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Einsatz von Bilanzpolitik zur Insolvenzvermeidung

Schwellenwert von Burgstahler und Dichev

Seminararbeit 2012 23 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Anreize für den Einsatz von Bilanzpolitik
2.1 Transaktionskostentheorie
2.2 Prospect Theory

3 Untersuchung des Modells von Burgstahler/ Dichev (1997)
3.1 Allgemeine Vorbemerkungen zur Vorgehensweise
3.2 Vorgehen und Erkenntnisse über den Einsatz von Bilanzpolitik zur Verhinderung von Ergebnisrückgängen
3.2.1 Nachweis des Einsatzes von Bilanzpolitik
3.2.2 Schätzung der Häufigkeit des Einsatzes von Bilanzpolitik
3.3 Vorgehen und Erkenntnisse über den Einsatz von Bilanzpolitik zur Verlustvermeidung
3.3.1 Nachweis der Existenz von Bilanzpolitik
3.3.2 Schätzung der Häufigkeit des Einsatzes von Bilanzpolitik
3.4 Kritische Analyse

4 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang
Übersicht der deskriptive Statistik für die erhobenen Daten
Abbildung 1: Verteilung der Ergebnisveränderungen zum Vorjahr
Abbildung 2: Verteilung der Nettoergebnisse im Jahr t

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Problemstellung

Die Regeln zur Rechnungslegung eröffnen neben Wahlrechten auch Ermessensspielräume, welche sich durch die Annäherung des HGB an die IFRS häufen.[1] Vor allem kapitalmarktorientiert Unternehmen, die den Offenlegungspflichten unterliegen, könnten diese Wahlrechte und Ermessensspielräume bewusst nutzen, um Verluste und eine möglicherweise daraus resultierende Insolvenz zu vermeiden.

Nicht nur zur Abwendung der Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung können Unternehmen auf Kapital von außen angewiesen sein, auch für Investitionen, die das stetige Wachstum sicherstellen sollen, wird immer wieder Kapital benötigt. Sowohl Eigenkapitalgeber als auch Fremdkapitalgeber orientieren sich bei ihrer Entscheidung, ob sie in das betreffende Unternehmen investieren sollen, am Unternehmensergebnis, da dessen Verlauf Aussage über die zukünftige Entwicklung geben kann bzw. die einzige Größe darstellt, auf die externe Parteien Zugriff haben. Die außenstehenden Parteien versuchen zu entschlüsseln, ob es sinnvoll ist mit dem Unternehmen Verträge abzuschließen, ob z. B. im Falle des Eigenkapitalgeber mit Dividendenzahlungen gerechnet werden kann oder der Fremdkapitalgeber sich auf die Zahlung der Tilgung und der Zinsen verlassen kann. Mit diesem Wissen könnten Unternehmen nicht nur versuchen Verluste zu vermeiden, sondern auch Ergebnisrückgänge zu verhindern, um dies zu erreichen könnten wiederum die Wahlrechte und Ermessenspielräume genutzt werden – Bilanzpolitik könnte eingesetzt werden.

In der folgenden Arbeit wird auf die Studie von Burgstahler und Dichev von 1997 eingegangen. Untersucht wird die Fragestellung, ob Unternehmen Bilanzpolitik betreiben, um einen Ergebnisrückgang zu vermeiden. Außerdem wurde untersucht, ob Bilanzpolitik auch zur Vermeidung von Verlusten genutzt wird. Im Folgenden wird zuerst auf die Anreize des Betreibens von Bilanzpolitik, die ebenfalls in der Studie von Burgstahler/Dichev angesprochen werden, kurz umrissen. Danach wird das in der Studie verwendete Modell zum Nachweis des Einsatzes von Bilanzpolitik dargestellt und kritisch analysiert.

2 Anreize für den Einsatz von Bilanzpolitik

2.1 Transaktionskostentheorie

Die Transaktionskostentheorie geht davon aus, dass neben Produktionskosten auch Transaktionskosten am Markt entstehen.[2] Unter Transaktionskosten fallen nach Williamson unter anderem die Aufwendungen für Vertragsanbahnungen, Verhandlungen und Sicherung. Außerdem können Anpassungskosten entstehen, wenn im Nachhinein festgestellt wird, dass der Vertrag mit anderem Inhalt oder anderen Bedingungen geschlossen hätte werden sollen oder der Vertrag von einer Partei nicht unter den festgelegten Bedingungen erfüllet werden kann. Bei dem Anpassungsprozess kann es auch auf Kompromisse der beiden Vertragsparteien hinauslaufen, sodass zusätzliche Kosten für bei Parteien entstehen.[3]

Die Kosten der Informationsbeschaffung fallen an, um die Unsicherheit der agierenden Parteien auf dem Markt zu beseitigen. Die Unsicherheit entsteht durch die beschränkten Informationen und der Komplexität des Umfeldes, sodass es nicht möglich ist Verträge abzuschließen, in denen alle Szenarien im Vorhinein berücksichtigt werden können.[4] Außerdem wird die Unsicherheit durch opportunistisches Verhalten erhöht, da die Parteien Informationen bewusst zurückhalten bzw. versuchen über die tatsächlichen Gegebenheiten zu täuschen, um ihren eigen Nutzen zu maximieren.[5] Vom Staat wird zwar ein Ordnungsrahmen für eine gewisse Sicherheit geschaffen, jedoch kann die Unsicherheit nicht völlig beseitigt werden.[6] Die Transaktionskostentheorie vertritt auch, dass eine gewisse vorgegebene Ordnung durch eine unabhängige Institution wichtig ist. Trotzdem sind die Vertreter der Meinung, dass Privatpersonen Streitigkeiten besser lösen, als eine staatliche Institution.[7]

Um die Unsicherheit mit möglichst niedrigen Kosten zu beheben wird von den verschiedenen Stakeholdern heuristische Methoden angewandt.[8] Für eine Einschätzung von Erfolg bzw. Misserfolg der Transaktion wird auf die Informationen aus dem Jahresabschuss abgestellt. Deshalb ist das Unternehmensergebnis bzw. dessen Ergebnisentwicklung wichtig, da es als zukünftiger Erfolgsindikator angesehen wird. Dabei wird auch berücksichtigt, ob bspw. ein Ergebnisrückgang nur darauf beruht, dass das Unternehmen in der Vorperiode ein ungewöhnlich gutes Ergebnis erzielen konnte.[9] Ebenso wird das Unternehmen durch das Ergebnis bzw. durch dessen Entwicklung eine bessere Stellung bei Vertragsverhandlungen einnehmen, da einem erfolgreichen Unternehmen z. B. pünktliche Gehaltszahlungen oder Darlehenstilgungen stillschweigend vorausgesetzt werden und nicht explizit verhandelt und in den Vertrag aufgenommen werden.[10] Der Ausweis von geringen Ergebnissteigerungen oder Gewinnen lässt das Unternehmen mit seinen Stakeholdern zu niedrigeren Transaktionskosten in Verbindung treten. Dies wiederum verstärkt den Anreiz möglichst keinen Ergebnisrückgang bzw. keine Verluste auszuweisen.[11]

2.2 Prospect Theory

Die Prospect Theory, die von Kahneman und Tversky entwickelt wurde, ist in zwei Phasen gegliedert. Zuerst werden alle möglichen Aussichten erfasst, anschließend werden diese dann bewertet, damit der Entscheidungsträger sich dann für die Möglichkeit mit dem größten Wert entscheiden kann.[12] In der zweiten Phase wird der Wert jedes Ergebnisses mit einer Entscheidungsgewichtung multipliziert. Diese darf nach Kahneman/Tversky jedoch nicht mit der Wahrscheinlichkeit gleichgestellt werden. Entscheidungsgewichtungen messen die Auswirkungen der gewünschten Aussichten und nicht den wahrscheinlichen Eintritt des Ereignisses.[13]

Zu beachten ist nach Kahneman/Tversky, dass Menschen eher Gewinne und Verluste wahrnehmen, als den Endzustand von Wohlstand. Deshalb werden die Gewinne und Verluste relativ zu einem Bezugspunkt definiert. Bei dem Bezugspunkt handelt es sich nach Kahneman/Tversky in aller Regel um das momentane Vermögen. Der Bezugspunkt kann durch Definition von den möglichen Aussichten, sowie von den Erwartungen des Entscheidungsträgers abhängen.[14] Nach Burgsthaler/Dichev sind natürliche Bezugspunkte zum einen für Entscheidungsträger, die Wohlstand als Vielfaches von Gewinn bewerten, an dem keine Veränderung der Ergebnisse stattfindet und zum andern an dem Punkt, an dem kein Gewinn erzielt wird, wenn Wohlstand durch Nettovermögenswerte gemessen wird.[15]

Nach Kahneman/Tversky sollte der Wert als Funktion angesehen werden, die zu einem als Bezugspunkt der Vermögensposition dient und zum anderen als Größe für die Veränderung zu diesem Punkt. Diese Wertfunktion ist im Allgemeinen für Gewinne konkav und für Verluste konvex.[16] Dadurch ist bei einer gegebenen Wohlstandssteigerung die entsprechende Wertsteigerung relativ zum jeweiligen Bezugspunkt am größten, wenn die Steigerung von einem Verlust zu einem Gewinn führt, da an diesem Punkt die Steigung der Funktion am steilsten ist.[17] Burgsthaler/Dichev führen weiter an, dass unter der Annahme konstanter Kosten der Anreiz für das Betreiben von Bilanzpolitik steigt, um bei den Bezugspunkten Rückgänge bzw. Verluste in Steigerungen bzw. Gewinne umzuwandeln, damit die wahrgenommene Wertsteigerung der Stakeholder am größten ist.[18]

3 Untersuchung des Modells von Burgstahler/ Dichev (1997)

3.1 Allgemeine Vorbemerkungen zur Vorgehensweise

Burgsthalter und Dichev konzentrierten sich bei ihrer Untersuchungen auf die Nettogewinne[19] vor außergewöhnlichen Erträgen bzw. Aufwendungen von kapitalmarktorientierten Unternehmen in den USA, d.h. weder Banken, sonstige Finanzinstitute noch Unternehmen, die in einem regulierten Markt agieren, wurden berücksichtigt. Diese wurden von der Untersuchung ausgenommen, da die Anreize bilanzpolitische Maßnahmen zu nutzen andere sind, wie bei kapitalmarktorientierten Unternehmen und sie anderen Rechnungslegungsvorschriften unterliegen. Jedoch sind bei Untersuchungen von Finanzinstituten ähnliche Ergebnisse, wie die folgenden, hervorgegangen. Durch die unterschiedlichen Größen der Unternehmen wurde die Variable „Ergebnis“ nach dem Marktwert des gezeichneten Kapitals am Jahresbeginn von Jahr t und die Variable „Ergebnisveränderung“ nach dem Marktwert des Eigenkapitals vom Jahr t-1 eingeteilt. Letztere betrachtet die Veränderung des Ergebnisses von Jahr t-1 und t, die Veränderung zum Vorjahr.[20]

[...]


[1] Vgl. Eiselt/Müller (2011), S. 158.

[2] Vgl. Göbel (2002), S. 63.

[3] Vgl. Williamson (1985), S. 20-21.

[4] Vgl. Willamson (1985), S. 29; Göbel (2002), S. 133.

[5] Vgl. Fritz (2006), S. 41-42.

[6] Vgl. Wienert (2001), S. 92.

[7] Vgl. Willamson (1985), S. 29.

[8] Vgl. Conlisk (1996), S. 676.

[9] Vgl. Burgstahler/Dichev (1997), S. 123.

[10] Vgl. Bowen/DuCharme/Shores (1995), S. 259.

[11] Vgl. Güttler (2005), S. 239-240.

[12] Vgl. Kahneman/Tversky (1979), S. 274.

[13] Vgl. Kahneman/Tversky (1979), S. 280.

[14] Vgl. Kahneman/Tversky (1979), S. 274.

[15] Vgl. Burgstahler/Dichev (1997), S. 123-124.

[16] Vgl. Kahneman/Tversky (1979), S. 277-280.

[17] Vgl. Burgstahler/Dichev (1997), S. 123.

[18] Vgl. auch Güttler (2005), S. 240.

[19] Die verwendeten Daten wurden aus der Compustat Datenbank entnommen.

[20] Vgl. Burgstahler/Dichev (1997), S. 101-102.

Details

Seiten
23
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656601814
ISBN (Buch)
9783656601807
Dateigröße
737 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269184
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
2,3
Schlagworte
Bilanzpolitik Insolvenz Schwellenwertmethode Burgstahler Dichev

Autor

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Titel: Einsatz von Bilanzpolitik zur Insolvenzvermeidung