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Segregationsformen ethnischer Gruppen in US-amerikanischen Städten

Hausarbeit 2011 16 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition des Begriffs Segregation

3 Segregationsformen ethnischer Gruppen
3.1 Bedeutende ethnische Minderheiten in den USA
3.2 Ursachen für die Segregation
3.2.1 „Erzwungene“ Segregation
3.2.2 „Freiwillige“ Segregation

4 Räumliche Beispiele für Segregation ethnischer Gruppen
4.1 Allgemeine räumliche Ausprägungen
4.2 Raumbeispiel: Chicago

5 Ausblick

6 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Segregation ist eine vielschichtige Erscheinung, die seit jeher zum Stadtbild gehört. Bereits das Zentrum Babylons 2000 Jahre v. Chr. war nur für Könige und Priester zugänglich, aber auch die mitteleuropäischen Städte des Mittelalters waren so gegliedert, dass sich die Bevölkerung der jeweiligen Viertel nach Beruf und sozialem Stand unterschied (Häußermann/Siebel 2004:146). Auch im Italien der Renaissance gab es starke Ausprägungen der Segregation. So ist der Ursprung des Begriffes Ghetto in dem Namen eines Quartiers in Venedig zu sehen, in dem das Wohnrecht dahingehend reglementiert wurde, dass die jüdische Gemeinde in einem Stadtviertel zusammengefasst wurde. Und auch in asiatischen Städten und in Indien ist es noch immer üblich, dass der Wohnort an die Religion bzw. an die Zugehörigkeit zu einer Kastegeknüpft ist (Häußermann/Siebel 2004:146). Aktuell zählt die Segregationsforschung zu den wichtigsten Fragestellungen der Stadtsoziologie und -geographie.

Den Einstieg in das Thema stellt die Definition des Begriffs Segregation und die Vorstellung von zwei geläufigen Segregationsindizes dar. Anschließend wird im Hauptteil der Arbeit auf die Segregationsformen ethnischer Gruppen eingegangen, indem vorab geklärt wird in welchem Sinne ethnisch zu verstehen ist, um darauf aufbauend die wichtigsten ethnischen Minderheiten in den USA vorzustellen. Das Kernstück der Arbeit bildet die nachfolgende Ausarbeitung der Ursachen für die Segregation ethnischer Gruppen, wobei die Ursachen in erzwungen - also strukturell bedingt - und freiwillig unterschieden werden. Basierend auf diesen Ausführungen werden zuerst die allgemeinen räumlichen Ausprägungen der Segregation erläutert, um anschließend auf das Stadtbeispiel Chicago, das durch ausgeprägte ethnische Segregationserscheinungen gekennzeichnet ist, zu sprechen zu kommen. Abschließend folgen eine Bewertung der Segregationsprozesse vor dem Hintergrund der Theorie des melting pots und der zu erwartenden zukünftigen Entwicklung, sowie eine Zusammenfassung der wichtigsten vorgestellten Aspekte.

Das Ziel der Arbeit liegt auf der kritischen Betrachtung der Segregationsursachen von ausgewählten ethnischen Gruppen und auf den durch ethnische Segregation geprägten städtischen Räumen.

2 Definition des Begriffs Segregation

Der Begriff Segregation (lat. Segregatio = Absonderung) lässt sich einerseits als „Ausmaß der ungleichen Verteilung von Bevölkerungsgruppen im Hinblick auf räumliche Einheiten einer Stadt“ (Lichtenberger 1998:242) definieren, wird aber zugleich auch „auf alle Prozesse der räumlichen Auseinanderlegung von Bevölkerungsgruppen, die nach verschiedenen Merkmalen definiert werden können“ (Lichtenberger 1998:242) angewandt. In der Stadtsoziologie und -geographie wird der Begriff als Grad der Disproportionalität bzw. Trennung von Bevölkerungsgruppen verwendet (Borsdorf/Bender 2010:177). Der Begriff bezeichnet somit sowohl einen Zustand der ungleichen Verteilung als auch einen Prozess, in dessen Folge es zu einer Konzentration von Bevölkerungsgruppen in einem und zu einer Dekonzentration in einem anderen Teilraum kommt (Fassmann 2004:163). Residentielle Segregation kann grundlegend in drei verschiedene Segregationsformen, nämlich in ethnische (z.B. nach Ethnie, Religion), demographische (z.B. nach Alter, Phase im Lebenszyklus) und soziale (z.B. nach Einkommen, Bildung, Beruf, Lebensstil) Segregation unterteilt werden (Gaebe 2004:88). Die heterogene Bevölkerung einer Stadt, bei der zuvor genannte Merkmale deutlich unterschiedlich ausgeprägt sind, führt dazu, dass sich „soziale Distanz in räumlicher Distanz manifestiert“ (Häußermann/Siebel 2004:140). Unterschieden werden muss in der Segregationsforschung ebenfalls, aus welchen Gründen es zu einer disproportionalen Bevölkerungsverteilung kommt, denn der freiwillige Zuzug in ein bestimmtes Viertel, um unter seinesgleichen zu sein, ist anders zu bewerten als die durch administrative bzw. ökonomische Strukturen erzwungene Segregation einer bestimmten Gruppe (Borsdorf/Bender 2010:374).

Zur quantitativen Erfassungvon Segregation lässt sich u.a. der Segregationsindex (IS) und der Dissimilaritätsindex (ID) heranziehen (Häußermann/Siebel 2004:140). Mit dem Segregationsindex lässt sich die räumliche Verteilung einer Bevölkerungsgruppe in Bezug auf die Gesamtbevölkerung in einer definierten Raumeinheit bestimmen (vgl. Abb. 1), während der Dissimilaritätsindex zur Bestimmung der unterschiedlichen räumlichen Verteilung von zwei Bevölkerungsgruppen dient (Lichtenberger 1998:241). Beide Indizes sind Ableitungen der Lorenzkurve, dienen der Messung von Differenzen von der Gleichverteilung und können Werte zwischen 0 (Gleichverteilung) und 100 (vollständige Segregation) annehmen (Borsdorf/Bender 2010:178).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Beispielberechnungen des Segregationsindexes (IS) für eine Bevölkerungsgruppe (verändert nach Fassmann 2004:168)

3 Segregationsformen ethnischer Gruppen

Für die Betrachtung von Segregationsformen für verschiedene ethnische Gruppen ist es sinnvoll vorab zu klären, wie der Begriff ethnisch zu verstehen ist. Nach Leser (2005:205) wird der Begriff ethnische Gruppe als eine „durch gleiche rassische völkische Zugehörigkeit gekennzeichnete Bevölkerungsgruppe in einem Staat“, die vielfach eine Minderheit gegenüber der Gesamtbevölkerung darstellt, definiert.

Bei den Segregationsformen gilt es zu beachten, dass zwar zwischen den drei grundlegenden Dimensionen der ethnischen, demographischen und sozialen Segregation unterschieden wird, in der Realität es aber durchaus zu einer Verzahnung der Dimensionen kommen kann. Fällt somit eine ethnische Gruppe mit einer Sozial- oder Altersgruppe zusammen, z.B. junge afro-amerikanische Einwanderer mit geringem Einkommen, kommt es durch Überschneidung der Segregationsmuster zu einer umso stärkeren sozialräumlichen Fragmentierung (Gaebe 2004:88). Der Status einer Bevölkerungsgruppe wird daher oft durch eine Kombination der zuvor genannten Merkmale determiniert. Die Einteilung einer ethnischen Gruppe in Minder- bzw. Mehrheit erfolgt dabei über das Verhältnis der jeweiligen Gruppen zueinander (Borsdorf/Bender 2010:195).

Nach Häußermann/Siebel (2004:143) kommt es zur Segregation, sobald eine Stadt sowohl soziale als auch räumliche Unterschiede aufweist, sodass die „unterschiedliche soziale Situation der Haushalte dann auf ein differenziertes Angebot von Wohnungsqualitäten trifft“.

3.1 Bedeutende ethnische Minderheiten in den USA

Im Zensus der Vereinigten Staaten findet eine Unterteilung zwischen der weißen und nicht-weißen Bevölkerung, die sich wiederum aus Afro-Amerikanern, amerikanischen Indianern, Asiaten und Hawaiianern zusammensetzt, statt. Zusätzlich werden Personen mit spanischer Muttersprache (Hispanics) ausgewiesen. Die Abgrenzung zwischen den ethnischen Gruppen wird nicht auf Grundlage von zuvor festgelegten Merkmalen durchgeführt, sondern durch eine Selbsteinstufung der befragten Haushalte (Bähr 2004:142). Für das Jahr 2009 bildet die weiße Bevölkerung den größten Anteil mit 79,6 %, gefolgt von der afro-amerikanischen Bevölkerung mit 12,9 % und der asiatischen Bevölkerung mit 4,6 %. Der Anteil der Hispanics wird mit 15,8 % ausgewiesen (U.S. Census Bureau 2010). Die überaus ethnisch und kulturell heterogen gestaltete amerikanische Gesellschaft entstand überwiegend durch Immigration, Nachfahren von Immigranten und widerwillig hergebrachten Afrikanern, von denen sich die meisten Einwanderer in den Städten ansiedelten (Gaebe 2004:228). Die gegenwärtige Zusammensetzung der Immigranten der zweiten Immigrationswelle, die den Vereinigten Staaten aktuell widerfährt, hat sich im Vergleich zur ersten im 19./20. Jahrhundert erheblich verändert. Die Einwanderer kommen nicht mehr vor allem aus Europa, sondern zu über 80 % aus Asien und Lateinamerika, was auf Konflikte in den Abwanderungsräumen zurückzuführen ist (Vossen 2003:6). Die großen Zentren der Vereinigten Staaten, wie Los Angeles, New York, San Francisco, Chicago, Miami, Washington D.C. und Houston, nehmen dabei die meisten Immigranten auf, sodass gerade in diesen Städten erhebliche Veränderungen in der ethnischen Zusammensetzung festzustellen sind (Vossen 2003:7). Aufgrund von unterschiedlichen regionalen Niederlassungspräferenzen der jeweiligen ethnischen Gruppen entsteht somit ein sehr heterogenes innerstädtisches Bild (Borsdorf/Bender 2010:205).

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Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656607175
ISBN (Buch)
9783656607144
Dateigröße
624 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269578
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Geographisches Institut
Note
1,00
Schlagworte
segregationsformen gruppen us-amerikanischen städten

Autor

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