Lade Inhalt...

Oral History. Zur Problematik der Zeitzeugenbefragung im Geschichtsunterricht

Hausarbeit 2013 12 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Oral History und ihre Verwendung in der Geschichtswissenschaft

3. Oral History und ihre Verwendung im Geschichtsunterricht

4. Oral History- Chancen für die Geschichtswissenschaft
4.1. Oral History – Chancen für den Geschichtsunterricht
4.2. Oral History – Risiken für die Geschichtswissenschaft
4.3. Oral History – Risiken für den Geschichtsunterricht

5. Zeitzeugenbefragung als eine Methode des historischen Lernens – Praxisbeispiel

6. Resümee. Oral History – für oder gegen?

7. Literaturverzeichnis:

8. Erklärung

1. Einleitung.

„Oral History ist die Produktion und Bearbeitung mündlicher Quellen.“[1] Diese noch recht junge Methode des historischen Lernens nutzt die in einem Zeitzeugeninterview geschilderten Erinnerungen als historische Quellen. Ihren Ursprung hat sie in den USA und Großbritannien. In beiden Ländern wurde sie bereits in den 70er Jahren in der Sozialgeschichtsforschung genutzt.[2] Als Urheber der Oral History gilt der US-amerikanische Journalist und Historiker Allan Nevins.[3] Dieser führte in den 60er Jahren zahlreiche Interviews mit verschiedenen US-Politikern und wertete diese historiographisch aus.[4] Insofern diente die Oral History in den USA zunächst zur Befragung von Machtgruppen, um so Erkenntnisse über politische Entscheidungen zu gewinnen.[5] Über die Jahre wurde dann das Spektrum der gesellschaftlichen Gruppen, die in den USA interviewt wurden stark erweitert. Während der 1960er Jahren fand in den USA ein regelrechter Boom der Oral History statt, so wurden zum einen zahlreiche lokal-geschichtliche Projekte ins Leben gerufen, zum anderen gründete man die Oral History Association, die die richtige Anwendung der Oral History überwachen sollte. Einen richtigen „Schub“ erlebte die Oral History jedoch erst in den 1970er Jahren mit der Erfindung des Kassetten-Recorders.[6] Das Aufnahmegerät vereinfachte in vielfacher Hinsicht die Durchführung und Auswertung von Interviews. In der BRD konnte sich die Oral History erst in den 90er Jahren als eine allgemein anerkannte Methode des historischen Lernens, etablieren. Den entscheidenden Anstoß dazu gab das Forschungsprojekt von Lutz Niethammer und Detlev Peukert.[7] Dabei wurde die Befragung von politisch Verfolgten in der Zeit des Nationalsozialismus zum zentralen Thema der Oral History in der BRD.[8] Mittlerweile ist die Oral History ein lebendiges, interdisziplinäres und anerkanntes Forschungsfeld nicht nur der Geschichte sondern auch anderer Geisteswissenschaften. Im Rahmen historiographischer, sozialwissenschaftlicher sowie journalistischer Projekte werden heute etliche Erinnerungsinterviews durchgeführt. Da es zu der Alltags- und Mentalitätsgeschichte; vor allem der unteren Sozial- und Bildungsschichten, keine oder nur wenige Quellen gibt, nutzt man die Methode der Oral History vor allem dazu diese Quellendefizite auszugleichen.[9] In der Schule aber gehört die Methode leider immer noch nicht zum Standardrepertoire eines Geschichtsunterrichts.

Trotz ihres hohen didaktischen Wertes birgt die Oral History als ein methodisches Instrument vielerlei Probleme. Nicht umsonst wird sie von einigen ihrer Kritiker als „Feind des Historikers“ bezeichnet.

Die folgende Arbeit schildert wie die Methode der Oral History heute in der Geschichtswissenschaft, aber vor allem (wenn nicht allzu oft) im Geschichtsunterricht verwendet wird. Ein besonderes Augenmerk wird hier auf die Chancen und Risiken, die die Methode mit sich bringt, gelegt. Hier werden insbesondere die Vor- und Nachteile einer Zeitzeugenbefragung im Geschichtsunterricht dargestellt. Anschließend werden die Verwendungsmöglichkeiten der Zeitzeugenbefragung im Geschichtsunterricht an einem Praxisbeispiel aufgezeigt.[1]Abschließend werden die gesammelten Ergebnisse in einem Resümee zusammengefasst und im Hintergrund der Problematik die eine Zeitzeugenbefragung mit sich bringt kritisch bewertet.

Um mögliche Missverständnisse zu vermeiden muss vorweg darauf hingewiesen werden, dass es in der Geschichtswissenschaft zwei Formen der Oral History gibt. Zum einen gibt es das thematische Interview oder auch Zeitzeugenbefragung genannt, die darauf abzielt die Zeitzeugen zu einem bestimmten Sachverhalt ihres Lebens zu befragen.[10] Hierbei werden von den Interviewern ganz konkrete Fragen zu dem vorher bestimmten Lebensereignis gestellt.[11] Zum anderen gibt es das biographische Interview, das sich mit der kompletten Lebensgeschichte des befragten Zeitzeugen beschäftigt.[12] Hier stellt der Interviewer offene Fragen zu einem größeren Sachverhalt, so dass der Zeitzeuge frei über seine Vergangenheit sprechen kann.[13] Oft werden diese Zeitzeugen als „Profierzähler“ für Vorträge in Schulen, Museen, Gedenkstätten, etc. engagiert und erzählen dort über ihr Leben. Ich werde mich in dieser Arbeit mit der ersten Form der Oral History beschäftigen, nämlich der Zeitzeugenbefragung.

[...]


[1] Horst W., Heitzer: Oral History in: Waltraud Schreiber/Hans-Michael Körner: Erste Begegnungen mit Geschichte. Grundlagen historischen Lernens, 2. Auflage, Neurid 2004, S. 509-525, hier S. 460 ( i.F.z.a.: Heitzer: Oral History).

[2] Lothar, Steinbach: Interview (Oral History) in: Klaus Bergmann/Werner Boldt (Hgg.): Handbuch der Geschichtsdidaktik, Bd. 2, 1. Auflage, Düsseldorf 1979, S. 62-65, hier S. 62-63 ( i.F.z.a.: Steinbach: Interview).

[3] Julia, Obertreis: Oral History, Stuttgart 2012, S. 7 ( i.F.z.a.: Obertreis: Oral History).

[4] Obertreis: Oral History, S. 8.

[5] Obertreis: Oral History, S. 8.

[6] Ulrich, Herbert: Historisches Interview (Oral History) in: Klaus Bergmann/Werner Boldt (Hgg.): Handbuch der Geschichtsdidaktik, 4. Auflage, Seelze-Velber 1992, S. 439-441, hier S. 439.

[7] Obertreis: Oral History, S. 10.

[8] Dorothee, Wierling: Oral History in: Klaus Bergmann (Hrsg.) , Handbuch der Geschichtsdidaktik, 5. Auflage, Seelze-Velber 1997, S. S. 236-239, hier S. 236 ( i.F.z.a.: Wierling: Oral History).

[9] Steinbach: Interview, S. 62-63.

[10] Wierling: Oral History, S. 237.

[11] Wierling: Oral History, S. 237.

[12] Wierling: Oral History, S. 237.

[13] Wierling: Oral History, S. 237.

Details

Seiten
12
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656597636
ISBN (Buch)
9783656597704
Dateigröße
389 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268826
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte
Note
1,7
Schlagworte
oral history problematik zeitzeugenbefragung geschichtsunterricht

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Oral History. Zur Problematik der Zeitzeugenbefragung im Geschichtsunterricht