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Zeitgenössische Kritik am Papsttum in Avignon

Ein Überblick

Hausarbeit 2010 17 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsstand

3. Das Papsttum in Avignon- Ein chronologischer Überblick

4. Das avignonesische Papsttum/ Exil im Spiegel der zeitgenössischen Kritik

5. Francescos Petrarcas Kritik am Papsttum in Avignon

6. Kritisches Bewusstsein entsteht- Eine Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema „Mittelalter“ ist in jeder Hinsicht in Mode gekommen. Zu einem dieser noch lange nicht erschöpften Themen der Geschichtsforschung zählt die Frage nach dem Papsttum in Avignon in der Historiographie des Mittelalters. Die Stellung des Papstes in der Kirche ist nicht erst in heutiger Zeit heftig umstritten und fragwürdig und wirft viele Fragen auf. Doch bereits damals entstanden im Mittelalter heftige Gegenbewegungen gegen die Kurie.

Hauptbestandteil der vorliegenden Arbeit ist das avignonesische Papsttum im Spiegel der zeitgenössischen Kritik, der unter Gliederungspunkt vier herausgearbeitet wird. Das Papsttum in Avignon- Ein chronlogischer Überblick möchte unter Punkt drei in die grundlegende Thematik einführen und grundlegende Strukturen erklären. Anhand von Francesco Petraca „ liber sine nomine“ als Paradebeispiel zeitgenössischer Kritik am Papsttum in Avignon, möchte Punkt fünf einen Einstieg für die Rechtfertigung der Kritik anhand von Originalquellen liefern. Die Quellen sind in der vorliegenden Arbeit lateinisch angegeben. Eine adäquate Übersetzung finden sie in Piur, P.: Petrarcas „ Buch ohne Namen“ und die päpstliche Kurie, Haale 1925. Der abschließende und letzte Punkt sechs-„Ein kritisches Bewusstsein entsteht- Eine Zusammenfassung“ möchte aufzeigen, welche Konsequenzen die antikurialen Strömungen im Spätmittelalter auf die Bevölkerung und die nachfolgenden Generationen und deren Denkweise hatten.

2. Forschungsstand

Das Papsttum in Avignon ist fester Bestandteil des Spätmittelalters und ist in allen denkbaren Publikationen zu finden, die sich mit Kirchengeschichte und Papstgeschichte und darüber hinaus beschäftigen.

In Bezug auf den inhaltlichen Forschungsstand lässt sich sagen, dass wenig Widersprüche zu finden sind und das avignonesische Papsttum größtenteils negativ beurteilt wird. So ist sich die Vielzahl der Geschichtswissenschaftler über das schlechte Image des Papsttums in Avignon einig. Wie bei vielen wortgewandten Zeitgenossen hat das „ Babylonische Exil“ der Päpste in der Geschichtsschreibung lange Zeit eine ähnliche ungünstige Beurteilung erfahren. Einen guten Einstieg liefert Bernhard Schimmelpfennig: Das Papsttum- Von der Antike bis zur Renaissance, Darmstadt 2009. Außerdem sind alle aktuellen Publikationen, die sich mit Kirchengeschichte beschäftigen sehr hilfreich. Unter anderem August Franzen: Kleine Kirchengeschichte , Freiburg im Breisgau 2008 oder Manfred Eder, Kirchengeschichte- 2000 Jahre im Überblick, Düsseldorf 2008.

3. Das Papsttum in Avignon - Ein chronologischer Überblick

Nachdem sich die Kurie schleichend immer mehr von Rom loslöste, begann das Papsttum Schritt für Schritt sich in Avignon niederzulassen.

Was hatte Avignon, was Rom nicht hatte? Zum einen waren Avignon keine Adelsfraktionen feindlich gegenüber gestellt. Ein weiterer Vorteil Avignons gegenüber Rom war dessen gute verkehrstechnisch besser gelegene Lage. Avignon liegt damals wie heute an der Rhone, welche im Mittelalter als eine der bedeutendsten Nord- Süd- Verbindungen galt. Für Avignon hat sich auch zum ersten mal die Chance entwickelt eine effektive und lokal konstante Verwaltung aufzubauen. Diese Verwaltung war in Rom nicht wirklich möglich gewesen, da sich die Päpste seit dem Investiturstreit häufiger außerhalb Roms aufhalten mussten, was den Aufbau einer kontinuierlichen Verwaltung erheblich erschwert und behindert hatte.1

Das Attentat von Anagani auf Bonafatius VIII. war mit einem einhergehenden starken französischen Einfluss auf das Papsttum verbunden. Unter Druck der französischen Krone wurden immer mehr Franzosen in das Kardinalskollegium aufgenommen. Demnach war es nicht anders zu erwarten, dass die nachfolgenden Päpste ebenfalls Franzosen waren. Im Jahr 1309 begann Clemens V. (1305- 1314) in Avignon zu residieren. Auch die nachfolgenden Päpste sollten dort ihre Residenz aufschlagen2 Die Wahl war eine der folgenschwersten in der Geschichte des Papsttums. Sie hatte das Avignoner Exil der Päpste und auch das Große Abendländische Schisma zur Folge. Daher ist es nicht anders zu erwarten, Die Wahl Clemens V. spielt bei den Geschichtsschreibern immer wieder eine große Rolle. Problematisch an der Regierungszeit Clemens war, dass er zu kräftig Nepotismus betrieben hatte. Das Kardinalskollegium bestand plötzlich fast nur noch aus seinen Verwandten und Landsleuten, die stark vom französischen König beeinflusst und manipuliert waren. So kam es schließlich auch zu dem Ergebnis, dass sich nach dem Tode Clemens V. die italienischen Kardinäle deutlich in der Minderheit fühlten.3

Mit Clemens V. beginnt das sogenannte Babylonische Exil der Päpste, wie ihre siebzigjährige Abwesenheit bereits von den Zeitgenossen genannt wurde. Der französische König konnte seinen Druck auf die Päpste immer mehr ausbauen und trieb sie in eine immer größere Abhängigkeit.4 Der Höhepunkt französischer Einflussnahme auf die päpstliche Politik gegenüber dem Reich wurde unter Johannes XXII. ( 1316-1334) erreicht. Im Jahr 1323 hat Johannes XXII grundlos den Kaiser Ludwig den Bayern ( 1314-1347) von seinem Amt entlassen und stellte sich feindlich zu ihm. Johannes hatte schon längst keine große Ideen mehr im Auge, sondern dachte vorwiegend nur noch an politische Ziele.5 Die Maßnahmen Johannes XXII. gegen König Ludwig den Bayern gingen immer weiter. Johannes XXII. ging soweit, dass er über die Anhänger Ludwigs Bann und Interdikt aussprach und Ludwig nicht befähigte den deutschen Thron zu besteigen. Am 20. Dezember 1334 wurde der Kardinal Jacques Fournier, Benedikt XII. zu seinem Nachfolger (1334-1342) gewählt. Benedikt XII. verfolgte mehrere Ziele. Er wollte die Missstände im Stellenbesetzungs- und Steuerwesen abschaffen, die Kurie reformieren, die Residenzpflicht einschärfen und die Orden erneuern.6 Clemens VI. konnte auf der erfolgreichen Arbeit Benedikts aufbauen. Eine römische Gesandtschaft erschien zu Beginn seines Pontifikats in Avignon, die ihn zum Senator von Rom proklamierte und ihn bat, nach Rom zurückzukehren. Doch leider konnte Clemens VI. nicht mehr nach Rom zurückkehren, da er gestorben war. Daraufhin zog am 16. Oktober 1367 Urban V. als Papst in Rom ein. Urban V. verfolgte mehrere Ziele. Er ließ alle großen Kirchen restaurieren und erweiterte nach avignonesischem Vorbild den Palast St. Peter. Durch ständige Unruhen gestört musste Urban V. 1368 Rom verlassen. Sein Nachfolger Gregor XI. plante die erneute Rückkehr nach Rom. Im Jahr 1377 fand der Papst den ganzen Kirchenstaat in Aufruhr auf. Da jedoch allen aus geschäftlichen Interessen an einer Versöhnung gelegen war, fand im Februar 1378 ein Kongreß in Sarzana statt, auf dem der Friede wiederhergestellt werden sollte. Diese Verhandlungen kamen nie zu einem Ende. Gregor starb am 27. März in Rom.7 Das Ansehen des Papsttums wurde durch das Avignonesische Exil erheblich erschüttert. Das Vertrauen an das Papsttum ging kaputt und immer mehr Krisen entstanden. Das Abendländische Schisma (1378-1417) und die Epoche des Konziliarismus sind seine unmittelbaren Folgen gewesen.8

4. Das avignonesische Papsstum/ Exil im Spiegel der zeitgenössischen KritikUm eine Kritik überhaupt verstehen zu können, sollte vorab geklärt werden, welche Ansprüche die Zeitgenossen an den Papst und das Papsttum hatten. Ganz wichtig und an oberster Stelle standen Rückbesinnung auf die religiösen Aufgaben der Kirche, Rückkehr aus Verweltlichung, aus Machtintrigen und Geldgeschäften zu evangelischer Armut und vollkommener Religionsübung, zu wahrhaft christlichem Leben.9 in: Antiqui und Moderni, hg. v. Albert Zimmermann Berlin 1974, S. 263.

Nicht wirklich wurde dieses Ideal von den Päpsten der avignonesischen Epoche vertreten.

Macht man sich auf die Suche nach positiven Stellungnahmen von Zeitgenossen über die Kurie wird man schwer etwas finden können. Die Kurie mit ihren einzelnen Institutionen wurden von den Zeitkritikern ausschließlich negativ beurteilt.10 Die Äußerungen einiger Zeitgenossen zeigen, dass die Wahl einer neuen Papstresidenz in Avignon und die damit verbundene Abwendung von Rom niemals akzeptiert, sondern mit schweren Vorwürfen kommentiert wurde. Einige Theologen und Gelehrte beklagten bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts die realitätsferne und gefährliche Übersteigerung päpstlicher Macht.

Augustinus Triumphus stellte 1308 bedauernd fest, dass das Papsttum noch nie so verachtet gewesen ist, wie zu jener Zeit.11 Durch erbitterte Kämpfe haben die Päpste des 12. und 13. Jahrhunderts gegen die staufische Sizilienpolitk, die Freiheit von der Einkreisung und der politischen Übermacht des Kaisers verteidigt. Und was machten die französischen Päpste in Avignon? Sie gaben diese Stellung freiwillig zugunsten der französischen Krone preis. Immer mehr büßten sie an eigener Entscheidungsfreiheit ein und gaben in den Augen der Bevölkerung ihre an der Spitze stehende, universalkirchliche Autorität auf. Hier wird ein ein erster wichtiger Kritikpunkt deutlich. Die Päpste wurden zum Spielball aufstrebender und machthungriger französischer Könige. Französische Interessen standen im Mittelpunkt. Das Papsttum entwickelte sich immer mehr zur rechten Hand des französischen Königs. Ohne Übertreibung lässt sich behaupten, dass das Papsttum des Mittelalters eine französische Schöpfung war. Einige Historiker gehen soweit, das Papsttum als ein Außenposten im Hauptbuch der französischen Nation zu deklarieren. Frankreichs Selbstbewusstsein war so ausgeprägt, dass es für sie selbstverständlich war, das Papsttum zu besitzen und zu beherrschen.12

August Neander schreibt in seiner „Allgemeinen Geschichte der christlichen Religion und Kirche:

„ Mit Clemens V begann diese schmachvolle Knechtschaft der von dem französischen Interesse abh ä ngigen P ä pste... Die P ä pste zu Avignon waren oft nur Werkzeuge der französischen Könige, gebrauchten ihre geistliche Gewalt für die Zwecke der französischen Politik... Der p ä pstliche Hof zu Avignon wurde der Sitz eines noch gr öß eren Verderbens, als dasjenige des in Rom residierenden Hofes gewesen war. “ 13 Einer der angesehensten zeitgenössischen Kirchenhistoriker Joseph Lortz hat die Situation in Avignon folgendermaßen beschrieben: „ the pope... in a certain sense... had become a bishop of the French court. “ 14 Der Theologe Albert Hauck schreibt in seiner

[...]


1 Schimmelpfennig,B.: Das Papsttum- Von der Antike bis zur Renaissance. Darmstadt 2005, S. 224-225.

2 Franzen, A.: Kleine Kirchengeschichte (25. Auflage), Freiburg im Breisgau 2006, S. 223.

3 Schimmelpfennig,B.: Das Papsttum, S. 224.

4 Bäumer,F.: Papstgeschichte, Freiburg im Breisgau 1974, S. 238.

5 Franzen, A.: Kleine Kirchengeschichte (25. Auflage), Freiburg im Breisgau 2006, S. 225.

6 Bäumer,F.: Papstgeschichte, S. 248.

7 Denzler, G.: Das Papsttum- Geschichte und Gegenwart, München 2009, S. 61-64.

8 Franzen, A.: Kleine Kirchengeschichte, S. 226.

9 Miethke, J.: Zeitbezug und Gegenwartsbewusstsein in der politischen Theorie der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts,

10 Schüppert, H.: Kirchenkritik in der Lateinischen Lyrik des 12. und 13. Jahrhunderts, München 1972, S. 85.

11 Bäumer,F.: Papstgeschichte, S. 242.

12 Haller, J.: Das Papsttum - Idee und Wirklichkeit- Fünfter Band: Der Einsturz, Stuttgart 1953, S. 310.

13 Waley, D.: Opinions of the avignon papacy: A historiographical sketch, in: Storiografia e storia ( Festschrift für Theseider), Rom 1974, S. 184-185.

14 Ebd., S. 186.

Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656611219
ISBN (Buch)
9783656610908
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269902
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
Schlagworte
zeitgenössische kritik papsttum avignon überblick

Autor

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Titel: Zeitgenössische Kritik am Papsttum in Avignon