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Bildung beginnt mit der Geburt! Neueste Erkenntnisse aus der frühkindlichen Gehirnforschung

Seminararbeit 2004 19 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die frühkindliche Gehirnentwicklung
2.1 Anlage- Umwelt Debatte
2.2 Wie entwickelt sich unser Gehirn?
2.3 Was Babys bereits wissen

3 Der Tastsinn
3.1 Die Berührungsempfindlichkeit bei Säuglingen
3.2 Die Bedeutung der Berührungen

4 Die frühkindliche Motorik
4.1 Die Rolle der Gene & der Umwelt bei der motorischen Entwicklung
4.2 Die Rolle der Erziehung in der frühkindlichen Motorik

5 Schlußbetrachtung
5.1 (Selbst-)Bildung beginnt im Kopf
5.2 Der (Selbst-) Bildung gehört die Zukunft

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Der Mensch ist, was er als Mensch sein soll, erst durch Bildung.“[1]

Doch welche Bedeutung hat der Begriff Bildung überhaupt in unserem postmodernen Leben, wo fängt Bildung an, wo hört sie auf und welche Konsequenzen müssen wir daraus für unser Miteinander ziehen?

Gerade nach der PISA- Studie werden die Stimmen lauter, die eine neue Definition des Begriffs Bildung fordern und nach praktischen Möglichkeiten suchen, Bildung wieder als höchstes Kulturgut zu etablieren.

Es soll nicht mehr darum gehen den Kindern und Jugendlichen in Kindergarten und Schule Wissen zu vermitteln und weit ab von ihren Bedürfnissen Konzepte durchzuziehen, sondern darum, ihnen die Möglichkeit zu geben Erfahrungen auf eigener Grundlage zu machen und so sich ihre Wahrnehmungswelt selbst zu bilden, denn gerade frühkindliche Bildung ist immer Selbst- Bildung.

Durch (neue) Erkenntnisse aus der Kognitionswissenschaft wissen wir, dass Bildung auch ein Begriff ist, der in der frühkindlichen Entwicklung eine übergeordnet wichtige Rolle spielt und demnach der Debatte um eine effiziente Bildungsreform eine erweiterte Plattform verschafft.

Im Rahmen dieser Hausarbeit, die auf der Grundlage des Seminars von Prof. Dr. Schäfer Kinder zwischen 0 und 6- Theorien frühkindlicher Bildungsprozesse basiert, soll es darum gehen, den Begriff der frühkindlichen (Selbst-) Bildung verstärkt heraus zu arbeiten und darzulegen, warum frühkindliche Bildung auch immer Selbst- Bildung ist und sein muß und welche Konsequenzen sich daraus ableiten.

Diese Auseinandersetzung erfolgt auf der Grundlage des Buches „Was geht da drinnen vor?- Die Gehirnentwicklung in den ersten fünf Lebensjahren“ von Lise Eliot[2], sowie als ergänzende Literatur das Buch „ Forschergeist in Windeln- Wie Ihr Kind die Welt begreift“ von Alison Gopnik,

Patricia Kuhl und Andrew Meltzoff.[3]

Die Hausarbeit ist so konzipiert, dass erst grundlegende Gedanken und Erkenntnisse der neueren Säuglings- und Kleinkinderforschung und der Kognitionswissenschaft formuliert und herausgearbeitet werden.

Das Ende dieser Hausarbeit markiert die Überprüfung der Erkenntnisse in Auseinandersetzung mit der Fragestellung nach der frühkindlichen Selbst- Bildung.

2 Die frühkindliche Gehirnentwicklung

Wann immer man Kinder beobachtet, stellt man fest mit welcher erstaunlichen Leichtigkeit und Präzision sie es schaffen sich ihre eigene Welt zu konstruieren und sich darin zu entwickeln.

Scheinbar mühelos bewegen sie sich durch ihre Welt und versuchen mit einem unverhohlenem Optimismus und Kreativität Probleme zu lösen und Erfahrungen zu sammeln.

Doch woher stammt dieses eingesetzte Wissen, welches Kinder befähigt sich die Welt zu erschließen und warum wird ein Kind zu dem was es ist oder sein wird?

2.1 Anlage- Umwelt Debatte

Diese Frage ist so alt wie die Menschheit selbst und noch heute streiten sich Experten und Wissenschaftler darüber, ob der Mensch ein genetisch- determiniertes oder vom Milieu abgerichtetes Wesen ist.

Wenn ein Kind geboren wird, fragen sich die Eltern, was sie ihrem Kind mit auf den Weg geben können oder bereits schon gegeben haben. Sie überlegen sich, welche ethischen Grundprinzipien sie ihrem Kind mitgeben wollen, ob zukünftige Begabungen und Schwächen angeboren oder erlernt werden und wie die bestmögliche Förderung aussieht ect. Die zwei wissenschaftlichen Fronten splitten sich auf in die Umwelt- Theoretiker und in die Anlage- Theoretiker. Beiden ist nur gemein, dass sie mit der gleichen Vehemenz ihre Theorie vertreten. Eine Annäherung zwischen den beiden Theorien scheint kaum möglich, obwohl es natürlich eine gemäßigte Theorie gibt, wie sie zum Beispiel auch Lise Eliot vertritt.

Im folgendem Abschnitt sollen noch einmal die Richtungen aufgeführt werden, da diese in der Diskussion um frühkindliche Entwicklung eine wichtige Rolle spielen.

Die Umwelt- Theoretiker berufen sich auf verschiedenste Untersuchungen, in welchen deutlich wurde, wie stark Menschen von ihrer Umwelt abhängig sind.

Die bekannteste Untersuchung lieferte der Psychiater René Spitz in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts, in der er zwei Gruppen von Kleinkindern beobachtete.

Die eine Gruppe der Kinder wuchs in einem Waisenhaus auf, in welchem sie zwar ausreichend ernährt wurden, aber eine Pflegerin sich um mehrere Kinder gleichzeitig kümmern mußte und die Babys außer für die Mahlzeiten isoliert in ihren Bettchen lagen und keinerlei emotionale Zuwendung bekamen.

Die andere Gruppe waren Babys von inhaftierten Frauen und lebten in dem angegliederten Waisenhaus neben dem Gefängnis. Sie wurde von ihren Müttern gepflegt und gefüttert. Auch wenn es sich um eine begrenzte Anzahl von Stunden am Tag handelte, so entwickelten sich diese Kinder normal, im Gegensatz zu der anderen Gruppe von Babys, die völlig reizarm und vor allem ohne emotional- körperliche Zuwendung vor sich hin vegetierten. Manche starben vor ihrem zweiten Lebensjahr, andere waren in ihrer Entwicklung stark zurückgeblieben.

Aufgrund solcher und ähnlichen Untersuchungen und Beobachtungen läßt sich die Bedeutung der Umwelt nicht weg diskutieren, allerdings zeigen sich auch die Grenzen dieser Theorie, die Schlußfolgerung kann nämlich nicht sein, dass ein Mensch nur einzig und allein durch seine Sozialisation zum Mensch wird.

Die Anlage- Theoretiker gehen dagegen davon aus, dass die Entwicklung eines jeden Menschen durch seine Gene vorprogrammiert ist und der Mensch sich nur innerhalb seiner genetischen Möglichkeiten entwickeln kann. Unsere heutige Zeit setzt auf den perfekten Menschen, den man genetisch planen kann, samt sämtlichen Eigenschaften, wie Aussehen, Intelligenz und natürlich die Garantie: ohne Erbkrankheiten vorbelastet.

Eine gemäßigtere und sehr aktuelle Position, die sich auf die neueren gehirnpysiologischen Erkenntnisse beruft, geht davon aus, dass unser komplettes Bewußtsein von unserem Gehirn gesteuert wird und das somit unser Gehirn ein enormes Spektrum an Flexibilität und Sensibilität besitzt. Auch Lise Eliot schließt sich, gerade als Biologin, dieser Meinung an und sagt: „Von der ersten Zellteilung an ist die Entwicklung des Gehirns ein heikles Wechselspiel zwischen Genen und Umwelt, und nur, wenn wir jede einzelne dieser subtilen Wechselwirkungen erkennen, können wir bei jeder faszinierenden Facette des Bewußtseins ermessen, in welchem Ausmaß wir durch Erbanlagen und Umwelteinflüsse zu dem geworden sind, was wir sind.“[4]

Das bedeutet also, dass unsere Entwicklung sowohl durch Umwelt- und Anlageeinflüsse beeinflußt wird und dass dies alles über eine einzige Schaltzentrale gesteuert und verarbeitet wird: dem Gehirn.

2.2 Wie entwickelt sich unser Gehirn?

Bevor man durch verbesserte Technik zu den heutigen gehirnpysiologischen Erkenntnissen kam, ging man davon aus, dass unser Gehirn sich nach einem festen Zeitplan entwickelt und relativ unabhängig von äußeren Einflüssen ist.

Heute weiß man, dass dies eine grundsätzlich falsche Annahme ist: unser Gehirn reagiert auf alle Einflüsse und ist demnach im höchsten Maße erfahrungsabhängig, kann immer wieder neue Verknüpfungen erstellen und unterliegt einer nie vollständig abgeschlossene Entwicklung.

Dadurch, dass wir also an der Entwicklung unseres Gehirnes mitbeteiligt sind, ist jedes Gehirn auf seine Art und Weise einzigartig und definiert uns als Individuen.

In Versuchen mit Ratten zeigte sich dies schon vor 30 Jahren: Laborratten, die in einer weniger reizarmen Umgebung aufwuchsen- mit anderen Ratten und Laufrädern-

entwickelten bereits nach zwei Wochen größere Gehirnbereiche, als bei Laborratten, die alleine in einem leeren Käfig aufwuchsen.[5]

Das Gehirn eines Erwachsenen hat circa 100 Milliarden Nervenzellen, auch Neuronen genannt. Das Gehirn eines Babys enthält bereits die meisten Neuronen, was sich auch bis ins hohe Alter nicht wesentlich verändert.

Trotzdem wiegt das Gehirn eines Baby ungefähr ein Viertel von dem eines Erwachsenen. Was sich verändert und wächst, sind die Neuronen und die Vernetzung zwischen den Zellen. Die Vernetzung geschieht dadurch, dass sich Gehirnzellen durch elektrische Signale zusammenschalten und damit dauerhafte Verbindungen einrichten. Die Gehirnzelle bildet Fortsätze aus, die zum einen Informationen senden- Axone genannt- oder der Zelle Informationen zuführen- sogenannte Dendriten. Das Axon einer Zelle, wird mit einen Dendrit einer anderen Zelle verbunden, dies nennt man Synapse.

Das Gehirn eines Kindes ist im Vergleich zu dem Gehirn eines Erwachsenen doppelt so aktiv, erst wenn das Kind neun oder zehn Jahre alt ist nimmt die Aktivität langsam ab und mit 18 ist die Aktivität auf dem Level eines Gehirns von einem Erwachsenen.

[...]


[1] Georg Wilhelm Friedrich Hegel, aus: Zitate und Aussprüche; Mannheim (Dudenverlag)

[2] Eliot, Lise: Was geht da drinnen vor?- Die Gehirnentwicklung in den ersten fünf Lebensjahren;Berlin (Berlin Verlag) 2001

[3] Gopnik,Kuhl,Meltzoff:Forschergeist in Windeln- Wie Ihr Kind die Welt begreift;München (Piper Verlag) 2003

[4] Eliot, Lise: Was geht da drinnen vor?- Die Gehirnentwicklung in den ersten fünf Lebensjahren;Berlin (Berlin Verlag) 2001;S.13

[5] Vgl : Gopnik,Kuhl,Meltzoff: Forschergeist in Windeln- Wie Ihr Kind die Welt begreift;München ( Piper Verlag) 2003; Seite 215

Details

Seiten
19
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638290739
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v26863
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – EZW
Note
1
Schlagworte
Bildung Geburt Neueste Erkenntnisse Gehirnforschung Seminar

Autor

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