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Analyse von Wolfgang Borcherts Kurzgeschichte "Die Küchenuhr"

Hausarbeit 2009 15 Seiten

Germanistik - Gattungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhaltsangabe

3. Einordnung in die Gattung „Kurzgeschichte“
3.1. Theoretische Grundlagen zur Kurzgeschichte
3.2. „Die Küchenuhr“ - eine prototypische Kurzgeschichte?

4. Interpretation

5. Kahlschlag-Literatur (1945-1950)

6. Autobiographische Einflüsse

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

Wir leben im Deutschland des 21. Jahrhunderts, in demokratischen und sicheren Verhältnissen. Dass dieser Wohlstand noch vor nicht einmal einem Jahrhundert keinesfalls Alltag war, darf nicht in Vergessenheit geraten. Das 20. Jahrhundert brachte zwei Weltkriege über unser Land und diese hatten verheerende Folgen für die Generationen vor uns. Der Zweite Weltkrieg gab für eine Reihe junger Autoren Anlass, sich durch Literatur ein Sprachrohr zu verschaffen, die Erlebnisse zu verarbeiten. So schrieb der junge Wolfgang Borchert neben vielen anderen Kurzgeschichten „Die Küchenuhr“, welche in vorliegender Arbeit als eine Art Paradebeispiel dieser Literatur untersucht werden soll.

Um den ästhetischen Ansprüchen der 1947 im Rahmen der Erzählsammlung „An diesem Dienstag“ im Hamburger Rowohlt Verlag veröffentlichten Kurzgeschichte „Die Küchenuhr“ von Wolfgang Borchert gerecht werden zu können, ist es zunächst notwendig nach einer knappen Inhaltsangabe Merkmale der Kurzgeschichte anhand des vorliegenden Textes zu bestimmen.

Nachdem der Text als Kurzgeschichte identifiziert und begründet wird, soll diese Arbeit eine ausführliche Interpretation der Kurzgeschichte leisten.

Besonderes Augenmerk soll ferner auf der Einordnung in den zeithistorischen Kontext liegen. Des Weiteren sollen auch im Hinblick auf die zu analysierende Kurzgeschichte Bezüge zum Autor und zu seinem gesamten literarischen Werk hergestellt werden.

2. Inhaltsangabe

In der Kurzgeschichte geht es um einen zwanzigjährigen Mann, der sich zu einem Mann und einer Frau auf eine Bank setzt. Der junge Mann, welcher die Hauptfigur ist, zeigt den Fremden eine defekte Küchenuhr und erzählt, dass diese übrig geblieben sei. Das Besondere an der Uhr für ihn ist, dass sie um halb drei stehen geblieben ist. Aber entgegen der Vermutung seiner Gesprächspartner besteht er darauf, dass der Grund dafür nicht ein Bombenangriff sei. Diese spezielle Uhrzeit sei jener Zeitpunkt gewesen, zu dem er stets in der Nacht nach Hause gekommen ist. Seine Mutter gesellte sich dann tagtäglich zu ihm in die Küche und bereitete im das Abendbrot.

Seine Familie hat der junge Mann im Krieg verloren. Die Küchenuhr ist das Einzige, was ihm nun noch geblieben ist. Die beschriebene Alltagssituation die mit ihr in Verbindung steht, erscheint ihm heute als das Paradies. Schließlich sagt der Mann nichts mehr, woraufhin der Mann neben ihm auf seine Schuhe starrt und immer an das Wort "Paradies" denken muss.

3. Einordnung in die Gattung „Kurzgeschichte“

3.1. Theoretische Grundlagen zur Kurzgeschichte

Die Kurzgeschichte ist ein relativ einfach strukturierter Prosatext von mehr oder weniger geringem Umfang. Meist ist ein spezifischer „Erzählton“ gegeben. Im Gegensatz zur Novelle, zum quantitativ umfangreicheren Roman oder anderen Prosagattungen ist die Kurzgeschichte meist „auf ein zentrales Thema, eine These oder einen Effekt hin konstruiert“[1].

Die Bezeichnung „Kurzgeschichte“ ist der amerikanischen Short Story entlehnt, wobei sie aber mit dieser nicht deckungsgleich ist. Eine ganz klare Abgrenzung zwischen Kurzgeschichte und anderen Erzählgattungen vorzunehmen, ist nicht möglich. Diese beiden Prosatypen gehen ineinander über. Oft wird ausschließlich das Kriterium der Länge zur Unterscheidung verwendet. Jedoch gibt es eine Reihe anderer Kriterien, die der Differenzierung gegenüber anderen Gattungen dienen und die im Folgenden am Beispiel der gewählten Kurzgeschichte Borcherts beschrieben werden sollen.

3.2. „Die Küchenuhr“ - eine prototypische Kurzgeschichte?

Beschäftigt man sich mit der Entwicklung der deutschen Kurzgeschichte im 20. Jahrhundert, so wird schnell offensichtlich, dass „Die Küchenuhr“ in die Entwicklungsanfänge einzuordnen ist, demnach in die Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Wichtigster thematischer Aspekt dieser ersten Generation deutscher Kurzgeschichtenautoren, zu denen unter anderem auch Heinrich Böll oder Wolfdietrich Schnurre gehören, ist „die Aufarbeitung der Vergangenheit“[2].

Das Genre der Kurzgeschichte ist ein sehr junges und zugleich modernes. In der Literaturwissenschaft gibt es vor allem bei der Frage „Was macht eine Kurzgeschichte zu einer Kurzgeschichte?“ verschiedene Auffassungen. Manfred Durzak stellte zur Bestimmung eine Reihe von Kriterien zusammen. Neben dem unmittelbaren Bezug dieser Gattung zur Nachkriegsliteratur, welcher hier schon dargestellt wurde, zählen die verwendete gesprochene Kommunikationssprache, die Ungebundenheit an eine spezielle Lesergruppe, der Wirklichkeitsbezug, die sprachliche Konzentration, die Zentralisierung auf einen bestimmten Zeitpunkt und die Zielorientiertheit in der Erzählstruktur.[3]

Der vorliegende Text weist diese typischen Merkmale einer Kurzgeschichte auf. Schon der geringe Umfang von ca. 930 Wörtern sticht hervor.

Der Text ist weitestgehend straff komponiert, indem die Handlung sich überwiegend durch einen Dialog darbietet. Der Leser erhält so in verdichteter Art und Weise das Minimum an nötigen Informationen, um dem Ablauf folgen zu können. Es wird auf Details wie beispielsweise eine Beschreibung der anderen Figuren verzichtet.

„Sie sahen ihn schon von weitem auf sich zukommen“(Z.1)[4], so unvermittelt beginnt der Text. Der Leser kommt sofort „in medias res“[5], weiß weder, wer „er“ noch wer „sie“ ist. Die Personen bekommen auch später keine Namen, sie bleiben anonym. Auch das Ende erscheint abrupt und offen. Der Leser erfährt nicht, wie das Leben der Personen nach diesem Augenblick weitergeht. Es handelt sich also um ein „Stück herausgerissenes Leben“[6] wie Wolfdietrich Schnurre den Fragmentalcharakter von Kurzgeschichten im Allgemeinen beschrieb.

[...]


[1] http://www.wissens-center.de/cps/rde/xchg/SID-569E7BB1

3B755FF7/wic/hs.xsl/SL271716.html

[2] Schweikle, Irmgard und Günther (Hrsg.): Metzler Literatur Lexikon - Begriffe und Definitionen. 2.Aufl. Stuttgart: Metzler (1990), S.257

[3] Durzak, Manfred: Durzak, Manfred: Die Kunst der Kurzgeschichte. München: UTB W.Fink (1989)

[4] Borchert, Wolfgang: Die Küchenuhr. In: Ulshöfer Robert (Hrsg.): 2 Literatur und Gesellschaft. Hannover: Schroedel Schulbuchverlag GmbH (1990); S.23f.

Im Folgenden zitiere ich im Text mit Zeilenzahl.

[5] Marx, Leonie: Die deutsche Kurzgeschichte. 3. Aufl. Stuttgart: Metzler (1997); S. 69

[6] zitiert nach: Meid, Volker: Sachwörterbuch zur deutschen Literatur . Stuttgart: Reclam (1999)

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656612421
ISBN (Buch)
9783656612414
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269967
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Germanistik
Note
2,0
Schlagworte
analyse wolfgang borcherts kurzgeschichte küchenuhr

Autor

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Titel: Analyse von Wolfgang Borcherts Kurzgeschichte "Die Küchenuhr"