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Basel III und seine Auswirkungen auf das Controlling von kreditnehmenden Unternehmen

Hausarbeit 2012 47 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Neue Richtlinien nach Basel III
2.1 Die Entwicklung des Baseler Eigenkapitalakkords im Überblick
2.2 Schwachstellen von Basel II
2.3 Wesentliche Inhalte des Basel-III-Rahmenwerks
2.3.1 Stärkung der Eigenkapitalbasis
2.3.2 Kapitalerhaltung
2.3.3 Reduzierung der Prozyklizität
2.3.4 Begrenzung des Verschuldungsgrades
2.3.5 Einführung eines globalen Liquiditätsstandards

3. Folgen der Basel-III-Umsetzung für das Kreditgeschäft
3.1 Veränderungen für Kreditinstitute
3.2 Veränderungen für Unternehmen

4. Auswirkungen des Basel-III-Regelwerks auf das Controlling von kreditnehmenden Unternehmen
4.1 Bedeutung des Controllings im Rahmen eines Ratingprozesses
4.2 Wichtige Komponenten eines Basel III konformen Controllings
4.2.1 Ratingorientierte Unternehmenssteuerung
4.2.2 Integriertes Risikomanagementsystem
4.2.3 Verbesserte Informationsversorgung und Kommunikation

5. Schlussbetrachtung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Grundzüge von Basel II im Überblick

Abbildung 2: Veränderungen der Eigenkapitalanforderungen durch Basel III

Abbildung 3: Veränderung der Kernkapitalquoten bei Banken durch Basel III

Abbildung 4: Finanzierungsdefizite bei Banken in Mrd. EUR aufgrund der Einführung neuer Liquiditätskennzahlen

Abbildung 5: Zusammenhang zwischen Controlling und internem Rating

Abbildung 6: Die Rating-Lücke als Ansatzpunkt für das Controlling

Abbildung 7: Beispiel einer Risk-Map

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Stufenweise Einführung eines Kapitalerhaltungspuffers

Tabelle 2: Ratingkategorien der S&P und der Commerzbank im Vergleich

Tabelle 3: Quantitative und qualitative Ratingfaktoren

Tabelle 4: Steuerungsinstrumente des strategischen Controllings

Tabelle 5: Steuerungsinstrumente des operativen Controllings

1. Einleitung

Obwohl die neue Eigenkapitalvereinbarung für Banken (Basel III) erst ab 2013 inKraft treten soll, wird um die Folgen der Regelungen bereits nach ihrer Verabschiedung im Dezember 2010 intensiv diskutiert.1 Wie wird sich die Umsetzung von BaselIII auf die Banken und deren Kreditgeschäft auswirken? Welche Institute sind dabeiam stärksten betroffen? Haben diese Veränderungen einen unmittelbaren Einflussauf Unternehmen, die auf eine Fremdfinanzierung angewiesen sind? Hierzu sindmehrere Untersuchungen veröffentlicht worden. Im Zeitraum von Februar bis April2010 wurden die Konsultationspapiere des Baseler Ausschusses durch eine umfassende qualitative Auswirkungsstudie der Bank for International Settlements (BIS) begleitet. Parallel zur BIS-Studie wurde vom Committee of European Banking Supervisors (CEBS) ebenfalls eine quantitative Auswirkungsstudie auf der EU-Ebene durchgeführt. Die Ergebnisse prognostizieren spürbare Veränderungen in der Kreditvergabepolitik und der Unternehmensfinanzierung. Es wird davon ausgegangen, dass dieKapitalkosten durch die Verabschiedung von Basel III ansteigen werden, wodurchsich die Kreditvergabe verringern wird.2

Die Anhebung der Eigenkapital- und Liquiditätsstandards wird die Banken dazuzwingen ihre Kreditausreichungen noch genauer und risikoorientierter zu steuern.3 ImZuge der Basel-III-Veränderungen müssen die bankinternen Ratingsysteme den höheren Anforderungen angepasst werden. Die Kreditentscheidung und die Kreditkonditionen werden nun mehr vom Ratingergebnis des Unternehmens beeinflusst. Dabeientsteht ein erheblicher Handlungsbedarf nicht nur für die Banken, sondern auch fürdie Unternehmen, die mit verschärften Kreditanforderungen konfrontiert sind.4

Im Rahmen eines Ratingverfahrens werden quantitative Faktoren, insbesondere dieBilanzkennzahlen sowie qualitative Faktoren, wie z. B. transparente Unternehmenspolitik oder zukünftiges Erfolgspotenzial analysiert.5 Anhand dieser Beurteilung berechnet sich der Risikogehalt eines Kreditantrages und darauf aufbauend die Gestaltung der Kreditkonditionen. Da Informationsaufbereitung, Kennzahlenanalyse und zukünftige Risiko- sowie Erfolgsprognose des Unternehmens die zentralen Kriterien einer Kreditentscheidung sind, hat ein Basel III konformes Unternehmenscontrolling,das die ratingrelevante Daten zur Verfügung stellen kann, in der letzten Zeit stark anBedeutung gewonnen. Neben seiner Informationsversorgungsfunktion übernimmtdas Controlling die Aufgaben der ratingorientierten Unternehmenssteuerung, der Risikoanalyse und der Risikoüberwachung.6 Die Implementierung der geeigneten Controlling-Instrumente bildet darüber hinaus einen wichtigen Einflussfaktor im Ratingprozess.

Zielsetzung dieser Arbeit ist vor diesem Hintergrund, die Auswirkungen der neuen Eigenkapitalvereinbarung auf die kreditnehmenden Unternehmen zu untersuchen und die erforderlichen Komponenten für das Unternehmenscontrolling herauszuarbeiten, um den Anforderungen der Ratingprozesse nach Basel III gerecht zu werden. Dadurch sollen Unternehmen nicht nur von günstigeren Kreditkonditionen profitieren, sondern auch mögliche Chancen erkennen, um entscheidende Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz zu sichern.7

Die erläuterte Fragestellung wird in drei Kapiteln untersucht. Dazu wird im zweitenKapitel auf den Entstehungsweg von Baseler Eigenkapitalvereinbarung eingegangen. Darauf aufbauend werden das Drei-Säulen-Modell von Basel II sowie seine Defizite erläutert. Anschließend werden die Inhalte der neuen regulatorischen Anforderungen genauer betrachtet. Das dritte Kapitel umfasst die Veränderungen der BaselIII-Umsetzung für die Kreditwirtschaft. Dabei werden die Auswirkungen auf Kreditinstitute und auf kreditnehmende Unternehmen analysiert. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit den ratingrelevanten Komponenten des Unternehmenscontrollings unterdem Blickwinkel von Basel III. Hierzu werden die Einflussfaktoren eines Ratingergebnisses sowie deren Zusammenhang mit dem Controlling veranschaulicht. Anschließend werden die einzelnen Bestandteile des auf Basel III abgestimmten Controllings erarbeitet. Die Arbeit schließt mit einer Schlussbetrachtung und einem Ausblick.

2. Neue Richtlinien nach Basel III

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat im Dezember 2010 ein neuesRegelungswerk für die künftige Kapital- und Liquiditätsausstattung international tätiger Banken - Basel III - veröffentlicht. Die nach der weltweiten Finanzkrise 20072009 offengelegten Schwächen des bisherigen Basel-II-Eigenkapitalakkords habendie Anfälligkeit des internationalen Finanzsystems aufgedeckt. Um die Widerstandsfähigkeit des Bankensystems zu stärken und eine Balance zwischen einem stabileren Finanzsystem und der Vermeidung einer Kreditverknappung herzustellen, wurdedie bereits bestehende Bankenregulierung ergänzt und überarbeitet.8 Das neueRahmenwerk zielt darauf ab, die Eigenkapitalbasis und die Kapitalreserven der Banken zu erhöhen und gleichzeitig die Risiken in den Banken zu senken.9 Die bestehenden Vorschriften von Basel II werden im Zuge dessen nicht ersetzt, sie werdendurch Basel III erweitert und verstärkt. Die Basel-III-Regulierung soll bis Ende 2012schrittweise in die nationale Gesetzgebung aufgenommen werden, so dass die neuen und schärferen Eigenkapitalrichtlinien zum 01.01.2013 in Kraft treten können.10

Im diesem Kapitel wird die Entwicklung der Rahmenvereinbarung von Basel I zu Basel III kurz nachgezeichnet, anschließend wird auf das Drei-Säulen-Konzept von Basel II sowie auf seine Defizite eingegangen und darauf aufbauend die Schwerpunkte des Basel-III-Reformpakets vorgestellt.

2.1 Die Entwicklung des Baseler Eigenkapitalakkords im Überblick

Bereits während der Ölkrise in den 1970er Jahren wurde die Problematik der Vorschriften zur Kapitalausstattung international tätiger Banken definiert und 1975 der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht auf Initiative von Notenbankchefs der Länder der Zehnergruppe (G10) gegründet. Das Aufsichtsgremium sollte rechtlich unverbindliche Vorschläge und strategische Richtlinien zur Bankenaufsicht der Mitgliedsländer aussprechen. Diese Empfehlungen hatten eine einheitliche Begrenzung der Risiken insbesondere aus dem Kreditgeschäft der Banken durch Anbindung an ihre haftenden Eigenkapitalmittel zum Gegenstand.11

„Mit zunehmender Globalisierung der Märkte wurde es deutlich, dass die bankauf- sichtlichen Normen durch erhebliche Unterschiede gekennzeichnet sind und einedringende Harmonisierung zumindest in den bedeutenden Wirtschaftsländern benötigen.“12 Vor diesem Hintergrund wurde 1988 im ersten Baseler Eigenkapitalakkordeine Eigenkapitalunterlegung von Risiken mit mindestens 8% festgelegt. Jedoch erfolgte die Risikodefinition nur schematisch, unabhängig vom jeweiligen konkretenRisikogehalt. Beispielsweise, wurde das Risiko eines OECD-Staates als gering angesehen und pauschal mit 0% bewertet. Darüber hinaus musste ein Kreditinstitutstaatliche Kredite und Anleihen nicht mit Mindestkapital unterlegen. Im Gegenteil dazu wurden Kredite an Privatpersonen mit pauschal 100% gewichtet und bedurftensomit eines Mindestkapitalpolsters von 8%.13 Die Empfehlungen von Basel I bildetendie Grundlage für die in 1989 veröffentlichen EG-Solvabilitäts- und EG-Eigenmittelrichtlinien und dienten als Basis für die Harmonisierung des europäischen Bankrechtes. Im Rahmen der weiteren Angleichung der Aufsichtsnormen wurde 1993 nochzusätzlich die EU-Kapitaladäquanzrichtlinie (CAR), die eine angemessene Eigenkapitalausstattung von Kreditinstituten sicherstellen sollte, der Öffentlichkeit vorgestellt.Nach den EU-Vorgaben war die CAR bis Ende 1995 im Rahmen einer 6. KWGNovelle in nationales Recht aufzunehmen. Während der Umsetzungsdiskussion wurden vom Baseler Ausschuss aufgrund zahlreicher Produktinnovationen in der Kreditwirtschaft weitere Ergänzungen erarbeitet. Im Juni 2004 erschien unter dem Titel„International Convergence of Capital Measurement and Capital Standards - ARevised Framework“ eine völlig umgestaltete Eigenkapitalregulierung „Basel II“. DieBasel II-Vorschriften traten in der EU 2007 offiziell in Kraft und wurden durch MaRisksowie durch die Solvabilitätsverordnung ins deutsche Recht umgesetzt.14

Die seit 2007 geltenden Eigenkapitalvorschriften von Basel II brachten eine wesentliche Differenzierung der Risikobestimmung mit sich. Das Rahmenwerk setzte den Fokus auf die Risikogewichtung und versuchte in seinem Drei-Säulen-Modell (vgl. Abbildung 1) diverse Risiken zu bewerten. Die angemessene Erfassung der einzelnen Risiken sollte darüber hinaus eine effizientere Zuordnung des Eigenkapitals der Kreditinstitute ermöglichen.15

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Grundzüge von Basel II im Überblick

Quelle: In Anlehnung an Bacher, U. (2011), S. 38

In der 1. Säule werden die quantitativen Eigenkapitalmindestanforderungen in Bezugauf Kredit- und Marktrisiken sowie operationelle Risiken definiert. Nach der Regelungvon Basel II sind weiterhin 8% der, entsprechend dem Risiko gewichteten Aktiva, mitEigenkapital zu unterlegen (sog. Solvabilitätskoeffizient). Im Unterschied zu Basel Iwurden die Messverfahren zur Beurteilung der Ausfallrisiken nach Basel II standardisiert und risikogerechter ausgestaltet. Der Bewertungs- und Prüfprozess der Aufsicht(Supervisory Review Process) wurde zum Inhalt der 2. Säule gemacht und kann alsqualitativer „Aufsichtsschirm“ gefasst werden. Hiernach haben die zuständigen Aufsichtsbehörden die internen Verfahren sowie Kontrollmechanismen der Banken zuprüfen und im Vergleich zu den anderen Banken zu beurteilen. Die 3. Säule beschäftigt sich mit den Transparenzvorschriften: Diese umfassen Regelungen zur Offenlegung der Eigenkapitalstruktur und Eigenkapitalausstattung sowie zur Darstellung dereingegangen Risiken.16 So ermöglichte das Drei-Säulen-Modell eine Beurteilung derRendite-Risiko-Position der Kreditinstitute für andere Marktteilnehmer. Um die Erhaltung der Basel-II-Regulierungen zu gewährleisten, sollen die Säulen nicht isoliert,sondern stets in Verbindung zueinander betrachtet werden.17

2.2 Schwachstellen von Basel II

Aufgrund der Konkretisierung der zuvor bestehenden Kreditrisikoregelungen, u. a.Erfassung operationeller Risiken und Erstellung deren quantitativen Bestimmungen,stellte das Basel-II-Regelwerk eine evolutionäre Veränderung in der Kreditwirtschaftdar. Das Drei-Säulen-Konzept sollte zu Stabilität und Leistungsfähigkeit des internationalen Finanzsystems beitragen. Die Finanzmarktkrise hat jedoch gezeigt, dasserhebliche Regulierungsdefizite vor allem im Hinblick auf die zentrale Funktion derVerlustabsorption festzustellen waren.18 Ein völlig unterschätztes Liquiditätsrisikoführte dazu, dass Ausfälle bei den Subprime-Papieren bei zahlreichen Kreditinstituten wegen fehlender Liquidität nicht verkraftet werden konnten. Eine wichtige Ursache dafür lag in der extremen Ausnutzung des Leverage-Effekts, bei dem Geschäftezur Rentabilitätsmaximierung mit möglichst wenig Eigenkapital unterlegt werden. Daviele Banken über zu gering bemessene Eigenmittel, sog. Risikoträger verfügten,wirkte sich die mangelnde Eigenkapitalausstattung sehr dramatisch aus.19

Neben dem quantitativen Problem des bankaufsichtlichen Eigenkapitals sind in diesem Kontext auch die Qualitätsdefizite bei den Eigenkapitalbestandteilen zu erwähnen. In den Jahren vor der Finanzkrise war ein stetiges Anwachsen des Anteils hybrider Kapitalbestandteile zu verzeichnen (Als hybrid werden Kapitalinstrumente bezeichnet, die sowohl Eigenkapital- als auch Fremdkapitalanteile aufweisen). Meistermöglichen solche Instrumente eine erleichterte, kostengünstige Kapitalaufnahmeüber Tochterunternehmen, dabei weisen sie aber oftmals Defizite auf.20 Daraus resultiert, dass viele Marktteilnehmer nicht mehr in der Lage sind, die Risiken angemessen einzuschätzen und dann im „Stressfall“ nur eingeschränkt reagieren können.Das wiederum führt zu einer Gefährdung von Kreditvergabefähigkeit, die auch während der Krise zu beobachten war. In einigen Fällen (sog. systemrelevante Banken)machten die massiven Verluste staatliche Kapitalzuführungen zur Stabilisierung derbetroffenen Finanzinstitute erforderlich.

Ferner zeichnete sich Basel II durch eine ausgeprägte Prozyklizität aus. Im Vergleichzu Basel I waren nach Basel II wesentlich mehr Sicherheiten erlaubt. Einerseits haben Sicherheiten einen positiven Einfluss auf die Verlustquote, können andererseits die Kreditvergabe in einem konjunkturellen Abschwung „hemmen“. Dies bedeutet, dass in Krisenphasen Kreditinstitute ihr Kapital als Verlustpuffer einsetzen müssen.In der Regel kommt erschwerend hinzu, dass die Bonitätsratings in einem wirtschaftlichen Abschwung herabgestuft werden und dass die Eigenkapitalanforderungen dadurch ansteigen. Als Resultat sinken die für neue Kreditvergabe verfügbaren Mittelder Banken und die Situation auf den Finanzmärkten verschärft sich weiter.21

Die zuvor ermittelten Schwächen zeigen, dass die Kodifizierung von Basel II, trotz bereits durchgeführter epochaler Veränderungen, nicht vollständig abgeschlossen war. Eine ganze Reihe von „weißen Flecken“ wurde sichtbar, die auf die Notwendigkeit einer weiteren Überarbeitung des Regulierungspakets hinwiesen.22

Eine Erhöhung der qualitativen sowie quantitativen Anforderungen an das bankaufsichtliche Eigenkapital ist darüber hinaus bei der Basel-II-Modifizierung von zentralerBedeutung. Als Ergänzung der risikobasierten Eigenkapitalunterlegung wird im Rahmen von Basel III nunmehr eine Höchstverschuldungsquote eingeführt. Weiterhinwerden die möglichen prozyklischen Wirkungen höherer Eigenkapitalanforderungenauf den Kredithandel reduziert. Schließlich soll die Einführung eines globalen Liquiditätsstandards die Wirkung der systemischen Risiken senken. Dabei handelt es sichum die Empfehlungen, die das Baseler Komitee am 16. Dezember 2010ausgesprochen hat, und die sich in den folgenden Papieren wiederfinden: „Basel III:A global regulatory framework for more resilient banks and banking systems“, „BaselIII: International framework for liquidity risk measurement, standards and monitoring“und „Guidance for national authorities operating the countercyclical capital buffer“.23

Als Ergebnis müssen durch die höheren Anforderungen nach Basel III mehr Reserven, die die Widerstandsfähigkeit der einzelnen Finanzinstitute und somit des gesamten Bankensektors stärken, geschafften werden. Die Kernbereiche der Basel-IIIRegulierung werden im folgenden Kapitel näher betrachtet.

2.3 Wesentliche Inhalte des Basel-III-Rahmenwerks

2.3.1 Stärkung der Eigenkapitalbasis

Wie schon angedeutet, ist die Überarbeitung der Eigenkapitalvorschriften ein wesentliches Element des Reformpakets von Basel III. Damit die Kreditinstitute besser inder Lage sind, Verluste sowohl im Fortführungs- als auch im Liquiditätsfall aufzufangen, werden die strukturelle Qualität und Quantität des Eigenkapitals verbessert.24 Zur Stärkung der Eigenkapitalbasis sind nun verschiedene Lösungen denkbar: entweder die Erhöhung der Schwellenwerte oder die Umdefinierung des Eigenkapitalbegriffs. Um die Veränderungen von Basel III besser erläutern zu können, wird zunächst auf die Bestandteile des regulatorischen Eigenkapitals eingegangen. Dasbankaufsichtliche Eigenkapital setzt sich aus drei Kapitalklassen zusammen:

1. Das Kernkapital (Tier 1) besteht aus mehreren bilanzrechtlichen Eigenkapital bestandteilen, die gesetzlich je nach der gesellschaftlichen Eigenart der Insti tute unterschiedliche Definitionen haben. Diese Kapitalklasse dient zum Aus gleich anfallender Verluste im laufenden Geschäftsbetrieb und verhindert eine Insolvenz (Going-Concern-Prinzip). Das Kernkapital kann wiederum in a). har tes und b). zusätzliches oder hybrides Kernkapital untergliedert werden.
2. Das Ergänzungskapital (Tier 2) besteht aus Eigenkapitalbestandteilen, die im Vergleich zum Kernkapital „geringere Qualität“ besitzen. Es wird in die Ele mente der Klasse 1 (Upper Tier 2) und der Klasse 2 (Lower Tier 2) unterteilt.
3. In Bezug auf Verlustabsorption sind die Drittrangmittel (Tier 3 und Tier 4) die qualitativ schlechtesten Eigenkapitalklassen. Zusammen mit dem Tier-2-Ka pital stehen die Drittrangmittel zur Befriedigung der Ansprüche von Gläubigern im Insolvenzfall.25

Dadurch, dass viele hybride Finanzierungsinstrumente beim Tier-1- bis Tier-3-Kapital neben den klassischen Eigenkapitalelementen angerechnet werden und die Trennlinie sich dabei immer mehr verwischt hat, war es bislang nur schwer möglich zu prüfen, ob die gewählte Kapitalkombination tatsächlich zur Verlustabfederung genutzt werden konnte. Aus diesem Grund wird im Rahmen der Basel-III-Regulierung die bisherige Zusammensetzung von Eigenkapitalklassen neu erfasst.

Die Höhe der Mindestkapitalanforderungen, des Anteils des Kernkapitals und des Anteils des harten Kernkapitals werden im Rahmen von Basel III erheblich verschärft. So wird die von Banken als Untergrenze geforderte Quote des Kernkapitals(Tier 1) von bisher 4% auf 6% erhöht. Der darin vorzubehaltende Anteil des „harten“Kernkapitals steigt stufenweise ab 2013 von jetzt 2% auf letztlich 4,5% an und reduziert somit den Anteil des „weichen“ Kernkapitals.26 Der für das harte Kapital angewendete Kriterienkatalog setzt den Fokus auf effektive Kapitaleinzahlung, Dauerhaftigkeit der Kapitalbereitstellung, Nachrangigkeit und uneingeschränkte Verlustteilnahme sowie vollständigen Ausschluss von obligatorischen Ausschüttungen.27 Diezweite Kernkapitalkomponente wird künftig als „ergänzendes Kernkapital“ definiertund muss ebenso einen 14 Punkte umfassenden Kriterienkatalog erfüllen. Ab demJahr 2016 müssen ¾ des Kernkapitals aus hartem Kernkapital bestehen. Darüberhinaus wird die bisherige Unterscheidung des Ergänzungskapitals in zwei Kapitalklassen abgeschafft. Analog der Regelungen zum Kernkapital wurde ein neun Punkte umfassender Kriterienkatalog für das Ergänzungskapital festgelegt. Die bislangden Eigenmitteln zurechenbaren Drittrangmittel stellen zukünftig kein aufsichtsrechtliches Kapitalelement dar (vgl. Abbildung 2).28

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Veränderungen der Eigenkapitalanforderungen durch Basel III

Quelle: In Anlehnung an Deutsche Bundesbank (2011), S. 10

[...]


1 Vgl. Hofmann, G. (2011), S. 369

2 Vgl. Kaserer, C. (2011), S. 67

3 Vgl. Jacobs, J. et al. (2012), S. 164

4 Vgl. Müller S./Brackschulze, K./Mayer-Fiedrich, M. D. (2011), S. 6

5 Vgl. Bundesverband deutscher Banken (2010), S. 9

6 Vgl. Gleich, R./Horváth, P./Michel, U. (2011), S. 304

7 Vgl. Hofbauer, G./Bergmann, S. (2008), S. 20

8 Vgl. Die Bank, 05/2011, S. 54

9 Vgl. Müller S./Brackschulze, K./Mayer-Fiedrich, M. D. (2011), S. 9 f.

10 Vgl. Deutsche Bundesbank (2011), S. 5

11 Vgl. Puzanova, N. (2010), S. 21

12 Vgl. Hofmann, G. (2011), S. 12 f.

13 Vgl. Bacher, U. (2011), S. 37

14 Vgl. Hofmann, G. (2011), S. 13 f.

15 Vgl. Donges, B. J./ Feld, P. L./Möschel, W. et. al.: (2011), S. 5

16 Vgl. Bacher, U. (2011), S. 38 ff.

17 Vgl. Hofmann, G. (2011), S. 16

18 Vgl. Deutsche Bundesbank (2011), S. 7 ff.

19 Vgl. Hofmann, G. (2011), S. 15

20 Vgl. Deutsche Bundesbank (2011), S. 7

21 Vgl. Die Bank, 03/2011, S. 46

22 Vgl. Hofmann, G. (2011), S. 57 f.

23 Vgl. Jacobs, J. et al. (2012), S. 161

24 Vgl. Die Bank, 05/2011, S. 54 f.

25 Vgl. Jacobs, J. et al. (2012), S. 165 f.

26 Vgl. Hofmann, G. (2011), S. 50 f.

27 Vgl. Deutsche Bundesbank (2011), S. 11 f.

28 Vgl. Jacobs, J. et al. (2012), S. 167 ff.

Details

Seiten
47
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656601463
ISBN (Buch)
9783656601425
Dateigröße
911 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269118
Institution / Hochschule
Hochschule Hannover
Note
1,0
Schlagworte
basel auswirkungen controlling unternehmen

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