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Bildung. Der Schlüssel für die Integration von Migranten?

Hausarbeit 2012 23 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

1. Einleitung

Das Thema der Migration und die damit einhergehende Problematik einer gelingenden Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in eine ihnen fremde Gesellschaft sind Themen, die in der heutigen globalisierten Welt unumgänglich geworden sind. Die Frage, wie Menschen mit Migrationshintergrund eine erfolgreichere Integration in die Gesellschaft und somit eine Chancengleichheit, ermöglicht werden kann, ist auch im Einwanderungsland Deutschland ein essentielles sozialpolitisches Thema. In meiner Arbeit möchte ich mich darauf konzentrieren, wie es Menschen mit Migrationshintergrund durch Bildung gelingt, integriert zu werden. Da „Integration“ ein weites Begriffsfeld ist und es zu weit greifen würde, zu untersuchen, ob Bildung zur Integration in allen Bereichen des Lebens führt, habe ich den Fokus meiner Hausarbeit durch meine Fragestellung „Bildung – Der Schlüssel für die Integration von Migranten?“ darauf gelegt, inwiefern Menschen mit Migrationshintergrund durch Bildung Zugänge zu Ausbildungsplätzen und somit gleichwertige Chancen zum beruflichen und ökonomischen Erfolg erlangen. Hierbei soll untersucht werden, ob Migranten, welche die gleichen Schulabschlüsse wie Menschen ohne Migrationshintergrund haben, auch die gleichen Chancen zur beruflichen Integration haben und wie hoch die Erwerbstätigenquote ausgebildeter Menschen mit Migrationshintergrund im Gegensatz zu jener der ausgebildeter Menschen ohne Migrationshintergrund ist. Zuvor werde ich untersuchen, welche Bildungszugänge Migranten haben und welche Ungleichheiten sich im Schulsystem ergeben.

Zum klareren Verständnis der behandelten Themenbereiche sollen zunächst die Begriffe der Migration und der Integration definiert werden und ein Abriss der Geschichte der Migration in Deutschland in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg gezeichnet werden.

Weiterhin werde ich später noch die Begriffe der Bildung und der sozialen Ungleichheit definieren.

2. Migration

2.1 Definition des Begriffes „Migration“

Das Wort „Migration“ ist abgeleitet vom lateinischen Wort „migrare/migratio“, was „wandern“, „wegziehen“ und „Wanderung“ bedeutet (vgl. Han 2000:7).

„Migration“ bedeutet in den Sozialwissenschaften, dass Personen dauerhaft einen Wohnortwechsel vollziehen. Dieser Wohnortwechsel wird dann als Migration bezeichnet, wenn er länger als ein Jahr andauert und somit kontinuierlich ist (ebd.).

In Deutschland wird von „Migration“ gesprochen, wenn ein faktischer Wohnsitzwechsel stattgefunden hat. Als Migration werden solche Wohnortwechsel bezeichnet, die mit dem Umzug in eine andere „politische Wohngemeinde“ verbunden sind, dabei ist es unwesentlich, ob dieser freiwillig oder unfreiwillig vollzogen wird (ebd.)

Es gibt viele Gründe für eine Migration, diese können „kultureller, politischer, wirtschaftlicher, religiöser, demographischer, ökologischer, ethnischer und sozialer Art“ sein (ebd.:8).

Meist wird die Migration durch eine Verknüpfung genannter Gründe ausgelöst, also ein „Zusammenspiel von mehreren Ursachen, die sowohl auf der gesellschaftlich strukturellen als auch auf der persönlich individuellen Ebene angesiedelt werden können“ (ebd.)

2.2 Die Geschichte der Migration in Deutschland nach 1945

Die Bevölkerungsgruppe der Migranten in Deutschland ist nicht homogen, sie umfasst Eingebürgerte mit/ohne eigene/r Migrationserfahrung, Ausländer mit/ohne eigene/r Migrationserfahrung und Deutsche mit einem ausländischen Elternteil, aber ohne eigene Migrationserfahrung (vgl. L’Assainato 2009).

Von der Geschichte der Migration in Deutschland ab dem zweiten Weltkrieg wird der folgende Abschnitt handeln.

Es gab zwei Gruppen von Ausländern, die nach dem zweiten Weltkrieg nach Deutschland kamen. Die eine Gruppe waren zum größten Teil Überlebende der nationalsozialistischen Arbeits- und Konzentrationslager, sogenannte „Displaced Persons“. Es handelte sich um ungefähr 8 bis 10 Millionen Menschen. Nachdem die Alliierten die Verantwortung für diese Personengruppe 1950 abgaben, lebten von ihnen noch etwa 150.000 Menschen in der Bundesrepublik Deutschland. Zudem lebten 1950 noch etwa 12 Millionen „Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Gebieten in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa“ in der BRD (vgl. Tarvenkorn 2011:40).

Zwischen 1950 und 1980 kamen viele Migranten aus Griechenland, Jugoslawien, Italien, Spanien und der Türkei nach Deutschland, weil sie als Arbeitskräfte – genannt „Gastarbeiter“ - angeworben wurden, um den „herrschenden Mangel an einfachen Arbeitskräften in bestimmten Branchen“ auszugleichen (ebd.:41).

Die Mehrzahl dieser Gastarbeiter wollte nur für eine begrenzte Zeit in Deutschland bleiben, um Geld zu verdienen, was entweder direkt an die Familie im Heimatland überwiesen wurde oder für das spätere Leben im Heimatland gespart wurde. Meist kamen die Männer ohne ihre Familien nach Deutschland, weshalb es selten Gastarbeiterkinder in den Schulen gab (ebd.).

In den 1960er Jahren besuchten nur etwa 50.000 bis 55.000 ausländische Schüler die allgemeinbildenden Schulen, dies machte etwa einen Anteil von 0,5% aller Schüler aus (vgl. Diefenbach 2004:225).

Diesen Umstand formuliert Tarvenkorn folgendermaßen:

„Somit war das Faktum des Gastarbeiterkindes auf einer deutschen Schule in diesen Zeiten eher selten und auf keinen Fall ein Phänomen, das in der Häufigkeit vorkam, dass man ihm aus gesellschaftlicher oder bildungspolitischer Sicht gesondert hätte Beachtung schenken müssen“ (Tarvenkorn 2011:41).

Erst in den 1970er Jahren wurde darüber diskutiert, dass eine Integrationspolitik unerlässlich sei, da sich von 1965 bis 1975 die Zahl der ausländischen Schüler verzehnfacht hatte. Der Schulbesuch für Kinder mit Migrationshintergrund sollte die Integration fördern und gleichzeitig die kulturelle Identität erhalten. Sozialwissenschaftler wiesen zu dieser Zeit erstmals darauf hin, dass Schüler mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem deutliche Nachteile gegenüber einheimischen Schülern haben (vgl. Diefenbach 2004:226).

Die Anwerbemaßnahmen wurden 1973 beendet und man zielte durch verschiedene politische Maßnahmen darauf ab, dass die Gastarbeiter wieder in ihr Heimatland zurückkehren. So wurde kurzzeitig ein Gesetz („Gesetz zur Förderung der Rückkehrbereitschaft von Ausländern“) erlassen, welches die Gastarbeiter/Migranten durch finanzielle Unterstützung zu einer Rückkehr in die Heimat veranlassen sollte. 1974 lagen zwar die Fortzüge von Migranten höher als die Zuzüge. Jedoch folgte nun eine Zeit, in der die Familien nach Deutschland nachzogen, da sich 1978 durch Gesetzesänderungen der Status der Ausländer in Deutschland verfestigte. Die Ausländerquote in Deutschland stieg von 1973 bis 1990 von 6,4% auf 8% an (vgl. Tarvenkorn 2011:42).

Mittlerweile ist die Mehrzahl der nichtdeutschen Kinder in Deutschland geboren (vgl. Wagner 2005:38).

Im Jahr 2010 lebten etwa 15,7 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. 7,1 Millionen von ihnen waren Ausländer, was bedeutet, dass sie keinen deutschen Pass hatten (vgl. Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 355, 2011).

3. Definition des Begriffes „Integration“

Das Wort „Integration“ leitet sich von dem lateinischen Wort „integer“ ab, was „unangetastet“, „unvermindert“ oder „unversehrt“ bedeutet (vgl. Olshausen 1997:30).

Die Schwierigkeiten, eine einheitliche Definition für den Begriff ‚Integration‘ innerhalb der Diskussion um Integrationsschwierigkeiten und eine mangelnde Integrationsbereitschaft von Migranten zu bestimmen, beschreiben Thomas Geisen und Christine Riegel folgendermaßen:

„Was (…) als ‚Integration‘ verstanden wird bleibt vielfach unbestimmt und wenig konkret. Jugendliche mit Migrationshintergrund befinden sich daher in einer paradoxen Situation: Sie werden als ‚Andere‘ oder als ‚nichtzugehörig‘ zur deutschen Gesellschaft kategorisiert und ausgegrenzt, gleichzeitig jedoch auch mit spezifischen Anpassungs- und Integrationsforderungen konfrontiert“ (Geisen/Riegel 2009:8).

Im Folgenden wird versucht, den Begriff der „Integration“ näher zu beschreiben und zu bestimmen.

Hierbei ergeben sich folgende Gedanken, die man bei einer Definition, was Integration bedeutet, aufwerfen könnte und welche darstellen, wie schwer greifbar der Begriff dessen, was Integration bedeutet ist, beziehungsweise was der gesellschaftliche Konsens darüber ist, in einer Gesellschaft integriert zu sein:

Bedeutet Integration, seine Religion aufzugeben? Kann man überhaupt völlig integriert sein, auch wenn man einer sogenannten anderen Ethnie angehört? Bedeutet Integration, sich den Regeln der deutschen Kultur komplett zu „unterwerfen“ und seine eigene Kultur aufzugeben? Meint Integration, mit Deutschen Kontakt zu haben? Ist man integriert, wenn man im Gesellschaftssystem funktioniert? Oder meint Integration, im Arbeitsleben zu „funktionieren“? Ist eine gelingende Integration lediglich durch das Individuum, welches „zu integrieren ist“ zu erreichen oder ist Integration ein „Wechselspiel“ zwischen Aufnahmegesellschaft und Individuum?

Es gibt verschiedene Sichtweisen darauf, was Integration bedeutet und somit auch darauf, was zu einer gelingenden Integration notwendig ist.

Hartmut Esser versteht unter Integration allgemein den Zusammenhalt von Teilen in einem System und die „dadurch erzeugte Abgrenzung von einer unstrukturierten Umgebung“. Hierbei ist nicht von Relevanz, worauf dieser Zusammenhalt begründet ist (vgl. Esser 1999:13f.).

Als Gegenteil der Integration nennt Esser die Segmentation, also das Auseinanderbrechen einer Gesellschaft. Die Integration des Individuums in die Gesellschaft und zwischen zwei Akteuren, also zwei Individuen, ist „Sozialintegration“, also „den Einbezug der Akteure in einen gesellschaftlichen Zusammenhang, nicht bloß um das relativ reibungslose und abgestimmte ‚Funktionieren‘ der Gesellschaft als System“, was als „Systemintegration“ bezeichnet wird (Esser 1999:15).

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Details

Seiten
23
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656609223
ISBN (Buch)
9783656896135
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269724
Institution / Hochschule
Hochschule Darmstadt
Note
1,3
Schlagworte
bildung schlüssel integration migranten

Autor

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Titel: Bildung. Der Schlüssel für die Integration von Migranten?