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Lehrplan Sport Sekundarstufe I in Rheinland-Pfalz

Hausarbeit 2010 23 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Der Lehrplan als staatliche Richtlinie für die Arbeit der Lehrkraft

2 Das Lehrplankonzept Sport Sekundarstufe I in Rheinland-Pfalz
2.1 Didaktisches Konzept und Handlungskompetenz
2.2 Zeitansätze und Anforderungsniveaus als Vorgaben zur Unterrichtsplanung
2.3 Ausgewählte Inhalte des Sportunterrichts: Gerätturnen

3 Die Handreichung zum Lehrplan Sport Sekundarstufe I in Rheinland-Pfalz

4 Lehrplan und Unterrichtspraxis

LITERATUR

1 Der Lehrplan als staatliche Richtlinie für die Arbeit der Lehrkraft

Lehrpläne sind verbindliche amtliche Vorgaben bzw. Anleitungen für Lehrende über Ziele, Inhalte, Methoden, Stoffanordnung und –umfang des Unterrichts.[1] Damit dokumentieren sie die Übernahme von Verantwortung des Staates im Bildungssystem. Neben der Politik beeinflussen auch Fachverbände, Eltern, Erziehungswissenschaften und die Gesellschaft die Konzeption der Lehrpläne, weshalb von einem „gesellschaftlich determinierten Steuerungsinstrument schulischen Handelns“ gesprochen werden kann. Aufgrund der föderalistischen Struktur der Bundesrepublik Deutschland, bei der Bildung Aufgabe der Länder ist, besitzt jedes Bundesland seinen individuellen Lehrplan, dessen offizielle Bezeichnung in diesem Zusammenhang ebenfalls variiert. Während neben Rheinland-Pfalz sieben weitere Bundesländer die Bezeichnung „Lehrplan“ bevorzugen, spricht man in Sachsen-Anhalt beispielsweise von „Rahmenrichtlinien“ und in Baden-Württemberg und Bremen von „Bildungsplänen“. Darüber hinaus existieren auch Bezeichnungen wie Rahmenplan und Rahmenlehrplan. Da die vorliegende Arbeit an einer Hochschule des Bundeslandes Rheinland-Pfalz angefertigt wird, soll sich im Folgenden der Begriff „Lehrplan“ durchsetzen. Erlassen werden Lehrpläne von den jeweiligen Kultusministerien, in Rheinland-Pfalz durch das „Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung“ in Mainz. Die Lehrpläne werden schulformübergreifend für die einzelnen Schulfächer herausgegeben und beziehen sich in der Regel auf bestimmte Schulstufen. Somit ergibt sich beispielsweise ein Lehrplan für den Sportunterricht in der Sekundarstufe I in Rheinland-Pfalz, welcher für die Klassen 5-9/10 an Haupt-, Realschulen, Gymnasien, Regionalen Schulen und Gesamtschulen Gültigkeit besitzt. Jede Schule ist aufgefordert, die verbindlichen Mindestvorgaben des jeweils gültigen Lehrplans durch sog. „Stoffverteilungspläne“ schulspezifisch an die örtlichen Voraussetzungen (Lehrpersonal, Räumlichkeiten, Ausstattung etc.) anzupassen.[2] Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über das Konzept des Lehrplans Sport Sekundarstufe I in Rheinland-Pfalz gewähren, unter Berücksichtigung der zugehörenden Handreichung und praktischen Erfahrungen von Lehrkräften.

2 Das Lehrplankonzept Sport Sekundarstufe I in Rheinland-Pfalz

2.1 Didaktisches Konzept und Handlungskompetenz

Die aktuelle Ausgabe des Lehrplans Sport aus dem Jahr 1998 ist inhaltlich wie folgt aufgebaut:[3]

Zuerst wird der „Beitrag des Faches Sport zu einer umfassenden Handlungskompetenz“, d.h. Aufgaben und Ziele des Sportunterrichts, zu vermittelnde Kompetenzen, sowie Inhalte mit denen dies erreicht werden soll, näher beleuchtet. Im nächsten Schritt werden Hinweise zur Umsetzung des Lehrplans erteilt, u.a. im Hinblick auf Benotung, Koedukation, Sicherheit und Gesundheit der Schüler.[4] Die konkreten Inhalte des Sportunterrichts in Sekundarstufe I in Form von verbindlichen, schulformübergreifenden Inhalten werden im nächsten Punkt vorgestellt. Anschließend wird der Schulsport im außerschulischen Kontext, sowie im fachübergreifenden bzw. fächerverbindenden Lernen thematisiert. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird nicht auf jeden einzelnen dieser Inhalte detailliert eingegangen, vielmehr werden ausgewählte Inhalte schwerpunktmäßig behandelt.

Das Lehrplangesamtkonzept versucht neben grundlegenden Erfahrungen auch aktuelle Entwicklungen in der Gesellschaft zu berücksichtigen.[5] Insbesondere junge Generationen sind bspw. durch instabile Familienverhältnisse und/oder Massenkonsum elektronischer Medien von einem zunehmenden sozialen Wandel betroffen, was die Aufgabe schulischer Bildung untermauert, Schüler „zur Bewältigung von Lebenssituationen im Spannungsfeld von Selbstbestimmung und sozialer Verantwortung zu befähigen“[6]. Dazu ist eine umfassende Handlungskompetenz erforderlich, die die Bereiche der Sach-, Methoden- und Sozialkompetenz umfasst. Im Rahmen der Sachkompetenz sollen Schüler „in die Lage versetzt werden, sportrelevante Fähigkeiten und Fertigkeiten sach- und situationsgerecht anzuwenden“[7]. Hierbei werden Motorik und Fachwissen kombiniert. Der Bereich der Methodenkompetenz soll Schüler ermöglichen, Sport sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule selbständig zu betreiben, während die Qualifikationen in dem Bereich Sozialkompetenz es den Schülern ermöglichen, sportliche Aktivitäten unter den Prämissen Kooperation und Fairness auszuüben.[8]

Inhalte und Gestaltung des Sportunterrichts orientieren sich am sportdidaktischen Konzept der Handlungsfähigkeit, als dessen Hauptvertreter Dietrich Kurz gilt.[9] Die Leitidee dieses Konzepts besteht in der „Erziehung zum Sport und durch Sport“. Sportliche Aktivitäten allgemein sollen für die Schüler reizbar gemacht werden. Auf der Inhaltsebene geht es um Sport im weiten Sinne, d.h. sie unterstreicht explizit die Offenheit für neue Eindrücke bzw. Einflüsse. Das Konzept der Handlungsfähigkeit beinhaltet darüber hinaus einen mehrperspektivischen Vermittlungsansatz, d.h. der Zugang zum Sport soll über verschiedene Sinnperspektiven erfolgen, die bei der Unterrichtsvorbereitung durch Lehrpersonen (zumindest teilweise) zu berücksichtigen sind.[10] Diese Perspektiven werden auch als sportpädagogische Perspektiven bezeichnet und lauten wie folgt:

- Leistung (Wettkampf)
- Spannung (Risiko, Abenteuer)
- Eindruck (Körpererfahrung)
- Gesundheit (Fitness, Wohlbefinden)
- Ausdruck (Gestaltung, Darstellung)
- Miteinander (soziale Umwelt).

Die einzelnen Sinnperspektiven können sportartenspezifisch miteinander kombiniert werden, sind jedoch i.d.R. nicht zeitgleich realisierbar, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg vollständig abzudecken.[11]

Die Inhalte des Sportunterrichts werden in 3 Bereiche (A, B, C) unterteilt.[12] Bereich A wird von den traditionellen Individualsportarten Gerätturnen, Gymnastik/Tanz, Leichtathletik und Schwimmen gebildet, während Bereich B sowohl aus traditionellen als auch „weiteren“ Spielsportarten besteht. Die traditionellen Sportarten gelten als „bildungsrelevantes Kulturgut für den Sportunterricht“[13] und haben ihre Eignung für den Unterricht im Schulsport in der Vergangenheit bereits unter Beweis gestellt. Die Ausstattungen der Sportstätten an den Schulen sowie die Ausbildung der Lehrkräfte sind auf diese Inhalte abgestimmt, was ebenfalls für eine Weiterführung dieser Sportarten spricht.[14] Das Feld der „weiteren“ Spielsportarten umfasst die Disziplinen Badminton, Hockey, Tennis und Tischtennis, welche im Gegensatz zur traditionellen Kerngruppe (Basketball, Fußball, Handball, Volleyball) als Ergänzungsgruppe beschrieben wird. Die Intention neuer, nicht-traditioneller Angebote zielt darauf ab, die Schüler mit abwechslungsreichen Bewegungsaufgaben, wie bspw. auch Trendsportarten zu konfrontieren. Ein weiteres wichtiges Feld im Hinblick auf neue Erfahrungen im Schulsport stellt Bereich C dar. Der sog. „Sportunterricht im pädagogischen Freiraum“ ist inhaltlich völlig offen und ermöglicht es der Lehrkraft, im Unterricht einen erweiterten Sportbegriff zu bearbeiten, kreativ zu sein hinsichtlich didaktischer und methodischer Gestaltung und nicht zuletzt auch Schülerideen zu berücksichtigen.[15] Eine besondere Bedeutung kommt im Sportunterricht der „Förderung allgemeiner motorischer Grundlagen“[16] zu, welche als Voraussetzungen zur aktiven Teilnahme am Sportgeschehen gelten. Die nachfolgende Abbildung zeigt den Zusammenhang zwischen den Inhalten des Sportunterrichts und den diesen flankierenden pädagogischen Perspektiven:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Beziehungen zwischen den Inhalten des Sportunterrichts und

den pädagogischen Perspektiven

(Quelle: MfBWW 1998, S. 10)

[...]


[1]Diese sowie die nachfolgenden Informationen entnommen aus einem Expertengespräch mit Dr. Hendrik Förster, Lehrbeauftragter für Geographie-Didaktik an der Johannes Gutenberg - Universität Mainz am 11.05.2010.

[2] Vgl. dazu PZ 2001, S. 5.

[3] Vgl. dazu und im Folgenden MfBWW 1998, S. 4-5.

[4]Hier wird der Übersichtlichkeit halber nur die männliche Form „Schüler“ verwendet. Falls nicht anderweitig ausgewiesen umfasst diese immer auch die weibliche Form.

[5] Vgl. dazu und im Folgenden MfBWW 1998, S. 6.

[6] MfBWW 1998, S. 6.

[7] MfBWW 1998, S. 7.

[8] Vgl. dazu MfBWW 1998, S. 8.

[9] Vgl. dazu und im Folgenden MfBWW 1998, S. 6-7.

[10] Vgl. dazu Kurz 1995, S. 45-46; MfBWW 1998, S. 6-7.

[11] Vgl. dazu MfBWW 1998, S. 7.

[12] Vgl. dazu und im Folgenden MfBWW 1998, S. 9.

[13] MfBWW 1998, S. 9.

[14] Vgl. dazu und im Folgenden MfBWW 1998, S. 9.

[15] Vgl. dazu MfBWW 1998, S. 9; 51.

[16] MfBWW 1998, S. 9.

Details

Seiten
23
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656589457
ISBN (Buch)
9783656589440
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268578
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Sportwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
lehrplan sport sekundarstufe rheinland-pfalz

Autor

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Titel: Lehrplan Sport Sekundarstufe I in Rheinland-Pfalz