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Erzähltechnische Analyse von Ludwig Tiecks "Der blonde Eckbert"

Essay 2009 5 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Ludwig Tiecks Romantisches Kunstmärchen „Der blonde Eckbert“ erschien erstmals 1797 in der Sammlung mit dem Titel „Volksmärchen“.

Die erzählte Zeit, also die Dauer der erzählten Geschichte ist deutlich länger als die Zeit des Er­zählens: vergehen in der Rahmenhandlung mehrere Monate, der Binnenhandlung sogar mehr als vier Jahre, benötigt der Leser schätzungsweise eine Lesestunde für die 23 Seiten. Folg­lich findet fast ausschließlich Zeitraffung statt. Die Vorgeschichte der eigentlichen Hand­lung, nämlich Eck­berts und Berthas recht abgeschiedenes Leben im Harz und die enge Freund­schaft zwischen Eck­bert und Philipp Walther, wird kurz zusammengefasst. Auch Ber­thas Kindheit und das fol­gende Geschehen nach diesem Bericht wird in Zeitraffung erzählt („>So war ich ohngefähr vier Tage fortgewandert, als ich auf einen kleinen Fußstieg geriet<“ [S.="" 7];""> Oft ging die Alte aus, und kam erst am Abend zurück<“ [S.="" 11]),was auch an zeit­lichen zuordnungen wie bald, nach einiger zeit, gegen abend, an einem morgen etc. erkenn­bar ist. eine zeitdehnung findet dagegen nur bei der für die romantik typischen naturbe­schrei­bung statt: dem moment, in dem bertha auf ihrer fluch vor dem elternhaus der alten be­gegnet und mit ihr gemeinsam eine lichtung hinter dem wald betritt: „="">In das sanfteste Rot und Gold war alles verschmolzen, die Bäume standen mit ihren Wipfeln in der Abend­rö­te und über den Feldern lag der entzückende Schein<“ [s. 9]. der augenblick wird in die län­ge gezogen, die zeit steht scheinbar still. zur erzählform, bei wel­cher zeitdeckung zu finden ist, sind die dialoge zu zählen, welche beispielsweise zwischen eckbert, bertha und walther statt finden („="">aber über unser Schwatzen< fing bertha wieder an,="">ist es schon tief Nacht gewor­den, - wir wollen uns schlafen legen<“ [s. 18]), aber auch das waldvogellied, wel­ches in der fiktiven und tatsächlichen vortragsform gleich lang dauert:>Wald­einsam­keit, die mich erfreut, so morgen wie heut<“ [S. 10].

Das Märchen steigt an scheinbar beliebiger Stelle des Geschehens ein, der Verlauf der Erzäh­lung beginnt „in media res“: mitten in der Freundschaft zwischen Eckbert und Walther. Er ver­läuft innerhalb des Einschubes von Berthas Geschichte chronologisch und setzt sich danach in der Rahmenhandlung ebenso zeitgemäß fort.

Die Spannung der Erzählung wird dabei an einigen wenigen Stellen durch die Prolepse ge­stei­gert, in welcher der Autor eine Vorausdeutung über die Beschaffenheit des Geheimnis­vol­len abgibt und darauf vorgreift, dass der Vernunftmensch Eckbert seine Frau Bertha dazu bringen wird, Walther die Geschichte ihrer Kindheit zu erzählen: „Es gibt Stunden, in denen es den Menschen ängstigt, wenn er vor seinem Freunde ein Geheimnis haben soll“ [S. 3]

[...]

Details

Seiten
5
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656618492
ISBN (Buch)
9783656618553
Dateigröße
338 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269243
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Analyse Erzähltechnik Ludwig Tieck Der blonde Eckbert Romantik Märchen Kunstmärchen 1797

Autor

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Titel: Erzähltechnische Analyse von Ludwig Tiecks "Der blonde Eckbert"