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Hans Jonas "Das Prinzip Verantwortung". Eine kritische Analyse

Hausarbeit 2010 19 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Hans Jonas‘ These

2. Die Macht der modernen Technologie

3. Die veränderte Natur des menschlichen Handelns

4. Die neue Ethik

5. Der neue Begriff der Verantwortung

6. Wer ist „wir“?

Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der deutsche Philosoph Hans Jonas (1903-1993) stellt fest, dass die traditionelle Ethik auf die neuen Verantwortungsprobleme seiner Zeit nicht vorbereitet ist. In seinem 1979 veröffentlichten Buch „Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation“ ist er auf der Suche nach einer neuen Zukunftsethik, die den Herausforderungen der modernen Technologie entsprechen. Als er 1987 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, sagte er in seiner Dankesrede: „Auch ich mußte mir die Frage vorlegen, womit denn mein Werk, obwohl es nicht ausdrücklich vom Frieden spricht, für diese Auszeichnung in Betracht kam. In der Erklärung seiner Wahl sagt der Stiftungsrat für den Friedenspreis »Frieden gründet auf Verantwortung«, damit eine Brücke schlagend zwischen dem Begriff des Friedens und dem vorherrschenden Thema meiner Altersschriften.“1

In dieser vorliegenden Arbeit wird Hans Jonas‘ Hauptwerk „Das Prinzip Verantwortung“ analysiert. Wegen des großen Umfangs der Begründungen habe ich mich entschieden, nur die wesentlichen Argumente der neuen Zukunftsverantwortungsethik zu extrahieren. Hierzu werden im Schwerpunkt die Kapitel „Das veränderte Wesen menschlichen Handelns“, „Grundlagen- und Methodenfragen“ und „Das Gute, das Sollen und das Sein: Theorie der Verantwortung“ herangezogen.

1. Hans Jonas‘ These

Hans Jonas behauptet, dass „mit gewissen Entwicklungen unserer Macht sich das Wesen menschlichen Handelns geändert hat; und da Ethik mit Handeln zu tun hat, [macht] die veränderte Natur menschlichen Handelns auch eine Änderung in der Ethik erforderlich […]“2 und sie zwingt „der Ethik eine neue, nie zuvor erträumte Dimension der Verantwortung“ auf.3

Schematisch kann Hans Jonas‘ Argument wie folgt dargestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im folgenden werde ich Hans Jonas‘ Argumentation in deren Grundzügen zusammenfassen.

2. Die Macht der modernen Technologie

Hans Jonas stellt fest, dass erst die Entdeckung des bereits angerichteten Schadens in der Natur durch die technologische Intervention des Menschen zu erkennen ließ, dass die Zerstörung des Lebensraums die Existenz der Menschen gefährden kann. Diese Erkenntnis führte zu dem Begriff und der beginnenden Wissenschaft der Umweltforschung.4 Aber nicht nur die Natur, sondern auch der Mensch geriet unter die Gegenstände der Technik: Lebensverlängerung, Verhaltenskontrolle und Genmanipulation sind neue Möglichkeiten und neue Gefahren für die zukünftige Zivilisation.5

Eine geschichtliche Momentaufnahme der Siebziger Jahre, worauf sich Hans Jonas‘ Ausgangsthese bezieht, lässt bestätigen, dass seine Furcht vor dem „endgültig entfesselten Prometheus“6 begründet war.

Die Siebziger Jahre7

Die Welt befand sich mitten im Kalten Krieg. Trotz kurzer Entspannungsphasen im Ost-West-Konflikt, wie die „neue Ostpolitik“8 und die Abschlusserklärung der KSZE9 über Abrüstung, wirtschaftliche und wissenschaftliche Zusammenarbeit sowie über Menschenrechte, herrschte gegenseitiges Misstrauen der Blöcke, das die Einhaltung der Abrüstungsvereinbarungen erschwerte. Die sowjetische Intervention 1979 in Afghanistan löste endgültig ein neues Wettrüsten aus. Die Angst vor einem dritten und letzten Weltkrieg sowie vor einer atomaren Vernichtung mobilisierte die Bürger in vielen westlichen Staaten zur Friedensbewegung. Die Kubakrise hatte bereits 1962 die Welt erstmalig an den Rand des atomaren Abgrunds geführt. Die Sorge, dass die Entscheidungsträger dieser neuen und enormen Macht ihrer Verantwortung nicht gewachsen sind und dass sie das Leben sowie den gesamten Lebensraum aufs Spiel setzen könnten, wuchs. Aus einer kleinen Gruppe Friedensaktivisten, die 1971 die Atomtests der USA verhindern wollten, entstand die Internationale Umweltorganisation „Greenpeace“, die die Welt durch spektakuläre und gewaltfreie Aktionen auf die ökologischen Gefahren der technologischen Macht aufmerksam machte.10

Auch in der Bundesrepublik wuchs das ökologische Bewusstsein der Bevölkerung. Die sozial-liberale Regierung integrierte zum ersten Mal den Umweltschutz in seiner Reformpolitik: Umweltschutzprogramm, erste Gesetze hierzu und die Errichtung des Umweltbundesamts in West-Berlin.11 Die ersten „grünen Listen“ entstanden und anschließend wurde die Partei der Grünen12 gegründet.

Auch in der Gentechnik war dem technologischen Fortschritt ein Durchbruch gelungen: Die Übertragung von DNS von einem Organismus in einen anderen und die gentechnische Herstellung eines menschlichen Hormons durch ein Bakterium. Das erstmalige Klonen eines menschlichen Gens gilt als Geburtsstunde der modernen Biotechnologie.13

Der kurze Exkurs in die Zeit der Entstehung des „Prinzip Verantwortung“ bekräftigt Jonas‘ Situationsanalyse, dass die Möglichkeiten der technologischen Macht bereits in eine Bedrohung umgeschlagen sei.14

[...]


1 [3], S. 1

2 [1], S. 15

3 [1], S. 26

4 [1], S. 26

5 [1], S. 47

6 [1], S. 7

7 [3], S 186-188

8 Zwischen 1970-1973 suchte die neue sozialdemokratisch dominierte Regierung der Bundesrepublik ein engeres Verhältnis zu den kommunistischen Staaten

9 Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, 1973-1975, Teilnehmer waren alle europäische Länder (außer Albanien), sowie USA und Canada

10 [8]

11 [7]

12 Januar 1980

13 [6]

14 [1], S. 7

Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656589570
ISBN (Buch)
9783656589556
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268721
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,7
Schlagworte
hans jonas prinzip verantwortung eine analyse

Autor

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