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Demografischer Wandel: Gesellschaftliche Herausforderungen und Aufgaben für die Gesundheitswissenschaften

Essay 2013 7 Seiten

Gesundheit - Sonstiges

Leseprobe

Einleitung

„Wir werden weniger, älter und bunter.“ (Beutel, 2004) - ein Zitat, welches unsere heutigen gesellschaftlichen Veränderungen prägnant beschreibt. Der demografische Wandel ist in unserer modernen Gesellschaft ein allgegenwertiges Thema. Durch ihn entstehen in den westlichen Industrienationen, insbesondere in Europa, drei charak- teristische Veränderungen der Bevölkerungsstrukturen: Ein Rückgang der Bevölke- rung, eine anhaltende Alterung der Bevölkerung und die Internationalisierung der Bevölkerung (Maretzke / Schlömer, 2007, S. 7). Zu unterscheiden ist hierbei, dass es neben der Einwanderung aus anderen Ländern, der sogenannten Außenwanderung, auch Zu - und Abwanderungen innerhalb verschiedener Gebiete des eigenen Lan- des, die sogenannte Binnenwanderung, gibt (Birg, 2004, S. 4). In folgendem Essay möchte ich mich auf die gesellschaftlichen Herausforderungen, welche der demogra- fische Wandel mit sich bringt, beziehen. Als Hauptmerkmal möchte ich hierbei auf die alternde Gesellschaft in Deutschland eingehen.

Hauptteil

Den Begriff „Demografie“ haben sicherlich die meisten von uns schon einmal gehört. Doch was bedeutet er eigentlich? Er kommt aus dem Griechischen und leitet sich von den Begriffen „įήμος“ (démos) = Volk und „γραφή“ (graphé) = Schrift, Beschrei- bung ab (Pschyrembel, 2007, S. 404). Demografie bedeutet somit übersetzt „Bevöl- kerungsbeschreibung“ im Deutschen. Die Bevölkerung an sich ist nicht alleine eine reine Menschenansammlung; zu ihr zählen auch Merkmale wie Wohnsitz oder Ar- beitsstätte. Aber auch ökologische und kulturelle Beziehungen spielen hierbei eine Rolle. (Birg, 2011, S. 4).

Durch eine alternde und gleichzeitig schrumpfende Bevölkerung ergeben sich, be- sonders in Pflege und Medizin, neue Herausforderungen: Es bedarf Fachkräfte, wel- che sich den Belangen der hochbetagten annehmen. Doch durch niedrige Geburten- raten fehlt es an Nachwuchs in den Pflegeberufen, man spricht hier auch von einem „Pflegenotstand“ (Joost, 2010, S. 3). Das schlägt sich neben den fehlenden Fachkräf- ten in der Pflege auch in den Kosten für einen Pflegeheimplatz nieder: Im Jahr 2011 schlugen die monatlichen Kosten für einen Pflegeheimplatz (Pflegestufe I) mit 2.500 € zu Buche, wovon die Pflegeversicherung 1.023 € übernimmt und sich somit eine Finanzierungslücke von 1.477 € ergibt (Statistisches Bundesamt, 2011). Durch den weiteren medizinischen Fortschritt kann, neben dem genannten Fachkräftemangel, auch ein Mangel an FachärztInnen beobachtet werden, wenngleich die Zahl der niedergelassenen Ärzte steigt (Bundesärztekammer, 2009, S. 16). Dies kann dazu führen, dass die alternde Bevölkerung, insbesondere in ländlichen Gegenden, einen erschwerten Zugang zu ärztlicher Versorgung hat.

Allerdings werden durch Politiker erste Gegenmaßnahmen ergriffen: So werden bei- spielsweise FachärztInnen aus dem Ausland nach Deutschland geholt. Hierdurch ergibt sich allerdings als weiteres Problem, dass sehr viele dieser ÄrztInnen massive Sprachprobleme haben, die eine angemessene Kommunikation mit den PatientInnen erschwert oder ganz verhindert (Spiegelonline, 2012). Auch für unsere anderen Si- cherungssysteme ergeben sich neue Herausforderungen: Durch den stetig steigen- den Anteil der RentenbezieherInnen und den stetig sinkenden ArbeitnehmerInnen wird es schwieriger, alle RentnerInnen zu versorgen, ohne den ArbeitnehmerInnen immer weiter steigende Kosten zuzumuten. Das „Umlageverfahren“ in der Pflege- und Rentenversicherung stellt sich hierbei als nicht „Demografiefest“ heraus. Somit muss in den nächsten Jahren an dieser Stelle ein großer Umbruch stattfinden, da kein ausreichendes „Beitrags-Leistungs-Verhältnis“ zwischen Ein- und Ausgaben in der Pflege- und Rentenversicherung mehr bestehen kann (Lueg/ Ruprecht/ Wolgast, 2003, S. 3f). Positiv kann an dieser Stelle angemerkt werden, dass wir über ein gutes Gesundheitssystem und über sehr gute Lebensbedingungen verfügen, was als ein Hauptgrund für unsere alternde Gesellschaft gesehen werden kann (BMG, 2013). Allerdings zeigen empirische Daten auf, dass es einen starken Zusammenhang zwi- schen der Entwicklung eines Landes und der Geburtenrate gibt: War das reale Pro- Kopf-Einkommen in Deutschland um 1960 halb so hoch wie zum Ende des 20. Jahr- hunderts, so betrug die Geburtenrate pro Frau statistisch 2,5, was einen in etwa dop- pelt so hohem Niveau wie heute entspricht. Ähnliche Ergebnisse liegen aus den USA, Japan und anderen westeuropäischen Staaten vor (Birg, 2011, S. 12). Durch den dadurch zu erwartenden Bevölkerungsrückgang bis zum Jahr 2060 von aktuell ca. 82 Millionen auf dann nur noch geschätzte 77 Millionen Menschen wird deutlich, dass Deutschland, obwohl ein Einwanderungsland, durch die negative Geburtenrate den demografischen Wandel nicht unterbinden kann. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Zahl der aus dem Ausland einwandernden Menschen ebenfalls sinken wird. Andererseits haben Familien mit Migrationshintergrund eine statistisch höhere Geburtenrate und somit wird die Population einen größeren Anteil an Migran- tInnen aufweisen, was unsere Gesamtbevölkerung „bunter“ werden lässt (Löffelholz, 2011). An dieser Stelle ist weiter anzumerken, dass es natürlich nicht nur MigrantIn- nen gibt, sondern dass jährlich ungefähr 670.000 Menschen in das Ausland emigrie- ren. Das ergibt einen Wanderungssaldo von 100.000 - 300.000 Menschen pro Jahr (Birg, 2011, S. 16f).

Für GesundheitswissenschaftlerInnen sehen diese massiven Veränderungen neue und komplexe Aufgaben vor. Durch den hohen Anteil von alten Menschen in der Ge- sellschaft ist mit einem massiven Anstieg von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus und Rheuma zu rechnen. Allerdings werden auch pflegeintensive Erkran- kungen wie Demenz in der Zukunft weiter zunehmen (Geisteswissenschaften im Ge- spräch, 2011, S. 11). Es ist wichtig, dass hier durch weitere Forschungsansätze, be- sonders im Bereich der Epidemiologie und der Prävention, angesetzt wird. Auch werden durch die steigende Zahl der pflegebedürftigen Menschen die Kosten im Ge- sundheitssystem stetig steigen. Bereits heute gibt es, wie oben beschrieben, massive Probleme bei der Finanzierung von Pflegeheimplätzen. Diese Finanzierungslücke wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten massiv steigen und es müssen Lö- sungsansätze gefunden werden, um diese Lücken bei der Finanzierung langfristig zu schließen.

Bevölkerungsprognosen für das Jahr 2060 zeigen auf, dass der Anteil von Menschen mit deutschem Pass in den neuen Bundesländern von 15,0 Millionen auf geschätzte 7,9 Millionen Menschen sinken wird. In den alten Bundesländern hingegen wird die Bevölkerung voraussichtlich von aktuell 59,6 Millionen auf geschätzte 33,8 Millionen Menschen sinken. Dem gegenüber steht eine weiter steigende Lebenserwartung: Männer erreichen demnach voraussichtlich ein Alter von 85,0 Jahren im Durchschnitt [heute: 77,3 Jahre] und Frauen ein Alter von durchschnittlich 89,2 Jahren [heute: 82,5 Jahre] (Birg, 2011, S. 22f).

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Details

Seiten
7
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656616955
ISBN (Buch)
9783656616948
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270239
Institution / Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Note
1,7
Schlagworte
Alternde Gesellschaft Anthropologie demografischer Wandel

Autor

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Titel: Demografischer Wandel: Gesellschaftliche Herausforderungen und Aufgaben für die Gesundheitswissenschaften