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Nachhaltigkeit im Einzelhandel. Eine Untersuchung am Beispiel der REWE Group

Bachelorarbeit 2012 69 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Gang der Untersuchung
1.3 Aufbau der Arbeit

2. Theoretische Überlegungen
2.1 Entstehungsgeschichte
2.1.1 Ursprünge des Leitbildes nachhaltige Entwicklung
2.1.2 Die Brundtland-Kommission
2.1.3 Die Weltkonferenz von Rio 1992 und die Folgen
2.1.4 Ziele der Weltkonferenz von Rio
2.2 Begriffliche Abgrenzung und grundlegende Prämissen
2.2.1 Eingrenzung des Nachhaltigkeitsbegriffs aus Unternehmenssicht
2.2.2 Abgrenzung zur Wirtschaft für Nachhaltigkeit
2.3 Motivationsfaktoren zum „Sustainable Development“
2.3.1 Marketinginstrument Umweltschutz
2.3.2 Verändertes Konsumverhalten und „Green Consumer“
2.3.3 Verbrauchersicherheit durch Umweltlabels und Zertifikate
2.3.4 Politische Einflussfaktoren
2.3.5 Demografischer Wandel
2.4 Hindernisse im Nachhaltigkeitscontrolling
2.4.1 Prinzipal-Agent-Konflikt
2.4.2 Problematik der Nachhaltigkeitsmessung
2.5 Unterstützende Aktivitäten im Hinblick auf Nachhaltigkeit
2.5.1 Arten und Methoden der Nachhaltigkeitsanalyse
2.5.2 Nachhaltigkeitsberichterstattung und Nachhaltigkeitsaudits
2.6. Primäre Aktivitäten im Hinblick auf Nachhaltigkeit
2.6.1 Leitbild einer Nachhaltigen Unternehmung
2.6.2 Sustainability Balanced Scorecard

3. Social Responsibility und Corporate Governance am Beispiel der REWE Group
3.1 Die REWE Group im Überblick
3.2 Die Vision der REWE Group
3.3 Die Nachhaltigkeitsstrategie der REWE Group
3.4.1 Strategie und Management
3.4.2 Stakeholder Dialog
3.4.3 Mitarbeiter
3.4.4 Sortiment
3.4.5 Lieferanten
3.4.6 Gesellschaft
3.5 Sustainability Scorecard der REWE Group

4. Zusammenfassung und Ausblick

5. Literaturverzeichnis
5.1 Fachliteratur
5.2 Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Interessenskonflikte in der Wertschöpfungskette

Abbildung 2: Umweltkennzahlen im Lebensmittelhandel

Abbildung 3: Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette

Abbildung 4: Vertriebslinien der REWE Group

Abbildung 5: Nachhaltigkeitsstrategie der REWE Group

Abbildung 6: Nachhaltigkeitsorganisation der REWE Group

Abbildung 7: REWE Green Building

Abbildung 8: Balanced Scorecard mit Unternehmensvision der REWE Group

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Einflussfaktoren der Nachhaltigkeitsstrategie

Tabelle 2: Ökolabels mit Vergabeverfahren

Tabelle 3: Arten der Umweltberichterstattung

Tabelle 4: Kennzahlen der Scorecard-Perspektiven für Handelsunternehmen

Tabelle 5: Sustainability Scorecard der REWE Group

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Die Frage nach Nachhaltigkeit tritt aktuell in vielen Bereichen immer mehr in den Vordergrund. In Zeiten der Energiewende wird die Forderung nach zukunftsorientiertem Verhalten in Politik, Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft immer deutlicher. Aussagekräftige Schlagworte wie „Green Consumer“ und „Green Economy“ weisen vermehrt auf ein notwendiges unternehmerisches Umdenken hin. Während gerade im Wirtschaftssektor viele Unternehmen bereits ihre vorhandenen Initiativen zur Förderung zukunftssichernder Aktivitäten ausbauen, arbeiten andere noch an ersten Maßnahmen und führen erste Schritte nachhaltigen Wirtschaftens durch. Die Einführung nachhaltiger Strukturen wird von Gesellschaft und Politik verstärkt gefordert und gefördert; ein unternehmerisches Verhalten entgegen gesellschaftlicher Regeln würde eine langfristige Wertentwicklung beeinträchtigen (vgl. Volkart 2008, S.978). Eine glaubwürdige Durchsetzung nachhaltiger Maßnahmen stellt die Basis zukunftsorientierten Wirtschaftens dar. Für Unternehmen öffnet sich dadurch eine Vielfalt an Chancen und Möglichkeiten. Der Wettbewerbsfaktor Nachhaltigkeit, dessen Bedeutung national und international stetig an Bedeutung gewinnt, wird zunehmend ausgebaut (vgl. Zech 2006, S.34).

Gerade im Lebensmittelhandel ist die Entwicklung einer nachhaltigen Wertschöpfungskette Grundlage einer glaubhaften Umsetzung gesellschaftlicher Vorgaben. Über die eigenen Unternehmensgrenzen hinaus ist ein nachhaltiges Denken und Wirtschaften nötig. Nicht nur in Bezug auf umwelt- und gesundheitsschonende Produktion, sondern auch im sozialen und gesellschaftlichen Bereich sind Unternehmen aufgefordert zukunftsorientierten Einsatz zu zeigen (vgl. Zimmermann 2011, S.10). Inwieweit sich nachhaltiges Wirtschaften im Unternehmen durchsetzen und messen lässt und welche Maßnahmen und Motivation dafür möglich sind, ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit.

1.2 Zielsetzung und Gang der Untersuchung

Da die Nachhaltigkeit ein mittlerweile anerkanntes Ziel darstellt, liegt es nahe, Unternehmen in Hinblick auf eine nachhaltige Unternehmensführung zu untersuchen. Die zentrale Zielsetzung dieser Arbeit besteht darin, auf Basis einer intensiven Literaturrecherche zu erforschen, welchen Nutzwert und welche Relevanz der Nachhaltigkeitsansatz in der unternehmerischen Praxis hat. Gegenstand der nachfolgenden Untersuchung ist der deutsche Handelskonzern REWE Group mit Sitz in Köln. Folgende Forschungsfragen stehen dabei im Mittelpunkt:

1. Welche Besonderheiten weist die REWE Group in Bezug auf die „Social Responsibility“ und die „Corporate Governance“ auf?
2. Wie prägen sich innerhalb der REWE Group die „Social Responsibility“ und die „Corporate Governance“ im Einzelnen in den Bereichen (1) Strategie und Management, (2) Stakeholder-Dialog, (3) Mitarbeiter, (4) Sortiment, (5) Lieferanten und (6) Gesellschaft aus?
3. Wie könnte eine geeignete „Sustainability Scorecard“ für die REWE Group aussehen?

Um der zentralen Zielsetzung zu entsprechen und die formulierten Forschungsfragen zu beantworten wird folgendes Vorgehen für die Untersuchung gewählt.

1.3 Aufbau der Arbeit

Kapitel zwei behandelt zunächst grundlegende Überlegungen zur Entstehung des unternehmerischen Nachhaltigkeitsgedankens. Bedeutende gesellschaftliche Vereinbarungen und grundlegende begriffliche Definitionen werden vorangestellt. Als Folge werden, in Verbindung mit der Einführung einer Sustainable Balanced Scorecard, Gründe zur nachhaltigen Unternehmentwicklung angeführt, sowie Hindernisse und fördernde Maßnahmen zur Implementierung nachhaltiger Strukturen aufgezeigt. In Kapitel drei sollen die gewonnenen Erkenntnisse auf das Beispiel der REWE Group angewandt werden. Nach einem Überblick über die Bestandteile und Aufbau der REWE Group wird deren Unternehmensvision dargestellt und neben der Nachhaltigkeitsstrategie näher auf einzelne Bereiche zur Untersuchung im Hinblick auf Aspekte zukunftsorientierten Handelns eingegangen. Ergebnisse dieses Forschungsansatzes finden sich als Abschluss im Versuch der Darstellung einer Sustainability Scorecard der REWE Group wieder. Die Ausarbeitung schließt mit einer kritischen Schlussfolgerung und mit dem Ausblick auf die weitere Entwicklung nachhaltigen Handelns in Unternehmen.

Fokus der Arbeit ist die Darstellung der Motivationsfaktoren, Schwierigkeiten und Maßnahmen zur Durchsetzung des „Sustainable Development“ und der Initiativen und Strategien zur Nachhaltigkeit der REWE Group.

2. Theoretische Überlegungen

2.1 Entstehungsgeschichte

2.1.1 Ursprünge des Leitbildes nachhaltige Entwicklung

„Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs“ (Munier 2005, S.10). Vorstehende Aussage drückt die wesentlichen Grundzüge nachhaltigen Handelns aus. Zukunftsorientiertes Wirtschaften soll gegenwärtige Bedürfnisse befriedigen ohne zukünftigen Generationen die Möglichkeit zu entziehen, ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen. Jedoch geben solche kurzgefasste Definitionen das umfangreiche Gebiet der Nachhaltigkeit unnötig eingeengt und oft verfälscht wieder (vgl. Bell/Morse 2012). Um den Nachhaltigkeitsbegriff und dessen Einflüsse zu verdeutlichen, wird im folgenden Abschnitt auf dessen Entstehung eingegangen.

Der Begriff Nachhaltigkeit entstammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Die Absicht dabei war, dass nie mehr Holz geschlagen werden darf, als gleichzeitig wieder nachwachsen kann (vgl. Caritas 2003, S.30). Als im 18. Jahrhundert aufgrund zunehmenden industriellen Industriebedarfs eine Übernutzung der Wälder in Erscheinung trat, entstand dieses ressourcenökonomische Prinzip, das das Nachwachsen des Waldes mit dessen Nutzung in Einklang bringen sollte. Spätere Nachhaltigkeitsüberlegungen entstanden aus diesem Vorbild.

Erste Überlegungen über Wachstumsgrenzen einer endlichen Welt brachte Robert Malthus, ein britischer Ökonom mit seiner Bevölkerungstheorie ins Gespräch, in der er für das damalige England ein Missverhältnis zwischen verfügbaren Ressourcen und der Bevölkerungszahl vorhersagt (vgl. Grunwald et al.  2012, S.19). Ein Mensch, dessen Familie ihn nicht ernähren kann und für den kein Arbeitsplatz übrig ist, sei demnach „wirklich zu viel auf der Erde“ (vgl. Banque 1971, S.106). Von Quesnay wurde die Natur bereits Mitte des 18. Jahrhunderts als „Quelle allen Reichtums“ bezeichnet, deren Begrenztheit der größte Einfluss auf den Produktionsprozess habe .Das Konzept des „maximum sustainable yield“ bezeichnete den Nachhaltigkeitsgedanken in Bezug auf die Fischereiwirtschaft und die Aufrechterhaltung der vorhandenen Fischbestände (vgl. Kopfmüller et al. 2001, S.19).

Bis Ende der 1960er Jahre blieb das Thema Nachhaltigkeit nur auf Forst- und Fischereiwirtschaft beschränkt. Grund hierfür war der unverändert wachsende technische Fortschritt, der ein Denken an endende Ressourcen als absurd erscheinen ließ. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der bestehende Glauben an den Fortschritt gebremst. Steigende Umweltbelastungen führten zu schlechterer Luft- und Gewässerqualität und hatten neue politische Ausrichtungen zur Folge. Als deutlich wurde, dass diese Auswirkungen erheblich schwerer als angenommen waren, fiel erstmals der Begriff des „Sustainable Development“. Dessen grundlegende Aussage war -ähnlich der des ursprünglichen Nachhaltigkeitsbegriffs-, dass das Funktionieren der Ökosysteme unabdingbar sei für eine dauerhafte ökonomische Entwicklung. (vgl. Grunwald et al. 2012, S.19). Die Endlichkeit der Ressourcen wurde immer deutlicher. Ungerechte Nutzungs- und Zugangsmöglichkeiten kamen gerade in Bezug auf die damaligen Entwicklungsländer zu tragen. Neben deren Unterentwicklung stand aber auch die Überentwicklung und die damit verbundene Verschwendung der Industriestaaten am Pranger (vgl. Harborth 1991: S. 27ff). Die vom Menschen verursachten Klimaveränderungen wurden deutlich und rückten weiter in den Vordergrund. Der „Brandt-Report“ von 1980 und der „Palme-Report“ von 1983 zeigten diese Entwicklungstendenzen in einer globalen Perspektive auf (vgl. Kopfmüller et al. 2001, S.23ff).

2.1.2 Die Brundtland-Kommission

Im Jahr 1987 legte die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (WCED) ihren Zukunftsbericht „Unsere gemeinsame Zukunft“, den sogenannten Brundtland-Bericht, vor. Darin kam erstmals das Leitbild einer „nachhaltigen Entwicklung“ zum Ausdruck. Darin verstand die Kommission eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“[1] Damit war erstmals der Grundstein einer integrativen globalen Politikstrategie gelegt. Erstmals wurde die Bedeutung einer globalen Umweltkrise als ernsthaftes Problem angesehen. Als Auslöser wurde Armut, unverhältnismäßiger Ressourcenverbrauch und die Wirtschaftskrise in den Entwicklungsländern angegeben. Lösung sei demnach eine gravierende weltweite Verhaltensänderung mit einem Wachstum anderer Qualität. Nur so ließe sich eine Zukunft mit größerer wirtschaftlicher und sozialer Sicherheit für alle erreichen, die natürliche ökologische Grenzen mitberücksichtigt. (vgl. Burschel 2004, S. 20). Drei Grundprinzipien galten dabei als Mittelpunkt der Ausarbeitungen:

- Die globale Perspektive (mit Problemanalyse und Lösungsstrategien),
- Die untrennbare Verknüpfung zwischen Umwelt- und Entwicklungsaspekten,
- Gerechtigkeit (Generationengerechtigkeit und Gerechtigkeit für alle derzeit lebenden Menschen).

Aufgrund sehr differenzierter Positionen der Kommissionsmitglieder erlaubten die Ergebnisse weite Interpretationsspielräume. Es mussten ökologische, ökonomische und soziale Entwicklungsaspekte mit vorangegangenen Wirtschaftsentwicklungen der vorangegangenen Jahrzehnte und der Weltmarktintegration zusammengeführt werden. Aus dem Brundtland-Bericht, mit seinem Vermittlungsansatz, seiner Problemanalyse und den grundlegenden globalen Forderungen resultierte erstmals eine breite und intensive Diskussion über mögliche Maßnahmen zur Umsetzung nachhaltiger Entwicklung. Der Brundtland-Bericht stellte erstmals ein globales Entwicklungsleitbild dar, das nicht nur der Wissenschaft vorbehalten war, sondern der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stand. Erstmals wurde auch der Begriff des „Sustainable Development“ der Bevölkerung bekannt gemacht (vgl. Kopfmüller et al. 2001, S.25).

2.1.3 Die Weltkonferenz von Rio 1992 und die Folgen

Der Umwelt- und Entwicklungsgipfel in Rio 1992 stellte vorrangig zentrale Umweltherausforderungen zur Debatte. Beim größten diplomatischen Ereignis des 20. Jahrhunderts rückten Klimaveränderung, Biodiversität, Wüstenbildung und der Nord-Süd Konflikt in den Vordergrund und das Thema „Nachhaltigkeit“ wurde international auf die sog. Agenda 21 gesetzt (Bals 2012, S.4). Die Verabschiedung der Ergebnisse verlangte lange Diskussionen. 178 teilnehmende Staaten versuchten das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung in politische und rechtliche Handlungsvorgaben zu integrieren. Globale Entwicklungsprobleme sollten zudem in umweltpolitischem Zusammenhang bearbeitet werden. Die Zielsetzung war, Voraussetzungen für eine weltweite nachhaltige Entwicklung zu schaffen. Diese sollten am Ende in Einklang mit der Abhängigkeit des Menschen von der Umwelt und den Folgen von Umweltveränderungen auf das menschliche Verhalten und Handlungsmöglichkeiten stehen. Neben 27 Grundsatzaussagen zum nachhaltigen Umgang mit der Umwelt und der Menschen untereinander entstanden als Ergebnis fünf Vereinbarungen für eine globale Umwelt- und Entwicklungspartnerschaft[2]:

1. Die Deklaration von Rio über Umwelt und Entwicklung:

Das Vorsorge- und Verursacherprinzip wurden als Leitprinzipien anerkannt. Bekämpfung der Armut, angemessene Bevölkerungspolitik, Verringerung und Abbau nicht nachhaltiger Konsum– und Produktionsweisen und die Einbeziehung der Bevölkerung in politische Entscheidungsprozesse sind von nun an Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung.

Umsetzung: Die Deklaration ist nicht verbindlich. Es sind zwar alle
Länder verantwortlich, jedoch muss die unterschiedliche Wirtschaftskraft berücksichtigt werden. Nicht alle Staaten handeln daher nach der Deklaration.

2. Die Klimaschutz Konvention:

Die Belastung der Atmosphäre mit Treibhausgasen muss auf ein für das Weltklima verträgliches Niveau stabilisiert werden.

Umsetzung: Als folgenreichstes Ergebnis von Rio entstand auf Basis der
Klimaschutz Konvention 1997 das Kyoto Protokoll, welches 2005 in Kraft
trat. Allgemein stellt die Klimaschutz Konvention ein Ergebnis von großer weltweiter ökonomischer Bedeutung dar.

3. Die Biodiversitätskonvention:

Die biologische Vielfalt der Welt soll erhalten bleiben und ihre Nutzung gerecht und ausgewogen erfolgen. Die Verantwortung liegt bei den Ländern.

Umsetzung: Als Folge wurde das Cartagena-Protokoll zur biologischen
Sicherheit 2003 verabschiedet. Damit soll das Handeln mit
gentechnisch veränderten Pflanzen und Tieren geregelt werden. Das
Nagoya-Protokoll legte 2010 fest, dass Entwicklungsländer einen finanziellen Ausgleich erhalten, wenn Regenwälder und Artenvielfalt besonders geschützt werden.

4. Die Walddeklaration:

Leitsätze für Bewirtung, Erhaltung und nachhaltige Entwicklung der Wälder soll auf ökologischen Maßstäben beruhen. Die Vereinbarung ist unverbindlich wegen Einsprüchen der Entwicklungsländer.

Umsetzung: Aufgrund des Widerspruchs der Entwicklungsländer hatte
die Deklaration keine weitreichenden Folgen.

5. Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung:

Bildung eines Komitees zur Vorbereitung einer Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung in Ländern mit langanhaltenden Trockenzeiten. Als Folge entstand 1994 die Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung.

Umsetzung: Die Konvention selbst hatte praktisch keine Auswirkungen;
die Eindämmung der Wüstenbildung wird in den Klimakonferenzen
mitverhandelt.[3]

Die Agenda 21 besagt zudem, dass alle Staaten auf nationaler Ebene die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung planen müssen und dazu, unter Einbeziehung von Nichtregierungsorganisationen (NRO), Strategien, Umweltpläne und Umweltaktionspläne entwickeln.[4]

2.1.4 Ziele der Weltkonferenz von Rio 2012

Im Juni 2012 fand 20 Jahre nach der ersten Rio-Konferenz die dritte Nachfolgekonferenz unter dem Namen “UN-Konferenz über nachhaltige Entwicklung” statt. Die Konferenz behandelte zwei grundlegende Themenschwerpunkte: die Entwicklung einer ökologischen Wirtschaftsweise, die sogenannte “Green Economy” und die Einrichtung der notwendigen institutionellen Rahmenbedingungen für die nachhaltige Entwicklung.[5] Da die aktuellen Millenniumsentwicklungsziele (aus der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 2000) bis 2015 auslaufen, bietet die jetzige United Nations Converence on Sustainable Development (UNCSD) die Möglichkeit, einen Folgeprozess auszuarbeiten und neue Zielvereinbarungen zu treffen (vgl. Lode et al. 2012, S.1). In der aktuellen UNCSD setzt sich zum Beispiel das Bundesministerium für wissenschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) dafür ein, die Breitenwirksamkeit und Armutsreduzierung als wichtige Kriterien in die Green Economy Ansätze einzubringen und die Nachhaltigkeitsdebatte im Rahmen der UNCSD 2012  mit der Agenda der Millenniumsentwicklungsziele zu verknüpfen. Zudem soll die Privatwirtschaft aktiv miteinbezogen werden (vgl. Netzhammer 2011, S.16).

Bereits die erste Weltkonferenz von Rio hatte als übergeordnetes Ziel die Einbeziehung aller Staaten für einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt. Der sogenannte Rio-Folgeprozess beinhaltet die Entwicklung kompromissfähiger Nachhaltigkeitsstrategien unter Einbeziehung verschiedener Interessen. Die Strategien sollten auf Praktikabilität hin geprüft werden und konkrete Umsetzungspläne sollten entwickelt werden. Dazu wurden Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Unternehmen und andere Gruppen aufgefordert, an der Umsetzung mitzuwirken. Konkrete Handlungsleitlinien für ein Nachhaltigkeitsleitbild mussten erarbeitet werden und für unterschiedliche Themenbereiche (Verkehr, Energie, soziale Bereiche usw.) und Handlungsräume (lokale, regionale Ebene etc.) konkretisiert werden. Das Handeln der Beteiligten ist stets am Nachhaltigkeitsleitbild auszurichten. (vgl. Kopfmüller et al. 2001, S. 27).

2.2 Begriffliche Abgrenzung und grundlegende Prämissen

2.2.1 Eingrenzung des Nachhaltigkeitsbegriffs aus Unternehmenssicht

Besonders Unternehmen sind im Zuge des globalen Nachhaltigkeitsgedankens in der Pflicht, nachhaltiges Wirtschaften durchzusetzen. Nach der erfolgten Darstellung des Nachhaltigkeitsbegriffs aus Entstehungs- und interdisziplinärer Sicht wird im Folgenden das zukunftsorientierte Wirtschaften aus Blickwinkel einer nachhaltigen Unternehmensführung dargestellt. Die darzustellenden Motivationsfaktoren und Ausrichtungen des nachhaltigen Handelns beziehen sich auf mittelständische und große Unternehmen, die dem Stakeholder-Ansatz entsprechend verschiedene Interessensgruppen (Kunden, Lieferanten, Politik usw.) bedienen und daher gehend verschiedene ökologische, ökonomische und soziale Ziele verfolgen. Auf diesen Annahmen beruhen später genannte Kennzahlen und Indikatoren sowie die Entwicklung einer Sustainablity Balanced Scorecard. Ein allgemein gültiges Konzept für Nachhaltigkeit gibt es nicht. Im betriebswirtschaftlichen Zusammenhang bezieht sich Nachhaltigkeit auf die sozialen und ökologischen Aspekte, welche die Wettbewerbsfähigkeit und den Markterfolg beeinflussen (vgl. Schaltegger et al. 2006, S.2). In der ökonomischen Literatur wird der Begriff Nachhaltigkeit für langfristigen Erfolg und Beständigkeit verwendet. Aus dem englischen „sustainable competitive advantages“ werden nachhaltige Wettbewerbsvorteile als eine Aufrechterhaltung von Vorteilen abgeleitet. Aus nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen wiederum folgt die Betrachtung der Dauerhaftigkeit, Transparenz, Überschaubarkeit und Imitierbarkeit von Ressourcen. Nur schwer imitierbare und transferierbare Ressourcen haben nachhaltige oder dauerhafte Wettbewerbsvorteile zur Folge. Ökologische Aspekte des Nachhaltigkeitsbegriffs werden bei dieser Sichtweise jedoch nicht beachtet. Nachhaltige Unternehmensführung schließt aber die ökologische Sicht der Nachhaltigkeit mit ein und verfolgt Ziele der nachhaltigen Entwicklung. Für langfristigen Erfolg ist die Einbeziehung ökologischer Aspekte und Nutzung und Weiterentwicklung der Vorhandenen Fähigkeiten im Unternehmen notwendig. Grundlage des Nachhaltigkeitsdenkens ist eine dauerhaft umweltgerechte Entwicklung. Für die weitere Untersuchung in der Vorliegenden Arbeit wird diese Definition des Nachhaltigkeitsbegriffs zugrunde gelegt.

2.2.2 Abgrenzung zur Wirtschaft für Nachhaltigkeit

Der dargestellte Untersuchungsgegenstand bezieht sich auf gewinnorientierte Unternehmen, die durch zusätzliche auf Nachhaltigkeit gerichtete Maßnahmen die Absicht verfolgen,  zukunftsorientiert zu wirtschaften. Vermarktete Produkte und Leistungen entsprechen dabei oft der Leitidee der nachhaltigen Entwicklung. Wirtschaft für Nachhaltigkeit hingegen betreiben Nonprofit-Organisationen deren Zielsetzung die Verbreitung der Akzeptanz ökologischer und sozial verträglicher Ideen ist. Überschneidungen, zum Beispiel durch Ausweitung dor Marktsegmente kommerzieller Unternehmen oder für Werbezwecke, sind hierbei möglich, jedoch nicht Gegenstand der folgenden Ausführungen.[6]

[...]


[1] Vgl. http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/brundtland _report_1987_728.htm
(Zugriff am 10.07.2012)

[2] Vgl. http://www.unep.org/Documents.Multilingual/Default.asp?documentid=78&articleid=1163
(Zugriff am 10.09.2012)

[3] Vgl. http:/www.tagesschau.de/ausland/rio172.html (Zugriff am 10.07.2012)

[4] Vgl. http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/weltgipfel_rio_de_janeiro_1992_539.htm (Zugriff am
15.07.2012)

[5] Vgl. http://www.bmz.de/de/service/glossar/R/rio_ 2012.html (Zugriff am 15.07.2012)

[6] Vgl. http://zoibrina.wordpress.com/2011/02/20/ (Zugriff am 08.07.2012)

Details

Seiten
69
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656590811
ISBN (Buch)
9783656590804
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268867
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
2,4
Schlagworte
nachhaltigkeit einzelhandel eine untersuchung beispiel rewe group

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