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Herausforderung Internationales Geschäft. Was erwartet der Mittelstand von seiner Hausbank?

Bachelorarbeit 2013 54 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen zum deutschen Mittelstand
2.1 Definition Mittelstand
2.1.1 Historischer Hintergrund
2.1.2 Quantitative Kriterien
2.1.3 Qualitative Kriterien
2.1.4 Zusammenspiel beider Abgrenzungskriterien
2.2 Volkswirtschaftliche Bedeutung des deutschen Mittelstands

3 Internationalisierung mittelständischer Unternehmen
3.1 Definition Internationalisierung
3.2 Der Internationalisierungsprozess
3.3 Motive für die Internationalisierung im Mittelstand
3.4 Stellung des Mittelstands im internationalen Geschäft
3.5 Zwischenfazit

4 Das Bankgeschäft mit international tätigen Unternehmen
4.1 Rahmenbedingungen für das Auslandsgeschäft beim Kreditinstitut
4.2 Anforderungen der KMU an die Banken bei internationalen Geschäften
4.2.1 Untersuchung des Leistungsangebotes für das Auslandsgeschäft am konkreten Beispiel der Sparkassen
4.2.1.1 Entscheidungs- und Planungsphase
4.2.1.2 Außenhandelsgeschäfte
4.2.1.3 Kooperative Vertragsbeziehungen
4.2.1.4 Auslandsengagements mit Kapitalbeteiligung
4.2.2 Sonstiges Angebot der Sparkassen
4.2.3 Weiterentwicklungspotenzial des Leistungsangebotes?

5 Fazit

Anhangverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: KMU-Definition des IfM Bonn

Abbildung 2: KMU-Definition der Europäischen Kommission

Abbildung 3: Quantitative Mittelstandsdefinition nach DMI

Abbildung 4: Entwicklungsstufen im Internationalisierungsprozess

Abbildung 5: Motive für Auslandsaktivitäten mittelständischer Unternehmen

Abbildung 6: Auslandsaktivitäten mittelständischer Unternehmen

Abbildung 7: Entwicklung der Eigenkapitalquoten nach Umsatzgrößenklassen

Abbildung 8: Marktpositionierung im internationalen Firmenkundengeschäft

Abbildung 9: Bausteine des S-Finanzkonzept Firmenkunden

1 Einleitung

Die jüngste Wirtschafts- und Finanzkrise hat die Zusammenarbeit von Banken und Firmenkunden auf eine harte Probe gestellt. Viele Kreditinstitute müssen sich neu orientieren und die Erfolgsfaktoren für ihre Einrichtung neu definieren. Das Firmenkundenklientel findet aber immer noch eine besondere Beachtung bei den Banken, da es ein durchaus attraktives Ertragspotenzial in sich trägt. Doch nach der Finanzkrise gilt es vor allem das verlorene Vertrauen der Kunden in ihre Bank zurückzugewinnen und die partnerschaftliche Beziehung wieder aufzubauen. Vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmenskunden kommt der Beziehungsebene eine hohe Bedeutung zu.[1] Der Mittelstand ist der Wirtschaftsmotor Deutschlands. Sein Erfolg beruht auf Werten wie Stabilität, Beständigkeit, Leistungsbereitschaft und Qualität. Doch in Zeiten steigender Globalisierung sind auch mittelständische Unternehmen aufgefordert, sich mit ausländischen Märkten zu beschäftigen. Die Nachfrage nach Dienstleistungen für das Auslandsgeschäft steigt kontinuierlich. Bei der Herausforderung „Internationalisierung“ ist es also die Aufgabe der Bank, ihren Kunden als Partner und Berater zur Seite zu stehen und die benötigten Leistungen anzubieten. Dies ist die Voraussetzung um eine dauerhafte Geschäftsbeziehung aufrecht zu erhalten.[2]

Die folgenden Ausführungen thematisieren den Begriff Mittelstand und erörtern die Stellung mittelständischer Unternehmen als tragende Säule der deutschen Volkswirtschaft. Anschließend wird die Internationalisierungsentwicklung des Mittelstands betrachtet. Dabei gilt es, dieses Phänomen genau zu definieren und die Beweggründe der Unternehmen für die Internationalisierung aufzuzeigen. Die unternehmerischen Besonderheiten, die nachfolgend betrachtet werden und die die Position des Mittelstands im Internationalisierungsprozess begründen, lassen auf die Bedeutung der Kreditinstitute für den Mittelstand bei der Abwicklung der Auslandsgeschäfte schließen. Daraufhin werden die allgemeinen Rahmenbedingungen bei den Kreditinstituten für das Auslandsgeschäft betrachtet. Anschließend werden die Bedürfnisse des Mittelstands bei internationalen Aktivitäten auf das Produkt- und Dienstleistungsangebot der Bank projiziert. Da als Hausbank mittelständischer Unternehmen oft die Sparkasse agiert, wird die Betrachtung der Leistungen auf diese Institutsgruppe fokussiert. Ziel dieser Thesis ist es, den Stellenwert der Kreditinstitute bei ausländischen Geschäftstätigkeiten mittelständischer Unternehmen herauszuarbeiten und zu prüfen, inwieweit die Banken, in erster Linie die Sparkassen, dieser Rolle gerecht werden.

2 Theoretische Grundlagen zum deutschen Mittelstand

2.1 Definition Mittelstand

2.1.1 Historischer Hintergrund

Sprachgeschichtlich betrachtet ist Mittelstand ein „Stand in der Mitte“ einer Gesellschaft. Der Begriff „Stand“ stammt vom lateinischen Wort „status“ ab und bestimmt eine abgeschlossene Gruppe in einer hierarchischen Gesellschaft. Der historische Ursprung des Begriffs „Mittelstand“ ist nicht eindeutig feststellbar. In der Antike und im Römischen Reich wurden zunächst die Stände nach ihrer Macht, dem Einkommen und der politischen Stellung unterschieden. Im Mittelalter bildete sich als ein besonderer Stand zwischen der Ober- und Unterschicht das freie städtische Bürgertum. Die Städte, die durch das Bürgertum entstanden, hatten für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes eine hohe Bedeutung. Ab dem 16. Jahrhundert bis zum Beginn der Weimarer Republik wurde die wirtschaftliche Entwicklung von großen technischen und kaufmännischen Innovationen beeinflusst. In dieser Zeit verlor die Abgrenzung zwischen oberer und unterer Gesellschaftsebene im Zusammenhang mit dem Mittelstand an Bedeutung. Der Ausdruck stand vielmehr für diejenigen Unternehmer, die weder kleine Handwerker noch Großindustrielle waren. Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts kam dem Mittelstand auf Grund wirtschaftlicher und politischer Entwicklungen keine große Bedeutung zu, hier profitierten vielmehr die großen Industrieunternehmen. Erst in den Jahren des „Wirtschaftswunders“ (1949-1966) entstand der „neue Mittelstand“. In dieser Zeit nutzten viele Unternehmer im westdeutschen Raum ihre Chancen auf Grund der weltweit enormen Nachfrage. Endgültig etablieren konnten sie sich in der 1. Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit, als sie den Arbeitsplatzabbau bei großen Industriebetrieben auffangen konnten. Zu dieser Zeit setzte sich der Mittelstand aus Eigentümerfamilien von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zusammen. Durch den Fall der Mauer 1989 kam es letztlich auch zur Privatisierung der in der ehemaligen DDR verstaatlichten Betriebe und die Eingliederung in das Wirtschaftssystem der Bundesrepublik Deutschland.

Der Begriff „Mittelstand“ hat sich im Laufe der Jahre also stark geändert. Vor allem die zunehmende Bedeutung der Merkmale des Eigentümers und der Familie ist klar erkennbar. Die heutige Definition des Mittelstands spiegelt diese Entwicklungen wider.[3]

Im folgenden Abschnitt wird die Abgrenzung der mittelständischen Unternehmen anhand quantitativer und qualitativer Kriterien vorgenommen. Die quantitativen Merkmale orientieren sich dabei am Begriff der KMU, während die qualitativen Merkmale die Begriffe Mittelstand und Familienunternehmen aufgreifen. Eine differenzierte Betrachtung dieser häufig bedeutungsgleich verwendeten Begrifflichkeiten ist hier wichtig.[4]

2.1.2 Quantitative Kriterien

Für die Bewertung der KMU-Zugehörigkeit können unterschiedliche quantitative Aspekte herangezogen werden, die das Leistungspotenzial eines Unternehmens widerspiegeln.[5] In der Praxis haben sich die Anzahl der Beschäftigten und der jährliche Unternehmensumsatz als Beurteilungsgrößen durchgesetzt. Daraus ergibt sich die Definition des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: KMU-Definition des IfM Bonn[6]

Diese in Deutschland anerkannte Definition wird auf internationaler Ebene jedoch nicht eingesetzt. Hier hat die Europäische Kommission im Jahre 1995 eine KMU-Abgrenzung definiert, die neben den beiden oben genannten Indikatoren zusätzlich die Bilanzsumme des Unternehmens berücksichtigt. Diese wurde gemäß der Kommissionsempfehlung im Mai 2003 aktualisiert und sieht folgende Abgrenzungskriterien vor:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: KMU-Definition der Europäischen Kommission[7]

Diese Größengrenzen sind auch in Deutschland entscheidend für die Vergabe der Fördermittel für alle Mittelstandsprogramme der Europäischen Union.[8]

2.1.3 Qualitative Kriterien

Mittelständische Unternehmen lassen sich nicht allein durch wirtschaftliche Größenvorgaben definieren, sondern charakterisieren sich auch durch gesellschaftlich-psychologische Aspekte, die auch eine Abgrenzung zu Großunternehmen ermöglichen.[9]

Im Mittelpunkt der qualitativen Definition steht der Eigentümer des mittelständischen Unternehmens. Er vereinigt das Eigentum und die Unternehmensleitung in seiner Hand und trägt das Risiko und die Verantwortung für sämtliche Unternehmensentscheidungen. Weitere Charakteristika für mittelständische Unternehmen sind wirtschaftliche Unabhängigkeit, ein enger Bezug zum regionalen Umfeld und Geschäftspartnern, flache Unternehmenshierarchie und dadurch auch persönlicher Umgang mit Mitarbeitern.[10]

Das IfM Bonn konkretisiert noch das Kriterium „Einheit von Eigentum und Leitung“ und bezeichnet alle Betriebe, deren Anteile zumindest zur Hälfte von bis zu 2 natürlichen Personen aus dem Familienkreis gehalten werden und diese auch in der Geschäftsführung tätig sind, als Familienunternehmen.[11] Demnach sind alle mittelständischen Unternehmen stets eigentümergeführte Familienunternehmen.[12] Eine endgültige Differenzierung der Begriffe „Mittelstand“ und „Familienunternehmen“ ist in der Literatur bis heute nicht zu finden.[13]

Letztendlich entscheidend für die endgültige Abgrenzung mittelständischer Unternehmen ist das Zusammenwirken sowohl quantitativer als auch qualitativer Aspekte, was im folgenden Unterkapitel betrachtet wird.

2.1.4 Zusammenspiel beider Abgrenzungskriterien

Durch das Zusammenspiel der qualitativen und quantitativen Merkmale lässt sich eine Abgrenzung des Mittelstands zu Großunternehmen darstellen. Unternehmen, die beide Kriterien erfüllen, stehen für die klassischen mittelständischen Unternehmen. Aber auch die großen Familienunternehmen, wegen ihrer außergewöhnlich starken Marktposition als „Hidden Champions“ bezeichnet, die die quantitativen Vorgaben nicht erfüllen, in ihrem Wesen jedoch als mittelständisch zu betrachten sind, zählen im weiteren Sinne zum Mittelstand.[14] Da der deutsche Mittelstand im europäischen und auch weltweiten Vergleich eine recht starke Stellung einnimmt,[15] gilt es bei der Mittelstandsdefinition auch die Sichtweise des Deloitte Mittelstandsinstituts (DMI), das die Größenkriterien für Mittelständler höher setzt, zu betrachten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Quantitative Mittelstandsdefinition nach DMI

Demnach gehören zu mittelständischen Unternehmen nach DMI neben den eigentümer- bzw. familiengeführten Unternehmen auch managementgeführte Unternehmen mit bis zu 3000 Mitarbeitern und/oder einem Jahresumsatz von bis zu ca. 600 Mio. Euro bzw. Unternehmen, die beide Definitionsmerkmale erfüllen.[16] Da die internationale Tätigkeit mittelständischer Unternehmen den Schwerpunkt dieser Thesis darstellt, wird die Sichtweise des DMI hier mit berücksichtigt.

Abschließend ist zu vermerken, dass für den Begriff „Mittelstand“ keine einheitliche Definition existiert. In der Fachliteratur finden sich unterschiedliche Begriffserklärungen. Grundsätzlich sind vor allem die quantitativen Grenzen zu hinterfragen, da diese stark von der Branche abhängig sind, in der sich das Unternehmen bewegt.[17]

2.2 Volkswirtschaftliche Bedeutung des deutschen Mittelstands

Mittelständische Unternehmen stehen stets im Fokus des Staates und der Politik, was ein Indiz für ihre hohe volkswirtschaftliche Rolle für Deutschland ist. Die Bedeutung der KMU lässt sich anhand einiger statistischer Daten belegen.

Auf Grundlage der KMU-Definition des IfM Bonn sind über 99% aller deutschen Unternehmen dem Mittelstand zuzurechnen. Diese haben im Jahr 2011 rund 2 Billionen des Gesamt-umsatzes aller deutschen Unternehmen erwirtschaftet, was einem Anteil von rund 37% entspricht und einem Zuwachs von 8,1% im Vergleich zum Vorjahr. Ihr Beitrag zur gesamten Nettowertschöpfung des Landes belief sich im Jahre 2010 auf fast 52%.

Eine besondere Bedeutung ist den mittelständischen Unternehmen bei der Sicherung und Schaffung neuer Arbeitsplätze beizumessen. Im Jahr 2011 stellten sie rund 60% aller sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze in Deutschland. Zusätzlich engagieren sich die KMU intensiv in der Ausbildungsarbeit. Hier stellten sie über 83% aller Ausbildungsplätze bereit. Mit ihrem Beitrag tragen sie entscheidend zur niedrigen Jugendarbeitslosenquote von 7,9% bei, was im europäischen Vergleich ein hervorragender Wert ist. Nicht umsonst werden mittelständische Unternehmen als „Jobmotor“ Deutschlands bezeichnet.[18] Vor allem auch in schwierigen konjunkturellen Phasen zeigte sich bereits mehrfach, dass der Mittelstand im Vergleich zu Großunternehmen eher von Entlassungen absieht, was für den Beschäftigungsmarkt von enormer Bedeutung ist.[19]

Weiterhin sind für anhaltendes wirtschaftliches Wachstum Unternehmensinvestitionen wichtig. Der Anteil der KMU betrug in 2011 195 Mrd. Euro, was einen Anstieg zum Vorjahr in Höhe von 10% bedeutet. Positiv ist dies vor allem vor dem Hintergrund des zurückhaltenden Investitionsverhaltens in den Vorjahren und dem mittlerweile langsameren Konjunkturaufschwung zu werten.[20] Ebenso wird die Innovationsstärke als ein wesentlicher Indikator für langfristigen wirtschaftlichen Erfolg und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens gesehen.[21] In 2010 entfielen ca. 39% aller Forschungs- und Entwicklungsausgaben auf den Mittelstand. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Mittelstand rund 99% aller deutschen Unternehmen ausmacht, erscheint dieser Beitrag als gering. Der Rückschluss, dass der Mittelstand zu geringe Innovationtätigkeit ausübt, wäre in diesem Zusammenhang jedoch unangemessen. Im Gegenteil, in den vergangenen Jahren haben mittelständische Unternehmen ihren Aufwand für F&E im Vergleich zu Großunternehmen prozentual deutlich mehr gesteigert und auch der Innovationserfolg lässt sich mit einer Innovatorenquote von über 65% sehen.[22] Gerade für die „Hidden Champions“ ist das Thema Innovation von existenzieller Bedeutung, weil ihr Erfolg nachhaltig davon abhängt, dass sie den Nachahmern immer eine Nasenlänge voraus sind.

Alles in allem ist festzuhalten, dass die Bedeutung der KMU für die deutsche Volkswirtschaft als extrem wichtig anzusehen ist. Nicht umsonst ist Mittelstandspolitik regelmäßig ein Bestandteil der politischen Programme, die günstige Rahmenbedingungen für den Mittelstand schaffen sollen, um diese wichtige Gruppe an Unternehmen zu unterstützen und zu fördern.[23]

3 Internationalisierung mittelständischer Unternehmen

3.1 Definition Internationalisierung

Um die internationalen Tätigkeiten mittelständischer Unternehmen näher zu beleuchten, gilt es zunächst den Begriff der Internationalisierung zu definieren. Zu Beginn ist festzuhalten, dass die Internationalisierung der Wirtschaftsmärkte keine Trenderscheinung ist, die vor allem in den letzten Jahrzehnten aufgekommen ist, sondern vielmehr eine lange Entwicklung hinter sich hat.[24]

Die Ursprünge der Internationalisierung liegen bereits im Alten Orient als der erste Handel mit Edelmetallen, Kleidung und Vieh außerhalb der eigenen Ortsgrenze stattfand. Zeitgleich spielte für die Ägypter der Seehandel eine große Rolle. Ebenso waren zu dieser Zeit Griechen und Römer, zunächst im Tauschgeschäft „Ware gegen Ware“ sowohl in den Städten des eigenen Reiches als auch außerhalb der Reichsgrenzen aktiv. Mit Einführung von Edelmetallen als Zahlungsmittel gewannen die „Ware-gegen-Geld-Geschäfte“ an Bedeutung. Der Handel erstreckte sich dabei über weitere Teile Europas, Afrikas und Asiens. Die Organisation und Ausgestaltung dieser länderübergreifenden Geschäftsbeziehungen hing dabei stark vom Einfluss der Kirche und der Regierung auf die Wirtschaft in den jeweiligen Ländern ab. Nach dem Zerfall des Römischen Reiches blühte der Außenhandel erst wieder ab dem Mittelalter auf. In Deutschland wurde diese Zeit durch den Begriff „Hanse“ geprägt, als die norddeutschen Kaufleute Handelsgemeinschaften bildeten, um so ihre wirtschaftlichen Interessen im Ausland besser zu vertreten. Auch im restlichen Europa entwickelte sich der grenzüberschreitende Handel äußerst erfolgreich, sodass Mitteleuropa zum pulsierenden Zentrum der Aktivitäten wurde und Südeuropa ablöste. Ab dem 15. Jahrhundert gewann der Überseehandel immer mehr an Bedeutung. Die heute als ehemalige Kolonialmächte bekannten Länder wie England, Portugal, Spanien, Frankreich oder Niederlande, spielten in dieser Zeit eine bedeutende Rolle. Mit zunehmender Industrialisierung öffneten sich die Märkte immer mehr, sodass es ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts vermehrt zu Direktinvestitionen[25] im Ausland kam.[26]

Das heutige Verständnis vom Phänomen „Internationalisierung“ ist in der Literatur ähnlich wie beim Begriff des Mittelstands weit gefasst. Laut Dülfer wird als Internationalisierung jegliche Aufnahme ausländischen Geschäftsaktivitäten verstanden.[27] Da hier jedoch die Leistungserstellung eines Unternehmens im Vordergrund steht und nicht jeder grenzübergreifender Informationsaustausch als ein Indikator für Internationalisierung gilt, wird für die Begriffsbestimmung unter internationaler Tätigkeit eines Unternehmens der regelmäßige Austausch von Waren und Dienstleitungen im bedeutenden Ausmaß mit dem Ausland verstanden.[28] Die Internationalisierung kann sowohl als ein Zustand als auch als ein Prozess betrachtet werden. Die Auslegung als ein Zustand bestimmt den Grad der Internationalisierung des Unternehmens zu einem bestimmten Zeitpunkt. Dieser wird anhand von unterschiedlichen quantitativen und qualitativen Messgrößen bestimmt und bildet den Umfang ausländischer Geschäftsaktivitäten im Verhältnis zu den inländischen ab.[29] Die Zeitpunktbetrachtung ermöglicht eine Aussage zum strukturellen und verhaltensorientierten Stand des internationalisierenden Unternehmens, ist jedoch kein Indikator dafür, welche Bedeutung ausländische Aktivitäten für die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens haben.[30] Aus dynamischer Sicht wird die Internationalisierung als ein Prozess dargestellt. Auf diese Betrachtungsweise wird im folgenden Unterkapitel genauer eingegangen.

Der Begriff der Internationalisierung ist von dem in der Fachliteratur oft gleichgesetzten Begriff der Globalisierung abzugrenzen. Während die Internationalisierung die Ausweitung ökonomischer Aktivitäten über die nationale Grenze hinaus definiert, versteht man unter Globalisierung die umfassendere Form der Internationalisierung im Sinne größerer räumlicher Zerstreuung der internationalen Wirtschaftstätigkeiten. Globalisierung ist quasi die fortgeschrittene Phase des Internationalisierungsprozesses.[31]

3.2 Der Internationalisierungsprozess

Unter dem Prozess der Internationalisierung wird ein Vorgang über einen Zeitraum verstanden, in dem sich das Internationalisierungsvorhaben entwickelt. Folglich ist dieser Prozess durch bestimmte Ziele und Beweggründe des Unternehmens geprägt, die für eine Auslandsaktivität sprechen.[32] In der Literatur tauchen unterschiedliche theoretische Ansätze auf, die diesen dynamischen Prozess darstellen. Eine Auswahl der bekanntesten wird hier, ohne kritische Würdigung, kurz aufgezeigt.

So stellt Raymond Vernon in seinem Produktlebenszyklusmodell die Ausfuhr von Gütern und das Investitionsverhalten im Ausland in Abhängigkeit zu Lebensphasen eines neuen Produktes dar. Bedingt durch die Veränderungen der Nachfragestruktur, der Produktionsprozesse und der Kostenentwicklung im Unternehmen variiert die Intensität des Exports[33] bzw. werden Direktinvestitionen getätigt. Dadurch können gewisse Skaleneffekte genutzt werden.[34] Darauf aufbauend beschäftigt sich Aharoni in seiner behavioristischen Entscheidungstheorie in erster Linie mit der Thematik der Direktinvestitionen. Seine Forschungen ergeben, dass Entscheidungen im Unternehmen nicht rational getroffen werden. Also entschließen sich Geschäftsführer aus unkalkulierbaren Risikogesichtspunkten trotz der attraktiven Gewinnmöglichkeiten oft gegen eine Auslandsinvestition. Vielmehr braucht das Unternehmen neben den Profiterwartungen weitere externe Anreize, wie z.B. Kundenempfehlungen oder erfolgreiche Internationalisierungsengagements von Konkurrenten. Das Unternehmen durchläuft in diesem Entscheidungsprozess unterschiedliche Phasen vom Entscheidungsanstoß, im Ausland zu investieren, über die Informationseinholung bis hin zur nachträglichen Überprüfung des Entschlusses.[35] Über den Entscheidungsprozess hinaus geht Aharoni in diesem Zuge auf den langfristigen Internationalisierungsprozess ein, der sich als ein schrittweiser kontinuierlicher Prozess darstellt, der von der Lernfähigkeit der Organisation lebt. D.h. je mehr Erfahrungen die Unternehmen im Auslandsgeschäft sammeln, desto geringer wird das Risiko eingestuft, desto höher ist der Informationsstand des Unternehmens und die Auslandsaktivitäten werden schrittweise zur Selbstverständlichkeit.[36] Einen weiteren theoretischen Ansatz bietet das Uppsala-Modell von Johanson und Vahlne aus dem Jahr 1977, das wohl das bekannteste in der Literatur ist. Dieses beschreibt die Internationalisierung als einen sukzessiven Prozess, bei dem die Unternehmen ihre Bindung an ausländische Märkte nach und nach erhöhen und sich dabei immer mehr von den Heimatmärkten entfernen. Die zentrale Aussage des Models ist, dass der Internationalisierung keine objektiven Entscheidungen zu Grunde liegen, sondern, dass sie eher ein schrittweiser Prozess der Anpassung an externe Rahmenbedingungen und unternehmerische Entwicklungen ist. Der Prozess stellt sich in einer Spirale dar, die aus statischen Faktoren „Marktwissen“ und „Marktbindung“ und Veränderungsfaktoren „Bindungsentscheidungen“ und „laufende Geschäftstätigkeiten“ gebildet wird. Diese Faktoren beeinflussen sich gegenseitig und geben den Anstoß für weitere Entscheidungen. Somit hat steigendes Marktwissen Einfluss auf die laufenden Geschäftstätigkeiten, die zukünftigen Investitionsentscheidungen und den Ressourcentransfer, was zu höherer Marktbindung im Ausland führt. Je weiter die Unternehmen in ihrem Lernprozess der Internationalisierung vorangeschritten sind, desto höher ist ihre Bindung an den ausländischen Markt. Das Uppsala-Modell wurde im Laufe der Jahre mehrmals weiterentwickelt.[37] Auch haben Macharzina und Engelhard als Weiterentwicklung von vorhandenen Theorien einen sogenannten GAINS-Ansatz („Gestalt Approach of International Business Strategies“) aufgesetzt, bei dem der Prozess der Internationalisierung als ein ganzheitlicher Bestandteil der Unternehmensentwicklung betrachtet wird.[38] Dieser Ansatz wird hier jedoch nicht weiter betrachtet, da dieser vor allem die Großunternehmen und nicht die KMU im Blick hat.[39]

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es diverse Theorien zur Internationalisierung gibt, die unterschiedliche Strategien des Markteintritts aufzeigen. Eine gewisse Abbildung dieser Modelle spiegelt sich in den Internationalisierungsstufen von Meissner und Gerber wider, die in der folgenden Visualisierung aufgezeigt werden:

[...]


[1] Vgl. Bröskamp/ Frien (2011), S. 1 und 18

[2] Vgl. Virnich (2007), S. 438f. und Bröskamp/ Frien (2011), S. 33

[3] Vgl. Becker/ Ulrich (2011a), S. 15-18

[4] Vgl. Becker/ Ulrich (2011a), S. 19

[5] Vgl. Ernst (1999), S. 56

[6] Eigene Darstellung angelehnt an IfM Bonn (2002a)

[7] Eigene Darstellung angelehnt an Europäische Kommission (2003)

[8] Vgl. Reinemann (2011), S. 3

[9] Vgl. Ernst (1999), S. 59

[10] Vgl. Reinemann (2011), S. 5f.

[11] Vgl. IfM Bonn (2002b)

[12] Vgl. Staub (2012), S. 117

[13] Vgl. Reinemann (2011), S. 6

[14] Vgl. Reinemann (2011), S. 8f.

[15] Vgl. Becker/ Ulrich (2011a), S. 28 und S. 70 ff.

[16] Vgl. Becker/ Staffel/ Ulrich (2008), S. 20

[17] Vgl. Reinemann (2011), S. 9

[18] Vgl. IfM Bonn (2013), BMWi (2013) und KfW Bankengruppe (2012)

[19] Vgl. Staub (2012), S. 127

[20] Vgl. KfW Bankengruppe (2012)

[21] Vgl. Staub (2012), S. 129

[22] Vgl. IfM Bonn (2013)

[23] Vgl. Staub (2012), S. 130ff.

[24] Vgl. Kutschker/ Schmid (2002), S. 14

[25] Direktinvestitionen sind Kapitalanlagen im Ausland in Form von Unternehmensbeteiligungen (vgl. hierzu Neumair/ Schlesinger/ Haas (2012), S. 75

[26] Vgl. Kutschker/ Schmid (2002), S. 7-14

[27] Vgl. Dülfer (1982), S. 50

[28] Vgl. Swoboda (2002), S. 6

[29] Vgl. Becker/ Ulrich (2011b), S. 57 f.

[30] Vgl. Staub (2012), S. 338 f.

[31] Vgl. Neumair/ Schlesinger/ Haas (2012), S. 7

[32] Vgl. Becker/ Ulrich (2011b), S. 59

[33] Definition des Begriffs siehe im Kapitel 4.2.1.2

[34] Vgl. Swoboda (2002), S. 41ff. und Guserl (2013), S. 85ff.

[35] Vgl. Aharoni (1966), S. 30ff.

[36] Vgl. Aharoni (1966), S. 175ff.

[37] Vgl. Swoboda (2002), S. 82ff., Johanson/ Vahlne (1977), S. 26ff. und Macharzina/ Wolf (2012), S. 913ff.

[38] Vgl. Guserl (2013)S. 129f.

[39] Vgl. Macharzina/ Wolf (2012), S. 916

Details

Seiten
54
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656604266
ISBN (Buch)
9783656604211
Dateigröße
7.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268074
Institution / Hochschule
Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe Bonn
Note
2,3
Schlagworte
Internationalisierung Mittelstand mittelständische Unternehmen Auslandsgeschäft

Autor

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