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Epiphänomenalismus. Pro und Kontra

Hausarbeit 2009 20 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung.

Epiphänomenalismus: Pro und Kontra

1. Das Leib-Seele-Problem

2. Ursprung und Begriff des Epiphänomenalismus

3. Argumente für den Epiphänomenalismus

4. Argumente gegen den Epiphänomenalismus

Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die subjektive Erfahrung unseres Daseins ist, dass unsere Wahrnehmungen, Überzeugungen und Absichten unser Verhalten beeinflussen können. Wie können aber geistige Ereignisse in die materielle Welt eingreifen und dort Veränderungen verursachen?

Die epiphänomenalistische Antwort auf diese Frage ist, dass unser Verhalten nicht von mentalen Ereignissen sondern von Gehirnprozessen gesteuert wird, wobei uns diese Prozesse zum Teil auch bewusst werden.

Ist die epiphänomenalistische Sicht plausibel? Welche Argumente sprechen für den Epiphänomenalismus? Sind die Argumente gegen den Epiphänomenalismus stichhaltig? Die Beantwortung dieser Fragen bildet den Kern dieser Arbeit.

Um eine bessere Einschätzung dieser Theorie zu ermöglichen, wird im Vorfeld dieser Analyse das Leib-Seele-Problem in der Philosophie kurz zusammengefasst und der Ursprung sowie der Begriff des Epiphänomenalismus dargestellt.

Epiphänomenalismus: Pro und Kontra

1. Das Leib-Seele-Problem

Das Rätseln um das Körperliche und Geistige in Uns ist wahrscheinlich so alt wie der Menschenverstand.

Den historischen Hintergrund des Leib-Seele-Problems1 bildet die auf die antike Philosophie zurückgehende Vorstellung einer zeitlich begrenzten Verbindung zwischen Seele und Leib. Platon trennt Körper und Seele, beide sind substantiell, wobei die unsterbliche Seele vom vergänglichen Körper wie in einem „Kerker“2 gefangen gehalten wird. Aristoteles dagegen hebt die Einheit von Leib und Seele hervor, so dass die Seele als „erste Entelechie eines organischen Körpers“ diesen bewegt und mit ihm vergeht3.

Beide Vorstellungen bestimmen wechselseitig die weitere Entwicklung des Leib-Seele-Problems in der neuzeitlichen Philosophie.

Innerhalb des Leib-Seele-Problems lassen sich ontologische, erkenntnistheoretische und kausalitätstheoretische Fragen stellen:

Ist das Psychische ein substanzielles Etwas oder ist es eine Eigenschaft des Physischen? Sind Psychisches und Physisches identisch? Können Körper und Bewusstsein unabhängig voneinander existieren? Wie ist das Verhältnis zwischen psychischen und physischen Ereignissen? Wie können wir Wissen über das Fremdpsychische haben? Wie ist die kausale Beziehung zwischen Körper und Geist?

Die Lösungsversuche dieser Fragen führen zu unterschiedlichen Positionen in der Philosophie.

Nach dem ontologischen Status des Physischen und Psychischem lassen sich zwei Theorien hervorheben: der Dualismus und der Monismus. Für den Dualismus sind Geist und Körper zwei verschiedene Seinskategorien, dagegen lässt der Monismus für die elementare Dualität vom Physischen und Psychischem keinen Raum.

Eine extreme Form des Dualismus ist der Substanzdualismus, vertreten von René Descartes (1596-1650). Sein Argument für den Substanzdualismus ist, dass Körper und Geist zu unterschiedliche Eigenschaften haben, um dieselbe Substanz zu sein. Körper und Geist sind zwei Arten von Substanzen: Eine denkende und unteilbare Substanz (res cogitans) und eine körperliche, ausgedehnte und teilbare Substanz (res extensa).4 Er nahm an, dass die Zirbeldrüse die zentrale Stelle im Gehirn ist, wo die Interaktionen zwischen res cogitans und res extensa stattfinden. Die kausalen Interaktionen zwischen Körper und Geist manifestieren sich in Seelenfunktionen. Alle seelischen Zustände außer den Willensakten hängen von körperlichen Vorgängen ab.

Eine weniger extreme Form von ontologischem Dualismus ist der Eigenschaftsdualismus, der keine eigenständigen Substanzen postuliert, sondern die Verschiedenheit von physischen und psychischen Eigenschaften behauptet. Die physische Substanz ist der Träger von psychischen Eigenschaften. Zu allen psychischen Ereignissen laufen physische Ereignisse parallel.

Karl Popper ((1902-1994) und John C. Eccles (1903-1997) gehen von einem Trialismus, einer Drei-Welten-Theorie, aus. Zwischen jeweils benachbarten Welten, der physikalischen Welt, der Welt des Bewusstseins und der Welt der Ideen, finden kausale Interaktionen statt. Eccles vertritt später die These eines anthropologischen Trialismus, wonach die dritte Ebene, das „self-conscious- mind“, das Bewusstsein über das Gehirn unbewusst steuert.5

Nach dem Aspekt der ontologischen Abhängigkeit des Psychischen hat in der Geschichte des Leib-Seele-Problems der Emergentismus eine wichtige Rolle gespielt. Für den Emergentismus hat das Physische ontologische Priorität. Das Psychische ist etwas Sekundäres, eine emergente Eigenschaft des Physischen. Die Existenz dieser bestimmten physischen Systeme, wie das Gehirn höherer Lebewesen, ist nicht nur eine notwendige, sondern auch eine hinreichende Bedingung für die Entstehung des Bewusstseins. Aufgrund bestimmter psychophysischen Gesetzmäßigkeiten entsteht das Bewusstsein zwangsläufig.6 Es gab einen bestimmten Zeitpunkt in der Entwicklung des Kosmos, zu dem aufgrund geeigneter Bedingungen innerhalb und außerhalb des Gehirns zum ersten Mal eine bewusste Erfahrung entstand.7 Einmal entstanden bedarf dieses Phänomen, diese neue Kategorie des Seienden, keines weiteren Kausalfaktors.

Emergentische Ansätze charakterisieren den Epiphänomenalismus, die modernen Formen der Identitätstheorie und den Interaktionismus.

Epiphänomenalismus und Interaktionismus unterscheiden sich im Wesentlichen in der kausaltheoretischen Auffassung. Strittig zwischen diesen beiden Theorien ist allein, ob psychische Ereignisse auf physische Ereignisse zurückwirken.

2. Ursprung und Begriff des Epiphänomenalismus

Die Hypothese, die Seele sei die Harmonie des Körpers, ist bereits in Platons Dialog „Phaidon“ von Simmias erläutert. Simmias bildet eine Analogie zwischen der Seele und dem Ton eines Saiteninstruments. Der Ton, der nur entstehen kann, wenn die Saiten geschlagen werden, ist etwas Unsichtbares und Unkörperliches. Wenn die Leier zerbricht oder die Saiten zerreißen, kann es auch keinen Ton mehr geben.8

Diese Theorie wird von Sokrates abgewiesen, aber dieser Dialog ist ein Indiz dafür, dass schon zu Platons Zeiten die Idee, die hinter dem Epiphänomenalismus steht, diskutiert wurde: Die Seele kann als eine Begleiterscheinung bestimmter physiologischer Prozessen verstanden werden, die selbst keine Wirkung hat.

Im 18. Jahrhundert, als eine Alternative zu Descartes‟ Substanzdualismus, entstand die Theorie des materialistischen Monismus. Julien Offray de La Mettrie (1709-1751) entwickelte in seinem Hauptwerk “L‟homme machine“ (1748) das Konzept eines auf mechanische Tätigkeiten reduzierten Menschen. Nach seiner Auffassung sind Bewusstseinsvorgänge rein physiologisch als Funktionen körperlicher Zustände zu erklären.

Als Begründer des Epiphänomenalismus gilt Thomas Huxley (1825-1895), englischer Naturforscher, Mediziner, Biologe und Philosoph, Anhänger der Ideen Darwins. In seinem Essay „On the Hypothesis that Animals Are Automata, and Its History“ (1874) kommt Huxley zu der Konklusion, dass wir „bewusste Automaten“9 sind. Seine Argumente sind10:

- Die moderne Physiologie hat Descartes„ Hypothesen über die Abhängigkeit des Bewusstseins von physischen Vorgängen bestätigt. Gedanken und Gefühle sind Folgen von physikalischen Ereignissen.11
- Bewusstseinsereignisse sind wie die Töne der Dampfpfeife einer Lokomotive, die vom physischen Mechanismus mitbetrieben wird, selbst aber keine Arbeit leistet.12 Der Wille ist das Zeichen des Gehirnzustands, der das Verhalten verursacht13.

[...]


1 Leib-Seele-Problem, Körper-Geist-Problem, Psycho-physisches-Problem und Gehirn-Bewusstsein- Problem bezeichnen den selben Problemkomplex

2 Phaidon, 82e.

3 [11], Bd.2 S.581

4 [7], S.205

5 [4]

6 [1], S.66-67

7 [3], S.7

8 Platon, Phaidon (85e): „daß nämlich die Harmonie etwas Unsichtbares und Unkörperliches und gar Schönes und Göttliches ist an der gestimmten Leier, die Leier selbst aber und die Saiten Körper sind und Körperliches und zusammengesetzt und irdisch und dem Sterblichen verwandt. Wenn nun einer die Leier zerbräche oder die Saiten zerschnitte oder zerrisse, so könnte einer mit derselben Rede wie du fest behaupten, jene Harmonie müsse notwendig noch dasein und nicht untergegangen.“

9 [8]:“We are conscious automata”, (244)

10 [4]

11 [8]:“Modern physiology, aided by pathology, easily demonstrates that the brain is the seat of all forms of consciousness, and fully bears out Descartes' explanation of the reference of those sensations in 206 the viscera which accompany intense emotion, to these organs. It proves, directly, that those states of consciousness which we call sensations are the immediate consequent of a change in the brain excited by the sensory nerves; and, on the well-known effects of injuries, of stimulants, and of narcotics, it bases the conclusion that thought and emotion are, in like manner, the consequents of physical antecedents.”, (205)

12 *8+:”The consciousness of brutes would appear to be related to the mechanism of their body simply as a collateral product of its working, and to be as completely without any power of modifying that working as the steam-whistle which accompanies the work of a locomotive engine is without influence upon its machinery.”, (240)

13 *8+:”the feeling we call volition is not the cause of a voluntary act, but the symbol of that state of the brain which is the immediate cause of that act”, (244)

Details

Seiten
20
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656589525
ISBN (Buch)
9783656589495
Dateigröße
827 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268722
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,3
Schlagworte
epiphänomenalismus kontra

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Titel: Epiphänomenalismus. Pro und Kontra