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Wege in die Sucht

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 17 Seiten

Pädagogik - Hochschulwesen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was versteht man unter „Sucht“?
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Abgrenzung der Begriffe „Sucht“ und „Abhängigkeit“
2.3 Suchtformen
2.3.1 Stoffgebundene Sucht
2.3.2 Stoff un gebundene Sucht

3 Illegale Drogen als Suchtmittel und ihre Wirkungsweisen

4 Wege in die Sucht
4.1 Phasen der Sucht
4.2 Theorien zur Erklärung von Suchtverhalten
4.2.1 Psychoanalytisch orientierter Ansatz
4.2.2 Lern- und sozialisationstheoretische Modelle
4.2.3 Das biopsychosoziale Modell

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

7 Quellenverzeichnis

8 Anhang

1 Einleitung

Auch heutzutage ist Sucht ein allgegenwärtiges Thema in unserer Gesellschaft, wobei die Suchtproblematik in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt ist. Häufig berichten die Medien über neu auftretende Süchte und warnen gleichzeitig vor den unterschiedlichsten Formen des Suchtverhaltens wie z.B.: Arbeitssucht, Spielsucht, Magersucht etc. So gibt es fast keine einzige Familie, „die nicht in irgendeiner Weise direkt oder indirekt mit dem Thema Sucht berührt ist.“ [1] Fast jeder kennt jemanden der auch von einer Sucht betroffen ist. Folglich scheint unsere Gesellschaft, in einem Zeitalter der Individualisierung und Pluralisierung, die der Süchtigen zu sein. Ein nicht unbeachtlicher Teil unserer Gesellschaft konsumiert nach repräsentativen Studien legale und illegale Drogen. Im Drogen- und Suchtbericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung heißt es, rund „600.000 Menschen weisen einen problematischen Cannabiskonsum auf, ein problematischer Konsum von anderen illegalen Drogen liegt bei 200.000 Menschen vor und gut 500.000 Menschen weisen ein problematisches oder sogar pathologisches Glücksspielverhalten auf (...).“ [2]

Auf Grund dieser Tatsache, soll in der folgenden Arbeit aufgezeigt werden, welche Ursachen und Erklärungsansätze für die Entstehung einer Sucht maßgeblich sind und welche Faktoren eine Erkrankung in diesem Kontext begünstigen (können). Bevor jedoch der Fokus der Arbeit auf die Entwicklung und die Gründe einer Sucht gelegt wird, erfolgt zunächst eine Begriffsbestimmung, bei der der Versuch unternommen werden soll, die beiden zentralen Begriffe „Sucht“ und „Abhängigkeit“ voneinander abzugrenzen.

Da eine umfassende Darstellung aller Suchtformen im Rahmen dieser Arbeit nicht geleistet werden kann, beschränkt sich die vorliegende Arbeit auf die stoffgebundenen Süchte am Beispiel illegaler Drogen, an denen exemplarisch Symptome und Wirkungsweisen aufgedeckt werden sollen.

Den Abschluss der Arbeit bildet schließlich das Fazit, in welchem noch einmal die Kernaspekte einer Suchtentwicklung zusammengefasst und insbesondere Schwierigkeiten bei dem Erfassen des Begriffs Sucht herausgearbeitet werden sollen.

2 Was versteht man unter Sucht?

„Sucht hat viele Gesichter!“ [3] Dieser Aussage steht in der Realität wohl nichts entgegen. Daher soll im folgenden Abschnitt die Frage geklärt werden, wie diese Gesichter aussehen und was man letzten Endes unter dem Begriff Sucht „wirklich“ versteht.

2.1 Begriffsbestimmung

Auch wenn jeder eine Vorstellung davon hat, was unter dem Wort Sucht zu verstehen ist, existiert in der Literatur derzeit keine allgemeingültige, einheitliche Definition des Begriffs Sucht. Vielmehr existieren multiple Definitionsansätze. So weist allein der Duden drei verschiedene Bedeutungen für das Wort Sucht aus. Nach diesem ist Sucht 1. eine krankhafte Abhängigkeit von einem bestimmten Rausch- und Genussmittel, 2. ein übersteigertes Verlangen nach etwas, wobei dieses „etwas“ auch eine Handlung sein kann, 3. ein Begriff für Krankheit (was der Duden als veraltete Bezeichnung gekennzeichnet ).[4]

Die Schwierigkeit einer einheitlichen Definition zeigt sich schon in der geschichtlichen Entstehung des Begriffs Sucht. Nicht selten glaubte man irrtümlich, dass das Wort Sucht vom Verb „suchen“ abstammt, auf Grund dessen, dass Süchtige immer auf der Suche nach einer Droge oder nach einem bestimmten Gefühl sind. Doch etymologisch stammt der Begriff Sucht vom alt- bzw. mittelhochdeutschen Wort „suht“ bzw. „siech“ ab und bedeutet Krankheit. Somit bezeichnete der Begriff Sucht bis zum 16. Jahrhundert jede körperliche und nicht auf äußere Verletzungen und Unfällen beruhende Krankheit – ausgenommen der Sucht selbst, da ein Krankheitsbild der Drogenabhängigkeit zu dieser Zeit nicht existierte.[5] Ab dem 16. Jahrhundert wurde das aus dem Gotischen stammende Wort Sucht durch das Wort „Krankheit“ ersetzt. Von Sucht sprach man zu dieser Zeit nur, wenn man damit ein Laster, einen extrem übersteigerten Hang oder eine den ganzen Menschen dominierende destruktive Tendenz meinte. Erst im 19. Jahrhundert kam es zum erneuten Bedeutungswandel des Wortes Sucht. „Sucht“ wurde zu einem medizinischen Fachbegriff, der „ für alle Arten von Hörigkeit gegenüber körperlicher und /oder seelisch abhängig machenden Substanzen“[6] stand. Da immer mehr Wirkstoffe von Chemikern und Pharmakologen erfunden bzw. entdeckt und somit auch immer mehr Süchte von Ärzten beschrieben wurden, sollte der Suchtbegriff um 1950 nicht mehr ursprünglich die generelle Bezeichnung für Krankheit sein, sondern nur noch eine einzige und ganz spezielle Krankheit beschreiben, nämlich die der Drogen- bzw. Rauschgiftsucht. Folglich definierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in diesem Jahr den Begriff Sucht als ein Verhalten, „das durch wiederkehrende chronische Vergiftungen durch bestimmte auf das zentrale Nervensystem wirkende Stoffe gekennzeichnet ist.“[7] Ihre Charakteristika sind 1. ein unbezwingbares Verlangen oder Bedürfnis (Zwang), den Drogengebrauch fortzusetzen und sich diese Droge zu beschaffen; 2. eine Tendenz zur Dosissteigerung; 3. Eine psychische und teilweise auch physische Abhängigkeit von den Drogenwirkungen und 4. eine Schädlichkeit für den Einzelnen und/oder die Gesellschaft.[8]

Jedoch kam es, aufgrund dieser pharmakologisch dominierenden Sichtweise von Sucht, häufig zu Irritationen oder Widersprüchen zwischen wissenschaftlichen Befunden und den politischen Vorgaben. Da selbst die WHO sich bei der Auseinandersetzung mit dem Definitionsproblem nicht einigen konnte, beschloss sie 1964 ganz auf den Suchtbegriff zu verzichten und diesen durch den Begriff „Abhängigkeit“ (drug dependence) zu ersetzten.[9] Demnach ist der Suchtbegriff heutzutage nicht mehr medizinisch und auf Substanzen fixiert, sondern kann vielmehr metaphorisch gebraucht und verstanden werden.

Auch wenn der Begriff Sucht in der heutigen wissenschaftlichen Terminologie nicht mehr angewandt wird, trifft man ihn in der Literatur noch an. Dabei ist wissenswert, dass Sucht auf Anteile des Verhaltens und Erlebens hinweist, die über das hinausgehen, was wir mit Abhängigkeit verbinden. Denn „abhängig sind wir von etwas, süchtig sind wir nach oder auf etwas.“ [10]

[...]


[1] Kuntz, H. (2011): Drogen & Sucht. Ein Handbuch über alles was Sie wissen müssen. 2.Auflage, Weinheim und Basel, Beltz Verlag, S.17.

[2] Bundesministerium für Gesundheit, abrufbar unter: http://www.bmg.bund.de/praevention/gesundheitsgefahren/sucht-und-drogen.html.

[3] Kunz, H. (2009): Der rote Faden in die Sucht. Abhängigkeit überwinden und verstehen., 4. erweiterte Auflage, Weinheim und Basel, Beltz Verlag, S.11.

[4] Vgl.: Bibliographisches Institut GmbH, abrufbar unter: http://www.duden.de/rechtschreibung/Sucht.

[5] Vgl.: Scheerer, S. (1995): Rororo Special: Sucht. Hamburg, Rowohlt Taschenbuch Verlag, S.9f.

[6] Scheerer, S. (1995), S.12.

[7] Kraheck-Brägelmann, S.; Pahlke, Ch. (1997), Betreuungskonzepte für die Polizei. Streß-Alltag-Sucht: Hilfen für die Helfer. Hilden, Verlag Deutscher Polizeiliteratur, S.92.

[8] Vgl.: Oppmann, A. (2000): Gesellschaftlicher Umgang mit Sucht am Beispiel drogenabhängiger Frauen im Strafvollzug. In: Studien zur qualitativen Drogenforschung und akzeptierenden Drogenarbeit. Band 25, Berlin, Verlag für Wissenschaft und Bildung, S.17.

[9] Vgl.: Scheerer, S. (1995), S.13f.

[10] Schneider, R. (2001): De Suchtfibel. Informationen zur Abhängigkeit von Alkohol und Medikamenten. 4. Auflage, Baltmannsweiler, Schneider Verlag, S.11.

Details

Seiten
17
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656612216
ISBN (Buch)
9783656612209
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270014
Institution / Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Gelsenkirchen
Note
1.0
Schlagworte
Sucht Abhängigkeit illegale Drogen Phasen der Sucht Suchtformen Das biopsychosoziale Modell Psychoanalytisch orientierter Erklärungsansatz Lern- und sozialisationstheoretische Modelle Stoffgebundene Sucht Stoffungebundene Sucht

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