und damit verbundene Lösungs- und Handlungsansätze (Vgl. ebd., S. 332). Besonders das Erzählen und Vermitteln des Gefühlslebens der Protagonisteninnen kann eine direkte Anrede an die Jugendlichen darstellen. Die ähnlichen Erfahrungen und Weltsichten ermöglichen eine individuelle Identifikation mit den Figuren und Jugendliche können sich verstanden fühlen oder neue Perspektiven annehmen. Bemerkenswert ist, dass verschiedene Werke, die dem Jugendbuchgenre zugeordnet wurden, bei einer späteren Taschenbuchauflage aber in die Erwachsenenriege verschoben wurden (Vgl. ebd., S. 333). Das zeigt, dass inhaltlich sich ebenso Erwachsene mit den Inhalten von Adoleszenzromanen wohlfühlen und dass behandelte Probleme und Themen auch im Erwachsenenalter auf Resonanz stoßen. Vordergründig werden Sexualität, Liebe, Beziehung und Eifersucht thematisiert, aber auch heikle Anliegen wie Homosexualität, Vergewaltigung, Identitätsfindung oder Schwangerschaft stehen im Vordergrund (Vgl. Lange 2004, S. 13). Diese Sehnsüchte oder Dilemmata schalten sich nicht automatisch vor dem 20. Lebensjahr ab, sodass die aktuelle und direkte Verbindung von Buchmotiv und Mensch auch im höheren Alter bleibt. Demzufolge ist eine pure Eingrenzung der Kinder- und Jugendliteratur nur auf deren Adressaten nicht vollständig und ungerechtfertigt.

Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur sind bspw. die Dschungelbücher, In 80 Tagen um die Welt oder Pinocchio, um wirklich nur Einzelne zu nennen, da die Vielzahl der hierzu gehörigen Bücher beachtlich groß ist (Vgl. Hurrelmann 1996, S. 18). Ebenso zählen neuere Erscheinungen in diese Gattung, z.B. Harry Potter oder Die Wolke.

3.) Didaktik von Kinder- und Jugendliteratur

Der Anspruch einer Kinder- und Jugendliteraturdidaktik ist, Merkmale dieser Gattung zu unterstützen und hervorzuheben. Der erzieherische, pädagogische Ansatz für den bestimmten Rezipientenkreis soll sich in alltäglichen Situationen in den Büchern für die Heranwachsenden als hilfreich und unterstützend erschließen. So soll auch die Lesefreude erhalten oder neu geweckt werden, Identifikationsangebote sollen herausgestellt und anerkannt werden (Vgl. Lange 2004, S. 35). Auch sind politische oder historische Jugendbücher für das Stillen des Informationsdurstes wichtig (Vgl. ebd., S. 31). Vor diesem Hintergrund werden interdisziplinäre Zusammenarbeiten mit Fächern wie Geschichte, Politik oder Ethik begründet und eine motiviertere und vielschichtigere Wissensaneignung der Schülerinnen kann gewährleistet werden. Etwas, was nicht nur der Kinder- und Jugendbuchunterricht leistet, sondern Schule im Allgemeinen als oberstes Ziel anstrebt, ist die Entwicklung der Kinder zu kritisch reflektierten Jugendlichen und Erwachsenen. Ein Deutschunterricht, der sich für die Lesefreude der Schülerinnen mit verschiedener Kinderund Jugendliteratur einsetzt, kann seinen Beitrag zum Hauptziel Menschreifung leisten, denn besonders in den Büchern für Heranwachsende werden "Denk-, Verhaltens- und Handlungsmuster" vorgestellt und regen zu kritischen Gedanken an (ebd.).

Da meist die Form dem Schwergewicht des Inhalts weichen muss innerhalb der Kinder- und Jugendliteratur, wird der Ästhetik der Sprache nicht überaus viel Beachtung geschenkt bzw. die Textgestaltung wird sekundär bei der Behandlung von Jugend- und Kinderbüchern. Es soll lediglich untersucht werden, wie die Form, den Inhalt unterstützend, eingesetzt wird (Vgl. ebd. zitiert nach Dahrendorf)1. Es gibt allerdings dazu auch andere Stimmen in der Debatte um eine eigenständige Kinder- und Jugendliteraturdidaktik, nämlich die, dass durchaus literaturanalytische Untersuchungen Raum finden müssen im Unterricht. Die Frage ist nur die, wie groß und tiefgreifend dieser Raum gewährt werden kann und darf. "Formale Experimente sind in Jugendromanen nur begrenzt möglich", weil Abschreckung oder Überforderung resultieren können (Lange 2004, S. 29). So wird deutlich, dass der Inhalt Vorrang hat bei einer Buchbetrachtung.

"Die Entwicklung einer autonomen Leserpersönlichkeit ist das Ziel des Literaturunterrichts, unabhängig von Kinder- und Jugendliteratur oder Erwachsenenliteratur" (ebd., S. 36). Die Schülerinnen sollen demnach befähigt werden, Literatur anzunehmen, kritisch zu hinterfragen, zu untersuchen und das Gelesene soll auf sich und die individuelle Lebensumwelt übertragen werden können. Die Didaktik gibt dazu Anreize und Unterstützung, sodass die Heranwachsenden in der Lage sind, sich eigenständig, vielfältig und zielstrebig mit einer literarischen Arbeit auseinanderzusetzen. Ein Ansatz für diese Selbstständigkeitsförderung kann der produktionsorientierte Unterricht sein, indem Kinder und Jugendliche "statt einen Handlungsaufbau im Gespräch zu analysieren, selbst eine Fortsetzung schreiben können" (Spinner 1997, S. 26).

[...]


1 Dahrendorf, Malte: Kinder- und Jugendliteratur in schulischer (didaktischer) Perspektive. In: Beiträge Jugendliteratur und Medien. Heft 3. Hrsg.: Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien. Juventa Verlag Weinheim 1997. S. 153- 160.

Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656616726
ISBN (Buch)
9783656695844
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270337
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Germanistik
Note
2,0
Schlagworte
didaktik kinder- jugendliteratur

Autor

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Titel: Didaktik der Kinder- und Jugendliteratur