Lade Inhalt...

Vergleich der Filme des New Hollywood zu klassischen Hollywood-Filmen

Hausarbeit 2013 21 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Definition Narration

3. Vergleich der Narration von Hollywood- und New-Hollywood-Filmen
3.1 Klassische Hollywoodfilme
3.1.1 Erzählstruktur im klassischen Hollywood
3.1.2 Figurenkonstellationen
3.1.3 Kameraführung, Schnitt und Szenenausstattung
3.2 New Hollywood
3.2.1 Erzählstruktur im New Hollywood
3.2.2 Figurenkonstellationen
3.2.3 Kameraführung, Schnitt und Szenenausstattung
3.3 Bewertung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Narration

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

In der vorliegenden Arbeit wird ein Vergleich zwischen der Narration in klassischen Hollywoodfilmen und der Narration in New-Hollywood-Filmen vorgenommen.

Gegen Ende der 1960er bis Mitte der 1970er Jahre entstand in den USA unter dem Eindruck filmökonomischer und gesellschaftspolitischer Prozesse ein „neues“ Kino, das sich in zahlreichen Merkmalen vom klassischen Hollywoodkino unterschied. Dieses als „New Hollywood“ titulierte Kino wurde unter anderem durch Regisseure wird Robert Altman, Martin Scorsese, Francis Ford Coppola, Sydney Pollack oder John Cassavetes geprägt. Die New-Hollywood-Filme unterschieden sich in zahlreichen Aspekten von den klassischen Hollywoodfilmen. Beispielsweise wurden in den New-Hollywood-Filmen andere Thematiken aufgegriffen, die zeitgenössischer, aktueller und realitätsbezogener erschienen sowie auf ein jüngeres Publikum ausgerichtet waren. Dies kann vor allem auf gesellschaftspolitische Umbrüche in dieser Zeit sowie auf filmökonomische Entwicklungen (Niedergang der amerikanischen Studio-Filmindustrie, Konkurrenz durch das Medium Fernsehen etc.) zurückgeführt werden.

Auch wenn das Innovationspotenzial von New Hollywood kaum angezweifelt wird, ist verhältnismäßig umstritten, in welchem Maße die Filme zu Zeiten der New-Hollywood-Ära Veränderungen in der Narration vornahmen.

1.2 Aufbau der Arbeit

Nach einer Definition des Begriffs der Narration wird ein Vergleich der Narration von klassischen Hollywoodfilmen und den New-Hollywood-Filmen vorgenommen. In diesem Kontext werden zunächst die klassischen Hollywoodfilme untersucht, wobei zwischen der Erzählstruktur, den Figurenkonstellationen sowie dem Komplex Kameraführung, Schnitt und Szenenausstattung unterschieden wird. Dasselbe Vorgehen wird anschließend für die Filme der New-Hollywood-Ära angewendet. Bei der Narrationsanalyse der New-Hollywood-Filme werden Filmbeispiele herangezogen, anhand derer sich die narrativen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum klassischen Hollywoodkino veranschaulichen lassen. Zum Schluss der Arbeit erfolgt eine Bewertung, in welchem Maße es Unterschiede in der Narration zwischen dem klassischen Hollywoodkino und New Hollywood gegeben hat.

2. Definition Narration

Der Terminus „Narration“ wird im deutschen Sprachraum gewöhnlich mit dem Begriff „Erzählung“ übersetzt. Die Narration hat einen Anfang und ein Ende, welche durch eine Verkettung von kausalen Ereignissen miteinander verbunden sind.[1]

Die klassische Narration, die vor allem von Aristoteles geprägt wurde, unterscheidet zwischen der mimetischen und der diegetischen Narration. Mimetische Narrationen weisen eine explizite Erzählperspektive auf. Diegetische Narrationen sind dagegen stärker auf das Zeigen und Sehen ausgerichtet.[2]

3. Vergleich der Narration von Hollywood- und New-Hollywood-Filmen

3.1 Klassische Hollywoodfilme

3.1.1 Erzählstruktur im klassischen Hollywood

In der Studie „The Classical Hollywood Cinema: Film Style & Mode of Production to 1960“ hat der amerikanische Filmwissenschaftler David Bordwell die These aufgestellt, dass sich das klassische Hollywoodkino in der Zeit von 1917 bis 1960 kaum verändert habe, trotz all der spezifischen Stile von einzelnen Regisseuren, Studios und Genres. Das klassische Hollywoodkino ist Bordwell zufolge als die prägende Dominante des internationalen Erzählkinos aufzufassen.[3] Es knüpft dabei an ein System narrativer Strategien an, die „sich an der ‚realistischen Literatur des 19. Jahrhunderts orientieren und sämtliche filmischen Mittel der Narration subordinieren“.[4]

Gemäß Bordwell kennt das klassische Hollywoodkino zwar keine feste Regeln oder gar Gesetze, doch lassen sich paradigmatische Merkmalskonstellationen feststellen.[5] Die klassischen Hollywoodfilme, die ein breites Publikum ansprechen sollten, sind dadurch gekennzeichnet, dass es eine kausale Relation zwischen den Ereignissen gibt, so dass die Handlung einen Sinn ergibt.[6] Im Mittelpunkt standen die allgemeine Verständlichkeit des Dargebotenen und letzten Endes die Unterhaltung des zahlenden Publikums. Das Streben nach Klarheit und Logik sowie nach Ursache und Wirkung im Handlungsablauf sind charakteristisch für das klassische Hollywoodkino. Dementsprechend verläuft die Handlungsführung üblicherweise linear und der Plot entwickelt sich sanft, mit Leichtigkeit sowie ohne Schocks und Verzögerungen. Jede Einstellung und jede Sequenz dienen dazu, die Handlung fortzuführen.[7]

In den Filmen wurde in den ersten zehn bis 20 Minuten ein für den Zuschauer klar ersichtliches Ziel des Protagonisten etabliert, wodurch das Interesse und die Teilnahme des Publikums gesichert werden sollte. Gemäß David Bordwell gibt es im klassischen Hollywoodkino zwei Standardvarianten, wie die erzählerische Struktur eines Films aufgebaut ist. Die erste Standardvariante ist dadurch gekennzeichnet, dass der Held die Situation, in der er sich befindet, verändern und ihr etwas Neues hinzugeben möchte. In der zweiten Variante will der Held einen aus der Ordnung geratenen Anfangszustand wieder herstellen. Typisch für beide Varianten ist eine romantische Liebe zwischen Mann und Frau. Zudem sind beide Varianten durch zwei unterschiedliche Handlungsebenen charakterisiert, die gleichzeitig verfolgt werden. Die erste Ebene ist eine wie auch immer geartete Problemstellung, beispielsweise im Bereich des Geschäftslebens oder des Sports. Die zweite Ebene ist irgendeine Form von heterosexueller Liebe.[8] Demnach ist der Plot häufig in zwei parallel geführte Handlungsstränge aufgespalten, nämlich ein gesellschaftlich relevantes Abenteuer und eine heterosexuelle Romanze.[9] In den klassischen Hollywoodfilmen werden diese beiden Handlungslinien üblicherweise miteinander verstrickt. Auch untergeordnete Handlungen werden oftmals eng miteinander verknüpft.[10]

Am Ende des Films sind alle aufgetretenen Probleme, Unklarheiten und Rätsel gelöst. In der Regel wird auch die soziale Ordnung, sollte sie zwischenzeitlich aus den Fugen geraten sein, wieder hergestellt.[11]

Die Erzählstruktur in den klassischen Hollywoodfilmen folgt häufig einem Drei-Akt-Schema. Im ersten Akt, der Exposition, wird zunächst die Hauptfigur eingeführt. Diese Figur sieht sich einem Problem oder einer Krise gegenüber. Anschließend taucht ein Antagonist (häufig der „bad guy“) auf, der in einen Konflikt mit der Hauptfigur tritt. Dabei treten die Interessen und Ziele der Charaktere zutage.[12] Die Probleme und Konflikte sind oft derart gestaltet, dass es zu einer Entzweiung zwischen Mensch und Natur, Mensch und Gesellschaft oder Mensch und Gott gekommen ist.[13] Im zweiten Akt, der als „Entwicklung“ bezeichnet werden kann, steigert sich die Auseinandersetzung zwischen Hauptfigur und Antagonist und steuert auf einen Höhepunkt zu.[14] Demnach steht im zweiten Akt „die Reise, die Gefahr, die Herausforderung und vor allem das Opfer, eine mehr oder minder ritualisierte Form der Strafe“.[15] Im dritten Akt, dem Höhepunkt, wird schließlich das Problem auf eine für die Hauptfigur positive oder negative Weise gelöst.[16] Es kommt oftmals zu einem Sieg, zur Erlösung, zur Bestätigung des Opfers sowie zu einer neuen bzw. wiederhergestellten Ordnung.[17] Kennzeichnend ist, dass bis zum Schluss der Spannungsbogen erhalt bleibt und die Lösung plausibel ist. Häufig hilft ein letzter Moment der Spannung, in dem es plötzlich so aussieht, als könnte der Protagonist bzw. Held sein Ziel nicht erreichen, um das Interesse der Zuschauer bis zum Schluss aufrechtzuerhalten.[18]

Gemäß dem Filmwissenschaftler Robert McKee verleiht vor allem die moralische Ordnung der realen Welt einem 3-aktigen Film seine Substanz und seinen Unterhaltungswert. Denn die Filmrezipienten sehen gerne moralische und ethische Entscheidungen einer Figur, die sich in einer Drucksituation befindet, um deren Reaktionen als Vorbild für die eigenen Entscheidungen im realen Leben zu nutzen.[19]

Auch wenn selbstverständlich nicht alle klassischen Hollywoodfilme ein Happy End aufweisen, ist diese Art des Handlungsendes kennzeichnend für die meisten Filme.[20] David Bordwell betont in seinem Aufsatz „Happily ever after, part two“, dass das Happy End eine der wenigen Konnotationen sei, die auch im internationalen Rahmen immer schon zur Charakterisierung des Hollywood-Kinos herangezogen worden sei. Dabei zeigte sich die konsequenteste Ausprägung dieses Stereotyps klassischer Narration im amerikanischen Film in der Zeit zwischen 1920 und 1960.[21] Das Happy End musste sich insbesondere im Einklang mit den dominierenden Moralvorstellungen befinden, in der klassischen Narration für den Zuschauer plausibel sein sowie dem Zuschauer eine Art Geschlossenheit der Narration näher bringen. Diese Geschlossenheit mit glücklichem Ausgang hatte in erster Linie die Funktion, dem Zuschauer eine Art Sicherheit zu vermitteln. In zweiter Linie produziert die Geschlossenheit einen wirklichen Abschluss, gewissermaßen ein Ende ohne Wenn und Aber. Letztere Funktion lässt sich dabei mit folgender Aussage umschrieben: „Les gens heureux n’ont plus d’histoire“.[22] Dies bedeutet, dass sich nach dem Ende nichts mehr ereignet und es auch nichts mehr zu erzählen gibt. Die Filmrezipienten werden dadurch von Verstörendem befreit und können zur Ruhe kommen. Dieser Aspekt war nicht zuletzt in wirtschaftlicher Hinsicht relevant, denn wollten die Zuschauer mehr von dieser Ruhe, mussten sie wieder das Kino aufsuchen. Durch das Happy End im klassischen Hollywoodkino, das hauptsächlich die Funktion der Zerstreuung hatte, konnte sich der Zuschauer eine Art Gegenwelt schaffen, die einfacher strukturiert war als seine Alltagswelt. Die Filme aus dieser Zeit sollten dem Zuschauer vor allem ein Kontrastprogramm zum Lebensalltag bieten: „der Rezipient [kommt] in den […] Genuss, dass im Kino alle Rechnungen aufgehen und er im Hinblick auf die Problembewältigung in utopischen Kategorien denken und fühlen darf“.[23]

In Bezug auf die Erzählperspektive ist zu bemerken, dass in klassischen Hollywoodfilmen tendenziell die auktoriale Erzählsituation bevorzugt wird. Diese Erzählweise zeichnet sich dadurch aus, dass es einen allwissenden Erzähler gibt, dessen Präsenz unbemerkt bleibt und der relevante Informationen preisgibt. Der Erzähler benutzt dabei die Möglichkeiten der Innen- und Außenperspektive, um die Story zu präsentieren. Ergänzt wird die auktoriale Erzählsituation mit den Sichtweisen einzelner Figuren, beispielsweise in Form subjektiver point-of-view shots. Grundsätzlich versteckt sich die Erzählhaltung im klassischen Hollywoodkino hinter dem Geschehen, um die Konzentration der Rezipienten nicht von dem unterhaltsamen Verlauf der Geschichte abzulenken.[24]

3.1.2 Figurenkonstellationen

Nach dem Vorbild der Aristoteles’schen Dramatik stellen sich dem Protagonisten im Lauf der Handlung Hindernisse in den Weg, häufig in Gestalt eines oder mehrerer Gegenspieler. Die Hauptfigur kann ihr übergeordnetes Ziel erst erreichen, wenn die auftretenden Konflikte der polaren Kräfte gelöst werden.[25]

Die Charaktere im klassischen Hollywoodfilm dienen als sogenannte causal agents und sind dementsprechend kausal motiviert. Indem die Figuren Entscheidungen treffen (respektive nicht treffen) sowie Wünsche und Ziele realisieren wollen, treiben sie die Story voran. Typischerweise geht von den Figuren die Handlung aus.[26] Die Handlungsmotive und die besonderen Eigenschaften der Charaktere stehen im Mittelpunkt. So sind die Charaktere der Protagonisten vor allem psychologisch motiviert. Die Charaktere setzen sich aus Alter, Geschlecht, Beruf, ethnische Zugehörigkeit, äußerer Erscheinung etc. zusammen. Die Individuellen Züge der Protagonisten werden durch Gestik, Mimik, Vorlieben und Ticks zum Ausdruck gebracht. Die psychologische Motivation der Charaktere ist vor allem in Dramen und romantisch orientierten Komödien vielschichtiger angelegt als in Actionfilme, da sich die Handlungen sehr stark auf die Figuren beziehen. Dabei gibt es einen breiten Spielraum für die Charakterisierung der Protagonisten. In Genres wie dem Action- und Adventurefilm wird oftmals darauf verzichtet, komplexe Charaktere der Figuren zu entwickeln, da die in diesen Genres Action und Spezialeffekte im Mittelpunkt stehen und die Figuren und die Handlung flacher angelegt sind. Demnach Aus diesem Grund haben die Charaktere in diesen Filmen häufig stereotype Eigenschaften, damit die Zuschauer die Protagonisten schneller verstehen können.[27]

[...]


[1] Vgl. Kern (2009), S.17

[2] Vgl. Köhler (2009), S.12

[3] Vgl. Leonhard (2001), S.1120

[4] Leonhard (2001), S.1120

[5] Vgl. Dammann (2007), S. 330

[6] Vgl. Straub (2009), im Internet unter: http://www.suite101.de/content/erzaehlprinzip-eines-klassischen-hollywoodfilms-a64750

[7] Vgl. Dammann (2007), S. 331

[8] Vgl. Straub (2009), im Internet unter: http://www.suite101.de/content/erzaehlprinzip-eines-klassischen-hollywoodfilms-a64750

[9] Vgl. Leonhard (2001), S.1120

[10] Vgl. Straub (2009), im Internet unter: http://www.suite101.de/content/erzaehlprinzip-eines-klassischen-hollywoodfilms-a64750

[11] Vgl. Dammann (2007), S. 331

[12] Vgl. Schatz (1983), S.48

[13] Vgl. Schneider (2002), S.56

[14] Vgl. Schatz (1983), S.48

[15] Schneider (2002), S.56

[16] Vgl. Schatz (1983), S.48

[17] Vgl. Schneider (2002), S.56

[18] Vgl. IFPI Austria (2010), S.12

[19] Vgl. Schneider (2002), S.56

[20] Vgl. Straub (2009), im Internet unter: http://www.suite101.de/content/erzaehlprinzip-eines-klassischen-hollywoodfilms-a64750

[21] Vgl. Christen (2002), S, 37

[22] Nacache (1995), S. 104

[23] Wuss (1993), S. 420

[24] Vgl. Dammann (2007), S. 335

[25] Vgl. Dammann (2007), S. 331

[26] Vgl. Dammann (2007), S. 331

[27] Vgl. Straub (2009), im Internet unter: http://www.suite101.de/content/erzaehlprinzip-eines-klassischen-hollywoodfilms-a64750

Details

Seiten
21
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656607281
ISBN (Buch)
9783656607274
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269611
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,0
Schlagworte
vergleich filme hollywood hollywood-filmen

Teilen

Zurück

Titel: Vergleich der Filme des New Hollywood zu klassischen Hollywood-Filmen