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Tragödientheorie bei Aristoteles

Seminararbeit 2013 17 Seiten

Latein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Zielsetzung der Arbeit

2. Grundlegendes zu Aristoteles
2.1. Leben des Aristoteles
2.2. Einteilung der Wissenschaften und der Philosophie bei Aristoteles

3. Analyse der Tragödientheorie
3.1. Unterscheidung von Dichtungsgattungen
3.2. Definition und Bedeutung von Mimesis und Katharsis
3.3. Bestandteile der Tragödie und Besonderheiten der Handlung

4. Bedeutung und Verwendung der Tragödientheorie heute
4.1. Theorie der Mimesis und der Katharsis als bedeutende Grundlage des Theaters
4.2. Verwendung der „Drei Aristotelischen Einheiten“ im Regel- und Filmdrama
4.3. Peripetie und Anagnorisis als Gestaltungsformen klassischer Theaterstücke und Filmproduktionen

5. Zusammenfassung der gewonnenen Ergebnisse und Schlusszitat

6. Quellen-und Literaturverzeichnis

1. Einleitung – Zielsetzung der Arbeit

Theaterstück, Roman oder Kinofilm – viele Geschichten, die von Theaterregisseuren, Schriftstellern, Filmemachern und anderen Leuten erzählt werden, sind dem Genre der Tragödie zuzuordnen. Diese Form der Erzählung, deren Entstehung bis in die Antike zurückgeht, ist auch heutzutage noch von großer Bedeutung. Der griechische Philosoph Aristoteles analysierte und theoretisierte diese Gattung des Dramas und legte wichtige Grundbausteine für die spätere Entwicklung der Tragödie.

Zunächst gewährt diese Seminararbeit Einblicke in Leben und Werk des Aristoteles und seine Unterteilung der wissenschaftlichen Themengebiete. Hierzu wird häufig das Buch „Aristoteles“ von Otfried Höffe verwendet.

Die Untersuchung der Funktion und Wirkung der Tragödientheorie bei Aristoteles erfolgt mit besonderem Augenmerk auf sein WerkPoetik(altgriechischpoietike), das sich ausschließlich mit der Dichtkunst und deren Gattungen beschäftigt. Das Exemplar wurde übersetzt und herausgegeben von Manfred Fuhrmann. Das Buch ist allerdings nur ein Beitrag zur herstellenden Kunst und keine Kritik oder Theorie der Literatur.

„Insofern geht es primär nicht um […] Literaturkritik, auch nicht um eine allgemeingültige Literaturtheorie […] Vielmehr will Aristoteles seinen Zeitgenossen zeigen, wie man Literatur ´verfertigt´ (vgl. Poet. 1, 1447a8 ff.).“ (Höffe 1996, S. 70).

Da sich das Werk aber zum Großteil auf die Tragödie spezialisiert, wird im Folgenden allein diese Gattung näher betrachtet und analysiert. Deshalb wird nicht vonDramentheorie, sondern vonTragödientheoriegesprochen. Die von Aristoteles genannten Tragödien von Homer, Sophokles und anderen Dichtern werden nicht aufgeführt, da sie zu viele Hintergrundkenntnisse erfordern. Die oft kritisierte Form und der Aufbau des Werkes werden nicht angesprochen. Aristoteles wird nämlich vorgeworfen, er hätte seine Gedanken unvollständig, ungleichmäßig und in willkürlicher Reihenfolge ohne erkennbare Gliederung zu Papier gebracht. In dieser Arbeit geht es jedoch ausschließlich um inhaltliche Aspekte des Buches.

Die Frage, ob und inwieweit die Tragödientheorie des Aristoteles heutzutage überhaupt noch von Bedeutung ist und im künstlerischen Schaffen der Neuzeit Verwendung findet, soll in einem weiteren Teil der Arbeit behandelt werden.

2. Grundlegendes zu Aristoteles

2.1. Leben des Aristoteles

Aristoteles wird 384 v. Chr. in Stageira, einer kleinen Stadtrepublik im Nordosten Griechenlands als Sohn von Nikomachos, dem Leibarzt des makedonischen Königs, geboren. Nach dem Tod seines Vaters studiert er in Athen als Schüler Platons die Philosophie. Dessen Akademie ist internationaler Philosophen-Treffpunkt und somit eine Goldgrube für den jungen Aristoteles, der schon bald eigene philosophische Ansichten entwickelt und versucht, diese seinen Schülern mitzuteilen. Es heißt, er sei ein mit scharfem Witz begabter Redner. Zu Beginn seiner Karriere entstehen Werke der Naturphilosophie, Ethik, Politik und Rhetorik. Im Laufe der Jahre macht er sich nicht nur mit intellektuellen Themen vertraut, sondern interessiert sich ebenso für die Kunst. Er befasst sich intensiv mit Lyrik, Epik und Dramatik, den drei Gattungen der Literatur. Ob er zu dieser Zeit auch schon diePoetikverfasste, ist allerdings umstritten (vgl. Höffe, 1996, S. 13-17).

Nach Platons Tod 347 v. Chr. verlässt er Athen und zieht vorübergehend nach Asien und heiratet Pythias, die Tochter des Königs von Assos. Zehn Jahre später erzieht er auf Bitten des Königs Philipp den makedonischen Thronfolger Alexander den Großen. „Es ist eine einzigartige Situation, dass einer der größten Philosophen Verantwortung für einen der später bedeutendsten Staatsmänner übernimmt.“ (Höffe, 1996, S. 18). Bei seinem zweiten Aufenthalt in Athen unterrichtet er nun nicht mehr an der Akademie, sondern am öffentlichen Gymnasium Lykeion, wo er seine eigene Schule errichtet. Die Bibliothek, die Aristoteles dort anlegt, ist für die Nachwelt von unschätzbarem Wert. Neben seinem Amt als Lehrer verbringt er die Zeit damit, seine Werke zu überarbeiten (vgl. Höffe, 1996, S. 17-20).

323 v. Chr. verlässt er Athen, da er der Gotteslästerung angeklagt wird. Er flieht in die Heimatstadt seiner Mutter auf sein Landgut Chalkis in Euböa, stirbt jedoch ein Jahr später im Oktober 322 v. Chr. an einer nicht näher bekannten Krankheit.

Platon bezeichnet Aristoteles trotz unterschiedlicher politischer und philosophischer Ansichten als den „trefflichsten, weisesten und gerechtesten Mann[…] unter den damals Lebenden“ (Höffe, 1996, S. 21; zitiert nach: Platon, Phaidon, 118a). Heute zählt er neben Platon und Sokrates zum berühmtesten Philosophen der Antike (vgl. Höffe, 1996, S. 21).

„Es dürfte übrigens ein Glücksfall sein, dass zunächst Platon bei Sokrates, später Aristoteles bei Platon, dass also zweimal hintereinander ein überragender Philosoph bei einem überragenden Philosophen in die Lehre geht und sich an dessen wohlüberlegten Ansichten die eigenen Ansichten erarbeitet“ (Höffe 1996, S. 16).

2.2. Einteilung der Wissenschaften und der Philosophie bei Aristoteles

Die Wissenschaften und die Philosophie, mit denen sich Aristoteles beschäftigt, lassen sich nach Otfried Höffe in drei Bereiche untergliedern: das theoretische, das praktische und das poietische Wissen, wobei das Wissen einen Oberbegriff für Wissenschaft und Philosophie darstellt (vgl. Höffe, 1996, S. 32, 33). Grundsätzlich lassen sich die beiden Begriffe insofern unterscheiden, dass zwar in beiden Bereichen versucht wird, die Welt und die menschliche Existenz zu deuten und zu verstehen, die Wissenschaft sich jedoch im Gegensatz zur Philosophie auf Fakten stützt. Die Philosophie ist eher subjektiv und hat keinen universellen Gültigkeitsanspruch. Aristoteles kann jedoch für beide Ebenen bahnbrechende Leistungen erbringen.

Im Bereich der theoretischen Wissenschaft finden sich einerseits Theorien grundlegender Denkprinzipien, Theologie und Ontologie wieder. Diese Forschungen nennt er „Erste Philosophie“. Andererseits taucht er tiefer in das Themenfeld der Mathematik ein, das Aristoteles in die reine und die angewandte Mathematik aufteilt. Ein weiteres Themengebiet ist die Physik, welche allerdings nicht wie im heutigen Sinne als Erforschung von Naturphänomenen definiert wird, vielmehr thematisiert sie alles Vorhandensein in der bewegten Welt wie das Universum, die Lebewesen und die Götter. Dieser breit gefächerte Bereich behandelt zudem noch Kosmologie, Meteorologie und Psychologie. Diese Themen sind ausschließlich auf die ewigen und unveränderlichen Strukturen der Natur und der Erkenntnis gerichtet (vgl. Höffe, 1996, S. 33).

Zum praktischen Wissen gehören die Ethik und die Politik, wobei sich dieses nicht auf die Theorie beschränkt, sondern auch in der Praxis Anwendung finden soll. Es ist immerhin nicht selbstverständlich, dass diese Schriften „nicht Wissen, sondern Handeln bezwecken sollen“ (Höffe 1996, S. 191; zitiert nach: Aristoteles, Ethica Nicomachia I 1, 1095a5 f.). Aristoteles praktiziert seine Theorien hierbei allerdings nicht selbst. Seine Schriften stellen das Wissen lediglich in den Dienst der moralischen Praxis (vgl. Höffe, 1996, S. 34).

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Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656598251
ISBN (Buch)
9783656598244
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268839
Note
0,7
Schlagworte
tragödientheorie aristoteles

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Titel: Tragödientheorie bei Aristoteles