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Das Patellaspitzensyndrom als Resultat falschen Basketballtrainings und seine Vermeidung

"Sport ist Mord?". Der Einfluss auf unsere Gesundheit

Seminararbeit 2013 28 Seiten

Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Aufbau des Kniegelenks
2.1 Anatomie des Kniegelenks
2.2 Patellasehne
2.3 Streckmuskulatur
2.4 Beugemuskulatur

3. Übertraining und das Patellaspitzensyndrom als eine Folgeerscheinung im Basketball
3.1 Übertraining und Übertrainingssyndrom im Jugendsport
3.1.1 Definition der Begriffe Übertraining, Übertrainingssyndrom und Überlastungszustand
3.1.2 Ursachen von Übertraining
3.1.3 Auswirkungen von Übertraining bei Kindern und Jugendlichen
3.2 Auswirkungen von unausgeglichenem Training am Beispiel Patellaspitzensyndrom
3.2.1 Definition des Patellaspitzensyndroms
3.2.2 Entstehung des Patellaspitzensyndroms durch die Sportart Basketball
3.2.3 Symptome des Patellaspitzensyndroms
3.2.4 Therapie des Patellaspitzensyndroms

4. Optimales Training und Verletzungsprophylaxe
4.1 Prinzip der Superkompensation im Jugendtraining
4.2 Prävention von Übertraining
4.3 Prävention von Verletzungen und Prophylaxe des Patellaspitzensyndroms
4.3.1 Wichtigkeit des Dehnens in einer Trainingseinheit im Zusammenhang von Auf- und Abwärmen
4.3.2 Krafttraining als Teil der Verletzungsprophylaxe

5. Schlussfolgerung und Fazit

6. Anhang
6.1 Tabellenverzeichnis
6.2 Abbildungsverzeichnis
6.3 Literaturverzeichnis
6.4 Erklärung zum eigenständigen und korrektem Verfassen der Seminararbeit

1. Einleitung

"No Sports". Diese von Winston Churchill überlieferte Antwort auf die Frage, wie er ein so hohes Alter erreichen konnte, hat im übertragenen Sinne die Bedeutung "Sport ist Mord" (vgl. Yahoo News, 2013). Fast jeder, der sportlich aktiv ist, hat Erfahrung mit Zerrungen, Prellungen, Bänderrissen, Blutergüssen und vielen anderen Verletzungen. Hinzu kommen Knorpelverletzungen bei Fußballern, Basketballer leiden unter Gelenkverschleiß im Kniegelenk und manche Leistungssportler müssen sich mit psychischen Krankheiten auseinandersetzen. Damit der Sport hauptsächlich Positives mit sich bringt, sind ein präventives Training und eine Verletzungsprophylaxe von hoher Bedeutung. Vielen jungen talentierten Spielern wurden Verletzungen zum Verhängnis. Beispielsweise beendeten zusätzliche Sprungkrafttrainingseinheiten in einem Basketball-Leistungszentrum die frühe Karriere eines 15 jährigen Nationalspielers, welcher sich beim Absprung die Patellasehne ohne die geringste Fremdeinwirkung, nur durch Muskelkraft, abriss (vgl. Basketball Coaches Corner 2013).

Wer Sport betreibt kann viele Fehler machen, die nicht zu unterschätzende gesundheitliche Folgen als Konsequenz haben können. Das Bestreben diese Fehler zu reduzieren, hartes Training, und vor allem eine Verletzungsprophylaxe, sind unerlässliche Voraussetzungen um in den Leistungssport zu gelangen. Der heutige Basketball-Superstar Dirk Nowitzki, einer der besten Spieler der amerikanischen Profiliga NBA (National Basketball Association), hat diesen Weg erfolgreich gemeistert.

Dirk Nowitzki selbst gelangte erst mit dreizehn Jahren über die Schulmannschaft des Würzburger Röntgen-Gymnasiums zum Basketball. Ursprünglich zählten Tennis und Handball zu seinen Leidenschaften. Im Sommer 1995 lernt der damals 16-Jährige seinen Mentor Holger Geschwindner durch Zufall bei einem Auswärtsspiel in Schweinfurt kennen. Dieser überzeugte ihn bald, sich ganz auf den Basketballsport zu konzentrieren und widmete sich ihm in intensivem Einzeltraining (vgl. Focus Online 2003). „Du musst dir überlegen, ob du dich mit den Weltbesten anlegen willst oder ob du hier in Deutschland der Held sein willst. Reicht dir Letzteres, dann können wir sofort aufhören zu trainieren. Denn das kann eh niemand mehr verhindern.“ - Holger Geschwindner (Reisner; Sauer 2004, Klappentext). Dirk entschied sich aber für Ersteres und der Würzburger wurde schließlich nach jahrelangem hartem Training am 24. Juni 1998 von den Milwaukee Bucks in die NBA gedraftet, jenes komplizierte Verfahren bei dem die 30 NBA-Klubs die Transferrechte an den besten Nachwuchsspielern der Welt unter sich aufteilen (vgl. Reisner; Sauer 2004, S.49f). Bereits im Vorfeld hatten sich die Klubs auf verschiedene Transfers geeinigt und Dirk gelangte am gleichen Tag zu den Dallas Mavericks, für welche er bis heute spielt. Dem Superstar gelangen mehrere Erfolge mit den Mavericks, unter anderem die Auszeichnung zum Wertvollsten Spieler (MVP – Most Valuable Player) der regulären NBA-Saison 2007. In der Saison 2010/11 holte der 32-Jährige mit den Dallas Mavericks als erster deutscher die NBA-Meisterschaft und hat sich damit in die Riege der weltweit besten Basketballer aller Zeiten, zu welchen man Legenden wie Michael Jordan oder Larry Bird zählt, gespielt. Aber auch zur Karriere des German Wunderkinds, wie er von seinen Fans unter anderem genannt wird, gehören viele Rückschläge, Verletzungen und hartes Training.

Während hauptberuflichen Sportlern, wie Dirk Nowitzki, meist eine ganze Schaar an Physiotherapeuten und beratenden Ärzten zur Seite stehen, resultieren Verletzungen bei Amateursportlern häufig aus mangelndem Wissen. Gleichzeitig ist das Verletzungs-risiko durch unzureichenden Trainingsstand, dazu hoher Ehrgeiz und fehlende Kompetenz deutlich höher.

Das Hauptaugenmerk der vorliegenden Arbeit liegt auf unausgeglichenem Training und den daraus resultierenden gesundheitlichen Konsequenzen mit Schwerpunkt auf der Sportart Basketball im Jugendbereich. Anschließend wird auf die Grundlagen des optimalen Trainings und die Verletzungsprophylaxe eingegangen. Als Beispiel einer möglichen Folge wird in dieser Arbeit das Patellaspitzensyndrom mit seinen Ursachen und Nachwirkungen angeführt. Entscheidend für mein Interesse an diesem medizinischen Thema waren meine eigenen Erfahrungen. Ich begann schon vor dem Entschluss diese Seminararbeit zu schreiben, nicht nur Informationen über den Stoff zu sammeln, sondern mich auch intensiv mit diesem auseinanderzusetzen, da ich persönlich davon betroffen bin.

2. Der Aufbau des Kniegelenks

Bevor jedoch auf die Entstehung des Sportschadens im Kniegelenk und einer möglichen Verletzungsprophylaxe selbst eingegangen werden kann, ist eine kurze Einführung in die Anatomie des Kniegelenks unabdingbar.

2.1 Anatomie des Kniegelenks

Das Kniegelenk (lat. Articulatio genus) ist das größte Gelenk des menschlichen Körpers und verbindet den Oberschenkelknochen (lat. Femur) mit dem Schienbein (lat. Tibia) (vgl. A. Reichelt 2012, S.106). Die Kniescheibe (lat. Patella) ist als Sesambein (ein kleiner Knochen, der in eine Sehne eingelagert ist) mit der Sehne des vierköpfigen Kniestreckmuskels (lat. Musculus quadriceps femoris) und am Pol der Kniescheibe durch die Sehne mit dem Schienbein verbunden. „Sie schützt das Gelenk und vervielfacht die Kraftentwicklung des Quadrizeps durch die Verlängerung des Hebelarms“ (ebd., S.106). Die zwei Menisken in jedem Kniegelenk dienen als Stoßdämpfer, Stabilisation des Gelenks, Zentrierung, Limitierung und Verminderung des Gleitwiderstandes. „Sie sind zwischen Ober- und Unterschenkel eingefügt und fest an der Gelenkkapsel angewachsen“ (Schabus; Bosina 2007, S.6). Außerdem wird die seitliche Verschiebung durch die Seitenbänder verhindert. Das innere Seitenband verläuft an der Innenseite des Knies vom Oberschenkelknochen zum Schienbeinschaft. Das äußere Seitenband verläuft an der Außenseite des Knies vom Oberschenkelknochen zum Wadenbeinköpfchen. (vgl. ebd., S.7).

2.2 Patellasehne

Die Patellasehne (lat. Ligamentum patellae), auch Kniescheibenband genannt, wird als Verbindungselement zwischen Muskeln und Knochen bezeichnet. Es handelt sich hierbei um die Fortsetzung der Quadrizepssehne zwischen unterem Kniescheibenrand bis zur vorderen Anrauung des Schienbeins (lat. Tuberositas tibea) (vgl. Breitenseher 2003, S.176).

2.3 Streckmuskulatur

Der Hauptstreckmuskel ist der vierköpfige Musculus quadriceps femoris, auch als Streck-apparat des Kniegelenks bekannt. Dessen vier Köpfe setzen sich zusammen aus dem Musculus vastus medialis, dem Musculus vastus lateralis, dem Musculus vastus intermedius und dem Musculus rectus femoris (s. Abb. 1). Sie strecken das Knie, indem sie sich an einem Vorsprung des Schienbeins vereinen (vgl. Platzer 2009, S.248). Zwischen diesen Muskeln und ihrem Ansatz ist die Kniescheibe (lat. Patella) zwischengeschaltet. Der M. vastus lateralis zieht die Patella nach außen, der M. vastus medialis zieht sie nach innen. Dadurch wird die Kniescheibe in der richtigen Stellung festgehalten.

Die Streckmuskeln setzen zunächst an dieser Scheibe an. Von dort wird die Kraft über die Patellasehne in den Unterschenkel übertragen. Der vierköpfige Muskel ist im Normalfall dreimal so stark wie die Summe der Kniebeugemuskeln, allerdings ist dies trainingsabhängig (vgl. Schabus; Bosina 2007, S.11).

2.4 Beugemuskulatur

Die Muskelgruppen am hinteren Oberschenkel, auch ischiocrurale Muskulatur genannt, üben eine Beugung auf das Kniegelenk aus (Flexor des Kniegelenks). Sie befinden sich dorsal des Oberschenkels und stellen den Antagonisten des Streckapparates des Kniegelenks dar. Zusätzlich sind sie je nach Insertion für die Innen- und Außenrotation zuständig. Die Kniebeugung wird durch den zweiköpfigen Oberschenkelmuskel (Musculus biceps femoris), den schlanken Oberschenkelmuskel (Musculus gracilis) und den Halbsehnenmuskel (Musculus semitendinosus) ermöglicht (s. Abb. 2).

3. Übertraining und das Patellaspitzensyndrom als eine Folgeerscheinung im Basketball

Um eine schnelle sportartspezifische Leistungssteigerung zu erzielen, wird häufig systematisch einseitig trainiert, was in Verletzungen und langfristigen Schädigungen des Bewegungsapparates resultiert. Übungen, die nicht für die jeweilige Sportart von Nutzen sind, aber zur Stärkung der Halte- oder Stützmuskulatur dienen, werden oft vernachlässigt. Zwar erhöht sich dadurch die kurzfristige Leistungsfähigkeit in der jeweiligen Sportart, beispielsweise wird bei Basketballern die Sprungkraft und der Antritt verbessert, schadet dem Sportler aber auf langer Sicht.

Basketballer trainieren in hohem Maß ihre Beinmuskulatur, insbesondere die vordere Oberschenkelmuskulatur (Streckmuskulatur), durch häufiges Springen, Landen, Antreten und Stoppen und durch intensive Beinarbeit in der Verteidigung. Die Folge davon ist eine höhere Sprungkraft und Schnelligkeit der Spieler. Die bei Landungen und Stopps aus höherem Tempo beanspruchte Bauch- und Rückenmuskulatur, sowie die rückwärtige Oberschenkelmuskulatur (Beugemuskulatur), der eine entscheidende Rolle für die Stabilität des Kniegelenks zukommt, werden jedoch nicht ausreichend mitentwickelt. Dies hat zur Folge, dass die Wirbelsäule bei Landungen überbelastet wird, was zu Rückenschmerzen und Bandscheibenschäden führen kann.

Oft wird zusätzlich in einer Trainingseinheit Sprungkrafttraining durchgeführt, da die Sprungkraft eine wichtige Rolle im Basketball spielt. Dabei wird aber das sogenannte Körperstabilisationstraining, das vor allem zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur dient, vernachlässigt und stattdessen plyometrisches Training (engl. “plyometrics“) oder reine Sprungübungen praktiziert. Bei den plyometrischen Übungen handelt es sich um sehr schnelle und explosive Übungen. Das Ziel dieses Trainings ist eine Erhöhung der Sprung- und Schnellkraft. Da hierbei aber speziell und besonders intensiv die Kraftschnelligkeit gesteigert wird, liegt die Priorität auf korrekter Ausführung und einer Einhaltung der Regenerationsphasen. Infolgedessen ist es nicht für untrainierte und unerfahrene Sportler geeignet. Es kommt dadurch zu einer weiteren hohen Belastung der Gelenke und führt dazu, dass die vordere Oberschenkelmuskulatur weiter ausgeprägt wird. Somit kann eine muskuläre Dysbalance zwischen Kniestrecker und Kniebeuger entstehen, die erfahrungsgemäß bei der Planung des Basketballtrainings kaum Berücksichtigung findet. Aus diesem Grund ist das Phänomen des muskulären Ungleichgewichts unter Basketballern weit verbreitet und unmittelbare Folge eines falschen und unausgewogenen Trainings.

Eine häufige Ursache für falsches Training sind mangelnde Kenntnisse im Bereich der allgemeinen Trainingslehre und den damit korrelierenden biologischen Grundlagen des menschlichen Körpers.

Angesichts der steigenden Popularität der US-amerikanischen Ballsportart und das damit einhergehende Mitgliederwachstum, wird zunehmend unerfahrenen, unausgebildeten und jüngeren Trainern die Verantwortung für Jugendmannschaften übertragen. Der RSV-Eintracht beispielsweise (Regionaler Sportverein Eintracht Teltow-Kleinmachnow-Stahnsdorf 1949 e. V.), verzeichnete 1999 bis 2010 ein Mitgliederzuwachs von circa 630 Prozent (vgl. RSV Eintracht 1949 e.V. 2011). Dies bedeutet, dass unter Umständen ein sehr unerfahrener Trainer eine Mannschaft betreut, bei der man schwerwiegendste Fehler machen kann. Besonders wichtig ist jedoch die fachgerechte sportliche Betreuung von Spielern, die sich in der Pubertät befinden. In dieser Phase liegt höchste Priorität in korrekt ausgeführten Übungen und einer Vorbeugung von Verletzungen.

Denn falsch ausgeführtes Training kann schwere, irreparable Schäden am Bewegungs-apparat hervorrufen und damit die Funktionstüchtigkeit des Gesamtsystems einschränken. Dies gilt insbesondere für das Kinder- und Jugendtraining, da diese sich noch im Wachstum befinden.

3.1 Übertraining und Übertrainingssyndrom im Jugendsport

Ein Training ist nur dann effektiv, wenn Belastung und Erholung in sinnvoller Kombination zueinander stehen, ansonsten führt dies zum Leistungsabfall und Motivationsverlust der Spieler. So stößt der Sportler aufgrund zu geringer Erholungs-phasen schnell an seine Leistungsgrenze.

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