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Existenztheorien der Finanzintermediäre: Financial Intermediation and Delegated Monitoring

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 21 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Variablenverzeichnis

1 Einleitung

2 Financial Intermediation and Delegated Monitoring
2.1 Das Grundmodell
2.2 Direkte Finanzierungsbeziehungen
2.2.1 Die Straffunktion
2.2.2 Direktes Monitoring
2.3 Delegiertes Monitoring
2.3.1 Risikoneutrale Akteure
2.3.2 Risikoaverse Akteure

3 Bewertung des Modells
3.1 Zusammenfassung
3.2 Weitere Ergebnisse
3.3 Kritische Würdigung des Modells
3.4 Beitrag zur Literatur

4 Weitere Existenztheorien
4.1 Neoklassische Ansätze
4.2 Finanzintermediäre als Liquiditätsproduzent

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Variablenverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Finanzintermediäre lassen sich allgemein als Mittler zwischen Kapitalangebotund Kapitalnachfrage definieren. Banken als Finanzintermediäre[1] im engerenSinne bieten aufgrund der Unvollkommenheit der Kapitalmärkte verschiedeneArten von Transformationsleistungen an. Diese lassen sich in Fristen-, Risiko-,und Losgrößentransformation unterteilen und nehmen in einer Volkswirtschafteine essenzielle Bedeutung ein.[2] Die heutige Banktheorie befasst sich im Wesentlichen mit der Frage warum gerade Banken in der Lage sind diese Transformationsleistungen am effizientesten zu erfüllen. Die im Rahmen dieser Frageentwickelten Modelle lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Die erste Gruppefokussiert sich auf die Verhaltenserklärung von Banken und nimmt deren Existenz als gegeben an. Die zweite Gruppe stellt wiederum die Frage nach der Existenzerklärung der Finanzintermediäre. Diese muss sich dabei, im Gegensatz zuden Verhaltensmodellen, endogen durch das Modell ergeben.[3] Die Frage nachder Existenz ist dabei zum einen angetrieben von der rasanten Entwicklung desFinanzsektors, zum anderen von der Überlegung, dass sich Finanzintermediärenur adäquat analysieren lassen, wenn ein klares Verständnis dafür besteht, welche Funktion sie in unserem Wirtschaftssystem erfüllen.[4]

In der Existenztheorie können verschiedene Untergruppen von Modellen unterschieden werden, abhängig davon, in welchem Rahmen die ökonomische Funktion der Finanzintermediäre betrachtet wird. Der erste konventionelle Ansatz begründet die Existenz durch die technische Senkung von Produktions- und Transaktionskosten im Rahmen von Portfoliomanagement und Zahlungssystemen. Einzweiter Ansatz stellt die Transformation illiquider in liquide Anlagen bzw. die Bereitstellung von Liquidität in den Mittelpunkt der Existenztheorie. Eine dritte fundamentale Modellgruppe betrachtet wiederrum einen informationsökonomischenAnsatz.[5] Dieser begründet die Existenz von Finanzintermediären durch transakti- onskostenverursachende[6] asymmetrische Informationen[7] die durch das Hinzuziehen eines Intermediärs gesenkt werden können.[8]

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es vor allem, das mikroökonomische Modell „Financial Intermediation and Delegated Monioring“ von Douglas W. Diamond zubeleuchten, da es eine grundlegende Existenztheorie innerhalb des informationsökonomischen Ansatzes darstellt. Die Darstellung des Modells erfolgt in Kapitel 2. Kapitel 3 widmet sich im Weiteren der Bewertung des Modells. Dabei stehen vor allem die Ergebnisse, der Beitrag zur Literatur sowie die kritische Würdigung im Vordergrund. Kapitel 4 soll einen Überblick über weitere ausgewählteErklärungsansätze bieten, um somit eine bessere Einordnung des Modells vonDiamond in die Banktheorie zu ermöglichen. Die Arbeit endet mit einem Fazit.

2 Financial Intermediation and Delegated Monitoring

Der folgende Abschnitt befasst sich mit Douglas W. Diamonds fundamentalemAufsatz „Financial Intermediation and Delegated Monioring“ zur Existenzerklärung von Finanzintermediären. Es soll gezeigt werden, dass der Einbezug einesFinanzintermediärs im Vergleich zu einer direkten Finanzbeziehung zwischenUnternehmer und Kapitalgeber Kostenersparnisse bewirken kann. Dafür ist eszunächst in Kapitel 2.2 notwendig, die optimale Vertragsform der direkten Finanzbeziehung zu erläutern, um anschließend in Kapitel 2.3 die Vorteilhaftigkeitunter Beteiligung eines Finanzintermediärs aufzuzeigen zu können. Dem Grundmodell widmet sich Kapitel 2.1.

2.1 Das Grundmodell

Diamonds Grundmodell basiert auf einer einperiodischen Volkswirtschaft mit einem Zinssatz von R. Es existiert eine Anzahl von N risikoneutralen Unternehmenmit einem Vermögen von Null. Die Unternehmen planen ein voneinander unabhängiges Investitionsprojekt durchzuführen, welches in t=1 einen Ertrag entspre- chend der Zufallsvariable ݅ [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] generiert und dessen Erwartungs- wert größer als R ist. Die Projekte besitzen eine identische Ertragsverteilung und benötigen zu Realisierung eine Investitionssumme in Höhe von 1. Des Weiterenexistiert eine unbegrenzte Anzahl an risikoneutralen Kapitalgebern. Wobei dasUnternehmen m Kapitalgeber, welche jeweils über ein Vermögen von [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] verfügen, benötigt, um das Projekt durchzuführen. Es gilt daher m > 1. Sie sindbereit dem Unternehmen die benötigten Mittel zur Verfügung zu stellen, sofernder erwartete Projektertrag mindestens dem Alternativzinssatz entspricht [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Dabei ist die Wahrscheinlichkeitsverteilung von y allen Beteiligtenbekannt. Wettbewerb zwischen den Kapitalgebern führt zu einem Überangebotan Krediten, sodass der Erwartungswert der Rückzahlung z genau R entspricht.[9]

Bei symmetrischen Informationen wäre das Projekt vorteilhaft und Kapitalgeberund Unternehmer würden einen Vertrag mit einer Rückzahlung z(y) vereinbaren, wobei gilt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] . Diamond unterstellt jedoch, dass lediglich der Unterneh- mer den Projektausgang und damit y beobachten kann.[10] Da der Ertrag des Unternehmers [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] beträgt und die Rückzahlung z in Abhängigkeit von y steht,besteht nun für den Unternehmer der Anreiz seinen Ertrag zu maximieren, indemer über die Höhe des tatsächlichen Projektergebnisses täuscht und es als zuniedrig ausweist. Diamond betitelt dieses als ex post Informationsasymmetriewelches ein Moral-Hazard-Problem[11] nach sich zieht. Der Kapitalgeber könntebenachteiligt werden und würde einem Vertrag in dieser Konstellation nicht zustimmen.[12]

Im Folgenden wird der optimale Vertrag zwischen Kapitalgeber und Kapitalnehmer dargestellt, der diesem Problem begegnet.

2.2 Direkte Finanzierungsbeziehungen

Da die Kapitalgeber jederzeit die Chance haben ihr Vermögen zum Zinssatz Ranzulegen, besteht für den Unternehmer der Anreiz einen geeigneten Vertraganzubieten und so das Kooperationsproblem zu lösen und die Durchführung desvorteilhaften Projektes zu ermöglichen. Der Vertrag muss sicherstellen, dass derUnternehmer den realisierten Ertrag in der Periode t=1 richtig ausweist und die korrekte Rückzahlung an die Kapitalgeber vornimmt. Dieses kann auf zwei verschiedenen Arten erfolgen.[13]

2.2.1 Die Straffunktion

In Variante eins des Modells stellen nicht-pekuniäre[14] Strafen für den Unternehmer die Anreizgestaltung sicher. Sie erfüllen dabei den Zweck den Unternehmerex post zu schädigen, um ex ante eine gewünschte Anreizwirkung zu erzielen.[15] Diamond nimmt an, dass für jeden Geldbetrag eine äquivalente nicht monetäreStrafe existiert und modelliert die Strafe in Abhängigkeit von z [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] da z dieeinzig beobachtbare Variable für beide Parteien darstellt. Die kleinstmögliche anreizkreierende Höhe der Strafe ergibt sich dabei durch ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ), wobei h als vertraglich vereinbartes Rückzahlungsversprechen definiert werdenkann. h ergibt sich aus der kleinstmöglichen Lösung für den Erwartungswert vonz:[16]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Genauer entspricht [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] der Wahrscheinlichkeit einer nur teilweisen Rückzahlungmultipliziert mit dem dann erwarteten Rückzahlungsversprechen und der Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Rückzahlung multipliziert mit dem Rückzahlungsversprechen. Dieser muss der Höhe des Alternativzinssatzes R entsprechen. Eine eventuelle Differenz െ stellt sicher, dass trotz Insolvenzrisiko derErwartungswert der Rückzahlung der Rendite der Alternativanlange entspricht [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und ist als Risikoprämie zu verstehen.

[...]


[1] Diese Arbeit fokussiert sich im Wesentlichen auf Banken als Finanzintermediäre. I.w.S. lassen sich auch Ratingagenturen, Börsendienste und Finanzanalysten als solche definieren.

[2] Vgl. Langer und Weber (2000), S. 201ff.

[3] Vgl. Hartmann-Wendels et al. (2010), S. 95f.

[4] Vgl. Baltensperger (1996), S. 271.

[5] Vgl. Baltensperger (1996), S. 271f.

[6] Diese können in zwei verschiedenen Formen auftreten: 1) Kosten die für den Abbau von asymmetrischen Informationen benötigt werden. 2) Anreizschaffende Vertragskosten aufgrund ineffizienter Vertragskonstruktionen.

[7] Informationsasymmetrie: Informationsunvollkommenheit, Zustand in dem zwei Vertragsparteienbei Abschluss und/oder Erfüllung eines Vertrages nicht über dieselben Informationen verfügen.

[8] Vgl. Hartmann-Wendels et al. (2010), S. 125.

[9] Vgl. Diamond (1984), S. 395f.

[10] Vgl. Diamond (1984), S. 396.

[11] Moral Hazard: Moralisches Risiko in Form von Verhaltensrisiken eines Vertragspartners aufgrund von Informationsvorteilen (hidden knowledge).

[12] Vgl. Baltensperger (1996), S. 273 und Dietrich und Vollmer (2005), S. 164.

[13] Vgl. Hartmann-Wendels et al. (2010), S. 130.

[14] Nicht-pekuniäre Strafen: Nicht Monetär und keine Übertragung von Vermögenswerten. Stellen den Unternehmer schlechter ohne den Kapitalgeber besser zu stellen. Beispiele können Insolvenzkosten, Reputationsverlust oder Haftstrafen sein.

[15] Vgl. Hartmann-Wendels et al. (2010), S. 131.

[16] Vgl. Diamond (1984), S. 396.

Details

Seiten
21
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656601890
ISBN (Buch)
9783656601852
Dateigröße
846 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269135
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,0
Schlagworte
Bank Banken Finanzintermediäre Diamond Delegation Monitoring Existenz Existenztheorien Delegiertes Monitoring

Autor

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