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Medienkunst in Osteuropa

von Marlene Mertsch (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 17 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Osteuropa im Wandel
2.1 Osteuropäische Medienkunst vor und nach der Wende
2.2 Vernetzte Medienkunst und Annäherungsversuche zwischen Ost- und Westeuropa
2.3 Das vereinte Europa und die Frage der eigenen Identität nach der Wende

3. Fazit

Anhang: Literaturverzeichnis

Medienkunst in Osteuropa

1. Einleitung

„Seit den frühen 60er Jahren haben- mit dem Aufkommen neuer Medien und Technologien- zunehmend eben diese Medien und Technologien Eingang in die Kunst gefunden. Es entstand in der Kunst ein Zweig, der in Ermangelung eines besseren Begriffs als ‚Medienkunst‘ bezeichnet wurde und dem Namen wie Nam June Paik, Bruce Naumann und Bill Viola zugerechnet werden. Obwohl bislang noch keine zusammenhängende Darstellung der ‚Geschichte der Medienkunst‘ veröffentlicht wurde, kann man doch sagen, dass die Entwicklung dieser Kunstrichtung in Einzeldarstellungen sehr gut dokumentiert ist. Das gilt zumindest für den Westen.“1

Die Verfasserin dieses Zitats, Inke Arns, erläutert in ihrem letzten Satz exakt welcher Problemstellung ich mich in meiner Hausarbeit annehmen möchte. Die westliche Zivilisation ist spätestens seit der Fluxusbewegung in den frühen 60er Jahren mit dem Begriff Medienkunst vertraut. Der Gründer der Gruppe, George Maciunas und weitere Mitglieder wie Joseph Beuys, Yoko Ono oder John Cage, werden heutzutage sofort mit Medienkunst in Verbindung gebracht. Wie Inke Arns vorrangegangen in ihrem Zitat schreibt, liegt uns zwar noch keine chronologisch geordnete Reihenfolge der Geschichte der Medienkunst vor, doch ist sie sehr gut dokumentiert.

Ich möchte mich in dieser Hausarbeit nicht der westlichen Medienkunst zuwenden, sondern einen Blick auf die Medienkunst aus Osteuropa werfen. Gibt es Medienkunst in Osteuropa? Wenn es sie gibt, seit wann gibt es sie? Welche Rolle spielt dabei die Öffnung des Eisernen Vorhangs Ende der 80er Jahre? Gibt es Unterschiede zwischen der Medienkunst vor und nach der Wende? Gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern in Osteuropa oder ist es ein großer Block der die gleichen Meinungen und Interessen verfolgt? Welche Unterschiede bestehen zur westlichen Medienkunst und gibt es heute, knapp 25 Jahre nach der Zusammenführung von Ost- und Westeuropa, Annäherungsversuche der Medienkunstszenen oder Punkte und Anreize, die von der jeweils anderen Szene beeinflusst werden? Ich bin interessiert an den Themen, die die Medienkünstler in Osteuropa bewegt und wie sie ihr Medium gezielt einsetzen um ihre Meinung kund zu geben.

Zuerst versuche ich einen groben Überblick über die Geschichte der Medien und der Medienkunst in Osteuropa zu geben und eine Struktur oder eine Art Netzwerk zu erstellen um herauszufinden welche Beziehung die osteuropäischen Staaten zu Medien

haben und welche Rolle die Medien in diesen Ländern spielen. Daraufhin möchte ich verschiedene Beweggründe, Prozesse und Themen, anhand von Künstlern und Texten, erläutern, die Medienkünstler in Osteuropa vor der Wende und nach der Wende beschäftigt haben oder immer noch beschäftigen. Als dritten Punkt sind verschiedene Beispiele vorgesehen, die als Annäherungsversuche des Westens an die osteuropäische Medienkunst gesehen werden können aber auch als Translokale Allianzen innerhalb des osteuropäischen Bereiches. Als weiteren Punkt beschäftige ich mich mit der Problematik der osteuropäischen Medienkunst die Kunstwerke zu Archivieren und mit dem Problem der Kommunikation der einzelnen Länder in der Ostregion untereinander. Daraufhin möchte ich zwei osteuropäische Künstlerinnen vorstellen, die mir bei meiner Recherche besonders in Bezug auf Ost- und Westeuropa aufgefallen sind. Anschließend möchte ich mit meinem Fazit eine abrundende Rekapitulation der Hausarbeit abgeben und einen Blick auf die zukünftige Situation der osteuropäischen Medienkunst werfen.

2. Osteuropa im Wandel

Hört man als Westeuropäer das Wort Osteuropa hat man automatisch einen großen zusammenhängenden Bereich vor Augen- den Ostblock. Es ist einem nicht immer sofort bewusst, dass der geographische Bereich Osteuropas schon vor der Wende aus mehreren Staaten bestand, wie zum Beispiel der Sowjetunion, Polen, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, der Tschechoslowakei und der damaligen Deutschen Demokratischen Republik. Zudem bestehen regionale Aufteilungen wie zum Beispiel die Donauländer, Balkan oder die Alpen-Adria-Region und viele mehr. Nach der Wende besteht der, für uns im Kopf festgesetzte, Ostblock aus weit über zwanzig eigenständigen Staaten, dessen Geschichte sich teilweise oder völlig von ihren Nachbarstaaten abgrenzt. Der Überbegriff Osteuropa scheint daher völlig unangebracht und überflüssig, da er in den Köpfen der meisten ein vollkommen falsches Bild dieser Region aufwirft. Angefangen bei den unterschiedlichen, religiösen Hintergründen: Katholische, evangelische, russisch-orthodoxe und islamische Traditionen leben nebeneinander. Dazu kommt, dass die Sowjetunion an sich schon ein Vielvölkerstaat ist. Auch die historischen Ereignisse der einzelnen Regionen und Staaten unterscheiden sich gravierend. Während sich im 19. Jahrhundert in einigen Ländern wie Polen oder Ungarn eine Revolution abgespielt hat, gibt es solche Länder wie Rumänien oder die Tschechoslowakei wo keine stattfand. Politisch differenziert sich das Ganze auch dadurch auf welcher Seite die einzelnen Länder im 2. Weltkrieg standen. Entweder waren sie auf der Seite des nationalsozialistischen Deutschlands, wie zum Beispiel ab 1940 Ungarn, die Slowakei,

Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien und Kroatien, oder sie verbündeten sich mit der antifaschistischen Koalition wie Polen, die Tschechoslowakei und natürlich die Sowjetunion. Auch die Revolutionen der Länder, die dann Ende der 80er zur Wende führten, waren vollkommen unterschiedlich. Spricht man in der DDR von einer friedlichen Revolution, bei der nicht ein Schuss gefallen ist und die Menschen mit Kerzen ihren Portest zum Ausdruck brachten, kann man in Rumänien nur von einem blutigen Niedergang des Regimes sprechen. Dazu kommt nach der Wende die Weiterentwicklung der Länder zu eigenständigen, unabhängigen Staaten. Polen, zum Beispiel, wurde nach der Wende zu einer demokratischen Republik, dessen Entwicklungsprozess schon 1980 bei den Aufständen der Arbeiter der Rederei in Danzig unter dem Begriff Solidarność begonnen hatte. In Bulgarien hingegen gab es bis Ende der 80er Jahre kaum Aufstände oder Demonstrationen gegen das Regime und die kommunistische Partei regierte bis spät in die 90er Jahre mit Hilfe von Koalitionen die neu gegründete demokratische Republik in Bulgarien. Auch die wirtschaftlichen und ökonomischen Stärken der Länder, die Rolle der Öffentlichkeit und der öffentlichen Medien unterscheiden sich erheblich.2 Aber wie kann man diese Region zusammenfassen wenn es doch so viele Unterschiede gibt und ein Zusammenbringen fast unmöglich und auch nicht angebracht erscheint? Und warum dann überhaupt diese Hausarbeit wenn es so etwas wie die allgemeine osteuropäische Medienkunst gar nicht gibt?

Eine Verbindung zwischen diesen Staaten ist eindeutig und offensichtlich: Die Abgrenzung bis Ende der 80er Jahre hin zum Westen. Der Kalte Krieg schnürte jede Kommunikationsmöglichkeit nach Außen ab. Diese Barriere war ab Anfang der 90er Jahre nicht mehr vorhanden. Vor dieser Zeit war ein weiteres Spezifikum dieser Region, dass die wenigen Staaten diktatorisch Geführt wurden. Das Wort „Verboten“ schwebte über allem und betraf wie so oft in der Geschichte natürlich besonders Künstler die avantgardistische, alternative Untergrundkunst machten. Nicht direkt die Kunst selbst oder die politische, regimefeindliche Botschaft der Kunst war verboten, es war mehr im Allgemeinen der „freie Geist“, der sich über den gesamten Ostblock erstreckte, der verboten war.3 Die Medien spielten in diesen diktatorischen Überwachungsstaaten eine wichtige Rolle für die Ost-West-Kommunikation aber auch der Verbindung zwischen Ost- Ost. Wurden die Medien von staatlicher Seite für Propagandazwecke genutzt, ermöglichten der Fernseher oder das Radio aber auch eine gewisse Transparenz hin zum Westen oder zu den osteuropäischen Nachbarländern. 80% aller Ostdeutschen konnten Westfernsehen empfangen und auch polnisches und tschechisches Fernsehen.

[...]


1 Arns, Inke (1996): S. 36 3

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656598114
ISBN (Buch)
9783656693765
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268582
Institution / Hochschule
Hochschule für Bildende Künste Braunschweig – Institut für Medienforschung
Note
2,0
Schlagworte
medienkunst osteuropa vernetzte medienkunst

Autor

  • Marlene Mertsch (Autor)

    7 Titel veröffentlicht

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Titel: Medienkunst in Osteuropa