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Existenzbeweis. Kann man beweisen, dass es Amerika wirklich gibt?

Essay 2011 5 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Kann man beweisen, dass es Amerika wirklich gibt?

Wenn man den Begriff „Amerika“ bei einer Online-Suchmaschine eingibt, dann wird als erstes die Flagge von den Vereinigten Staaten gezeigt. Weitere Suchergebnisse befassen sich erst mit der Tatsache, dass es sich bei Amerika um einen Kontinent, bestehend aus Nord-, Süd- und Mittelamerika handelt. Dies zeigt mir, dass die Klärung des Begriffs nicht einfach ist. Als erste Assoziation mit dem Wort haben viele Menschen tatsächlich die USA. Das liegt meines Erachtens daran, dass die Vereinigten Staaten viel mehr Einfluss auf uns haben als eine andere Nation und dass wir in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht in einer Art Abhängigkeitsverhältnis stehen. Doch ist das ein Grund zu behaupten, dass es Amerika wirklich gibt?

Viele Menschen aus meiner Umgebung waren schon in Amerika, doch ich leider noch nicht. Wenn ich davon ausgehe, dass sie die Wahrheit sprachen, als sie erzählten, dass sie da waren, ist schnell ein Beweis für die Existenz Amerikas gefunden. Überhaupt muss bei einer solchen Problematik die wahrheitsgetreue Inhaltsübermittlung von anderen Menschen und Medien hinterfragt werden. Denn das ist meine Grundlage, davon natürlicherweise auszugehen, dass es Amerika gibt. Ich habe schließlich schon davon gehört, mir viele Berichte angeschaut und erlebt, wie Amerikaner, zu Besuch in Deutschland, stolz von ihrer Heimat erzählten. Doch in der einführenden Philosophieveranstaltung wurde gesagt, dass man in der Philosophie nur wenig annehmen und voraussetzen darf. Das bedeutet, es muss erst bewiesen sein, dass meine Wahrnehmung nicht manipuliert wird und mein Wissen begründet ist. Doch kann man Wissen begründen? Was weiß ich wirklich sicher? Das Wissen um das Vorhandensein meiner Gedanken habe ich recht sicher, doch würde ich annehmen, dass dies das Einzige ist, was real ist und alle Anregungen meiner Überlegungen nicht wirklich existent sind, dann wäre alles um mich herum ein Traum. Nach René Descartes kommen alle Wahrnehmungen von unseren Sinnen, doch selbst Träume können sehr real sein und somit ist eine eindeutige Unterscheidung von Einbildung und Wirklichkeit nicht zuverlässig.1 Woher weiß ich also nun, dass meine Umwelt bzw., auf die Problematik bezogen, Amerika keine Fiktion ist, sondern wirklich existiert? Wenn ich behaupte, dass es eine Welt mit Amerika geben muss, weil ich sonst meine Erlebnisse und Erfahrungen damit gar nicht erklären kann, würde sich die Frage aufdrängen, wieso ich davon ausgehe, dass es für alle Dinge eine Erklärung geben muss. Nur weil ich etwas beobachten kann, muss es nicht existieren. Hier lässt sich eine Parallele zu Descartes finden. Träume kann ich auch beobachten und wahrnehmen, sie sind dennoch nicht real. So kann ich Amerika zwar ausmachen, indem ich davon höre und lese, habe aber dadurch keine Sicherheit, ob es wirklich vorhanden ist. Dies unterstützt auch ein anderer Lösungsansatz: Der Solipsismus. Diese philosophische Denkrichtung besagt, dass nur mein Bewusstsein existiert, andere Dinge in der Welt sind nicht vorhanden. Eine nicht ganz so radikale Ansicht vertritt der Skeptizismus. Dieser geht davon aus, dass es eine Außenwelt gibt, aber sicher ganz anders, als wir sie wahrnehmen oder als sie uns vorkommt.2 Nun ist immer noch nicht sicher, ob Amerika existieren kann oder nicht. Als Solipsistin müsste ich behaupten, dass der Kontinent gar nicht vorhanden sein kann, weil er außerhalb meines Bewusstseins ist und nichts kann außerhalb dessen existieren. Als Skeptikerin würde ich ruhigen Gewissens erklären, dass es Amerika geben könne, aber sicher nicht in der Gestalt, wie ich es mir vorstelle.

Doch wenn ich davon ausgehe, dass mein Bewusstsein existiert, soweit würde der Solipsismus mir noch zustimmen, dann kann ich doch schlussfolgernd auch davon ausgehen, dass die Dinge, die meine Gedanken überhaupt erst anregen, auch existieren. Sonst würde ich keine Überlegungen anstellen, ob es Amerika gibt, da ich ohne Anregung meines Bewusstseins nie etwas von Amerika gehört hätte. Die Beweise für oder gegen die Existenz Amerikas würden sich in meinen Gedanken durchspielen und dabei kann ich sogar nach Auffassung des Solipsismus annehmen, dass diese Gedankendurchläufe wirklich vorliegen und real sind. Daraus lässt sich ableiten, dass auch die Informationen, die meine Gedanken erst anstoßen, ebenfalls existieren. So sind aufgrund des Faktes, dass meine gegenwärtigen Überlegungen zu Amerika existent sind, auch die außerhalb meines Bewusstseins gelegenen Gedankenanstöße vorhanden- sprich: Amerika ist nicht frei erfunden.

Eine andere Argumentationsweise kann Immanuel Kant geben. Er bringt die Erkenntnis in Zusammenhang mit der Erfahrung. Da ich aus eigener Erfahrung nicht bestätigen kann, ob es den zu beweisenden Kontinent gibt, habe ich demnach auch keine Erkenntnis a posteriori. Dies besagt, dass Erfahrungen als Quelle für Erkenntnisse dienen. Aufgrund dessen, dass ich noch nicht in Amerika war, habe ich nicht die Sicherheit, dass es wirklich vorhanden ist. Das Gegenteil wäre die Erkenntnis a priori, wobei eine Einsicht ohne Erfahrung geschieht.3 Demzufolge kann es Amerika geben, obwohl ich es aus eigenen Erlebnissen nicht kenne. Für diese Theorie würde sich René Descartes entscheiden, da er „der Vernunft [den] Vorrang vor der Erfahrung“4 gewähren würde. Diese Gedankenrichtung nennt man Rationalismus. Erfahrung wird als individuelle, unvernünftige Wahrnehmung gewertet, die der Vernunft in Erkenntnisfragen nicht dienlich zu sein scheint. Gegenteiliges behauptet der Empirismus, der die Erfahrung als Ursprung für jede Erkenntnis sieht.5 Nun, aus rationalistischer Sicht, kann behauptet werden, dass Amerika existiert, da meine Vernunft sagt, dass weder Nachrichten, Freunde und Geschichte keine wahrheitsgetreue Inhaltsübermittlung vorbringen. Aus empiristischer Sicht kann dies aber auch stimmen, obwohl ich leibhaftig noch nie auf diesem Teil der Erde gewesen bin, da Erfahrungen nach meiner Interpretation nicht nur definiert werden durch das Anwesendsein in einer Situation bzw. durch das Miterleben verschiedener Erlebnisse. Erfahrungen können auch von anderen Menschen übernommen werden, bspw. der Fall eines Freundes, dass eine Verkäuferin in einem Geschäft sehr unhöflich gewesen war und man selbst den Laden von nun an auch meiden möchte, um Unfreundlichkeiten beim Einkaufen zu verhindern. Erfahrungen sind aber immer subjektiv geprägt, das heißt, dass eine Erkenntnis, beruhend auf einem Erlebnis, nicht immer objektiv der Realität entsprechen würde. Zum Beispiel ist die unhöfliche Verkäuferin zu mir besonders nett gewesen, was bedeuten würde, dass ich wieder in das Geschäft kommen würde. Erfahrungen betonen nur die individuelle Wahrnehmung der Welt durch eine einzelne Person und kaum eine verallgemeinerbare Aussage, die ohne wissenschaftliche Erkenntnis mögliche Kritik stand hielte. Somit kann ich die Aussage treffen, dass es Amerika geben kann, da es vernünftige Gründe, bspw. die geschichtsträchtige Entdeckung durch Kolumbus, außenpolitische Verhältnisse der Europäischen Union zu den USA und Nachrichtenberichte, gibt, die die Zweifel ausräumen, dieser Kontinent wäre nicht existent.

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Details

Seiten
5
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656616733
ISBN (Buch)
9783656616696
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270334
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Philosophisches Institut
Note
unbenotet
Schlagworte
existenzbeweis kann amerika

Autor

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