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Der Friedensvertrag von Kadesch

Hausarbeit 2007 17 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Vorgeschichte
1 .1 Ägypten
1 .2 Hatti

2 Politisches Zusammenspiel bis zur Schlacht von Kadesch

3 Nachkriegsdiplomatie

4 Der Friedensvertrag

5 Die Diplomatie nach dem Friedensvertrag

Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis.

Einleitung

„Die Attacke kam im Morgengrauen. Während sich die Soldaten der Amun-Division noch für den Sturm auf die Stadt Kadesch vorbereiteten, brach aus heiterem Himmel ein vernichtender Überraschungsangriff über sie herein. 2500 waffenstarrende hethitische Streitwagen, jeder mit drei Mann Besatzung, überrollten ohne Vorwarnung das ägyptische Lager und streckten jeden nieder, der sich ihnen in den Weg stellte.“[1]

Die Schlacht von Kadesch war eine von zahllosen militärischen und diplomatischen Auseinandersetzungen zwischen Hethitern und Ägyptern, die sich über mehrere Jahrzehnte erstreckten und erst 1269 v. Chr. durch Hattusili III. von Hatti, und Ramses II. von Ägypten mit dem ersten dokumentierten Friedensvertrag der Weltgeschichte beendet werden konnten.

Das Friedensabkommen, welches sowohl in Hieroglyphen als auch in Keilschrift erhalten geblieben ist, verweist auf eine detaillierte Aufstellung von Rechten und Pflichten der beiden Partner.

Aber nicht erst der Friedensvertrag ist der Beginn eines regen diplomatischen Austausches, Ziel dieser Arbeit ist es die diplomatischen Beziehungen zwischen Ägypten und Hatti im Laufe der Jahrhunderte, auch im Hinblick auf die individuelle Entwicklung der beiden Großmächte, über die Schlacht von Kadesch, bis hin zum Friedensvertrag, zu untersuchen und zu beurteilen.

1 Vorgeschichte

Die anatolische Hochebene war einer der bedeutendsten Handelsumschlagplätze der damaligen Welt. Daraus ergaben sich immer wieder unvermeidliche Berührungspunkte der beiden antiken Großmächte, deren Gesinnung nicht immer feindlich war, sondern meist von regem Handel geprägt. Beide Großmächte hatten schließlich reges Interesse an den Handelsmetropolen, nicht jedoch an der Eroberung des gegnerischen Gebietes oder gar dessen Vernichtung. Auch die Schriftwechsel der Armanabriefe[2] lassen auf Friedensbemühungen beider Seiten schließen.[3]

1.1 Ägypten

„ Ägypten war geographisch wie ideologisch nach innen, zum Nil hin, konzentriert und galt insbesondere den Ägyptern als das herrlichste aller Länder“[4] Dementsprechend scheint es zunächst auch weder das Verlangen nach Expansion, noch einen starken Willen zur Eroberung gegeben zu haben. Ebenso erweckt das Land am Nil, in ständiger Abhängigkeit und Anpassung an den Rhythmus von Flut und Überschwemmungen, den Anschein einer gewissen Introvertiertheit und Gleichgültigkeit hinsichtlich außenpolitischer Belange. Im Gegensatz zu seinen Nachbarreichen, welche fortwährend Führungswechsel zu verkraften hatten, blieb Ägyptens Herrschaftsverhältnis über Jahrhunderte unverändert bestehen. Aufgrund dieser Kontinuität, gelang es Ägypten mit dem Ausbau von Kunst, Kultur und Wissenschaft eine Vorrangstellung in der damaligen Welt zu erringen.[5]

Politische und militärische Auseinandersetzungen mit gleichstarken Mächten waren nur sehr selten der Fall. Allerdings zwangen im Laufe der Zeit äußere wie innere Verwicklungen Ägypten seine Zurückhaltung aufzugeben und militärisches Denken zu fördern. Zunächst beschränkte sich die Expansionspolitik der Pharaonen außerhalb des Niltals auf das westliche Libyen und das südliche gelegene Nubien. Im syrisch-mesopotamischen Raum gediehen die Handelsbeziehungen, sodass bereits in der Epoche des Mittleren Reiches[6] Ägypten bis nach Vorderasien einen gewissen Einfluss ausübte.[7]

Eine vorrübergehende Krisensituation, innerhalb des ägyptischen Bürokratie- und Verwaltungsapparats, machte die feindliche Übernahme der Hyksos[8] möglich. Welche einen schweren Schlag für Politik und Selbstverständnis Ägyptens darstellte. Möglicherweise führten die Hyksos neben modernen Waffentechniken auch die Grundlagen für den später unter Echnaton[9] zur Staatsreligion erklärten Monotheismus ein. So war Ägypten nach der Hyksosherrschaft eine nur kurze Erholungspause gegönnt, denn unter Echnaton und dessen religiöser Gewaltrevolution durch die Zwangsverehrung des einzigwahren Gottes Aton, litt die gesamte Gesellschafts- und Lebenskultur Ägyptens, es erlahmte die Außenpolitik und machte eine Ausbreitung der Hethiter im vorderasiatischen Raum möglich. Suppiluliuma, der König der Hethiter, begrüßte Echnaton noch zu seiner Thronbesteigung, und zur Einweihung der neuen Hauptstadt Achet-Aton erschien eine hethitische Delegation mit Geschenken. Aber bereits kurze Zeit später fragte der Hethiterkönig an, warum man seine Briefe nicht beantworte. Grund der aufgetretenen Spannungen war eventuell der Abfall einiger syrischer Vasallen von Ägypten und ihre Hinwendung zum Einflussbereich der Hethiter[10]

Mit dem Aufstieg der 19. Dynastie unter Ramses I. gelang endlich wieder eine innenpolitische Festigung und der Ausbau ägyptischer Macht in Vorderasien zum gesetzten Ziel. Denn die Grenzregionen im Nordosten waren seit längerem Streitgegenstand zwischen Hatti und Ägypten, ohne eine Einigung erreicht zu haben. Sethos I.[11], Sohn Ramses I.[12] und Vater Ramses II.[13], war schon vor seinem berühmten Sohn in der Nähe von Kadesch gegen hethitische Streitkräfte vorgegangen, aber zur endgültigen Eskalation der Auseinandersetzung zwischen den beiden Großmächten kam es erst unter Ramses II.

„In einer für den modernen Menschen kaum nachvollziehbaren Mischung aus Irdischem und Überirdischem konnte die Verkörperung des Göttlichen auch zur schweren Bürde wandeln: Ein Pharao durfte das Schlachtfeld nur als Sieger verlassen.“[14] Dementsprechend musste diese Auffassung auch unter der Bevölkerung verbreitet werden. Schreiber und Berichterstatter bekamen so die Aufgabe übertragen, ein Bild zu zeichnen, welches die Realität mit der Vorstellung der Göttlichkeit in Einklang brachte.[15]

[...]


[1] Bröning, W. (2004), S. 41

[2] Umfangreicher Fund an Tontafeln in babylonischer Keilschrift des Palastarchivs Pharao Echnatons, aus Residenz Achet-Aton, dem Tell el Amarna in Ägypten, auch zwischen Ägypten und Hatti belegte Korrespondenz.

[3] Schmidt, K. (2002), S.25 f

[4] Schmidt, K. (2002), S. 21

[5] Schmidt, K. (2002), S. 22

[6] Ca. 1991-1792 v. Chr., 11. und 12. Dynastie.

[7] Schmidt, K. (2002), S. 22

[8] Die Hyksos, Gruppe von semitischen Einwanderern, eroberte während der Zweiten Zwischenzeit um 1648 v. Chr. Ägypten. Sie nutzten Pferd, Streitwagen und Bogen als neue Kriegswaffen.

[9] Echnaton (Amenophis IV.) Pharao der 18. Dynastie, ca. 1364-1347 v. Chr., Armanazeit.

[10] Schmidt, K. (2002), S. 23

[11] Ca. 1293-1279 v. Chr.

[12] Ca. 1295-1293 v. Chr.

[13] Ca. 1279-1213 v. Chr.

[14] Schmidt, K. (2002), S. 24

[15] Schmidt, K. (2002), S. 24

Details

Seiten
17
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656611585
ISBN (Buch)
9783656610762
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269794
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,3
Schlagworte
Hatti Kadesch Ägypten Ägyptisch-Hethitische-Friedensvertrag Hattusili Ramses II. Hethiter Mursilli Anchesenamun Pharao Echnaton Armanabriefe Anatolien

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