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Die Bedeutung der frühen Komintern für die kommunistischen antikolonialen Bewegungen Asiens. Maos und Sukarnos

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 22 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Moderne Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzer Abriss der Geschichte der Komintern .
2.1. Die erste Phase – Die Komintern unter Lenin
2.2. Die zweite Phase – Bolschewisierung
2.3. Die dritte Phase – Stalinisierung, Volksfront und das Ende

3. Die Komintern und Antikolonialismus
3.1. Die Konferenz der Ostvölker in Baku 1920
3.2. Lenin und die Thesen des Zweiten Weltkongresse
3.3. Kongress gegen imperiale Unterdrückung und Imperialismus

4. Kommunistischer Befreiungskampf in den asiatischen Kolonien
4.1. Koloniale Aktivitäten im Kaiserreich China
4.2. Kommunistische Machtübernahme und Komintern-Einfluss
4.3. Kolonialismus in Indonesien
4.4. Anfänge antikolonialer Strömungen, Nasakom

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Abkehr der imperialistischen Nationen von ihren Kolonien, seien sie in Afrika, Indien oder China, bedurfte eines langanhaltenden Prozesses, der über die Jahre von ganz und gar unterschiedlichen Akteuren gestaltet wurde. Betrachtet man diesen Prozess ausgehend vom Ende des Zweiten Weltkrieges, so fällt auf, dass gewaltlose Revolutionen, wie im Falle Indiens, und blutige Umstürze, wie im Falle Algeriens oder Chinas, parallel vonstatten gingen.

Die Oktoberrevolution 1917 brachte allerdings die erste europäische Macht, die Sowjetunion, hervor, die sich ausdrücklich gegen den Kolonialismus wandte und erste Forderungen nach einem Ende der Kolonialherrschaft mit einer marxistisch-leninistischen Ideologie verband.

Nach Alexander Vatlin sind die Anfänge der Komintern-Bewegung direkt an den Sieg der Bolschewiki geknüpft, obschon er der Meinung ist, dass die Komintern so oder so entstanden wäre, aber „[...] ohne diesen Sieg und die Unterstützung durch Sowjetrußland wäre die III. Internationale nur eine Gruppe von Politemigranten am Ufer des Genfer Sees geblieben“.[1]

Das Schicksal der Komintern, die Wandlung von der international ausgerichteten kommunistischen Organisation hin zu einem bloßen Hilfsmittel stalinistischer Politik wirft die Frage auf, welchen Einfluss die Komintern auf die antikolonialen Befreiungsbewegungen, ihre Führer und ihre theoretischen Fundamente hatte.

Es lohnt sich, die asiatischen, dezidiert kommunistischen Ideologen Mao Tse-Tung und Ahmed Sukarno genauer zu betrachten, deren Wirken jeweils eigene und eigenständige Ideologien hervorgebracht hat, die eine neue Interpretation des Marxismus-Leninismus nach sich zogen und im Falle Maos bis heute prägend für die chinesische Politik sind.

Die Bewegungen Ahmed Sukarnos und Mao Tse-Tungs, denen zwei völlig unterschiedliche Ausgangssituationen zugrunde lagen, eignen sich, um den internationalen, weltumspannenden Einfluss der Komintern und ihrer Ideologie zu verdeutlichen. Obwohl beides asiatische Staaten, sind die kulturellen, ethnischen und

politischen Unterschiede gewaltig, und so verwundert es nicht, dass der Weg zur Macht für ihre Führer bzw. Gründerväter jeweils ein gänzlich anderer war.

Der Fokus soll hier auf den Ereignissen rund um die Gründung der PKI bzw. KPCh bis zur Machtübernahme liegen, mit besonderem Augenmerk auf dem Interesse der Sowjetunion, respektive der Komintern, an den sich neu formierenden kommunistischen Parteien.

Am Beginn steht eine kurze Darstellung der Geschichte der Komintern, gefolgt von einer Analyse der wichtigsten antikolonialen Aktivitäten der Komintern, eingeleitet von einer Definition der thematischen Oberbegriffe „Kolonialismus“ und „Imperialismus“ nach Robert Young.

Daran anschließend folgt eine Darstellung der Kolonialgeschichte Chinas und der kommunistischen Machtübernahme, unter Einbeziehung der Komintern-Aktivitäten in dieser Zeit. Gleiches folgt für Indonesien, dessen Kolonialgeschichte durchaus umfangreicher ist und bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht. Wie festzustellen sein wird, gelang es der Komintern nicht, die orthodoxen (eher: „kanonischen“) Methoden der Machtübernahme der KpdSU auf die Situation in China und Indonesien zu übertragen, bzw. den dortigen Revolutionären einen festen Weg unter der Kontrolle Moskaus vorzugeben. Welche Implikationen sich hieraus für die Entwicklung der PKI und KPCh ergaben, wird im zweiten Abschnitt jedes Beispiels illustriert.

Zum Schluss steht ein Fazit, welches welches die Standpunkte zusammenfassen und den tatsächlichen Einfluss der Komintern als politischen Imperativ für Mao und Sukarno bewerten soll.

2. Kurzer Abriss der Geschichte der Komintern

Die Entstehung der Komintern oder III. Internationale war eng mit zwei Ereignissen ungeheurer Tragweite verbunden: Der Oktoberrevolution im zaristischen Russland 1917 und dem Ende des 1. Weltkrieges 1918 sowie der darauf folgenden Revolten und Revolutionen in Europa. Die II. Internationale, die als Zusammenschluss sozialistischer Parteien fungierte, diskreditierte sich in den Augen der Arbeiterklasse, als zu Beginn des Krieges die meisten der großen Parteien für Kriegskredite und eine Burgfriedenspolitik

stimmten. Hier zu nennen wären die deutschen, französischen und englischen Sozialisten, die allesamt für Kriegsanleihen stimmten (bei fünf Gegenstimmen der englischen Abgeordneten)[2].

2.1. Die erste Phase – Die Komintern unter Lenin

Die Bolschewiki, am radikalsten in ihren Forderungen, hofften auf eine schnelle Niederlage der zaristischen Regierung, einen Bürgerkrieg und die sozialistische Revolution und verlangten die Gründung einer neuen Internationale, die „vom Opportunismus befreit“ sein sollte.[3]

Eine Zusammenkunft von 38 sozialistischen Kriegsgegnern im schweizerischen Zimmerwald 1915, die ihren Willen zur Zusammenarbeit demonstrierten, und der andauernde Krieg bestärkten pazifistische Aktivitäten weiter.[4]

Nach der Oktoberrevolution sollte es noch bis März 1919 dauern, bis der „Gründungskongress“ der Komintern stattfinden konnte, denn zuvor war die Einberufung der internationalen Vertreter durch den Bürgerkrieg und die Isolation der Sowjetunion im restlichen Europa unmöglich.[5]

Der zweite Kongress, der im Sommer 1920 stattfand, gilt jedoch als eigentlicher Gründungskongress der Komintern, mit zweihundert Teilnehmern aus siebenunddreißig Ländern.[6]

2.2. Die zweite Phase - Bolschewisierung

Im Jahr 1924 schließlich, nach dem Tod Lenins und dem Aufstieg Stalins, befand sich die Komintern in einer Krise, denn entgegen aller Erwartungen hatte keine Revolution in Europa Erfolg, und die UdSSR war erneut isoliert.[7]

Eine Bolschewisierung der Organisation setzte ein, was sich in einer Zentralisierung und Bürokratisierung sowie

einer zunehmenden Dominanz der KPdSU manifestierte, die von Stalin als notwendig erachtet wurde, um sich gegen mögliche oder tatsächliche Feinde wehren zu können.[8]

2.3. Die dritte Phase – Stalinisierung, Volksfront und das Ende

Der sechste Kongress der Komintern 1928 markierte den Beginn der Sozialfaschismusthese und damit die Entstehung einer neue Orthodoxie, was zu einer von nun an untrennbaren Bindung der Komintern an die Entwicklungen der KPdSU führte.[9] Die nächste entscheidende Wende ereignete sich dann im Jahr 1934, als die Sozialfaschismusthese fallen gelassen wurde und die Gründung einer

Volksfront zusammen mit sozialistischen und liberalen Parteien erfolgte, die Stalin angesichts der zunehmenden Bedrohung durch das 3. Reich als direkten Eingriff in die Politik der Komintern verfügte.[10] Die Säuberungswellen des „Großen Terrors“ 1936-38 führten zu einer Abkehr der anderen Parteien von der Volksfront und den kommunistischen Parteien im Allgemeinen.[11] Ihr Ende fand die Komintern in den Jahren 1939-1943, nach dem der Abschluss des Hiter-Stalin-Paktes zu einer Krise führte, da die Komintern damit offensichtlich gegen die Interessen der Arbeiterklasse und ihre eigenen Interessen vorging.[12] 1943 wurde die Komintern schließlich auf Befehl Stalins aufgelöst, die genauen Gründe dafür sind gleichwohl Gegenstand einiger Kontroversen zwischen westlichen und russischen Historikern.[13]

3. Die Komintern und Antikolonialismus

Um die Idee eines „antikolonialen“ Kampfes zu verstehen und die Begriffe sinnvoll zu

verwenden, muss zunächst einmal der Begriff „Kolonialismus“ definiert werden. Robert

Young hat hierzu eine umfangreiche Schrift verfasst, in der er Kolonialismus als eine

Form von Dominanz eines Volkes über ein anderes beschreibt, sei es aus Gründen der Expansion oder der Rohstoffgewinnung.[14] Er führt aus, dass alle Kolonialmächte zwei unterschiedliche Arten von Kolonien hervorbrachten: Siedlungen und Rohstofflieferanten, wobei erstere als Lebensräume für weiße Siedler dienten, die

schließlich unabhängig wurden und teilweise selbst zu neuen Kolonialmächten (z.B. Nordamerika oder Südafrika).[15] Des weiteren gibt es keinen zwingenden Zusammenhang zwischen Kolonisierung und Herrschaft über die eingeborene Bevölkerung, viel mehr bestand der Gedanke zu Beginn nur darin, wirtschaftliche, religiöse oder politische Vorteile zu erlangen.[16]

Die Situation der Kolonien zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellt gleichwohl ein gänzlich anderes Bild dar, das bei Young mit dem Prädikat „Imperialismus“ versehen wird: Einerseits, so wie es im 19. Jahrhundert gebraucht wurde, beschreibt es ein politisches System, welches auf Eroberung und Besetzung basiert, andererseits wird es seit Beginn des 20. Jahrhunderts im marxistischen Sinn als Beschreibung einer generellen wirtschaftlichen Vormachtstellung gebraucht, wobei hier eine Herrschaft im politischen Sinne nicht nötig ist.[17]

Wie später ausgeführt werden wird, waren es die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in den asiatischen Ländern, die zunächst die Haltung der Komintern zu Imperialismus und Kolonialismus (vermischt mit nationalistischen Fragen) beeinflussten und später zur Gründung von Befreiungsbewegungen führen sollten.

[...]


[1] Vatlin, Alexander: Die Komintern. Gründung, Programmatik, Akteure (=Geschichte des Kommunismus und Linkssozialismus, Bd. 10), Berlin 2009, S. 23-24.

[2] Hájek, Milos u. Mejdrová, Hana: Die Entstehung der III. Internationale (Dokumentationen zur Kultur und Gesellschaft im östlichen Europa, Bd.3), Bremen 1997, S.13.

[3] Ebd., S.14-15.

[4] Ebd., S. 15.

[5] Vatlin, Alexander: Die Komintern. Gründung, Programmatik, Akteure, S. 26.

[6] McDermott, Kevin u. Agnew, Jeremy: The Comintern. A History of International Communism from Lenin to Stalin, Hampshire u. London 1996, S. 17.

[7] Ebd., S.41.

[8] Ebd. S. 42-43.

[9] Ebd., S.82.

[10] Ebd., S.120.

[11] Ebd., S.143.

[12] Ebd., S.192.

[13] Ebd., S.204-206.

[14] Young, Robert J.C.: Postcolonialism. An Historical Introduction, Malden, Oxford, Victoria 2001, S. 19.

[15] Ebd.

[16] Ebd., S.20

[17] Ebd., S.26.

Details

Seiten
22
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656600107
ISBN (Buch)
9783656600084
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268976
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,7
Schlagworte
bedeutung komintern bewegungen asiens maos sukarnos

Autor

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