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Aktivierung latenter Steueransprüche nach IFRS für steuerliche Verlust- und Zinsvorträge

Bachelorarbeit 2012 59 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einführung
1.1 Einleitung
1.2 Aufgabenstellung und Aufbau der Arbeit
1.3 Abgrenzung

2. Grundlagen der Bildung latenter Steuern nach IFRS
2.1 Bildung latenter Steuern nach IFRS
2.2 Aktivierung latenter Steueransprüche nach IAS 12 für steuerliche Verlust- und Zinsvorträge

3. Aktivierung latenter Steueransprüche nach IFRS für steuerliche Verlustvorträge
3.1 Ermittlung des Bestands der Verlustvorträge
3.2 Verlustnutzungsbeschränkungen
3.3 Voraussetzungen für den Ansatz latenter Steuern auf Verlust- vorträge
3.4 Bewertung latenter Steuern auf Verlustvorträge
3.4.1 Anzuwendender Steuersatz
3.4.2 Bewertung nach erstmaligem Ansatz
3.5 Ausweis latenter Steuern auf Verlustvorträge

4. Aktivierung latenter Steueransprüche nach IFRS für steuerliche Zinsvorträge
4.1 Zinsbegriff
4.2 Ermittlung des Bestands der Zinsvorträge / Zinsschrankenregelung
4.3 Ausnahmeregelungen zur Zinsschranke
4.4 Voraussetzungen für den Ansatz latenter Steuern auf Zins- vorträge
4.5 Bewertung latenter Steuern auf Zinsvorträge
4.6 Ausweis latenter Steuern auf Zinsvorträge

5. Analyse des Zusammenhangs zwischen steuerlichen Verlust- und Zinsvorträgen bei der Aktivierung von latenten Steueransprüchen nach IFRS
5.1 Zusammenhang von steuerlichem Verlust- und Zinsvortrag
5.2 Zusammenhang zwischen aktiven latenten Steuern nach IFRS auf steuerliche Verlust- und Zinsvorträge

6. Aktivierung latenter Steueransprüche nach IFRS für steuerliche Verlust- und Zinsvorträge am Beispiel eines Immobilienunternehmens
6.1 Ausgangssituation
6.2 Problemstellung
6.3 Lösung
6.3.1 Auflösung der latenten Steuern auf den körperschaft- steuerlichen Verlustvortrag zum 31.12.2010
6.3.2 Erstmalige Aktivierung latenter Steuern auf den Zinsvortrag zum 31.12.2010
6.3.3 Auflösung der latenten Steuern zum 31.12.2011 auf den Zinsvortrag
6.4 Darstellung des Ergebnisses in der IFRS-Bilanz und -GuV des Immobilienkonzerns
6.4.1 Wirtschaftsjahr 2010
6.4.2 Wirtschaftsjahr 2011
6.5 Fazit

7. Zusammenfassung

7.1 Zusammenfassung der Bachelorarbeit

7.2 Kritik an der Aktivierung latenter Steueransprüche nach IFRS für steuerliche Verlust- und Zinsvorträge / Ausblick

8. Anhang
8.1 Gesetze, Rechtsverordnungen und Verwaltungsanweisungen
8.2 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

1 Differenzen zwischen IFRS-Abschluss und steuerlicher Gewinnermittlung

2 Typen von Unterschieden zwischen Buchwert und Steuerwert

3 Übersicht Zinsschranke

4 Übersicht über die Konzernstruktur

5 Auflösung der latenten Steuern auf den körperschaft- steuerlichen Verlustvortrag zum 31.12.2010

6 Entwicklung der latenten Steuern auf den Zinsvortrag

1. Einführung

1.1 Einleitung

Die Aktivierung latenter Steueransprüche auf steuerliche Verlustvorträge ist einsensibles Thema. Die Höhe der aktivierten latenten Steuern auf einen Verlustvortrag spiegelt die Einschätzung der Unternehmen wider, in den folgenden Jahrenpositive Ergebnisse zu erwirtschaften. Häufig ist die Bewertung der latenten Steueransprüche nicht frei von bilanzpolitischen Überlegungen, die darüber hinwegtäuschen, dass hierzu detaillierte Unternehmensanalysen erforderlich sind. Steuerabteilungen in Unternehmen müssen Überlegungen einer Vielzahl von Unternehmensabteilungen zusammenführen und integrieren. Ein Beispiel sind die Planzahlen des Unternehmens aus dem Controlling, die einer steuerlichen Würdigungunterzogen werden müssen. Die Ergebnisse dieser Analysen sind den Regelungen des IAS 12 zu unterwerfen. IAS 12 führt mit wenigen, aber sehr aussagefähigen Formulierungen die Analyseergebnisse in die Bilanzierung über.1

Durch die Steuergesetzesänderung im Jahr 2008 sind die Auswirkungen aus derAnwendung der Zinsschranke auf die Bilanzierung latenter Steuern gemäß IAS 12ein aktuelles und zugleich sehr komplexes Thema. Die Zinsschranke ist im Rahmen der Unternehmenssteuerreform 2008 eingeführt worden, um die Verlagerungvon Gewinnen ins niedrig besteuernde Ausland mittels Finanzierungsgestaltungenzu beschränken. Der nichtabzugsfähige Teil der Zinsaufwendungen in einem Wirtschaftsjahr ist mittels sogenannter Zinsvorträge in zukünftige Wirtschaftsjahre fortzuschreiben.2

In der Praxis ist das Thema der vorliegenden Bachelorarbeit von großer Bedeutung. Nach einer Untersuchung von Baetge und Lienau betrug der Anteil der aktiven latenten Steuern auf Verlustvorträge in den Konzernabschlüssen nach IFRSim Jahr 2007 bei DAX-Unternehmen 25,3 %, bei MDAX-Unternehmen 39,7 %.3 Indiesem Zusammenhang kommt auch den aktiven latenten Steuern auf Zinsvortr ä- ge eine große Bedeutung zu, da diese mit den aktiven latenten Steuern auf Verlustvorträge eng zusammenhängen, worauf im Rahmen dieser Arbeit noch eingegangen wird.

1.2 Aufgabenstellung und Aufbau der Arbeit

In der Bachelorarbeit werden zwei Themenbereiche analysiert:

Es soll die Frage geklärt werden, welche Auswirkungen ein steuerlicherVerlustvortrag und ein steuerlicher Zinsvortrag auf die Aktivierung latenterSteueransprüche nach IAS 12 hat. In diesem Zusammenhang soll auch aufRegelungen zur Beschränkung der Verlustnutzung als wesentliche Grundlage für den Verlustvortrag sowie auf die Zinsschrankenregelung und Ausnahmen von dieser als wesentliche Grundlagen für den Zinsvortrag eingegangen werden.

Im Anschluss daran soll erörtert werden, wie eine aktive latente Steuer aufgrund der Zinsschranke eine aktive latente Steuer auf einen steuerlichenVerlustvortrag beeinflusst, da sich die Abzugsfähigkeit von Zinsaufwendungen auch auf die Realisierung von steuerlichen Verlusten auswirkt. Auchdiese Frage ist von erheblicher Relevanz, da bei der Bilanzierung von aktiven latenten Steuern die Verlustvorträge eine dominierende Position einnehmen, sodass auch die Beziehung zwischen Zins- und Verlustvortraganalysiert werden muss.

Dieser theoretische Sachverhalt wird anhand eines Beispiels aus der Praxis über die Aktivierung latenter Steueransprüche nach IFRS für steuerliche Verlust- und Zinsvorträge bei einem Immobilienunternehmen veranschaulicht.

1.3 Abgrenzung

Die vorliegende Bachelorarbeit beschränkt sich grundsätzlich auf die Aktivierunglatenter Steueransprüche nach IFRS auf steuerliche Verlust- und Zinsvorträge. DieAutorin führt jedoch in das Thema ein, indem auch auf allgemeine Grundlagen derBildung latenter Steuern auf Verlust- und Zinsvorträge eingegangen wird. Das

Thema dieser Arbeit wird ausschließlich aus ertragsteuerlicher Sicht beleuchtet, wohingegen andere Steuerarten außer Acht gelassen werden.

In dieser Arbeit beziehen sich alle Aussagen auf die Rechtsform der Kapitalgesellschaft. Etwaige abweichende steuerliche Vorschriften für Personengesellschaften wurden ausgeklammert, da im theoretischen Teil dieser Arbeit hauptsächlich die theoretischen Grundlagen für den Praxisfall, in dem es um eine Kapitalgesellschaft geht, gelegt werden sollten.

Für den Praxisfall in Kapitel 6 spielt auch die Rücklage nach § 6b EStG eine Rolle. Es erfolgt jedoch keine weitere Vertiefung in diese steuerliche Vorschrift. Die im Rahmen des Praxisfalls darüber gemachten Aussagen sind ausreichend.

2. Grundlagen der Bildung latenter Steuern nach IFRS

In diesem Kapitel soll eine kleine Einführung in das Thema „Aktivierung latenterSteueransprüche nach IFRS für steuerliche Verlust- und Zinsvorträge“ erfolgen. Dabei wird von den Grundlagen der Bildung latenter Steuern nach IFRS auf die Grundsätze der Aktivierung latenter Steueransprüche nach IFRS für steuerliche Verlust- undZinsvorträge - Schwerpunkt der vorliegenden Bachelorarbeit - übergeleitet.

2.1 Bildung latenter Steuern nach IFRS

Bei der Bilanzierung nach den Vorschriften des IFRS/IAS gibt es eine strikte Trennung zwischen diesen und den Vorschriften des Steuerrechts. Die beiden Ergebnisse weichen aufgrund der unterschiedlichen Bilanzierung von Vermögenswerten und Schulden stark voneinander ab.4

Aufgrund dieser Differenzen weicht die aus dem steuerlichen Ergebnis abgeleiteteeffektive Steuerschuld von der Steuerschuld ab, die sich ergeben hätte, wenn manzur Berechnung der Steuerbelastung das handelsrechtliche Ergebnis zu Grundelegen würde (fiktive Steuerschuld). Folglich macht das Verhältnis vonErtragsteueraufwand und dem Jahresüberschuss in der Handelsbilanz keinenSinn mehr. Die Abweichung zwischen der effektiven und fiktiven Steuerbelastungnennt man latente Steuer. Latente Steuern werden bilanziell berücksichtigt, um einen zutreffenden Einblick in die Vermögens- bzw. Ertragslage der Gesellschaft zuvermitteln5.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Differenzen zwischen IFRS-Abschluss und steuerlicher Gewinnermittlung6

Die vorstehende Abbildung soll nochmals die Ursache für die Bildung latenter Steuern nach IFRS aufzeigen. Es führen jedoch nur grundsätzlich die Wertunterschiede zwischen IFRS- und der Steuerbilanz zur Bildung latenter Steuern, die temporärer Natur sind (sogenanntes „temporary“-Konzept). Dabei handelt es sich um Unterschiede, die das zu versteuernde Einkommen beeinflussen und damit steuerbelastend oder steuerentlastend wirken.7

Es gibt zwei Arten von temporären Differenzen: Zu versteuernde temporäre Differenzen und abzugsfähige temporäre Differenzen. Zu versteuernde temporäre Differenzen sind temporäre Unterschiede, die zu steuerpflichtigen Beträgen bei derErmittlung des zu versteuernden Einkommens zukünftiger Perioden führen, wennder Buchwert des Vermögenswertes realisiert oder die Schuld erfüllt wird. DieseDifferenzen entstehen, wenn der IFRS-Buchwert eines Vermögenswertes größer

als der Steuerwert ist oder wenn der IFRS-Buchwert einer Schuld unter dem entsprechenden Steuerwert liegt.8

Abzugsfähige temporäre Differenzen sind temporäre Unterschiede, die zu Betr ägen führen, die bei der Ermittlung des zu versteuernden Ergebnisses zukünftiger Perioden abzugsfähig sind, wenn der Buchwert des Vermögenswertes realisiert oder eine Schuld erfüllt wird. Diese Differenzen entstehen, wenn der IFRSBuchwert eines Vermögenswertes kleiner als der Steuerwert ist oder wenn der IFRS-Buchwert einer Schuld über dem Steuerwert liegt.9

Die nachfolgende Abbildung soll einen Überblick darüber geben, in welchen Fällen latente Steuern gebildet werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Typen von Unterschieden zwischen Buchwert und Steuerwert10

2.2 Aktivierung latenter Steueransprüche nach IAS 12 für steuerliche Verlust- und Zinsvorträge

Gemäß IAS 12.34 gibt es grundsätzlich ein Ansatzgebot für aktive latente Steuernauf werthaltige Verlustvorträge und analog auch für aktive latente Steuern aufwerthaltige Zinsvorträge11. In der Literatur wird jedoch die Meinung vertreten, dasses für aktive latente Steuern auf Verlustvorträge aufgrund der hohen Ermessenspielräume aus IAS 12 ein faktisches Ansatzwahlrecht gibt.12 Daraus kann manwieder analog schließen, dass dies auch für aktive latente Steuern auf Zinsvortr äge gilt.13 Der nach IFRS Bilanzierende hat ein bedeutendes verdecktes Wahlrecht.In Abhängigkeit davon, ob er sich entscheidet, eine komplexe Bilanz-, Finanz- undErfolgsplanung aufzustellen, um die Aktivierung latenter Steuern auf einen Zinsvortrag zu rechtfertigen, trifft er auch gleichzeitig eine Entscheidung über die mögliche Aktivierung von latenten Steuern.14 Daher kann man in derartigen Fällenschon von einem sogenannten Nachweiswahlrecht sprechen.15

3. Aktivierung latenter Steueransprüche nach IFRS für steuerliche Verlustvorträge

Die Regelungen zur Aktivierung latenter Steueransprüche auf steuerliche Verlustvorträge sind in IAS 12.34 bis 12.37 festgehalten. Voraussetzung für die Aktivierung ist das Vorhandensein ausreichend positiver steuerlicher Ergebnisse in denFolgejahren. Dazu sind auf Ebene der einzelnen Gesellschaft, in der die Verlustvorträge entstanden sind, die künftigen steuerlichen Ergebnisse zu planen.16

Im Folgenden werden zunächst die Grundlagen für die Aktivierung latenter Steueransprüche auf Verlustvorträge gelegt. Dabei wird auf die Ermittlung des B estands der Verlustvorträge und auf Beschränkungen der Verlustnutzung eingegangen. Daraufhin wird der erste Schwerpunkt der vorliegenden Bachelorarbeitbehandelt: Wann sind latente Steuern auf Verlustvorträge zu aktivieren und wanndürfen sie nicht aktiviert werden? Im Fall des Aktivierungsgebots stellt sich nochdie Frage, welche Besonderheiten es bei der Bewertung und beim Ausweis gibt.

3.1 Ermittlung des Bestands der Verlustvorträge

Der Bestand an steuerlichen Verlustvorträgen wird auf Basis der letzten vorliegenden Feststellungsbescheide ermittelt. Die darin festgestellten Verlustvorträge sindimmer auf den jeweiligen Bilanzstichtag fortzuentwickeln. Wenn es bereits erstellteSteuererklärungen für die von der Steuerbehörde noch nicht veranlagten Zeiträume gibt, sind die sich daraus ergebenden zu versteuernden Ergebnisse für dieFortentwicklung der Verlustvorträge zu verwenden. Gegebenenfalls empfiehlt essich, Sicherheitsabschläge von diesen Werten zu berücksichtigen, da es noch unsicher ist, ob die Steuerbehörde die Steuererklärungen auch so veranlagen wird.17

3.2 Verlustnutzungsbeschränkungen

Generiert ein Unternehmen in einem oder mehreren Veranlagungszeiträumen steuerliche Verluste und in den darauffolgenden Veranlagungszeiträumen wieder Gewinne, so können diese nicht ohne weiteres mit den Verlusten aus Vorjahren ausgeglichen werden. Der Gesetzgeber hat nämlich die Nutzung steuerlicher Verluste durch mehrere Vorschriften eingeschränkt. In diesem Kapitel wird auf die wichtigsten Vorschriften zur Verlustnutzung eingegangen, die unter anderem auch die Grundlagen für den Praxisfall in Kapitel 6 legen sollen.

Sowohl für den körperschaftsteuerlichen Verlustvortrag gemäß § 8 Abs. 1 S. 1KStG i. V. m. § 10d EStG als auch für den gewerbesteuerlichen Verlustvortraggemäß § 10a GewStG wird jedoch keine zeitliche Beschränkung, sondern vielmehr eine zeitliche Streckung des Verlustvortrags formuliert. Der Grund für diesezeitliche Streckung ist die sogenannte Mindestbesteuerung. Danach ist sowohl derkörperschaftsteuerliche als auch der gewerbesteuerliche Verlustvortrag in Folgejahren bis zu einem Gesamtbetrag der Einkünfte von 1 Mio. Euro im Rahmen dersteuerlichen Einkommensermittlung unbeschränkt abziehbar. Darüber hinauskann dieser lediglich in Höhe von 60 % des 1 Mio. Euro übersteigenden Gesamtbetrags der Einkünfte abgezogen werden. Von diesem Grundsatz gibt es jedochmehrere Ausnahmen:

1) § 8c Abs. 1 S. 1 und S. 2 KStG (schädlicher Beteiligungserwerb)

Gemäß dieser Vorschrift gehen bisher nicht genutzte Verluste in Höhe derübertragenen Anteile unter, wenn innerhalb von fünf Jahren mittelbar oderunmittelbar mehr als 25 % der Anteile an einer Körperschaft an einen Erwerber oder diesem nahe stehende Personen übertragen werden. Bishernicht genutzte Verluste gehen vollständig unter, wenn innerhalb von fünfJahren mittelbar oder unmittelbar mehr als 50 % der Anteile an einer Körperschaft an einen Erwerber oder diesem nahe stehende Personen übertragen werden.

Ob sich die Anteilsverhältnisse an einer Körperschaft durch Ausgabe neuer Anteile oder durch Übertragung von Anteilen ändern, macht gemäß § 8c Abs. 1 S. 4 KStG für die steuerliche Behandlung keinen Unterschied.

2) Anteilserwerbe nach dem 31.12.2009: § 8c Abs. 1 S. 5 KStG (Konzern klausel)

Diese sogenannte Konzernklausel gilt für Anteilserwerbe an Körperschaftennach dem 31.12.2009 und soll für eine Erleichterung bei Umstrukturierungen im Konzern sorgen. Gemäß dieser Vorschrift gehen bisher nicht genutzte Verluste bei einem Anteilserwerb nicht unter, wenn an dem Veräußerer und Erwerber mittelbar oder unmittelbar dieselbe Person jeweils zu100 % beteiligt ist.

3) Anteilserwerbe nach dem 31.12.2009: § 8c Abs. 1 S. 6 - 9 KStG (Stille Reserven-Klausel)

In den Ausnahmefällen 1) und 2) ist jedoch noch die sogenannte Stille Reserven-Klausel zu beachten: Gibt es in der Beteiligungsstruktur Minderheitsgesellschafter, so bleiben bisher nicht genutzte Verluste nur in Höhe der im Inland steuerverstrickten stillen Reserven erhalten.

4) Übergangsvorschrift § 8 Abs. 4 KStG

Die Übergangsvorschrift des § 8 Abs. 4 KStG ist in den Fällen noch anzuwenden, in denen die Anteilsübertragung vor dem 01.01.2008 stattfand unddie wirtschaftliche Identität vor dem 01.01.2013 verloren geht.18 Danachdürfen Verluste nach § 10d EStG nur dann abgezogen werden, wenn dieKapitalgesellschaft sowohl rechtlich als auch wirtschaftlich mit der Gesellschaft identisch ist, die den Verlust erwirtschaftet hat. Die wirtschaftlicheIdentität geht dann verloren, wenn mehr als 50 % der Anteile an der Kapitalgesellschaft übertragen werden und die Kapitalgesellschaft ihren G eschäftsbetrieb mit überwiegend neuem Betriebsvermögen fortführt oderwieder aufnimmt. Davon ausgenommen sind Sanierungsfälle nach § 8Abs. 4 S. 3 KStG.

Desweiteren muss ein sachlicher Zusammenhang zwischen den Zeitpunkten der Zuführung neuen Betriebsvermögens und der Anteilsübertragung bestehen. Dieser wird bei zeitlicher Nähe beider Zeitpunkte (grundsätzlich ein bis zwei Jahre, allerdings widerlegbar) unterstellt.

5) Verschmelzungen zwischen zwei Körperschaften

Verschmelzen zwei Körperschaften, müssen grundsätzlich zwei Bedingungen erfüllt sein, damit ein bestehender Verlustvortrag nicht untergeht: Erstens müssen diese Verluste vom aufnehmenden Unternehmen erwirtschaftet worden sein und zweitens dürfen sich die Anteilsverhältnisse durch Ausgabe neuer Anteile nicht um mehr als 25 % ändern.19

3.3 Voraussetzungen für den Ansatz latenter Steuern auf Verlustvorträge

Gemäß IAS 12.34 ist die Aktivierung eines latenten Steueranspruchs für den Vortrag eines noch nicht genutzten steuerlichen Verlustes von der Wahrscheinlichkeitdes Umstands abhängig, dass das Unternehmen zukünftig wieder verrechenbareGewinne erwirtschaftet. Die Beurteilung der Wahrscheinlichkeit zukünftiger steuerlicher Gewinne entspricht im Wesentlichen den allgemeinen Grundsätzen für dieBilanzierung aktiver latenter Steuern im Allgemeinen. Diese Grundsätze sind:

1) Vorhandensein ausreichender zu versteuernder temporärer Differenzen,
2) die Möglichkeit von Steuergestaltungsmaßnahmen sowie
3) eine positive Gewinnprognose.20

Sobald ein Unternehmen jedoch ungenutzte steuerliche Verlustvorträge hat, wird widerlegbar vermutet, dass das Unternehmen auch zukünftig keine ausreichenden Gewinne erwirtschaften wird. Daher gibt es gemäß IAS 12.35 f. zusätzliche Anforderungen an den im Rahmen der Gewinnprognose zu erbringenden Nachweis zukünftiger Gewinne.21 Danach sind latente Steuern auf steuerliche Verlustvorträge in folgenden Fällen zu aktivieren:22

1) Wenn das Management steuerliche Gewinne voraussichtlich vor dem Erlö schen der Nutzbarkeit der Verlustvorträge prognostiziert, hat es eine detail lierte Planungsrechnung aufzustellen. Dabei müssen die zugrunde liegen den Prämissen dieser Planungsrechnung die aktuelle Lage des Unterneh mens nachvollziehbar abbilden. Die Planungsrechnung hat sehr verlässlich zu sein, da IAS 12.35 substantielle Hinweise auf ein zukünftiges steuerli ches Ergebnis fordert.

Der für die Planungsrechnung verwendete Planungshorizont ist grundsätzlich von den individuellen Gegebenheiten des jeweiligen Unternehmens abhängig (z. B. Produktlebenszyklen oder Branchenentwicklungen). Je längerder Planungshorizont ist, desto mehr nimmt die Prognoseunsicherheit zu.

[...]


1 Vgl. Loitz, Bilanzierung latenter Steueransprüche für Vorträge noch nicht genutzter steuerlicher Verluste nach IFRS, WPg, 2007, S. 778.

2 Vgl. Brähler/Brune/Heerdt, Die Auswirkungen der Zinsschranke auf die Aktivierung latenter Steuern, KoR, 05.05.2008, S. 289.

3 Baetge/Lienau, Praxis der Bilanzierung latenter Steuern im Konzernabschluss nach IFRS, WPg 2007, S. 15 und S. 18.

4 Vgl. Ellrott/Förschle/Grottel/Kozikowski/Schmidt/Winkeljohann, Beck´scher Bilanz-Kommentar, § 274, Rn. 1 ff.

5 Ebenda.

6 Angelehnt an Hoffmann/zu Putlitz/Schubert, IFRS: Latente Steuern, S. 23.

7 Vgl. Hoffmann/zu Putlitz/Schubert, IFRS: Latente Steuern, S. 23 f.

8 Vgl. Hoffmann/zu Putlitz/Schubert, IFRS: Latente Steuern, S. 25.

9 Ebenda, S. 26.

10 Angelehnt an Hoffmann/zu Putlitz/Schubert, IFRS: Latente Steuern, S. 28.

11 Vgl. Brähler/Brune/Heerdt, Die Auswirkungen der Zinsschranke auf die Aktivierung latenter Steuern, KoR, 05.05.2008, S. 292.

12 Ebenda, S. 295.

13 Ebenda, S. 292.

14 Vgl. Kirsch, Unternehmenssteuerreform 2008, DStR, 2007, S. 1268.

15 Ebenda, S. 1268 (Fußnote 17).

16 Vgl. Hoffmann/zu Putlitz/Schubert, IFRS: Latente Steuern, S. 85 f.

17 Vgl. Meyer/Loitz/Lindner/Zerwas, Latente Steuern, S. 107 f. sowie Bohl/Schlüter/Riese, Beck’sches IFRS-Handbuch, Rn. 65, 71.

18 Vgl. § 34 Abs. 4 S. 3 KStG.

19 Vgl. Hoffmann/zu Putlitz/Schubert, IFRS: Latente Steuern, S. 88.

20 Vgl. Bohl/Schlüter/Riese, Beck’sches IFRS-Handbuch, Rn. 73.

21 Ebenda.

22 Ebenda, Rn. 73 ff.

Details

Seiten
59
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656614029
ISBN (Buch)
9783656614050
Dateigröße
631 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269210
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Villingen-Schwenningen, früher: Berufsakademie Villingen-Schwenningen – Steuer- und Prüfungswesen
Note
1,9
Schlagworte
IFRS Latente Steuern Verlustvortrag Zinsvortrag Zinsschranke Steuerbilanz

Autor

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Titel: Aktivierung latenter Steueransprüche nach IFRS für steuerliche Verlust- und Zinsvorträge