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Klangräume der Kunst - Entwicklung, Werke, Bedeutung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 21 Seiten

Design (Industrie, Grafik, Mode)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Klangräume - Denkräume
1.1 Einleitung
1.2 Einordnung
1.3 Entwicklung

2. Klangkunst Werke
Beispiele anhand der aktuellen Ausstellung des ZKM Medienmuseum, Karlsruhe
Sound Art. Klang als Medium der Kunst “ vom 17.03.2012 bis 06.01 Abbildungen
beiliegender Tonträger

3. Klangraum Museum Die Klang und Lichtinstallation Essay, John Cage, Kunsthalle Bremen
3.1 John Cage
3.2 Formaler Aufbau der Installation Essay
3.2.1 Text und Writing-through
3.2.2 Klanginstallation
3.2.3 Lichtinstallation
3.2.4 Stühle
3.3 Einordnung und Bedeutung des Werks Essay

Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Zusammenfassung des Seminars Wahrnehmungstheorie

Einleitung

„ Die moderne Kunst begann mit einem bis dahin unbekannten Ton: dem Ger ä usch. “ 1

Demnach müsste diese Hausarbeit zum Thema „Klangräume der Kunst“ im Grunde mit einem Trommelwirbel beginnen.

Schon 1913 erklärte Luigi Russolo, futuristische Maler und Komponist in seinem Manifest „Lʻarte dei rumori“ die entdeckten Geräusche der Stadt zur Kunst.2

Die kulturelle Auseinandersetzung mit Musik und Akustik begann bekanntlich sehr viel früher.

Wie aber entwickelte sich daraus die sog. „Sound-Art“ weiter?

Was unterscheidet die Klangkunstwerke denn überhaupt von Musikstücken?

Welche Rolle spielt die Klangkunst innerhalb der Bildenden und zeitgenössischen Kunst? Einen umfassende Annäherungsversuch an die Geschichte der Klangkunst und eine Einordnung innerhalb verschiedener Deutungsebenen unternimmt Peter Kiefer mit seiner 2010 erschienenen Publikation „Klangräume der Kunst“, gleichzeitig Hauptquelle der vorliegenden Hausarbeit.

Ferner setzt sich das Projekt „SEE THIS SOUND“3 (bestehend aus Ausstellung,

Webarchiv und Symposium) mit Gegenwart und Geschichte der Verbindung von Bild und Ton in Kunst, Medien und Wahrnehmung auseinander. Ausgehend von der engen Verschränkung der kulturellen Bild- und Tonproduktion in der heutigen Erfahrungswelt und der Allgegenwart audiovisueller Produkte und Strukturen, stellt es unterschiedliche Werke zeitgenössischer Kunst und Kunstwissenschaft dar.

Auch aus diesem Kompendium wird vergleichend zitiert werden. Insbesondere die

Beiträge von Golo Föllmer (auch Essayist in Klangräume der Kunst) sollen vergleichend herangezogen werden.

Denn die Klangkunst ist komplex und vielschichtig und darin vor allem nicht oder nur schwierig zu dokumentieren. Auch aufgrund dessen habe ich mich im Mittelteil der Hausarbeit dazu entschieden, einen Tonträger zu integrieren, da sich anhand von Bildmaterial die „Kunst fürs Ohr“ nicht hinreichend darstellen lässt. Warum sind dahingehend Raum/-bezug und Wahrnehmung in der Klangkunst so maßgeblich?

Und welche Bedeutung bekommt dahingehend der hörende und sehende Rezipient?

Anhand der aktuellen Ausstellung des ZKM Medienmuseum, Karlsruhe

Sound Art. Klang als Medium der Kunst “ (Tonträger) soll beispielhaft aufgezeigt werden, dass die aktuellen Bezüge der Klangkunst von Popkultur bis zu Wahrnehmungstheorie und Medientechnologie reichen.

Interaktiv, als auch auf Grundlage des schriftlichen Teils der Hausarbeit, soll so die Einordnung innerhalb des Seminars Wahrnehmungstheorie ll sowie des Studiums Raumkonzept und Design nachvollzogen werden.

1. Klangräume - Denkräume

1.1. Einleitung

„Die Kunst der Töne und die Kunst der Bilder verbinden sich in der Klangkunst zu einer gemeinsamen Ausdrucksform.“4, so beschreibt Renate Liesmann Baum in ihrem Vorwort zu „Klangräume der Kunst“, die Klangkunst.

Klangkunst oder auch Audiokunst kann als intermediale Kunstform angesehen werden. Innerhalb verschiedener Bedeutungsebenen und Rezipierweisen ist sie allerdings unterschiedlich zu definieren.

Die Klangkunst umfasst grenzüberschreitende Kunstdisziplinen, in denen vor allem der akustischen Ebene eine wahrnehmungs- bzw. strukturierende Bedeutung zukommt. Klangkunst grenzt sich gegenüber der Musik vor allem durch die Aufhebung der Linearität und der zeitlichen Begrenzung der Stücke ab.5

Liesmann spricht sogar von einer „Entzeitlichung“ gegenüber Kompositionen.6

Aber auch ein anderer Aspekt macht die Differenzierung der Klangkunst zur

konventionellen Musik deutlich. Der englische Begriff „Soundart“ umschreibt die

Einbeziehung von „sounds“, d.h. von Geräuschen und Tönen, die nicht nur instrumental erzeugt werden

Gleichzeitig bilden aber auch die optische und räumliche Dimension wichtige Referenzpunkte um das Werk der Klangkunst zu begreifen.

Der Herausgeber von „Klangräume der Kunst“ Peter Kiefer stellt sogar den Raumbezug klar in den Vordergrund der Publikation und beschreibt ihn als „essenzielles Element der Klangkunst“.7 Dabei können durch die Verbindung von Bildender Kunst, Musik und Raum unterschiedlichste Ansätze innerhalb der Werke der Klangkunst ausgemacht werden. Einige Beispiele davon sollen, wie einleitend erläutert, unter 2. Klangkunst Werke multimedial abgebildet werden.

1.2. Einordnung

Nach Kiefer lässt sich Klangkunst auch durch die ortsgebunden/ortsungebundene

Verbindung zu einem Raum/Ort einordnen. Er findet hier acht Formen des Raumbezugs und veranschaulicht sie in nachfolgender Systematik.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb 1. Verortung der Klangkunst (Systematik), nach Kiefer

Ein Alleinstellungsmerkmal der Klangkunst ist aber vor allem der Einbezug unserer multiund intersensorischen Wahrnehmung.8

Im Vordergrund steht hierbei natürlich das Hören, die auditive Raumwahrnehmung.

Spannend ist so, m.E., vor allem das 360° Wahrnehmungsfeld, das sich bei der Klangkunst im Gegensatz beispielsweise zur Betrachtung eines Gemälde ergibt.9

Gleichzeitig ist aber auch das Sehen zwangsläufig für die Einordnung des Werks notwendig. Häufig kommt bei Werken der Klangkunst noch eine motorisch-taktile Wahrnehmungsebene hinzu, die den Rezipienten interaktiv mit einbezieht.

„Der Rezipient wird jeweils in das Werk hineingezogen“10. In der Klangkunst gehe es daher weniger um Kunstobjekte, die objektiv oder ausschließlich formal ästhetisch kategorisiert werden können,11 so beschreibt die bedeutende deutsche Musikwissenschaftlerin Helga de la Motte-Haber den „Definitionsraum Klangkunst“ in ihrem Essay „Wahrnehmungen im Rahmen der Kunst“. Bedeutender für die Rezension ist das subjektive Raumhören, das Erleben und die wahrgenommene Erfahrung.12

1.3. Entwicklung

Heute scheint die Klangkunst, trotz jahrzehntelanger internationaler Präsenz innerhalb der Kunstszene, noch immer nicht fest im allgemeinen Bewusstsein der Bildenden Kunst angekommen zu sein.13

Das mag einerseits darin begründet sein, dass Klangkunst in Komplexität und Multimedialität nicht hinreichend darzustellen ist14, andererseits ist auch der bereits erwähnte notwendige Raumbezug (ortsgebundene Klangkunst) meist nicht nachvollziehbar.

Obwohl eine der ersten menschlichen Ausdrucksformen überhaupt, wird Klangkunst generell als relativ neue Kunstform angesehen.

Ein bereits steinzeitlicher performativer Umgang mit Künsten, dem Einsatz der menschlichen Sinne nicht nur des Überlebens wegen, sondern auch als Form des schöpferischen Ausdrucks, lassen erste Fundstücke der menschlichen Kultur vermuten. Hierzu zählt eine Flöte aus Mammutelfenbein (Jungsteinzeit), die gleichzeitig am selben Ort mit den frühesten visuellen kreativen Werken der Menschheit entstand.15

Peter Kiefer gibt im Folgenden eine Entwicklungsübersicht der Klangkunst innerhalb verschiedener Kulturkreise (erste Klanginstallationen, asiatische Taubenflöten, um 1100), die natürlich auch untrennbar mit der wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit der Akustik (Klangräume/Forschungen, Athanasius Kirchner, 17.Jh.) sowie mit dem technischem Fortschritt (Phonograph, T. Edison, 1878 bis zum heutigen Surroundformat) verbunden ist.16

Golo Föllmer benennt in „See this sound“ hingegen ausschließlich direkte Vorläufer der Klangkunst, die seit 1900 entstanden sind. Bei den Komponisten Charles Ives (The Unanswered Question, 1908) lassen sich bereits Raumeffekte und bei Edgard Varèse (Am é rique, 1918-1921) der Eindruck dynamischer Klangflächen und -volumina feststellen.17 Ab 1950 findet die Ausprägung der Klangskulptur statt (Metamechanisches Relief, Jean Tinguely, 1954). In den 1960er Jahren entsteht dann, auch im Zuge des Happenings als publikumsmobilisierendes Ereignis (Allan Kaprow, 1959), das Konzept der Klanginstallation.18 Weitere Impulse liefert die Fluxus-Bewegung zu deren Wegbereitern u.a. John Cage gehört (bereits 1952), auf den ich im Folgenden als bedeutenden Vertreter der Klangkunst noch näher eingehen werde.

Der Medienkünstler Nam June Paik entwirft 1961die Symphonie für 20 Räume . Als richtungsweisendes Werk für die Klangkunst kann 1961 vor allem auch „Box with the sound of its own making“ von Robert Morris angesehen werden.19 Seit 1980 erfährt die Klangkunst durch spezielle Einzel- und Sammelausstellungen zunehmende Verbreitung und ging in die wichtigen Festivals zeitgenössischer Musik sowie der Kunst ein (z.B. Art Cologne, Akademie der Künste Berlin u.a.).20

Zur Zeit gibt das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe unter dem Titel "Sound Art-Klang als Medium der Kunst" erstmals einen umfassenden Einblick in die Entwicklung der Klangkunst. "So eine Ausstellung ist nur im ZKM möglich", erklärt Direktor Peter Weibel. Das Haus besitze schließlich die weltweit größte Sammlung an Klangkunstwerken.21

2. Klangkunst Werke

Abb. 2 Beno î t Maubrey, „ Temple “

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 Robin Minard, „ Silent Music “

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6 Rolf Julius, „ Backstage “

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8 Dawn Scarfes, „ Lenses “

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 Christina Kubisch, „ Wolke “

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5 Hanna Hartman, „ Acoustic Catacombs"

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7 Kalle Laar, „ Klangpost “

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 9 Shilpa Gupta, „ I keep falling at you"

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beispiele anhand der aktuellen Ausstellung des ZKM Medienmuseum, Karlsruhe „ Sound Art. Klang als Medium der Kunst “ vom 17.03.2012 bis 06.01.2013

[...]


1 o.A., in 21. Europäische Kulturtage, Wolfgang Rihm, Programm (2012), http://www1.karlsruhe.de/Kultur/ EKT/EKT2012/programm/detail/73/ (Stand: 27.6.2012).

2 Vgl. ebd.

3 SEE THIS SOUND war ein Projekt f ü r Linz 2009 Kulturhauptstadt Europas . Die Realisierung erfolgt in enger Zusammenarbeit von Lentos Kunstmuseum Linz und Ludwig Boltzmann Institut Medien.Kunst.Forschung. als Ausstellungs-, Forschungs- und Multimedia-Projekt. Das Webarchiv wird fortgesetzt an der Hochschule f ü r Grafik und Buchkunst Leipzig.

4 Renate Liesmann-Baum: Vorwort, in: Peter Kiefer (Hg.): Klangräume der Kunst, Heidelberg: Kehrer Verlag 2010, S. 9.

5 Vgl. Golo Follmer: „Klangkunst“, in: SEE THIS SOUND Kompendium (2009), httoiZ/see-this-sound.at/kompendium/abstractMO (Stand: 27.6.2012)

6 Liesmann: Klangiaume der Kunst, S.9

7 Peter Kiefer (Hg.): Klangraume der Kunst, Heidelberg: Kehrer Verlag 2010, S. 13.

8 Vgl. Liesmann: Klangräume der Kunst, S.9.

9 Vgl. Kiefer: Klangraume der Kunst, S.15.

10 Helga de la Motte-Haber: ..Wahrnehmung im Rahmen der Kunsf, in: Peter Kiefer (Hg.): Klangraume der Kunst, Heidelberg: Kehrer Verlag 2010, S. 42.

11 Vgl. ebd.

12 Vgl. Golo Follmer: „Klangkunst“, in: SEE THIS SOUND Kompendium (2009), http://see-this-sound.at/kompendium/abstract/40 (Stand: 27.6.2012)

13 Vgl. Kiefer: Klangraume der Kunst, S.11.

14 Vgl. ebd.

15 Vgl. ebd. S.l6ff.

16 Vgl. ebd.

17 Vgl. Föllmer: Klangkunst, S.1.

18 vgl. ebd.

19 vgl. de la Motte-Haber: Wahrnehmung im Rahmen der Kunst, in: Klangraume der Kunst, S.45.

20 vgl. Kiefer: Klangraume der Kunst, S.11.

21 vgl. o.A. (2012), http://Www.swr.de/nachtkultur/rueckblick/-/id=3096936/did=9510306/DV=video/ nid=3096936/43v756/index.html (Stand: 27.6.2012).

Details

Seiten
21
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656594468
ISBN (Buch)
9783656594444
Dateigröße
4.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268420
Institution / Hochschule
AMD Akademie Mode & Design GmbH – Design und Medien
Note
1,6
Schlagworte
klangräume kunst entwicklung werke bedeutung

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