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Das Goldene Vlies in der Kolchis

Zum Hintergrund und zur Geographie der Argonautensage

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 26 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Griechische Kontakte und/oder Kolonisation in der Schwarzmeerregion

2. Entwicklung und Tradierung des Mythos
2.1 Phrixossage und Goldenes Vlies
2.2 Der Mythos von Jason und Medea
2.3 Überblick der literarischen Überlieferung

3. Die Geographie des Argonauten-Zuges
3.1 Bosporus und Symplegaden
3.2 Aia und Kolchis

Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellen

Sekundärliteratur

Einleitung

Die sagenumwobene Kolchis war Aufbewahrungsort des Goldenen Vlieses und Ziel der Fahrt der Argonauten. Der antike Mythos inspirierte und regte zahllose Meister der antiken Literatur und bildenden Künste bis in die heutige Zeit hinein an und doch besaß die Geschichtswissenschaft nur wenig Aufschlussreiches über dieses legendäre Land, man hielt es für ein der phantastischen Vorstellungskraft der Hellenen entsprungenes Phantasiegebilde. Und doch gelang es Otar Lordkipanidze bei Grabungen in Vani, im Westen Georgiens, eine Tempelstadt freizulegen, die in etwa auf das 7. Bis 1. Jahrhundert v. Chr. datiert werden kann.1

„Die ersten Berichte der griechischen Literatur über die auf dem Gebiet Georgiens in der Antike existierenden beiden Ländern Kolchis und Iberien sind auf das Zustandekommen der Kontakte zwischen der griechischen Welt und der östlichen Schwarzmeerküste zurückzuführen. Dies spiegelt sich in der Argonautensage wider, die von dem Zug der Argonauten nach dem Goldenen Vlies berichtet. Freilich kann die Frage nach der Entstehungszeit der Argonautensagen noch nicht eindeutig beantwortet werden und bedarf einer eingehenden Diskussion. Man darf aber bereits behaupten, daß die äußerst große Popularität der von dem Argonautenzug nach Kolchis berichtenden Sagen im frühgriechischen Epos eine Widerspiegelung der ersten griechisch-kolchischen Kontakte auf der Anfangsstufe der griechischen Kolonisation an der Schwarzmeerküste bildet.“2

Die Fahrt der Argo soll noch vor dem Trojanischen Krieg stattgefunden haben, das bedeutet vor dem 13. Jahrhundert v. Chr. und war bereits Homer bekannt.3 Doch ist es für die archaische Periode schwer vorstellbar, dass es regelmäßige wichtige Handelsbeziehungen zwischen den Griechen und Kolchis gegeben haben soll. Es ist viel eher anzunehmen, dass in den uralten Versionen der Argonautenfahrt die zufälligen Ausflüge oder die Seeräuberei archaischer Seefahrer dargestellt wurden.4 Dies näher zu untersuchen soll die Aufgabe dieser Arbeit sein. Entsprechend soll auch die griechische „Kolonisation“ und die Tradierung des Mythos berücksichtigt und dabei auch auf das Motiv und den möglichen Ursprung des goldenen Vlieses, eingegangen werden. Grundlegend dienen dabei die Arbeiten von Otar Lordkipanidzes selbst, der Ausstellungskatalog Medeas Gold, sowie einige Forschungs- und Interpretationsansätze Christine Pellechs5 und Sens6 und die grundlegende Arbeit Otto Jessens.7 Unterstützend habe ich die klassischen Quellen Ilias8, Odyssee, Theogonie9 und Argonautika10 hinzugezogen. Da es mir nicht möglich war auf alle vorhanden Quellen, in welchen die Fahrt der Argonauten oder Bruchstücke und Motive des Mythos auftreten, selbst Bezug zu nehmen, habe ich auf die Angaben Jessens zurückgegriffen und diese nach seiner Vorgabe verwandt.

1. Griechische Kontakte und/oder Kolonisation in der Schwarzmeerregion

Ausgangspunkt zur geographischen Erfassung des Schwarzmeerraumes und somit der Kolchis war die griechische Kolonisation,11 die eine erstaunliche Ausweitung des griechischen Siedlungsgebietes im Mittel- und Schwarzmeerraum zur Folge hatte12.

Die Quellenlage bezüglich der Ersten Kolonisation ist sehr begrenzt, weil insbesondere die wenigen Schriftquellen im Zuge der großen Wanderungen abhanden gekommen sind. Ebenso schwierig verhält es sich mit dem archäologischen Material jener Zeit. Weshalb die Forschung für diese Epoche nicht sehr weit vorgedrungen ist.13 Archäologisch ist immerhin die sogenannte Kolchiskultur14 seit dem 2. Viertel des 2. Jahrtausends v. Chr. in Westgeorgien nachzuweisen. Grob in diese Zeitspanne fällt auch die Erste Kolonisation, sie umfasste etwa den Zeitraum von 1250 bis 1150 v. Chr.15. Der Phase der Zweiten bzw. Großen Kolonisation wird von den Historikern unterschiedlich festgelegt16. Der Übergang am Ende der Großen Kolonisation ist ähnlich der epochalen Datierung von der archaischen zur klassischen Zeit ein sehr fließender, der einen gewissen Definitionsspielraum bietet.17 Wesentlich besser ist die Quellenlage zur Zweiten Kolonisation, aufgrund der sich allmählich durchsetzenden griechischen Schriftlichkeit. Besonders die umfangreichen Grabungen18 in den Kolonien19 machen heute eine umfassende Rekonstruktion der damaligen Verhältnisse möglich.20 Lordkipanidze datiert die frühesten Zeugnisse für Kontakte der östlichen Schwarzmeerküste mit Griechen bereits in die spätgeometrische Zeit, also auf etwa 740-700 v Chr..21 Doch trotz der anhaltenden Diskussion um die frühesten bislang bekannten griechischen Funde im Schwarzmeerraum, kann bislang kein Fundobjekt sicher in die Zeit vor der Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. datiert werden.22

Auch über die Ursachen und Motive für die Kolonisation herrscht in der Geschichtswissenschaft eine angeregte Diskussion. So findet man in der Literatur verschiedene Theorien und unterschiedliche Prioritäten, die entscheidenden Impulse und Faktoren betreffend23. Fest steht, dass die Ursachen und Motive allein in Hinblick auf die Dauer der Kolonisationszeit von insgesamt etwa 250 Jahren sehr vielfältig gewesen sein müssen. Deshalb ist es nicht möglich allgemeingültige oder pauschale Erklärungen zu finden. Zentral sind vermutlich demographisch-ernährungstechnische Ursachen. Gerade in der Anfangsphase der Kolonisation von etwa 775 bis 675 v. Chr. dominierte die Suche nach fruchtbarem Ackerland als Hauptmotiv, wobei in der späteren Zeit von etwa 675 bis 500 v. Chr. wohl das Handelsinteresse an Bedeutung gewinnt24. Des Weiteren sind gesellschaftlich- soziale Ursachen anzuführen, da es zu einer umfassenden und gravierenden Veränderung der innenpolitischen, gesellschaftlichen und sozialen Strukturen kam25. Ein weiterer Aspekt sind mit Sicherheit auch emotional-einstellungsbezogene Motive. Abenteuerlust, Trieb in die Weite und Fernweh, sowie die Aussicht auf Schätze26 und Handelsgewinn sind Antrieb die Heimat hinter sich zu lassen, ebenso wie strategische Gesichtspunkte, die eigenen Interessen in einer bestimmten Gegend zu sichern oder eventuell Verbündete zu unterstützen.27.

Geographisch gesehen waren die Ausgangspunkte der Kolonisation natürlich die großen Hafenstädte. Sie waren aufgrund einer guten verkehrspolitischen Lage besonders geeignet für die Organisation solcher Expeditionen, weil sie wichtige Knotenpunkte im ägäischen Handel darstellten. So spiegeln die geographische Ausgangslage und die regionale Bedeutung in vielen Fällen den Umfang der Kolonisationsaktivität wieder. Besonders gilt dies für Korinth und Megara, die an der Landenge zwischen der Peloponnes und dem Festland liegen, genau dort wo sich Ionisches Meer und Ägäis annähern28. Chalkis und Eretria liegen an der vielbefahrenen Seestraße zwischen der Insel Euböa und dem zentralgriechischen Festland. Gleiches gilt für ionischen Städte Milet und Phokaia an der kleinasiatischen Küste, die im ebenen Mündungsgebiet der Flüsse Mäander und Hermos liegen29.

Die ersten griechischen Handelsniederlassungen an der Küste verbanden Kolchis mit der antiken Welt, insbesondere Griechenland und Kleinasien und führten zu einer florierenden Wirtschaft. Die griechischen Kolonien nahmen jedoch kaum politisch Einfluss, sondern beschränkten sich auf den Handel.30 Dazu gehört Al Mina an der Orontesmündung im nördlichen Syrien, in dem vermutlich schon vor 800 v. Chr. griechischer Einfluss nachzuweisen ist31.

Zahlreiche Niederlassungen im Schwarzmeerraum gehen auf die Mutterstadt Milet zurück32. Neueren Erkenntnissen zufolge gehen jedoch das pontische Herakleia (Eregli), Kallatis (Mangalia), Ceronesos (Sevastopol) auf der Krim und Mesambria (Nessebar) auf die Megarer zurück. Anfänge sollen auch hier im 8. Jahrhundert liegen, bei denen auf dem Handelsweg nach Trapezunt auch Sinope und vielleicht auch Amisos an der südlichen Schwarzmeerküste gegründet wurden. Erst im 7. Jahrhundert v. Chr. setzte die eigentliche Kolonisation des Schwarzmeerküste ein.33 An der Westküste von Istros, über Tomis (Konstanza), Kallatis, Odessos (Varna), Mesembria bis Apollonia (Sozopol)34. An der Nordküste von Tyras am Dnjestr, Olbia am Bug, Theodosia (Feodosia) und Pantikapaion (Kertsch). Tanais (Akerman) am Don stammt erst aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. An der Ostküste des Schwarzen Meeres finden sich die milesischen Gründungen Pityus, Dioskurias und Phasis.35 Handelszentren im Landesinneren waren Dablagomi, Vani36 und Kutaissi. Der Handel wird durch zahlreiche Münzfunde belegt, so fand man Münzen aus Samos und Sinope.37

2. Entwicklung und Tradierung des Mythos

„Auf der Suche nach dem Goldenen Vlies segelte Jason mit seinen Gefährten auf der Argo nach Osten. Die ‚Argonauten‘ gelangten in das Königreich Kolchis, das heutige Georgien. Jason verliebt sich in Medea, die Königstochter göttlicher Herkunft. Sie führt Jason zum Goldenen Vlies, einem goldenen Widderfell, das ein fürchterlicher Drache bewacht Medea betäubt ihn mit ihren Zauberkräften, Jason entführt das Goldene Vlies, Das Liebespaar flieht auf der Argo.“38

Es ist eine „Tatsache, daß die uralten Mythen- und Märchenmotive aus dem Altertum eine handfeste Aussage beinhalten.“39 Wenn etwas in den alten mythologischen Erzählungen erwähnt wird, so muss es auch in der Realität existiert haben.40 Deutlich zeigt sich, dass die „Sagen- und Märchenwelt der verschiedenen Zeitalter keine abstrakten Gedankengebilde darstellen, sondern zuerst sicher mündlich, später schriftlich weitergegebene historische Fakten darstellen. Vorallem so wichtige Ereignisse, die es überhaupt wert waren überliefert zu werden. In späterer Zeit wurde dann der historische Kern immer mehr und mehr durch Zugaben umrankt, daß man das geschichtliche Ereignis oft nicht mehr klar erkennen konnte.“41 Nachfolgende Generationen, die oftmals Wissen und Erkenntnisse anderer Völker übernahmen und daher kaum Bezug zu den historischen Ereignissen besaßen und spezifisches Geheimwissen somit nicht immer übermittelt werden konnte, konnten in diesen Geschichten oftmals keinen realistischen Sinn mehr erkennen und verwendeten sie deshalb für ihre Mythologie.42

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1 MEDEAS GOLD, Neue Funde aus Georgien, Katalog zur Ausstellung des Georgischen Nationalmuseums, Tiflis und der Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin vom 15. März bis 3. Juni 2007 im Alten Museum, Tiflis 2007, S. 5.

2 LORDKIPANIDZE, OTHAR, Das alte Georgien (Kolchis und Iberien in Strabons Geographie. Neue Scholien, (Schwarzmeer-Studien, Bd. 1), Amsterdam 1996, S. 1.

3 „Nur ein Schiff fuhr heil auf dem Meere vorüber, die Argo die alltbekannte“ HOMER, Odyssee, XII, 69-70, Übersetzung, Nachwort und Register von Roland Hampe, Stuttgart 2010, S. 371.

4 LORDKIPANIDZE, OTAR, Das alte Kolchis und seine Beziehungen zur griechischen Welt vom 6. Zum 4. Jh.

V. Chr., (Konstanzer Althistorische Vorträge und Forschungen, Heft 14), Konstanz 1985, S. 21.

5 PELLECH, CHRISTINE, Die Argonauten. Eine Weltkulturgeschichte des Altertums, Frankfurt/Main 1992.

6 SENS, ULRICH, Kulturkontakt an der östlichen Schwarzmeerküste. Griechische Funde in Kolchis und Iberien, Kontexte und Interpretationen, (Schriften des Zentrums für Archäologie und Kulturgeschichte des Schwarzmeerraumes, Bd. 15), Langenweißbach 2009

7 JESSEN, OTTO, Argonautai, in: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Neue Bearbeitung, Band II,1, Stuttgart 1895, Sp. 743-787.

8 HOMER, Ilias, Übersetzung, Nachwort und Register von Roland Hampe, Stuttgart 2012.

9 HESIOD, Theogonie, übersetzt und herausgegeben von Otto Schönberger, Stuttgart 2011.

10 APOLLONIOS VON RHODOS, Die Fahrt der Argonauten, herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Paul Dräger, Stuttgart 2010.

11 Unter dem Begriff der griechischen Kolonisation versteht man eine Besiedlungswelle im Mittelmeerraum, die ihren Beginn im 11. Jh. v. Chr. fand. Allein der Begriff Besiedlung lässt schon darauf schließen, dass es fatal wäre die griechische „Kolonisation“ mit dem Kolonisationsbegriff der Neuzeit zu vergleichen oder in Verbindung zu bringen. Die antike Kolonisation ist strikt vom Kolonialismus abzugrenzen. Vgl. EDER, WALTER, Kolonisation, in: DNP Bd. 6, Bochum 1999, Sp. 646.

12 Vgl. LOTZE, DETLEF, Griechische Geschichte: Von den Anfängen bis zum Hellenismus, 6. Aufl., München 2004, S. 26; vgl. LORDKIPANIDZE, Das alte Kolchis, S. 23.

13 Wie bereits einleitend erwähnt waren die Argonauten gemäß der Tradition die Väter der Teilnehmer des Trojanischen Krieges. Sodass angenommen werden müsste, dass der Argonautenzug in der mykenischen Epoche stattgefunden habe. Leider gibt es für diese Theorie keine konkreten wissenschaftlichen Beweise, bisherige Funde mykenischer Keramik reichen dafür nicht aus. Sodass vorerst auch keine genaueren Angaben über das früheste Auftreten der Griechen an der Schwarzmeerküste und somit über die mögliche Vorlage zur mythischen Argofahrt gemacht werden können. Vgl. LORDKIPANIDZE, Das alte Georgien, S. 46f..

14 Die Kolchis-Kultur (16./15. bis 7. Jahrhundert v. Chr.) ist eine mittelbronzezeitliche bis früheisenzeitliche Kultur in der Kolchis-Niederung im heutigen Westgeorgien. Sie ist durch Siedlungen, Bestattungen und Depotfunde bekannt. Die Bestattung der Toten fand sehr unterschiedlich statt. Im Gräberfeld von Brili wurden längliche Gruben, mit Steinplatten eingefasste Gräber und Brandplätze gefunden. In der Argonautensage wird berichtet, dass die Leichen von Männern von den Bäumen hingen. Auch der Historiker Wachuschti Bagrationi berichtet von diesem Brauch, der teilweise noch bis ins 19. Jahrhundert bei vom Blitzschlag getöteten angewendet wurde. Vgl. FÄHNRICH, HEINZ: Geschichte Georgiens von den Anfängen bis zur Mongolenherrschaft, Aachen 1993, S. 33 ff.

15 Diese geht auf den Einfall von Balkanstämmen zurück. Die wichtigste Gruppe stellten die Dorer dar, die aus dem Norden in griechische Kerngebiete vordrangen. Wahrscheinlich ist diese Bewegung Teil einer größeren „Völkerwanderung“, die sich vom Ausgangsort Mitteleuropas bis zum östlichen Mittelmeerraum erstreckte15. Im Anhang der Dorer drängten Stämme aus Nordwestgriechenland nach Süden. In einem zweiten Schub drängten aus Kleinasien Stämme nach Griechenland. In einem dritten Schub kamen die Dorer um 1150 v. Chr. von Mittelgriechenland bis auf die Peloponnes. Während dieser ganzen Zeit wurden teilweise die alten Bevölkerungsteile vertrieben und wichen über die Ägäis auf deren Inseln und bis an die Küsten Kleinasiens aus. Die Aioler in erster Linie an die phrygische und mysische, und die Ionier an die lydische Küste und auch die Dorer selber setzten ihre Wanderung fort und besetzten Kreta, Thera, Rhodos und Teile im südlichen Kleinasien. Vgl. BENGTSON, HERMAN, Griechische Geschichte,3. Aufl., München 1960, S. 25-31.

16 Bengtson sieht den Beginn bei 800 (vgl. S. 47ff), Murray bei 734 (vgl. S.132) und Bayer, Schuller und Dahlheim bei 750 v. Chr. Das Ende beziffert Murray auf 580 (vgl. S. 132), Schuller auf 550, Bengtson und Bayer auf 540 und Dahlheim auf 500 v. Chr. Vgl. MURRAY, OSWYN, Das frühe Griechenland,5. Aufl., München 1995, S. 132.

17 Als dritte Kolonisation bezeichnet man die weit reichende Hellenisierung unter Alexander dem Großen und den Diadochen. In der Hellenistischen Zeit weitete sich der griechische Einfluss flächenmäßig weit aus. So kam es zu einer starken Durchmischung der hellenistischen mit den altorientalischen Kulturen. Der Zeitraum der Epoche des Hellenismus geht vom Beginn des Eroberungszuges Alexanders des Großen 334 v. Chr. bis zum endgültigen Ende des Hellenismus mit dem Tod der Ptolemäerin Kleopatra im Jahre 30 v. Chr., die der letzte Diadoche in direkter Linie war.

18 Erste wissenschaftliche Grabungen in Vani wurden 1896 von Ekwtime Takaischwili durchgeführt. Niko Berdzenichvili und Nino Chostaria führten die Grabungsleitung fort. Otar Lordkipandize leitete im Folgenden 35 Jahre die Grabungen in Vani. Vgl. MEDEAS GOLD, S. 21.

19 Ebenso ist die heute übliche Bezeichnung dieser Gründungen als Kolonien im Grunde irreführend, da der moderne Begriff die Vorstellung der Okkupation und Inkorporation fremder Territorien und der Unterwerfung ihrer Bewohner durch expandierende Mächte impliziert. Der hier einschlägigere griechische Terminus lautet Apoikia und bezeichnet nach seinem Sinngehalt eine „Außensiedlung“ außerhalb des Bürgerverbandes, von dem die Gründung ausging bzw. aus der die meisten „Kolonisten“ stammten. Vgl. WELWEI, KARL-WILHELM, Die griechische Frühzeit 2000 - 500 v. Chr., München 2002, S.44f. In der Forschung gibt es die Kolchis betreffend diesbezüglich einen Diskurs, der einerseits den Nachweis zu führen versucht, dass auch am Ostpontos die übliche griechische Kolonisationstätigkeit, mit der Gründung von Apoikien, anzutreffen ist, während andererseits eine Exklusivität der östlichen Schwarzmeerküste betont wird. So seien keine griechischen Poleis eindeutig nachweisbar. Vgl. SENS, Kulturkontakt, S. 55.

20 Vgl. SENS, Kulturkontakt, S. 47.

21 LORDKIPANIDZE, OTAR: The Greek World and the Caucasus, in: Civilsation grecque et cultures antiques périphériques. Hommage à Petre Alexandrescu à son 70e anniversaire, hrsg. v. A. Avram, M. Babes, Bukarest 2000, S. 159-164.

22 Vgl. SENS, Kulturkontakt, S. 47. Gleichermaßen gesteht Sens aber ein, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit Fahrten von Händlern und Abenteurern gegeben hat, die Erkundungsfahrten für die Anlage neuer Kolonien unternahmen. Auch gesteht er ein, dass fehlende Spuren nicht automatisch auch die Abwesenheit der Griechen bedeuten. Vgl. Ders. S. 47.

23 Vgl. WEILER, INGOMAR, Griechische Geschichte: Einführung, Quellenkunde, Bibliographie, 2. Aufl., Darmstadt 1988, S. 106-111. Weiler stellt hier die führenden historischen Betrachtungsweisen dar und vergleicht diese ausführlich.

24 Vgl. WEILER, Griechische Geschichte, S. 107.

25 Vgl. WEILER, Griechische Geschichte, S. 108.

26 „Strabon nennt zwar explizit den Reichtum der Kolchis an Gold, Silber, Eisen und Kupfer als Grund für den Argonautenzug, doch ob dies auch als Hauptzeck der Gründung griechischer Kolonien angenommen werden kann, ist zumindest umstritten.“ SENS, Kulturkontakt, S. 56.

27 Vgl. BENGTSON, Griechische Geschichte, S. 67, vgl. GRAHAM, A. J., Colony and Mother City in Ancient Greece, Manchester, 1964, S. 37, vgl. SENS, Kulturkontakt, S. 47.

28 Wo heute ein Kanal ist, wurden früher Schiffe mit Baumstämmen über die Landenge befördert.

29 DAHLHEIM, WERNER, Die griechisch-römische Antike: Herrschaft und Freiheit: Die Geschichte der griechischen Stadtstaaten I, Paderborn, München, Wien, Zürich, 1992, S. 51.

30 Die bereits erwähnte Kontroverse bezieht sich auf die dichte Besiedlung der Region durch die in der Kolchis beheimatete und miteinander verbündete indigene Bevölkerung, die die Gründung regulärer Kolonien verhinderte und nur die Einrichtung von Handelsstützpunkten zu ließ. Diese These ist bislang jedoch nicht zweifelsfrei archäologisch nachweisbar. Vgl. SENS, Kulturkontakt, S. 55, 208.

31 Vgl. BOARDMAN, JOHN, Kolonien und Handel der Griechen: Vom späten 9. bis zum 6. Jahrhundert v. Chr., München 1981, S. 41f.

32 Vgl. BENGTSON, Griechische Geschichte, S. 73. „Die Zuschreibung von Koloniegründungen an die Stadt Milet in hellenistischer und römischer Zeit muss ebenfalls vorsichtig beurteilt werden. Milets bekanntermaßen führende Rolle als Gründerin von Kolonien im Schwarzmeerraum kann Autoren dieser Epochen zu einer entsprechenden ‚Zuschreibung‘ verleitet haben, auch ohne dass sie genauere Kenntnisse darüber besaßen.“ SENS, Kulturkontakt, S. 54.

33 Vgl. LORDKIPANIDZE, Das alte Kolchis, S. 22.

34 Vgl. BENGTSON, Griechische Geschichte, S. 147; vgl. LOTZE, Griechische Geschichte, S. 30.

35 Eine besondere Schwierigkeit bei der Erforschung und Einordnung archäologischer Funde von der östlichen Schwarzmeerküste besteht darin, dass keine dieser drei mutmaßlichen griechischen Kolonien exakt lokalisiert und ausgegraben werden konnte. Vgl. SENS, Kulturkontakt, S. 53; vgl. LORDKIPANIDZE, Das alte Kolchis, S.

24.

36 Archäologische Untersuchungen haben bewiesen, dass Vani im Verlauf des gesamten 1. Jahrtausends v. Chr. bewohnt gewesen ist. Schon im 8./7. Jahrhundert spielte es als kultisches Zentrum eine bedeutende Rolle, nicht zuletzt wegen der hochentwickelten Goldschmiedeproduktion. Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. ist erstmals das Auftauchen griechischer Importe zu verzeichnen. Vgl. MEDEAS GOLD, S. 21f

37 Vgl. FÄHNRICH, Geschichte Georgiens, S. 44ff, vgl. MEDEAS GOLD, S. 20.

38 MEDEAS GOLD, S. 5.

39 PELLECH, Die Argonauten, S. 32.

40 So geht bereits Strabon bei der Beschreibung der Argonautenfahrt von der Wiedergabe historischer Ereignisse aus. Dabei kommt es des Öfteren vor, dass er für mythische Angaben eine reale Grundlage herauszufinden versucht oder sie bei der Lokalisierung geografischer Punkte verwendet. So zum Beispiel wenn er auf Homer zu sprechen kommt, denn Homer hat „immer Mythen eingefügt, die auf wahren Geschichten beruhten.“ (Geographika, III, 2, 12) zit. nach LORDKIPANIDZE, Das alte Georgien, S. 58.

41 PELLECH, Die Argonauten, S. 32.

42 Vgl. PELLECH, Die Argonauten, S. 32f. Unter der Mythologie ist der gesamte Bereich des Transzendenten wie der Aufbau der Theogonie, der Götterverehrung, des Sehertums, der Astrologie, der Jenseitsvorstellungen zu verstehen. Aufgrund dieser mythologischen Vorstellungen wurde der Wunsch ausgeprägt, diese transzendente Welt in der wirklichen zu verorten. Im Gegensatz dazu befinden sich Mythen, Sagen und Märchen, sowie die großen griechischen Epen. In ihnen werden historische Ereignisse dargestellt, die durch zahlreiches Zusatzmaterial ausgeschmückt wurden und dadurch nicht mehr eindeutig sind. Aber der transzendenten mythologischen Vorstellungen der alten Völker entsprechend, wurde eine passende reale Wirklichkeit in den vorhandenen geografischen Gegebenheiten gesucht und oftmals auch gefunden. Vgl. PELLECH, Die Argonauten, S. 33.

43 Unter den metaphysischen Deutungsansätzen geben besonders die vergleichenden Untersuchungen des Ägyptologen Frank Teichmann Aufschluss, der zahlreiche auffällige Parallelen der Hauptsymbole "Widder", "Doppelstier" und "Drachen", zum altägyptischen Sonnenkult aufzeigt. Daraus ergibt sich die Vorstellung von der Argonautenfahrt als eine Art okkulten Einweihungsritus des westlichen Kulturrepräsentanten Jason in das

Details

Seiten
26
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656609803
ISBN (Buch)
9783656609797
Dateigröße
735 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269766
Institution / Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
1,3
Schlagworte
Argonauten Kolchis Schwarzes Meer Bosporus Jason Argo Medea Goldenes Vlies Phrixos Griechische Kolonisation Symplegaden Aietes Aia

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Titel: Das Goldene Vlies in der Kolchis