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Die Kaiserkrönung Karls des Großen und das Zweikaiserproblem

Seminararbeit 2013 12 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Kaiserkrönung Karls des Großen
2.1 Die Krönung aus byzantinischer Sicht
2.2 Das Heiratsprojekt zwischen Eirene und Karl dem Großen

3. Das Zweikaiserproblem und die Folgen für Byzanz

4. Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Arbeit soll der Frage nachgehen, wie es zur Kaiserkrönung Karls des Großen gekommen ist und welchen Herausforderungen sich Byzanz nach der Kaiserkrönung ausgesetzt sah. Die Arbeit versucht die Kaiserkrönung aus byzantinischer Sicht zu erklären und deren Folgen zu beleuchten (Entstehung des sogenannten Zweikaiserproblems), die diese Krönung für das byzantinische Reich hatte. Die Kaiserkrönung Karls des Großen ist eines der wichtigsten Ereignisse im Mittelalter und dennoch ist bis heute nicht vollständig geklärt, wie es zur Krönung gekommen ist. Dies liegt wohl vor allem daran, dass es nur wenige zeitgenössische Quellen gibt, die über die Kaiserkrönung Karls des Großen berichten.[1] Die einzige byzantinische Quelle zu diesem Vorgang ist die Chronik des Theophanes.[2] Nicht an allen Stellen ist sie verlässlich und vollständig. Für diese Arbeit wird die ins Englische übersetzte und ausführlich kommentierte Ausgabe von Cyril Mango und Roger Scott verwendet. Das Original liegt in Griechisch vor. Zur Kaiserkrönung Karls des Großen gibt es zwar reichlich Literatur, leider jedoch wenig, die dieses Ereignis mit den Folgen für Byzanz beschreibt. Werner Ohnsorge, Peter Classen und zuletzt vor allem Ralph-Johannes Lilie sind die führenden Historiker, die sich mit der Entstehung des Zweikaiserproblems beschäftigt haben. Von ihnen werden gleich mehrere Aufsätze für die folgende Arbeit herangezogen. Auch wenn die Aufsätze von Ohnsorge und Classen aus den 1980er-Jahren oder früher stammen, verdienen sie hier besondere Beachtung. Lilie, dessen Arbeiten jünger als die von Ohnsorge und Classen sind, orientiert sich für sein Werk stark an den beiden - schon verstorbenen - Historikern.[3] Neue Impulse zur Kaiserkrönung Karls des Großen und zur Entstehung des Zweikaiserproblems liefert aktuell der Aufsatz von Ernst-Dieter Hehl (2012), der die Arbeit von Ohnsorge durchaus kritisch beleuchtet.

2. Die Kaiserkrönung Karls des Großen

Karl der Große wurde am 25. Dezember der 9. Indiktion[4] (also am Weihnachtsfest des Jahres 800) durch den Papst in Rom zum Kaiser der Römer gekrönt. Dies schreibt Theophanes in seiner Chronik zum Jahre 800/801.[5] Um dieses Ereignis in voller Tragweite erfassen zu können, erscheint es hier sinnvoll etwas weiter auszuholen und in das Jahr 754 zurückzugehen.

Byzanz war die eigentliche Schutzmacht des Papstes in Italien und sollte ihn vor den Langobarden schützen. Das Verhältnis zwischen dem Papsttum und Byzanz war jedoch schon abgekühlt. Von Byzanz konnte Papst Stephanus II. im Jahre 754 daher keine Hilfe mehr erwarten. Papst Stephanus II. bat die Franken um Hilfe gegen die langobardische Bedrohung.[6] Der Hausmeier Pippin entsprach seiner Bitte und kam dem Papst zu Hilfe. Die Franken lösten damit Byzanz als Schutzmacht der Päpste ab und das Kräfteverhältnis in Italien verschob sich zugunsten der Franken.[7] Als Dank für seine Hilfe salbte der Papst Pippin zum König und ernannte ihn zu patricius Romanorum.[8] Der Papst mischte sich hier nicht nur aktiv in die Angelegenheiten des Frankenreichs ein, vielmehr verlieh er Pippin auch noch einen weltlichen Titel, zu dem er gar nicht berechtigt war. Der Papst maßte sich hier also die Rechte eines Kaisers an, denn allein der byzantinische Kaiser hätte diesen Titel verleihen dürfen.[9] Damit war der Grundstein für die enge Verbindung zwischen Papsttum und Franken gelegt.

Im Jahre 799 befand sich Papst Leo III. in ähnlich großen Schwierigkeiten und wieder benötigt er die Hilfe der Franken. Anhänger des verstorbenen Papstes Hadrian[10] verschworen sich gegen Leo: Sie überfielen ihn und versuchten ihn zu blenden. Leo gelang es jedoch zu entkommen und flüchtete zu Karl dem Großen. So berichtet es auch Theophanes in seiner Chronik.[11] Karl der Große empfing Leo ehrenvoll und schickte ihn bald wieder zurück nach Rom.[12] Im Sommer 800 brach Karl der Große schließlich selbst nach Rom auf. Am 23. November stand er vor den Toren Roms, der Papst erwies ihm eine große Ehre und reiste ihm bis zum zwölften Meilenstein entgegen.[13] Nach Classen ist es üblich gewesen, dass der Papst einem Kaiser entgegenkommt. Hier ging Leo III. Karl dem Großen sogar bis zum zwölften Meilenstein entgegen. Karl dem Großen wurden hier Ehren zuteil, die sonst nur einem Kaiser zuteil wurden.[14] Es fällt auf, dass er bereits vor der Kaiserkrönung mehr war als nur ein König. Unter dem Vorsitz von Karl fand in der Peterskirche eine Untersuchung über die dem Papst zur Last gelegten Verbrechen statt. Der Papst wurde von den Beschuldigungen freigesprochen und musste einen Reinigungseid ablegen. Somit galten die Anschuldigungen als widerlegt, die Verschwörer des Papstes wurden verbannt.[15] Als Gegenleistung für seine Hilfe krönte der Papst Karl den Großen zum Kaiser der Römer.[16] So schreibt Theophanes in seiner Chronik zum Jahre 796/97. Die Basis für die Kaiserkrönung Karls war der von Pippin und später von Karl erneuerte Schutz- und Freundschaftsbund der Franken mit dem Papsttum.[17] Die Erhebung Karls zum Kaiser an Weihnachten 800 scheint demnach nur die logische Konsequenz der Ereignisse von 754 zu sein.

[...]


[1] Lilie, Byzanz. Das zweite Rom, S. 174.

[2] Theophanes war byzantinischer Mönch und schrieb rückblickend eine Chronik über die Zeit von 284-813. Theophanes selbst lebte von 760 (?) – 817. Vor allem die letzten Jahre seiner Darstellung sind sehr authentisch, da er diese Zeit als Zeitgenosse miterlebt hat und vielleicht aus eigenem Erleben schildert. Die Chronik des Theophanes ist die wichtigste historiographische Quelle für das Byzanz im 7. und 8. Jahrhundert, die existiert (Classen, Rom und Byzanz von Diokletian bis zu Karl dem Großen, S. 55 und Rochow, S. 37f.).

[3] Werner Ohnsorge wurde 1904 geboren. Er starb am 23. November 1984 (http://personen-wiki.slub-dresden.de/index.php/Ohnsorge,_Werner). Peter Classen (Jahrgang 1924) ist bereits 1980 verstorben (http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Classen). 1

[4] Indiktion ist ein 15-jähriger Steuerzyklus, der 297 von Kaiser Diokletian eingeführt wurde. Die Jahre werden als 1. Indiktion, 2. Indiktion usw. durchnummeriert und können bis zur 15. Indiktion ansteigen. Nach der 15. Indiktion beginnt man wieder „vorne“ zu zählen (Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter, S. 280.)

[5] Theophanes, S. 475 (Theophanes zum Jahre 800/801).

[6] Lilie, Byzanz, S. 146f.

[7] Lilie, Byzanz, S. 149.

[8] Lilie, Byzanz, S. 144.

Pippin war als Hausmeier zwar theoretisch gesehen der mächtigste Mann im Frankenreich, die Königswürde lag aber immer noch bei den Merowingern. Im Frühjahr 750 schickte Pippin eine Gesandtschaft nach Rom, um dem Papst die berühmte Frage zu stellen, wer im Frankenreich König sein solle, die die Macht hätten oder die die keine Macht hätten. Durch die Salbung Pippins zum König erlosch die Legitimität der merowingischen Königsdynastie (Lilie, Byzanz, S. 144f).

[9] Lilie, Byzanz, S. 148.

[10] Hadrian I. war Papst von 772-795. Sein Nachfolger wurde der oben erwähnte Leo III. (Classen, Rom und Byzanz, S. 52). 2

[11] Theophanes, S. 473 (Theophanes zum Jahre 796/97).

[12] Lilie, Byzanz, S. 175.

[13] Classen, Karl der Große, Das Papsttum und Byzanz, S. 58.

[14] Classen, Karl der Große, S. 59.

[15] Lilie, Byzanz, S. 175.

[16] Theophanes, S. 473.

[17] Classen, Karl der Große, S. 79.

Details

Seiten
12
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656605010
ISBN (Buch)
9783656605034
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269388
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Historisches Seminar
Note
1,7
Schlagworte
kaiserkrönung karls großen zweikaiserproblem

Autor

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Titel: Die Kaiserkrönung Karls des Großen und das Zweikaiserproblem