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Weltraum Pädagogik

Wissenschaftliche Studie 2014 121 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Zukunft der Menschheit
1.2 Dystopien
1.3 Utopien

2. Technologischer Fortschritt
2.1 Technologische Visionen
2.2 Zukunftsvisionen

3. Weltraum Bildung
3.1 Der Overview Effekt
3.2 Weltraum Pädagogik
3.3 Internationale Weltraum Bildung

Ausblick

Bibliographie

Über den Autor

Einleitung

"Homo Spaciens" ist ein abgewandelter Begriff des "Homo sapiens". Der neuartige Begriff " Homo Spaciens" setzt sich zusammen aus dem lateinischen Wort "homo" im Sinne der Spezies Mensch und dem Zusatz "Spaciens", das die Bedeutung des Weltraums, auf englisch "Space" hat, also eine Menschheit, die im Weltall daheim ist. Der Homo Spaciens ist eine weiterentwickelte Spezies des Menschengeschlechts, das geboren worden ist in der Wiege des Planeten Erde, um den Weltraum zu bevölkern und sich auszubreitet, um andere Planeten zu besiedeln (Vgl. Homo Spaciens Initiative 2012; vgl. Steven HAWKINGS 2012).

Der Russische Wissenschaftler Konstantin TSIOLKOVSKY (1857 – 1935) wird als Vater der Kosmonautik und des menschlichen Fluges in den Weltraum angesehen. TSIOLKOVSKY hatte bereits die Vision einer höherentwickelten Spezies der Menschheit, die Expeditionen in das gesamte Solarsystem unternehmen und danach in die Tiefen des Kosmos expandieren könnte, um kosmische Zivilisationen zu schaffen. Er glaubte, dass Expeditionen ins Weltalls durch den Menschen unvermeidlich seien und die menschliche Evolution beflügeln würden. Fast jeder Autor auf dem Gebiet der Weltraumforschung zitiert TSIOLKOVSKY heute als einen primären Einfluss. Er verstand bereits klar, dass es bei der Zukunft der Weltraum-Erforschung um die menschliche Evolution gehen würde. Heute wird uns zunehmend deutlicher, dass das Universum unsere unendliche Umgebung ist, dessen Erforschung unvermeidlich einen fundamentalen Wandel der Menschheit zeitigen wird. Vielleicht wird sich der Homo Sapiens sich in eine neue Spezies, den Homo Spaciens, weiter entwickeln, der besser an das Leben im außerirdischen Weltraum angepasst sein wird als an das Leben auf der Erde. Weltraum Pädagogik könnte darauf vorbereiten...

Wie stellen wir uns die Zukunft der Menschheitsentwicklung vor? Dystopien, negative Uopien von Totalitarismus und Weltuntergangs-Szenarien, und  Utopien mit sozialen und technologischen positiven Visionen  stehen zur Wahl. Der  von zahlreichen Kosmonauten beschriebene Overview Effekt könnte ein kosmopolitisches Bewusstsein bewirken.  Die Kosmische Erziehung nach Maria MONTESSORI beweist Weitblick. Internationale Weltraum-Camps, Weltraum-Projekte und Weltraum- Bildunsgprogramme intendieren, Kinder, Jugendliche und junge  Erwachsene für Weltraum-Fragen,  Raumfahrt und naturwissenschaftliches  Erkenntnis- Interesse zu motivieren.

1. Zukunft der Menschheit

1.1 Dystopien

Als Dystopie wird eine Anti-Utopie bezeichnet, die Schreckensszenarios beschreibt wie den Terrorstaat, die Apokalypse oder den Weltuntergang. Als Weltuntergang oder englisch Doomsday wird ein Ereignis bezeichnet, das die Menschheit, den Planeten Erde oder das gesamte Universum vernichtet. Im weiteren Sinne meint Weltuntergang das Auslöschen des größten Teils der Menschheit, zum Beispiel durch Weltkriege mit Einsatz von Massenvernichtungswaffen wie Atombomben, Giftgase oder Biologische Waffen. Die Zerstörung der Umwelt mit weltweiten Hungersnöten, Verteilungskriegen und Seuchen wird oft auch als Untergang der zivilisierten Lebensformen gesehen ( Vgl. KEULEMANS 2010 ).

Folgende ernstzunehmende Weltuntergangs-Szenarien sind beschrieben worden (Vgl. WIKIPEDIA, Stichwort "Weltuntergang", 2013; vgl. BOSTROM 2002 ):

Der Weltuntergang könnte sehr leicht durch eine Selbstausrottung der Menschheit mittels Atomkrieg eintreten. Bei einem großen atomaren „Schlagabtausch“ der beiden Supermächte USA und Russland würde es wohl keinen Sieger geben, weil die Zerstörungen unvorstellbar wären und beide Seiten theoretisch in der Lage sind, sich mehrfach zu vernichten, was als Overkill bezeichnet wird. Schätzungen über die Auswirkungen eines großen nuklearen „Schlagabtausches“ reichen vom Tod von Millionen Menschen ( Vgl. KAHN 1960 ) in kürzester Zeit bis zur Vernichtung der gesamten menschlichen Spezies und aller anderen komplexen Lebensformen, sowie des Weiteren dem Zusammenbruch des Ökosystems der Erde und der Stabilität des globalen Klimas.

Mit entscheidend für die Vermeidung atomarer Katastrophen aller Arten ist der – bis auf weiteres unvermeidlich risikoreiche – Einfluss des „menschlichen Faktors“, des Verhaltens, insbesondere in gefährlichen Situationen. In den USA hatten über 100.000 Personen beruflich mit der Herstellung, Lagerung und möglichem Einsatz von Atomwaffen zu tun. Mehr als drei Prozent davon wurden jährlich wegen Geisteskrankheit, Alkoholismus, Drogenmissbrauchs oder disziplinären Problemen ausgemustert. Es gibt in Russland seit 2007 konkrete Überlegungen zu einer nuklearen Wiederaufrüstung.

Es gibt eine Fülle von emotionalen Ursachen, welche zu einer politisch eigentlich ungewollten Auslösung von atomaren Katastrophen und Kriegshandlungen führen können. Geschichtlich waren viele Eskalationen zu intensiverem Waffeneinsatz nicht sachlich begründet, sondern eine Folge von Stress, von einer Überforderung des Menschen mitten in katastrophalen und/oder kriegerischen Entwicklungen. Die Untersuchung von oft altersbedingten Krankheitsgeschichten politischer Führer in höchsten Staatspositionen ergab eine hohe Übereinstimmung von gefährlichen Aktionen mit dazu passenden Krankheiten und Emotionen. Neue Aktionen von Terroristen, Exilregierungen, Putschisten usw. wurden mehrfach nicht vorausgesehen und bei der Abwehr von Schäden zu wenig berücksichtigt. Laborsimulationen ergaben eine hohe Bereitschaft zum Gehorsam auch bei unethischen Anweisungen, zum Beispiel die Experimente von Stanley MILGRAM. Krasse Unfälle bei Kernkraftwerken beruhten in der Regel weniger auf Konstruktionsfehlern als auf groben Bedienungsfehlern. Die Verbreitung von Atomwaffen bei technisch nur bedingt fähigen Nationen kann entsprechend zu weit wirkenden Unfällen mit Radioaktivität führen. Ebenso ist auch in modernen Industriestaaten nicht zu erwarten, dass Atomwaffen auf Dauer unfallfrei beherrscht werden, atomare Katastrophen wie großflächige wirksame Unfälle mit hoher Kontamination können die Folge sein (Vgl. BOSTROM 2002 ).

Die Gefahr von Atomkriegen ist vor allem global keineswegs gebannt, insbesondere wächst sie im Zuge der Proliferation zu einer größeren Anzahl von Atommächten.

Zur Situation 2008 notiert Oliver THRÄNERT von der Stiftung Wissenschaft und Politik: „Das internationale Regime zur Verhinderung der Verbreitung von Atomwaffen befindet sich in einer tiefgehenden Krise.“ Aktuell wachsen die Kapazitäten für den Bau von Kernwaffen, durch den global deutlichen Ausbau der Kernkraftwerke, welcher nur teilweise überzeugend mit wirtschaftlichen Motiven für friedliche Nutzung begründet wird. Der Fortschritt der Präzisionstechnik im Maschinenbau eröffnet neue Optionen für die Waffentechnik, wobei über Jahrzehnte hinweg gilt: Abwehrraketen sind weitaus teurer als Angriffsraketen und zudem oft wirkungslos.

Carl-Friedrich von WEIZSÄCKER und Horst-Eberhardt RICHTER haben in zahlreichen Schriften betont: Eine Überlebenschance der Menschheit auf Dauer besteht nur, wenn eine rechtzeitige globale Betroffenheit zu einer gemeinsamen und menschlichen Weltinnenpolitik führt, welche jegliche Atomrüstung im Ansatz vermeidet ( Vgl. RICHTER 1982, 1996 ).

Die Atomkriegsuhr, auf englisch doomsday clock, eigentlich „Uhr des Jüngsten Gerichts“, ist eine symbolische Uhr der Zeitschrift „ Bulletin of the Atomic Scientists“ („Berichtsblatt der Atomwissenschaftler“) (Vgl. "It is 5 Minutes to Midnight". Bulletin of the Atomic Scientists, abgerufen am 14. April 2012.“ Sie soll der Öffentlichkeit verdeutlichen, wie groß das derzeitige Risiko eines Atomkriegs ist. Die Entscheidungen trifft der BAS-Aufsichtsrat gemeinsam mit einem Sponsorenrat, in dem zurzeit (2010) 18 Nobelpreisträger vertreten sind.

Die Uhr spielt auf die Metapher an, es sei „ fünf Minuten vor Zwölf“, wenn ein äußerst nachteiliges Ereignis unmittelbar droht. 1947 wurde die Doomsday Clock mit der Zeigerstellung sieben Minuten vor Zwölf gestartet und seither in Abhängigkeit von der Weltlage vor- oder zurückgestellt.

2007 wurde die Uhr auf 5 Minuten vor 12 gestellt wegen des Kernwaffentests Nordkoreas, wegen der nuklearen Ambitionen des Iran, der beschuldigt wird, Atomwaffen und die dazugehörigen Trägersysteme zu entwickeln, wegen der mangelnden Sicherung von nuklearem Material und wegen der anhaltenden Präsenz von über 26.000 Kernwaffen in den USA und Russland. Des Weiteren wurde zum ersten Mal das Klima in der Zeitberechnung berücksichtigt. Im Jahre 2010 hatte es den Anschein, dass führende Politiker der Welt beginnen würden, auf globale Bedrohungen, zu reagieren. In vielen Fällen hat sich dieser Trend nicht fortgesetzt oder sogar umgekehrt. Aus diesem Grund ist der Uhrzeiger eine Minute näher an Mitternacht gerückt, also wieder auf die Zeit des Jahres 2007.

Seit dem 10. Januar 2012 steht sie auf fünf Minuten vor Zwölf.

Das Ende der Erdöl-Reserven könnte zu Kriegen um die letzten Erdöl-Ressourcen führen (Vgl. WIKIPEDIA, Stichworte Peakoil, Ressourcenkriege). Der Wegfall von Düngemitteln könnte zum Ausbruch von weltweiten Hungerkatastrophen führen (Vgl. WIKIPEDIA, Stichwort Peakoil, Landwirtschaft und Nahrungsmittelversorgung).

Klimaveränderungen wie der Teibhauseffekt und die globale Erwärmung oder erhebliche Umweltverschmutzung durch radioaktive Stoffe, die bei Atomunfällen als Fall Out auftreten, könnten das Gleichgewicht der biologischen Systeme stören und weiteres Artensterben zeitigen (Vgl. WIKIPEDIA, Stichworte Globale Erwärmung, Auswirkungen auf die Biosphäre; Umweltverschmutzung, Wichtige umweltverschmutzende Stoffe). Im Zuge des Klimawandels könnte unser Planet dadurch lebensfeindlich werden, dass die Schichten der schützenden Erdatmosphäre irreparabel zerstört werden, was zum Weltuntergang aller Lebewesen führen könnte ( Vgl. DYER 2010 ).

Auch das Auftreten mehrerer unbekannter globaler Seuchen, Epedemien oder Pandemien könnte die Menschheit auslöschen.

Riesige Vulkanausbrüche mit VEI-Stärke 7 oder 8 könnten das Leben auf der Erde vernichten. Der Yellowstone-Vulkan ist so ein Supervulkan, der alle 600.000 bis 700.000 Jahre ausbricht. Durch die unermesslich großen Rauchwolken und Aschemengen, die in die Atmosphäre geschleudert werden, verdunkelt sich der Himmel und die Sonne kommt nicht mehr durch. Die Temperatur der Erde sinkt stark ab und ein erheblicher Teil der Tier-, Menschen- und Pflanzenwelt muss zugrunde gehen (Vgl. BOSTROM 2002 ).

Weiterhin ist der Einschlag eines großen Kometen oder Asteroiden denkbar, der die Erde erschüttert, zu Flutkatastrophen führen kann und Staub in die Atmosphäre aufwirbelt, ähnlich wie bei einem Vulkanausbruch oder einem Atomkrieg, und damit Nacht und Winter für einige Jahrhunderte herbeiführt. Ein Global Killer ( engl., auf deutsch: Globaler Killer) ist ein Objekt, das aus dem Weltraum stammt und dessen Einschlag weltweite Verwüstungen verursacht. Als bekanntestes Beispiel eines Global Killers gilt jener Asteroid, der vor etwa 65 Millionen Jahren den Chicxulub-Krater auf der Halbinsel Yucatán verursachte und zumeist für das damalige Massensterben, unter anderem das Aussterben der Nichtvogel-Dinosaurier verantwortlich gemacht wird.

Der Begriff Globaler Killer drückte ursprünglich und drückt auch heute noch in aller Regel aus, dass ein tatsächlicher oder potentieller Einschlag das Leben ernsthaft gefährdet und Massensterben bis hin zur totalen Auslöschung allen Lebens verursachen kann ( Vgl. BOSTROM 2002 ).

Schon seit längerem ist bekannt, dass es im Lauf der Erdgeschichte immer wieder zu Massensterben kam, bei denen große Teile der Tier- und Pflanzenwelt ausgelöscht wurden. Das bekannteste dieser Massensterben ereignete sich an der Grenze zwischen Kreidezeit und Tertiär von etwa 65 Millionen Jahren. Eine auffällige, weltweit vorhandene Schicht des, ansonsten eher seltenen, Elements Iridium legte nahe, dass der Einschlag eines gewaltigen Objektes, eines Asteroiden von mindestens 10 km Durchmesser, Ursache dieses Massensterbens war.

Spätestens nach Entdeckung des Chicxulub-Kraters wurde zumindest die Möglichkeit eines weltweiten, das Leben bedrohenden Einschlagsszenarios weithin akzeptiert und führte zu Katastrophen- Filmen wie ARMAGEDDON (1998 ), DEEP IMPACT (1998 ), MELANCHOLIA ( 2011 ) und Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt ( 2012 ).

Möglich wäre der Weltuntergang auch durch einen nahe an der Erde vorbeifliegenden oder gar mit der Erde kollidierenden Himmelskörper, der zu Bahnstörungen der Erde führen könnte.

Auch ein Polsprung des Erdmagnetfeldes könnte zu einem Zusammenbruch der technischen Infrastruktur der Menschheit führen.

In der ferneren Zukunft drohen Gefahren des Weltuntergangs durch Kometenbombardements, in der Nähe der Erde entstehende Supernovas, Gammablitze und die Entwicklung unserer Sonne zu einem Roten Riesen. In etwa vier Milliarden Jahren wird unsere liebe Sonne tatsächlich zu einem Roten Riesen. Bereits vorher wird die Strahlkraft der Sonne kontimuierlich zunehmen, so dass bereits in 900 Millionen Jahren aufgrund der enormen Hitze ein Leben höher entwickelter Lebewesen auf unserer Erde nicht mehr möglich sein wird. 900 Millionen Jahre sind aber schon eine Zeitspanne, die unser Geschichtsbewusstsein überfordert. Unsere Zeitrechnung begann vor rund 2.000 Jahren. Falls jedoch nach 900 Millionen Jahren die Menschheit immer noch existieren sollte, dann könnten Science Fiction Romane und Filme reale Gestalt annehmen. Die Menschheit könnte bis dahin sehr wahrscheinlich Engergien und Technologien der Raumfahrt erforscht und entwickelt haben, die eine Evakuierung der Erdbewohner und eine Odysse im Weltraum ermöglichen (Vgl. BOUNAMA/BLOH/FRANCK 2004) .

Weitere Zukunftsforschung hält es für möglich, dass die Erde in den Anziehungsbereich eines Schwarzen Loches gerät und wie von einem Staubsauger aufgesaugt wird.

Einige astronomische Theorien sehen nicht nur den Big Bang, den Urknall, als Ausdehnung des Universums, sondern ähnlich wie die indischen Weisheitslehren ein Aus- und Einatmen des Kosmos. Demnach könnte nach einer Phase der Ausdehnung das Universum sich wieder Zusammenziehen und in einem Big Crunch enden. Dunkle Energie und Dunkle Materie spielen bei diesen Theorien eine große Rolle.

Eine andere Möglichkeit des Weltuntergangs bestünde in einem sogenannten Big Rip. Dieser Theorie zufolge reißt eines Tages die durch die Dunkle Energie verursachte Ausdehnung die Raumzeit auseinander und führt dadurch zu einem Ende des Universums, wie wir es erleben (Vgl. KEULEMANS 2010).

In der Science-Fiktion-Literatur gibt es noch weitere Weltuntergangs-Szenarien: Demnach könnte eine Invasion Außerirdischer erfolgen, die die Menschheit aufgrund überlegener Waffentechnik vernichten könnte. Auch eine Selbstzerstörung der Menschheit durch künstliche Intelligenzen wie Computer, Roboter oder Mikroorganismen wird für möglich gehalten ( Vgl. KURZWEIL 2005 ).

In den Weltreligionen finden wir die Vorstellung eines Jüngsten Gerichts, einer Apokalypse, im Judentum, im Christentum und im Islam. Der Hinduismus und der Buddhismus sehen den Weltuntergang nicht als einmaliges Ereignis, sondern das Universum atmet ein und aus. Daher gibt es immer wieder eine Geburt und einen Tod des Universums. Dieser Zyklus wird Kalpa genannt. Auch der Daoismus und der Konfuzianismus in China kennt ein Weltenende (Vgl. REICHMUTH 2010; vgl. STAMM 2012) .

Während im Neunzehnten und frühen Zwanzigsten Jahrhundert die positive Wahrnehmung der technischen Entwicklung zur Leitidee der utopischen Literatur wurde, gaben die Ernüchterungen des krisenhaften Kapitalismus, das Scheitern der totalitären Weltanschauungen des Faschismus und des Kommunismus sowie die Materialschlachten der Weltkriege den neuen Stoff für negative Utopien, die sogenannten Dystopien.

Nicht nur die Folgen politischer Fehlentwicklungen wie Totalitarismus , sondern auch fehlgeleiteter Wissenschaft werden in diesen Werken thematisiert. Am bekanntesten ist hier George ORWELLs Roman „1984“ und seine Satire „Animal Farm“. So zeigt Aldous HUXLEYs Roman „Schöne neue Welt“ (engl. Original Brave New World, 1932) in einer auch heute noch beklemmend aktuellen Vision, was geschieht, wenn Wissenschaft über Ethik dominiert und das Streben nach persönlichem Vergnügen der einzige Lebensinhalt ist.

Beispiele für Dystopien

1895: „ Die Zeitmaschine“ von G.H. WELLS

1907: „The Iron Heel“ von Jack LONDON

1921: „Wir“ von Jewgeni SAMJATIN

1932: „Schöne neue Welt“ von Aldous HUXLEY

1948: „ 1984“ von George ORWELL

1950: „Nein. Die Welt der Angeklagten“ von Walter JENS

1953: „Fahrenheit 451“ von Ray BRADBURY

2008: „Die Tribute von Panem“ von Suzanne COLLINS

Aldous HUXLEY ( 1932 ):

Schöne Neue Welt

( engl. Brave New World )

Dieser klassische Science Fiction Roman  spielt in London nach dem Dritten Weltkrieg im Jahre 2540 n. Chr.. In einer deprimierenden Vision einer Neuen Welt- Ordnung wird diese Dystopie von einem Hedonismus im schlechten Sinne beherrscht. Diese Gesellschaft der Zukunft wird von genetisch manipulierten Menschen bevölkert. Diese neuartigen Menschen huldigen dem sogenannten "SOMA", einer Art von LSD-Drogen-Cocktail. Die Menschen leben in Konformität in einem streng definierten sozialen Klassensystem. Ihr Motto unterscheidet sich von den Idealen der Französischen Revolution. Anstatt "Freiheit- Gleichheit- Solidarität" lautet das neue Motto "Gemeinschaft -Identität – Stabilität".

Der  Protagonist des Romans Bernhard MARX verweigert den Gehorsam und die Konformität. Er will kein glückliches, stabiles Alpha- Mitglied dieser "Schönen Neuen Welt-Ordnung" sein. Bernhard führt einen jungen Mann, der "Der Wilde" genannt wird, in diese unterdrückende Gesellschaft ein. Der Wilde beginnt einen Kampf mit dem Kontrolleur der Welt. Es scheint so, als ob der Wilde ein Sprachrohr der gesamten Werke William SHAKESPEARE's ist.

Es ist kaum vorstellbar, wie diese prophetische Fantasie so früh geschrieben werden konnte, bevor STALIN zur Macht gelangte. HUXLEY hat diese negative Utopie geschrieben, lange bevor psychotrope Drogen die Standard-Behandlung für abweichendes Verhalten wurde, z.B. für ADHS, das Aufmerksamkeits-Defizit Hyperaktivitäts-Syndrom. Es ist erstaunlich, wie diese Dystopie geschrieben werden konnte, lange bevor Embryonen in Petri-Schalen gezüchtet werden konnten und lange bevor die Technik des Zell-Clonings verfügbar war.

Aldous HUXLEY war sowohl Autor als auch Sozialkritiker. HUXLEY starb genau an jenem Tag, als der Präsident der USA, John F. KENNEDY, ermordet wurde. HUXLEYs Philosophie könnte so zusammengefasst werden: “Die Welt kann verbessert werden, aber nur, wenn wir uns selbst verbessern.” schreibt Nicholas MURRAY, der Biograph HUXLEY's.

George ORWELL ( 1949 ): 1984

Diese negative Utopie wurde von George ORWELL erstmals 1949 veröffentlicht, als das Jahr 1984 noch in ferner Zukunft zu liegen schien. Dieser Roman handelt in einer totalitären Gesellschaft. "Big Brother", der Große Bruder, ähnlich einem großen geöffneten Auge, überwacht Dich und Jedermann. Die Gedanken-Polizei kann Deine Ansichten lesen. Das Ziel der Regierung ist die Zerstörung der individuellen Identität.

1984 ist die Erde in drei Super-Staaten aufgeteilt wortden, genannt Ost-Asien, Eurasien und Ozeanien. Und der Krieg wird weiterhin geführt, kein Frieden in Sicht.

England wurde Lauftraum Eins mit London als Hauptstadt. Die Englische Sprache ist transformiert worden in "Neue-Sprechweise" ( "New Speak" ). Diese neue Sprechweise  enthält sehr viel bürokratischen Jargon. Die neue Sprechweise ist auf ein Vokabular begrenzt, das die Konzepte der politischen Korrektheit ( "political correctness") ausdrückt. Das kulturelle Erbe der Weltliteratur wurde in diesen neuartigen Sprachgebrauch übersetzt, um das Bewusstsein zu kontrollieren. Elite Partei-Mitgliedern ist es verboten sich zu verlieben oder sexuelle Beziehungen zu einzugehen.

Winston SMITH  ist ein einfaches Partei-Mitglied. Er arbeitet im Ministerium der Wahrheit. Winston wurde in diese graue, depressive Welt hineingeboren ohne Freiheit. Sein Leben war nie seine eigene Wahl gewesen. Als er sich trotz aller Verbote verliebt, wird er ein rebellischer Held. Aber schon bald werden sein Protest und seine Liebe entdeckt. Winston und seine Freundin werden gefangen genommen und einer brutalen Gehirnwäsche unterzogen.

Dieses bittere Buch von George ORWELL liefert eine Schreckens-Vision einer Totalitären Utopie. Privatheit wurde geopfert auf dem Altar einer Neuen Welt Ordnung.

Viele Britische und Amerikanische Ausgaben dieses Werkes wurden der Zensur unterworfen. Und dieses Buch war in der früheren Sowjet Union verboten.

In seinem Buch “Wir amüsieren uns zu Tode” vergleicht Neill POSTMAN ORWELL und HUXLEY folgendermaßen: Was George ORWELL fürchtete, war das Verbot von Büchern. Was Aldous HUXLEY fürchtete, war, dass es niemanden mehr geben würde, der ein Buch zu lesen wünschte ( Vgl. POSTMAN 2003 ).

Ray BRADBURY 1953 ):

Fahrenheit 451

Herr Montag ist ein Feuerwehrmann in einer zukünftigen negativen Gesellschaft. Seine Aufgabe ist es, nicht gegen Feuer zu kämpfen, nein, seine Aufgabe ist es, Bücher samt den Häusern der Bücher liebenden Eigentümer zu verbrennen. Der MACHT-DIE-IST zufolge sind Bücher nutzlos, falsch, und machen die Leser nur unglücklich. Die Bestrafung für Leute, die beim Bücherlesen gefangen werden, ist Einkerkerung in ein Hospital für Geisteskranke. Die normalen und gehorsamen Leute lieben das Fernsehen und Drogen.

Eines Tages trifft Herr Montag Clarissa McClelland, die eine liberale Idealistin ist. Sie bringt ihn dazu, seine Aktionen und seine Ansichten über Bücher zu hinterfragen. Tragischer Weise stirbt Clarissa bei einem Autounfall. Aber Clarissa hat Herrn Montag zum Nachdenken gebracht. Nicht lange nach Clarissas Tod plündert und brandschatzt er ein Haus voller Literatur. Hier liest er zufällig eine Zeile in dem Buch des Dichters Alexander SMITH und ist von dem Gedicht fasziniert und innerlich berührt : " Die Zeit war eingeschlafen im Sonnenschein des Nachmittags." ("Time has fallen asleep in the afternoon sunshine.") Herr MONTAG stiehlt das Buch heimlich und liest es. In der Folgezeit stiehlt MONTAG mehr und mehr Bücher. Anstatt Bücher zu verbrennen, beginnt Herr MONTAG nun Fernsehapparate zu verbrennen und versucht dadurc, die Kritiklosigkeit zu stoppen.

Bald schon sind sie ihm auf der Spur, um ihn zu kriegen.

Der Titel dieses Buches von BRADBURY bezieht sich auf die Temperatur, bei der Bücher verbrennen.

1.2 Utopien

Utopische Literatur ist die Bezeichnung für eine Gattung von literarischen Werken, die sich mit einer idealen Gesellschaft befasst, deren Realisierung für die Zukunft als denkbar möglich vorgestellt wird. Der tatsächlichen, aktuellen politischen und gesellschaftlichen Wirklichkeit gegenübergestellt, übernimmt die Utopie eine Vorbildfunktion (Vgl. WIKIPEDIA, die freie Enzyklopädie).

Utopia

„Utopia“ ist der Titel eines um 1516 veröffentlichten Romans des Humanisten Thomas MORUS ( engl.: Thomas MORE ), nach der positive Zukunftsentwürfe in Literatur und Politik benannt wurden (Originaltitel: „De optimo rei publicae statu deque nova insula Utopia“). Es geht in MORUS' Werk um den Entwurf einer idealen Gesellschaft, die es so in der Realität nicht gibt und die als Basis für die Kritik an der bestehenden gesellschaftlichen und politischen Ordnung dient.

Idealer Staat

Gedanklicher Ausgangspunkt der Utopie von Thomas MORUS ist die philosophische Konzeption eines idealen Staates durch den griechischen Philosophen PLATON in seinem Werk „Politeia“ als ein theoretisches Denkmodell. PLATON beschreibt das ideale Zusammenwirken der gesellschaftlichen Kräfte zum Wohle des Gemeinwesens. Die als klassisch zu bezeichnenden Vorläufer der modernen utopischen Literatur sind neben Thomas MORUS' „Utopia“ (1516), Tommaso CAMPANELLAs „Die Sonnenstadt“ (1623), und Francis BACONs „Neu-Atlantis“ (1626).

Beispielhaft sei der Urvater der Utopie, Thomas MORUS, zitiert. Geschärft an der Fähigkeit des Humanisten zu rationalem Denken, diente Thomas MORUS „Utopia“ als radikale und grundsätzliche Kritik an den damaligen gesellschaftlichen Verhältnissen. In diesem Sinne sprach der Verteidiger der Utopie, nachdem er in seinem utopischen Gegenbild unter anderem die Abschaffung des Privateigentums befürwortet hatte:

„So habe ich euch nun, so getreulich ich konnte, die Verfassung dieses Gemeinwesens beschrieben, das meines Erachtens nicht nur das beste, sondern auch das einzige ist, das diesen Namen verdient...

Ist das nicht ein ungerechtes und undankbares Gemeinwesen, das die Edlen, wie sie sich nennen, und die Goldschmiede (Anmerkung: die damaligen Bankiers) und andere verschwenderisch beschenkt...und das andererseits nicht die geringste Sorge trägt für arme Ackersleute, Kohlengräber, Taglöhner, Kärrner, Schmiede, Zimmerleute, ohne die es nicht bestehen könnte...

Nochmehr: Die Reichen, nicht zufrieden, den Lohn der Armen durch unsaubere persönliche Kniffe herabzudrücken, erlassen noch Gesetze zu diesem Zwecke. Was seit jeher unrecht gewesen ist, der Undank gegen die, die dem Gemeinwesen wohl gedient haben, das wurde durch sie noch scheußlicher gestaltet, indem sie ihm Gesetzeskraft und damit den Namen der Gerechtigkeit verliehen.

Bei Gott, wenn ich das alles überdenke, dann erscheint mir jeder der heutigen Staaten nur eine Verschwörung der Reichen, die unter dem Vorwand des Gemeinwohls ihren eigenen Vorteil verfolgen und mit allen Kniffen und Schlichen danach trachten, sich den Besitz dessen zu sichern, was sie unrecht erworben haben, und die Arbeit der Armen für so geringe Entgelt als möglich für sich zu erlangen und auszubeuten.“

Wie Hiltrud GNÜG in ihrem Aufsatz „Zum Begriff der Utopie und des utopischen Romans“ bemerkte, stand am Beginn der utopischen Literatur die Vorstellung einer rational verfassten Staatsordnung, die eine glückliche Menschengesellschaft ermöglicht. Die Utopie ist der „Appell, der Vernunft zu ihrem Recht in der Geschichte zu verhelfen.“ ( Hiltrud GNÜG: „Utopie und utopischer Roman.“ Stuttgart 1999, S. 9)

Einerseits entwickelte sich der Begriff der Utopie zur literarischen Gattung des „utopischen Staatsromans“ sowie der Gattung der Sozialutopien, wie sie unter anderem von den utopischen Sozialisten , z.B. Charles FOURIER ( Vgl. FOURIER 1808, 1966 ), vertreten wurden. Weiterhin entwickelten sich die Utopien hin zur Science Fiction und Fantastik. Mit den sozialistischen, anarchistischen und feministischen utopischen Romanen der letzten 150 Jahre änderten sich die Inhalte zu herrschaftsfreien Gesellschaftsentwürfen ( Vgl. CLARDY 2012 ).

Inseln und ferne Welten

Schauplatz der ältesten Werke erzählender utopischer Literatur, allen voran das namensgebende Werk Utopia von Thomas MORUS, ist meist eine Insel, die unerreichbar weit entfernt liegt. Diese Vorstellung ist im Zeitalter der Entdeckungen durchaus nachvollziehbar, wurden doch ständig neue Erdteile mit anderen Menschen und unbekannten Kulturen gefunden.

„Robinson Crusoe“ von Daniel DEFOE ist in mancher Hinsicht an den utopischen Roman angelehnt und charakteristisch für das vom Pietismus geprägte frühe 18. Jahrhundert. Hier wird ein einzelner Mensch auf eine Insel versetzt, auf der er sich selbst zu versorgen lernt. Im strengeren Sinne muss aber bezweifelt werden, dass es sich hier um eine Utopie handelt, weil kein ideales Gemeinwesen geschildert, sondern ein einzelnes Schicksal beleuchtet wird. Nicht umsonst wurde hier der Begriff der „Robinsonade“ geprägt.

Das vielleicht letzte Werk dieser Kategorie ist der Roman „Erewhon“ von Samuel BUTLER, das in einem Land spielt, das hinter einem nahezu unüberwindlichen Gebirge auf Neuseeland liegt.

Zukunftsfantasien

Mit der vollständigen Entdeckung der Welt und der Erforschung der letzten weißen Flecken auf den Landkarten hat sich diese Art der utopischen Literatur überlebt. Stattdessen liegt die Hoffnung für eine bessere Welt nun in der Zukunft (Vgl. GEUS 1096 ). Ein typisches Beispiel dafür ist der Roman „Looking Backward“ (1888) des Amerikaners Edward BELLAMY , dessen Erzähler am Ende des 19. Jahrhunderts in einen hundertjährigen Schlaf versinkt und erst im Jahr 2000 aufwacht. Er erlebt dort die gewaltigen Veränderungen, die seit seiner Zeit stattgefunden haben und eine ideale Gesellschaft produziert haben.

In eine ähnliche Richtung geht auch H. G. WELLS in seinen Erzählungen und Romanen. Der Roman „The Time Machine“ ( „Die Zeitmaschine“ ) von 1894 stellt die Reise in eine ferne Zukunft dar, in der die Menschen das Paradies auf Erden erreicht zu haben scheinen, dabei aber tatsächlich das wirkliche Menschseins verloren haben. Insofern greift H. G. WELLS in diesem Werk schon auf die Dystopien (Anti - Utopien) der jüngeren Literatur voraus.

Beispiele für Utopien

- 1516: „Utopia“ von Thomas MORUS
- 1623: „Der Sonnenstaat“ ( ital.: La città del Sole ) von Tommaso CAMPANELLA
- 1627: „Neu-Atlantis“ (Nova Atlantis/The New Atlantis) von Francis BACON
- 1656: „Oceana“ von James HARRINGTON
- 1669: „Scydromedia“ von Antoine LEGRAND
- 1726: In „Gullivers Reisen“ ( Gulliver’s Travels) von Jonathan SWIFT , der Abschnitt über die rationale Gesellschaft der Houyhnhm
- 1731–1741: „Die Insel Felsenburg. Wunderliche Fata einiger Seefahrer“ von Johann Gottfried SCHNABEL ; hrsg. 1828 von L. TIECK
- 1770: „Das Jahr 2440. Ein Traum aller Träume.“ (L’An deux mille quatre cent quarante. Rêve s'il en fut jamais) von Louis-Sebastien MERCIER
- 1795: In „Aline und Valcour“ von Marquis de SADE, Die Südseeinsel Tamoe.
- 1840: „Voyage en Icarie“ von Étienne CABET
- 1888: „Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf das Jahr 1887“(Looking Backward) von Esward BELLAMY
- 1890: Freiland von Theodor Hertzka
- 1891: „News from Nowhere“ von William MORRIS
- 1902: „Altneuland“ von Theodor HERZL
- 1905: „A Modern Utopia“ von H. G. WELLS
- 1908: „Der rote Planet“ von Alexander BOGDANOW
- 1915: „Herland“ von Charlotte Perkins GILMAN, eine feministische Utopie
- 1946: „Stern der Ungeborenen“ von Franz WERFEL
- 1948: „Walden Two“ von B. F. SKINNER
- 1962: Eiland (Island) von Aldous HUXLEY
- 1975: „Ecotopia“ von Ernest CALLENBACH
- 1993: „He, She, and It „ von Marge PIERCY
- 1999: „Weisser Mars oder Aufbruch zur Vernunft. Eine Utopie des 21. Jahrhunderts“ von Brian ALDISS in Zusammenarbeit mit Roger PENROSE
- 2001: „Eine Billion Dollar“ von Andreas ESCHBACH 

Utopische Kolonien

Der englische Philosoph James HARRINGTON , Autor eines utopischen Werkes „The Commonwealth of Oceana“, inspirierte drei amerikanische Utopische Siedlungen. Die Siedlungen von Carolina, gegründet 1670, von Pennsylavania, gegründet 1681, und von Georgia aus dem Jahre 1733 waren nur drei von merhreren englischen Siedlungen in Amerika, die als utopische Gemeinwesen konzipiert waren. Zentral waren dabei Gedanken einer Agrarreform und der Gleichheit aller Bewohner ( Vgl. HINE 1983 ).

Der englische Gewerkschafter Robert OWEN gründete die Gemeinschaft NEW HARMONY als einen utopischenVersuch. Nach den Ideen des französischen Utopisten Carles FOURIER wurden Siedlungen gegründet, die als PHALANSTÈRES, Speerspitzen der zukünftigen Menschengesellschaft gedacht waren ( Vgl. MANUEL/ MANUEL 1979; vgl. KUMAR 1987; vgl. KUMAR 1991;vgl. MANNHEIM et al. 1936; vgl. BLOCH 1923 ) .

Im 18. und 19. Jahrhundert gründeten viele religiös motivierte Gruppen utopische Gemeinschaften und siedelten in Amerika. Unter den bekanntesten dieser religiösen Gemeinschaften waren die SHAKERS aus England, die SOCIETY of the WOMAN in the WILDERNESS, die von Johannes KELPIUS geführt wurden, die EPHRATA CLOISTER und die HARMONY SOCIETY ( Vgl. HINE 1983 ). Die Harmony Society waren eine christlich-theosophische und pietistische Gruppe, die urspürnglich in Iptingen, Deutschland, gegründet worden war. Weil sie von der Lutheranischen Kirche und von der Regierung in Württemberg als ketzerische Sekte verfolgt wurden, flüchtete die Religionsgemeinschaft 1803 nach Amerika. Dort ließen sie sich in Pennsylvania nieder und gründeten mit 400 Mitgliedern im Jahre 1805 die Harmony Society, in der sie die Gütergemeinschaft praktizierten. Die Gemeinschaft bestand bis ins Jahr 1905 und war damit eine der erfolgreichsten und am längsten währenden Kommunen in der amerikaischen Geschichte.

Weitere utopische Gemeinschaften in Amerika waren die ONEIDA COMMUNITY, die von 1848 bis 1881 bestand. Die AMANA COLONIES wurden von radikalen pietistischen Deutschen in Iowa gegründet und bestanden von 1855 bis 1932. Weitere Beispiele sind die FOUNTAIN GROVE, RIKER's HOLY CITY und andere utopische Siedlungen in Kalifornien, ebenso wie die SOINTULA in Kanada. Die AMISH und HUTTERER können ebenfalls als Versuche gewertet werden, eine bessere, lebenswertere Gemeinschaft anzustreben ( Vgl. HINE 1983 ).

Die zahlreichen Gründungen von Kommunen in den 1960ern in den USA waren sehr oft ein Versuch, das Zusammenleben von Menschen in Gemeinschaft zu verbessern. Es gab eine Back to the Land Movement, „Zurück aufs Land Bewegung“, die viele Hippies motivierte, sich für ein Leben in Frieden und Harmonie auf Farmen und in zurückgezogenen Gegenden mit veränderten demokratischen Strukturen zu entscheiden. Intentionale Communities wurden organisiert und weltweit gegründet, in der Hoffnung, ein besseres Zusammenleben zu schaffen (Vgl. MANUEL/ MANUEL 1979; vgl. HINE 1983; vgl. KUMAR 1987; vgl. KUMAR 1991; Vgl. VIEIRA/ MARDER 2011 ) .

Utopie des Positiven Denkens

Louise L. HAY ( 2007) ist eine spirituelle, metaphysische Dozentin, Lehrerin und eine Autorin, die Bücher-Bestseller auf dem Gebiet des Positiven Denkens verfasst hat. Ihre Werke wurden in 29 verschiedene Sprachen übersetzt und sind in 35 Ländern erschienen. Seit dem Beginn ihrer Karriere im Jahre 1981 hat Louise L. HAY Millionen Menschen in aller Welt dabei geholfen, ihr kreatives Potential hinsichtlich Persönlichkeitsentfaltung und Aktivierung der Selbstheilungskräfte zu entfalten. Bis zum Jahre 2004 wurden von ihrem Buch "You Can Heal Your Life" weltweit mehr als 30 Millionen Exemplare gekauft.

HAY hat eine Utopie. Sie träumt von der Erschaffung einer Welt, in der es sicher ist, einander zu lieben. Von einer Gesellschaft, in der wir geliebt und akzeptiert werden, so wie wir sind. Es ist etwas, was wir alle wollten, als wir Kinder waren, akzeptiert und geliebt werden, genau so, wie wir sind. Nicht erst, wenn wir größer oder klüger, schöner oder hellhäutiger, fleißiger oder gehorsamer , oder so wie unsere Nichte oder Schwester, unser Bruder oder der Nachbar von gegenüber geworden sind, wollten wir von unseren Eltern oder Lehrern angenommen sein. Sondern wir wollten geliebt werden, genau so, wie wir zu jener Zeit waren. Wenn wir erwachsen geworden sind, wollen wir genau das Gleiche, angenommen sein, akzeptiert und respektiert werden, gemocht und geliebt werden, beliebt sein bei uns wichtigen anderen Menschen und zwar genau so, wie wir sind. Aber wir können diese Liebe nicht erhalten, solange wir uns nicht selbst lieben. " Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" sprach JESUS CHRISTUS und setzte einen gesunden Egoismus, eine gesunde Selbstliebe bei seinen Zuhörern voraus. Wenn wir uns selbst lieben, fällt es uns viel leichter, auch andere Menschen zu lieben. Wenn wir uns selbst mögen, hören wir auf, uns selbst zu kränken, und wir hören damit auf, andere Menschen zu verletzen. Wir können alle Vorurteile und Einstellungen darüber, ob die eine oder andere Gruppe nicht gut genug ist, aufgeben. Wenn wir erkennen, wie unglaublich schön wir alle sind, haben wir die Antwort auf die Frage, wie der Weltfrieden zu erreichen sei, die Schaffung einer Welt, in der es sicher für uns ist, einander zu lieben. Louise L. HAY hat eine christliche Utopie, sie möchte den Himmel bereits auf Erden erschaffen, nicht erst nach dem Tode. LOUISE L. HAY sieht eine zukünftige Gemeinschaft spirituell gesinnter Seelen vor sich, die zusammenkommen, um zu wachsen, zu reifen, um sich auszutauschen und ihre positiven Energien in die Welt auszustrahlen. Ein jeder ist dabei frei, seinen eigenen individuellen Beitrag zur Entfaltung mannigfaltiger Talente und Fähigkeiten zum Wohle aller zu leisten. Dieser Zukunftsvorstellung zufolge werden wir harmonisch, friedlich und liebevoll zusammenleben. Die Förderung des Wachstums der Seele, des Geistes und der Persönlichkeit steht im Vordergrund dieser Utopie. Es wird viel Zeit und viel Geduld geben, unsere Kreativität in jedem Bereich, den wir wählen, zu entfalten. Es wird keine entfremdete Arbeit, keine Plackerei und keinen Zwang geben, nur für den Gelderwerb zu arbeiten. Freudevolle Tätigkeiten frei gewählter und positiv bejahter Aktivitäten wird die Qual gehasster Arbeitspflicht ersetzen. Es wird kaum Krankheiten, wenig Armut, ein Minimum an Kriminalität und selten Betrug geben. Eine positiv und optimistisch gestimmte Erziehung wird das Bewusstsein der Kinder und Schüler über Selbstakzeptanz, Selbstrespekt und Selbstliebe bilden.

Krisotainment

Krisotainment bedeutet die Panikmache der Medien vor vermeintlichen Katastrophen oder Krisen, häufig mit dem Ziel, die Einschaltquoten zu erhöhen oder die Absätze zu steigern. Matthias HORX ( Vgl. HORX: How We Will Live: A Syntheses of Life in the Future, 2014 ) hält nichts von der Panikmache, die viele seiner Kollegen betreiben, die von den Medien gepushten Weltuntergangsszenarien lehnt er ab. Er betont, dass Krisen in der Geschichte periodisch wiederkehren und letztlich vor allem Freiräume für Neuanfänge schaffen. "Krisotainment" nennt er es, wenn Wissenschaftler zusammen mit der Presse düstere Szenarien von kommenden globalen Klimakatastrophen, Generationenkrieg oder dem Artensterben beschwören.

Apokalyptisches Spießertum

Eines der Bücher von HORX heißt "Anleitung zum Zukunfts-Optimismus" – das klingt ein bisschen nach der Kraft des positiven Denkens. Sieht sich HORX selbst als Coach der Öffentlichkeit im Kampf gegen das "apokalyptische Spießertum" ?

Matthias HORX meint, dass es heute eine Art innerer Verzagtheit gibt, wo sich die kulturellen, ökologischen und politischen Ängste mit einem enormen Beharren zusammentun – das nennt er das "apokalyptische Spießertum". Dieser Spießer ist jemand, der sich überhaupt nicht bewegen wird und die Welt dauernd als Katastrophe wahrnimmt, dies vor allem tut, um sich selbst zu erhöhen, sich zu bestätigen und Feinde zu definieren – das ist bei einem mangelnden Selbstwertgefühl auch immer sehr probat – und zu legitimieren, dass er für nichts die Verantwortung hat. Das nennt HORX apokalyptisches Spießertum.

Die vielen medialen Diskurse über den Untergang unterstützen diese Geisteshaltung. Und dagegen kämpft HORX. Denn die Welt kann besser werden, wenn wir die richtigen Entscheidungen treffen. Wir sollten uns klarmachen, dass wir in den verschiedensten Systemen und Subsystemen Verantwortung haben, sei es nun in der Wirtschaft, Familie oder Politik.

Das ist für Matthias HORX ein Erbe der Aufklärung. Er kämpft ohne besonders großen Erfolg gegen den immer nach einer geilen Katastrophe gierenden Mediendiskurs, um dieses Erbe zu bewahren ( Vgl. Andrea NAICA-LOEBELL: Interview mit dem Zukunftsforscher Matthias Horx, In: Telepolis, 02.01.2009 ).

Weg mit der Angst

( Vgl. Andrea JINDRA : Interview mit Matthias Horx, In: Succeed, 01/2010 )

Matthias Horx, Trend-und Zukunftsforscher, sieht die aktuelle Wirtschaftskrise alsproduktiven Prozess für einen notwendigen Wandel in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Matthias Horx, Jahrgang 1955, gilt als einflussreichster Trend und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum. Sein publizistisches Wirken erstreckt sich über einen Zeitraum von 25 Jahren, in denen er zahlreiche Bestseller veröffentlichte, zum Beispiel „Trendbuch 1“ und „Trendbuch 2“, „Wie wir leben werden“, „Anleitung zum Zukunftsoptimismus“, „Technolution“ und als neuestes Werk, „Das Buch des Wandels - Wie Menschen Zukunft gestalten“. Er arbeitete als Redakteur bei renommierten Zeitungen wie „Die Zeit“ und „Merian“. Mit seinem Zukunftsinstitut mit Hauptsitz bei Frankfurt am Main gründete er zur Jahrtausendwende den wichtigsten Think-Tank der deutschsprachigen Zukunftsforschung. Ab Herbst 2007 lehrt Matthias Horx wissenschaftliche Trend- und Zukunftsforschung auch als Dozent an der Zeppelin-Universität am Bodensee.

In seinem „Buch des Wandels – Wie Menschen Zukunft gestalten“ beschreibt HORX Krisen als etwas Positives. Worin sieht er den Nutzen der aktuelle Wirtschaftskrise?

Das ganze Leben ist eine Abfolge von Krisen.Wenn man diese versteht und durch Veränderung beantwortet, können wir daran reifen. Ähnliches gilt auch für die Ökonomie. Krisen gab esimmer. Die aktuelleWirtschaftskrise ist im Finanzwesen entstanden, aber es versteckt sich mehr dahinter als Kapitalversagen. Viele Wirtschaftssektoren haben keine Innovationen mehr hervorgebracht.  Das zeigt sich in der Autobranche. Wir sind am Ende einer Phase von  linearer Beschleunigung angelangt. Heute kann man schon mit Automanagern  über Elektromobilität sprechen, ohne dabei ausgelacht zu werden. Auch Fluggesellschaften, Kaufhäuser und traditionelle Medien stehen  unter hohem Evolutionsdruck. Wir können das vergleichen mit einem  starkenWinter. Überleben werden die Fitten. Jene, die ihre Hausaufgaben  gemacht, über Innovation und Märkte der Zukunft nachgedacht haben, wachsen in der Krise. Schwache werden dahingerafft.

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Titel: Weltraum Pädagogik