Lade Inhalt...

Die Karikatur im Geschichtsunterricht

Lässt sich diese Bildgattung im Unterricht nutzen?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 25 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Darstellungsform: Bild
2.1. Was ist ein Bild?
2.2 Eine spezifische Bildquelle: Die Karikatur

3. Analysemethode nach Pande
3.1 Analysemethode zur Bildinterpretation
3.2 Ikonographische Beschreibung
3.3 Ikonologische Analyse

4. Thematische Einordnung im Lehrplan

5. Didaktische Nutzung der Karikatur

6. Fazit

7. Literaturangaben

8. Anhang.

1. Einleitung

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ Diese häufig zitierte Metapher, behält zumindest was die schnelle Rezeption von Bildern betrifft, recht. Seiner Untersuchung zufolge benötigt der Mensch nur 1,8 Sekunden,um es zu betrachten und es später wiederzuerkennen.[1] Noch bis Mitte der sechziger Jahre war der Geschichtsunterricht ausschließlicher Gegenstand der Geschichtsdidaktik. Dementsprechend war ihr Tätigkeitsfeld eng gefasst, so befassten sie sich beispielsweise mit dem Aufbau des Unterrichts und ihren Inhalten. Das gegenwärtige Selbstverständnis als eigenständige Disziplin, welche nicht nur als untergeordnete Kategorie der allgemeinen Didaktik zu sehen ist, konnte sich erst seit den sechziger Jahren festigen.

Dieser Wandel zeigt sich deutlich bei der Betrachtung eines Lehrbuches. Dieser Wandel ist insbesondere bei der Betrachtung eines Lehrbuches offenkundig. Dort lässt sich ein starker Trend hin zur verstärkten „Visualisierung“ der Geschichte verzeichnen. Dabei ist die Definition des Wortes „Bilder“ weitläufig. Es umfasst sowohl Karikaturen, Plakate, Ereignisbilder als auch Portraits etc. sein. Ihr Nutzen liegt vor allem darin, den Inhalt im Geschichtsunterricht fassbarer, dinglicher, interessanter und sicherlich auch plastischer gestalten.[2] Angesichts der Tatsache, dass sich Karikaturen seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts immer mehr innerhalb ihrer eigenen Grenzen entwickelten, aggressiver und provokativer wurden, soll sich diese Arbeit besonders mit diesem Bildmedium auseinandersetzen.[3] Eben dieser Thematik widmen sich vor allem Hans-Jürgen Pandel und Michael Sauer.[4] Daher wird diese Arbeit vor allem auf ihren Publikationen zur Bildinterpretation fußen. Einleitend geben Sie sowohl einen besonders guten Überblick über das Bild als Quelle, als auch über die Verwendungsmöglichkeiten, die das Bild im Geschichtsunterricht in sich birgt.[5]

Dabei bemüht sich Pandel insbesondere um ein Konzept, nach welchem eine detaillierte Bildinterpretation stattfinden kann. Dieses Konzept ist stark an Pandowskys Modell angelehnt, welches eine Bildinterpretation in drei aufeinander aufbauenden Schritten vorsieht und soll im Folgenden weitergehend erläutert werden, bevor es dann an der ausgewählten Karikatur angewendet wird. Da sich dieses Grundkonzept Pandels jedoch auf Bildquellen im Generellen bezieht, muss diese Form anfänglich in den Fokus gerückt werden. Es soll erläutert werden, was genau ein Bild ausmacht und wie es sich von anderen Quellenarten abgrenzen lässt. Darauf basierend soll eine spezielle Bildgattung, die Karikatur, in den Mittelpunkt gerückt werden. Anhand Pandels Methodik zur Bildinpterpretation wird vorgestellt, wie sich die Schritte einer mustergültigen Analyse vollziehen. Im Anschluss an die Darstellung der theoretischen Analyse soll diese in der vorliegenden Arbeit auf die Karikatur „Dropping the Pilot“ von Sir John Tenniel angewendet werden. Abgeschlossen wird diese Arbeit, indem aufgezeigt wird, wie sich diese Karikatur im Unterricht nutzen lässt. Diesbezüglich wird ein Bezug zu den Kernlehrplänen Nordrhein – Westfalens für die Realschulen im Fach Geschichte hergestellt.

2. Darstellungsform: Bild

2.1. Was ist ein Bild?

Zumal die Visualisierung von Informationen immer mehr Einzug erhält, kann für die Nutzung von Bildern eine Konjunktur verzeichnet werden. Diese Dauerpräsenz des Visuellen fand ihren Höhepunkt in der Forderung nach einer interdisziplinären Beschäftigung, welche sich mit der Welt der Bilder auseinandersetzt und dabei Erkenntnisse und Methoden der Theologie, Philosophie, Kunstgeschichte, Medienwissenschaft, Psychologie und der Naturwissenschaften usw. integriert. Diese wissenschaftliche Aufarbeitung darf sich seit dem Ende der 1990er- Jahre „Bildwissenschaften“ nennen.[6] Doch was genau bezeichnet der Begriff „Bild“ eigentlich? Hierbei eine genaue semantische Reichweite auszumachen birgt große Schwierigkeiten in sich. Denn laut Silvia Serena Tschopp und Wolfgang Weber umfasst dieser Begriff erstens „Materielle Artefakte, die der Veranschaulichung eines realen oder fiktiven Sachverhalts dienen“ als auch zweitens „sprachliche Figuren“ also Metaphern, aber ebenso drittens „Bilder im Kopf“.[7] Das diese Grenzen zwischen gegenständlichen Bildern und nichtgegenständlichen Anschauungen verschwimmen können, zeigt sich beispielsweise in graphischen Darstellungen von Metaphern. Auch Matthias Bruhn beschreibt in seiner Publikation „Das Bild, Theorie – Geschichte – Praxis“ diese Schwierigkeit. Seiner Meinung nach kann der Bildbegriff keinen eindeutigen und kulturübergreifenden Gegenstand bezeichnen, da die Betrachtung eines Bildes und die Nutzung eben dessen von vielen Faktoren, wie beispielsweise dem Intellekt des Betrachters, individuellen und gesellschaftliche Hintergründen oder langfristigen Sprachtraditionen abhängt. Diesbezüglich führt er als Beispiel den unterschiedlichen Gebrauch von fotografischen Aufnahmen an, welche in der Kriminalistik anders als in der Werbung oder der Kunst verwendet werden würden.[8] Dass das Gegenstandsfeld „Bild“ ein sehr breites Spektrum aufweist, zeigt auch der historische Wandel eben dessen. Laut Bruhn stand dieser Begriff Jahrhunderte lang für plastische Kultobjekte, wohingegen er in der Neuzeit zu einem Ausdruck für Tafelgemälde und Wandmalerei wurde.[9] Seit dem Anbruch des 20. Jahrhunderts und der vorangeschrittenen Technik, prägt den Ausdruck des Bildes jedoch verstärkter die Assoziation mit der Fotografie.[10] Fordert man trotz dieser Transformationen und Unschärfen des Begriffs, eine enger umfasste Definition, so versucht sich Hans-Jürgen Pandel darin eine Antwort zu finden. Er betrachtet Bilder grundsätzlich erst einmal als „bemalte (gezeichnete, gestochene, belichtete) Flächen[11] Dabei schließt er dezidiert dreidimensionale Flächen wie Reliefs und Plastiken sowie graphische Sonderformen, wie Karikaturen, Plakate oder Comics aus.[12] Ein Grund dafür ist die Wahrnehmung des Bildes. Pandel ist der Meinung, dass „Bilder die Perspektive fest[legen] “. Anders als bei dreidimensionalen Gegenständen, existiert bei einer bemalten Fläche keine „Sichtbarkeitsalternative“, da sich die Perspektive nicht verändert, sobald man das Bild aus einem anderen Blickwinkel heraus betrachtet.[13] Des Weiteren begrenzt er den Bildbegriff, indem er sich lediglich auf „Bildquellen“ bezieht. Diesbezüglich schreibt er, dass man leidlich dann von einer Bildquelle die Rede sein könne, wenn sie in der Vergangenheit entstanden ist und heute noch vorliegt. Dieses Kriterium schließt Rekonstruktionsbilder aufgrund ihres nicht vorhandenen Interpretationsspielraums, aus. Pandels drittes Kriterium ist, dass die Bildquelle lediglich eine Quelle für die Zeit ihrer Herstellung darstelle und nicht für die ihres Inhaltes. Ein Beispiel dafür wäre Jan Matejkos Gemälde von der Verabschiedung der Verfassung vom 3. Mai 1791 in Warschau, welches anlässlich des hundertjährigen Jubiläums 1871 gemalt wurde. Auch dieses Bild dürfe als Quelle für die Lebenszeit Matejkos betrachtet werden, jedoch dürfe sie nicht als Quelle für die bildlich dargestellte Zeit genutzt werden.[14]

Bezogen auf die Verwendung lässt sich sagen, dass es durch die pikturale Differenz[15] zu Schwierigkeiten kommen könnte.[16] Als eine weitere Schwäche könnte die Tatsache, dass Bilder immer nur eine Momentaufnahme darstellen, gesehen werden, außerdem haben sie keine „Handlungszeit“ inne.[17] Sie sind ein Ausschnitt, der immer einer subjektiven Wahrnehmung entspringt. Des Weiteren sind Bilder nicht in der Lage Abstraktionen und Begriffe zu bilden oder Verneinungen und Angaben über Häufigkeiten auszudrücken, jedoch ist es ihnen möglich ein spezifisches Ereignis zu bezeichnen oder beispielhaft für eine größere Anzahl von Ereignissen zu stehen.

Dennoch liegt es Pandel fern den Wert des Bildes für die Nutzung im Geschichtsunterricht zu mindern, da es auch zahlreiche Stärken in sich birgt. Die Darstellung der Schwächen dient lediglich dazu den Leser für aufkommende Probleme zu sensibilisieren, damit ein kritischer Umgang mit diesem Medium in der Didaktik betrieben wird.[18]

Eine der Stärken von Bildquellen sieht Pandel in ihrer Konservierungsleistung, da in ihnen die Zeit fixiert scheint. Darüber hinaus scheitern Bilder nicht an Sprachbarrieren. Sie füllen für die Schüler leere Begriffe mit Visuellem und geben Vorstellungen eine konkrete Gestalt.

Schlussendlich lässt sich also feststellen, dass es kompliziert ist, eine generalisierende Definition des Bildbegriffs zu geben, da es sich um einen komplexen Begriff handelt, der nur sich nur schwerlich in eingrenzen lässt.

2.2 Eine spezifische Bildquelle: Die Karikatur

Karikaturen gehören zum Forschungsfeld zahlreicher Disziplinen. Historiker versuchen ihren Ursprung und ihre zeitliche Entwicklung zu verorten. In der Fachliteratur sind in ihre vorhandenen Textelemente gegenwärtig. Kunsthistoriker und Kunstwissenschaftler stellen die ästhetischen Charakteristika der Karikatur in ihren Fokus. Für Kulturwissenschaftler ist der zeitgeschichtliche Aspekt für die Gesellschaft von Interessen. So zeigt sich also ein vielseitig untersuchbares Medium, welches einen gesamtgesellschaftlichen Wert in sich trägt.

Betrachtet man die sprachwissenschaftliche Herkunft des Wortes „Karikatur“, welche Pandel in seinem Aufsatz „Karikaturen“ vornimmt, wird deutlich, dass er die Begrifflichkeit entweder aus dem Italienischen herleitet, in dem „caricare“, so viel wie „stark auftragen“, „überladen“ „beladen“ oder „übertreiben“, bedeutet, oder aus dem Lateinischen, in dem „carrus“ dieselbe Bedeutung hat.[19]

Diese Wortentlehnung kam in der deutschen Sprache, verglichen mit anderen, jedoch erst spät an. Ab dem 18. Jahrhundert ersetzte das Wort „Karikatur“ die vorherigen Begriffe „Spottbilder“ bzw. „Zerrbilder“, welche dennoch unterschiedliche Bedeutungen haben.[20]

Während das Spottbild mit einer Überzeichnung einer ganzen Gruppe von Menschen oder typisierten Institutionen beschäftigt, stellt das Zerrbild viel mehr Einzelpersonen und ihre Eigenschaften dar.[21] Da sich die Entwicklung dieser Bildgattung nahezu parallel zur Entwicklung des Begriffs verhält, soll im Folgenden näher auf ihren Ursprung eingegangen werden.

Eine Bennenung findet sich erstmals 1646 in einem Vorwort des päpstlichen Haushofmeister Giovanni Antonio Massani. Dieser hat eine Reihe von Radierungen angefertigt, welche angelehnt sind an Zeichnungen des bolognesischen Künstlers Annibale Carracci. Im Vorwort finden sich erstmalig Begriffe wie „carricatura“ und „ritrattini carichi“ („Übertriebene Bildnisse“).[22]

Ein besonders häufig angewendetes Stilmittel der Karikatur ist die überzeichnet dargestellte Form von Kritik, welche bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts Anwendung fand. Diese Form der Kritik bietet dem Karikaturisten die Sicherheit einigermaßen Unerkannt sein Gedankengut öffentlich machen zu können.[23] Dabei ist für Pandel die Kunst der Ironie unerlässlich.[24] Da Karikaturen mit Synekdochen, Symbolen, Reduktionen, Typisierungen, Übertreibungen und Metaphern arbeiten, wird dem Rezipienten durch diese überspitzte Darstellungsform unmittelbar bewusst, dass natürliche Verhältnisse übersteigert und überzeichnet werden, wodurch offen Partei bezogen wird. Bezüglich der Art und Weise ihrer Kritikausübung, sagte Theodor Heuss in einem Artikel der Zeitung „Der Deutsche in seiner Karikatur“ folgendes:

[...]


[1] Kauffmann, Georg: Die Macht des Bildes : über die. Ursachen der Bilderflut in der modernen Welt. Opladen, 1988, S.15ff.

[2] Rongstock, Richard: Film als mentalitätsgeschichtliche Quelle. Eine Betrachtung aus geschichtsdidaktischer Perspektive. Berlin 2011, S.10f.

[3] Haase, Max: Spott mit dem Spott treiben Bildzitate in der Karikatur des ausgehenden 18. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte, 47. Bd., H. 4 (1984), S. 523-534, hier: 523.

[4] Pandel, Hans - Jürgen: Karikaturen. Gezeichnete Kommentare und visuelle Leitartikel. In: Pandel, Schneider (Hg.): Handbuch Medien im Geschichtsunterricht. Schwallbach 1999, S. 255-277, hier S. 258.

[5] Bruhn, Matthias: Das Bild : Theorie , Geschichte , Praxis . Berlin 2009, S. 19.

[6] Bruhn, Das Bild, S. 19.

[7] Tschopp, Silvia Serena / Weber, Wolfgang: Grundfragen der Kulturgeschichte. Darmstadt 2007, S. 101.

[8] Bruhn: Das Bild, S. 12.

[9] Ebd., S. 13.

[10] Buntz, Herwig / Erdmann, Elisabeth Fenster zur Vergangenheit . Bilder im Geschichtsunterricht . Band 2. Bamberg 2009, S. 6.

[11] Pandel, Hans-Jürgen: Bildinterpretation. Die Bildquelle im Geschichtsunterricht. Bildinterpretation I, Schwalbach 2009, S.9.

[12] Ebd., S. 7.

[13] Pandel: Bildinterpretation, S. 7.

[14] Von Borries, Bodo: Alters- und Schulstufendisfferenzierung. In: Mayer, Ulrich / Pandel, Hans-Jürgen, Schneider, Gerhard (Hgg.): Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht, 3. Aufl., Schwalbach/Ts. 2007, 113-117.

[15] Der Begriff „Pikturale Differenz“ meint die Abweichung von Abbildung und Abgebildetem.

[16] Pandel: Bildinterpretation, S.11.

[17] Ebd., S. 14.

[18] Ebd., S.21.

[19] Pandel: Karikaturen, S. 256.

[20] Goetzinger, Christian: Karikaturen im Politikunterricht: Eine Untersuchung ihres didaktischen Nutzens für den Politikunterricht. Norderstedt 2011, S. 3.

[21] Ebd..

[22] Plum, Angelika: ie Karikatur im Spannungsfeld von Kunstgeschichte und Politikwissenschaft: Eine ikonologische Untersuchung zu Feindbildern in Karikaturen. Aachen 1998, S. 27.

[23] Haase: Spott mit dem Spott treiben, S. 534.

[24] Pandel: Karikaturen.,S. 256.

Details

Seiten
25
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656604099
ISBN (Buch)
9783656604044
Dateigröße
712 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269347
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Schlagworte
karikatur geschichtsunterricht lässt bildgattung unterricht

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Karikatur im Geschichtsunterricht