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Internationale Accountability Standards: Überblick, Darstellung und kritische Analyse

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 18 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung

2. „Gute“, bzw. „verantwortungsvolle“ Unternehmensführung

3. Internationale Accountability Standards
3.1 Überblick
3.2 Problemstellung

4 Darstellung und kritische Analyse
4.1 International Standards Organisation (ISO) 26000
4.2 Der UN Global Compact (UNGC)
4.3 Die OECD-Grundsätze der Corporate Governance
4.4 Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen
4.5 Social Accountability (SA) 8000

5 Kritisches Resümee

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Die Globalisierung ist ein wichtiger Bestandteil der wirtschaftlichen Entwicklung füralle Länder. Dadurch aber, dass es in anderen Ländern (besonders der Dritten Welt)andere Gesetze (oder deren Mangel), vor allem im Bezug auf allgemeinenMenschenrechte, gelten (bzw. dadurch die leicht verletzen lassen), sowie kulturelleDifferenzierungen vorliegen, kommt es zu vielfältigen Konflikten (vgl. Waddock,2009, S.87-88). Als Grund dafür gilt auch die Tatsache, dass es keine „globale“Regierung, bzw. Kontrollsystem gibt, was oft dazu geführt hat, dass internationalhandelnde Konzerne nur aus eigenen (Gewinn)Interessen ausgegangen sind undentsprechend „unverantwortlich“ allen anderen Stakeholdern gegenüber gehandelthaben (vgl. Jastram, 2009, S. 106). Dadurch haben sich die weltweit bekanntenSkandale in vielen Bereichen wie z. B. Umwelt (Nachhaltigkeits-problem,Verschmutzung), Menschenrechte (deren Mißbrauch, Kinderarbeit, niedrige Löhne),Arbeitsbedingungen (schlechte Arbeitsbedingungen in der Dritten Welt,Massenentlassungen am Standort, bis zu Produktionsverlagerungen, die nicht ausNotwendigkeit, sondern aus dem Grund der Gewinnmaximierung getätigt werden),und Korruption (Steuerbetrug, Geldwäscherei, Bestechungen, falsches Anreizsystem,überhöhe Managergehälter, Ausrichtung nur nach den Interessen der machtvollenInvestoren) entwickelt. Sie lassen sich in zahlreiche Pressemitteilungen sowieStatistikangaben, die den Vertrauensschwund der Bürger den Konzernen gegenüberbestätigen, sowie laute Kritik seitens Politikern und Managern über die „schlechten“(bzw. „unverantwortlichen“) Geschäftspraktiken zeigen (vgl. Beschorner, 2007, S. 1112; Thielemann & Ulrich, 2009, S. 11-20). Aus diesen Hintergründen wird klar, dassbisheriges Handeln der Unternehmen nach dem ökonomischen Prinzip, das im Grundeden Konflikt zwischen ökonomischer Rationalität und ethischer Vernunft verursacht,nicht mehr gilt. Man benötigt eine neue, bzw. ethisch geprägte Logik (vgl. Thielemann& Ulrich, 2009, S. 30; Waddock, 2008, S. 87-89). Daher nimmt der Ruf und Drucknach mehr „Verantwortung“ der Unternehmen zu, eben nach mehr Corporate SocialResponsibility (CSR), also das Handeln im Sinne ökologischer, ethischen und sozialerDimensionen (vgl. Jastram, 2009, S. 106). Zwar geben sich immer mehrUnternehmen, vor allem große Konzerne, sich für „verantwortungsvoll“ aus, indem sieNachhaltigkeitsberichte oder ihr eigenes Verständnis und ihre Einhaltung der CSR veröffentlichen, doch geht es dabei, laut Thielemann (2007), entweder um „bedingtes“, bzw. sich lohnendes oder um „spendendes“, bzw. gelegentliches,ethisches Verhalten, was nicht „verantwortungsvoller“ Geschäftsführung entspricht.Um klare und umfassende Kriterien „guter“, bzw. „verantwortlicher“Geschäftsführung zu definieren (als Orientierung für Unternehmen) sowie dieUnternehmen zu mehr Verbindlichkeit bei der Umsetzung und Einhaltung vonNormen, bzw. Standards zu ermutigen, sind viele Initiativen von Staaten,Unternehmen als auch von anderen Stakeholder-Gruppen auf nationaler undinternationaler Ebene ergriffen worden (vgl. Thielemann & Ulrich, 2009, S. 21;Waddock, S. 106). Dabei konfrontieren International handelnde Unternehmen mitunterschiedlichen Normen und Wertvorstellungen in verschiedenen Ländern undKulturkreisen (vgl. Gilbert, 2003, S. 26).

Daraus ergeben sich die Fragen, was man unter „Verantwortung“, bzw. „verantwortlicher“ Geschäftsführung meint, warum und wie die Unternehmen „verantwortlich“ handeln sollen, in wie fern und welche Normen, bzw. Initiativen als Orientierungsrahmen dazu dienen können, die oben genannten Probleme, sowie entstehenden Konflikten unter Betroffenen zu lösen.

1.2 Gang der Untersuchung

Zuerst werden die oben genannten Fragen zu „guter“ Geschäftsführung beantwortetund die erwähnten Probleme angegangen. Da alle Beteiligten, wie Unternehmen,Regierung, Investoren, Arbeitnehmer, Verbraucher, Kunden, NGOs (NonGovernmental Organization) und Lieferanten mit einander ständig im Beziehung sindund auf einander Einfluß haben (vgl. Jastram, 2009, S. 107), werden im zweiten Teildiejenigen internationalen Accountability Standards berücksichtigt, die Interessen vonallen vertreten und gewisse Stellung zu oben genannten Problemen nehmen. Dabeiwird ein Überblick über Ursprung, Ziele, Maßnahmen und Einsetzungsprozess derStandards aufgezeigt, sowie auf ihnen gegenüber geäußerte Kritik undProblembereiche eingegangen. Es werden einige Vergleiche zwischen Standardsunternommen. Im Bezug auf heutigen Mangel an wissenschaftlicher Untersuchung derStandards werden auch künftige Forschungsbereiche genannt. Am Schluß wird alleszusammen gefasst.

2. „Gute“, bzw. „verantwortungsvolle“ Unternehmensführung

Laut Waddock (2008, S. 89) wird unter dem Begriff „Verantwortlichkeit“ Rechenschaftsplicht des Unternehmens (corporate accountability), Verantwortung (responsibility), Transparenz (transparency) und Nachhaltigkeit (sustainability) gegenüber der Gesellschaft und Umwelt verstanden.

Je nach dem, welches ethisches Konzept der Unternehmensführung zu Grunde liegt,werden auch diese Eigenschaften verstanden, entsprechende Normen gebildet und mitallen Beteiligten abgestimmt (vgl. Thielemann & Ulrich, 2009, S. 26). EthischesHandeln eines Unternehmens erfordert ethisches Handeln jedes einzelnen Akteurs(insbesondere Führungspersonen), da in „jede Entscheidung individuell geprägte Wert- und Normvorstellungen als „moralische Vorprägungen“ der Entscheidungsträger“ einfließen (Gilbert, 2003, S. 26). So gliedert Noll (2002, S. 35)die Wirtschaftsethik auf Individual- (bzw. Mikro-), Unternehmens- (bzw. Meso-),Ordnungs-(bzw. Makro-) Ethik. Verantwortungsvoll zu handeln ermöglicht dasintegrative Konzept von Ulrich (vgl. Thielemann & Ulrich, 2009, S. 39-41) der eineabsolute „Ethik mit Moral“ vertritt, die der Geschäftsintegrität zu Grunde liegt. ImKonflikt zwischen Rationalität und Moralität wird Ethik laut dem Konzept als Basisangenommen und eben über dem wirtschaftlichen Erfolg gestellt. Auf Mikroebeneheißt es, z. B, dass der Manager sich nicht durch hohe Vergütungen steuern läßt, sichvorrangig der guten Unternehmensführung und denen Entwicklung einsetzt, fürMitarbeiter als Vorbild gilt. Eine kritische Reflexion des Unternehmenshandelns sowiefaire Konfliktlösungen unter allen Beteiligten wird durch Berücksichtigung von deren

Interessen in Stakeholder-Dialogen ermöglicht. Dabei werden die Stakeholderansprüche je nach Legitimität bemessen. Der betriebswirtschaftlicheErfolg soll nur mit gesellschaftlich legitimen und sinnvoller Handel (z. B. keineEntlassungen ohne Not, Standorttreue) erreichen (vgl. Thielemann & Ulrich, 2009, S.42) und im Lohnunterschiede ethische Grenzen einsetzen (z. B. 20%- Grenze aufManagerboni (Thielemann, 2009)). Die Unternehmens Handlungsethik wird durchOrdnungs- oder Institutionenethik (auf Makroebene) ergänzt, indem man verbindliche(bzw. sanktionsbewehrte) und für Wettbewerber gültige Standards etabliert(Thielemann & Ulrich, 2009, S. 42). Daher ergeben sich die Fragen, welche, in wiefern, sowie durch welche Maßnahmen Standards die „Verantwortlichkeit derUnternehmensführung“ ermöglichen, als auch wie sie sich umsetzen lassen, vor allemauf internationalen Ebene.

3. Internationale Accountability Standards

3.1 Überblick

Die Diskussion über SCR begann schon in den 50er Jahren und hat sich seitdemimmer weiter entwickelt (Waddock, 2008, S. 88). Heutzutage gibt es eine Vielzahl vonStandards, Arten der Zertifizierung und Überwachungssystemen, auch vieleAkkreditierungsagenturen, zahlreiche Konferenzen, die weltweit handeln, auf derdurch Dialogs alle Stakeholder ihre Erwartungen von Unternehmensverhalten klarstellen und diskutieren (vgl. Waddock, 2008, S. 106). So unterteilen sich dieInitiativen auf :

a) Initiativen, die von Staaten/Regierungen entwickelt wurden. Sie gelten entweder als rechtlich verbindliche Verträge auf nationale Ebene, verlangenRechenschaftspflicht und Transparenz im Handel sowie im Belohnungssystem fürFührungskräfte jeder Organisationsart in Form eines ausführlichen Berichtes (z. B.Sarbanes-Oxley Act (sog. „soft law“) in USA; der Deutsche Corparate GovernanceKodex (sog. „hard law“) in Deutschland; (vgl. Thielemann & Ulrich, 2009, S. 6579; S. 125-129) oder als unmittelbare Empfehlungen weltweit. Beispielsweise imBereich der Umweltverschmutzung (z. B. Kyoto Protocol, Vertrag, der dieVerringerung von Treibhausgasen verlangt, bzw. deren zulässige Grenzenbestimmt (vgl. Cavanagh, 2004, S. 628-629)) oder Korruptionsbekämpfung(OECD Anti-Bribery Convention (Waddock, 2008, S. 104).

b) Initiativen, die in Zusammenarbeit von sozialen (bzw. nicht-staatlichen (sog. NGO) und nicht-profitorientierten) Gesellschaften, sowie von Multi-Stakeholder(bzw. einzelnen Personen) entwickelt wurden. Sie zielen darauf, Orientierung fürUnternehmen bezüglich Verantwortung und Rechenschaftspflicht zu geben, durchgrößeren Druck verantwortungsvolles Handel verbindlich zu machen undEinhaltung an Grundprinzipien der verantwortungsvollen Geschäftsführungeinzuführen und zu überwachen. (z. B UN’s Millennium Goals als sozialeGesellschaft oder Global Action Network (GAN)-Net als Multi-Steakholder-Netz(vgl. Waddock, 2008, S. 98-99)).

c) Initiativen, die im Zusammenarbeit von Unternehmen selbst, bzw. Unternehmens- assosationen, Multi-Steakholder Vereine, NOG’s und nicht-profit-orientierendeOrganisationen entstanden sind. Es steht jedem beteiligten Unternehmen frei, die Empfehlungen der Initiativen in seine Geschäftspolitik zu übernehmen. Die lassen sich weiter unterteilen in:

- Verhaltenskodizes, Standards, Prinzipien (code of conduct, standards, principles).

Deren Einhaltung soll eine verantwortungsvolle Geschäftsführung auszeichnen. Sie gelten als Grundlagen für nächst genannten Initiativen (z. B. UN Global Compact Principles, OECD Guidelines for Multinational Enterprises, CERES Principles) (vgl. Waddock, 2008, S. 89-90).

- Berichterstattung, Zertifizierung, Akkreditierung (Reporting, Certifying,

Accrediting). Durch Berichterstattung über soziales, ökologisches und ökonomisches Unternehmenshandelns will man zeigen, was getan wird; man macht sich für die Gesellschaft transparent (die Normen dafür liefert z. B. Global Reporting Initiative (GRI)). Zertifizierung und Akkreditierung eines Unternehmens versichert der Öffentlichkeit, dass man auch tut, was man behauptet (z. B. bei AccountAbility, die dafür AA 1000 Standard entwickelte; Social Accountability International, zu der SA 8000 gehört; Strategic Advisory Group on Corporate Social Responsibility of ISO, deren Idee ist ISO 26000; Fair Labor Organization (FLO)) (vgl. Waddock, 2008, S. 91-93).

3.2 Problemstellung

Es besteht eine Vielzahl von Initiativen, doch es gibt keine ausreichende und allgemein anerkannte Normen oder internationale Instrumente für eine wirksame Regulierung von weltweiten Geschäftsaktivitäten (Cavanagh, 2004, S. 626). Daher fühlen sich Unternehmen sowie andere Stakeholder unter dieser Vielzahl verwirrt und es besteht dringender Bedarf an weltweit anerkannten Standards, die von allen Seiten akzeptiert werden, was schließlich auch Zeit und Kosten von allen Seiten ersparen würde (vgl. Thielemann & Ulrich, 2009, S. 182-183).

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Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656602385
ISBN (Buch)
9783656602378
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269155
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Wirtschaftswissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
Internationale Unternehmensethik Accountability Standards

Autor

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