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Degradation und Desertifikation

Hausarbeit 2009 16 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Allgemeines, Grundlagen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Abgrenzung des Begriffs Desertifikation

3 Geographische Verbreitung der Desertifikation

4 Ursachen der Desertifikation
4.1 Klimatische Randbedingungen
4.2 Sozioökonomische Randbedingungen
4.3 Unangepasste Landnutzung

5 Folgen der Desertifikation
5.1 Sozioökonomische Folgen
5.2 Ökologische Folgen

6 Maßnahmen zur Bekämpfung der Desertifikation
6.1 Sozioökonomische Maßnahmen
6.2 Ökologische Maßnahmen

7 Zusammenfassung

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Bereits im Jahre 1972 wurde der Bodenschutz als überregionales politisches Ziel in der Europäischen Bodencharta festgehalten und der Boden als kostbares, begrenzt vorhandenes und leicht zerstörbares Gut klassifiziert (Kuntze 1994:357). Bedingt durch die Auswirkungen der Dürre im Sahel 1968-1973 wurde der Begriff der Desertifikation im Rahmen von nachfolgenden UN-Umweltkonferenzen 1977 in Nairobi und 1992 in Rio der Janeiro weltweit bekannt und diskutiert (Strahler/Strahler 2005:611). Die stetig wachsende Weltbevölkerung stellt zunehmende Ansprüche an den Boden, da die landwirtschaftliche Nutzfläche zur Gewährleistung der Ernährung nicht proportional zum Bevölkerungswachstum größer wird (Mensching/Seuffert 2001:6). Daraus ergibt sich mit der Zeit eine zunehmend intensivere Nutzung des Bodens, sodass eine Regeneration und somit eine nachhaltige Nutzung für künftige Generationen immer problematischer wird. In Anbetracht der UN-Milleniumsziele zählt die Desertifikation ebenfalls zu den „größten Umwelt- und Entwicklungsproblemen des 21. Jahrhunderts“ (Opp 2004:49), auch wenn sich die Problematik größtenteils dem Bewusstsein der Öffentlichkeit entzieht.

Den Einstieg in das Thema stellt eine Abhandlung über den Begriff Desertifikation dar, da auf Grund der uneinheitlichen Definition die Tragweite nicht eindeutig zu erfassen ist. Dadurch kommt es zu Schwierigkeiten, die ebenfalls thematisiert werden. Darauf basierend wird anhand einer Definition das Ausmaß der Desertifikation quantitativ beleuchtet, indem desertifikationsgefährdete Gebiete aufgezeigt werden. Anschließend werden anhand der Sahelzone Ursachen für das Desertifikationsgeschehen detailliert betrachtet. Aufbauend auf den daraus resultierenden sozioökonomischen und ökologischen Folgen wird auf Maßnahmen zur Bekämpfung der Desertifikation anhand aktueller Projekte eingegangen, die abschließend bewertet werden.

Ziel der Arbeit ist es die Zusammenhänge rund um das Thema Desertifikation herauszuarbeiten und einen strukturierten Einblick in das komplexe Ursache-Wirkungs-Gefüge zu erlangen.

2 Abgrenzung des Begriffs Desertifikation

In der Fachwelt gibt es uneinheitliche Definitionen des Begriffs Desertifikation. Außerdem haben die Massenmedien zu den irrtümlichen Vorstellungen von den Zusammenhängen, die die Desertifikation bedingen, beigetragen. Daher ist es zu Beginn nötig den Begriff Desertifikation abzugrenzen und inhaltlich auszufüllen (Mensching/Seuffert 2001:8).

Als Desertion wird die natürliche Wüstenbildung ohne anthropogene Eingriffe bezeichnet (Seuffert 2001:93) und ist nicht mit der Desertifikation zu verwechseln. Im Rahmen der Agenda 21 wurde auf der UNCCD-Konferenz in Rio de Janeiro 1992 folgende Definition für die Desertifikation festgelegt, die folgerichtig den anthropogenen Eingriff in den Desertifikationsprozess berücksichtigt: „desertification is land-degradation in arid, semi-arid and dry subhumid areas resulting from various factors, including climate variations and human activities” (Mensching 1994:272).

Anzumerken ist an dieser Stelle, dass die Landschaftsdegradation - „die negative Veränderung ökologischer und/oder ökonomischer Potenziale von Räumen, die nach Größe und Charakter als Landschaften gelten“ (Seuffert 2001:9) - mit den klimatischen Bedingungen von Gebieten gekoppelt sein muss. Landschaftsdegradation kann zwar weltweit wirksam sein, muss jedoch nicht überall zu wüstenhaften Bedingungen führen (Mensching/Seuffert 2001:7). Landschaftsdegradation und Desertifikation können also somit nicht gleichgesetzt werden.

Ein ebenfalls von Mensching und Seuffert (2001:8) kritisierter Punkt der UN-Definition ist die Tatsache, dass nicht jede Landschaftsdegradation in den Trockengebieten auch wirklich zu einer realen Ausbreitung von Wüsten und somit zur „man made desert“ (Seuffert 2001:91) führt, da die Degradationsintensität mitberücksichtigt werden muss, was zu folgender Definition führte:

Endstufe von „ Landschaftsdegradation “ , die durch unangepasste, vor allem landwirtschaftliche Nutzung (Viehzucht, Ackerbau) lokal (kleinr ä umig), regional (groß r ä umig) und langfristig möglicherweise sogar zonal wüstenartige Umweltbedingungen in Landschaften entstehen l ä sst, die vordem keine Wüsten waren. (Mensching/Seufert 2001: 9).

Als wesentliche Kennzeichen lassen sich somit die Degradation von Boden und Vegetation sowie die Beeinträchtigung des Wasserhaushaltes als anthropogen gesteuerter Prozess festhalten. Dies führt letztendlich zu wüstenhaften Bedingungen in Erdräumen, in denen auf Grund ihrer klimazonalen Lage keine Wüste sein dürfte (Gebhardt et al. 2007:983). Eine eindeutige Definition ist nicht nur deshalb von zentralem Belang, weil sich die geographische Verbreitung nur durch einheitliche Kriterien ermitteln lässt, sondern auch, weil sich ansonsten Forderungen nach Bekämpfungsmaßnahmen der Desertifikation im Rahmen der Entwicklungshilfe beliebig unterlaufen bzw. stellen lassen (Seuffert 2001:99).

3 Geographische Verbreitung der Desertifikation

Desertifikationserscheinungen treten der UN-Definition nach in Regionen auf, die durch arides, semi-arides und trocken subhumides Klima geprägt sind. Diese Regionen umfassen in etwa 40 Prozent der Landmasse der Erde, von denen rund 70 Prozent mit einer Gesamtfläche von 3,6 Milliarden Hektar von Desertifikationserscheinungen betroffen oder bedroht sind (Gebhardt et al. 2007:983).

Das US-Landwirtschaftsministerium veröffentlichte im Jahre 1999 die „Risk of Human-Induced Desertification Map“ (USDA 1999) - eine Weltkarte im Maßstab 1:5.000.000, auf der gefährdete Gebiete durch anthropogen verursachte Desertifikation dargestellt werden. Die Skalierung unterscheidet zwischen gering gefährdeten (grün), mäßig gefährdeten (gelb), gefährdeten (orange) und stark gefährdeten (rot) Gebieten und basiert dabei auf Daten der Bodentypen, des Klimas und der Bevölkerungsdichte. So wird in Abb. 1 ersichtlich, dass die stark gefährdeten Gebiete vor allem in Afrika in der Übergangszone zwischen Sahara und Savanne (Sahelzone), im Kaukasus, im Nahen Osten, in Zentralasien und in Indien liegen. Aber auch Brasilien, die Anden, der Westen der USA und Mexikos, der Süden Afrikas und Australien sind gefährdet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Risk of Human-Induced Desertification Map (USDA 1999).

Generell muss festgehalten werden, dass die Desertifikation nicht auf breiter Front fortschreitet, sondern vielmehr lokal dort verbreitet ist, wo aus unterschiedlichen Gründen saisonal oder ganzjährig eine überdurchschnittliche hohe Bevölkerungsdichte auftritt und sich durch die unangemessene Landnutzungsintensität Fehl- und Übernutzungen des Bodens ergeben (Krings 2006:70). Ringförmige Zonen um ganzjährig nutzbare Wasservorkommen und Siedlungen sind ebenfalls stark desertifikationsgefährdet, da durch die ansässigen Bauern und Tierhalter eine Nutzungskonkurrenz um Acker- und Weideland sowie Wälder besteht (Krings 2006:71).

Es handelt sich bei „Desertifikationsprozessen um hoch komplexe Ursache-Wirkungs- korrelationen […], die sich von Fall zu Fall und von Region zu Region auf die jeweils wirksamen Faktoren und Mechanismen unterscheiden“ (Gebhardt et al. 2007:984). Um die Tragweite des Desertifikationsprozesses jedoch anhand eines Bezugspunktes beleuchten zu können, wird im folgenden Verlauf der Arbeit explizit auf die Sahelzone eingegangen, die bereits als Synonym für das Desertifikationsgeschehen gilt (Krings 2006:68).

4 Ursachen der Desertifikation

Die aus verschiedenen Gründen unangepasste Landnutzung der Bevölkerung kann unter Berücksichtigung der klimatischen Randbedingungen als anthropogene Wurzel für den Desertifikationsprozess betrachtet werden (Gebhardt et al. 2007:984), der sich fortlaufend durch die Degradation der jeweiligen Ökosysteme selbst verstärkt (Krings 2006:69). So kommt es zum Beispiel durch die Degradation der Biosphäre zu einer Freilegung der Böden, sodass ein Aridifizierungseffekt ausgelöst wird, der die Verdunstung an der Bodenoberfläche (Evaporation) und den von der Erdoberfläche reflektierter Anteil der einfallenden Strahlung (Albedo) erhöht (Krings 2006:69). Als Folge trocknet der Boden schneller aus und es kommt zur Verhärtung der Bodenoberfläche, sodass die Infiltration von Niederschlag verhindert wird, was wiederum zu einer Degradation der Hydrosphäre und einer Abtragung des Bodens durch Oberflächenabfluss führt (Mensching 1993:361). Somit kommt es durch den unangepassten Eingriff des Menschen in die Biosphäre zu Degradationserscheinungen der anderen eng miteinander verknüpften Ökosysteme, sodass eine allgemeine Regeneration zunehmend schwieriger wird und ein Selbstverstärkungseffekt eintritt. Zudem ist es durch die enge Verknüpfung der Ökosysteme oftmals nicht trivial, welche Ursachen eine entscheidende Rolle im regionalen Desertifikationsgeschehen spielen.

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Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656606949
ISBN (Buch)
9783656606932
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269563
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Geographisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Desertifikation

Autor

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Titel: Degradation und Desertifikation