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Die Wichtigkeit der Jagd

Analyse und Bewertung der Arbeit der ,,Plagiatsjäger" im Fall zu Guttenberg aus wissenschaftstheoretischer und wissenschaftsethischer Sicht

Essay 2014 14 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Einführung und Themenstellung

2. Begriffsdefinitionen
2.1. Wissenschaftstheorie
2.2. Wissenschaftsethik
2.3. Plagiat und Plagiatsjäger

3. Die Arbeit der Plagiatsjäger im Fall zu Guttenberg

4. Analyse und Bewertung

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abstract

Im vorliegenden Essay wird die Arbeit der Plagiatsjäger im Fall zu Guttenberg aus wissenschaftstheoretischer und wissenschaftsethischer Perspektive bewertet. Nach einer Definition der für diese Analyse zentralen Begriffe wird der Plagiatsfall dargestellt. Hierbei wird insbesondere auf das Vorgehen der Plagiatsjäger eingegangen. Darauffolgend wird die Wichtigkeit, die sowohl „Plagiatsentdecker“ als auch „Hobbie-Plagiats-Jäger“ für das Wissenschafts- und Gesellschaftssystem haben, herausgestellt. Auch wenn die Handlungsmotivation der Plagiatsjäger bisweilen auf politischen Interessen gründen mag, so sollte ihr Verhalten - eingeordnet in einen größeren Kontext - nicht als unmoralisch begriffen werden, da sie einen hohen gesellschaftlichen Wert hat.

1. Einführung und Themenstellung

„Bei dem Promotionsverfahren von Herrn zu Guttenberg gab es keine Unregelmäßigkeiten.“1, ist auf der Internetseite der Universität Bayreuth zu lesen. Die „dreisten Plagiat[e]“ und die „Täuschung[en]“2, die Guttenberg mehr als zwei Jahre nach Verleihung der offiziellen Doktorwürde zum Vorwurf gemacht wurden, fielen den zuständigen Prüfern vermutlich nicht auf. Es bedurfte der Initiative eines Juraprofessors, um die Prüfungskommission auf die Unregelmäßigkeiten in Guttenbergs Arbeit aufmerksam zu machen. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe wurde im Internet die offene Plattform GuttenPlag Wiki gegründet, auf der Plagiat[s]jäger“3 die Plagiate in Guttenbergs Dissertation sammelten.

Die Arbeit, welche die Plagiatsjäger leisteten, wird im Folgenden aus wissenschaftstheoretischer und wissenschaftsethischer Perspektive bewertet. Hierbei wird insbesondere den Fragen nachgegangen, welche Wichtigkeit diese Menschen im Wissenschaftssystem einnehmen und ob ihr Handeln aus ethischer Sicht zu rechtfertigen ist.

Zunächst werden die für die Beantwortung dieser Fragen zentralen Begriffe definiert. Anschließend wird die Arbeit der Plagiatsjäger im Fall zu Guttenberg dargestellt und bewertet. In einer Schlussbetrachtung wird das Thema dann zusammengefasst.

2. Begriffsdefinitionen

Im Folgenden werden die für dieses Essay zentralen Begriffe „Wissenschaftstheorie“, „Wissenschaftsethik“ sowie „Plagiat“ und „Plagiatsjäger“ definiert.

2.1. Wissenschaftstheorie

Die Wissenschaftstheorie, ein Teil der Erkenntnistheorie4 und damit der Philosophie5, untersucht die „Voraussetzungen, Methoden, Strukturen, Ziele und Auswirkungen von Wissenschaft“.6 Sie setzt sich mit dem wissenschaftlichen Selbstverständnis auseinander und betrachtet die Praktiken der Wissenschaft dahingehend, inwiefern diese normativen Zielen wie Wahrheit und Fortschritt dienen.7

2.2. Wissenschaftsethik

Die Ethik ist eine philosophische Disziplin, innerhalb derer eine Auseinandersetzung mit der Moral erfolgt.8 Moral wiederum kann gefasst werden als die Verhaltens- und Handlungsmuster, denen eine Gruppe von Menschen folgt.9 Während die allgemeine Ethik sich mit den Maximen und Zielen des gesellschaftlichen Handelns auseinandersetzt,10 untersucht die Wissenschaftsethik als normative Disziplin den Sinn der Wissenschaft sowie deren Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.11 Hieraus lassen sich forschungsethische Prinzipien ableiten wie beispielsweise das des Nicht- Plagiierens.12

In diesem Essay wird zur wissenschaftsethischen Bewertung des Verhaltens der Plagiatsjäger auf Kants Moralphilosophie rekurriert. Auf Grundlage von §7 GRUNDGESETZ DER REINEN PRAKTISCHEN VERNUNFT „Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne“13 wird ihr Handeln dahingehend bewertet, ob es - abstrahiert und verallgemeinert - als positiv für das Wissenschafts- und Gesellschaftssystem zu bewerten ist.

2.3. Plagiat und Plagiatsjäger

Ein Plagiat - und damit ein Fall des „Diebstahl[s] geistigen Eigentums“14 - liegt vor, wenn Informationen und Ideen eines anderen übernommen und, als die eigenen ausgegeben, veröffentlicht werden.15 Dazu zählt in wissenschaftlichen Arbeiten und Publikationen die Übernahme von Inhalten ohne Quellennennung sowie die unzureichende Kennzeichnung direkter Zitate.16 Handelt es sich bei der Übernahme um Passagen aus veröffentlichten Werken der Kunst, Wissenschaft oder Literatur, so liegt eine Urheberrechtsverletzung vor.17 Rechtlich relevant können Plagiate außerdem sein, wenn gegen Universitäts- Prüfungsordnungen verstoßen wird. In diesem Essay werden die moralischen Implikationen des Plagiierens - ungeachtet ihrer rechtlichen Relevanz - betrachtet.

In der vorliegenden Arbeit werden Plagiatsjäger als Personen definiert, die gezielt Textpassagen aus wissenschaftlichen Werken auf die nicht hinreichend gekennzeichnete Übernahme fremder Gedanken prüfen. Es kann zwischen drei Gruppen von Plagiatsjägern unterschieden werden: A) Die „Plagiatsentdecker“, die erstmalig auf Plagiate in einer wissenschaftlichen Arbeit aufmerksam werden und eine Erstprüfung einzelner Textpassagen unternehmen, B) Die „Hobbiejäger“, welche auf einen Anfangsverdacht hin wissenschaftliche Arbeiten systematisch auf Plagiate prüfen und diese Ergebnisse sammeln und der Öffentlichkeit zugänglich machen und C) Die „Berufsprüfer“, welche die Vorwürfe prüfen, um auf Grundlage der Überprüfung rechtliche und/oder institutionelle Schritte einzuleiten.

In dieser Arbeit wird sowohl das Verhalten der Plagiatsentdecker als auch der Hobbiejäger bewertet. Der Fokus dieses Essays auf die Plagiatsentdecker lässt sich damit begründen, dass von ihrem Verhalten; ihrer Entscheidung, die Funde öffentlich zu machen, die weitere „Plagiatsjagt“ abhängt. Die Hobbiejäger führen dann auf freiwilliger Basis die Arbeit der Entdecker fort. Das Handeln der Berufsprüfer wiederum ist sehr stark institutionell eingebettet und eignet sich daher nur sehr bedingt für eine ethische Verhaltensbewertung.

3. Die Arbeit der Plagiatsjäger im Fall zu Guttenberg

Im Jahr 2009 wurde Karl-Theodor zu Guttenbergs Dissertation „Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“ veröffentlicht. Im darauffolgenden Jahr entdeckte - nach Angabe der Münsterschen Presse - ein Doktorand kopierte Textstellen in zu Guttenbergs Dissertation. Er sah auf Anraten seines Doktorvaters jedoch von einer Öffentlichmachung seiner Funde ab.18

[...]


1 Universität Bayreuth (2011): Frequently Asked Questions. Unter: http://www.uni-bayreuth.de/presse/Aktuelle- Infos/2011/FAQs-Stand-1__April.pdf [17.01.2014].

2 Preuß, Roland/ Schultz, Tanjev (16.02.2011): Plagiatsvorwurf gegen Verteidigungsminister Guttenberg soll bei Doktorarbeit abgeschrieben haben. Unter: http://www.sueddeutsche.de/politik/plagiatsvorwurf-gegen- verteidigungsminister-guttenberg-soll-bei-doktorarbeit-abgeschrieben-haben-1.1060774 [17.01.2014].

3 Reißmann, Ole (17.02.2011): Debatte im Internet: Plagiatjäger stürzen sich auf Guttenberg. Unter: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/debatte-im-internet-plagiatjaeger-stuerzen-sich-auf-guttenberg-a-746074.html [17.01.2014].

4 Poser, Hans (2012): Wissenschaftstheorie. Eine philosophische Einführung. 2. Aufl. Dotzingen: Reclam, S.18.

5 Blume, Thomas (2003): Erkenntnistheorie. In: Rehfus, Wullf D. (Hrsg.): Handwörterbuch Philosophie. Unter: http://www.philosophie-woerterbuch.de/online- woerterbuch/?tx_gbwbphilosophie_main%5Bentry%5D=297&tx_gbwbphilosophie_main%5Baction%5D=show&tx_gbwbph ilosophie_main%5Bcontroller%5D=Lexicon&cHash=836ca20104af9ef4dbde72e6f2a03fbc [17.01.2014].

6 DUDEN (2014): Wissenschaftstheorie. Unter: http://www.duden.de/rechtschreibung/Wissenschaftstheorie [17.01.2014]; Kornmeier, Martin (2007): Wissenschaftstheorie und wissenschaftliches Arbeiten. Eine Einführung für Wirtschaftswissenschaftler. Heidelberg: Physika Verlag, S.6.

7 Bremer, Manuel (2003): Wissenschaftstheorie. In: Rehfus, Wullf D. (Hrsg.): Handwörterbuch Philosophie. Unter: http://www.philosophie-woerterbuch.de/online- woerterbuch/?tx_gbwbphilosophie_main%5Bentry%5D=972&tx_gbwbphilosophie_main%5Baction%5D=show&tx_gbwbph ilosophie_main%5Bcontroller%5D=Lexicon&cHash=1c65cb39a754d3fc4bfd556359d7002b [17.01.2014].

8 Schülein, Johann August/ Reitze, Simon (2012): Wissenschaftstheorie für Einsteiger. 3. Auflage. Wien: Facultas, S.261.

9 Preußner, Andreas (2003): Moral. In: Rehfus, Wullf D. (Hrsg.): Handwörterbuch Philosophie. Unter: http://www.philosophie-woerterbuch.de/online- woerterbuch/?tx_gbwbphilosophie_main%5Bentry%5D=573&tx_gbwbphilosophie_main%5Baction%5D=show&tx_gbwbph ilosophie_main%5Bcontroller%5D=Lexicon&cHash=698abdbc4b1fac563b3de95a8f7d59de [17.01.2014].

10 Pätzold, Hartmut (2003): Ethik. In: Rehfus, Wullf D. (Hrsg.): Handwörterbuch Philosophie. Unter: http://www.philosophie- woerterbuch.de/online- woerterbuch/?tx_gbwbphilosophie_main%5Bentry%5D=310&tx_gbwbphilosophie_main%5Baction%5D=show&tx_gbwbph ilosophie_main%5Bcontroller%5D=Lexicon&cHash=48867420a94b6982c9a1dd61c35d584a [17.01.2014].

11 Poser (2012), S.18; Sandberg, Berit (2012): Wissenschaftlich Arbeiten von Abbildung bis Zitat: Lehr- und Übungsbuch für Bachelor, Master und Promotion. München: Oldenburg Verlag, S.49.

12 Sandberg (2012), S.50.

13 Kant, Immanuel (1788): Kritik der praktischen Vernunft. In: Weischedel, Wilhelm (Hrsg.) (2012): Immanuel Kant. Kritik der praktischen Vernunft. Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, 20. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S.140.

14 DUDEN (2014): Plagiat. Unter: http://www.duden.de/rechtschreibung/Plagiat [17.01.2014].

15 Ebd.

16 Ebster, Claus/ Stalzer, Lieselotte(2008): Wissenschaftliches Arbeiten für Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler. 3., überarbeitete Auflage. Wien: Facultas, S.116.

17 Bundesministerium der Justiz (2013): Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (Urheberrechtsgesetz). Unter: http://www.gesetze-im- internet.de/urhg/BJNR012730965.html#BJNR012730965BJNG000101377 [17.01.2014].

18 Westfälische Nachrichten (22.02.2011): Plagiats-Debatte. Guttensbergs Doktorarbeit: Ein Student weiß schon lange Bescheid.Unter: http://www.wn.de/Archiv/2011/02/Plagiats-Debatte-Guttenbergs-Doktorarbeit-Ein-Student-weiss-schon-

Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656606574
ISBN (Buch)
9783656696360
Dateigröße
606 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269485
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg – Nachhaltigkeitswissenschaft
Note
Schlagworte
Plagiat zu Guttenberg Wissenschaftsethik Wissenschaftstheorie Plagiatsjäger

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