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Historienfilm. Unterhaltungsmedium oder Vermittler historischer Fakten?

Am Beispiel von "The Patriot"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 36 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Filmografie
2.1. Kurze Inhaltsangabe

3. Die Dramaturgie des Films

4. Der Historienfilm im wissenschaftlichen Diskurs

5. Quellenlage des Films „ The Patriot
5.1. Die Darstellung der Figuren
5.1.1. Francis Marion
5.1.2. Andrew Picken
5.1.3. Thomas Sumter
5.1.4. Daniel Morgan
5.1.5. Charles Cornwallis
5.1.6. Banastre Tarleton

6. Analyse bezüglich des Umgangs mit den Quellen
6.1. Die Personen
6.2. Die Schlachten

7. Abschlussbetrachtung

8.Literatur

9 Anhang : Sequenzubersicht und Screenshots

1. Einleitung

Geschichte zerf ä llt in Bilder, nicht in Geschichten. “ 1 Dieses Zitat von Benjamin Walter bringt ein wichtiges Thema der Geschichtswissenschaften auf den Punkt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts werden historische Ereignisse oder Personen visualisiert und für die Leinwand oder den Fernseher produziert. Vorreiter waren dabei Anfang des 20. Jahrhunderts Frankreich2, Italien3 und Amerika4.5

Bezüglich ihrer Historizität, sowie ihrer Authentizität haben sich im Verlauf der über hundert Jahre Filmgeschichte zwei antagonistisch gegenüberstehende Argumentationslinien herauskristallisiert. Dabei werden den bewegten Bildern in den Medienwissenschaften zum einen die Funktion einer exakten Wirklichkeitsabbildung zugeschrieben, was den Film als Beweismittel wirken lässt. Zum anderen wird der Film als eine Quelle für mentalitätsgeschichtliche Aspekte verstanden. Aus dieser Sichtweise dient er als Auskunft des kulturellen Selbstverständnisses einer Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit.

Genau an diesem Punkt soll die vorliegende Arbeit anknüpfen. Als Basis dient diesbezüglich Roland Emmerichs Film „ The Patriot “ (2000). Folgende Fragen sollen dabei leitend sein: Wie werden historische Deutungsweisen transportiert? Besonders vor dem filmografischen Hintergrund Roland Emmerichs6, welcher eher im Genre des Katastrophenfilms heimisch ist, ist es interessant sich die Frage nach der Authentizität der Ereignisse zu stellen. Wurden Quellen zugunsten der Massentauglichkeit und damit einhergehend aus ökonomischen Gründen gebrochen?

Da sich die interdisziplinären Wissenschaften erst seit jüngster Zeit mit dieser Thematik auseinandersetzen, ist es nur wenig verwunderlich, dass noch kein Werk zu diesem Film vorliegt, welches die Authentizität des Films kritisch analysiert.

Für einen kurzen Einblick in den Film dient sowohl eine Filmografie, als auch eine kurze Inhaltsangabe. Mit dem Ziel die nachfolgende Analyse bezüglich Historizität des Films sinnvoll zu untermauern, werden anschließend filmwissenschaftliche Aspekte beleuchtet. Bezüglich der

Authentizität in Emmerichs Films schrieb der Bayrische Rundfunk: „ Heillos entgleitet dieses Monumentalepos in banale Stereotypen, die Aufwand und L ä nge dieser Produktion niemals rechtfertigen. Weder vom Krieg, noch von historischen Vorg ä ngen und vor allem nicht von Menschen erz ä hlt „ The Patriot “ . “ 7 Ob dieser beispielhafte Auszug einer Filmkritik, der dennoch den Grundtenor der redaktionellen Filmkritiken wiedergibt, recht behält, soll im Folgenden erörtert werden8.

2. Filmografie

Filmdaten9:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 10 11 12

2.1. Kurze Inhaltsangabe

Der Film „ The Patriot “ welcher für Centropolis Entertainment, Columbia Pictures und SONY PICTURES Entertainment produziert wurde, spielt in den amerikanischen Südstaaten des Jahres 1776. Regie führte dabei Roland Emmerich, welcher durch Filme wie „ Stargate “ (1994), „ Independence Day “ (1996), „ Godzilla “ (1998), „ The Day After Tomorrow “ (2004) und „ 10.000 B.C. “ (2008) zeigt, dass ihm das Genre des Katastrophenfilms eigen ist.13 Geschrieben wurde das Drehbuch von Robert Rodat, welcher fast ausschließlich im Action,und Science-Fictiongenre zu finden ist.14

Vor dem Hintergrund der amerikanischen Revolution und des damit einhergehenden Unabhängigkeitskrieges wird die Geschichte von Benjamin Martin erzählt. Der Vater von sieben Kindern, welcher gleichzeitig Witwer ist, lebt und arbeitet auf einer Plantage in Süd - Carolina. Resultierend aus grausamen Kriegserinnerungen lehnt er es ab seine Kinder in den Krieg ziehen zu lassen oder gar selbst ein weiteres Mal für die Unabhängigkeit seines Landes in den Krieg zu ziehen. Trotz des Widerwillens seines Vaters, verlässt der älteste Sohn Gabriel seine Familie um an der Front der Kontinentalarmee zu kämpfen. Als der Krieg immer näher rückt und die englischen Truppen schließlich vor Martins Tür stehen, kommt es zum dramatischen Wendepunkt des Films. Colonel William Tavington, Benjamins größter Gegenspieler, erschießt seinen zweitältesten Sohn, Thomas, vor seinen Augen.

Nun ist auch Benjamin bereit sich dem Kampf gegen die britischen Truppen zu stellen. Mit Hilfe von Gabriel und dem französischen Major Jean Villeneuve errichtet er eine Miliz, welche der George Washingtons Kontinentalarmee sowie dem französischen Militär wertvolle Zeit im Kampf gegen die englischen Truppen, welche unter Lord Cornwallis kämpfen, verschaffen soll. Obwohl sowohl Benjamin, als auch die Männer aus der Miliz einen hohen Preis für ihren Unabhängigkeitsgedanken zahlen müssen, können sie am Ende einen Sieg verzeichnen- vielleicht keinen persönlichen, aber in jedem Fall einen ideologischen.

3. Die Dramaturgie des Films

Da die Dramaturgie das Grundgerüst eines jeden Films darstellt, soll diese im Folgenden erläutert werden, denn auch für Historiker ist dieses Element ein wichtiges Indiz für die Überprüfung eines Historienfilms auf seine historische Korrektheit. Daher soll nun ein kurzer Blick auf Syd Fields Erzählstruktur geworfen werfen. Daran anlehnend findet sich im Anhang dieser Arbeit eine Sequenzübersicht des Films „ The Patriot “, anhand dessen der Handlungsverlauf des Films verdeutlicht werden soll. Dies gestattet einen ersten Überblick über das Organisationsprinzip der Filmhandlung. Des Weiteren ist sie unentbehrlich für die nachfolgende Analyse des Film Syd Field, ein bekannter Drehbuchautor und Schriftsteller, postuliert die Einteilung einer Erzählung in drei Akten. Diese von ihm geschaffene „ Drei-Akt-Struktur “ teilt den Film in drei Akte, die er „ setup “ oder „ exposition “, „ confrontation “ und „ resolution “ nennt.15 Dem gegenüber gehorchen Filme häufig ebenso dem Stufenmodell „ Reise des Helden “, welches das Drei-Akt-Schema erweitert.16

Die Besonderheit in Fields Definition liegt darin, dass er die Akte nicht nach inhaltlichen Zuschreibungen, sondern nach zeitlichen Aspekten aufteilt. Diesbezüglich geht Field davon aus, dass eine Drehbuchseite im Schnitt einer Filmminute entspricht. Darüber hinaus entspricht das erste Viertel des Films dem Anfang, das letzte Viertel dem Ende. Die dazwischenliegende Mitte macht in den meisten Fällen rund 60 Minuten aus.17 Kritik erfährt diese Einteilung häufig aufgrund der enggefassten Zeitangaben. Doch Filme wie „ Witness “ (2000), „ Pretty Women “ (1990), „ Working Girl “ (1988) oder auch „ Thelma & Louise “ (1991) verdeutlichen, dass Field mit seinem Schema recht behalten soll.

Inhaltlich behandelt der erste Akt, also der „ setup “ oder die „ exposition “, die Einführung des Protagonisten und seiner Hintergrundgeschichte. Zusätzlich werden alle wichtigen Eingangsinformationen vermittelt. Diesbezüglich findet die Backstorywound des Protagonisten , ein Sonderfall der Backstory, häufig Erwähnung. Diese soll das Verhalten einer Figur verständlich machen.18 Beendet wird dieser Akt durch einen Plotpoint, einen Wendepunkt im Film, welcher dazu führt, dass der Protagonist bereit ist seine Reise anzutreten. Im zweiten Akt, der „ confrontation “, wird die Prüfung des Protagonisten behandelt. Auch dieser Akt wird durch einen Plotpoint abgeschlossen. In der letzten Phase, der „ solution “, findet der Film seinen Abschluss mit der Rückkehr oder Ankunft des Protagonisten.19

Versucht man dieses Schema schablonenartig über „ The Patriot “ zu stülpen, so fällt auf, dass dies nicht gelingen kann. Zwar entspricht die inhaltliche Abgrenzung von Fields Modell der inhaltlichen Struktur des Films, doch werden die zeitlichen Angaben nicht eingehalten. Der erste Akt des Films entspricht einer Zeitspanne von 32 Minuten, der zweite Akt ungefähr 120 Minuten, der abschließende dritte Akt jedoch nur rund 10 Minuten. Doch auch trotz solcher Abweichungen hält Field fest:

„ Es gibt natürlich auch ein paar andere Varianten. In „ Chinatown “ und „ der Stadtneurotiker “ ist der Erste Akt jeweils 23 und 24 Seiten lang, und manchmal der Zweite Akt l ä nger als 60 Seiten, und in Ausnahmef ä llen ist auch der Dritte Akt einmal 20 bis 25 Seiten lang. Na und? Das Paradigma gilt auch dann noch. “ 20

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass, auch wenn der zeitliche Aspekt von Fields Drei- Akt-Schema nicht auf „ The Patriot “ übertragbar ist, so ist der Grundgedanke dennoch eine kausale Verknüpfung, auf der Basis einer zielgerichteten Handlung, welche eine sich zuspitzende Bewegungsrichtung inne hat, die wiederrum in einem Wendepunkt gipfelt und in der Auflösung mündet.21

4. Der Historienfilm im wissenschaftlichen Diskurs

Besaß die Verschriftlichung von historischen Ereignissen oder Personen-(gruppen) bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts noch die unangefochtene Deutungshoheit, so dominiert seither vermehrt die visualisierte Aufbereitung von Vergangenem, weshalb wir zunehmend in einer Welt, bestimmt von Bildern leben, welche sich mit den Ausdrücken wie „ Iconic turn “ und „ visual culture “ betiteln lässt.22

Versucht man nun den Begriff „ Historienfilm “ genau zu definieren, so wird augenscheinlich, dass eine einheitliche Definition noch nicht vorhanden ist. Rosenstone nimmt beispielsweise die Unterteilung in „ History as drama “ , „ history as document “ und „ history as experiment “ vor.23 Eine alternative Klassifizierung lässt sich bei Menninger finden. Dort wird in folgende drei Kategorien unterschieden: Zum einen Historienfilme, welche eine historisch relevante Person oder ein Ereignis thematisieren. Zum anderen Filme die sich auf überseeische Kulturen fokussieren und abschließend Historienfilme, welche sich mit der Darstellung von Kulturportraits der thematisierten Zeit oder Epoche beschäftigen.24

Doch egal welcher historische Stoff verarbeitet wird, das Filmgenre des Historienfilms schreibt sich im besonderen Maße den Anspruch der Authentizität zu. Dabei will dieses Genre vor allem durch originalgetreue Kostüme, eine zeitgenössische Kulisse, Dialogführung und Requisiten glänzen und versucht somit eine (Re-) Konstruktion der Vergangenheit zu schaffen. Ein Beispiel für eine gelungene Quellenarbeit ist Patrick Süskinds Buchverfilmung „ Das Parfum: Die Geschichte eines Mörders “ (2006), in welchem versucht wird ein Bild der Pariser Stadt und Bevölkerung im Zuschauer zu manifestieren.25

Da die Inhalte viel schneller rezipiert werden können, anschaulicher gestaltet und durchdringender sind, wirken sie auf den Rezipienten eindringlicher und nachhaltiger. Diese Vorteile gegenüber emotionsloseren Dokumentationen, Sach- oder Fachbüchern, sind ein weiterer Grund für den starken Aufschwung des Historienfilms.26 Hayden White prägte diesbezüglich 1988 in einem Artikel, welchen er für die Zeitschrift „ The American Historical Review “ schrieb, den Ausdruck „ Historiophoty “. Dieser sollte eine Abgrenzung zum bisherigen Begriff „ Historiografie “ darstellen, welcher sich lediglich mit der verbalisierten Geschichtsschreibung auseinandersetzt. Unter „ Historiophoty “ versteht White die Repräsentation von Geschichte als filmische Darstellung oder als Erzählung.27

Hierzu stellt Warrington in seinem Werk „ History goes to the Movies “ die These auf, dass Filme einen leichteren Zugang zur Geschichte gewähren, da sie fast ohne spezielle Kompetenzen aufgenommen werden können, was bei wissenschaftlichen Monografien über die selbe Thematik schwierig sei.28

Zum besseren Verständnis: “History as drama” bedeutet, dass ein Film auf historisch relevanten Personen(gruppe) oder einem geschichtlichen Ereignis fundiert, welches dann auf der Basis fiktiver Personen erzählt wird. Beispielhaft dafür: The Last Emperor (1987) .

History as document “ meint eine visuelle Darbietung, in der ein Augenzeuge oder ein Experte spricht, während originale Quellen, Fotoaufnahmen oder Videos aus der Zeit gezeigt werden. Beispielhaft dafür: „ The Plow That Broke the Plains “ (1936).

Die letzte Kategorie „ History as experiment “ umfasst aus avantgardistische Weise eine Kombination aus beiden vorhergegangenen Kategorien. Beispielhaft dafür: „ La prise de pouvoir par Louis XIV “ (1966).

Dass dieser mediale Boom nun auch in die Interessenssphären der Wissenschaftler gelangt ist, zeigt sich laut Rosenstone und Warrington seit den vergangenen 30 Jahren.29 Wegbereitend sei laut Warrington die 1970, von John E. Connor und Martin A. Jackson gegründete Zeitschrift „ Film and History “. In Artikeln wie „ Image as Artefact: The Historical Analysis of Film and Television”, vertritt er die Meinung, dass man Filme wie folgt betrachten sollte: 1. als eine Darbietung der Geschichte, also „ as a representation of history “. 2. Als einen Beweis für soziokulturelle Geschichte, demzufolge als „ evidence for social und cultural history “. 3. Als aktuelles Bildmaterial, welches ein Beleg für Geschichte darstellt, somit als „ actuality footage as evidence for history “. Abschließend sollte man Filme 4. als Quelle für die Geschichte von Filmen als Industrie- und Kunstform betrachten. Dies wird im Original wie folgt ausgedrückt: „ [ … ] The history of the moving image as industry and art form.“30

Doch wie stehen Historiker zu Historienfilmen? Als Grundtenor lässt sich konstatieren, dass sie diesem Genre kritisch gegenüberstehen.31 Anstoß dafür ist die gelegentlich inakkurate Arbeit der Filmemacher mit den zugrunde liegenden, historischen Quellen zugunsten eines massentauglichen Films. Rosenstone geht diesbezüglich sogar weiter und unterstellt ihnen [den Filmemachern], dass sie sowohl die Vergangenheit verzerren, fiktionalisieren, trivialisieren als auch Protagonisten und Ereignisse romantisieren. Auf den Punkt gebracht bedeutet dies also: Sie verfälschen Geschichte.32

Doch werden auch Fürstimmen laut, welche dieser Vermittlungsinstanz von Informationen auch positive Aspekte abgewinnen. Landy sieht beispielsweise den Nutzen von visuellen Medien darin, dass der Zuschauer entweder versucht der Gegenwart zu entfliehen oder aber beginnt, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Auch Toplin behauptet, dass selbst der meist kritisierteste Film Emotionen oder Neugierde bei Zuschauern weckt, was dazu führt, dass Fragen in ihnen aufkommen.33

Doch stellt sich unabhängig von ihrer Rezeption die Frage woran die historische Relevanz von Filmen zu messen ist. Welcher Aspekt macht einen Historienfilm nachhaltig wertvoll? Ist es eine akkurate Arbeit mit den zugrunde liegenden Quellen? Ist es die Wirkung, die ein Film auf den Rezipienten ausübt, auch wenn dieser aufgrund der Dramaturgie historisch verzerrte Fakten wiedergibt? Oder liegt der eigentliche Wert nicht im Inhalt des Filmes, oder seiner Darstellungsweise, sondern vielmehr in seiner mentalitätsgeschichtlichen Bedeutsamkeit, al in seiner Funktion als Quelle für die Filmgeschichte? Leider lässt sich diese Frage aufgrund der Kürze dieser Arbeit nicht beantworten.

Den Kritiken der Historiker zum Trotz loben Produzenten ihr Filmteam für den akkuraten Umgang mit den zugrunde liegenden Quellen. Beispielhaft dafür steht das folgende Zitat des Drehbuchautors Robert Rodat. Er betont in einem Interview, welches im Bonusmaterial des Films „ The Patriot “ zu findet ist, sich darüber bewusst zu sein, dass sein Film ein „ Window to history for people “ darstellt.34 Doch wie sehr der Film tatsächlich auf Quellen fundiert und an welchen Stellen sie zugunsten der Dramaturgie gebrochen wurden, soll im Weiteren erörtert werden.

5. Quellenlage des Films „ The Patriot“

Betrachtet man die Arbeit der Filmschaffenden, mit den spezifischen Quellen und der ihnen zur Verfügung stehenden (Fach-)Literatur, so zeigt sich, dass diese ihnen wohlbekannt sind.35 Rekonstruiert man durch dieses Material, an welchen Stellen die Quellen gebrochen -, oder bestimmte Fakten ausgelassen bzw. ergänzt wurden, ergeben sich gehaltvolle Aussagen über die gewollte Inszenierung von historischen Ereignissen, Persönlichkeiten, Filmbotschaften oder Kulturbildern. Diesbezüglich wird deutlich, dass sich die Filmanalyse als Teil einer interdisziplinäre Wissenschaft versteht, da sie sich sowohl der Medienwissenschaft, als auch der Musikwissenschaft bedient, indem sowohl die narrative, als auch visuelle und auditive Ebene untersucht werden mus

Genau diese Frage nach der Historizität des Films „ The Patriot “ soll im Folgenden eine Antwort finden. Daher wird die kritische Auseinandersetzung mit den Quellen, aufgrund eines besseren Verständnisses in folgende Punkte gegliedert werden: Einleitend soll eine biographischen Darstellung der historischen Personen, auf welchen die filmischen Figuren beruhen, gegeben werden. Diesbezüglich wird in der anschließenden Untersuchung aufgrund der Länge dieser Arbeit, sowie der idealtypischen Figurenkonstellation der Fokus auf die Hauptfiguren Benjamin Martin, Colonel William Tavington und Lord General Charles Cornwallis gelegt. Nachdem die Authentizität der Filmfiguren kritisch beleuchtet wurde, steht die Darstellung der Schlachten im Zentrum des Interesses. Diesbezüglich soll erörtert werden, ob auch bei der Schilderung historischer Ereignisse Ergänzungen oder Aussparungen verzeichnet werden können.

5.1. Die Darstellung der Figuren

5.1.1. Francis Marion

Der Brigadengeneral Francis Marion wurde am 25.2.1732 in Georgetown als einer von sechs Söhnen geboren. Seine Eltern Gabriel Marion und Esther Cordes Marion waren Plantagenbesitzer in Georgetown.36 Nachdem sich Francis Marion kurze Zeit der Seefahrt verschrieb, widmete er sein Leben dem Militär. Kurz vor seinem 25. Lebensjahr ließ er sich für den Siebenjährigen Krieg rekrutieren.37 Knapp 20 Jahre später, kämpfte er während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges im Süd - Carolina-Regiment gegen die Briten und versuchte Charleston vor ihrer Übernahme zu bewahren.38 Als Charleston jedoch vor der britischen Übermacht kapitulieren musste, errichtete Marion eine eigene Miliz um die britische Armee dennoch vernichtend schlagen zu können. Obwohl er sich mit seiner Miliz General Horatio Gates anschließen wollte, überließ dieser ihm, aufgrund seines Misstrauens, das Kommando über die Williamsburger Miliz Pee Dee, welche sich in der nordöstlichen Region Süd - Carolina befand.39 Eine seiner wichtigsten Schlachten, die er zu kämpfen hatte, war die Schlacht um Camden, welche am 16. August 1780 stattfand. Obwohl die britischen Truppen unter Lieutenant-General Charles Cornwallis über eine zahlenmäßig überlegene amerikanische Armee unter Major-General Horatio Gates triumphieren konnten, war Francis Marion eine der Hauptfiguren, welche den britischen Truppen ihren Sieg erschwerten. Weiterhin kämpfte er 1781 erfolgreich in der Schlacht von Cowpens gegen die britische Armee.40 Dennoch verzeichnen einige Briefe, welche Marion an den General Horatio Gates schrieb, Klagen über seine Männer in der Miliz finden. Dies wird an folgender beispielhaften Nachricht deutlich: „ The people here is not to be depended on for I seldom have the same set a fortnight.“41 Nach einigen weiteren erfolgreichen Jahren im Militär, kehrte er 1782 auf seine niedergebrannte und zerstörte Plantage in Süd - Carolina zurück, welche er wieder aufbaute. Schon vier Jahre später, heiratete er seine Cousine Mary Esther Videau. Während der Zeit auf seiner Plantage war er temporär im Süd - Carolina Senat tätig. 1795 verstarb er jedoch auf seiner Plantage.42

[...]


1 Walter Benjamin, Das Passage - Werk (1 Bd.), (Hgg.) Rolf Tiedemann, Frankfurt a. Main 1983, S. 596.

2 L' assassinat du duc de Guise “ (Die Ermordung des Herzogs von Guise) erschien 1908. http://www.imdb.de/title/tt0000637/ [Stand: 27.10.2012]

3 „Gli ultimi giorni di Pompeii“ (Die letzten Tage von Pompeji) erschien 1913. http://www.imdb.de/title/tt0003489/[Stand: 27.10.2012]

4 „Uncle Tom’s Cabin“ (Onkel Toms Hütte) erschien 1903. http://www.imdb.de/title/tt0018524/[Stand: 27.10.2012]

5 Robert A. Rosenstone, History on Film. Film on History. In: Munslow, Alun (Hg.), History: Concepts, Theories and Practics, Edinburgh Gate 2006, S. 11.

6 Roland Emmerich hatte seinen internationalen Durchbruch 1996 mit „ Independence Day “, worauf unter anderem „ Godzilla “ (1998), „ The Day After Tomorrow “ (2004), „10.000 B.C.“ (2008) und „ 2012 “ (2009) folgte. Sein letzter Film war „ Anonymus “ (2011), welcher sich im Genre des Historienfilms ansiedeln lässt. http://www.imdb.com/name/nm0000386/[Stand: 27.11.2012]

7 http://www.br-online.de/unterhaltung/kino/filme/200007/323/ [Stand: 17.10.02]

8 Vgl. dazu folgende Rezensionen: http://www.allesfilm.com/showarticle.php?id=19682 [Stand: 28.11.2012] http://www.ofdb.de/review/1313,454,Der-Patriot Stand: 28.11.2012] http://www.nytimes.com/library/film/062800patriot-film-review.html [Stand: 28.11.2012]

9 http://www.imdb.de/title/tt0187393/combined [Stand: 20.11.2012]

10 http://www.boxofficemojo.com/movies/?id=patriot.htm [Stand: 28.11.2012]

11 http://www.imdb.de/title/tt0187393/fullcredits [Stand: 20.11.2012]

12 http://www.imdb.de/title/tt0187393/fullcredits [Stand: 20.11.2012]

13 http://www.boxofficemojo.com/people/chart/?id=rolandemmerich.htm [Stand: 29.11.2012]

14 Vgl. hierzu seine Filmografie: http://www.imdb.de/name/nm0734441/filmoseries#tt1462059 [Stand: 28.11.2012]

15 Krützen, Michaela, Dramaturgie des Films. wie Hollywood erzählt. Frankfurt a. M. 2004, S. 100.

16 Ebd..

17 Ebd., S. 101.

18 Krützen, 2004, S. 31.

19 Ebd., S. 101.

20 Field, Syd, Das Handbuch zum Drehbuch, Übungen und Anleitungen zu einem guten Drehbuch. Frankfurt a. M. 1991, S. 40.

21 Stutterheim, Kerstin/ Kaiser, Silke, Handbuch der Filmdramaturgie: Das Bauchgefühl und seine Ursachen. In: Lang, Peter (Hg.), Babelsberger Schriften zu Mediendramaturgie und -Ästhetik. 2 Bde. Frankfurt a. M. 2009, Bd. 1, S. 51.

22 Menninger, Annerose, Historienfilme als Geschichtsvermittler: Kolumbus und Amerika im poulären Spielfilm. Stuttgart 2010, S. 12.

23 Vgl. Rosenstone, Robert A., The Historical Film: Looking at the Past in a Postliterate Age. In: Landy, Marcia (Hg.) The Historical Film. History and Memory in Media. New Brunswick, New Jersey 2000, S. 52.

24 Menninger, 2010, S. 10ff.

25 Ebd., S. 11.

26 Ebd..

27 White, Hayden, Historiography and Historiophoty. In: American historical review 93, 1988, S. 1193-1199, hier S. 1193.

28 Hughes - Warrington, Marnie, History Goes to the Movies. Studying History on Film. London - New York 2007, S. 2.

29 Vgl.: Ebd., S. 4., sowie Rosenstone, 2006, S. 6.

30 Hughes - Warrington, 2007, S. 4.

31 Vgl.: Rosenstone, 2006, S. 7, sowie Rosenstone, 2000, S. 50, sowie Hughes - Warrington, 2007, S. 4.

32 Rosenstone, 2000, S. 50.

33 Hughes - Warrington, 2007, S. 4.

34 The Patriot (2000).Roland Emmerich. DVD, 168 Min.,USA,Deutschland. Special features: True Patriot’s featurette, 00:14- 00:19.

35 Vgl. Dazu “ Christopher Columbus ” (1949) sowie “1492 Conquest of Paradise” (1992).

36 Cate, Alan C., Founding Fighters, The Battlefield Leaders Who Made American Independence. Westport 2006, S. 153.

37 Weems, Mason Locke, The Life of the General Francis Marion, a celebrated partisan officer in the revolutionary war against the british and tories in south Carolina and Georgia. Philadelphia 1891, S. 36.

38 Ebd., S. 44.

39 Cate, 2006, S. 155.

40 Hartley Cecil B., Heroes and Patriots of the South. Philadelphia 1860, S. 280.

41 Cate, 2006, S. 158.

42 Cate, 2006, S. 164.

Details

Seiten
36
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656604884
ISBN (Buch)
9783656604860
Dateigröße
921 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269346
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Schlagworte
historienfilm unterhaltungsmedium vermittler fakten beispiel patriot

Autor

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