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Die Darstellung des Dominikanerordens in der Inquisition

Hausarbeit 2012 21 Seiten

Kunst - Kunstgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Die Jungfrau der Katholischen K ö nige
2.1 Zur Geschichte
2.2 Tomás Torquemada
2.3 Der Heilige Dominikus
2.4 Thomas von Aquin
2.5 Heiliger Petrus Martyr
2.6 Fazit

3. Pedro Berruguetes Auto de Fe

4. Santa Maria Novella in Florenz

5. Nachwort

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Vorwort

Im Rahmen des Proseminars, das die Kunst rund um Franziskus und seinen Orden behandelte, widme ich mich einem Thema zu, welches die Inquisition auf der iberischen Halbinsel unter den Katholischen Königen, dessen Einfluss auf die Künstler und die Rolle von christlichen Ordensgemeinschaften prüfen soll. Unterschiedliche Fragen kommen dabei auf, beispielsweise ob es eine besondere Ikonographie für diesen Bereich gibt? Darüber hinaus ist es interessant zu erfahren, wie die Orden der Heiligen Franziskus und Dominikus der Inquisition gegenüber standen.

Es war eine sehr spannende Arbeit. Im Laufe meiner Recherche tauchten immer wieder neue interessante Fragen auf, die nach einer Antwort riefen. Die vorgeschriebene Seitenanzahl machte es aber unmöglich, auf die unterschiedlichen Thematiken tief einzugehen. Deswegen stellt die Hausarbeit eher eine oberflächliche Schau dar.

Die Literaturlage zu diesem höchst spannenden Thema ist dürftig. Wenige Bücher behandeln überhaupt die Inquisition und Kunst, geschweige denn mit einem Schwerpunkt auf Spanien. So war ich dennoch froh, einige gut fundierte Schriften zu finden, insbesondere von Michael Scholz- Hänsel, der sich seit längerem mit demselben Thema auseinandersetzt. Doch insgesamt war ich darauf angewiesen, eigene Gedanken zu entwickeln und selbst zu forschen. Vor allem gestaltete sich die Werkauswahl nicht gerade einfach, denn es gibt wenige erhaltene Bilder, die die Inquisition tatsächlich und real wiedergeben. Dahingegen gibt es eine Menge Werke, die die Inquisition eher in ein heiligeres Licht rücken - dieser Aspekt lässt sich wohl durch die damaligen kirchlichen Regeln für die Kunstproduktion und den Kunsthandel erklären. Zudem schienen Künstler mit dieser Institution eher zu sympathisieren, denn "wer ihr zuarbeitete, galt als Person reinen Blutes und durfte mit vielen Vergünstigungen rechnen."1

Das Ziel dieser Hausarbeit ist es, zu prüfen, inwiefern die Inquisition Eingang in unterschiedliche Bereiche der Kunst fand und wie der Orden der Dominikaner dargestellt wurde.

2. Die Jungfrau der Katholischen K ö nige

Das erste Stück der Malerei, das ich behandeln möchte, ist ein Ölgemälde auf Holz, das gegen Ende des 15. Jahrhunderts durch die Hand eines unbekannten Malers entstand (Abb.1). Der Blick schweift zunächst über den gekachelten Boden hinauf zur thronenden Madonna, die ein scharlachrotes Gewand trägt und auf dem Schoß das Jesuskind hält. Vor ihr sehen wir in anbetender Haltung König Ferdinand II. von Aragonien und Königin Isabella I. von Kastilien, die sogenannten Katholischen Könige, und neben ihnen ihre beiden Kinder Juan und Isabel. Weiterhin sehen wir links den hl. Thomas von Aquin (stehend) und Tomás de Torquemada (kniend) und rechts den hl. Dominikus (stehend) und den hl. Petrus Martyr aus Verona (kniend).2

Personen, die zu unterschiedlichen Zeiten und Orten gelebt hatten, werden gemeinsam in heilig wirkender und feierlicher Pose abgebildet. Was möchte der Künstler hiermit aussagen? Welche Verbindung gibt es zwischen den Abgebildeten? Diese und ähnliche Fragen kann uns die Geschichte beantworten.

2.1 Zur Geschichte

Die Katholischen Könige bekamen ihre Bezeichnung 1494 durch Papst Alexander VI. verliehen. Dieser Titel meint jedoch nicht unbedingt nur den Glaubenseifer dieses Herrscherpaares, sondern vielmehr ihre Art und Weise, religiöse Angelegenheiten zu politischen zu machen. Vor ihrer Thronbesteigung 1474 durften der Christentum, der Islam und das Judentum seit Jahrhunderten auf der iberischen Halbinsel nebeneinander unter Spannungen und Wettstreit, aber auch wichtigen gegenseitigen kulturellen Impulsen existieren. Man konnte demnach wohl kaum von einem festen Katholizismus sprechen. "Was sollte ich in diesem von Mauren und Juden verseuchten Land?", hatte Erasmus zur Antwort gegeben, als er 1516 nach Spanien eingeladen wurde.3 In der Vergangenheit wurde den iberischen Herrschern öfters angeraten, sie mögen insbesondere antijüdische Maßnahmen treffen, was sie aber ablehnten. Sie begründeten ihre Entscheidung damit, dass die Juden allezeit gute Steuerzahler waren. Zudem waren sie stets bereit, zusätzliche finanzielle Beiträge abzuführen, um ihren Status aufrecht erhalten zu können.4 Das mittelalterliche Spanien war von Toleranz geprägt, doch zunehmend entwickelte sich der Antisemitismus,aufbauend auf falschen bzw. übertriebenen Vorstellungen, Juden nähmen die Plätze freier Berufe ein und für die christliche Mehrheit bliebe nur die Position in der Landwirtschaft übrig, was allerdings die historische Forschung klar abstreitet.5 Diese antisemitische Bewegung wurde durch die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse im 14. Jahrhundert bekräftigt und gipfelte 1391 in einem Massaker, wo alle nicht geflüchteten Juden, die sich nicht zum Katholizismus bekannten, nieder gemetzelt wurden. Die bekehrten Juden widerum nannte man conversos, welche fortan unter teilweise mühevollen Voraussetzungen, und darum auch ohne Überzeugung, ihr neues christliches Leben in der Stadt meistern mussten, was weniger gelang. Insgeheim klammerten sie immer noch an ihrem ursprünglichen Glauben.6

Kurz nach der Thronbesteigung 1474 kamen Berichte vor Ferdinand und Isabella, dass die konvertierten Christen, die conversos, nach außen hin den Katholizismus praktizierten und ausnutzten, um beispielsweise öffentliche Ämter zu übernehmen und in den Genuss mancher Sonderrechte zu kommen - doch in Wahrheit übten sie die Bräuche ihrer alten Religion weiterhin aus. Das Königspaar handelte nicht sogleich, sondern ließ sich etwa vier Jahre für Überlegungen und Forschungen Zeit. "Es ist nicht die Art der Katholischen Könige, zu improvisieren und sich, vor allem in einer so ernsten Angelegenheit, ohne gründliche Untersuchung des Problems zu entscheiden."7

Schließlich waren beide überzeugt, der Situation entgegen zu wirken und der insbesondere antisemitischen Stimmung nachzugeben, und wandten sich an den Papst mit der Bitte, ein Inquisitionsgericht gründen zu dürfen. Am 1. November 1478 erließ Papst Sixtus IV. eine Urkunde, die sogenannte Bulle Exigit sincerae devotionis, die es dem Herrscherpaar erlaubte, selbst Mitarbeiter auszuwählen und Inquisitoren zu ernennen. Bis dato war es der Papst, der über das Personal zu entscheiden hatte.8 Zwei Jahre später erging folgender Erlass: "Ich, der König. Ich, die Königin.[...] Kraft dieser Bullen hat man angefangen, in unseren Reichen die Inquisition gegen die Ketzerei einzurichten."9

Die ersten Inquisitonsprozesse wurden von zwei Dominikanermönchen geführt, doch durften sich nun auch weltliche Personen an der Regie dieses Schauspiels beteiligen. Die iberische Halbinsel wurde in sogenannte Inquisitionsdistrikte eingeteilt und die Beaufsichtigung übernahmen größere Städte. Der nun eingeführte Inquisitionsapparat hatte eher den Charakter eines mächtigen, steifen

Kontroll- und Überwachungssystems, der durch eine große Anzahl von Mitarbeitern betrieben wurde. "Wer ihr zuarbeitete, galt als Person reinen Blutes und durfte mit vielen Vergünstigungen rechnen - in der Form des Familiar (des Vertrauten) war dies auch für Künstler interessant."10 Tatsächlich gibt es zwei nachweisbare Fälle von Künstlern, die sich um die Stelle als Familiar bei der Inquisition bewarben.11 Da damals eine Ständegesellschaft herrschte, war dieser Weg einer der wenigen, um sozial aufzusteigen und Ehre zu empfangen.12 Denn kaum einem Künstler blieb das Glück eines Velázquez vergönnt.

2.2 Tomás de Torquemada

Der erste, 1483 ernannte Großinquisitor von Aragonien und Kastilien war Tomás de Torquemada, der zuvor Vorsteher des Dominikanerklosters von Santa Cruz in Segovia war, zudem Beichtvater der Königin Isabella I..13 Schon früh habe Torquemada ein Gelübde von Isabella, und später auch von Ferdinand, verlangt, nämlich alle Bewohner des Landes von ihrem Irr- und Unglauben abzuwenden und zum Katholizismus zu bekehren. Nicht mehr drei Religionen, sondern "ein Glaube, eine Sprache, ein König sollten [...] herrschen."14 Das einzige Mittel dazu sei die "heilige Inquisition"15 Torquemada trug immer die bekannte Kutte der Dominikaner und führte einen streng asketischen Lebensstil.

2.3 Der Heilige Dominikus

Bekannt ist er auch unter den Namen Dominikus von Caleruega, seiner Geburtsstadt, oder Domingo de Guzmán. Er lebte Anfang des 12. Jahrhunderts. Im Gegensatz zu Franziskus, der eine Menge schriftliches Gut über sein Leben und Werk hinterließ, so gibt es von Dominikus selbst kaum Schriften, Bücher oder Briefe.16 Seine Geburt ist bereits mit Legenden umrankt, seine Mutter habe ihren Sohn in Visionen mit einer Mondsichel gesehen oder auf ihrem Schoß einen Hund mit einer Fackel im Maul. Beides sind Sinnbilder für das Licht sind, das Dominikus durch seinen Dienst in diese Welt bringen würde. Geboren wurde er etwa 1170 als Sohn einer altkastilischen Adelsfamilie bei Burgos. Es war eine Zeit, in der die islamische Besetzung ein für alle Mal durch die spanischen Herrscher zerschlagen wurde und man nun begann, die erretteten Gebiete wirtschaftlich, kulturell

[...]


1 Scholz-Hänsel, Michael: Inquisition und Kunst. Convivencia in Zeiten der Intoleranz, Berlin 2009, S. 27.

2 Scholz-Hänsel, Michael: Inquisition und Kunst. Convivencia in Zeiten der Intoleranz, Berlin 2009, S. 133.

3 Pérez, Joseph: Ferdinand und Isabella. Spanien zur Zeit der Katholischen K ö nige, München 1989, S. 8.

4 Pérez, Joseph: Ferdinand und Isabella. Spanien zur Zeit der Katholischen K ö nige, München 1989, S. 265.

5 Pérez, Joseph: Ferdinand und Isabella. Spanien zur Zeit der Katholischen K ö nige, München 1989, S. 263f.

6 Pérez, Joseph: Ferdinand und Isabella. Spanien zur Zeit der Katholischen K ö nige, München 1989, S. 263ff.

7 Pérez, Joseph: Ferdinand und Isabella. Spanien zur Zeit der Katholischen K ö nige, München 1989, S. 273f.

8 Scholz-Hänsel, Michael: Inquisition und Kunst. Convivencia in Zeiten der Intoleranz, Berlin 2009, S. 26.

9 Lucka, Emil: Torquemada und die spanische Inquisition, Leipzig 1926, S. 57f.

10 Scholz-Hänsel, Michael: Inquisition und Kunst. Convivencia in Zeiten der Intoleranz, Berlin 2009, S. 27.

11 Scholz-Hänsel, Michael: Inquisition und Kunst. Convivencia in Zeiten der Intoleranz, Berlin 2009, S. 158ff.

12 Scholz-Hänsel, Michael: Inquisition und Kunst. Convivencia in Zeiten der Intoleranz, Berlin 2009, S. 161.

13 Pérez, Joseph: Ferdinand und Isabella. Spanien zur Zeit der Katholischen K ö nige, München 1989, S. 282.

14 Lucka, Emil: Torquemada und die spanische Inquisition, Leipzig 1926, S. 46f.

15 Lucka, Emil: Torquemada und die spanische Inquisition, Leipzig 1926, S. 56.

16 Steinen, Wolfram von den: Franziskus und Dominikus, Breslau 1926, S. 12. 6

Details

Seiten
21
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656581475
ISBN (Buch)
9783656581123
Dateigröße
5.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268006
Institution / Hochschule
Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – Institut für Kunst- und Baugeschichte
Note
2,0
Schlagworte
darstellung dominikanerordens inquisition

Autor

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