Lade Inhalt...

Die Rechtsstellung der orthodoxen Kirche in Österreich

Hausarbeit 2014 23 Seiten

Jura - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte

3. Gegenwart

4. Orthodoxe Frömmigkeit und Theologie
4.1. Liturgie und Gottesdienst
4.2. Ikonen, Bilder und Kirchengebäude
4.3. Die Sakramente
4.4. Heiligen- und Marienverehrung
4.5. Schrift und Tradition

5. Die Orthodoxe Kirche und die Ökumene
5.1. Erste Schritte ökumenischer Beziehungen
5.2. Der Ökumenische Rat der Kirchen
5.3. Konferenz Europäischer Kirchen (KEK)
5.4. Orthodoxie und Dialoge auf verschiedenen Ebenen
5.4.1. Dialog mit der Römisch-Katholischen Kirche
5.4.2. Dialog mit anderen Religionen

7. Die Rechtsstellung der orthodoxen Kirche in Österreich
7.1. Religionsunterricht
7.2. Die Orthodoxen Bischofskonferenz in Österreich

Literatur und Quellenverzeichis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Orthodoxen Kirche (in Österreich traditionell „Griechisch – Orientalische Kirche“ genannt)[1], wer ist sie, mit ihrer Geschichte und ihrer Rechtsstellung in Österreich.

2. Geschichte

Der Name „Orthodoxe Kirche“ wird häufig mit „Kirche der Rechtgläubigkeit“ übersetzt. Man übersetzt das Wort „orthos“ mit „richtig“ und das Wort „dokeo“ mit „glauben“[2]. Die Orthodoxe Kirche selbst, etwa in Gestalt des Orthodoxen Theologen Larenzakis, weist jedoch darauf hin, daß man darüber von „doxazein“ her übersetzen sollte, was Lobpreisen bedeutet. Danach bedeutet

„Orthodoxe Kirche“ also „Kirche der rechten Lobpreisung Gottes“.[3]

Der Beginn der Geschichte der orthodoxen Kirche wird in aller Regel am Jahr 1054 festgemacht, als sich die Römisch-Katholische Kirche und die Orthodoxe Kirche von einander im Streit getrennt haben. Über diese Trennung gibt es unterschiedliche Betrachtungsweisen, was sich insbesondere darin niederschlägt, daß Katholische Theologen vom „morgenländischen Schisma“[4] sprechen, orthodoxe Theologen dagegen vom „Schisma der römischen Kirche'“ und beide Kirchen die Schuld jeweils bei der anderen suchen.[5]

Um zu verstehen, wie es kam, daß sich überhaupt ein Kirchenteil vom anderen Kirchenteil trennen konnte muß man weiter zurück in die Vergangenheit gehen. Ausgehend von den Gemeinden in größeren Orten entwickelten sich Kirchengebiete, die dann zu Patriarchaten wurden, abgeleitet von den Namen, den die Kirchenleiter bekamen, nämlich Patriarch.

Es gab innerhalb des römischbyzantinischen Reiches fünf solcher Patriarchate, nämlich: Rom, Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien und Jerusalem. Diese Reihenfolge wurde auf dem Konzil von Chalcedon festgelegt.[6] Das Patriarchat Roms nahm darunter einen Ehrevorsitz ein, den auch das Patriarchat von Konstantinopel während der Regierungszeit Justinians (527 – 565) zugestanden bekam.[7]

Das Selbstebwusstsein Konstantinopels als Zentrum der damaligen Christenheit wurde durch den Bau der Hagia Sophia, die von Justinian eingeweiht wurde, dokumentiert.[8]

Bedingt durch sprachliche und kulturelle Faktoren entwickelten sich die Patriarchate von einander weg, wobei dennoch das Gefühl der Zusammegehörigkeit noch vorhanden war.

In dieser Zeit begann sich auch die „primatale Papstidee“[9] aufbauend auf die Petrustradition zu entwickeln. Die Ostkirche setzte dem ein eigenes „ekklesiologisches Prinzip orthodoxer Gemeinschaft“[10] entgegen, indem sie das Amt eines Ökumenischen Patriarchen einrichtete. (Ökumenisch ist hier als die gesamte Kirche betreffend zu verstehen, da es ja noch keine Trennungen und andere Kirchen gab).

Im 1054 erfolgte das erwähnte Schisma, dem jedoch bereits etliche andere Streitigkeiten vorausgegangen waren. So hatte die Westkirche die Bilderverehrung der Ostkirche nicht nachvollziehen können und etliche unterschiedliche liturgische Gebräuche wurden ebenfalls zu einem Streitpunkt.[11] In der so genannten Bilderstreit, stritten sich Gegner und Befürworter der Ikonen um die Frage der Darstellbarkeit Jesu Christi im Bilde.[12]

Der Bilderstreit setzte die Bzyantinische Kirche in eine tiefe Krise, die erst Mitte des 9. Jh. Überwunden werden konnte.

Der Grundstein der erfolgreichen griechisch-byzantinischen Slavenmission, die zu einer vorübergehenden Ausdehnung ihrer Einflussbereichs bis nach Mitteleuropa führte, wurde durch die beiden Brüder Kyrillos und Methodios gelegt. Die Kirche bediente sich von Anfang an der slavischen Volkssprache zum Unterschied zum lateinischen „Mitbrüdern“[13] und das trug zur erfolgreichen Missionstätigkeit bei.

Der endgültige Schlußpunkt war dann die bereits seit dem 4. Jhd. Andauernde Auseinandersetzung um einen Trititätstheologischen Streitpunkt, dem sogenannten „Filioque“.

Der Streit geht um einen Zusatz im Glaubensbekenntnis von 381. Dort heißt es: „Wir glauben an den Heilgen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn (ex patre filioque) hervorgeht, (...)“[14]. Die Orthodoxie sagte nun, daß Gott, der Vater, „allein die Quelle und das Prinzip der Gottheit ist“[15]. Für die Orthodoxie ist klar, daß sowohl der Sohn als auch der Heilige Geist nur vom Vater ausgehen können, die „römische“ Theologie sieht dies anders.

Es folgte als Konsequenz die gegenseitigen Bannflüche zwischen den beiden Kirchen und die endgültige Kirchentrennung. Dieser Streit wird allgemein nur als die Folge der vielen vorangegangenen Konflikte gesehen.[16] Die RGG4 schreibt dazu: „Daß das 1054 durch wechselseitige Bannflüche wegen einiger Verschiedenheiten in Lehre und Praxis heraufbeschworene Schisma zwischen Rom und Byzanz nicht wieder rückgängig zu machen war, lag keineswegs an den damals erhobenen Vorwürfen allein, sondern war die unausweichliche Folge einer wachsenden Entfremdung (...)“[17]

3. Gegenwart

In der Gegenwart gibt es eine größere Anzahl von unterschiedlichen Orthodoxen Kirchen - autokephal oder autonom. Diese Kirchen sind durch die folgenden drei Prinzipien verbunden: gemeinsames Glaubensbekenntnis, ein in de ngrundlagen einheitliches Kirchenrecht und gegenseitige Anerkennung als orthodoxe Schwesterkirchen.[18]

Autokephal bedeutet, daß eine Kirche selbstständig ist, was sämtliche Kirchliche Belange angeht: von den Problemen in den einzelnen Kirchengemeinden bis hin zur Wahl der Bischöfe und der Bildung von Bischofssynoden. Autonom heißt zwar auch selbstständig, aber sie ist im orthodoxen Sinne beschränkt. Die Einsetzung des Vorstehers kann nicht ohne eine Bestätigung des Partiarchen von Konstantinopel erfolgen, ebenso wie sämtliche Kirchenorgane und Verwaltungsgremien dem Ökumenischen Patriarchat gegenüber verantwortlich sind.[19] Seit 587 nennt man den Patriarchen von Konstantinopel auch Ökumenischen Patriarch, das ökumenisch bezieht sich hier aber nur und ausschließlich auf die Orthodoxe Ökumene.

Dennoch ist der Ökumenische Patriarch nicht mit dem Römisch-Katholischen Papst gleichzusetzen, denn der Patriarch hat keine jurisdriktiven Befugnisse und er wird von der orthodoxen Kirche auch nicht für unfehlbar gehalten. Allerdings hat der Ökumenische Patriarch ein sogenanntes Ehrenprimat und er hat das Recht in Angelegenheiten, die die weltweite Orthodoxie betreffen, ein Panorthodoxes Konzil einzuberufen. Solche Konzilien finden in unregelmäßigen Abständen an immer wechselnden Orten statt, das letzte im Jahr 2000 in Bethlehem.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch die nicht einheitliche Sprachregelung, was die Kirchen und die Bischöfe betrifft.

Alle Kirchen des christlichen Ostens sind bischöflich strukturiert – sie bestehen aus Diözesen (noch Eparchien genannt).[20] Die autokephalen Kirchen heißen Patriarchat, Erzbistum oder Metropolie.

Dementsprechend heißen die Bischöfe dann auch Patriarchen, Erzbischöfe oder Metropolit. Eine andere orthodoxe "Kirchenlinie" sind die Orientalischen Orthodoxen Kirchen, die in Glaube, Organisation und kirchlichem Leben mit den autokephalen Kirchen identisch sind, aber keine Kirchen-, Gottesdienst- oder Sakramentengemeinschaft mit den autokephalen Kirchen haben.[21]

Der Grund dafür liegt in der Tatsache, daß, streng genommen, das orthodoxe Kirchenrecht keine Gottesdienstgemeinschaft mit Nicht-Orthodoxen zuläßt. Das gilt auch für die Orientalische - Orthodoxe Kirchen.

Bedingt durch die große Anzahl der autokephalen Kirchen gibt es auch in Österreich nicht "die" Orthodoxe Kirche sondern immer Gemeinden der jeweiligen Kirche, sei es der Griechisch - Orthodoxen Kirche oder der Serbisch - Orthodoxen Kirche oder eine der vielen anderen.

Weltweit gibt es ca 210 Millionen Menschen, die an verschiedenen Kirchen des christlichen Ostens angehören.[22]

4. Orthodoxe Frömmigkeit und Theologie

4.1. Liturgie und Gottesdienst

Der Gottesdienst ist in der Ort, an dem sich in besonderer Weise orthodoxe Theologie und Frömmigkeit zeigt.[23] Er ist der Ort, an dem „Glaube und Lobpreis einander innigst umfangen, das Heil überliefert wird und geschieht, in der Kraft des Hl. Geistes die Christus-Erfahrung des Herzens gestärkt wird und sich den Gläubigen das Wesen und der Charakter Gottes letztlich erschließt.“[24]

[...]


[1] Kalb, Potz, Schinkele, Religionsrecht, 2003, 569

[2] Öldemann, Die Kirchen des christlichen Ostens, 2008, 139

[3] Larentzakis, Die orthodoxe Kirche, 2000, 14

[4] Schisma bedeutet soviel wie „Trennung“. Das Evangelische Kirchenlexikon nennt ein Schisma eine „Abspaltung, bei der das Band der Liebe zerreißt“.

[5] Glazik, Evangelisches Kirchenlexikon, Band 3, 944

[6] Öldemann, Die Kirchen des christlichen Ostens, 2008, 36

[7] Öldemann, Die Kirchen des christlichen Ostens, 2008, 36

[8] Öldemann, Die Kirchen des christlichen Ostens, 2008, 37

[9] Frieling, Geldbach, Thöle, Konfessionskunde, 1999, 129

[10] Frieling, Geldbach, Thöle, Konfessionskunde, 1999, 129

[11] Lemopoulos, Lexikon für Theologie und Kirche, 1146

[12] Öldemann, Die Kirchen des christlichen Ostens, 2008, 166

[13] Öldemann, Die Kirchen des christlichen Ostens, 2008, 38

[14] Frieling, Geldbach, Thöle, Konfessionskunde, 1999, 129

[15] Frieling, Geldbach, Thöle, Konfessionskunde, 1999, 129

[16] Frieling, Geldbach, Thöle, Konfessionskunde, 1999, 129

[17] Felmy, K., RGG4, Band 6, 678

[18] Kalb, Potz, Schinkele, Religionsrecht, 2003, 569

[19] Basdekis, Die Orthodoxe Kirche, 2002, 14

[20] Öldemann, Die Kirchen des christlichen Ostens, 2008, 63

[21] Basdekis, Die Orthodoxe Kirche, 2002, 15

[22] Öldemann, Die Kirchen des christlichen Ostens, 2008, 64

[23] Felmy, K., RGG4, Band 6, 682

[24] Felmy, K., RGG4, Band 6, 682

Details

Seiten
23
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656600176
ISBN (Buch)
9783656600169
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269010
Institution / Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz – Institut fuer Kanonistik, Europaeische Geschichte
Note
gut
Schlagworte
rechtsstellung kirchen österreich

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Rechtsstellung der orthodoxen Kirche in Österreich