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Buchrezension: Thomas Nagel „Was bedeutet das alles? Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie“

Rezension / Literaturbericht 2011 7 Seiten

Philosophie - Sonstiges

Leseprobe

Universität Rostock

Philosophische Fakultät Institut für Philosophie

Tutorium: Disziplinen der Philosophie WS 2010/2011

Studentin: Uta Zimmermann Datum: 18.01.2011

Thomas Nagel: „Was bedeutet das alles? Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie“ Eine Buchrezension

Das Buch von Thomas Nagel „Was bedeutet das alles? Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie“ stellt acht philosophische Themen vor, indem Diskussionspunkte erarbeitet und die Meinung des Autors dargestellt werden. Es ist im Reclam-Verlag 1990 erstmalig in Deutschland erschienen, doch auf den Buchmarkt kam es 1987 durch die Oxford University Press. Es besteht aus 104 Seiten und ist für fast drei Euro in einer Buchhandlung erhältlich. Thomas Nagel ist ein angesehener Professor in New York für Philosophie und Recht. Seine Schwerpunkte sind u.a. die politische Philosophie und die Ethik. Er ist gegen reduktionistische Ansichten über das Bewusstsein und Vertreter des metaphysischen Realismus.

In der Einleitung wird deutlich, dass es ein Buch für Menschen ist, die sich erst seit Kurzem mit Philosophie beschäftigen. Es verlangt von den Lesern die Kraft, abstrakt denken zu können und ein Interesse an theoretischen Gedankengängen. Hauptanliegen soll es nach dem Autor sein, dass allgemeine Vorstellungen in Frage gestellt werden und die Leser bewusst erfahren, dass philosophische Themen im Alltag zu finden sein können. Philosophieren wird als ausprobieren, hinterfragen, erwägen wahrgenommen und will die Beziehung Mensch- Welt genauer untersuchen. Ziel ist es ebenfalls, die Leser für solche Fragestellungen zu sensibilisieren und einzuführen, ohne berühmte Philosophen zu zitieren, aber es wird vermerkt, dass das Buch kein Ersatz für andere Werke eben dieser darstellt.

In der ersten Problematik wird genauer untersucht, woher wir etwas wissen. Ausgangspunkt ist, dass wir uns nur über das Innerste unseres Bewusstseins sicher sein können und dass wir unser Wissen nur über unsere Erfahrung, Erlebnisse, Sinneseindrücke und Gefühle und

Gedanken erfahren. Falls man annähme, dass die Erlebnisse aber nur ein Traum seien, so wären alle Beweise dafür, dass es eine Welt außerhalb unseres Bewusstseins existiert, auch ein von träumerischer Natur. Es wird gesagt, dass uns Dinge nur innerlich erscheinen, aber ob sie dadurch glaubhaft werden, ist unklar. Diese Aussage wird erst deutlich, wenn man die Konsequenzen gedanklich durchspielt. Da jedes Beweismaterial für eine Außenwelt durch unser Bewusstsein muss, heißt das nicht, dass dieses Material auch wahr ist. Nach Auffassung des Solipsismus existiert nur mein eigenes Bewusstsein. Das bedeutet, dass alles um mich herum reine Fiktion ist und mein Dasein nicht von anderen Menschen mit eigenem Bewusstsein umsäumt ist. Dieser Vorstellung kann ich persönlich wenig abgewinnen, da ich davon ausgehen muss, dass nichts existiert und meine Wahrnehmung eine Lüge ist und die Welt, so wie ich sie kenne, so gar nicht da ist. Die Ansichten des Skeptizismus sind dagegen nachvollziehbarer. Es besagt zusammengefasst, dass wir allein mit dem Inneren unseres Bewusstseins die Welt nicht erklären können und dass die Ursache für unsere Erlebnisse ungeklärt bleiben.

Momentan ist in meinem Philosophietutorium zu „Disziplinen der Philosophie“ der Beweis zu finden, ob es Amerika wirklich gibt. Nun liefert das zu rezensierende Buch eine mögliche Beweisführung, indem gesagt wird, dass wir unsere Außenwelt nicht erklären können, da subjektive Erfahrungen und Erlebnisse nicht sicher mein Umfeld wiedergeben. Als Vertreter des Solipsismus könnte ich sogar so weit gehen, dass eine Außenwelt nicht existiert, da nur mein eigenes Bewusstsein da ist, und wenn ich Amerika nicht gesehen habe, ist es vielleicht auch gar nicht da. Die Frage bleibt also komplex: Woher wissen wir eigentlich etwas?

Ein weiteres philosophisches Themenfeld ist das Fremdpsychische. Thomas Nagel geht in diesem Kapitel weiter auf den Skeptizismus ein und fragt sich, woher ich weiß, wenn mein Freund ein Schokoladeneis isst, dass er das gleiche schmeckt wie ich? Wir müssen darauf vertrauen, dass Menschen die gleiche Geschmacks- und Farbzuordnung haben, und deswegen für alle das Schokoeis nahezu gleich schmeckt. Wenn mein Freund allerdings in eine Zitrone beißt und dabei das Gesicht verzieht, so gehe ich davon aus, dass es ein Ausdruck von der Wahrnehmung eines sauren Geschmacks auf der Zunge ist. Das bedeutet, dass es eine Verbindung zwischen Erlebnis (in eine Zitrone beißen) und der Reaktion darauf (Gesicht verziehen) gibt. Doch ein Baum kann sich bspw. nicht durch eine Reaktion äußern, wenn ihm jemand weh tut. Es ist einfach gesagt, dass er sich nicht bemerkbar machen kann, aber wir sehen keinen direkten Zusammenhang zwischen Erlebnis und eine externe Äußerung. Was kann man mehr wissen über das Leben eines anderen Menschen, als das Vorhandensein eines Bewusstseins aufgrund der Erfahrung, dass man ein eigenes hat? Ist es denn nicht möglich, dass es weit mehr oder weit niedriger bewusstes Leben gibt? Mit diesen Fragen endet das Kapitel und ein Plus an Wissenszuwachs habe ich nicht gewonnen. Jediglich meine Gedanken wurden in neue Richtungen gelenkt, doch eine Antwort auf die Fragen bekomme ich nicht mitgeliefert. Was Vertreter des Skeptizismus sich dachten, weiß ich nun, aber was es wirklich mit dem Bewusstsein eines anderen Menschen auf sich hat, bleibt unklar. Vielleich können wir darauf keine zufriedenstellende Antwort finden.

So wird eine Überleitung zum nächsten Kapitel gefunden, von dem Fremdpsychischen zu der eigenen Psyche. Vorausgesetzt wird bei dieser Thematik nur, dass Gehirn und Bewusstsein in einer Beziehung zueinander stehen und dass das Gehirn laut den Naturwissenschaften das Bewusstsein beeinflusst, doch was hat es mit dem Geist zu tun? Ist der Geist das Gehirn oder setzt er sich aus anderen Dingen zusammen? Interessant ist es, dass, wenn wir ein Schokoladeneis essen, der Geschmack bzw. die Empfindung nicht beobachtbar sind. Die Gehirnströme, die den Geschmack von der Zunge in das Verarbeitungsgebiet des Gehirns transportieren ja, aber die Empfindung an sich bleibt unentschlüsselt. Eine Erklärungsmöglichkeit bietet Thomas Nagel, indem er den Dualismus mit einbringt. Dieser geht davon aus, dass Körper und Geist den Menschen ausmachen, verbunden mit der Seele. Beide wirken aufgrund der Seele aufeinander ein, doch beide existieren parallel. So kann der Geist das Schokoeis schmecken, durch die Seele kann der Körper es auch geschmacklich mit der Zunge wahrnehmen. Doch eine weitere Theorie ist die des Physikalismus/Materialismus, die besagt, dass psychische Zustände physikalische Zustände im Gehirn sind und dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Natur des Geistes weiter erforscht und verstanden ist. Eines geht aus diesem Kapitel besonders vor, denn das Gehirn hat noch sein Geheimnis über sein Inneres behütet. Es besteht aus psychischen und physikalischen Aspekten. Diese komplexen Vernetzungen, Empfindungen und Gedankengänge können Tiere und Menschen haben, aber wer will sagen, wo und bei wem das endet?

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Details

Seiten
7
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656616658
ISBN (Buch)
9783656616627
Dateigröße
610 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270331
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Philosophisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
buchrezension thomas nagel eine einführung philosophie

Autor

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