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Faktoren des Wohlbefindens im Alter

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 23 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Begriffe
2.1 Altern und Alter
2.2 Wohlbefinden

3 Entwicklungsaufgaben im Alter

4 Faktoren zum Wohlbefinden im Alter
4.1 Gesundheit und Wohlbefinden
4.2 Persönlichkeitsmerkmale
4.3 Soziale Netzwerke
4.3.1 Die Rolle der Familie
4.3.2 Produktivität und Engagement älterer Menschen
4.4 Wohnsituation
4.5 Mobilität
4.6 Freizeit und Aktivität
4.6.1 Sportliche Aktivität
4.6.2 Reisen

5. Fazit

1 Einleitung

„Seit 1855 hat sich die Lebenserwartung der Deutschen von 37 Jahren auf 77 Jahre mehr als verdoppelt“ (Opaschowski 1999, S.91). Opaschowski legt als Neuerung für die ältere Generation im 20. Jahrhundert unter anderem dar, dass aus dem Erwerbsleben ausscheiden muss, wer die dazu bestimmte Altersgrenze erreicht hat. Somit mündet die „Erwerbsphase“ nahtlos in die „Nacherwerbsphase“ (Opaschowski 1999, S.91).

Wer nun mit 65 Jahren oder noch früher aus dem Erwerbsleben austritt, hat noch viele Jahre vor sich, die es zu gestalten gilt, denn: „Gewonnene Jahre sind nicht automatisch erfüllte Jahre“ (Opaschowski 1999, S.92).

Was aber sind „erfüllte Jahre“ im Zusammenhang mit Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden und welche Faktoren spielen möglicherweise eine Rolle?

In der vorliegenden Arbeit möchte ich einige Faktoren des Wohlbefindens und der „Erfüllung“ im Alter herausstellen und näher beleuchten.

Dabei ist zunächst einmal von Interesse, was die Begriffe Alter und Altern sowie Wohlbefinden meinen können. Darüber hinaus wird kurz dargestellt, welche Entwicklungsherausforderungen sich im hohen Lebensalter stellen.

Der Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich nur mit einigen Faktoren, die Wohlbefinden und Lebensqualität im Alter beeinflussen. Es wurden Aspekte wie Gesundheit und physisches Wohlbefinden, die Rolle von Persönlichkeitsmerkmalen, soziale Netzwerke, Wohnsituation, Mobilität und Freizeit ausgewählt, um deren Bedeutung im Ansatz darzustellen.

Die Darstellung erfolgt wissend, dass es noch eine Reihe mehr einflussnehmender Größen gibt. Aufgrund der Komplexität des Themas ist hier nur ein Teil der Faktoren angeführt, die ich für nachhaltig auf das Wohlbefinden älterer Menschen einflussnehmend erachte.

2 Begriffe

2.1 Altern und Alter

Soll von “Alter“ gesprochen werden, kann der Prozess des Alterns nicht ganz außer Acht gelassen werden. Ich spreche dabei von einem zunächst einmal primär biologischen Prozess, beginnend mit der Geburt. Gesellschaftlich bedingt wird dieser Prozess durch verschiedenste Entwicklungsaufgaben, Erwartungen und Zwänge und nicht zuletzt beeinflussen auch wirtschaftliche Rahmenbedingungen individuelle Entwicklungsbedingungen im Lebenslauf und somit auch Ressourcen und Einschränkungen.

Der Alterungsprozess wird demnach durch eine Vielzahl verschiedener Faktoren beeinflusst mit denen die Menschen unterschiedlich umgehen. Durch das subjektive Erleben eines jeden Einzelnen laufen Alterungsprozesse individuell und verschieden ab. Daher ist für mich zunächst einmal klarzustellen, dass Altern meiner Auffassung nach nicht unbedingt gleichbedeutend ist mit dem Nachlassen geistiger und sozialer Fähigkeiten .

Eine Definition für das “Alter“ ist in der neueren Literatur darüber hinaus nur schwer zu finden. Das mag darin begründet liegen, dass auch das Alter eine Lebensphase voller Vielfalt ist, was die Notwendigkeit einer Differenzierung mit sich bringt. So gibt es nicht nur „die Alten“, sondern im Alter von 60 bis 70 Jahren die „jungen Alten“ und von 70 bis 80 Jahren die „mittleren Alten“ (vgl. Staudinger, U. M.; Schindler, I 2002, S. 69). Personen, die das durchschnittliche Lebensalter überschritten haben, gelten als „Hochaltrige“. Dies sind zur Zeit die über 80jährigen, da Frauen im Durchschnitt 79 Jahre und Männer 73 Jahre alt werden (vgl. Opaschowski 1999, S.92).

Darüber hinaus wird chronologisches und biologisches Alter unterschieden. Unter chronologischem Alter versteht sich demnach, wie vorhergehend beschriebene bisherige Lebensdauer. Biologisches Alter bezeichnet dagegen vielmehr die individuelle Leistungsfähigkeit eines Menschen. Beide Alterungsprozesse müssen hierbei nicht deckungsgleich verlaufen, da gerade das biologische Alter und die Leistungsfähigkeit bedingt wird durch verschiedene Faktoren (vgl. Cohen, A. 2002, S. 293) – eine Wechselwirkung, die auch im Folgenden an mehreren Stellen deutlich wird.

In der folgenden Auseinandersetzung werde ich jedoch keine Differenzierung vornehmen und von „älteren“ oder „betagten“ Menschen und „Senioren“ als den Personen reden, die das 60. Lebensjahr erreicht haben und aus dem Erwerbsleben bereits ausgeschieden sind. Gerechtfertigt sehe ich dies durch die „[...] Tendenz zum frühen Ruhestand schon ab 60 Jahren [...]“ (vgl.: Staudinger, U. M.; Schindler, I 2002, S. 69) und früher, auch wenn das Rentenalter derzeit bei 65 liegt.

2.2 Wohlbefinden

Bei dem Versuch, “Wohlbefinden“ zu definieren, fällt bei genauerer Betrachtung auf, dass viele Ansätze sich an „Defizit-Paradigmen“ orientieren. Die meisten Definitionen gehen beispielsweise von einem Nichtvorhanden sein von Gebrechen und Beschwerden aus. Des weiteren scheint fraglich, ob Wohlbefinden gleichzeitig auch psychische Gesundheit meint, sowie Glück, Zufriedenheit und Lebensqualität (vgl. Höpflinger, F.; Stuckelberger, A. 1999, S. 207).

Es ist eine Frage der Sichtweise: Ich meine, die Begriffe überschneiden sich inhaltlich, können aber nicht genau das gleiche meinen. Wohlbefinden erscheint mir abhängig von verschiedenen Faktoren - sowohl von objektiven Lebensbedingungen wie von subjektiven Bewertungen. So ist Wohlbefinden auch von unterschiedlichen entwicklungsbedingten Beurteilungen je nach Lebensphase, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft abhängig.

Multiperspektivisch lassen sich zur Begriffsklärung soziologische, psychologische und medizinische Sichtweisen zusammenfassen. Aus soziologischer Perspektive meint soziales Wohlbefinden etwa das Vorhandensein von Autonomie und die Möglichkeit zu Partizipation. Auch materielle ‚objektive’ Kriterien wie Wohnsituation, Gesundheitsversorgung, soziale und familiäre Aktivitäten und finanzielle Lage sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

Psychisches Wohlbefinden umfasst darüber hinaus eher subjektive Kriterien wie positive oder negative Gefühlerlebnisse und die individuelle Bewertung des eigenen Lebens – Lebenszufriedenheit und Lebenssinn.

Das Fehlen von Krankheit und Gebrechen, körperliche Zufriedenheit und Beschwerdefreiheit bedienen schließlich die medizinische Sichtweise des Begriffs sowie physisches Wohlbefinden selbst (vgl. online in Internet. URL: www.dza.de/download/11Gutes_Altern.pdf+alter+wohlbefinden&hl=de; 24.06.04).

3 Entwicklungsaufgaben im Alter

Um verschiedene Faktoren des Wohlbefindens im Alter deutlicher herausstellen zu können, ist zunächst auf einige allgemeine Entwicklungsbedingungen und -aufgaben des Alters einzugehen.

Während der letzten Jahrzehnte erfolgte in den hochentwickelten Ländern eine deutliche Reduktion der Lebensarbeitszeit. Zusammen mit der höheren Lebenserwartung ergab sich daraus eine erhebliche Ausdehnung der nachberuflichen Lebensphase. Der "Ruhestand" wurde vom kurzen Lebensabend zur eigenständigen Lebensphase mit eigenen Entwicklungsaufgaben und -prozessen.

Erik H. Erikson nannte zwei wesentliche Entwicklungsaufgaben im Alter: Zum einen sah er eine Herausforderung darin, neben der Erzeugung der nächsten Generation auch an deren Erziehung beteiligt anstatt nur mit sich selbst beschäftigt zu sein. Eine weitere wichtige Aufgabe sah er darin, dass sich der ältere Mensch mit seinem gelebten Leben auseinander zu setzen hat ebenso wie mit dem, was er nicht gelebt hat – beides „[...] im Angesicht der Endlichkeit seiner Existenz [...]“ (Staudinger, U.; Schindler, I. 2002, S. 66).

Eine ausführlichere Differenzierung nahm der Psychologe Robert Peck vor, indem er drei relevante Entwicklungsaufgaben für das höhere Lebensalter herausstellt. Folglich stehen ältere Menschen vor dem Problem, eine übermäßige Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper zu überwinden und darüber hinaus andere Beschäftigungs- und Erfahrungsbereiche zu erschließen. Insbesondere aufgrund des Austritts aus dem Erwerbsleben ergeben sich verschiedenste Veränderungen sowohl im Tagesablauf als auch bezüglich sozialer Kontakte und Rollen. Folglich stellt sich die Frage, wie das Leben nach der Erwerbstätigkeit sinnerfüllt gestaltet werden kann und es müssen unterschiedlichste Interessen und gesellschaftliche Rollen neu entwickelt werden. Darüber hinaus sieht Peck als schwierigste Aufgabe betagter Menschen, „[…] von sich abzusehen und über sich selbst hinaus zu denken“ (Staudinger, U.; Schindler, I. 2002, S. 66).

Die Bewältigung diverser Entwicklungsaufgaben und der Verlauf von Entwicklungsprozessen tragen in nicht unwesentlichem Maß zu Lebensqualität und Wohlbefinden im Alter bei, sind aber stark abhängig von den eigenen Ressourcen und Einschränkungen wie von denen der umgebenden Lebensumwelt.

4 Faktoren zum Wohlbefinden älterer Menschen

4.1 Gesundheit und Wohlbefinden

Mit dem Alter nehmen auch gesundheitliche Beschwerden zu; die häufigsten betreffen Rückenschmerzen, Gelenkprobleme, Schlafstörungen und allgemeine Schwäche sowie Müdigkeit; „[...] das Risiko für starke körperliche Beschwerden (ist allerdings) erst für die über 85-jährigen Menschen signifikant mit dem Alter an sich verhängt [...]“ (vgl. Höpflinger, F.; Stuckelberger, A. 1999, S. 254).

Laut der IDA-Studie[1] scheint es interessanterweise aber kaum Zusammenhänge zu geben zwischen der subjektiven Gesundheitseinschätzung älterer Menschen und ihrem objektiven Gesundheitszustand. Der stärkste Zusammenhang zeigte sich mit gesundheitlichem Wohlbefinden noch hinsichtlich Thrombozyten- und Blutzuckerspiegel sowie einem hohen Medikamentenkonsum. Weiterhin interessant mutet an, dass „Entgegen den Erwartungen [...] eine gesunde Ernährung, kein Alkoholkonsum, Sport und körperliche Aktivitäten keine signifikanten Prädikatoren des physischen Wohlbefindens“ (Höpflinger, F.; Stuckelberger, A. 1999, S. 218) sind.

Gesundheitliches Wohlbefinden ist also eher abhängig von individuellem subjektiven Empfinden des eigenen Gesundheitszustandes als von einem objektiv diagnostizierbaren. Daher sehen sich auch alte Menschen als gesund, wenn sie objektiv betrachtet von diversen Beschwerden und gesundheitlichen Einschränkungen betroffen sind.

Es ist jedoch feststellbar, dass das Gesundheitsverhalten der Vergangenheit sich auf das physische Befinden betagter Menschen auswirkt. Beispielsweise vermindern starkes Rauchen und erhöhter Medikamentenkonsum das körperliche Wohlbefinden auch noch circa 20 Jahre später (vgl. Höpflinger, F.; Stuckelberger, A. 1999, S. 219).

Betreffs gesundheitlicher Einschränkungen und Wohlbefinden hinsichtlich sozialer Partizipation und Kommunikation ist herauszustellen, dass besonders sensorische Einschränkungen wie Sehbehinderungen und nachlassendes Hörvermögen die Lebensqualität merklich in Mitleidenschaft ziehen können. Seh- und Hörbehinderungen bedeuten beispielsweise eine Einschränkung beim Konsum diverser Rundfunkmedien, auch das Lesen eines Buches oder einer Zeitung gestaltet sich schwierig. „Viele Betroffene fühlen sich in ihren Kommunikationsmöglichkeiten eingeschränkt, und sie ziehen sich daher aus ihrem gewohnten sozialen Beziehungsnetz zurück. Die Folgen können ein Zusammenbruch der Kommunikation und soziale Isolation sein“ (Höpflinger, F.; Stuckelberger, A. 1999, S. 260).

Regulation können bei sensorischen Störungen dieser Art Brille und Hörgerät bieten. Ältere Menschen unterliegen darüber hinaus aber auch häufig Behinderungen, also körperlichen Einschränkungen, die durch die Umwelt und spezielle Apparate nicht kompensiert werden können. Verstärker für solche Behinderungen können Barrieren in der direkten Umgebung des alten Menschen sein, was unter Unständen dann zu Hilfebedürftigkeit führt (vgl. Kap. 4.5).

Doch gerade solche kommunikativen Handlungsmöglichkeiten und die Teilhabe in sozialen Netzwerken sind für das Wohlbefinden nicht nur älterer Menschen von zentraler Bedeutung (vgl. Kap. 4.3).

Schließlich lassen sich Wohlbefinden und Gesundheit nicht nur mit physischem Befinden in Verbindung bringen, sondern sind unbedingt auch eng zusammenhängend mit dem psychischen Wohlbefinden älterer Menschen. Denn nicht nur bei dem in der eigenen Wohnung lebenden Anteil der betagten Bevölkerung bedeutet Gesundheit eine wichtige Voraussetzung funktionaler Autonomie (vgl. Höpflinger, F.; Stuckelberger, A. 1999, S. 252). Und letztlich ist psychisches Wohlbefinden nicht nur durch den Gesundheitszustand bedingt, sondern bedingt umgekehrt auch in hohem Maße das gesundheitliche Befinden und Rehabilitationschancen selbst.

Erstaunlicherweise zeigen Befunde wie der aus dem Jahr 2001 von Perrig-Chiello, dass trotz der mit dem Alter verbundenen „Rückbildung“ das psychische Wohlbefinden im Durchschnitt (Abb. 1) stetig steigt. Das muss nicht unbedingt dem zuvor beschriebenen Zusammenhang zwischen Gesundheit und psychischem Wohlbefinden widersprechen, sondern macht möglicherweise vielmehr den Willen älterer Menschen deutlich, „[...] am Leben und damit auch an der Mobilität (zu) partizipieren“ (Cohen, A. 2002, S. 292), wobei sie auf verschiedene Hilfsmittel und Regulatoren zurückgreifen können. So korreliert scheinbar die Überzeugung, im Alter noch autonom handeln und sein eigenes Leben beeinflussen eng mit psychischem Wohlbefinden (vgl. Höpflinger, F.; Stuckelberger, A. 1999, S. 217).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Perrig-Chiello: Das allgemeine psychische Wohlbefinden in Abhängigkeit des Lebensalter. (vgl. Cohen, A. 2002, S. 292)

4.2 Persönlichkeitsmerkmale

Im Rahmen der IDA-Studie wurde die Korrelation zwischen verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen und Wohlbefinden detailliert untersucht und tatsächlich ließ sich ein enger Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und psychischem Wohlbefinden feststellen.

Dabei ist zu bemerken, dass Persönlichkeitsmerkmale in der Biografie eines Menschen weitgehend individuell stabil sind und somit auch in einem engen Zusammenhang stehen mit der Beziehung zwischen der Vergangenheit des Menschen und seinem Wohlbefinden im Alter.

Gemäß der Studie zeigte sich, dass Merkmale wie Depressivität, Nervosität und Neurotizismus sich in hohem Maße negativ auf das Wohlbefinden auswirken. Der enge Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen, Vergangenheit und Wohlbefinden zeigt sich bei Betrachtung der Längsschnittvergleiche, wenn nämlich beobachtbar wird, dass Personen, die schon Anfang der 70er Jahre emotional labil, depressiv, nervös und gehemmt waren, circa 25 Jahre später ein wesentlich geringeres Wohlbefinden aufwiesen als jene, deren Persönlichkeitsinventar Gelassenheit, Geselligkeit und Maskulinität aufwies. Neben letzt genannten Persönlichkeitsmerkmalen wurden im Rahmen der Studie noch Offenheit und emotionale Stabilität hochsignifikant mit Wohlbefinden assoziiert (vgl. Höpflinger, F.; Stuckelberger, A. 1999, S. 215 f.).

4.3 Soziale Netzwerke

„Ein soziales Netzwerk beschreibt die Art und Weise der vielfältigen Beziehungen, in die ein Mensch eingebunden ist“ (Thiele, G. 2001, S. 47). Sie meinen das Geflecht der informellen sozialen Beziehungen des Menschen und bilden eine bedeutende Basis für das gesellschaftliche Leben.

Die sozialen Rollen in unserer Gesellschaft stehen in maßgeblichem Zusammenhang mit der erwerbsmäßigen Berufstätigkeit. Durch den Wegfall dieser Aktivität beim Übergang in den Ruhestand findet auch ein entsprechender Rollenverlust statt.

Die Integration der älteren Menschen wird in hohem Maße davon abhängig sein, inwiefern es ihnen gelingen kann, sich in neue erfüllende Rollen einzufinden. Zentrale Bedeutung kommt dabei den zwischenmenschlichen Kontakten und den Generationenbeziehungen zu, denn das Wohlbefinden älterer Menschen wird maßgeblich durch diese sozialen Faktoren beeinflusst. „Zwischenmenschliche Kontakte, Gespräche und Besuche, der Austausch von Erfahrungen, und Rat und Unterstützung bei Problemen sind wesentliche Bestandteile von Lebensqualität“ (BMFSFJ 1998, S. 188).

Gemäß der IDA-Studie ist die Zufriedenheit mit bestehenden Kontakten ein zentrales Element sozialen Wohlbefindens. Dabei ist nicht Quantität, sondern Qualität der Kontakte entscheidend und auch hierbei nicht die Enge und Intimität der Verbindungen, sondern offenbar vielmehr die Einstellung zu sozialen Kontakten. So war „bei den 65- bis 74-jährigen Befragten [...] hohes psychisches Wohlbefinden auch mit einer hohen Wertschätzung sozialer Kontakte assoziiert“ (Höpflinger, F.; Stuckelberger, A. 1999, S. 217).

Kaffeekränzchen und Stammtisch sind als informelle Gesellschaft sehr beliebt und demnach scheinbar förderlich für das Wohlbefinden der Senioren.

Da durch den Eintritt in die Nacherwerbsphase Kontakte zu Kollegen weitgehend abbrechen, entsteht eine stärkere Orientierung auf private Bezugsgruppen. Die meisten Kontakte bestehen innerhalb der Familie; so treffen ältere Menschen am häufigsten ihre Kinder und Enkelkinder (vgl. Kap. 4.3.1). Ebenfalls enger Kontakt besteht zu Freunden und darüber hinaus auch noch relativ regelmäßig zu Geschwistern. Nicht nur durch Besuche, auch durch Telefongespräche, die besonders für in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen von großer Bedeutung sind, werden die Kontakte gepflegt (vgl. BMFSFJ 1998, S. 188).

Verlässliche soziale Netzwerke können Unterstützung in Krisensituationen möglicherweise auch bei Pflegebedürftigkeit bieten, zumal die Wahrscheinlichkeit, fremde Hilfe und Pflege in Anspruch nehmen zu müssen ab dem 80. Lebensjahr sichtbar zunimmt. Das Wissen um vorhandene Kontakte, insbesondere intakte Familien-, Freundschafts- und Nachbarschaftsbeziehungen bedeuten daher nicht nur Abwechslung im Alltag, sondern vermitteln auch die Wohlbefinden fördernde Gewissheit, im Notfall auf Partner, Angehörige oder Nachbarn zurückgreifen zu können.

Darüber hinaus scheint das Maß, wie ältere Menschen sich in soziale Netzwerke integrieren können und wollen, von deren Einschätzung der eigenen geistigen Fähigkeiten abhängig zu sein (vgl. Höpflinger, F.; Stuckelberger, A. 1999, S. 216).

Wohlbefinden im Alter hinsichtlich sozialer Netzwerke bezieht sich nämlich nicht nur auf das Sicherheitsgefühl, auf potenzielle Helfer in Notsituationen zurückgreifen zu können, sondern hat auch etwas mit „Gebrauchtwerden“ zu tun (vgl. Kap. 4.3.1 f.).

4.3.1 Die Rolle der Familie

Wie Beziehungen zu Nachbarn, Freunden und Bekannten spielt auch die Familie in mehrere Hinsicht eine bedeutende Rolle.

Viele pflegebedürftige Menschen werden aus ihrem privaten Umfeld gepflegt und versorgt, was ein Beispiel dafür ist, dass gerade private Hilfenetze für ältere Menschen von großer Bedeutung sind (vgl. BMFSFJ 1998, S. 186).

Darüber hinaus kommt dem Zusammensein mit Kindern und Enkelkindern in der heutigen Seniorengeneration eine spürbar große Bedeutung zu. So wird „der harmonisch verbrachte Tag im Kreis der Familie [...] als Glanzlicht und Höhepunkt der Woche oder des Monats erlebt“ (Opaschowski 1999, S. 95), was möglicherweise in engem Zusammenhang steht mit Lebenszufriedenheit, Wohlbefinden und Lebenserfüllung. Opaschowski führt hierzu drei wesentliche Aspekte an: Demnach vermittelt die Familie das Gefühl, noch gebraucht zu werden; sie sorgt für Abwechslung und Zerstreuung und gibt zudem als Ort der Beständigkeit und der sozialen Geborgenheit das Gefühl, nicht alleine da zu stehen (vgl. Opaschowski 1999, S.95).

Gefördert und gefordert werden – mal auf die Enkel aufpassen, die Wäsche bügeln oder einfach bei Kaffee und Kuchen zusammensitzen und auch noch nach dem eventuellen Umzug ins Heim zum Grillabend in die Familie können – dies sind Erlebnisse und Stationen im Alltag älterer Menschen, die gegen Gefühle von Nutzlosigkeit, Einsamkeit und Langeweile ankommen und psychosozial stabilisierend und identitätsstärkend von großer Bedeutung für das Wohlbefinden dieser Menschen sind.

Da mit dem Ruhestand der Verlust an Kontakten und beruflichen Rollen unweigerlich verbunden ist, kommt der Familie eine entscheidende Bedeutung zu. Instabile Familienbeziehungen bergen die Gefahr in sich, einen doppelten Statusverlust zu erleben; nämlich den der Familie und den der beruflichen sozialen Kontakte. Da Familienkontakte in ihrer Inanspruchnahme noch vor Kontakten zu Freunden und anderen Bekannten stehen, tritt Altersisolierung vor allem bei fehlenden Familienbeziehungen auf, was die Zufriedenheit und das Wohlbefinden nachhaltig beeinflussen kann.

4.3.2 Produktivität und Engagement älterer Menschen

Gesellschaftliche Partizipation bedeutet auch im Alter nicht nur in verschiedene Netzwerke integriert zu werden, sondern auch sich selbst produktiv einzubringen. Demnach steigt mit zunehmendem Alter nicht nur die Wahrscheinlichkeit, selbst auf Hilfe angewiesen zu sein, sondern vielmehr können und wollen die Senioren auch selbst Hilfe leisten, indem sie um Beispiel Ehrenämter übernehmen und damit ihr Leben sinnvoll gestalten.

Tatsächlich unterstützen Senioren bis ins hohe Alter auch andere Menschen, etwa aus Familie oder Nachbarschaft, gemäß ihren Möglichkeiten. Der Zweite Altenbericht spricht in diesem Zusammenhang von „[...] wechselseitige(m) Zusammenwirken der Generationen [...]“ (BMFSFJ 1998, S. 186) und widerspricht gleichzeitig der weit verbreiteten Annahme, alte Menschen würden isoliert und zurückgezogen leben.

Gemäß einer vom statistischen Bundesamt durchgeführten Studie leisten noch etwa 25 % der älteren Menschen Hilfe für andere (vgl. BMFSFJ 1998, S. 189). Nach dem Austritt aus dem Erwerbsleben haben die Senioren mehr Zeit zur Unterstützung insbesondere von Angehörigen. So betreuen sie beispielsweise eigene Enkelkinder oder Kinder von Verwandten, Nachbarn, Freunden oder Bekannten.

Doch nicht nur Angehörige werden unterstützt, sondern auch Nachbarn, Freunde und Bekannte, die aus dem Erwerbsleben bereits ausgeschieden sind. Dies nimmt mit zunehmendem Alter mehr und mehr an Bedeutung zu, da Verwandte und Freunde, die weiter entfernt wohnen aufgrund des Mobilitätsverlustes weniger gut erreichbar sind.

Bezüglich des Engagements älterer Menschen für andere lässt sich sagen, dass der Einsatz kaum als belastend empfunden wird, vielmehr als stärkend hinsichtlich des Gefühls, gebraucht zu werden.

Bei Höpflinger ist dazu zu lesen, dass der „Glaube an die eigenen Fähigkeiten und Einflussmöglichkeiten“ (Höpflinger, F.; Stuckelberger, A. 1999, S. 216), Eigeninitiative zu entwickeln positiv korreliert mit befriedigenden Sozialkontakten und somit auch mit dem Gefühl des Wohlbefindens.

Angesichts leerer Kassen wäre zu bedenken, ob die Förderung ehrenamtlichen prosozialen Engagements älterer Menschen im Ruhestand nicht auch einen immer wichtiger werdenden Bereich für SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen darstellt.

Neben dem aktiven, manuellen oder geistigen Engagement älterer Menschen sollte nicht vergessen bleiben, dass Produktivität noch weit aus mehr bedeuten kann als “der Hände Arbeit“. Alte Menschen dienen nämlich vielfach als Vorbild für Werte, Normvorstellungen und Ziele; sie sind es, die Wege für angenehmes Altern aufzeigen und optimistisch positive Emotionen wie Freude und Zuversicht nicht nur an folgende Generationen weitergeben können. Bewertungsmaßstäbe produktiver Leistung können demnach, so Staudinger und Schindler, nicht nur Geld, sondern auch Wohlbefinden, Erkenntnis und Sinn darstellen (vgl. Staudinger, U.; Schindler, I. 2002, S. 70 f.).

4.4 Wohnsituation

Wohnen ist für alte Menschen – genauso wie für alle Menschen – ein Grundrecht. Besonders bei alten Menschen trägt aufgrund der steigenden Immobilität und dem erhöhten Maß an freier Zeit die Wohnung erhöhte Bedeutung bei der Erfüllung unterschiedlichster Bedürfnisse. Untersuchungen haben ergeben, dass alte Menschen durchschnittlich nur etwa zweieinhalbe Stunden des Tages außerhalb ihrer Wohnung verbringen (vgl. Flade, A. 1997, S.17).

Die Wohnqualität ist nicht allein von der räumlichen Umwelt bestimmt, sondern auch von Beziehungen und Kontakten zu Angehörigen, Nachbarn, Freunden und Bekannten.

Davon ausgehend, dass die Aktionsräume älterer Menschen kleiner und Alltag zu einem großen Teil Wohnalltag wird, ist es vorstellbar, dass eine barrierefreie altersangepasste Wohnung einen hohen Stellenwert einnimmt, wenn es darum geht, den Alltag so zu erleichtern, dass tägliche Verrichtungen problemlos durchgeführt werden können.

Ein weiteres das Wohlbefinden beeinflussendes Faktum ist die Sicherheit der Wohnumgebung. Sinnvoll angebrachte Haltegriffe oder rutschfeste Fußböden etwa vermitteln das Gefühl, dass die häusliche Unfallgefahr niedrig ist und erhöhen somit die Wohnzufriedenheit. Unsicher machen dagegen Kriminalitätsfurcht oder mangelnde Verkehrssicherheit im direkten Wohnungsumfeld, sie fördern eher den Rückzug besonders eines älteren Menschen in die eigentlichen vier Wände als das Gefühl von Wohlbefinden.

4.5 Mobilität

Mobilität ist die Voraussetzung für die Beteiligung an sozialen Aktivitäten und Interaktionen außerhalb der Wohnung für die Erreichbarkeit von Veranstaltungen und Begegnungsangeboten, für gesundheitliche Betreuung so wie für die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen Dingen des alltäglichen Gebrauchs durch den älteren Menschen selbst.

Vor diesem Hintergrund ist Mobilität sicherlich als wichtiger Faktor für Lebensqualität und Wohlbefinden zu sehen.

Je älter ein Mensch wird, desto größer wird auch die Bedeutung von Mobilität, betrachtet man in diesem Zusammenhang das Wegfallen von berufsbedingten zeitlichen Verbindlichkeiten und Kontakten insbesondere zu Kollegen nach dem Austritt aus dem Erwerbsleben. Zudem sind betagte Menschen in erhöhtem Maße dem Risiko der Immobilität durch physische Einschränkungen ausgesetzt.

Einschränkungen wie Barrieren in Wohnung und Wohnumfeld sowie in öffentlichen Einrichtungen, Gebäuden und Verkehrsmitteln, Mängel bei der Verfügbarkeit von Infrastruktur sowie die Komplexität des Verkehrssystems erschweren die Teilhabe am sozialen Geschehen und darüber hinaus auch die Pflege der sozialen Kontakte ebenso wie die tägliche Versorgung.

Dabei sind Selbstbestimmung und Partizipation von erheblicher Bedeutung für das Wohlbefinden älterer Menschen und somit scheint das gleiche für die Mobilität zu gelten, geht man davon aus, dass sie eine Voraussetzung für Beteiligung am gesellschaftlichen Leben und somit Lebensqualität ist.

Barrierefreie Anpassungen von Wohnumwelt und Verkehrsmitteln können beispielsweise dazu beitragen, auch Personen mit Gehschwierigkeiten oder ähnlichen funktionalen Einschränkungen qualitativ hochstehende funktionale Autonomie im Alltagsleben zu ermöglichen.

Bemerkenswert in diesem Kontext scheint mir, dass im Kontrast zu vielen Belastungen, die mit verschiedensten Barrieren bei der PKW-Nutzung festgestellt wurden, dieser dennoch als Verkehrsmittel auch bei alten Menschen hoch im Kurs steht. Dies mag daran liegen, dass der PKW immer noch mehr positive Erlebnisse fördert als die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.

Ältere Menschen greifen nicht so gern auf öffentliche Verkehrsmittel zurück, da diese mit verschiedenen Problembereichen in Verbindung gebracht werden. Einige, die sich im Rahmen des Forschungsprojektes ANBINDUNG[2] gezeigt haben, seien nachfolgend benannt: Anonymität, Schwierigkeiten beim Fahrscheinerwerb und hohe Fahrkosten, Angst vor Kriminalität und Belästigung, Mangel an Toiletten in Bahnhofsgebäuden und Verkehrsmitteln selbst, Probleme bei der Bedienung der Türen etc. (vgl. Engeln, A. 2002, S. 152 ff.).

Könnten einige dieser Barrieren verringert, beziehungsweise abgebaut werden, würde dies wohl einer Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel durch ältere Menschen entgegen kommen, zumal nur ein geringer Anteil der Hochbetagten alternativ auf einen Privat-PKW zurückgreifen kann und sich somit auf die öffentlichen Mobilitätsbewältigungsangebote verzichtend eher alternativlos und sich selbst isolierend in die eigenen vier Wände und das per pedes zu bewältigende Wohnumfeld zurückziehen.

Nicht zuletzt bedeutet dies auch eine Einschränkung der Partizipationsmöglichkeiten und der Teilhabe an sozialen Netzwerken, die – wie bereits dargelegt (vgl. Kap. 4.3) – grundlegende Größe für Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden im Alter sein können.

4.6 Freizeit und Aktivität

Nicht nur betreffs sozial partizipativer und prosozialer Tätigkeiten hat die Aktivität der älteren Generation in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Das gleiche lässt sich auch über die individuelle Freizeitgestaltung sagen. Dies kann zum einen auf höhere soziale Kompetenzen zurückgeführt werden und zum anderen auf verbesserte medizinische Bedingungen, weshalb sich ältere Menschen heute einer besseren Gesundheit erfreuen.

Für die Aktivität älterer Menschen gilt, „[...] wer bereits in früheren Jahren aktiv war, behält diesen Lebensstil auch im Alter möglichst lange bei. Umgekehrt werden sich Inaktive im Alter kaum zu neuen Betätigungsfeldern anregen lassen“ (Schelling, H. R. 2000, online in Internet).

Während der Zeit der Erwerbstätigkeit stehen Arbeit und Freizeit in Wechselbeziehungen zueinander. Jegliche Art der Freizeitbeschäftigung dient der Erholung und dem Ausgleich. Mit der Erwerbstätigkeit entfällt auch die Freizeit im eigentlichen Sinne und muss als “freie Zeit“ mehr als einen Ausgleich bieten, nämlich sinnerfüllt genutzt werden. Wie freie Zeit genutzt und ausgefüllt wird, ist auch im Ruhestandsalter abhängig von verschiedenen sozioökonomischen und sozialen Faktoren wie Einkommen, Bildung, frühere berufliche Tätigkeit, Familienstand etc.

Unabhängig von der Art der Freizeitgestaltung gilt jedoch: Um Gefühle wie Einsamkeit und Nutzlosigkeit zu vermeiden, gilt es, das Alter aktiv zu gestalten.

Der Wunsch älterer Menschen, mehr aus ihrem Leben zu machen, zeigt sich im Bereich von Hobby, Sport oder Reisen. Dies spricht für Bewegung und Aktivwerden für das eigene Wohlbefinden gemäß dem Motto: „Lebensqualität ist nicht das, was mir geboten wird, sondern das, was ich daraus mache“ (Opaschowski 1999, S. 96).

Neben Kultur á la Theater- oder Konzertveranstaltungen, Museums- und Ausstellungsbesuche stehen bei älteren Menschen sportliche Aktivität und Reisen hoch im Kurs (Opaschowski 1999, S. 93).

Im Folgenden werde ich nur die beiden letztgenannten erörtern.

4.6.1 Sportliche Aktivität

Wer rastet, der rostet. Bewegung dagegen fördert Gesundheit und Wohlbefinden und gerade im Alter ist regelmäßige Bewegung entscheidend, um Risikofaktoren entgegen zu wirken und sie fördert darüber hinaus Partizipation, Autonomie und Lebensqualität.

Sportliche Betätigung kann zahlreichen Degenerationsprozessen und gesundheitlichen Risiken wie Fehlernährung, Übergewicht, Kreislaufbeschwerden und psychischem Stress entgegen wirken. Darüber hinaus werden Schutzfaktoren wie körperliche und geistige Fitness, das Gefühl eines sinnerfüllten Lebens und durch gemeinsame sportliche Aktivität die Integration in ein soziales Netzwerk aufgebaut.

Für den Sport ist wie für alles andere auch die frühere Sozialisation sehr wichtig. Senioren, die ihr Leben lang Sport getrieben haben, oder als Jugendliche aktiv waren und zwischenzeitlich ausgesetzt haben, setzen dieses Hobby auch im Alter fort.

Viele ältere Menschen sträuben sich zuerst, sportliche Veranstaltungen zu besuchen. Aufgrund des negativen Selbstbildes, das sie häufig von sich haben, haben sie Angst vor Überforderung oder trauen sich nicht, in Sportkleidung in der Öffentlichkeit aufzutreten (vgl. Karl, F.; Tokarski, W. 1992, S. 115). Die Mehrzahl der Rentner kommen allerdings erst über den Umweg einer schweren Erkrankung zur sportlichen Aktivität, möglicherweise als Rehabilitierungsmaßnahme und zusätzliche Prophylaxe.

Eine interessantes Ergebnis brachte die im Rahmen der IDA-Studie untersuchte Rolle des Krafttrainings älterer Menschen. Demnach trägt weniger das Training selbst zu einer Verbesserung des Wohlbefindens bei als der soziale Kontext des Training – beispielsweise der Kontakt zu jungen Menschen im Fitnessstudio. So fühlen sich die Senioren nach einem solchen Training in dem Vertrauen gestärkt, „[...] auch neue und jugendbetonte Situationen bewältigen zu können“ (Höpflinger, F.; Stuckelberger, A. 1999, S. 216), sind weniger ängstlich und schauen aus einem ausgefüllter erscheinenden Leben optimistischer in die Zukunft.

Es ist aber nicht nur Sport, der gesundheitsfördernd wirkt; auch Alltagsbewegung wie Gartenarbeit, Handarbeit und Spaziergänge haben einen gesundheitlichen Nutzen.

4.6.2 Reisen

Reisen bedeutet in der Regel körperliche Bewegung, bietet geistige Anregung und fördert die Kommunikation mit anderen Menschen, d.h. schafft soziale Kontakte, die besonders im Alter für die Gesundheit von entscheidender Bedeutung sind. (vgl. Kap. 4 .3)

Wenn wir den Begriff Gesundheit so verstehen, wie die WHO ihn formuliert hat, in dem sie sagt „Gesundheit ist nicht nur die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen, sondern der Zustand körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens" (BMFSFJ 2002, S. 218), dann trägt Reisen besonders für ältere Menschen zum körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefinden wesentlich bei.

Reisen im Alter scheint aber eher mit Komplikationen verbunden, wird es im Zusammenhang mit dem erhöhten Gesundheitsrisiko und verminderter Belastbarkeit gedacht.

Trotzdem zeigt die Reisefreudigkeit sowie die Gestaltung eines aktiven Urlaubs von Senioren steigende Tendenz. Ältere machen ständig mehr Gebrauch von Reiseprogrammen, die sich nach ihren speziellen Bedürfnissen richten und stellen dabei hohe Ansprüche (vgl. Füsgen, I; Welz, A. 1992, S. 129 f.).

Urlauber im hohen Lebensalter wollen mehr als ruhige Spaziergänge und Entspannung in ruhiger Umgebung. Sie suchen vor allem auch Kontakt zu anderen Menschen und Kommunikation, möglicherweise um der sonstigen alltäglichen Isolierung etwas zu entfliehen. Es zeigte sich weiterhin, dass ältere Menschen im Urlaub „[...] aktiv durchgeführte[...] Beschäftigung, gesellig-kommunikative[...] Beschäftigung und bildungsorientierte[...] Beschäftigung [...]“ (Füsgen, I; Welz, A. 1992, S. 132) wünschen. So kann Reisen durchaus Abwechslung und neue Impulse bedeuten, die nicht zuletzt Auswirkungen auf Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden haben.

5 Fazit

Hinsichtlich der demografischen Revolution steht fest, dass sich zukünftig immer mehr Menschen fragen, wie die Jahre nach der Erwerbstätigkeit ausgefüllt und mit dem Gefühl des Wohlbefindens verlebt werden können.

Alterungsprozesse und Alter selbst sind zu einem Teil bedingt durch Lebensumwelten. Darüber hinaus sind ältere Menschen aber auch aktive Mitgestalter dieser Umwelten, Mitentwickler gesellschaftlichen Lebens und Kultur.

Es konnte herausgestellt werden, dass Partizipation in sozialen Netzwerken, Integration und Autonomie wichtige beeinflussende Faktoren des Wohlbefindens darstellen. Inwiefern diese Faktoren gestaltet und gelebt werden können ist wiederum bedingt durch viele sozioökonomische und soziale Faktoren und nicht zuletzt durch den Willen der älteren Menschen selbst und den Zugang zu einschränkungsbewältigenden Regulatoren.

Hält man einmal an dem Willen älterer Menschen fest, ihr Leben auch im hohen Alter noch aktiv gestalten zu wollen, können zukünftig verstärkt geforderte Aufgaben der Altenarbeit sein: die individuelle Hilfe bei der Lebensbewältigung und Lebensplanung, die Förderung und Beratung von Selbsthilfegruppen und die Intensivierung und Erhaltung von Projekten zu Nachbarschaftsbeziehungen. Senioren könnten vermehrt in Stadtteil- und Gremienarbeit einbezogen werden und darüber hinaus der Austausch zwischen den jüngeren und älteren Generationen gefördert werden.

Gewonnene Jahre werden zwar auch so nicht automatisch erfüllte Jahre aber die Lebenszufriedenheit und damit das Wohlbefinden älterer Menschen können möglicherweise nachhaltig positiv beeinflusst werden.

Literatur

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland. Elfter Kinder- und Jugendbericht. Berlin 2002

Cohen, Amos: Leistungsanforderungen und Leistungsmöglichkeiten. In: BMFSFJ (Hg.): Mobilität und gesellschaftliche Partizipation im Alter. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2002, S. 292-310.

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[...]


[1] Das Interdisziplinäre Altersprojekt (IDA) untersuchte als Fortführung der medizinischen Langzeitstudie „Basler Studie“ zentrale Einflussfaktoren von Wohlbefinden (vgl. Höpflinger, F.; Stuckelberger, A. 1999, S. 211).

[2]AN forderungen Älterer an eine B enutzergerechte Vernetzung IND ividueller UN d G emeinschaftlich genutzter Verkehrsmittel“, Durchführung bei BMFSFJ in der Zeit von September 1994 bis Dezember 1999 (vgl. Engeln, A. 2002, S. 147 f.).

Details

Seiten
23
Jahr
2004
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v26810
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Institut für Sozialpädagogik
Note
gut
Schlagworte
Faktoren Wohlbefindens Alter

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Titel: Faktoren des Wohlbefindens im Alter